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  "NASE  IM  WIND"

SOMMERFERIENERLEBNISSE 2001  IN HOLLAND    TEIL III
  

       ein Reisebericht der Aquarius-Crew; Fredy, Heidi und Katja Engeler, Zufikon, CH
 

Auf enge Einparkmanöver bei schwierigen Wetterverhältnissen und einbrechender Dunkelheit sind wir ja immer aus. Man revanchierte sich dafür mit einer Einladung auf ihre Charteryacht. Neidlos mussten wir zugeben, dass die Schiffe der letzten Serie (hier eine Vri-Jon) unserem geschätzt etwa 6 jährigen Dampfer doch schon Meilen voraus sind; Umformer, Klimaanlage, Heckschraube, GPS, Mastervolt-Whisper-Generator, TV, Radio mit CD-Spieler, Heckdusche mit Einhebel-Mischbatterie etc. Und wie wir hörten, bezahlten sie via einem holländischen Vermieter pro Woche auch nicht mehr als wir ..... .

Die ganze Nacht auf den Mittwoch, den 11.7. stürmte es. Böen mit Wind, Regen und fast Hagelschlag fegten über das Schiff hinweg. Wir machten diese Nacht nicht manches Auge zu. Die Skipperin versuchte unseren Hund mehrmals, mit zum Teil fast unhöflichen Worten, zu überreden, wenigstens und bestimmt nur dieses eine Mal, im Salon zu übernachten, er knurrte aber nur, blieb lieber im Regen auf dem Deck liegen. Später zog er ins kleine, auf dem Achterdeck mittels Magneten am Stahlboden haftende "Indianer-Zelt", welches aber von den Windböen fast flachgedrückt wurde. 

Gegen 10 Uhr morgens besserten sich die Verhältnisse und wir konnten immerhin unseren  Pavillon wieder trocken demontieren und zusammenpacken. Das dieses mit 4 kleinen Heringen im Gras verankerte Aktions-Zeltdach die stürmische Nacht unbeschadet überstand, wundert uns noch heute! Gegen 11 legten wir ab, unterbrachen aber schon nach kurzer Zeit, um im "Jachthaven" rechterhand und kurz vor dem Ort, noch zu bunkern. Da das Befüllen mit 300 Liter Frischwasser gegen eine halbe Stunde dauerte, mussten wir den Halt sogar verlängern, die "bedienten Brücken" sind über Mittag (von 12 – 13 Uhr) nämlich meist nicht bedient! Dies wurde aber hier und jetzt nicht bedauert, denn es hatten wieder heftige Böen eingesetzt und zeitweise nieselte es. Nach der von den Brückenwärtern sicherlich verdienten Mittagspause stachen wir los, nahmen zwei Schleusen und zwei "BB's" (bewegliche Brücken; man tut gut daran, schon bei der ersten Routenwahl nach den zwei "B" Ausschau zu halten, denn nur wenn diese immer im Plan eingetragen sind, kann man, auch mit Bootsaufbauten das nächste Etappenziel erreichen), bis wir dann nach 2 Stunden Echtenerenbrug erreichten.

Die Schleusenpassagen waren ein Horror; starke Windböen von seitlich achtern trieben mancher Crew den Angstschweiss auf die Stirn, Schimpf- und andere Wörter wurden hörbar, wenn die Windböen mal kurz ausblieben. Yachten wurden in die Mauern gelenkt, Segler standen quer vor den Schleusen, alles kam vor. Von einem holländischen Eigner wurden wir informiert, dass jetzt gerade etwa 5 Beaufort herrschten, die Stärke sogar noch zunehmen könnte, auch Gewitter stünden noch auf dem Programm.

