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  " Nach Hause ! "

SOMMERFERIEN  ERLEBNISSE 2002  IN HOLLAND     TEIL IV  (Schluss)
  

       Reisebericht über eine Schiffsüberführung von Fredy + Heidi Engeler

Die Nächte sind generell kühler geworden und es ist am nächsten Morgen zu frisch, für "Dejeuner sous ciel bleu". Wir laufen bald darauf in die Schleusenkammer von Aprémont ein. Auf dem Gelände mäht ein Mann, offenbar der Schleusier, mit lautem Gerät die Anlage. Er hat unsere Ankunft, die vor seinen Augen erfolgte, zweifellos bemerkt, sagt aber nichts und trifft auch keine Anstalten die Schleusung einzuleiten. Wir belegen, dann stelle ich den Motor ab und hole den Schrubber und beginne mit der Decksreinigung. Wir wollen testen, wie lange es geht, bis wir, nicht mürrisch, sondern ganz busy, "verarbeitet" werden. 

Nach wenigen Minuten erkennen wir, dass sich ganz am Anfang der Schleusenzufahrt, auf dem Derivationskanal, ein weiteres Schiff nähert. Aha, es wird wohl von der letzten Schleuse angemeldet worden sein und man(n) wird auf dieses warten.

Weitere vielleicht 10 Minuten später ist dann auch dieses am Einfahren in die Kammer. Dessen Käptn hat auf dem Aussensteuerstand alle Scheiben geöffnet, und ruft mir, auf der Badeleiter stehend und immer noch putzend etwas von "quatorze metres avec ....." entgegen. Ich sehe, dass auch ein 18 Meter-Schiff zwanglos Platz hinter uns fände und gebe zurück "combien?". Er wiederholt die Zahl und den Nachsatz, den ich allerdings auch diesmal nicht verstehe. Offenbar ist es aber eine Aufforderung in der Schleuse weiter nach vorn zu fahren, dorthin wo keine Anmacher mehr vorhanden sind .... Gebe also zurück "va à l' autre coté", was dieser ablehnt, das sei unmöglich (sein Schiff scheint nur eine anlegefähige Seite zu besitzen). 

Der Schleusenwärter hat inzwischen offenbar seine Mähaktion beendet und tritt nun (wie die himmlische Gewalt, nämlich von ganz oben; auf der hohen Schleusenmauser stehend) dazwischen, er meint, an die Adresse des French-Man gerichtet; der Platz reiche spielend und er solle jetzt einfach und ohne weitere Einwände hinter uns belegen .... Der Eigner murrt vor sich hin, aber er und seine Schöne bringen jetzt endlich zwei Leinen aus. Da es abwärts geht, hält Heidi unseren "Aramis" nur mit einer Leine, und zwar in Schiffsmitte. Dies trifft, wir erkennen und spüren es fast augenblicklich, auf vollstes Unverständnis der hinteren Besatzung. Man will uns klarmachen, dass dies nie gut gehen könne, zwei Leinen seien mindestens notwendig. Und als sich dann unser Schiff tatsächlich wenige Zentimeter in Längsrichtung bewegt (was es aber auch mit drei Leinen tun würde), ruft "er" von hinten "Attention". Ich verweise auf die zwei Meter, die uns immer noch von ihm trennen, er meint "es gehe nur um unser Schiff, er hätte uns nur rechtzeitig warnen wollen". Wir verzichten auf weitere Kommentare. 

Als wir durch den vorderen Schleusentorspalt erkennen, dass die Absenkung beendet ist, holen wir die Leine ein (löst Getuschel aus), starten den Motor (was Unmut bewirkt) und fahren aus und zwar so zeitig, dass wir den Ausgang in dem Moment passieren, als die Torflügel links und rechts gerade einrasten. 

Also viel zu früh!! Mit so einem wie uns will man nichts zu tun haben. Kurz nachdem wir wieder auf dem Fluss fahren, wird das hintere Schiff beschleunigt. Wir fahren mit 2/3 Gas und harren der Dinge, die da kommen werden.

Spült er nun sämtliche fischenden Landsleute aus den Stiefeln? Offenbar ja, sein Schwell nimmt zu und er beginnt, da wir uns etwas links der Flussmitte bewegen, rechts vorzuziehen. Wir erkennen eine Succes 115 (wie war das mit den quatorze metres, ah, das an den Davits hängende Beiboot ist für die letzten 2,5 Meter zuständig) aus Rouen. Man gibt offenbar sein letztes. Ängstlich sitzen der Käptn und seine viel jüngere (sicherlich die Zweit-)frau bocksteif auf ihren Stühlen, sehen nicht mehr zu uns hinüber. Der Fluss wird immer breiter und nichts kommt entgegen. Eigentlich möchten wir nur infolge der Riesenwelle der Succes unser Interieur nicht neu ordnen müssen, also zeigen wir doch mal, was unser 4 Zylinder so drauf hat. Und 2000 Touren reichen schon um wieder auf gleiche Höhe zu kommen, und noch etwas mehr, um wieder eine Schiffslänge zu überholen. Nun produzieren beide Schiffe riesigen Schwell ...... ..

