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Protokoll eines unbezahlten Urlaubes "
aus
dem Bordbuch der "My Way" im Sommer 2004 |
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Dank eines (unfreiwilligen)
unbezahlten Urlaubes habe ich fast sechs Wochen mitten im Sommer frei. Ein
Problem während der Vorbereitung ist die Zusammenstellung der Crew, da
niemand solange Zeit hat um das Leben auf dem Wasser zu geniessen. Deshalb
ist diese Reise geprägt von Besatzungswechseln. Mein Vater und ich beginnen die
Sommerferien am 24.6.04 in Niffer. Das Ablegen gestaltet sich wegen
starken Westwindes nicht sehr einfach. Auf dem Weg zur grossen Schleuse
Niffer werde ich per Funk angewiesen, zu wenden. Zum ersten Mal geht
unsere Fahrt durch die Corbusier-Schleuse, an der schon seit geraumer Zeit
gewerkelt wurde. Der Rhein empfängt uns mit viel Verkehr und zum Teil hohen Wellen. Nach der Ankunft in Breisach bunkern wir Diesel und machen's uns im nur halb vollen Hafen gemütlich. Am nächsten Tag legen wir um 10 Uhr ab; Richtung Rhinau. Um den Schleusenwärter auf uns aufmerksam zu machen, brauche ich heute zum ersten Mal das Natel. Im sehr sauberen Wasser des Kanals erreichen wir den Hafen Boofzheim.
Die Schleuse 76 hat so ihre Tücken, „My Way“ hat mit beiden Schleusenwänden Kontakt. Der Wind nimmt langsam ab, der Apéro findet im Freien statt und unser Grill kommt das erste Mal zum Einsatz. In der Bäckerei im Dorf versorge ich uns mit Brot bevor wir Richtung Strasbourg ablegen. Beim Koejac kurzer Zwischenhalt. Im Herbst wird das Unterwasserschiff fällig und ich lasse mir eine Offerte anfertigen.
Wir geniessen den Feierabend auf
dem Achterdeck und erleben mit, wie Stromkabel kreuz und quer durch den
kleinen Hafen gezogen werden. Das Resultat: Die Sicherungen lösen sich in
Rauch auf und der ganze Hafen ist ohne Strom! Aber irgendein TV überträgt
das EM-Spiel der Holländer trotzdem. Am nächsten Tag habe ich eine Etappe bis Waltenheim vorgesehen. Die Anlegestelle gefällt uns aber nicht sonderlich gut und wir fahren durch; 18 Schleusen bis nach Saverne.
Die schöne Scheitelstrecke ist uns bekannt und auch in der hohen Schleuse von Réchicourt schlagen wir uns gut. Am Nachmittag Ankunft in Lagarde. Hier haben wir uns vor Jahren mit dem Kanalvirus angesteckt, unser erstes Mietboot liegt sogar noch im Hafen. Dann erfolgt der erste
Crew-Wechsel, mein Vater verlässt mich. Dafür besucht uns meine Frau und
bringt Caroline, unsere Jüngste mit. Für die nächsten drei Wochen wird
sie auf dem Boot sein. Aber zuerst muss ich aber meine technischen
Kenntnisse betreffend WC-Pumpen erweitern. Am Morgen geht vorläufig gar
nichts mehr, die Pumpe schöpft nur noch Luft. Wir haben ja Zeit zum
Auseinandernehmen und das Malheur ist bald beseitigt. Trotzdem kaufe ich
bei der Bootsvermietung vorsichtshalber einen zweiten Dichtungssatz. Man
weiss ja nie! Am 2.7. legen wir ab, auf
geht’s Richtung Nancy. Das Abwärtsschleusen mit Caroline funktioniert
wunderbar. Wir fahren bis nach Dombasle, für heute reichts. Leider
ist mit der im Kanalführer versprochenen Anlegestelle inkl. Wasser und
Strom nichts geworden. Wir liegen in einem Industriegebiet in einem
ehemaligen Hafen, nur noch einige Poller sind vorhanden. Gegen Abend öffnen sich die
Himmelsschleusen und wir sind froh, dass wir das Schiff nicht mehr
verlassen müssen. Am Morgen dann die Überraschung, der Regen hat fast
die gesamte Abluft der Zementindustrie herabgewaschen und natürlich alles
auf unser Schiff gespült. Die erste Schleuse kostet uns fast
eine Stunde. Zuerst warten wir im Kanal, anschliessend anlegen,
telefonieren und warten (dh. Schiff putzen). Endlich erscheint ein
Schleusenwärter und öffnet die Schleuse. Ab jetzt läufts rund bis Nancy.
