| Wir
haben bis nach Wien gewollt, doch es hat nicht sein gesollt ... |
| Wer aus unserer Mitte Leo
Wick nicht kennt, dem sei zum Autor dieses Reiseberichtes so viel
verraten: Leo hat den 75. schon hinter sich! Er war Gründungsmitglied des
CCS und später, aber auch schon sicher 22 Jahre her, Gründungsmitglied
des SSK. Ihm verdankten die Kanalkapitäne die ersten exakten Flusskarten
von Frankreich. Seine Wasserstrassenkarten im Massstab 1:50'000 wurden
sogar auf wasserfestem Papier gedruckt. Sein gesammeltes Wissen hat er in
kleinen Broschüren interessierten Kreisen gerne abgegeben. Die bis heute
einzigartigen Lehrbüchlein trugen u.a. die Titel "Fahren in
fliessenden Gewässern" erschienen 1982 und "Kanal- und
Schleusenschifffahrt" erschienen 1984. Leo
ist mit seiner aufgestellten Frau Maja auf der Yacht "Cargo"
noch jedes Jahr auf den näheren und ferneren Kanälen unserer Umgebung
unterwegs. Im vergangenen Frühling waren sie, des Hochwassers wegen
aufgehalten, auch für einige Wochen Gäste in unserem Hafen in Kembs.
Leo's Beitrag: Ich lese fürs Leben gern Törnberichte wie sie in den verschiedenen Wassersportzeitschriften regelmässig abgedruckt werden. Dabei interessieren mich sowohl Schilderungen von Fahrten, welche ich selber auch schon gemacht habe, wie auch Berichte über Reviere, welche ich gerne einmal befahren möchte. Aber vor allem bei den letzteren bin ich fast immer enttäuscht, weil sie kaum Informationen vermitteln, welche man für die Vorbereitung der eigenen Fahrt gerne hätte. Zwar erfährt man in manchen Berichten vom Liebreiz der Skippersfrau, oder dass man am letzten Tag sehr früh aufstehen musste, aber weshalb unterschlägt man in den langfädigen Erzählungen, welche Handbücher man für die Törnplanung einsetzte, oder wo man z.Bsp. Spezialkarten kaufte? Fahren denn alle mit dem Strassenatlas? Darum, diesmal ein "anderer" Fahrtbericht: Im Herbst 94 begann die Vorbereitung für unsere Donaufahrt. Die benützten Unterlagen sind im Literaturhinweis am Schluss enthalten. Von verschiedenen Seiten hatten wir von den von Jahreszeit u. Wasserstand abhängigen zum Teil sehr starken Strömungen der Donau gehört und wollten darum Genaueres darüber wissen. An die Schifffahrtsdirektionen, Wasserbau- Ämter, Sportbootverbände gerichtete Briefe mit der Bitte um Angaben wurden nicht beantwortet. Einzig bei "Squarra" (s. Verz.) fanden wir einige Strömungsangaben. So sahen wir denn vor: Zu Tal große Tagesstrecken, Zeitaufwand ca. 2 Wochen. Zu Berg, notgedrungen kürzere Etappen, wofür wir 4 Wochen veranschlagten. Alles andere, also Rhein von Kehl bis Mainz, dann Main und Main-Donau-Kanal liess sich zumindest auf einen Tag genau planen, ebenso die Rückfahrt ab Kelheim bis Mainz, dann Koblenz, Mosel, Marne-Rhein-Kanal zurück zum Heimathafen Kehl. Mit mehr als 2 Wochen Verspätung wegen eines im letzten Moment festgestellten Motorschadens verliessen wir die Strassburger Nordschleuse am Tag nachdem die Rheinschifffahrt nach der Hochwassersperre wieder frei gegeben worden war. Wir, das sind meine Frau Maja und ich uns unser Boxer namens "Whisky". Unterhalb der Schleuse Iffezheim, wo der Rhein normalerweise mit 6 - 7 läuft, errechneten wir 10,5 km/h. In Worms war nicht an die Einfahrt in den Hafen des Motorbootclubs zu denken, denn das Wasser stand Oberkante Einfahrtdamm. Von Iffezheim bis Mainmündung erreichten wir einen Durchschnitt von flotten 17,8 km/h über Grund, dies bei nur knapp eigenen 10 km durchs Wasser. In Frankfurt wollten wir Halt machen. Aus dem Handbuch wussten wir, wo der Hafen der "Schauermänner" liegt. Aber leider besassen wir weder Adresse noch Telefonnummer um sich anzumelden. Wir hatten aber Glück, im kleinen Hafen bei der "Alten Brücke" war zwischen Ufer und Insel ein Platz frei und per Zufall ein Mitglied anwesend. Wir wurden herzlich aufgenommen und