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  Klare Sicht und genügend Druck? "
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eil IV (Schluss)

  

       Sommerferienerlebnisse 2004; von Fredy Engeler + Ariane Lindegger, "Aramis"

 

Im Port de Plaisance de Saverne herrscht gerade ein emsiges Kommen und Gehen, aber komischerweise nicht einmal vom hier stationierten MBF ("Nicols"-) Nest sondern die Konkurrenz MBF von "Connoisseures" und "Crown Blue Line" machen die Gewässer unsicher. Kurz nachdem wir belegten versucht z.Bsp. eine Crew mit 11 Meter Yacht den Platz hinter uns zu kapern. 5 oder 6 Männer sind an Bord, akustisch feststellbar handelt es sich um Amis. Sie passieren unser rückwärts gegen die Stegmitte parkiertes Schiff und wollen vorwärts an den Auslieger hinter uns. Der Bootsführer zielt dabei auf das Heck einer in dieser Reihe schon liegenden Yacht namens "Taurus". Als ich sehe, wie knapp sie uns passieren, lasse ich (ungern) mein Müesli stehen, gehe an die Reling, sehe, dass sie mit dem Bug schon an der anderen Yacht anliegen und übertöne deren Motorenlärm mit dem Hinweis, dass es sich beim anderen Schiff um kein "Hire-Boat" handle, dass sie sich gefälligst "keep away" (von ihm fernhalten sollen). Man gibt sich erstaunt, legt den Rückwärtsgang ein und fährt vor und zurück. Stösst sich auch an unserm Heck ab, kann dann ein paar Leute von der Besatzung am Steg absetzen, die vergeblich versuchen das Schiff an den Steg zu ziehen und zu belegen. Einer davon will uns wohl mit dem Hinweis beruhigen, dass sie zuhause auch alle auch Bootseigner wären (!!). Ich erlaube mir daher die Frage, wie er als Autohalter reagieren würde, wenn ich mit meinem Auto, um einparken zu können, zuerst in das Heck seines Wagens führe ..... Schliesslich als das Manöver nicht gelingen will, suchen sie sich einen anderen Platz. Puhh, nochmals Glück gehabt, auf diese Bush-Gesellen verzichten wir gerne. Wenig später kommt ein gleiches Boot mit dänischer Besatzung; sie sind froh um Anlegetipps, werfen uns gerne die Taue und sind bald verzurrt.

Auf dem Einkaufsbummel am Nachmittag entdecken wir leider, dass es das Restaurant "Petit Paris" in dem wir vor Jahren zweimal sehr gut assen, nicht mehr gibt. Irgendein Fastfood- oder Kebab- Stand hat seinen Platz eingenommen. Dafür realisieren wir gerne, dass jetzt ein SuperU existiert. Wir heben seinen Umsatz, schleppen ein (unser) schweres Einkaufswägeli voll zurück zum Schiff. Wir kochen selber und staunen auf dem 22 Uhr Spaziergang, dass zwar die Seitenflügel von Schloss Rohan beleuchtet sind, nicht aber der wohl doch wichtigste Mittelteil; streiken die Elektriker? 

In der Nacht auf Dienstag höre ich plötzlich ein Motorengeräusch, kommt es von unserem Schiff, oder .... ? Das Geräusch bleibt, ich entere im Pyjama den Motorenraum, stelle fest, dass die Deckwaschpumpe versucht Druck aufzubauen, ihr dies aber offenbar nicht (mehr) gelingt. Ich stelle das Ding manuell ab. Dann beginnt es wieder einmal zu regnen und ausnahmsweise hört es auch am Morgen nicht auf, sondern regnet bis Mittag weiter. So wird Ariane's neuste Erwerbung, eine fast mannsgrosse Giraffe aus geschnitztem Holz, Ursprungsort Indonesien, auf dem Nachhauseweg zwar nicht nass, aber doch etwas feucht hinter den gefleckten Ohren. Wie gut gibt es für all ihre Trouvaillen eine (anfangs) noch leere Bugkabine. Die Liegegebühren in Saverne sind übrigens erstaunlich günstig; obwohl eine Tax de Séjour von 15 Cent pro Person mit erhoben wird, mussten wir pro Nacht, bei zwei Personen Besatzung nur gerade Euro 8.40 bezahlen!