Und er täuschte sich nicht, gegen 15 Uhr peitschte etwas hagelähnliches über die Wasserwege. Der Schreiber verliess den Aussensteuerstand aber erst, als ihn das Gesicht richtig schmerzte. Dann lernten wir etwas über die Mühsal 13 Tonnen Schiff bei Schauer und starkböigem, ablandigem Wind parallel zum Ufer anzulegen; was sich selbst mit starker Hilfe einer holländischen Seglercrew nicht ganz einfach gestaltete. Ein Kassier tauchte dann zwischen zwei Platzregen auch noch auf und nahm uns für die Benützung zweier sturmerprobter Holzpflöcke inklusive Kurtaxe (!!) knapp 18 Gulden ab. Strom und Wasser? Fehlanzeige. Auf Höhe unserer Pflöcke, noch ein gutes Stück ausserhalb des Zentrums, existieren keine Anschlüsse oder andere Annehmlichkeiten. Der Starkwind hielt sich bis tief in den Abend, die Schauer hatten aber nach einigen Blitzen abgeflaut, man sah nur ständig schnell vorbeiziehende Wolkenfelder, dann blaue Flecken, dann dunkelgraue etc. Unsere neue Tisch- und Stuhlgarnitur mussten wir mit Seilen an der Reling vertäuen. Das Montieren einer Blache über dem Achtereingang als Wetterschutz musste rückgängig gemacht werden, das plastifizierte schwere Tuch flatterte so im Wind, dass man glaubte einen Düsenmotor starten zu hören. Der Hund wurde nun ultimativ "geshanghait" und zum Aufenthalt im Salon gezwungen. Wir hofften inständig auf Besserung, in den deutschen Zeitungen war eine solche immerhin schon angekündigt.

Die Nacht auf den Donnerstag blieb stürmisch, obwohl wir alles festgebunden glaubten, schepperte immer wieder etwas gegen die Schiffswand und auch die Wanten des Mastes sorgten für eine stete und unangenehme Geräuschkulisse. Erst gegen Morgen liessen Sturm und immerhin wenigstens die Regenschauer nach. Im Morgengrauen lüftete es zwar noch immer stärker als gewohnt, aber man sah stellenweise wieder blauen Himmel. 

Nach dem Einkauf im Ort und der Verabschiedung der Weggefährten Brigitte, Barbara, Peter und Michael und deren Bordjungs Maurice und Pascal (vor allem die Weiterfahrt des letzteren wurde von unserer Moses arg bedauert) legten wir ab und fuhren über den Kuinder of Tjonger Richtung Heerenveen,

fest entschlossen wenigstens die "kleine Turfroute" noch in Angriff zu nehmen. Dies ohne genaue Pläne, den dieser Teil der guten holländischen Karten war durch eine Detailansicht eines anderen Ortes überdeckt. 


Das Ansinnen schien genau deswegen dann nach der ersten halben Stunde Fahrt fast zum Scheitern verurteilt, denn die erste Brücke, die wir erreichten, war eben keine "BB". 
Wir legten zuerst den Mast, verlangsamten dann bis auf weniger als Schritttempo, schliesslich wurde auch noch der Rückwärtsgang im Getriebe zurechtgerückt. Zentimeter um Zentimeter fanden wir dann heraus, dass unser Mietschiff tatsächlich mit gelegtem Mast 3.3 Meter an Höhe verlangt, den die Brückenuntersicht war, wie wir später hinterfragten, 3.35 Meter über Wasserspiegel angesiedelt.

Bei der ersten Schleuse wurde uns eine Vignette für die Befahrung der vorgesehenen Route verkauft. Für 25 Gulden ist man dabei, erhält eine Stofftasche mit Aufdruck, Prospekte der hiesigen Industrie, einen Kleber für die Anbringung hinter dem Seitenfenster etc. Zum Ort Oldeberkoop führt ein kurzer, aber untiefer Stichkanal, ein Schild macht auf einen maximalen Tiefgang von nur 1.2 M aufmerksam. 

Wir hatten zwar nur einen Meter "hörten" den Boden aber dennoch gelegentlich, dieses waren aber nicht die einzigen Wahrnehmungen, hie und da fielen uns auch Ästchen und Blätter aufs Deck, die Mastspitze küsste die Baumkronen. Wir freuten uns nach der Prospektlektüre auf "Shopping in a Village". mussten dann aber realisieren, dass das Einkaufsvergnügen für nicht mit "Fietjes" (Velos) ausgerüstete Schiffe doch etwas weit vom Hafen weg liegt. Also bunkerten wir nur kurz Wasser und etwas Strom (v.a. für das Laptop), dann fuhren wir weiter, suchten uns eine Anmachstelle im Kanal. Ein Platzregen ging dort über uns nieder; dann kehrte Ruhe ein, so still hatten wir bisher nirgends genächtigt.

Am Freitag der 2. Woche hatten sich schon frühmorgens wieder alle möglichen Wolken am Himmel versammelt. Kleine, grosse, bizarre, weisse und auch bedrohlich Dunkle. Es begann aber erst zu regnen, als wir schon kurz vor "Oosterwolde" vor einer Schleuse infolge Mittagspause einen Zwangshalt einlegen mussten. Wir amortisierten unsere Regenkleidung, immerhin waren die Temperaturen noch akzeptabel. 

