| Kanalkunde von Peter Rudolf von Rohr:
Rhône-au-Rhin |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Der
"Canal du Rhône au Rhin" verbindet den Rhein mit der Rhône,
d.h. die Nordsee mit dem Mittelmeer. Er ist der grösste, wichtigste und
am meisten befahrene der elsässischen Kanäle. Er ist 236 km lang und hat
114 Schleusen, die einen Höhenunterschied von 270 m überwinden (110 m
Aufstieg von Niffer bis in die Scheitelhaltung, 160 m Abstieg von
Montreux-Château bis zur Saône).
Der Kanal beginnt heute mit der Schleuse Niffer und ist bis zur "Ile Napoléon", kurz vor Mulhouse, als Grossschifffahrtsstrasse für Schubverbände von bis 3000 t Ladekapazität ausgebaut. Der Rest des "Canals", mit Ausnahme einer kurzen Strecke in der Nähe von Montbéliard, ist nur für Pénichen mit einer Ladefähigkeit von 250 t geeignet. Er entspricht den Freycinet-Abmessungen: Länge 38.5 m, Breite 5.2 m. Der erste 15 km lange Abschnitt führt durch die "Elsässer Hard". Bis vor kurzem war dies ein hässlicher, langweiliger Kanalabschnitt mit künstlichen schrägen Ufern aus Macadam. Zwischen Februar und Juni 1995, als dieser Kanalabschnitt zur Grossschifffahrtsstrasse ausgebaut wurde, sind diese künstlichen Ufer ersetzt worden. Fast auf der ganzen Strecke wurden die schrägen Macadam-Ufer durch Kalksteinaufschüttungen ersetzt, die Ufer neu gestaltet, Hinterwasser angelegt, Picknickplätze und ein Veloweg erstellt. Die ganze Uferzone wurde so erneuert, dass der Kanalabschnitt heute einer natürlich entstandenen Flusslandschaft gleicht. In den vergangenen Jahren haben sich die Wasservögel sehr stark vermehrt: Reiher, Enten, Schwäne, Haubentaucher, Sumpfhühner; seit kurzem gibt es sogar Eisvögel, obwohl die harten Ufer nicht ihre idealen Nistplätze sind.
Gleichzeitig baute man die neue Schleuse Niffer mit folgenden Abmessungen :
Für den Bau waren folgende Arbeiten notwendig:
Der ursprünglich gebaute "Canal du Rhône au Rhin" als Verbindung von der Saône zum Rhein führte von hier aus über die "Branche Nord" nach Rhinau. Der Abschnitt "Ile Napoléon - Niffer - Kembs - Hunigue" war lediglich ein Zusatzstück. Darauf ist die eigentümliche Tatsache zurückzuführen, dass man von Kembs bis vor die "écluse 41" zu Tal fährt und die Bergfahrt erst nach der Ecluse 41 beginnt. Im nahegelegenen riesigen Einkaufszentrum (zehn Minuten zu Fuss) kann man bequem einkaufen. Ausserdem gibt es zwei Restaurants der gehobenen Klasse: Das Restaurant "Le Parc" in Illzach-Modenheim, das tatsächlich an einen Park angrenzt (eine Viertelstunde zu Fuss), und "La Closerie" in einer alten Villa nahe beim Einkaufszentrum (fünf Minuten zu Fuss). Gegenüber dem Autofriedhof befindet sich die Kiesverladestelle. Sie wird per Camion aus den umliegenden Kieswerken im Elsass versorgt. Hier lädt jeden Tag "Kies-Ueli" (benannt nach Ueli Stamm, Mitinhaber des gleichnamigen Baugeschäftes) mit seinem "Kommissionenzettel" feinen, mittleren und groben Kies und bringt ihn nach Birsfelden zur Firma "Fertigbeton", wo er verarbeitet wird. Am Ufer liegt ein herausgeschnittenes, ca. 5 m langes Schiffsstück. Es wurde entfernt, als "Kies-Ueli" dazu verknurrt wurde, auf dem "Canal du Rhône au Rhin" zu fahren , weil kein Kies mehr aus dem Rhein gebaggert wird. Und da die alte Niffer-Schleuse für seine Abmessungen zu kurz war, schweisste man kurzerhand ein Stück "Kies-Ueli" heraus. Hier befindet sich seit 1923 auch der "Chantier Naval Spinhirny". Camille Spinnhirny (verstorben 1916) hat 1863 bei der Schleuse Nr. 39 "Brunstatt" einen slip-way für Boote bis zu 30 m Länge gebaut. Bis 1925 wurden hier Stahl- und Holzboote gebaut und gewassert. Einer seiner Söhne, Jules Spinnhirny (1883 - 1957), hat 1923 den Betrieb zur "Ile Napoléon" östlich der Eisenbahnbrücke verlegt. Bis 1950 sind hier etwa fünfzig Kanalboote (davon zwanzig aus Stahl) gebaut worden. 1950 wurde ein Trockendock für Boote bis 350 Tonnen errichtet. 