 

das älteste Haus in Saverne  


Als es auch um ein Uhr immer noch schüttet, legen wir halt mit Regen ab. Die erste Schleuse ist nicht weit und steht auf rot. Mit dem Fernstecher erkennen wir in der sich füllenden Kammer einen markanten Rumpf; aha, schon wieder eine "Hotelpéniche". Langsam, sehr langsam wird sie, oben angekommen, ausgefahren und wir kreuzen. Im Rückspiegel nehme ich wahr, wie in vielleicht noch 200 Meter Entfernung ein Connoisseure - MB aufschliesst, offensichtlich noch mit uns mitschleusen will. Die Versuchung ist da, den Vorgang zu beschleunigen, einzufahren, die blaue Stange zu ziehen und ...... den MBF für den Rest des Tages auf sichere Distanz zu wissen. Aber wir tun's (natürlich?) nicht, tuckern langsam auf die Brücke unmittelbar vor der Schleuse zu ..... und gewahren so noch rechtzeitig, dass diese, alle Überführungen auf der bisherigen Reise waren wesentlich höher, unerwartet tief ist und einen sicheren, schweren Schaden für unser Cabrio bedeutet hätte, den wir nun mit einem Vollstop verhindern können. Bimini zurücklegen und Cabrio absenken geht routiniert schnell und wir fahren zwei Minuten später in die Kammer, die MB-Crew hat inzwischen aufgeholt und fährt auch gleich ein. Komisches kleines Fähnchen haben die an die Antenne gebunden. Weisses Kreuz auf rotem Hintergrund, im weissen Teil noch ein blaues Kreuz, das ganze, mind. was den senkrechten Teil angeht, nicht symmetrisch sondern eher am linken Rand ..... und eine Sprache sprechen die, wir verstehen kein Wort ..... Die Crew ist aber gut, wir erhalten ein Zeichen durch Kopfnicken, d.h. dürfen die blaue Stange bald ziehen noch ehe sie vorne und hinten belegt haben. Wir sinken ab und es geht auf die nächste Schleuse zu. Der ältere Mann am Steuer, als einziger "oben ohne" kann auch fahren, wir müssen an der nächsten Schleuse nicht auf ihn warten, wir kommen gut voran. An der übernächsten Schleuse stehen auf dem Sims des Steuerhäuschens in kleine Plastiksäcke abgepackte, reife, aber noch nicht faule (wie momentan in allen Supermärkten!) Zwetschgen zum Kauf bereit. Ich mache die "Hinteren", offensichtlich ein Familienclan aus einem älteren und einem jüngeren Paar darauf aufmerksam. Sie verdanken den Tipp, werfen, wie wir, ebenfalls Euro in eine daneben platzierte Blechbüchse und bedienen uns mit herrlich schmeckenden Früchten. Unsere landen wenig später in einer Wähe. 


Nach absenken des Wassers in der 10. Ecluse gehen die unteren Tore nicht auf. Reger Gesprächsverkehr im hinteren Schiff und wir verstehen deren Sprache noch immer nicht. Also frage ich mal vorsichtig nach, welche Nationalität denn hinter dem gehissten Fläggchen stehe. "Norway"; aha, haben wir bisher noch nie getroffen. Nach Hochdeutsch und Französisch sind jetzt auch noch Englisch Kenntnisse gefragt; wir finden einen gemeinsamen Nenner und verstehen uns so gut, dass wir nun bei jeder weiteren Schleusung Gespräche führen und an Schleusen mangelt es hier ja wahrlich nicht. Das Problem mit der Kammer, wo wir gerade stecken, wird auch gelöst. Nach ein paar Minuten untätigen Wartens, steige ich auf die vorderen Tore, riegle etwas am Geländer und den Kontaktbolzen und die Dinger öffnen sich. Applaus vom hinteren Dampfer.