Wie war das mit dem Nachgeben; wer ist der Klügere? Wir besinnen uns, weichen noch etwas aus um den seitlichen Abstand zu vergrössern, gehen dann abrupt vom Gas, nehmen seine Heckwelle fast rechtwinklig, was mit unserem Neuen überraschend wenig Schaukelei auslöst und tuckern in seinem beruhigten Heckwasser weiter, als wär nichts geschehen. "Man" schaut erst nach einigen Minuten erstmals nach hinten und versucht uns dann vor der nächsten Schleuse abzuhängen ..... dies lassen wir aber nicht zu, wir bleiben dran. Als ihm dies bewusst wird, gibt er kurz zuvor eine Auszeit, steuert einen am linken Flussufer in den Plänen eingezeichneten Steg an. Wir passieren und bewundern sein Manöver, denn er versucht rechtwinklig in seinen (und unseren) Wellen vor dem Steg stehend, parallel anzulegen. Später hören wir von mehreren Besatzungen, dass dieses Schiff resp. natürlich vor allem seine aufgeschlossene Besatzung auch ihnen unangenehm aufgefallen ist.

Am gleichen Abend erreichen wir Auxonne.
Kurt von der Lara hilft uns, eine am Morgen bei der Sichtkontrolle im Motorraum gefundene Schraube wieder am richtigen Platz unterzubringen. Er stellt dabei auch fest, dass es noch weitere Befestigungen gibt, die man nachziehen sollte. Man macht solche Arbeiten "am offenen Herzen" (also bei geöffnetem Motorluk) am liebsten, wenn der Motor nach langem Fahren noch warm ist und draussen über 30 Grad gemessen werden. In diesen Momenten vermisst der Schreiber sogar seine sonst nur in den Ferien ausgesetzten Saunagänge nicht mehr ...

Heidi hat inzwischen einen feinen Kuchen eingekauft, den wir nach getaner "Arbeit" mit der Lara-Besatzung teilen. Im Ort sichten wir etwas später noch die Besatzung der Dilu, also Astrid und Roger, die wir bei einer früheren Fahrt einmal kennen lernten. Zufrieden orientiert Roger auf Befragen, dass der Kunststoffüberzug, den man dem Holzschiff vor wenigen Jahren aus Dichtheitsgründen überzog, hält. Gegen 18 Uhr legen wir ab, fahren wieder etwas flussaufwärts und suchen vor Auxonne einen schönen Ankerplatz, den wir vor der Schleuse Poncey les Athes auch finden.

Apropos finden; dank Ankerlicht besuchen uns über Nacht jeweils auch "zehntausende" von Insekten. Salon- und Pantrydach sind Morgens vom Tau tropfnass und mit einer Schicht toter Mücken und kleiner Fliegen überzogen. 

Die Deckwaschpumpe amortisiert sich. Und seit Mechaniker Vincent herausfand, dass das Teil ab Werk mit einer zu schwachen Sicherung versehen war und die Anschlüsse auf einen stärkeren Schalter legte, kann nach Herzenslust das hier vorhandene, sehr saubere Flusswasser über das Kasko gespritzt werden, ohne dass die Sicherung schon nach einigen Sekunden rausfliegt.

Mit frisch gewaschenen Schiff fahren wir danach wieder nach Auxonne zurück, passieren die Stadt und warten danach im Kanal vor der Schleuse. Wir warten, sehen, dass ein Schiff hochkommt und dann .... stehen bleibt. Mittels Feldstecher erkennen wir schliesslich auch den Grund: Ein Pénichenfahrer bunkert hier seinen Trinkwassertank voll ...... Also machen wir gute Miene und üben "Rückwärtsfahren im Kanal"; wobei es tatsächlich irgendwann gelingt mit dem Schiff auch eine längere Strecke (natürlich ohne Bugstrahlhilfe!) relativ geradeaus rückwärts zu fahren. Nur muss natürlich ausser einem gerade stehenden Ruder auch etwas Gas gegeben werden. Ohne einen gewissen Druck auf das Ruderblatt gelingt es nicht. Danach wird geschleust.