1967/1968 haben der Enkel und der Urenkel des Firmengründers ein neues Trockendock errichtet, indem sie die Schleuse der stillgelegten "Branche Nord du Canal du Rhône au Rhin", (die Verbindung nach Rhinau) dafür benutzen. Mit einer Breite von 16 m und einem Tiefgang von 3 m können Rheinschiffe mit den Abmessungen 85 x 12 m, oder gleichzeitig vier "Péniches" aufgenommen werden. Gegenüber sind die Eisbrecher "Celsius" und "Mulhouse" der "Voies Navigables de France" festgemacht. Die erste Schleuse nach Niffer ist Nr. 41 kurz vor Mulhouse. Sie wurde von Lionel Delaby bedient, der auch das Schleusenwärterhäuschen bewohnte. Er ist anfangs 1998 verstorben. Als ich am Samstag vor der Basler Fasnacht 1998 den "Prince du Carnaval de Mulhouse et son Bouffon" mit meinem "Bacchus" nach Mulhouse brachte, fragte ich an der ècluse Nr. 41 nach Lionel und bekam zur Antwort: "S'isch ämmel schu drei Wuche asser underem Booda-n-isch." Ich habe Lionel, seinen Dialekt, seinen Witz und seine Schlagfertigkeit gemocht und mich jedesmal auf den kleinen Schwatz gefreut. Er hat mir seinerzeit seine Unterlagen mit den Fachausdrücken, die er als Schleusenwärter lernen musste, geschenkt, damit ich mich auf die Prüfung für den "Permis Péniches de Plaisance" vorbereiten konnte. Ich vermisse ihn jedesmal, wenn ich die Schleuse Nr. 41 passiere. Das 8. und letzte der Gebote lautet: Ne meurs pas loin de la rivière. Ich hoffe, es ist Lionel gelungen. Seit der Verbreiterung des Abschnittes Niffer - Mulhouse ist die Schleuse Nr. 41 mit Funk ausgerüstet. Und entgegen allen Rheinfunkregeln wurde ihr der Kanal 10 zugeteilt, der eigentlich für den Verkehr Schiff / Schiff vorgesehen ist. Der Schleusenwärter legt eine erstaunliche Funkdisziplin an den Tag: Er wiederholt und quittiert. Die Schleuse Nr. 39 wurde 1860 verlegt und die Schleuse Nr. 40 aufgehoben, deshalb ist die Numerierung unlogisch. Im "Vieux Bassin de Mulhouse" gibt es Anlegemöglichkeiten. Am 25. April 1844 wurden die Bauarbeiten wie folgt ausgeschrieben:
Vor Jahren waren alle Liegeplätze vermietet, die Brasserie auf der "Péniche" war offen für Bootsleute und Einheimische. Dieses Boot, während des zweiten Weltkrieges ursprünglich für Munitionstransporte von England über den Ärmelkanal auf den Kontinent gebaut, wurde, wir mir erzählt worden ist, versenkt, wie andere Boote dieser Gattung im gleichen Einsatz auch. Da diese Boote den Freycinet - Abmessungen entsprachen, hat sie ein findiger Franzose erworben, zum Teil sogar die versenkten wieder gehoben und für den Einsatz auf dem französischen Binnenwassernetz verkauft. Bewirtet wurde die Péniche ursprünglich vom Ehepaar, welches noch als Berufsschiffer an Bord gefahren ist. Heute ist der Hafen leider verwaist und die Péniche verschwunden. Wolfi, der sich aus Eigeninitiative vom Vizehafenmeister in Kembs und seinerzeit Stellvertreter des legendären Hafenmeisters Günter Brandes, Skipper und Philosoph, über den neuen Niffer Hafen zum Hafenmeister von Mulhouse emporgearbeitet hat, wacht mit Argusaugen und adäquater Uniformierung über Ruhe, Sicherheit und Ordnung. Immerhin ist die Gegend um das "Vieux Bassin" ein richtiges Hafenviertel, befinden sich dort doch die Standplätze der Damen, die dem ältesten Gewerbe nachgehen. Der Halt vor dem Aufstieg zur Scheitelhaltung lohnt sich in jedem Fall für einen Stadtbummel. Der Ausflug mit Gästen an Bord des Bacchus ist schon seit Jahren Tradition. Meistens fahren wir um 09.00 in Kembs ab, treffen zum Apéro in Mulhouse ein und fahren nach dem Mittagessen und der Stadtbesichtigung wieder zurück, so dass wir zwischen 17.00 und 19.00 in Kembs ankommen. Die bevorzugten Beizen sind: "La Marmite", "Schnooggeloch", "Le Steinbach", "l'Os à la Moelle", "Aladin" und vor allem die "Wiistuwa zem Mehlàlà". Hier ist die Speisekarte auf "Elsässerdytsch" geschrieben. Als Vorspeise ist die "Tarte flambée" (Flammekueche) sehr zu empfehlen, die meisten Gerichte werden, wie es sich gehört, mit "Knepflé" als Beilage serviert, z.B. auch das "Escalope au miel". Ausser dem "Amère Bière" zum Apéro oder nach dem Essen werden seltene Schnäpse, wie "Baie de Houx" (Stechpalmen) oder "Alizier" (Elsbeere, Scheinbeere der Eberesche) serviert. Rabold aus Orschwihr liefert einen ausgezeichneten "Pinot Noir tiré sur fûts de chène". Das Fleisch liefert der Schwiegersohn der Patronne, Habegger an de "Rue de Bâle", Hersteller von ausgezeichneten "Boudins" (aber nur im Februar und März), der neuerdings auch eine eigene Beiz betreibt. Das Restaurant "Marmite" ist ein Familienbetrieb: Der Vater kocht, Mutter und Tochter servieren seine Spezialitäten aus dem "Languedoc", wie z.B. "Le Cassoulet de Castelnaudary" (gut gewürzter Eintopf mit weissen Bohnen, Gänseschmalz, Speck u. Schweinefleisch). Dazu wird ein ordentlicher "Minervois" (ein leichter, geschmeidiger, duftiger Rotwein aus dem "Languedoc") serviert. Von Zeit zu Zeit geht der Patron in seiner Heimat auf die Jagd. Die Bemerkung