In der Ortschaft führen 4 tiefe Brücken über den Wasserweg, eine Tafel macht auf die Bedienung durch einen (einzelnen)"Brugwaart" aufmerksam. 

Vor jeder Brücke mussten wir uns einen Anmachplatz suchen, denn die Öffnungen klappten nicht Hand in Hand, wir erkannten die Wahrheit des im "Boote" schon zitierten Ausspruches von Kennern der Strecke: "Die Turfroute fährt man nicht, man geht sie". Tatsächlich sind auch längere Pausen vor jeder Schleuse, vor jeder Brücke offenbar nichts Ungewöhnliches.

Gegen 16 Uhr erreichten wir, nachdem sich den ganzen Tag Sonnenstrahlen, Wind, Regen und Regenbogen abwechselten Appelscha, ein kleines Dörfchen mit einigen mit Stegen versehenen Anmachplätzen. Strom und Wasser sind leider nicht erhältlich. 

Zur Verwunderung der schon hier Liegenden brachten wir es im ersten Anlauf, ohne Havarien, Enterhakenfestivals und energischen Anweisungen ans Personal fertig, unsere genau 11.65 Meter lange "Aquarius" in eine Lücke einzuparken, die, wir schwören es, sicher nur knapp etwas über 12 Meter lang war. Die hiesigen Einkaufsmöglichkeiten sind gut, die Märkte liegen direkt neben den Stegen. Ein milder Abend erlaubte ein Dîner auf dem Achterdeck, hier erfolgte dann auch die Bescherung des Bord-Geburtstagskindes. Die Ausbeute des Schreibers war sicherlich nicht schlecht: 2 gute Flaschen Grappa, aus der Schweiz hierher mitgenommen und einige gute Büchsen Bier mit sehr feinwandigen Gläsern! Es folgte, obwohl im nahen Restaurant vis-à-vis eine Hochzeit abgehalten wurde, eine ruhige Nacht.

Der Samstag, 14. Juli, erwartete uns mit strahlender Sonne. Wir ergatterten im Supermarkt eine noch warme Baguette und beschlossen während des Frühstücks hier unsere Turfrouten-Erkundungstour abzubrechen und nach der Nahrungsaufnahme zu wenden, was übrigens kein leichtes Unterfangen war, da der Kanal sicherlich auch nicht mehr als 12 Meter Breite aufweist. Nur dank den schrägen Ufern konnte die Kehrwende am Ende der Stegreihe mit "Bug über Gras" überhaupt vollzogen werden.

Wir fuhren resp. "gingen" dann über Donkerbroek, Hemrik und Lippenhuizen Richtung Gorredijk, wo wir, wenn es nach dem Willen von 2 deutschen "Pedro"-Besatzungen gegangen wäre, gleichentags und auch nicht am Sonntag (Sonntags werden die Torfrouten-Brücken und -Schleusen nämlich nicht bedient), nicht mehr eingetroffen wären, denn diese Crews räumten sich, und nur sich, das unbedingte Recht ein, die Höchstgeschwindigkeit von 6km/h genau zu schätzen oder dann setzten sie ein GPS aus dem Supermarkt ein. Mit 750 Touren mussten wir rund 2 Stunden, ohne die kleinste Welle zu erzeugen, hinter ihnen hertuckern. Sah einer der vorderen Schiffsführer ein schwimmendes Inselchen Schilf treiben, stiegen sie in die Eisen, bliesen dunkelschwarze Dieselwolken zum Kanalhimmel und umrundeten es im grösstmöglichen Bogen. Kam ein Schiff entgegen, hielten sie am Ufer an, setzten die Fender und warteten. In der Schleuse belegten sie, wohl aus Furcht, man könnte in der Kammer ein Überholmanöver einleiten, nebeneinander. Ein Überholen unsererseits kam für sie, sie wurden entsprechend ersucht, nicht in Frage. Wir hatten spätes Glück, gegen 15 Uhr waren sie sich ihres umtriebigen Schiffsdaseins offenbar selbst überdrüssig, sie belegten und machten damit den Weg frei.

Ganz knapp vor 17 Uhr erreichten wir gerade zum Schleusen- und Brückenbedienschluss die Ortschaft Gorredijk, ein hübsches kleines Städtchen, dass auf Länge der ganzen Stadtdurchfahrt Liegeplätze bietet. Pünktlich als es ums Anlegen ging, setzte ein Regenguss ein, 5 Stunden später folgte ein traumhafter Sonnenuntergang. 