Gerne hätten wir an diesem Abend noch Souffelweihersheim erreicht. Kurz vor halb sieben erreichen wir aber erst der Schleuse vor der Drehbrücke. Diese ist als erste in der ganzen Kette nicht automatisiert, kein Metalldetektor, der die nächste Anlage steuert, sondern wieder von einem richtigen Eclusier bedient. Ein Eclusier, der sich nicht gern hetzen lässt. Und der mich vorwurfsvoll anmotzt, im Sinn warum ich schon mit der Einfahrt begonnen hätte, als die Tore noch nicht ganz hinten angeschlagen waren. Dass wir den nächsten Hafen noch erreichen möchten, interessiert ihn nicht, die Zeit dafür reiche sowieso nicht. Er lässt sich mit dem schliessen der Tore Zeit und dann auch mit der Drehbrücke; er steuert diese nicht simultan, sondern wir müssen auch davor wieder warten und ..... erreichen die unseren Übernachtungsort bestimmende Schleuse 49 eben erst um 19.05. Zwei Minuten zuvor passierte uns noch ein Servicefahrzeug der VNF am linken Ufer und dessen Lenker winkte mit der Hand durch's offene Aufofenster, machte Zeichen, wir müssten uns nicht beeilen, die Schleusenzeit sei eh vorbei ....., wobei die Anlage noch immer auf Rot, nicht etwas Doppelrot steht. Wir finden es natürlich auch toll, dass die Automaten auf die Minute pünktlich ihren wohl verdienten Feierabend antreten dürfen und suchen uns halt kurz vor den Toren ein Liegeplätzchen. Von der Autobahn sind wir schon ein paar Meter entfernt, so dass der Verkehrslärm noch erträglich ist. Beide Crews belegen und es wird vereinbart, dass wir mit den Velos ins nächste Dorf fahren, dort wieder einmal eine Tarte Flambée verzehren und uns danach auf eine Flasche Wein bei uns treffen. Und so geschieht es dann auch, wir erfahren einiges über Norwegen, über deren Sorgen, deren Abgaben, deren Probleme. Erhalten eine Einladung recht bald einmal mit unserem Schiff in den Fjorden nahe Oslo zu kreuzen, und, und .... 

 


Nach kalter Nacht ist es am Mittwoch schon frühmorgens wieder einmal quitschblau und wir werden von einem satten, schweren Dieselgrummeln geweckt. Gut haben wir mit 3 Leinen und an den knapp über dem Wasserspiegel montierten Dalben und nicht mit Heringen satt belegt, denn zwei Pénichen kreuzen unmittelbar hinter unserem "Liegeplatz" und werden nacheinander ab 8 Uhr geschleust. Kurz nach 9 brechen wir auch auf; geben den Norwegern in der letzten Schleuse noch Tipps, dass sie sich in Strasbourg unbedingt die Gegend um "Petit France" ansehen, wo sie einen Liegeplatz finden und natürlich was sie tun müssten, wenn ihre "Schüssel" auf der Rückfahrt von den Metalldetektoren einmal nicht erfasst würde ..... Um halb elf finden wir bei Koejac einen, wir schwören es, sicher nicht mehr als 4.30 breiten Platz, wo wir unser Gerät passgenau versorgen. Und zu unserer Freude, wenn orten wir denn hier? Hans, Heidi und ihre "Copain", alle drei sind immer noch da und warten auf die letzten Mängelbeseitigungen.