bekamen einen Schlüssel. Wer jetzt glaubt zu wissen, woher der Verein seinen Namen ableitet, irrt. "Schauermann" heisst eine alteingesessene Familie, die seit nachweislich mehr als 300 Jahren mit der Fischerei und Schifffahrt verbunden ist. Achtung: Normalerweise ist hier kein Platz frei! Im Gegensatz zu den immer wieder gehörten Bemerkungen über lange Wartezeiten vor den Main-Schleusen stellten wir fest, dass es recht flott voran ging. Sogar wenn wir das Tempo von Frachtschiffen, mit denen wir geschleust wurden, nicht mithalten konnten, holten wir diese oft wieder ein, weil auf Talschleuser gewartet werden musste, oder weil Kreuzungen mit Talfahrern in teils engen Fahrwassern langsame Berg fahrt provozierten. Nur viermal mussten wir laut Logbuch an einer der 34 Schleusen zwischen Rhein und Bamberg mehr als ¾ Stunden warten. Wer wie wir bisher mit Ausnahme von Neckar, Lahn und Mosel nur Frankreich, Belgien und die Niederlande befahren hat, dem fällt bezüglich Sportboothäfen bald zweierlei auf: Im Gegensatz zu Frankreich wo in den letzten 15 Jahren Dutzende von öffentlichen Sportbootanlegestellen und/oder Häfen gebaut worden sind, handelt es sich bei den deutschen Häfen fast immer um Klubanlagen. Diese sind meist voll besetzt mit Booten von Mitgliedern, Gastliegeplätze sind rar. Am Main und Main-Donau-Kanal scheint man von der fast sprunghaften Zunahme des "Wanderboot-Verkehrs" überrascht und wir hörten auch immer wieder von der Unaufgeschlossenheit der Behörden gegenüber dem Wassertourismus. Manche sprachen sogar von Sportbootfeindlichkeit, davon soll aber später noch die Rede sein ... Das zweite was sofort auffiel, waren die horrenden Liegegebühren; DM 20.- inkl. Landstrom und Wasser, manchmal mit Dusche und WC waren meist die unterste Grenze. Was soll man also sagen, wenn einem im Hafen "Rumpelhuber" (o.ä.) am Gästesteg ohne Strom und Wasser DM 48.- abverlangt werden; Wasser nur an den anderen Stegen, und Strom nur erhältlich ist, wenn man 50 - 60 m Kabel mitführt ? DM 48.- entsprechen FF 160.-, soviel kostet nicht einmal die Übernachtung im "Port de l’ Arsenal" mitten in Paris mit allem Komfort und nicht in der bayrischen Provinz, 10 Fahrradminuten vom nächsten Bäcker! Bei der Ausfahrt aus der Schleuse Hiltpoltstein am 24.6.95 rüttelt plötzlich das Ruder fürchterlich, der Motor droht abzustellen, also wird sofort ausgekuppelt. Das hatten wir doch schon einmal vor 10 Jahren, kurz vor Saarbrücken, als wir einen Kartoffelsack "überfuhren"..... Der vorhandene Schwung reicht noch genau für eine 360o Kurve und zum Anlegen an der Mauer im Oberwasser. Funkstaffete über Schleuse-Waschpo-Wasserwacht Hiltpoltstein. Die sind in 15 Min. da, mit Taucher. Dieser löst ein ca. 1.5 m grosses Kunstfaserfilz von der Welle resp. aus der Schraube. Herzlichen Dank an die Wasserwacht! Schon damals in Saarbrücken hat das prompt geklappt. Berching; auf den Spuren "des alten Kanal". Bilder im gleichnamigen Buch aus dem Stürz-Verlag in Würzburg veranlassen mich in Berching auf die Suche zu gehen. Unerwartet stosse ich auf einen "Zeitzeugen" vor dem Hotel Post. Dort belegt eine große Emailletafel, dass hier einst die "K. (Königliche) Post-Expedition und Telegraphen-Station" gewesen sein muss. Und der Wirt vom Hotel Post - der Zeitzeuge kommt ins erzählen: Das Haus auf dem Bild in meinem Buch sei das Haus des Herr Kanalaufsehers gewesen, also dasjenige einer Respektsperson. Auch an die Schnellboote der Kriegsmarine erinnert er sich; die hätten hier halt gemacht, bevor sie am nächsten Tag ins Schwarze Meer weiterfuhren und 9 Monate später habe es dann "bei drei Mädle Nachwuchs geben". Wir staunen immer wieder, wie behutsam man beim Bau des Main-Donau-Kanal mit der Natur umgegangen ist. Links und rechts bis zu 1 Km. lange Biotope. Wir sahen ein halb Kilometer langes und rund 50 M. breites