erz_rabenschwarzer_samstag.htm
ein rabenschwarzer Samstag

Alternativtitel: Wenn Albträume wahr werden .... 

 

ein haarsträubender Tatsachenbericht über einen Vorfall vom 2.11.2002  

Wikänds sind zur Erholung da! Und genau dafür hatten wir uns das erste Wochenende des Novembers 2002 reserviert. Nach dem Sommerferienstress und der anschliessenden Wiederangewöhnungszeit ans Erwerbsleben, oder der Rückführung unseres 'Aramis' von Strasbourg nach Kembs durch den Orkan, der das letzte Wochenende im Regenbogenland wütete, wollten wir nun endlich einmal einfach nichts tun.

Und dann war da ja noch die Einladung von Suzanne und Ivo, die wir kennenlernten, weil wir unsere Reiseerlebnisse so akribisch notieren und immer wieder in unserem Clubheft " L'ancre de Kembs" und hier im Web auf unserer Club-Website veröffentlichen und weil sie doch auch bald ein Schiff erwerben und damit ins Glück fahren wollen. Und wem anders gibt man seine in langen Jahren zusammen gesammelten Erfahrungen lieber preis als aufmerksamen Zuhörern? Also wurde, wenn wir schon Richtung Basel fahren wollten, doch auch gleich noch nach Therwil telefoniert, wo man uns spontan zu einem feinen Nachtessen einlud. Wir fanden das Anwesen sogar im Dunkeln (wer unsere navigatorischen Fähigkeiten kennt, weiss was das heisst) und eruierten bei Apéro, Diner und Dessert das für und wider von schweizerischen und ausländischen Liegeplätzen, die verschiedenen holländischen Bootsbauer, die Fahrreviere und Möglichkeiten auf den nahen Kanälen etc.

Kurz vor Mitternacht machten wir uns nach einem schönen Abend auf den Weg nach Kembs, wo wir eine halbe Stunde später angekommen, natürlich zuerst noch unsere Habseligkeiten um- resp. einluden (ich staune jedes Mal, wieviel Sachen auf Geheiss der besten aller Ehefrauen jedes Wochenende das Domizil wechseln müssen, obwohl wir doch schon alle Einrichtungsgegenstände mindestens in doppelter Ausführung besitzen) und die Hausaufgaben (also all die Sachen, die man zu Hause handwerklich anfertigt und soweit vorbereitet, dass man sie im Hafen nur noch ins Schiff "einbauen" muss). Dann war da noch etwas vorzuheizen und, weil der Schlauch gerade so schön geringelt auf dem nachtdunklen Steg lag, auch die Versuchung gross, doch gleich noch Wasser zu bunkern; den am nächsten Morgen war die Tagwache früh angesagt, hatte ich uns doch an der rund 15 Km. von Kembs entfernten Schleuse No. 41 für 9 Uhr angemeldet. Und die frühe Anmeldung war auch nur nötig, weil die beste aller ..... doch am Samstagmorgen unbedingt auf dem Markt in Mulhouse shoppen gehen wollte, denn Wikänds sollen ja schliesslich der Entspannung dienen.

Für unsere Begriffe viel zu früh wurden wir am Samstag vom Handy geweckt (o.k. dieses war halt einfacher zu programmieren als der supermoderne Funkwecker mit angeblich 2 Weckzeiten, aber keiner kamen wir auf die Schliche). Die Frau des Kapitäns (auf den heimatverbundenen Namen 'Heidi' hörend) sinnierte halblaut vor sich hin, ob denn nicht vielleicht zufällig noch eine Zeitumstellung anstünde, durch die  wir noch eine Stunde Schlaf zugute hätten? Sie war, mit anderen Worten, nur äusserst mühsam aus den Daunenduvets zu kriegen. Nach dem Duschen half sie dann aber artig beim Ablegen, strich auf dem Weg zum "Loch Ness" feine Confi- und Honigbrote und so fuhren wir den Canal de Huningue hinunter. Bei der Schleuse "Niffer" erkundigte ich mich über Kanal 22 ob man von No. 41 eine weitere Telefonnummer besässe, denn am Freitag Mittag konnten wir nur auf Band sprechen und erhielten damit keine Zusage, dass man die Anlage wirklich für uns bedienen werde. Erstmals meldete sich ab dem "Tower" in Niffer eine Frauenstimme ! Sie liess mich unsere Kennung mehrfach wiederholen (was für ein Boot, wie war doch gleich der Name und wo wir uns befänden, dies obwohl wir die Anlage eben jetzt gerade direkt vor ihrem Fenster passierten ..).