Gute Einkaufsmöglichkeiten vor Ort wären vorhanden, jawohl wären, denn kommt man erst am Samstag Abend hat man Pech. Und auch am Sonntag scheint alles tot, nicht einmal die Bäckereien haben geöffnet. Mangels Unterhaltungsofferten blieben und relaxten wir einen faulen Sonntag lang, genossen die angenehmen Temperaturen und registrierten den ganzen Tag durch keinen Wind!

Pünktlich um 9 Uhr am Montag Morgen der dritten Woche näherte sich, von der Last des Wochenendes deutlich geprägt, ein Mann auf seinem Fahrrad und machte sich an den zahlreichen um Brücke und feste Geländer gelegten Ketten und mehreren Vorhängeschlössern (pro Übergang, und es sind deren viele vorhanden!) zu schaffen und begann umständlich die Fussgängerbrücken, dann die Strassenbrücke und schliesslich auch noch die Schleuse für die vielen wartenden Schiff klar zu machen. Es dauerte gegen eine Stunde, bis wir das nahe Ende des Dorfausganges erreicht und dort auch noch eine Frischwasserbunkerstelle gefunden hatten. Die Befüllung liess sich Zeit, bei einem Schlauchdurchmesser von nur ca. einem halben Zentimeter mehrere Hundert Liter zu bunkern ist und bleibt Geduldssache .... .

Über die Nieuwe Vaart erreichten wir Aldeboarn wo wir uns etwas an frühere Zeiten im Geschichtsunterricht zum Thema "Wegelagerei" erinnert fühlten. Zweimal offizieller Brückenzoll für zwei kleine Brücken in einem kleinen Dörfchen? Akkrum wollten wir dann eigentlich besuchen, aber wir fuhren wohl an der Einfahrt ins Zentrum vorbei. Und ehe wir uns versehen hatten, waren wir auf der Zijlroede Richtung Grouw unterwegs. Dort fanden wir einen Jachthafen mit (zu) wenig breiten Passanten- Anlegeboxen. Nur mit hochgehobenen Fendern kamen wir zur Hälfte zwischen den in den Schlick gerammten Pfosten durch. Nach dem Strombezug (mangels Umformer mussten wir uns leider alle paar Tage Nachschub verschaffen) schauten wir noch einigen viel zu breiten Charteryachten zu, wie sie mit Anlauf die gleichen Hürden nehmen wollten, sich dann aber eingestehen mussten, dass hier auch sehr laute Bug- und Heckstrahler nichts nützten. 

Gegen 17 Uhr, nachdem die meisten Stromverbraucher befriedigt volle Akkuleistung anzeigten, legten wir ab, fuhren über den Prinses Margriet-Kanaal gegen das Princenhof- Naturschutzgebiet. Wir fanden nach kaum halbstündiger Fahrt eine herrlich unberührte Insel mit breitem Schilfgürtel auf drei Seiten,  



einem ca. 4 M. hohen Ausguckund einem schönen Anlegesteg, fast ganz für uns allein. Eine herrliche 
ruhige Nacht folgte.

Am nächsten Morgen gab es ausgedehnten Brunch auf dem Achterdeck und dann ein fröhliches Abstimmen "was machen wir heute". Ein gutes, resp. diesmal v.a. das jüngste Drittel war für Shopping in Leeuwarden, der Rest für eine gemütliche Fahrt nach Warga. Die Demokratie siegte, wir schlichen uns bei wieder angenehmer Aussentemperatur in die Provinz. Im örtlichen Lebensmittelmarkt wurde der Bedarf gedeckt, dann kehrten wir wieder in den Princenhof zurück, frischten nach einem Regenschauer alte Erinnerungen auf "wisst ihr noch, wie wir vor 5 Jahren schon einmal hier durchfuhren ....?" Wir fanden wiederum einen schönen Platz und liessen noch einmal bis tief in die Nacht die Seelen durchhängen. Ein schöner Sonnenuntergang rief nach fotografischer Festhaltung. Das sich dann aber dazu gesellende Abendrot machte ein Besatzungsmitglied misstrauisch.