Kurz vor St. Jean ein Funk von "Elefant IV"; Sepp und Yvonne haben abgelegt, fahren uns auf ihrer Weekendtour entgegen. Und tatsächlich, nach einigen Minuten entdecken wir einen mächtigen, dunkelgrünen Rumpf und beige Aufbauten als Gegenkommer. Ein Hallo; wir haben uns seit bald 2 Monaten nicht mehr gesehen. Wir wenden, fahren langsam parallel und belegen. Der Elefant zieht uns mit, wieder gegen Auxonne zu, während wir rapportieren und das Schiff zeigen. Man hat uns auch spezielle Schmierseife mitgebracht, mit dem sogleich das Holzdeck einer ersten "Tiefenreinigung mit Rückfettung" unterzogen wird. Die etwas ärgerlichen Spuren der letzten Sneeker-Werksmechaniker werden so nach und nach beseitigt. 

Um 12 Uhr erreichen wir am Samstag, 17.8. 
St. Jean-de-Losne
und werden von Toni (Antoinette) und Walter erwartet. Mit ihnen standen wir seit Ferienantritt im SMS-Verkehr und das gute Timing hat uns nun für die Rückreise auf dem Rhein-Rhone - Kanal zusammengeführt. 

 

Da wir auch noch Bootszubehör kaufen wollen, Blanquart und H2O aber über Mittag bis 14 Uhr, geschlossen halten, warten wir noch etwas. Französische 5 Minuten nach der angeschlagenen Zeit, die uns bei der Bruthitze viel länger vorkommen, können wir einigen Krimskrams und ganz wichtig; endlich eine hiesige Gastlandflagge kaufen. 

Mit blau-weiss-rotem Zusatzdekor am Mast verlassen wir kurz darauf das Hafenbecken, fahren unseren Freunden nach, die wir kurz vor St-Symphorien-sur-Saône einholen. 

Wir biegen nun, inzwischen genau einen Monat nach der Schiffsübernahme, auf das letzte Stück unserer Reise ein.

Die Schleusungen hier, auf unserer "Hausstrecke", sind schon fast Routine. Zufrieden stellen wir fest dass unser Cabrio unter vielen Brückendurchfahrten stehen bleiben kann, wo wir beim letzten Schiff noch demontieren mussten. 

Einige Aushilfen bedienen ab Samerey, was sich so auswirkt, dass die Tore auch bei vollen Kammern nicht geöffnet werden, man hat Kollegen im Häuschen und kaum Zeit für die Plaisanciers. Zuerst sieht (oder hört) man etwas zu, dann wird die Stimmung bei der brütenden Hitze gereizter .. Relativ knapp vor Schleusenschluss, so gegen 18.45 erreichen wir dann aber trotzdem Dole

Hier warten unsere Kembser Hafennachbarn Robi und Monika (von der Estella) schon am Steg. Natel, SMS, und der Neugier sich nach langer Zeit wieder etwas erzählen zu können, sei Dank haben wir damit eine genügend grosse und versierte Stegmannschaft, die uns beim sicheren Belegen in dem, der seitlichen Strömung wegen nicht einfach anzufahrenden, aber wunderschön gelegenen Hafen hilft. 

Beim Apéro testen wir gleich, dass auf unserem Deck auch 6 Personen Platz finden, wir leihen uns 2 Stühle, legen dann alle zusammen was die Kühlschränke und Vorratskammern hergeben und dinieren bis tief in die Nacht.

Am nächsten Morgen zieht eine Crew weiter, wir bleiben, baden, waschen, trocknen, gehen einkaufen, wobei Sonntags die Auswahl an offenen Geschäften doch ziemlich klein ist. Es gelingt aber immerhin einen Kuchen, der zur Hälfte aus Schokomousse besteht, an Land, oder besser, auf Deck zu ziehen. 

Ein Versuch die Wassertankanzeige zu verifizieren, gelingt nicht, es kommt auch 10 Minuten, nachdem der Zeiger schon am untersten Reserverand ansteht noch aus allen Rohren ungeschmälert Wasser. Wir notieren dies für die Mängelliste, wie soll man so einen Überblick über die Ressourcen haben?

Am Montag pilgern wir zu Fuss südwärts, Richtung dem grossen Einkaufszentrum Géant. Es wird gepostet, bis unserem Poschtiwägeli (ein Geburtstagsgeschenk der Verwandtschaft) der Schnauf ausgeht, d.h. die Gelenke einknicken. 

Unter anderem haben wir auch günstigen Essig eingekauft, damit lassen sich nämlich, aus einer Sprühflasche und bis die Düse glüht, appliziert, die Kalkflecken vom dunklen Lack entfernen. Einfach (unverdünnt!) aufspritzen, etwas warten, dann mit Schrubber und Wasser nachwaschen. Fertig! 