Dann legte sie sich aber mächtig ins Zeug und versuchte sich in der telefonischen Anmeldung. Dass sie schliesslich erfolgreich war, realisierten wir (Plaisanciers, die sich ja am Wikänd erholen wollen), als wir bei nunmehr abgehaltenem mittelstarken Regenfall um 8.59 in die Zielgerade vor der Schleuse 41 einliefen und die Tore weit offen standen. Nach dem Belegen und Hochschleusen halfen wir beim Öffnen der vorderen Türen. Der Schleusier zeigte auf einen Gerümpelhügel, auf dem zuoberst ein alter, ausgedienter Farbfernseher einer bekannten holländischen Marke thronte. Das alles habe er heute Morgen schon aus dem Kanal (vor den oberen Toren), gefischt; die Kanalanwohner seien Schweine!

Wir verkneifen uns eine eigene Meinungsäusserung (immerhin hatte man uns vor zwei oder drei Jahren schon einmal ganz in der Nähe ab einem mit einer Bauruine verzierten Grundstück mit Steinen beworfen) und fahren bis zum Vieux Port weiter, wo wir bereits von Toni (Antoinette) und Walter Braak zur Mithilfe bei der Vertilgung eines zweiten Frühstücks erwartet werden.

Wir geniessen feine Croissants und frische Baguette. Und als der Regen dann endlich nachlässt, beschliessen die Frauen sich nun in Ile Napoléon einem nahen Einkaufszentrum zu nähern. Walter und ich haben noch diverse Unterhaltsarbeiten vor.

Der Betriebsstundenzähler unseres "Aramis" notierte seit dem 18. Juli nun schon fast 230 Betriebsstunden(!); es war also höchste Zeit für einen Öl- und die damit ebenfalls fälligen Filterwechsel. Das dafür nötige Material, namentlich die Filter und neues Öl führten wir schon einige Zeit mit uns und nachdem der Motor von der morgendlichen Herfahrt immer noch warm war, schätzte ich den richtigen Moment für gekommen. Haushaltspapier und das nötige Werkzeug wird bereit gelegt, die vordere Motorluke (80 x 110 cm) geöffnet und zur Seite gestellt. Ich steige runter, pumpe mit dem am Motor angeflanschten Pumphebel sehr bequem das alte Öl ab und ärgere mich erst anschliessend mit dem Ölfilter-Entfernwerkzeug herum. Der auf Kniehöhe montierte Filter sitzt sehr fest und braucht einige deftige verbale, nicht unbedingt jugendfreie Zuwendungen, bis er sich endlich lösen lässt. Dank einem untergestellten Becken (ein der Höhe nach hälftig aufgeschnittener Frostschutzbehälter eignet sich hervorragend) kann der Filter nach der letzten Drehung, dem ja sofort noch ein ordentlicher Schluck dreckiges Öl folgt, gleich ohne weitere Verschmutzung der Umgebung entsorgt werden. Das gleiche wird jetzt noch mit dem Diesel-Feinfilter durchgezogen, hier fliesst einem zur Abwechslung einfach Diesel über die längst nicht mehr sauberen Pfoten. Die neuen Filter werden dann (natürlich, so haben wir's gelernt und auch schon einige Male praktisch vollzogen; erst nach dem Einölen der Gummidichtungsringe), montiert und schliesslich wieder frisches Öl eingefüllt. Beim Befüllen ab 10 Liter-Kanister ärgere ich mich jedes Mal über das Gebinde; warum haben die Behälter nicht zwei Deckel, so dass während dem Kippen aus einer Öffnung am dem Ausfluss entgegen gesetzen Rand Luft entweichen könnte? Dann wäre das Einfüllen ohne Verschütten und Trichtersuche so einfach .....