seiner Tochter zu diesem Thema lautet dann: "Papa va promener son fusil." Nach Aussagen eines Direktors der "Chambre de Commerce de Mulhouse" hat der Patron während seiner Militärzeit für Général de Gaulle gekocht. Hinter Mulhouse beginnt der steile Aufstieg bis zur Scheitelhaltung bei Valdieu, bzw. Montreux- Château: 39 Schleusen, die man nach Voranmeldung am Vortag per Telefon an die Schleuse Nr. 41 mit Hilfe von mehreren Equipen von Schleusenwärtern in einem oder zwei Tagen (mit Zwischenhalt in Dannemarie - Wolfersdorf) überwinden kann. Der Aufstieg beginnt bei der Schleuse Nr. 39, der ersten Schleuse nach dem "Vieux Bassin de Mulhouse". Es gibt in der Regel zwei Möglichkeiten: Beginn um 08.00 bei der Schleuse Nr. 39: Bei dieser Variante gibt es wiederum zwei Möglichkeiten: Schleusen bis Dannemarie (Hafen mit Wasser, Landstrom, Duschen, Capitainerie, Einkaufs- u. Verpflegungsmöglichkeit); Ankunft um die Mittagszeit. Dann Schleusen bis zur Scheitelhaltung in Montreux-Château, Ankunft zwischen 17.00 und 18.00 evtl. mit einer kleinen Mittagspause, oder: Beginn um 13.00 bei der Schleuse Nr. 39: Schleusen bis Dannemarie, Ankunft zwischen 17.00 und 18.00. Anständige Schiffer steigen an den Schleusen aus und helfen den Schleusenwärtern bei der Arbeit, obwohl sie (die Schiffer) seit einigen Jahren eine Vignette für die französischen Binnengewässer kaufen müssen, deren Erlös aber keine Lohnerhöhung für die Schleusenwärter bedeutet. Es ist nicht verboten, den "éclusiers" ein Trinkgeld zu geben, oder anstatt bzw. zusätzlich etwas zu trinken anzubieten. Oberhalb der Schleuse Nr. 39 befindet sich die Werft "Probateau" mit Liegeplätzen und Reparaturmöglichkeiten. Roger Ott (auch eines der zahlreichen ehemaligen Vorstandsmitglieder des "Nautic Club Kembs") ist zur Zeit daran, den Betrieb seinem Sohn zu übergeben. Bei Zillisheim durchfährt man vor und nach der Schleuse Nr. 36 zwei Zugbrücken. Gegenüber dem imposanten Bau des "Collège" gibt es gute Anlegemöglichkeiten. Das Restaurant "Le Vieux Canon 1914 - 1918" (Beleuchtung mit Petrollampen) ist zu Fuss in einer halben Stunde erreichbar. Neben diesem Restaurant befand sich während des ersten Weltkrieges eine deutsche Geschützstellung, aus der Belfort mit mässigem Erfolg beschossen worden ist. In Illfurth, wo die Ill den Kanal oberhalb der Schleuse Nr. 31 als Wasserzu- und abfuhr durchquert, gibt es zwei Anlegmöglichkeiten: Eine kurz vor dem Dorfeingang, dort wo die Strasse den Kanal verlässt (eingemauerte Ringe) und von wo das Zentrum zu Fuss in zehn Minuten erreichbar ist (hier habe ich meinen "Bacchus" schon eine ganze Woche unbeaufsichtigt und unbehelligt festgemacht), oder unterhalb der écluse de garde Nr. 32. Hier müssen allerdings Heringe eingeschlagen werden. Empfehlenswert ist das Restaurant "Au Coq", wo unter anderem "Carpes frites sans arêtes" zu vernünftigen Preisen in einer familiären Atmosphäre serviert werden. Bei Eglingen (unterhalb Schleuse Nr. 25) gibt es eine Anlegestelle vor dem Restaurant "L'Arbre vert". Hier wird in der Gartenwirtschaft oder im Restaurant gute Hausmannskost serviert (Gemüse aus eigenem Garten). Bei Dannemarie / Wolfersdorf fährt man über ein Aquädukt, das in den Jahren 1898 bis 1902 fertiggestellt worden ist. In Dannemarie bietet sich zwecks Verpflegung das Restaurant Ritter im Dorf (vis-à-vis des Bahnhof) an; ein alteingesessener Familienbetrieb mit netter Ambiance. Es gibt dort seltene Spezialitäten, wie zum Beispiel "Ochsenschwanz", dieser nicht als Suppe sondern als Ragout. Das Restaurant bietet den Service, hungrige Bootsbesatzungen auf telefonische Anfrage im Hafen zum Essen abzuholen und danach wieder zurückzubringen. Wir haben vor Jahren mit arroganten Holländern von Montbéliard nach Dannemarie geschleust, die uns dann im Hafen erklärten, dass sie "Velos hätten, die man klein machen kann" und mit diesen nach Dannemarie zu Essen fahren würden. Da wir ja nicht gezwungen waren, alle Informationen über die Gebräuche im Hafen von Dannemarie-Wolfersdorf weiterzugeben, war es dann wie beim Rennen zwischen dem Hasen und dem Igel: Wir sassen bereits im "Restaurant Ritter" beim Apéro, als die Holländer mit ihren kleinen Velos ankamen. Nach Dannemarie beginnt eine dichte Schleusentreppe bis zur Scheitelhaltung mit einer totalen Hubhöhe von 32,27 m. Direkt nach dem Dorf steht eine lange Zeile von kleinen, zusammenhängenden Einfamilienhäusern, die in den