Mit sauberem Schiff starten wir nach Mittag und erreichen kurz vor 17 Uhr die Schleuse von St.Vit. Vor der Schleuse harrt bereits eine französische Besatzung der Dinge die da noch kommen könnten. Die Lichter wechseln von Doppelrot, auf rot/grün, dann Doppelrot mit Grün, dann geht gar nichts mehr. Kapitulation der Technik?

Wir versuchen auch mit unserer Telecommande, hilft nichts. Nach einer Viertelstunde warten sehen wir uns um. Der Doubs war gerade noch sehr breit, es ist warm. Warum nicht ein oder zwei Kilometer, bis vor die schwarz/weissen Balisen zurückfahren, den Anker werfen, baden und den Abend geniessen? Wir setzen die Idee um, wenden und geniessen das schöne Panorama mit Tischgrill.   

Am Dienstag morgen hat sich die Schleuse erholt, funktioniert wieder klaglos. Wir kommen gut voran, bis wir gerade auf die Mittagszeit die Doppelschleuse erreichen. Doppelrot. Mittagszeit? Nein, beide Tore stehen offen, kein Wasser bis zum obersten Tor. In der hinteren Kammer steht ein VNF-Arbeiter, geht mit Gummistiefeln in der Kammer umher. Wir warten bei böigem Wind und als man uns auch nach Minuten noch kein Zeichen gibt, hupen wir einmal. Ein Eclusier schält sich aus einem Häuschen, kommt näher. Er zielt mit den Händen in die Richtung, wo wir herkommen und meint, wir müssten warten; der Defekt sei zwar inzwischen behoben, aber von oben herkommend würden schon Schiffe warten. Dies sehen wir nicht ein, offene Tore, leere Kammern, die für die nächste Schleusung ja zwingend geflutet werden müssen und wir sollen uns im Unterwasser ohne Anlegemöglichkeit gegen eine Stunde um die Ohren schlagen? Wohl kaum; also verziehen wir uns nicht, bleiben dicht vor dem Tor, hupen nochmals. Schliesslich kommt ein zweiter Mann. Ihm wird die Sachlage auch erklärt, er geht zum ersten und kommt irgendwann zurück. Nun dürfen wir einfahren, es würde - aber wir sollten uns gefälligst beeilen  - geschleust ...... . Dazu lassen wir uns natürlich nicht zweimal auffordern. Das Tunnel von Thoraise wird bald auch noch problemlos durchfahren und schon gegen 14 Uhr erreichen wir Besançon. Unsere Freunde, die uns in Dole verliessen, sind noch da, wir belegen auf dem letzten noch freien, sehr knappen, Platz mit grosser Helferschar und vereinbaren ein gemeinsames Abendessen beim Chinesen.

Am nächsten Morgen bummeln wir durch die schöne Altstadt und der Schreiber versucht, die gefüllte Smart-Media-Karte des digitalen Fotoapparates auf eine CD-Rom brennen zu lassen um die Speicherkapazität für neue Motive wieder frei zu haben. In einem Computergeschäft kann man's nicht, immerhin verweist man uns an einen nahen Fotoladen. Dort hätte man wohl das Wissen aber nur beschränkt Möglichkeiten und Zeit. Wenn wir zwei Tage warten könnten, kein Problem. Wir wollen nicht warten, fragen weiter. Im 3. Fotogeschäft ist man bereit, den Job innerhalb der nächsten Stunden zu erledigen. Für 3 ½ Euro erhalten wir eine CD-Rom mit den schon gemachten rund 450 Bildern und auf wohl 20 Foto-Blättern auch noch einen Index darüber. Nicht schlecht; gut haben wir vor den Ferien nicht noch mehr von den teuren Speicherkarten gekauft. Kurz vor Feierabend ziehen wir weiter.

Vor der Schleuse Chalese zeigt unsere Telecommande ihr Display nur kurz. 

Der Text: "Zu wenig Batteriekapazität" (o.ä.), 
gibt kurz zu denken; dann wird es wieder dunkel.