Als der Ölmessstab genügend eingesumpft scheint, entere ich den Aussensteuerstand und starte von dort den Motor, der natürlich, weil ihm vorderhand ja noch Diesel aus dem leeren Feinfilter fehlt, nicht anspringt. Nach vielleicht 5 oder 6 Sekunden dreht dann der Anlasser schneller und das beruhigende Dieselbrummen nimmt Überhand. Er läuft wieder! Geschafft, saubere Arbeit, keine Schweinerei hinterlassen, ich war nahe dran, mir wieder einmal auf die Schultern zu klopfen. Motto: Macht man's selber, macht man's richtig! Ich gebe noch etwas Gas, will sicher sein, dass die Dieselförderung dann nicht plötzlich einen Schluckauf kriegt, wenn wir Morgen, Sonntagabend wieder auf dem Kanal unterwegs sei werden.

Plötzlich dringt ein spritzendes, plätscherndes Geräusch in mein  Bewusstsein, es tönt so, wie wenn ein Schiff vorbeiführe (schaue mich um, da sind zwar viele Schiffe im Hafen, aber keines das fährt), oder wie ein ordentlich aufgedrehter Wasserhahn und, dies irritiert mich nun deutlich, das Ganze dringt aus unserem Schiff! Aber ich liess doch gar keinen Hahn laufen; was soll das also? 

Über die Treppe steige ich in den Salon und ..... traue meinen Augen nicht, aus dem offenen Motorluk spritzt fingerdick ein schwarzer Ölstrahl gegen die (vom Ölfilter aus gemessen), rund 3 Meter höher gelegene Holztäferdecke, genau auf einen der Deckenspots, von dort dank gehörigem Druck rundum gegen das seitliche Fenster an steuerbord gegen das rechte vordere Frontfenster, über die neuen Vorhänge. Auf den neuen grün/goldenen Polsterbezügen der Sitzbank, auf dem Möbel zwischen Salon und Pantry liegt schon eine üppig grosse Öllache. Es tropft auf den mittelhochflorigen, ockerfarbenen Teppich, ein Albtraum in Reinkultur!

Nachdem die Schrecksekunde durch ist, rase ich die 5 Tritte aufs Achterdeck hoch, stelle sofort den Motor ab. Ich kann nicht glauben was ich eben gesehen habe, kehre sofort wieder in den Salon zurück. Aber ich habe mir die Schweinerei nicht eingebildet, bin (leider) nicht im falschen Film und auch Kneifen nützt gar nicht; ein Bereich von sicher gegen 5 Quadratmetern, darunter die Hälfte der Sofasitzkissen, ist mehr oder weniger von schwarzem Öl bedeckt und auch darüber hinaus hat es noch Spritzer, es tropft von der Decke und aus den Vorhängen, läuft die Scheiben hinunter, über die Kaffemaschine, in die halboffen auf dem Sofa stehende Laptoptasche, die CD-Sammlung, den Digitalfotoapparat. Die schreckliche Erkenntnis, dass hier kein "Undo-Button" (für nicht PC-User: Eine Möglichkeit, den letzten Vorgang schmerzlos rückgängig, also ungeschehen zu machen) vorhanden ist, gewinnt Überhand. Klare Gedanken sind nicht mehr möglich, ich schreie die Einrichtung, die meine mir Angetraute vor wenigen Monaten mit viel Liebe zusammengestellte und nun unter einer dicken, schwarzen, glänzenden, ekligen Ölschicht liegt, an, aber die hoffnungslos erscheinende Situation änderte sich dadurch natürlich überhaupt nicht. Mein Puls beschleunigt sich, es hämmert nur noch im Schädel und plötzlich gibt etwas nach ........