Auch wir haben wieder eine Liste; von der fehlenden Unterhitze des Backofens, welche es uns nicht gestattete unsere vielen angefertigten Wähen innert nützlicher Frist zu backen und am Stück aus dem Blech zu heben, von der Deckwaschpumpe, die nicht mehr fördern will, bis zum ..... Guy Jacob hört sich die Liste an, gibt Ratschläge und wir versuchen uns selber zu helfen, beim Ofen wird es aber schwierig, geht er tatsächlich nicht besser? Die in den uns abgegebenen Herstellerunterlagen genannte Schweizervertretung kennt den Ofentyp nicht (!!), die deutschen Vertreter erreichen wir telefonisch auch nicht. Schön wär's tatsächlich, wenn die Werft alle von ihr verrechneten Geräte nicht nur einbauen, sondern auch tatsächlich auf volle Funktionsfähigkeit testen würde ....

Nach erfolgter Demontage und dem Auseinandernehmen der (Deckwasch-)Membranpumpe und der verflixt schwierigen Remontage funktioniert die Pumpe immerhin wieder. Die Fehlerursache wird uns allerdings nicht klar. Wegen happiger Regenfälle verschieben wir unseren Einkaufsbummel immer weiter gegen den Abend und schaffen es schliesslich gerade noch Brot und Champagner zu erwerben, bevor die Geschäfte schliessen. Bei zwei Flaschen Wein und einer Büchse Erdnüssen fragen wir anschliessend Hans und Heidi etwas darüber aus, wie ein Rentnerdasein an den Küsten Spaniens so aussehen könnte. Nicht dass es in nächster Zeit so weit wäre, aber man kann ja schon einmal ein bisschen davon träumen, oder?

Am letzten Feriendonnerstag wollten wir eigentlich aufbrechen und den Canal Rhône au Rhin, Branche Nord, unterhalb Strasbourg in Angriff nehmen. Aber Ariane's Hautausschlag sieht trotz der vor Tagen im Spital Sarrebourg gestellten Diagnose einer Infektion und den Salben nicht besser aus, im Gegenteil. Also beschliessen wir auch hier nochmals Spitalhilfe in Anspruch zu nehmen und wollen zum Spital Civile gelangen. Man könnte dies ab Koejac eigentlich mit dem Schiff tun, aber wir haben ja unsere Nahtransportmittel "Velo" dabei. Bei schönstem Wetter fahren wir dem Kanal entlang Richtung dem "Port Hopital" und da gleich rechts .... Um 11 Uhr sind wir zu früh, die Konsultationsmöglichkeit "libre" wird erst Mittags ab halb Zwei geboten. Ab ein Uhr könne man aber schon da sein und sich anmelden und einschreiben. Also fahren wir weiter, besuchen noch einmal "Petit France", wollen ins Museum "Art et ...." welches aber natürlich ausgerechnet Donnerstags erst ab Mittag öffnet und erholen uns dann bei einem Café, bis die Zeit reif ist. Wir fahren zurück zum riesigen Spitalareal (man könnte sich darauf verfahren, wir sind froh um unsere Velos!) und sind um Viertel vor Eins da. Das Wartezimmer der Dermatologie ist schon ziemlich gefüllt, sicher gegen 20 Personen sind schon da. Offenbar handelt es sich aber nicht bei allen um Patienten, die meisten lassen sich nämlich von mindestens einer Person begleiten, diese sollen, so kommt es mir vor, helfen die Wartezeit in den kahlen, unpersönlichen, mit dem Charme einer Schlachterei eingerichteten Wartezimmer zu überstehen. 

Die grosse Uhr im Zimmer springt auf ein Uhr und pünktlichst wird ein "Guichet" geöffnet. Als die Stimme der Krankenschwester auffordert, man möge sich in der Reihenfolge des Eintreffens bei ihr anmelden, herrscht sofort Hektik im Raum, es wird laut, offenbar haben sich einige Heranwachsende dünklerer Hautfarbe vordrängen wollen und dies ist anderen Heranwachsenden ähnlichen Alters (aber nicht gleich dunkler Hautschattierung) unangenehm aufgefallen. Einen Moment hat man den Eindruck, es gäbe gleich eine mächtige Keilerei, aber die Angehörigen der einen Kaste (vornehmlich mit tuchartiger Kopfbedeckung) reden den einen zu (und halten sie energisch auf den Sitzen zurück) und die anderen im gegnerischen Lager tun mit ihrem Nachwuchs das gleiche; die Situation beruhigt sich, akustisch und auch adrenalinausschüttungsmässig. 