Aber alles doch kein Problem, im grossen Hartschalen - Koffer hat es ja ein Ladegerät. Also Kabel raus, Stecker ins Gerät, Stecker in die Dose .....tja, die Dose. Es bleibt beim Vorsatz, es geht nämlich nicht, denn am Ladegerät ist ein Stecker für einen Zigarettenanzünder, wie er in Autos verbaut wird, montiert. Wir als Nichtraucher haben keinen solchen Anschluss. Also wird der Stecker vom Kabel weggeschraubt und versucht, das Ladegerät via einem zweiadrigen Kabel mit 12 Volt zu versorgen. Die Ladeleuchte brennt danach zwar, aber das Display lässt sich trotzdem nicht mehr zum Leben erwecken. Es bleibt mangels geeignetem Ufer oder gar einer Anlegestelle also nichts anderes übrig, als ganz nahe an vor das geschlossene Schleusentor heranzufahren, damit die Smutje via Leiter die Mauer erklimmen kann. Das Aussetzen gelingt gut, das Klettermanöver auch. Dann aber, während der Käptn bemüht ist, das Schiff wieder sachte rückwärts in tieferes Wasser zu bringen, ertönt von der Schleuse her plötzlich ein markerschütternder Schrei. Wie später zu Protokoll gegeben wird, traf die Steuerfrau, nachdem sie die Brücke gerade erklommen hatte, auf eine grell grün/gelbe, ca. halbmeterlange Schlange. Diese scheint mind. so erschrocken, nach dem gegenseitigen Entdecken, auch noch in die falsche Richtung zu flüchten versucht haben. Die Miteignerin erinnerte daran, dass sie vor 3 Jahren, ebenfalls bei einem Schleusenversagen am gleichen Ort, durch unzählige Spinnenweben klettern musste, und heute nun die Schlange. Nein, hier werde sie nie wieder auswassern. Das nächste Mal führen wir zurück und würden warten .......

Durch den Schrei ist immerhin jemand im Schleusenhaus auf uns aufmerksam geworden. Die Schlange sei harmlos, man kenne sie .... Via dem Schleusentelefon können wir vor Feierabend noch einen VNF-Mann aufbieten, der uns umständlich, aber doch schliesslich erfolgreich, unsere Commande gegen eine aufgeladene neue ersetzt. Man wüsste um die Mängel, rund 50 % der Geräte würden nicht so funktionieren, wie evaluiert und gedacht (!!). Vor der Doppelschleuse Deluz holt uns dann das Ende der Servicezeit ein, wir werfen einmal mehr Anker und geniessen einen sensationellen Sundown.

Am Donnerstag, 22.8. starten wir bei Superwetter, bewundern die neuen Stege, die seit unserer letzten Durchfahrt vor 3 Jahren hier überall gebaut wurden.

Speziell die Landschaft vis-a-vis von Laissey würden wir uns auch einen Abend lang anschauen. Die gleichnamige Schleuse ist immer für Überraschungen gut; man muss hier in der Kammer sehr weit an backbord bis vor's obere Tor fahren, wenn man die blaue Stange vom Schiff aus ziehen will. Dann passiert lange nichts ungewöhnliches und plötzlich, nachdem etwa ¾ gefüllt sind und man schon überlegt, ob die Leinen noch gebraucht werden, kommt es zu einem starken Sog nach steuerbord!

Bei Ougney-les-Champs legen wir eine Zwangspause ein, die Smutje muss schon wieder an Land. Sie stellt dort fest, dass sich das obere Tor nicht ganz schliesst und die Kammer darum nicht geflutet wird. Ohne Spinnen und Schlangen ruft sie die VNF. Wir beobachten, wie der bald darauf erscheinende Servicemann, auf den Bedienhebeln im Schleusenhaus nicht virtuell, sondern eher brachial herumwütet, dann ist er erfolgreich. 

Gegen 16 Uhr passieren wir Clerval. Kein Schiff ist dort. Das haben wir noch nie gesehen. Eigentlich wollten wir auch durchfahren, aber so planen wir kurzfristig um, die seitliche Strömung reizt einen kleinen Manöverkurs zu machen. Mit Bug voran Richtung dem obersten Platz ..... Die Ankunft gelingt planmässig, aber die 2. Steuerfrau ist mit Tau niemals schnell genug vom Schiff um dieses in guter Position auch noch zu belegen. Die Stege sind schmal, schwanken ..... Also setzen wir zurück, versuchen es rückwärts. Aussetzen ab Badeplattform und belegen des hintersten Pollers an stb.  Aber auch dieses Vorhaben gelingt nicht, denn schon oder besser noch zwei Meter vom Steg entfernt hören wir, wie der Propeller Kies anzieht. Wir brechen die Übung ab, fahren weiter. Später hören wir von anderen Crews, dass sie auf ähnliche Probleme stiessen. So wird Clerval's Steg nicht attraktiver!

Um halb Sechs sehen wir bei Santoche die hohe Autobahnbrücke. Mit dem Tiefenmesser halten wir aus dem Fahrwasser und finden einen Platz. Im Fluss kühlen wir uns ab. Spielerisch fahre ich dabei mit einem Fuss auch die Ruderanlage und den Propellerdom ab. Schön kühles Metall, doch was war das? Etwas faseriges kratzt an den nassen Füssen, lässt sich aber nicht abreissen und aus der Nähe betrachten. 