Das nächste an was ich mich, im Nachhinein zusammengereimt, sicher erinnere, ist, dass meine Brille fehlt und sich ein loses Stück (Weisheits-!) Zahn im Mundraum befindet und einer der Schneidezähne eine ganz scharfe Kante aufweist. Die linke Wange schmerzt und schwillt an. Ich weiss zwar nicht mehr wie, aber irgendwie war ich zwischen dem Motorblock und Boiler verklemmt. Ich kletterte wieder hinaus, realisierte, dass ich ohne meine Brille diese auch nicht finden werde. 

Also schnell über den Steg gehumpelt (ja, der linke Fuss schmerzt auch) zu Walter; er hat mir schon oft und wird mir sicher auch jetzt wieder helfen. Ich muss ziemlich beunruhigt tönen, sein Kopf taucht sofort aus dem Schiffsinneren der "Gugi" auf. Gleichzeitig erkenne ich umrissmässig, dass die Frauen soeben vom Einkauf zurückgekommen sein müssen, gerade am einparken, nein, sogar schon am Ausladen sind.

Nein, ich kann nicht, wie gebeten, tragen helfen, rufe etwas von einer passierten Katastrophe!, sofort kommen alle zu und auf unser Schiff. Niemand glaubt, was er in unserem Salon zu Gesicht bekommt. So etwas sieht man sonst nur in Horror- oder drittklassigen Fernsehfilmen.

Ich rapportiere kurz woran ich mich spontan erinnere und will mit putzen beginnen, weiss zwar nicht womit und wo, sehe auch gar nichts klar, will aber auch wegputzen, was ich nicht sehen kann. Jean-Luc von der nebenan liegenden Yacht "Irene" findet meine (Gott-sei-Dank unversehrte) Brille in den Tiefen des Motorraumes und lässt mich so das Schauerliche wieder schärfer sehen. Heidi will die Wunde an der inzwischen stark geschwollenen Wange näher betrachten, es blutet, ich will aber nichts davon wissen. Dann zeigt sie auf den Boden, ich stehe in einer Blutspur, habe mich offenbar beim Sturz auf das Motorfundament grossflächig an der Fusssohle geschnitten. Es tut aber kaum weh, nur der Nacken schmerzt und der abgebrochene Zahn gibt mir zu denken. Man besteht im Plenum darauf, dass ich sofort ins Spital zu gehen hätte und als mich dann, von Minute zu Minute mehr, jeder Schritt zu schmerzen beginnt, die Hüfte sich auch meldet und die linke Wange aussieht, als wäre Mumps ausgebrochen und gleich nach unten gerutscht, sehe ich die Richtigkeit der Aufforderung schon irgendwie ein. Jean-Luc kennt den Weg, Walter hat ein Auto, so läuft der Transport in ein nahe dem Hafen gelegenes Spital also an. Mir war zwar bisher der Gedanke ausserhalb der Schweiz ein Spital zu besuchen, nie ganz geheuer, kann aber im Nachhinein sagen, dass man unseren Verhältnissen in Nichts nachsteht. Die Notaufnahme klappte ohne Verzug, zwei PflegerInnen kümmerten sich um die Wange und den Fuss, fragten nach der letzten Tetanusspritze, dann wurde der Zahnschaden begutachtet. Ein Arzt schaute zweimal herein, prüfte schliesslich die sorgfältig angepassten Verbände, schreibt einen Rezeptzettel voll und instruierte mich anschliessend was und wann ich etwas zu tun hätte. Das ganze Prozedere kostete 40 Euros; ein Discountpreis!