Die Krankenschwester nimmt das Ganze gelassen, es scheint sich nicht zum ersten Mal so abzuspielen. Ariane hat sich im Getümmel am Guichet angestellt, ist bis zur bar erwarteten Rechnungsbezahlung nach der Arztkonsultation um ihren Personalausweis erleichtert worden und wir dürfen nun warten. Da sich im Raum inzwischen wieder ein normaler Geräuschpegel einstellte, der nur hie und da durch ein Piepen, Zirpen, klirren etc. "polymorpher Klänge" von als Spielzeug zweckentfremdeten Handys zu vernehmen ist, mache ich wieder Mal ein Mittagsschläfchen im Sitzen und schon nach einer halben Stunde wird dann der Name der Freundin aufgerufen und wir werden wiederum einem recht jungen Arzt vorgestellt. Er besieht sich die Wunde, drückt daran herum, fragt, wann sich was zeigte und tippt nun auf ein Ekzem, eventuell hervorgerufen durch einen Insektenstich .... Der Rest ist klar, Cortisonsalbe drauf ...., Gaze und Schutzverband und wir dürfen wieder gehen. Am Guichet vis-à-vis wissen sie schon, dass wir Euro 23.- zu bezahlen haben und nach prompter Aushändigung dieser Summe in bar erhält Ariane nebst einer Quittung für die Krankenkasse auch ihre ID wieder zurück.

Vor unserem Schiff steht nun ein Kompressor. Wir haben Guy Jacob nämlich bevor wir ins Spital fuhren, erzählt, dass wir heute morgen mit einer deutschen Vertretung des bei uns eingebauten Gas-Backofens (SMEV) telefoniert und von unserem Kummer mit der zu geringen Unterhitze erzählt haben und das dieser geraten hat, wir sollten die Leitungen doch mal mit 3 – 3,5 Bar Druckluft "durchpusten", am ehesten sei nämlich die Gaszufuhr verstopft. Guy hat darauf einen Kompressor arrangiert und geraten, ich solle die Leitung hinter dem Druckregler kappen und dort die Luft hinein blasen. Also tue ich wie geraten, Ariane steht drinnen am Backofen und öffnet die Ventile, aber die Luft kommt nirgends an. Wir testen das Ganze dann mit dem Herd, hier strömt sofort Luft aus den Düsen, also muss im Backofen doch irgendetwas verstopft sein. Also dort nochmals den Knopf drücken und warten. Tatsächlich zischt es jetzt auch bald aus dem Ofen und wir glauben das Problem gefunden und beseitigt zu haben. Das Gas wird wieder angeschlossen und die Funktion überprüft, der Ofen will sich nicht anzünden lassen. Der Herd geht (immer) noch. Neuer Versuch beim Ofen; nach einigen Sekunden brennen jetzt auch Flammen, aber wenn man den Eindrückknopf loslässt, erlischt die kleine Flamme auch gleich wieder ..... Das hätten wir noch weniger schlimm gefunden, aber der Umstand, dass nach dem Ablöschen (wir haben's zweimal ausprobiert) ein kleiner Chlapf zu hören und eine sich zum Drehregler hin wandernde  und dahinter weiter brennende Flamme zu sehen ist kommt uns spanisch vor! Und da die Flamme im Gerät, am offensichtlich falschen Ort, auch nicht auszublasen ist, sperren wir den Haupthahn und melden uns bei Koejac im Laden. Wir machen jetzt erstmals Bekanntschaft mit Alain Jacob, der uns freundlicherweise, obwohl er sonst schon alle Hände voll zu tun hat, bei der Fehlersuche hilft. Ich baue den Ofen aus, er eruiert, dass das Ventil beim Regler nicht dicht ist. So ein Ersatzteil hat man leider nicht auf Lager, also wird der Ofen hier bleiben müssen. Man verspricht ihn zu flicken, dann zu testen und irgendwie werden wir ihn schon wieder zum Einbau erhalten.