Also raus aus dem Wasser, Schwimmbrille holen. Bald zeigt sich, dass ich damit aber genauso viel resp. so wenig sehe, wie ohne, nämlich fast nicht (was aber leider nicht an der Wasserqualität liegt). 

Also Gummizug an die Sehbrille und damit runter. Das kratzige Zeugs hat sich tatsächlich um die Welle gewickelt und will nicht freiwillig von ihr lassen. Also wieder rauf und raus, Lagebeurteilung. Frau bietet Hilfe an, diese beschränkt sich dann allerdings auf das Wissen, wo sich das scharfe Messer befindet. Es hilft nichts, einer muss tauchen. Also wird der bestimmt, der den Missstand entdeckte. Beim nächsten Tauchgang fühlt man sich mit der neuen Umgebung schon vertrauter, es gelingt ein Büschel zu packen und mit zwei, drei Schnitten vom Rest zu trennen. Wieder an der Wasseroberfläche glauben wir aufgequirlten Rest von Kunststoffbändern, wie man sie zum verschnüren von Paketen braucht, wiederzuerkennen. Mit einem weiteren und letzten Tauchgang können dann nochmals zwei Handvoll davon geborgen werden und die Welle ist wieder frei. Schönes Gefühl, dies zu wissen und kurz darauf auf dem Achterdeck zu speisen! Der Held des Tages kriegte nämlich ein Raclette.

Die ganze Nacht auf Freitag, den 23.8. werden wir vom Autobahnlärm ab der nahen Brücke mit einem Dauergeräuschpegel verwöhnt. Am nächsten Morgen ist es nach dem Aufstieg auf's Achterdeck richtig kalt, die Aufbauten sind tropfnass, trotz rutschfester Farbe ist es auf dem Vordeck aalglatt. An der Innenseite der Salonfenster ist dagegen kaum ein Hauch von Feuchtigkeit zu erkennen, die Doppelverglasung zahlt sich aus.

In der ersten an diesem schönen Morgen angefahreren Schleusenkammer schliesst eine holländische Stahlyacht auf und wir werden bis zum Einkaufszentrum in Ile sur-le-Doubs begleitet. In dieser kurzen Zeit lernen wir Jan & Gretha und deren Golden Retrieverin Stella kennen. Ein gemeinsamer Schleusenapéro erschliesst die Vornamen, bald werden Erfahrungen getauscht. Toll, was für kameradschaftliche Gefühle wiederum in sehr kurzer Zeit entstehen konnten. Wangenküsse und E-Mail Adressen werden getauscht, wir versichern einander, dass wir in Kontakt bleiben werden. In Schleuse 20 bei Lougres werden wir langsam angehoben und sehen nach einigen Minuten im Oberwasser den Rumpf eines roten Schiffes. Mitten im Bug prangt ein Schweizerkreuz. Ja, aber das kann doch nur .... Tatsächlich, "Sibylle" schwimmt wieder. Eigner Manfred und Theresia sind nach längerer Restauration auf dem Trockenen wieder unterwegs. Rasch werden ein paar aktuelle Tips getauscht, beide Crews wollen noch ein Ziel erreichen. 

Wir fahren diesmal schon um halb sieben in die letzte Schleuse vor Montbéliard ein, müssen also nicht wie in verschiedenen Vorjahren darum betteln, doch bitte um fünf vor, oder gar um zwei Minuten nach sieben noch bedient zu werden. Und was in den letzten 400 Schleusen (eine grobe Schätzung) niemand verlangte, hier passiert es wieder einmal; der Eclusier verlangt, dass wir "Aramis" mit zwei Leinen sichern .... . Ein Nichols Boot hätte da letzthin einen Unfall produziert und er sei schliesslich für Unfälle in der Kammer verantwortlich. Klar doch, der Schleusier hat immer recht, also werfen wir pro forma noch ein Tau an Land. Als dann aber noch ein Einwand kommt, der Motor dürfte nicht laufen, möchte ich doch wissen, wo oder wann und von wem denn dies nun verfügt worden sei. Es folgt kein Feedback, folglich bleibt der Motor an.