Meine beiden Begleiter übernahmen mich danach wieder und fuhren unterwegs noch an einer Apotheke vorbei, wo sie das erhaltene Rezept gegen eine ganze Tüte voller Medis und Pflaster (plus Gurgelwasser gegen eine Zahnentzündung) eintauschten. Weitere 30 Euros wechselten damit den Besitzer, auch hier fiel der Unterschied zum CH-Level sofort auf ..... Die Schmerzen waren auszuhalten, trotzdem war die Fahrt zurück in den Hafen kein Grund zur Freude, im Gegenteil, wie mochte es wohl auf dem Schiff aussehen; hatten die Frauen vor der Ölflut kapituliert? Ich hätte es verstanden ....

Dann die erste positive Überraschung, Heidi und Toni hatten eine Wahnsinnsarbeit geleistet; die Polster lagen unter einer dicken Salzschicht, die Vorhänge waren entfernt, die Teppiche im Salon und der Pantry waren abgetupft, die Decke, die Möbel und Fenster abgewischt und und und ... Alles glänzte zwar noch wie eine Speckschwarte, aber das grausige Schwarz war zum grössten Teil weg, das Laptop war ausgepackt und geputzt, der Fotoapparat gereinigt (2 x riesig Glück gehabt, die Geräte laufen noch). Unmengen von Haushaltpapier waren eingesetzt worden, zig Säcke voller "Sondermüll" standen herum. Der Albtraum hatte endlich eine Begrenzung gefunden. Ich hätte mich gerne hingelegt und die Wunden geleckt, aber es liess mir keine Ruhe, ich wollte wissen, warum DAS passieren konnte, ich hatte ja heute nicht zum ersten Mal einen Ölwechsel gemacht !

Walter war natürlich ebenfalls neugierig, also stieg er, nachdem die gröbsten Reinigungsarbeiten erledigt waren, in den Motorraum hinunter, entfernte und untersuchte den neuen Ölfilter. Er entdeckte, dass die Filterdichtung (von oben) visuell ganz minim, aber doch sichtbar war, vermutete, dass sie beim Einbau wohl ihren Sitz verlassen, sich irgendwie verkantet haben könnte. Er baute den Filter aus, worauf ihm nun Öl über die Finger lief. Erst einmal extrahiert, erhärtete sich der Verdacht aber nicht, denn der dicken Gummidichtung des Teils war nichts anzusehen, also baute er ihn wieder ein. Wiederanziehen ging problemlos, "verkantet" worden war das Gewinde also auch nicht. Um wieder auf einen mittleren Ölstand zu gelangen, mussten rund zwei Liter Öl nachgefüllt werden. Damit war auch in etwa bekannt, was sich im Salon und der Pantry so verteilt hatte. Walter bestand dann auf einem Probelauf, wobei er zur Sicherheit (und um allen Anwesenden ein weiteres Trauma zu ersparen), das schwere Motorluk halb schwebend über den Motorblock hielt. Der Probelauf gelang; kein Tröpfchen fiel in die Bilge, kein Spritzer verliess das Gehäuse. Was aber war denn nun die Ursache gewesen?

Sie offenbarte sich erst etwas später, als ich beim reinigen der Bilge das sich dort und unterhalb der Lenzpumpe zusammengelaufene Öl noch aufnehme. Unter dem Motorblock finde ich nämlich eine Dichtung! Und nun gibt es genau zwei Möglichkeiten, entweder ist diese beim Wiedereinsetzen des neuen Ölfilters anlässlich der Inspektion von Walter hinaus gefallen und fehlt nun, oder ..... es handelt sich hier um die alte Dichtung des alten, entfernten Filters. Da ich den neuen, beim vorherigen Probelauf ja auch dichten Filter nicht nochmals ausbauen will, suche ich jetzt den Müllsack, der den alten enthalten muss. Und ich finde den Filter tatsächlich und stelle fest, dass dort die Dichtung fehlt! Also muss diese beim Filterwechsel unterhalb des Gehäuses unbemerkt kleben geblieben sein und ich habe die neue Patrone mit der darin eingelegten neuen Dichtung darüber angezogen! Die zwar starke Erkenntnis, dass etwas das mit zwei Dichtungen versehen ist, nicht doppelt so dicht hält, sondern gewaltig rinnen kann, tröstete mich aber nicht wirklich.