Inzwischen ist es schon nach 18 Uhr und an eine Abfahrt natürlich nicht mehr zu denken. Also gehen wir mit Hans und Heidi italienisch essen. Wir werden auf den neusten Stand in Sachen Mängelbehebung gebracht. Schon irgendwie unverständlich, dass Kunden, die ihr Schiff massenhaft mit satt aufpreispflichtigen Sachen ausrüsten am Schluss auch noch darum kämpfen müssen, dass die einzelnen Komponenten tatsächlich zusammenspielen, oder dass die extra starken Bug- und Heckstrahler auch die versprochene Leistung und eben nicht markant weniger leisten. Das unschöne Gefühl nicht für voll genommen zu werden oder sogar wenn sich die Werft offensichtlich irrt, niemals ein Wort der Entschuldigung zu hören ist, kennen wir bereits. Nein, wir ertränken unsere Kümmernisse nicht, bleiben sachlich und gehen früh schlafen.

Am zweitletzten Ferientag ist es schon früh makellos schön, nur kalt und wir brechen, um etwaigen, ab dem Hopital-Port startenden MFB nicht in die Quere zu kommen schon kurz vor 9 Uhr. Zu spät; alte Bekannte; das Mietboot mit der amerikanischen Männercrew, ist bereits unterwegs und steuert zielsicher die erste Schleusenkammer an. Wir schliessen uns notgedrungen an ..... und haben danach Mühe zu folgen. Sie geben ein hohes Tempo vor und "Aramis" entwickelt bei 1500 Touren in diesem Kanal, der bis fast zu den Treidelpfaden gefüllt ist, eigentlich zu hohe Wellen. Und dann geschieht es, es kommt eine Brücke, die uns alles andere als zu hoch dünkt, wir verlangsamen rechtzeitig, fahren vorsichtig darunter. Der Markierungszapfen, den ich mitschiffs auf dem Mast montierte, streift die Brückenunterseite eigentlich nicht, touchiert nur sanft, aber wir werden nun von unseren eigenen Wellen eingeholt, die unser Verdeck im Rhythmus gegen die Betondecke drücken. Tja, so wird eine Naht und etwas Stoff abgerubbelt, ein Schaden der im nächsten Winter unter der Nähmaschine kuriert werden muss.

Wir verstehen dies (wieder einmal) als Lehre; nur keine falsche Eile! Wir lassen die vorderen ziehen und nehmen in dieser sehr schönen, kilometerlangen Baumallee 300 Touren zurück. Trotzdem ziehen wir unmittelbar nach einer Brücke, die ja jedesmal eine Verengung des Kanals und damit des Fahrwassers bedeutet, den Unmut von 2 Fischern auf uns, die ihre Hände verwerfend am Ufer stampfen und der ihres Erachtens zu geringen Distanz zu ihnen wegen ausrufen. Ariane sitzt vorne auf dem Bug und gibt ihnen in Landessprache zurück. Feines Mädchen, sie hat sich sehr gut an die Bordsitten angepasst! Bald schliessen wir auf ein weiteres Connoisseure-MB auf, diese lassen uns vorbeifahren und wir erkennen eine deutsche Crew, denen wir in den letzten Tagen auch immer mal wieder begegneten. Offenbar ist heute in Booftsheim Rückgabetag und zieht darum die Crews unheilig an. Die einen wollen ihre Sch(l)üssel schneller loswerden, die anderen versuchen die Rückgabe mit Langsamstfahrt noch etwas hinauszuzögern. Ich erinnere mich daran als wir noch mieteten, ich gehörte auch immer zur zweiten Kategorie ....