verschiedensten Farben bemalt und je nach Geschmack und Geldbeutel der Besitzer mit Anbauten versehen worden sind. In dieser Gegend bedient zeitweise ein Schleusenwärter, der aussieht wie "Räuber Hotzenplotz" die Schleusen. Leider hat sein Aussehen etwas von der Originalität eingebüsst, seit sich sein mächtiger Lederhut altershalber in seine Bestandteile auflöste. Als starker Raucher hat er manchmal Probleme, wenn ihm die Zigaretten ausgehen. Ich habe ihm schon mit meinem Pfeifentabak zum selber Drehen ausgeholfen. Die Scheitelhaltung bei Valdieu wurde im Jahr 1927 abgesenkt und damit 3 Schleusen eingespart. Hier durchfährt man nun das 5,4 Kilometer lange "bief de partage", neben dem rechterhand die Speicherseen liegen, aus denen der "Canal du Rhône au Rhin" auf der Seite Mulhouse mit Wasser versorgt wird. Die ecluse in der Scheitelhaltung wurde früher vom allseits bekannten Nesti Fuchs bedient. Nach seiner Pensionierung hat er Haus und Verantwortung für die Schleuse einem netten Bretonen überlassen und sein Amt als Hafenmeister im Hafen auf der Insel unterhalb der Schleuse Vogelgrün angetreten. Mit dem "Breton sympa" habe ich mich vor Jahren an einem späten Nachmittag auf der Rückfahrt von der Saône gründlich betrunken, als er gerade Liebeskummer hatte (hat sich inzwischen gelegt), und mich dazu überredete, meinen "Bacchus" einfach in der Schleuse zu lassen, da nach seinen Aussagen, die zutreffend waren, sowieso kein anderes Boot mehr unterwegs war. Das "Restaurant au Canal" neben der Schleuse N. 2 ist leider seit Ende der 90-er-Jahre geschlossen. Hier wurden neben anderem ordentliche "carpes frites" serviert. Einkaufsmöglichkeiten gibt es in Montreux-Château, diese sind in 10 Minuten zu Fuss erreichbar. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870 /1871 (dem einzigen dieser Art, den die Deutschen gewonnen haben), verlief die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich in der Nähe der Scheitelhaltung. Alte Elsässer sagen, man hätte sie so belassen sollen: Nicht, dass das Elsass zu Deutschland hätte gehören sollen, aber dass es nicht mehr zu Frankreich gehören wollte. Nach der Scheitelhaltung beginnt der Abstieg über Montbéliard nach l'Isle-sur-le- Doubs. Die Schleusen folgen nicht mehr so dicht aufeinander, talwärts schleusen ist einfacher als bergwärts. Nach der Scheitelhaltung, unterhalb der Schleuse Nr. 3, verlässt man das "Département Haut-Rhin" und dringt in das "Territoire de Belfort" ein. Gemäss der alten Aufteilung Frankreichs in Provinzen, die ihrerseits jeweils mehrere der heutigen Départements enthalten, verlässt man die Provinz Alsace und erreicht die Provinz Franche-Comté. Als traditionsbewusster Skipper hole ich hier die Elsässer-Flagge ein und hisse die Flagge der Franche-Comté. Wenn ich in Montreux-Château über Nacht liege, setze ich zu Ehren des Schleusenwärters die Flagge der Bretagne. Ich finde das vernünftiger, statt als Gast in Frankreich am Ersten August über die Toppen zu flaggen. (Dies als Antwort auf einen nicht sehr originellen und in verschiedener Hinsicht fehlerhaften Aufsatz zum Thema Flaggenbräuche im "L'ancre de Kembs", 1. Heft im Jahr 1999). Beim verlassenen Industriehafen von Bourogne gibt es Anlegemöglichkeiten im Niemandsland. Hier liegen auch einige mehr oder weniger gut erhaltene Boote. Nicht alle Bootsbesitzer halten sich an das vierte der "Huit commandements du marinier": Tiens ta péniche en bon état Es ist die einzige Stelle, die es ermöglicht, "Péniches" zu überholen. Dass mich hier "Mme Ghadaffi" auf der "Corona" überholen liess, hat selbst die Schleusenwärter erstaunt. Die Berufsschiffer haben nicht immer Verständnis für die "bateaux de plaisance". Sie fahren von Berufs wegen, nicht zum Vergnügen, und nutzen deshalb die Schleusenzeiten voll aus. Wenn sie dann ein Boot überholen lassen, verstehen sie nicht, dass dieser Skipper zum Mittagessen oder schon am späten Nachmittag zum Übernachten anlegt und nächsten Tag wieder hinter ihm erscheint. Aus diesem Unverständnis heraus verweigert er dann das Überholen. Zur Zeit verkehren auf dem "Canal du Rhône au Rhin" im Jahr noch etwa 200 "Péniches", aber zwischen 3'000 und 4'000 Sportboote. Vielleicht sollte man auch das "Droit de la Priorité" unter diesen Umständen einmal neu überdenken. Auch unter dem Gesichtspunkt der Kosten der Vignette. Mein Unmut gegen die verständnislosen Berufsschiffer hat sich zuweilen schon per