Fazit: Kleine Ursache mit riesiger Wirkung!

Da es sich hier um eine besondere Erzählung nach einem sehr ungewöhnlichen Erlebnis handelt, schliesse ich nicht wie gewohnt kurz angebunden, sondern spreche für einmal einen grossen Dank aus: 

- an meine mir auch heute (trotzdem) noch wohlgesonnene Gattin Heidi
- an unsere Freunde, die spontan zupackende Toni (Antoinette Braak), die über Stunden physisch und psychisch eine grosse Hilfe bei der Wiederherstellung des 'Status quo ante' und zudem auch noch für unser leibliches Wohl besorgt war
- an deren Gatten Walter, der auf meinen Hilferuf sofort adäquat reagierte und sehr sensibel seinen zuweilen schwarzen Humor für einige Stunden einfror
- an Jean-Luc für seine geschätzte sprachliche Hilfe und Begleitung in den Spital
- seine Gattin Irene für die prompte Zurverfügung-Stellung von Spezialputzmitteln
- an Rion für die ausgezeichnete und doch auch zahnschadenkonforme Verköstigung am Samstagabend an Bord der "Cosmos" und schliesslich
- natürlich auch der Notaufnahme des Spitals in Mulhouse!

Nein, Katastrophentouristen können wir inzwischen nicht (mehr) befriedigen, man sieht unserem Salon kaum mehr etwas an. Die Vorhänge wurden mit einem speziellen Enzym, welches Fett bindet, gewaschen, der Teppich mit "Ajax Glasrein" besprayt und sofort wieder abgetupft, die Sitzpolster zur Spezialreinigung der fast ein Wunder leistenden Fa. Apropo Service AG in Mettmenstetten verbracht.

Und auch die Genesung dümpelt nicht mehr in weiter Ferne .....

Übrigens: Nächstes Wikänd fahren wir wieder nach Kembs auf unseren "Aramis", den Wochenenden sind schliesslich zur Erholung da!

Nun noch einige Tips des Reinigungsfachmannes; sollte Dir, geschätzter Leser, dummerweise nach einem simplen Ölwechsel in der Art einer "Home-Ölpest" ähnliches widerfahren;

- bei einer Ölverschmutzung soll man nie versuchen, die Sachen mit resp. in einem normalen Waschvorgang zu waschen; da sich Öl nicht mir normaler Seifenlauge, nur in Verbindung mit Lösungsmitteln lösen lässt

- als Vorbehandlung empfiehlt sich ein Abtupfen (nicht Reiben!) mit einem weissen, saugfähigen Tuch mit Rein- oder Putzbenzin oder 80 % Alkohol, dann erst waschen

- Sachen, die nur chemisch gereinigt werden dürfen, sollen sofort zum Spezialisten gebracht werden. Keine Bearbeitungsversuche starten! Flecken können bei einer chem. Reinigung zu 80 % entfernt werden (wobei natürlich immer ein "Restrisiko" bleibt).

Ich danke an dieser Stelle dem Familienunternehmen Apropo, Hrn. und Frau Gerster tausendfach für die uns geleistete Hilfe. Hr. Richard Gerster hat mich ermächtigt, seine Telefon-Nummer zu veröffentlichen. Wer in einem Fleckennotstand steckt, darf ihn unter der Nummer 01 / 776 88 99 oder 079 / 420 20 74 anrufen!

Der Artikel erscheint in der L'ancre de Kembs Ausgabe Dez. 2002

Ó  F. Engeler

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