Wir schleusen fertig und steuern kurz darauf Steg 3 an. Belegen. Landstromkabel raussuchen, neben dem Steuerstand einstecken, Kabel Richtung Bug verlegen. Rausklettern, Kabel in den Kasten stecken. Nichts. Nächsten Anschluss versuchen, auch nichts. Alle 8 Steckdosen werden ausprobiert, umsonst, kein Strom an diesem Steg. Da wir die Waschmaschine benützen wollen und müssen, bleibt nichts anderes übrig, als umzuparken. An Steg 1 hat es noch freie Plätze, wir wechseln also dorthin, gleiches Prozedere: Belegen, Kabel installieren, gleiches Resultat: Nichts! 

Wir fragen den Besitzer der sich im Umbau befindlichen Péniche ganz am Ufer. Er bestätigt, dass vor Tagen schon die Stromversorgung zusammengebrochen sei, man rätsle noch über die Ursachen .... Wir denken: Schön wär's, wenn der Stromausfall auch die Klimaanlage des vis-a-vis der Stege domizilierten Einkaufszentrum getroffen hätte, die ganze Nacht hört man nämlich deren auf dem Dach platzierten Aggregate laufen ..... Aber als uns der Pénichenbesitzer, der eine direkte "Landleitung" unterhält, offeriert, ihn anzuzapfen, nehmen wir das Angebot gerne an und gleichen den Bezug am nächsten Morgen mit ein paar Flaschen Bier aus. Als es schon eingedunkelt hat unternehmen wir noch einen Spaziergang, der uns zuerst durch den unbeleuchteten (aber gemäss den angeschlagenen Öffnungszeiten noch passierbaren!) Park "Pres de la Rose", dann durch Teile der Altstadt von Montbéliard führt. Wir bewundern die sehr dicht überall in einigen Metern Höhe aufgehängten, mehrstöckigen Blumenampeln. Auch die Brücken, die zum Hafen zurückführen sind wunderschön, richtig üppig mit Blumen verziert. Super!

Wann wir am nächsten Tag starten wollen? wurden wir, obligat, wiederum an den letzten zwei Schleusen gefragt. "Früh" gaben wir zur Antwort. "Um halb zehn" lautete die Entgegnung der VNF-Planmacher, um neun wäre schon ein Konvoi zusammengestellt. Dies bemerken wir denn schnell selber, den schon die erste Schleuse, noch fast in Steinwurfweite des Hafens, ist um halb zehn nicht offen, wir warten 10 Minuten vor noch nicht völlig entleerter Kammer. Die Schleusenfrau erwähnt etwas davon, dass eines der vorne mifahrenden Schiffe wohl eine Panne hätte .. Schöne Aussicht ... die sich aber zum Glück nicht bewahrheitet. Nachher und bis zum Mittag läuft es nicht schlecht (Schleuse 8 Fontenelle ist die Ausnahme, die die Regel bestätigt). Erst gegen Mittag schliessen wir auf die vordere Mannschaft auf und als wir den Scheitelpunkt passiert haben, sehen wir in der Schleusentreppe jeweils auf das Bimini der Gugi, der hinteren, der vor uns fahrenden Yachten hinunter. Gegen halb fünf erreichen wir Dannemarie, allein Anne fehlt. Wir hören etwas von Unfall und Ferien. Also kein Apéro mit News aus der Umgebung. Wir kompensieren dies mit einem Raclette mit Braak's, also zu viert am "grünen" Tisch, 2 Flaschen Wein, es wird später.

Am 25.8. sind wir, wiederum als "zweite Füllung" um 10 angemeldet. 

Hinter der 'Gugi' fahren wir pünktlich in die Kammer. Als wir schon am Schliessen der Tore sind, taucht plötzlich ein drittes Schiff im Schleusenbereich auf, die 'Amira'; deren Crew informiert, dass auch sie auf zehn Uhr aufgeboten worden seien um mit uns zu schleusen. 

Wir staunen und rechnen dann nach; 2 x rund 12 Meter für die ersten und dann nochmals 11 Meter für das dritte Schiff machen zusammen nach Adam Riese 35 Meter reine Schiffslänge.

Damit verbleiben für die 4 nötigen Zwischenräume zwischen unseren Dampfern einerseits und den Schleusentoren hinten und vorn andererseits insgesamt weniger als 4 Meter Platz. Zu wenig für diese Tagesetappe, wo ja über 20 Mal geschleust wird. Wir weigern uns die Schiffe umzuhängen und vorzufahren. Dem Schleusier kommt dies offenbar entgegen, ihm war es so auch nicht wohl, er ruft nach seinem Chef (nein, es handelte sich nicht um Christian, er war leider ferienabwesend), welcher dann auch schon gegen halb elf eintrifft. 