Funk, trotz mangelhafter niederländischer Sprachkenntnisse geäussert, indem ich den Ausdruck "Klotsack" gebraucht habe, ganz entgegen den "Huit commandements du batelier" insbesondere des zweiten Salue le bateau qui passe Nach der Schleuse Nr. 7 fährt man für kurze Zeit auf dem Fluss Allan und muss die Untiefen beachten. Der Schleusenwärter hat den permanenten Auftrag, die Bootsbesatzungen nach Details über das Boot, Herkunft und Ziel der Reise zu befragen, damit er diese äusserst wichtigen Daten den französischen Statistikern übermitteln kann. Vor der Schleuse Nr. 9 "Allenjoie" biegt der Kanal scharf nach links ab und führt über ein Aquädukt über den Fluss Allan zur Schleuse. Dies ist eine der schönsten Schleusen: Gut unterhalten, mit Blumen bepflanzt und von einer attraktiven und freundlichen éclusière" bedient, die das Schleusenwärterhäuschen bewohnt. Vor dem Aquädukt beginnt das "Embranchement de Belfort" (fünf Schleusen, Voranmeldung erforderlich). Die einzig mögliche Anlegestelle vor der Stadt liegt neben der Autobahn. Seit fünf Jahren wurde mir jedes Jahr, wenn ich den Canal du Rhône au Rhin befuhr, erzählt, dass das Embranchement de Belfort" sehr schön sei und "ganz sicher nächstes Jahr bis nach Belfort eröffnet werde". Kurz vor Montbéliard stimmt die Nummerierung der Schleusen dann nicht mehr, weil der Kanal verbreitert und eine grosse Schleuse im Umfeld der Peugeot-Werke als Ersatz für einige kleine Schleusen gebaut worden ist. Die Gebrüder Peugeot haben im Jahre 1890 ihre Giesserei in die heute führende französische Automobilfabrik umgewandelt. Die nächstgelegene Filiale liegt am Kanal, unterhalb der "Ile Napoléon" und produziert jeden Monat zwischen 4'000 und 6'000 Wagen. Die vorerwähnte große Schleuse (Nr. 12), "Etupes", hat eine Hubhöhe von 4 m 25. Hier werden bei jeder Durchfahrt von der netten, älteren Schleusenwärterin statistische Daten erfragt: Herkunft, Ziel der Fahrt, Anzahl Motoren, Name des Besitzers etc. Diese werden vermutlich via Strasbourg nach Paris übermittelt und dort von einem Heer von Beamten erfasst und vermutlich zu einem Bericht an wichtige Institutionen wie die französische Nationalversammlung, "Green-Piss", "WWF", etc. weiterverarbeitet. In Montbéliard gibt es einen Hafen, der als Mietbootbasis der Firma Nicol's betrieben wird. Er verfügt über Wasser und Landstromanschluss. Einkaufsmöglichkeiten gibt es beim Supermarché vis-à-vis vom Mietboothafen. Der Einkauf geht schneller vonstatten, wenn man mit dem Boot den Kanal überquert und vor dem Supermarché anlegt, statt zu Fuss den Umweg über die Brücke unter die Füsse nimmt. Vom Supermarché kann man mit den Einkaufswagen bis direkt zur Anlegestelle fahren. Nicht weit vom Hafen liegt der Parc de Loisirs "Pré de la Rose". Ein Besuch lohnt sich. Er erstreckt sich dem Kanal entlang bis zur Brücke oberhalb des Hafens. Das schöne Stadtzentrum (mit abends attraktiv beleuchteter Burg) ist übrigens zu Fuss über eine Brücke, die über den Fluss Allan führt, in zehn Minuten erreichbar und bietet alle Einkaufs- und Verpflegungsmöglichkeiten. Nach der Schleuse Nr. 17 "Voujeaucourt" überquert man den Doubs in einer sehr romantischen Gegend. Bei Hochwasser kann es allerdings gefährlich sein, deshalb wird die Durchfahrt ab einem zu hohen Wasserstand eingestellt. Bis l'Isle-sur-le-Doubs folgen etwa alle zwei Kilometer Schleusen. In Colombier-Fontaine gibt es vor der Hebebrücke eine Anlegestelle auf der rechten Seite des Kanals. Das Dorf bietet Einkaufs- und Verpflegungsmöglichkeiten. Das als "gediegen" aufgemachte Restaurant "La Grange" bietet nicht sehr viel (überzahlt, lausiger Service). Es gibt aber auf der linken Seite der Hauptstrasse noch ein kleines, nettes Restaurant für die Einheimischen, in dem ausgezeichnete Linsengerichte mit deftigen Würsten serviert werden. Es lohnt sich allemal, in l'Isle-sur-le-Doubs anzulegen oder sogar zu übernachten. Anlegen kann man dicht oberhalb der Schleuse Nr. 26, "L'Isle", direkt vor dem "Restaurant de la Marine" (Achtung, steiniges Ufer!) einem früher etwas verlotterten, heute mehr oder weniger renovierten Restaurant mit Familienatmosphäre. Hier werden sehr gute "Côtelettes d'Agneau" mit viel Knoblauch serviert. Der Patron hat früher in einer Giesserei gearbeitet und Ende der Neunzigerjahre befürchtet, dass das Haus verkauft werde und er wieder in die Giesserei zurück müsse. Da sich kein valabler Käufer meldete, hat er die