Ich kämpfe im Hafen mit dem garstigen Westwind, aber mit Hilfe von
Caroline liegt die „My Way“ schliesslich wie gewünscht am Steg. Auch
der Hafenmeister kontrolliert und hat nichts auszusetzen.
Bald brechen wir zwei auf um die
Stadt zu erkunden. Leider ist der Place Stanislas im Umbau, unter
den Gerüsten verschwinden fast die gesamten Bauwerke. Dank des guten
Wetters können wir uns in eines der Strassencafes setzen und das Leben
geniessen. Anschliessend marschieren wir über einen riesigen
Strassenmarkt zurück in den Hafen. Dank an den Hafenmeister, der uns
anschliessend die nötigen Tipps betr. Nachtessen gibt. Auch den Schlüssel
zur Dusche erhalten wir ohne Depot (!!), einfach am nächsten Tag in den
Briefkasten werfen. Am Sonntagmorgen wird direkt im Hafen ein schöner
Markt aufgebaut und vor der Abfahrt versorgen wir uns mit dem nötigsten für
die nächsten Tage.
An das Einsammeln der
Schleusenfernbedienungen hat seit der Eröffnung dieser Strecke wohl noch
niemand gedacht. Ich behalte sie mal, vielleicht kann man so was ja
nochmals brauchen.
Nach insgesamt 15 Schleusen legen
wir um 16 Uhr in Charmes an. Im Wasser viele Boote und an Land mindestens
ebenso viele Wohnmobile, die sich die Infrastruktur teilen.
In der Schleuse sehe ich mir den Schaden
an, da sind Bleche verbogen und ich bezweifle ob die Hydraulik noch
funktioniert. Die Frau des Besitzers flucht und wettert gegen die
Kanalgesellschaft, in den Führern sei doch eine Durchfahrtshöhe von 3,5
m angegeben. Ich frage nach der Höhe ihres Bootes. Na ja, wenn man mit
3.48m das Gefühl hat, ohne Probleme durchzukommen, kann man halt enttäuscht
werden. Bald darauf ist es dann soweit,
die „Shift Away“ bleibt tatsächlich unter einer Brücke stecken und
erst nach mehreren Versuchen mit Vollgas vor- und rückwärts bewegt sich
das grosse Schiff wieder. Jetzt ist Umkehr angesagt. Wir schleusen alleine
weiter. Obwohl unser Verdeck nur 3,3m hoch ist, streifen auch wir unter
einer Brücke leicht. Das mit den 3,5 Metern muss also wirklich mit
Vorsicht genossen werden. In Epinal misslingt das erste
Anlegemanöver gründlich. Die Strömung erkenne ich erst später, und
meine Steuerführung lässt wohl heute auch zu wünschen übrig. Ich habe
also noch viel Raum für Verbesserungen. Schlussendlich liegen wir sicher
an der Mauer vis-a-vis des Restaurants, mit Stromanschluss. Auch die
Liegegebühren sind sehr moderat und wir planen schliesslich, ein paar
Tage hier zu bleiben. Meine Frau soll hier für den Rest der Ferien an
Bord kommen.
Unterwegs eine
nigelnagelneue Anlegestelle für zwei Boote. Gut geplant die Lage am
westlichen Ufer, genau gegenüber des Dorfes mit Bäckerei. Weit und breit
keine Brücke (dafür ein Tunnel!, Anm. Webmaster). Zusätzlich ist die
Liegezeit auf 8 Stunden beschränkt. Da hat sich der VNF selbst übertroffen. Vor der ersten Schleuse zu Tal
liegt ein Holländer am Ufer, ein schlechtes Zeichen auch die roten
Lichter der Schleuse. Wir legen hinter dem anderen Schiff an und erfahren,
dass seit ein paar Stunden nichts geht, der VNF aber avisiert sei. Wie
durch ein Wunder kommt bald darauf ein Mechaniker und bringt die Automatik
wieder in Gang. Wir erhalten auch einen guten Tipp zwecks Liegemöglichkeit,
da wir nicht schon in Girancourt übernachten wollen.