Am Mittwoch, 18.7. wurden wir entsprechend mit einem saftigen Platzregen geweckt; das Sprichwort "Abendrot ist des Morgen Tod" stimmt auch hier! Und das Trommeln auf das Dach der Achterkabine verlangte immer nach einer raschen Aktion: Aufstehen und im ganzen Schiff die Seitenfenster schliessen, denn die Profilgummis um die Fensterrahmen waren den vom Achterdeck und Salondach hinunter laufenden Wassermassen nicht gewachsen, unschöne Pfützen auf den Holzsimsen waren die Erfahrungen der ersten Schauer. Dann frühstückten wir und warteten ....., schliesslich musste aber doch jemand mit dem Hund raus. Die Wahl fiel auf den Schreiber, er geht angeblich am sichersten auf den nassen Planken und seine Gummistiefel standen schliesslich auch zuvorderst im Schuhschrank ....

Über den Princes Margriet-Kanaal fuhren wir anschliessend zurück nach Sneek, wobei wir die Naturgewalten auf dem gleichnamigen Meer noch einmal zu spüren und die Scheibenwischer vor dem Innensteuerstand noch einmal harte Arbeit bekamen. Blauer Himmel und dunkelgraue, undichte Wolkenbänke wechselten rege ab. In Holland kann es tatsächlich sogar regnen, wenn über einem ein gutes und grosses Stück blauer Himmel lacht.
Abends rundeten Einkäufe im schönen Städtchen den zweitletzten Tag ab. Im Hafen der Fa. Aquanaut lernten wir vor dem Eindunkeln noch ein deutsches Eignerpaar einer eben fertiggestellten Drifter kennen. Wir bekundeten Interesse für das schon von aussen attraktive Schiff und erhielten spontan die Gelegenheit auch den gediegenen Innenausbau zu bewundern. Viele Fragen und Erklärungen liessen die Zeit verstreichen und als dann auch wieder Regen einsetzte, beschlossen wir die Nacht über im Hafen zu bleiben.

Am Donnerstag, dem letzten vollen Ferientag, mussten (und wollten) wir, vor allem auch um warm duschen zu können (der Boiler funktionierte beim Charterschiff nur mit Motorheizung), die Maschine noch einmal bewegen. Bei durchzogener Witterung legten wir ab, fuhren über den Woudvaart-Kanaal auf eine nahe, dem Naturschutz unterstellte, Insel unterhalb von Sneek, belegten und frühstückten an einem Steg. Heftige Regenschauer drückten die offensichtliche Trauer der Gegend aus, dass wir nun bald heimfahren müssen. Für Unterhaltung sorgte eine Gruppe Segler; unter einem aufgespannten Regenschirm sah mind. ein Steuermann nicht mehr genug von der Umgebung, sein Schiff blieb auf einer Schilfinsel stecken. 

Noch vor dem Mittag traten wir dann die "letzte" Fahrt an, belegten im Aquanaut-Hafen neben der (auch Durchreisenden zur Verfügung stehenden) Dieseltankstelle und liessen den Tank wieder füllen. 

Zu unserem Erstauen hielt sich der Durst der installierten 6 Zylinder Maschine in guten Grenzen: Während unserer knapp 3 wöchigen Reise hatte sich der Betriebs- Std.- Zähler um rund 65 Einheiten erhöht und dies wurde nun mit dem Nachfüllen von rund 248 Lt. Diesel kompensiert, was einem Durchschnittsverbrauch von gut 3.8 Lt./Std. entspricht. Alle Achtung! Diese Zahlen korrespondierten so gar nicht, mit den Angaben die die " Boote"-Crew anlässlich der Testfahrt mit diesem Boot vor 5 Jahren erhob .... oder dann zahlte sich einmal mehr aus, wenn man die Drehzahlen immer bescheiden hält.

Da der Wettergott uns offensichtlich zum Ferienende nicht gut gestimmt war (gut so; so fällt auch der Abschied leichter!) beschlossen wir nach einer erneut beeindruckenden Werftbesichtigung bei der schon über 40 Jahre im Yachtbau tätigen und inzwischen gegen 50 Leute beschäftigenden Fa. Aquanaut, unsere Sachen zu packen und mittels einer Nachtfahrt die Rückreise anzutreten. Nach diesmal 9 ½ Std. langten wir wieder Zuhause an.

 

Fredy Engeler, z.Zeit zur Miete auf "Aquarius"

Der Artikel erschien in der L'ancre de Kembs Ausgaben Sept. + Dez. 01 und März 2002

Ó F. Engeler, Zufikon

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