Wir rapportieren ihm unseren Missmut; er lässt verbal verlauten, dass es schon ginge, wenn man die Sache nur vorsichtig genug anpacken würde (er meint wohl den ganzen Tag nichts als panisch auf der Hut zu sein). Anscheinend glaubt er aber selber nicht an seine Worte, sondern verordnet dann ohne weiteres Insistieren die Bildung eines dritten Teams, welches den Nachzügler einzeln nachschleust. Elegant wäre das Problem umgangen worden, hätte man dem ersten Team, welches um neun Uhr startete und nur aus zwei sehr kurzen Booten bestand, ein längeres angegliedert ...... Tja, aber man darf ja nicht immer alles der Logik unterordnen. 

Es regnet dann noch einige Tropfen und die Sonne hält sich zurück, ein richtiger Schleusentag, kein unnötiger Schweiss rinnt. Unterwegs, kurz vor Mulhouse wartet Gabriel, ein guter Freund, an einer Schleuse auf uns, beschnuppert unseren Neuen... und muss dann wieder zur Arbeit. Gegen die letzten Schleusen zu muss mehr Konzentration investiert werden: Die Kammern sind, wie schon in den Vorjahren bemerkt, sehr voll. 

Wenn man nicht aufpasst, schwimmen die Fender auf und bleiben auf den Mauern liegen. 

Also sehr, sehr langsam einfahren, zurück schwappende Wellen vermeiden, präzise neben dem Poller zum Stillstand kommen, kurz belegen, mittels beherzter Flanke neben das Schiff springen und hoffentlich gerade noch rechtzeitig die Berührung der Schiffswand mit der Schleusenmauer durch das für Aussenstehende cool zur Schau gestellte "lässige" Wegstossen von rund 14 Tonnen Schiff verhindern ...

Im Vieux-Port in Mulhouse sind wir schon angemeldet worden, ein Platz neben der Gugi steht zur Verfügung.

Noch einmal ist Massarbeit angesagt, wobei allerdings das enge Parkieren auf Anhieb gelingt und wir keine faulen, uns künftig anspornenden, aufbauenden Sprüche ernten ..... 

Am nächsten Tag gelingt es uns dann sogar im hiesigen VNF-Büro eine Vignette zu kaufen, nachdem es beim Grenzübertritt in Givet, in St. Jean-de-Losne, in Dole und in Besançon nicht klappte. Teils hatte man schlicht keine (mehr), teils waren die Büros (übers Wochenende) nicht besetzt. Mit dem Kauf ist unsere Kanalfahrerei nachträglich legitimiert worden! Die Dame vom Amt klagt nämlich darüber, dass der Vignettenkauf längst nicht mehr selbstverständlich sei, immer mehr Leute würden sich zu drücken versuchen. Vielleicht hat sie recht, vielleicht müsste man aber auch einfach dafür schauen, dass man das Ding unkompliziert und mind. an den "Grenz-Schleusen" erwerben kann ....?

Tags darauf schliessen wir mit der Einfahrt in den Hafen Kembs unsere "Sommerferien 2002" ab. Eine exakte Statistik haben wir keine betrieben, innert 6 Wochen wurden wohl an die 300 Schleusen bewältigt, eine Strecke von gut 1000 Kilometer zurückgelegt. Der Motor war rund 200 Stunden am laufen und konsumierte dabei im Schnitt unter 4 Lt. pro Stunde.

Fazit: Der Werft kam die von uns gewünschte Farbgebung von Rumpf und Aufbau (beige/grün) anfänglich etwas fremd vor. Die Lackierung kommt aber spontan überall an; wir erhielten laufend Komplimente! Das Schiff läuft super. Mit der Manövrierbarkeit, dem geringen Motorlärm, dem sehr knappen Durst sind wir absolut zufrieden. Die Inneneinteilung mit dem Verzicht auf eine Dinette bewährt sich gut. In unserer Pantry können gut 2 Personen arbeiten, ohne sich gegenseitig zu behindern, das Essen im Salon gefällt, man sieht, ohne sich zu strecken, nach aussen. Es macht eine Freude im grossen Motorraum Verrichtungen vorzunehmen, man hat Platz satt.

Negativpunkte gibt es nicht viele, am meisten stören uns die undichten Fenster, am Schluss sind es 4 Salonfenster die den Regenschauern nicht gewachsen sind. Und nicht ganz zufrieden sind wir mit dem Finish des Interieurs; einige Holzteile wurden im Endspurt etwas hastig veredelt; Staub im Lack, kleine Kratzer etc. 

Wir schauen nun, wie kulant man sich um unsere Probleme kümmert, klappt es nicht, werdet Ihr es bald nachlesen können.

 

Dieser Teil der Geschichte erschien in der L'ancre de Kembs Ausgabe Juni 03

Ó F. Engeler, Zufikon

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