 

Wir erreichen das Dorf und die Basis kurz nach Mittag und wie wir rückwärts (nicht etwa parallel) gegen die Quaimauer belegen kommt ein Typ aus der Station gesprungen und lässt verlauten, dass er noch mind. 4 Boote erwarte und drum für Plaisanciers keinen Platz am Steg hätte. Wir beruhigen ihn, wir möchten nur was einkaufen, versprechen in 2 Stunden das Feld wieder zu räumen. Wir stellen beruhigt fest, dass es mit genügend Kraft durchaus geht, die vorne an der Bugreling verstauten Velos auch über die Badeleiter an Land zu hieven und entern das hübsche Dorf. Freitag Mittag ... es gibt kaum Läden und nicht einmal der Kiosk mit einem Glacéreklameschild vor der Tür hat offen. Wir sehen zwar Reklametafeln für einen SuperU, der in Richtung Rhinau erreicht werden könne, aber es fehlen Distanzangaben und es dünkt uns zu heiss, um kilometerlang zu fahren. Nach der Rückkehr  orientiert uns dann im Hafen eine deutsche Crew, dass dieser Discounter gut mit dem Velo hätte erreicht werden können, er liege gleich beim Dorfausgang. Wir danken für den Hinweis, für uns ist die Leerfahrt allerdings nicht tragisch, wir haben noch genügend zu essen.

Es treffen weitere Mietboote ein, wobei der Lenker des einen von den gleich beim Hafenanfang (zwischen zwei nahe hintereinander, längs angelegten Booten und damit erst spät sichtbar) tätigen Fischern speziell begrüsst wird, er fuhr offenbar zu schnell (> als 1 km/h?) oder zu nah um Ufer (< 25 Meter?) vorbei und muss sich nun, man bemüht sich persönlich vor sein Boot, eine längere Tirade anhören. Seine winselnd und kläglich vorgebrachten Entschuldigungsversuche (es gibt Sachen die man nicht entschuldigen könne!) nimmt man nicht an. Als die stundenlang am Kanal sitzenden, netten Mitmenschen mit der Zurechtweisung unseres Bootskameraden fertig sind, legen wir ab und fahren nun auch an wieder an ihnen vorbei. Zuerst in Richtung Strasbourg, um die rund 100 Meter vor dem Hafen hängende Stange für die Schleusensteuerung zu ziehen und kurz darauf in Richtung Rhinau, welches wir jetzt anpeilen. Das nach der Schleuse noch gerade Kanalstück macht einen recht schmutzigen Eindruck, überall treiben grün/schwärzliche Klumpen (vom Boden gelöste Algen?). Fortsetzungsarbeiten für die rund 20 km lange Weiterführung nach Colmar sind noch nicht in Sicht; kann man wohl den von der VNF genannten Termin 2005/06 einhalten?

Auf dem Richtung Rhein verzweigenden Stück wird das Wasser dann zunehmend sauberer und nach rund 2 Kilometern sieht man gut und klar auf den meist algenbedeckten Boden und es gelüstete den Schreiber nach einem FKK-Bad. Schade kann man hier nirgends anlegen. Aber es existiert nur eine schmale, sicher nicht mehr als 1.50 tiefe Fahrrinne und beidseits, larsenbewehrte untiefe Ufer. Also werfen wir den kleinen Hilfsanker aus, beobachten wie er am Grund Algen fischt, das Boot aber halten kann. Und dann etwas zögernd; doch es ist noch warm genug (!) ins Wasser. Einer Eingebung folgend fahre ich mit den Füssen die Propellerblätter ab; bemerke Plastikstreifen am Dorn; kann diese mit den Füssen loswickeln. Aber da ist noch was, etwas feines; ich tauche und finde weitere Plastikteile und nun auch um die Welle gewickeltes Silk. Einen Teil kann ich von Hand entfernen, für den harten Kern brauche ich aber schliesslich doch noch ein Stanleymesser. Ob wie ich diese Ausrüstungsteile der Fischer liebe; sie wickeln sich um Schwanen- und Entenhälse, um Relinge, um Schiffswellen ....