Liegenschaft mittlerweile zu einem günstigen Preis selber gekauft und renoviert, und es geht ihm seither wieder sehr gut. Die zweite Anlegemöglichkeit befindet sich oberhalb der Schleuse Nr. 27, "Papeterie" an der Hauptstrasse vor dem Supermarché. Hier ist es wegen des Durchgangsverkehrs sehr laut und zum Übernachten weniger geeignet. Zum Einkaufen lohnt es sich, weil man mit dem Einkaufswagen bis zur Anlegestelle fahren kann. Von l'Isle-sur-le Doubs befährt man abwechslungsweise den Doubs (80 km) und den Kanal (60 km). Meines Erachtens handelt es sich hier um die schönste Strecke des Kanals. Auf dem Doubs müssen die Hinweistafeln beachtet werden: Die Fahrrinne (bei der Talfahrt meist rechtsufrig) wird mit dem vorgeschriebenen Abstand zum Ufer angegeben, Schleuseneinfahrten und Fahrrinnenwechsel sind markiert. Zum Teil sind die Hinweistafeln von Gebüsch und Bäumen verdeckt. Der Grund des Flusses ist zumeist weich. Diejenigen, die weder die Karte sauber lesen noch die Hinweistafeln beachten, werden, wenn sie aufgelaufen sind, notfalls von den lokalen "Sapeurs-Pompiers" wieder aus ihrer misslichen Lage befreit. Man kann auch auf den Steinen der Wehre landen, wenn man sie, im Gegenlicht, bei der Talfahrt nicht gehörig beachtet. In Clerval gibt es seit einigen Jahren neu installierte Schwimmstege auf der rechten Seite des Flussufers. Die früher einzige Anlegestelle bei der Brücke weist Untiefen mit Steinen auf. Die "Bonne Auberge" ist zum Essen empfehlenswert. Bei der Schleuse Nr. 33 "Chaux les Clerval" wird die Télécommande für die Schleusenbedienung gefasst und an der Schleuse Nr. 61 "Ranchot" beim grossen, mächtigen, übergewichtigen, freundlichen Schleusenwärter wieder abgegeben. Baume-les-Dames bietet Anlegemöglichkeiten, ohne Infrastruktur, vor der "écluse de garde" Nr. 40 bis. Zu gewissen Zeiten ist ein Teil für die Péniches "Lorraine" oder "Provence" reserviert. Die auf einem Hügel gelegene Stadt ist innert 15 Min. über eine über den Kanal und den Doubs führende Brücke zu erreichen. Gegenüber einem grossen Supermarché steht das Denkmal des Marquis Joffroy d'Abbans, der hier bei der Mündung des Causancin in den Doubs schon 1776 die ersten Versuche mit einem Dampfschiff unternahm. Nach der Schleuse Nr. 43 "Douvot" befindet sich links von der Fahrrinne eine Insel, die mich immer an die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn erinnert. Hinter dieser Insel (Zufahrt von der Seite flussabwärts) befindet sich das Restaurant "Chez Soi". Es wird von einem holländischen Paar (Pauline und Jan Bakker, erklärte Gegner des "Grand Canal") betrieben und ist eigentlich kein Restaurant im üblichen Sinn. Am Anleger haben zwei Boote Platz. Die Besitzer betreiben Ihr Haus als Pension und vermieten Zimmer. Im Parterre steht ein Tisch mit Platz für zwölf Personen. Zwei Plätze sind für Pauline und Jan reserviert, dann kommen die Gäste des Hauses, und wenn es noch Plätze hat, sind diese frei für Bootsbesatzungen. Eine Speisekarte gibt es nicht. Das Essen ist gute Hausmannsskost mit frischer Ware zu vernünftigen Preisen. Die regionale Käseplatte ist ausgezeichnet. Aus der Zusammensetzung Gastgeber, Gäste des Hauses, Bootsbesatzungen ergibt sich meistens eine internationale Tafelrunde mit interessanten Gesprächen. Eine frühzeitige telefonische Reservation ist empfehlenswert. Allzulange wird dieses Haus nicht mehr in gleicher Weise weitergeführt, denn Jan Bakker ist damit beschäftigt, ein Holzboot für seine Weltreise zu bauen. Er ist schon ziemlich weit damit und hat grosse Freude, wenn man sich dafür interessiert. Die Schleuse Nr. 44 "Laissey" ist in eine alte Fabrik eingebaut. Unterhalb dieser Schleuse ist eine Übersetzstelle der "Armée de Terre". Wir haben einmal neben dieser Schleuse übernachtet und die ganze Nacht erlebt, wie die "Légion étrangère' das Übersetzen Ihrer gepanzerten Fahrzeuge mit Schnorcheln trainiert hat. Besançon erkennt man schon von weitem am Anblick der Zitadelle, einer gut erhaltenen Vauban-Festung. Die Stadt liegt in einer Schlaufe des Doubs, und mit der Festung war es ein Leichtes, das ganze Tal mit wenigen militärischen Mitteln dominant und erfolgreich zu sperren. Besançon ist heute die Hauptstadt der ehemaligen Provinz Franche Comté, Garnisonsstadt und Geburtsort des Dichters und Schriftstellers Victor Hugo. Die Zufahrt ist mühsam da die Schleuse Nr. 51 eine Fehlkonstruktion darstellt: Auf der linken Seite bergwärts, wo sich die Stangen für die Bedienung befinden, gibt es überhaupt keine Poller, auf der rechten Seite sind sie derart im Geländer mit integriert, dass sie nur mit grossen Schwierigkeiten belegt werden können. Für die Durchfahrt gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder
Die Schleuse wird von einem "éclusier" bedient, der neben der Schleuse wohnt und unter anderem auch die Aufgabe hat, zum drittenmal auf dem "Canal du Rhône au Rhin" Details für die national wichtige statistische Erhebung des Bootsverkehrs zu hinterfragen. Ausserdem hat er sich freiwillig die Aufgabe übertragen, Prospekte über die Stadt Besançon zu verteilen und den Versuch zu unternehmen, die Bootsbesatzungen zu Tode zu schwatzen. Nach seinen Aussagen war er früher "professeur", also Lehrer. Ich vermute stark, dass die Eltern und Kinder für den Berufswechsel dankbar waren. Vor der Tunnelzufahrt gibt es beschränkte Anlegemöglichkeiten (Ponton und Quai). Eine weitere Möglichkeit besteht im Hafen (mit Schwimmstegen) unterhalb der Stadtschleuse "Ecluse St-Paul"; eine weitere Fehlkonstruktion: Sie wird von den Bootsbesatzungen von Hand bedient. Um die Schützen zu öffnen oder zu schließen, benötigt man gut etwa 300 Umdrehungen mit der "manivelle". Als ich vor Jahren von oben in diese Schleuse fahren wollte, wartete unterhalb ein Sight-Seeing-Boot. Als wohlerzogener Schiffer habe ich angelegt und freundlicherweise die Schleuse bedient. Die Insassen haben mich, wie die Insassen von Charter-Flugzeugen, mit einem Applaus bedacht (für Standing Ovations reichte die Stehhöhe des Bootes nicht aus). Mit wenig Aufwand (Zücken eines Hutes) hätte ich sicher noch ein reichliches Trinkgeld verdienen können. Diese Anlegestelle mit guter Infrastruktur ist entweder über den "Boucle du Doubs" durch die Stadt oder durch den "Souterrain" unter der Zitadelle und die Stadtschleuse erreichbar. Ein Gang in die Stadt und auf die Zitadelle (mit Zoo und Museum) lohnt sich. Da Besançon immer noch eine Garnisonstadt ist, sieht man zu jeder Tageszeit trainierende Soldaten der "Armée de terre", die als Jogger in verschiedenen Tenues und mit unterschiedlicher Kondition ihre Runden drehen. Die nächste Möglichkeit zum Anlegen bietet sich nach der Doppelschleuse Nr. 54/55 "Rancenay" im Kanal bei Avanne. Wegen des steinigen Ufers benötigt man aber eine Planke, um das Boot vom Ufer wegzuhalten. Es gibt zwei Restaurants: "L'Aveney" bei der Anlegestelle und "La Terrasse" im Dorf (zehn Minuten zu Fuss), wo es auch Einkaufsmöglichkeiten gibt. Nach der Schleuse Nr. 56 "Thoraise", hinter der es eine Möglichkeit zum Anlegen gibt, durchfährt man nach einer extrem scharfen Linkskurve in einem kleinen Wendebecken den 185 m langen Tunnel "Thoraise", der zwischen 1878 und 1882 erbaut worden ist. In dieser Gegend bedient, falls sie unterdessen noch nicht im Ruhestand lebt, eine "éclusière", die eine verblüffende Ähnlichkeit mit Megge Buser hat, wenn er die "Frau Aenishänslin" spielt und ungefähr gleich viel Zigaretten raucht. Das Département Jura hat seine eigenen, wenig bekannten Weine aus dem kleinen Rebgebiet "Côtes du Jura". Dazu gehören: Der "Crémant du Jura", der würziger und kräftiger ist als die Crémants aus dem Elsass oder Burgund. Der "Arbois Pupillin", ein trockener Wein, den es als Weisswein, Rosé und Rotwein gibt. Der "Vin de paille", ein hochprozentiger, süsser, liqueurartiger Wein, der aus vollreifen, auf Stroh getrockneten Trauben gezogen wird und sich als Apéro oder zum Dessert eignet. Eine neue Anlegemöglichkeit gibt es in Ranchot (Platz für zwei Boote an einem gemauerten Quai) vor dem ausgezeichneten Restaurant "Hôtel de la Marine". Hier habe ich auf einem Mietboot den heutigen Besitzer von drei Hunden und der "Alpha Luana III" getroffen. Er hat dieses Boot dem vormaligen Eigner, Lehrer in Le Locle, verhindertem Schriftsteller ("manivelle après manivelle") und mässig begabtem Zeichner, abgekauft, durch seinen Schwager vernünftig bemalen lassen und pendelt jetzt zwischen den Liegeplätzen St-Jean-de-Losne und Châlon-sur-Saône. Vor Rochefort-sur-Nenon durchfährt man einen engen Kanalabschnitt, der nur durch eine kleine Mauer vom Doubs getrennt ist. In Rochefort-sur-Nenon gibt es eine Anlegestelle (Ponton), Falaises, die zum Klettertraining benutzt werden, und ein Restaurant, bei dessen Bemalung (Fresken) ein lokaler, vermutlich zu Recht verkannter Künstler hemmungslos gewütet