Um 16 Uhr kommen wir im vollbesetzten Hafen von Fontenoy an. Es bleibt nichts anderes übrig, als das (sehr freundliche) neuseeländische Paar der „MS Johanna Grietje“ zu fragen, ob wir längsseits kommen dürfen. Wir revanchieren uns mit einem Verteilstecker und somit haben alle bewohnten Boote Strom für die Nacht.
Scheint auch kein Problem zu sein bis zur Schleuse 45. Diese zeigt mir ein
rotes Licht und von weitem sehe ich ein kleines weisses Boot unten
einfahren. Bald klettert ein bärtiger Mann die Leiter herauf und
inspiziert die Schleuse, verschwindet aber wieder nach unten. Dann fährt
der weisse Fleck wieder aus um kurz darauf wieder in die Schleusenkammer
einzulaufen. „same Procedure“ auf der Leiter nach oben klettern, aber
dann sehe ich wie sich der Mann der roten Stange behändigt und uns zwei
rote Lichter an der Schleusenampel beschert. Da ich nirgends anlegen kann,
muss ich im Kanal hin und herfahren, dank Seitenwind. Nur einfach im
Wasser zu warten geht nicht.
Am Abend schaue ich zu, wie eine Péniche
rückwärts heraufgeschleust wird und anschliessend die ganze Strecke bis
zu uns Heck voran fährt. Auch eine Péniche kann nicht geradeaus rückwärts
fahren, sieht aber imposant aus. Vor dem Einnachten lassen wir uns von
einem deutschen Seglerpärchen ein tolles Elektrovelo vorführen. Das wär
doch was für mich, leider haben die beiden das Teil in Mallorca gekauft.
Liegt nicht an unserer Strecke. Mit einem deutschen Boot aus
Emmerich fahren wir auf der Saône bis nach Port s. Saône, eigentlich
unser Etappenziel für heute. Leider führt der ANPEI seine
Vereinsausfahrt durch und hat sich dieses Städtchen zum Ziel gemacht.
Nicht nur der Hafen ist voll, auch am Kanalufer liegen die Boote eng
hintereinander und immer noch kommen weitere Schiffe die Schleuse herauf. Wir fahren also weiter bis nach
Scey s. Saône, den Hafen kennen wir von einer Bootsmiete gut. Hier liegen
wir ruhig und geniessen den Abend.
Nachdem das Wetter aufgeklart hat,
durchfahren wir den Tunnel von St. Albin und geniessen die Fahrt auf der
immer breiter werdenden Saône. Kurz nach dem Mittag kommen wir im Hafen
von Seveux an. Hier hat's um diese Zeit genügend freie Plätze. Während
wir es uns gemütlich machen, kommt „Kapitän Haddock“ an, Freunde
seit langer Zeit. Nach ausgiebiger Begrüssung üben wir schon einmal (ausgiebig) das Feiern für den heutigen Abend. Zusammen mit der Dorfbevölkerung
gedenken wir der Erstürmung der Bastille. Gegessen wird in einem
ehemaligen Kuhstall, neben uns sitzt der Maire mit seiner Familie und erklärt
uns, was für lokale Spezialitäten im Einheitsmenu enthalten sind.
Anschliessend wird getanzt bis wir müde sind und den Marsch zurück zum
Hafen unter die Füsse nehmen.
Mit dem Skipper von „Cesar“
haben wir eine lange und tolle Unterhaltung, abends werde ich noch zur
Schiffsbesichtigung eingeladen. Anschliessend wollen wir beide noch ein
Feierabendbier geniessen, werden aber bald unsanft aus der Brasserie
herausbefördert.
Schweren Herzens verlassen wir am
18.7. St. Jean Richtung Heimat. An der Einfahrtsschleuse des
Rhein-Rhone-Kanals erhalten wir eine neue Fernsteuerung für die
Schleusen. Ich frage den Eclusier, ob er meine andere Telecommande in
Empfang nehmen wolle. Scheinbar sind wir nicht die Einzigen mit diesem
Anliegen. Er nimmt die Steuerung entgegen und erzählt etwas von einer
Sammlung, die er im Herbst nach Nancy senden will.