Nach getaner Arbeit fahren wir weiter und werden nachdem uns der Eclusier dann erst einmal entdeckt hat, ohne Wartezeit aufs Rheinniveau hochgeschleust. Inzwischen ist es nach 17 Uhr und die Grossschleuse Rhinau machen wir zusammen mit einem Segler und dem Hotelschiff "Helvetia". Nicht anders als ich diese Schiffskategorie kenne, wird deren Gashahn kurz nach der Schleuse aufgedreht und während der nächsten Viertelstunde ist für Mega-Wellen gesorgt. 

"Aramis" hält sich aber tapfer, inzwischen räumen wir auch für Rheinpassagen nichts mehr von der Ausrüstung weg, alles  bleibt stehen. Kurz vor der Schleuse Markolsheim, und so gegen 19 Uhr haben wir genug für heute, wir biegen in den Altarm ab und nächtigen hier, in unmittelbarer Nachbarschaft einer grossen Trauerweide ruhig und friedlich.

Über den letzten Samstag unserer ersten  "1 Monatsferien" gibt's nicht viel zu sagen. Am frühen Morgen lag Nebel über dem Wasser, aber bis wir dann kurz vor 10 Uhr fahrbereit waren, hatte die Sonne alles weggeputzt. Wir kamen gut voran, wenigstens bis zur "Doppelschleuse Vogelgrün". Dort wollte man uns schon anfangs Juli bei einer Passage den Verleider anhängen; als einfach nichts ging und wir "warten" mussten und auf die Frage "wie lange" keine Antwort erhielten und es erst zügig vorwärts ging, als ich nach dem Namen des Schleusenbedieners fragte und eine Beschwerde in Aussicht stellte. Auch heute mussten wir rund 50 Minuten seit dem ersten Anfunken warten, wir bekamen diesmal aber gleich den Hinweis, wir sollten doch "unten bei den Dalben" belegen, wir würden wieder angefunkt ..... Der Schreiber nutzte die Pause für ein (vielleicht letztes) Rheinbad. 

Nach dieser unfreiwilligen Verzögerung ging es zügig weiter und wir kamen kurz nach 17 Uhr bei der Schleuse Niffer an. Der Eclusier wollte schon beim Anfunken mit barscher Stimme wissen, wohin wir danach fahren wollten. Als wir ihm den Hafen Kembs als Endziel nannten, war er zufrieden. Und wie wir dann die Stege im Hafen Niffer passierten und daran die Linssen-Sturdy "My Way" von Astrid und Andi mit Crew entdeckten, war der Tag sowieso gerettet. Seit Monaten versuchten wir ein Treffen mit Plauderplausch und heute sollte es gelingen. Und wir durften mit einer guten Flasche, damit die Kehle nicht gleich austrocknet, gleich etwas von unseren Erlebnissen deponieren.

Zusammenfassung

Wir haben viel Neues gesehen, hatten wettermässig (wie immer) mehr als Glück, sind mit unserem Drifter ziemlich genau 90 Stunden gefahren, die Dieseltankanzeige steht noch immer fast auf voll und bei einem der Scheibenwischergummis löst sich schon wieder die Lippe ab. Der Kühlwasserverbrauch ging völlig zurück, inzwischen ist er nicht mehr messbar. An Motorenöl verlangte die Maschine rund 3 Liter (!!), wir werden, so der Tipp von Guy Jacob, wohl künftig ein anderes Fabrikat benutzen. Und wenn wir dann unseren reparierten Gasbackofen wieder zurückerhalten, werden wir vermutlich wunschlos glücklich in den Winterschlaf fallen ....

 

Liebe Grüsse vom "Aramis"; Fredy und Ariane

 

Ó F. Engeler, Zufikon


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