Feld mit "Kanonenputzern". Kelheim, die Donau. "Sehr viel Wasser" hat uns der Schleusenwärter gesagt. Man sieht es, die Bojen liegen stark über, wir errechnen eine Strömung von mind. 5 km/h. Die Einfahrt in die Marina Saal ist nicht ungefährlich; 40 M. unterhalb der nicht sehr breiten Einfahrt, knapp 25 M. vom Ufer weg, steht ein mächtiger Betonpfeiler einer sich im Bau befindlichen Autobahn. Wer da nicht mordsmässig aufpasst, oder einen Motoraussetzer hat, knallt (einmal sei es schon passiert) an den riesigen Pfeiler. Die Strömungsunterschiede zwischen geringer und grosser Strombreite sind enorm. Im Stau der Schleusen und Wehre wird es langsam und im Schleusenunterwasser brausts und schäumts fürchterlich, denn die Schütze sind weit offen, das Wasser muss weg. Der Donau-Südarm bei Regensburg war schon wegen dem viel besungenen Strudel bei der "Steinernen Brücke" ein Muss. Beim 1. Motorboot- und Wasserskiclub Regensburg erfuhren wir eine herzliche Aufnahme. 500 m. oberhalb der Engstelle läuft das Wasser ganz munter, eine Relingslogge ergab 5 - 6 km/h. Helfende Hände erleichterten das Anlegen. In Deggensdorf bestätigte sich, was bei Squarra über die Anlegemöglichkeit an diesem Ort zu lesen ist; die Oberkante der Spundwand gegenüber den Klubliegeplätzen liegt schon bei 20 cm über (RNW) Regelniedrigwasser unter Wasser und wir hatten jetzt + 80 cm. In Hofkirchen fanden wir einen sympathischen kleinen Hafen und trafen dort ein Paar aus Lindau am Bodensee, welches mit einem ca. 6.5 m Kajütboot unterwegs war. "Zu Tal oder zu Berg" lautete unsere Frage. "Zu Berg" war die Antwort, "wir wollten nach Wien, aber wir sind umgekehrt, das ist ja fürchterlich, wie es da unten zugeht". Der Schleusenwärter von Ottersheim habe sie am Funk gefragt, ob sie wirklich "da hinunter" wollten, sie sollten doch einmal nach vorn "schauen" kommen. Dort hätten sie dann eine 10m Linssen-Vlet gesehen, welche im Gewell herumgeworfen worden sei und kaum vom Fleck kam. Sie beschlossen daher den Retourweg anzutreten. Der Pegel Hofkirchen stand am 28.6.95 auf 3.74 m, das waren 1.59 m über RNW. Bei Passau kam dann "der Hammer", Pegel 6.26, also +2.12 über RNW. Den Grund sahen wir bei km. 2225 an der Inn-Mündung: Gewaltige braune Wassermassen vermischten sich mit dem vergleichsweise sauberen Donauwasser. 9.8 km/h Strömung an der Kurveninnenseite und 10,6 km am Ende der Kurve. In Strommitte bei km. 2220 donnerten wir zu Tal. Das war eine der schlimmeren Stellen bezüglich Stromgeschwindigkeit, aber laut Angaben bei Squarra würden noch mind. 3 gleiche und 4 noch schnellere Passagen folgen. Da begannen wir uns auch zu fragen, ob es unter diesen Bedingungen wirklich "Wien" sein müsse. Gerade noch aus dem Wasser schauten die "Spielzeugpoller" an den Zollposten Deutschlands und Österreichs bei Obernzell. Trotz Schengen muss man beide anlaufen, aber die Beamten machten’s gnädig und winkten durch. Unser nächster Halt in Schlögen brachte die Entscheidung. Wobei diese natürlich nicht vom wunderschönen Sportboothafen, sondern den Leuten, die wir dort trafen, ausging. Zuerst legte sich ein Sportboot neben uns, dessen Eigner mitteilte, dass er heute seine erste Ausfahrt machen könne, weil man bisher, ein paar Kilometer weiter unten, im Schlick gesessen sei. Das E-Werk hätte, um das Hochwasser abfliessen zu lassen, alle Tore geöffnet und damit sauge es den Sportboothafen leer. Dann fuhr eine wunderschöne dunkelgrüne Linssen-Vlet in den Hafen. Die Leute von "Paulinchen" bestätigten meine Vermutung, dass sie es waren, die unterhalb der Schleuse Ottersheim solche Mühe hatten. "Mehr als 2 Stunden haben wir die Schleuse vor Augen gehabt, bis wir sie erreichten, dabei war sie nur ca. 2.5 km entfernt". Dann traf ein französisches Ehepaar mit der "Garuda" ein. "C’était terrible" sagte Madame. Sie kamen von Wien "den ganzen Tag Vollgas, einmal 9 Stunden lang, wobei nur eine Distanz von rund 30 km zurückgelegt werden konnte". Dies obwohl die "Garuda" für 15 km/h gut war. Nachdem dann auch noch bekannt wurde, dass schwere Gewitter über Bayern die Donau noch weiter anschwellen lassen würden, stand unser Entschluss umzukehren fest. Bevor wir wieder zu unseren Freunden des 1. Motorboot- und Wasserskiclubs Regensburg zurückkamen, mussten wir "durch den Strudel" und unter der steinernen Brücke durch. Da dort der Stromquerschnitt durch die massiven Fundamente der Pfeiler auf die Hälfte reduziert wird, fliesst das Wasser doppelt so schnell wie weiter unten resp. oben. Bei der Nibelungenbrücke, 1 km. unterhalb der steinernen Brücke nahmen wir das Gas zurück bis zum Stillstand über Grund: Knapp 5.5 km/h Strom, das bedeutete um die 11 km/h zwischen den Pfeilern! Trotz Vollgas (15 km/h) hatten wir dann einen Moment tatsächlich das Gefühl still zu stehen, bevor wir durchkamen. In Kelheim, Berching, Nürnberg, Forchheim wurden wir überall herzlich aufgenommen. Nun freuten wir uns auf Bamberg, wo wir einige Tage die Stadt und vor allem die erhalten gebliebenen Anlagen und Bauten des "Ludwig-Kanal" besichtigen wollten. Den in unserem Handbuch vermerkten Gästesteg hinten im Hafenbecken II des Industrie-Hafens haben wir gefunden und uns wie vermerkt, bei der Hafenverwaltung gemeldet. Hätten wir doch damit an diesem Freitag-Nachmittag noch eine halbe Stunde gewartet, dann wäre niemand mehr da gewesen und hätte uns vor Montag auch niemand entdeckt! Aber so verlief es: "Nein, nein, das geht nicht, der ganze Hafen ist, seit wir den neuen Direktor haben, für Sportboote verboten". Auch die 25 Liegeplätze für Sportboote seien von ihm aufgehoben worden. Auch die Wasserschutzpolizei versuchte, leider umsonst, zu helfen. Und unsere Bemerkung, das wäre ja hier genau so schlimm wie in Passau, wurde quittiert mit dem Hinweis, "Passau untersteht eben auch dem Herrn Direktor". Nicht alltägliches hörten wir dann noch von der Schleuse Heubach unterhalb Miltenberg, wo 4 Sportboote fürchterlich herumgewirbelt und beschädigt wurden, weil während der Talschleusung irgendwer am bergseitige Tor gewerkelt haben soll, sich deshalb ein Schieber öffnete und einen riesigen Wasserstrahl in die Kammer entliess. Fazit: Unterlagen: "Main, Main-Donau-Kanal, Donau" von Andrea Horn und Wym Hoop, Edition Maritim GmbH, Stubbenhuk 10, 2000 Hamburg 11. Ein sehr gutes Buch für die Strecke Mainz bis Jochenstein. Für den Main waren auch die vier Bände der "Karte der Wasserstrassen" an Bord, aber die sind unpraktisch, der Massstab von 1:10000 ist zu genau, man ist dauernd am umblättern. Die Bordreiseführer von Heinz Squarra, Odenwaldstrasse 7, 64625 Bensheim "Maintal", "Altmühltal" und "Donautal" enthalten neben Kartenskizzen und allen erforderlichen Hinweisen auf Häfen und Versorgungsmöglichkeiten auch noch kulturelle Angaben. Diese ermöglichen es die Anlegeplätze und Rasttage im voraus festzulegen und sich schon vor Reiseantritt die richtigen Fachbücher und Reiseführer zu beschaffen. "Die Donau" Handbuch für die Sportschifffahrt herausgegeben vom Motorboot-Sportverband für Österreich, Hütteldorferstr. 2b, A 1150 Wien, enthält zwar einige interessante technische Angaben sowie Gesetzesvorschriften welche an Bord mitgeführt werden müssen, aber die Karten, mit Ausnahme der Detailpläne der Schleusen, befriedigen nicht. Es existieren zwar sehr genaue Ausschnitte aus den normalen topografischen Karten mit Massstab 1:50000 mit allen Feinheiten, aber gerade darum sind sie sehr verwirrend und unübersichtlich. Ich würde mir für eine neuerliche Fahrt ein einfacher gestaltetes Handbuch für die Strecke ab Jochenstein suchen.
Dieser Bericht erschien im L'ancre de Kembs No. 2 / 2002
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