In Dole zum letzten Mal
Besatzungswechsel. Caroline verlässt uns, dafür bringt mein
Schwiegervater Nicole, unsere ältere Tochter, als Ersatz. Die zweite Schleuse am nächsten
Tag will nicht wie wir, oder ist’s nur die Fernsteuerung? Nach der üblichen Wartezeit hilft
uns der VNF weiter und wir kommen nach Rochefort. Schon lange wollte ich
hier übernachten, aber jedes Mal war der Anleger besetzt. Heute hat es
ein freies Plätzchen für uns! Wir legen an und können endlich auf den
berühmten Felsen die Aussicht geniessen. Am Nachmittag Siesta im Schatten
und ein kühles Bad im Doubs.
Ich kann zwei Plaisanciers gerade
noch vor der Einfahrt in die Engstelle stoppen. Sie wenden und legen vor
uns an. Auf der „Lady Irene“ lernen wir einen der Hafenmeister von
Mulhouse kennen. Das Restaurant im Dorf ist zu empfehlen, wir holen das
Nachtessen von Dole hier nach.
Da für den nächsten Morgen eine
bergfahrende Péniche angesagt ist, legen wir schon um 8 Uhr ab. Die
Automatikschleusen funktionieren bis fast zum Abend gut. Unser Liegeplatz
an der Mauer bei Osselle ist mit drei Schiffen leider schon besetzt. Wir
fahren zur Schleuse von Thoraise, müssen aber feststellen, dass diese
streikt. Ich setze Nicole ab, was aber auch nichts bringt, die Talfahrer
oben wissen nicht wer wie was warum. Ich muss ein weiteres Mal das
Handy zücken und siehe da, ganz erstaunt nimmt man mein Anliegen zur
Kenntnis und verspricht baldige Besserung. Wirklich setzt sich bald darauf
die Schleuse in Gang. Nachdem wir oben ankommen, macht uns ein
Mietbootfahrer Platz am kurzen Anleger vor dem Tunnel. Hier verbringen wir
die Nacht zusammen mit Leuten aus Florida. Ich muss feststellen, dass das
Ami-Paar aus Vero Beach kommt, einem Kaff zwischen Orlando und Miami. Dort
habe ich vor vielen Jahren einen Teil meiner fliegerischen Ausbildung
genossen. Wie klein die Welt doch ist! Nach nächtlichen Gewittern wird
es heute wohl sehr warm werden (max 37°). Wir lassen Besançon für
einmal links liegen und fahren durch den Tunnel Richtung Deluze. Dort soll
ein neuer Halte Nautique eingerichtet sein. Bei unserer Ankunft dort ist
aber nur noch ein Platz am talwärtigen Ende frei und wie nicht das erste
Mal missling das Anlegen mangels Wassertiefe. Am Steg in Laissey lassen
wir den Tag dann ausklingen.
Am Morgen zeigt das Barometer
sinkenden Druck, es wird kühler und von Zeit zu Zeit verirren sich auch
einige Regentropfen auf unser Boot. Ab heute Vormittag ist fertig mit
Fernsteuern der Schleusen, es wird wieder von Hand gearbeitet. Um 14 Uhr
legen wir in Montbéliard an. Gegen Abend treffen auch Peter und Dora
sowie die Mireille ein. Peter hat sich entschlossen, sein Boot hier
reparieren zu lassen, d.h. Heimreise mit dem Zug. Auch auf der Mireille ist eine
Reparatur angesagt, der Bugstrahler macht keinen Wank mehr. Wir setzen
also morgen die Heimreise alleine fort. Zuvor führt uns am Abend Jean
Pierre noch in die Kunst des Amère-Trinkens ein (für meine Frau dank
ihrer elsässischen Herkunft nichts Neues). Heute Morgen müssen wir schon in
der zweiten Schleuse warten. Ein Aargauer ist wohl nicht aus den Federn
gekommen und lässt uns fast eine Stunde in der Schleuse dümpeln.
Letztes Jahr sind wir von Montbéliard
bis Dannemarie durchgefahren. Heute reicht mir die Strecke bis Montreux
Chateau, wo wir einen freien Anlegeplatz finden und den Nachmittag
geniessen.
Morgen können wir erst um 10:30
Uhr mit Schleusen beginnen. Deshalb wird der letzte Tag auch einer der längeren,
Ankunft in Niffer um 18:15 Uhr. Damit endet unsere Ferienfahrt für dieses
Jahr. Wir freuen uns aufs Zuhause. Trotzdem weiss ich, dass es nicht lange
gehen wird, bis ich wieder die Leinen lösen möchte. Statistik: 153 Motorstunden kein Schaden!
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