hat. Das Dorf, mit allen Einkaufsmöglichkeiten, ist zu Fuss in zehn Minuten erreichbar. Die Zufahrt nach Dole ist eindrücklich: Nach schöner, unberührter Naturlandschaft fährt man während drei Kilometern durch eine Allee von Platanen. Seit einigen Jahren gibt es in Dole auf der rechten Seite des Kanals die Mietbootbasis Nicol's mit Schwimmstegen. Das Anlegen bei starker Strömung ist schwierig. Ich habe einmal, weil ich die Strömung unterschätzte, beim Rückwärtsanlegen (das wird von Andi’s Andrea auf der "Stella Maris" als "römisch-katholisch" bezeichnet) fast ein prächtiges englisches Segelboot aus Holz gerammt. Als höflicher Skipper habe ich mich nach dem abgebrochenen und dann glücklich zu Ende geführten Anlegemanöver beim Eigner entschuldigt. Sein Kommentar lautete: "Don't worry, the same happened to me half an hour ago". Das Bild der Stadt, die bis ins 17. Jahrhundert Hauptstadt der ehemaligen Provinz Franche Comté war, wird dominiert von der Basilika, die jede Stunde ihr Glockenspiel erklingen lässt. Die Stadtbesichtigung lohnt sich: Schöne alte Häuser in steil ansteigenden Gassen, Markt auf dem Platz vor der Basilika, gute Restaurants, wie zum Beispiel "Le Passemuraille" oder "Le Bec fin" und ein bemerkenswerter Hutladen auf dem Marktplatz. Jedesmal, wenn ich dort einkaufe, sagt mir die nette, ältere Besitzerin (eigentlich ist sie nicht sehr viel älter als ich) nach kurzem Blick meine Hutnummer im wahrsten Sinne des Wortes auf den Kopf zu. Diese Stadt, hat mit unserem Dôle, der im Wallis angebaut wird, nichts zu tun, aus diesem Grund schreibt sie sich auch mit o statt ô. Dole ist der Geburtsort von Louis Pasteur, dem Erfinder der pasteurisierten Milch und anderer segensreichen Einrichtungen, wie zum Beispiel einem Mittel gegen Tollwut. Pasteurs Geburtshaus ist mit einer Tafel versehen, damit man es bewundern und fotografieren kann. Unterhalb Dole verlässt der Doubs bei der Schleuse Nr. 68 "Prise d'eau" endgültig den "Canal du Rhône au Rhin" und mündet bei Verdun-sur-le Doubs in die Saône. Das letzte Stück führt auf dem Kanal nach St-Symphorien, wo der "Canal du Rhône au Rhin" oberhalb von St-Jean-de-Losne in die Saône mündet. Dieser Abschnitt des Kanals ist 1802 als "Canal de Franche-Comté" gebaut worden. Er ist 17 km lang und hat 9 Schleusen. Auf diesem Abschnitt habe ich im Frühjahr 1996 an einem Sonntagmorgen einen "remplaçant" (Student als Aushilfe für den abwesenden Schleusenwärter) getroffen, dem ich zuerst erklären musste, wie man eine Schleuse talwärts bedient, weil er es nicht wusste. Er war immerhin intelligent genug mich zu fragen, was er tun soll, wenn ein Schiffer bergwärts schleusen will. Hier durchfährt man das Industriegelände "Solvay" bei "Tavaux-Cité", aber auch sehr schöne Kanalabschnitte mit Seerosen, mit der Pfeilbogenschiessanlage, dem Haus mit dem rundum durchgehenden Balkon, dem schönen, am Kanal gelegenen Friedhof, und malerischen kleinen Dörfern. Kurz nach der Schleuse Nr. 72 "Abergement" verlässt der Kanal das Département Jura und damit die Provinz Franche-Comté, und wir begeben uns ins Département Côte d'Or das zur ehemaligen Provinz Bourgogne gehört: Anlass, die Flagge der Franche-Comté gegen die der ehemaligen Provinz Bourgogne auszutauschen. Zwischen den Schleusen Nr. 73 "La Tuilerie" und Nr. 74 "L’aperrière" liegt der Hafen "Bourgogne-Marine", in dem immer Boote zum Verkauf ausgeschrieben sind. Hier wurde ich an Bord der "Béatrice" am 29. August 1998 als "Confrère" in der "Confrérie des Avalants Navieurs des Chemins d'Eau" aufgenommen, einer Vereinigung von Bootsfahrern, die ursprünglich aus der Berufsschiffahrt auf der Saône (nautea saconna) hervorgegangen war. Die Schleuse Nr. 75 führt auf die Saône. Hier wird , zum letzten Mal, eine statistische Erhebung durchgeführt und hoffentlich kompetent weitergeleitet. Von hier aus erreicht man innerhalb einer halben Stunde das Ziel der meisten Benutzer des "Canal du Rhône au Rhin": St-Jean-de-Losne. Hier ist alles vorhanden, was man braucht:
Das auch noch unerwähnt gebliebene 5. "Huits commandement du marinier" kommt immer zur Anwendung, wenn der Bordhund "Hayka", ein Kampfhamster der Rasse "Papillon", ins Wasser fällt (konsequent jede Saison einmal). Es lautet: Accueille les animaux Peter R. von Rohr, Bacchus
Der Artikel erschien in den L'ancre de Kembs Ausgaben Dez. 1999 und März 2000 Aufruf:
Wenn Ihr eure Reisen und Erlebnisse rund ums Schiff auch |