erz_prot_unb_urlaub
  " Protokoll eines unbezahlten Urlaubes "

aus dem Bordbuch der "My Way" im Sommer 2004
  

       ein Bericht von Andi Niederhauser
 

Dank eines (unfreiwilligen) unbezahlten Urlaubes habe ich fast sechs Wochen mitten im Sommer frei. Ein Problem während der Vorbereitung ist die Zusammenstellung der Crew, da niemand solange Zeit hat um das Leben auf dem Wasser zu geniessen. Deshalb ist diese Reise geprägt von Besatzungswechseln. 

Mein Vater und ich beginnen die Sommerferien am 24.6.04 in Niffer. Das Ablegen gestaltet sich wegen starken Westwindes nicht sehr einfach. Auf dem Weg zur grossen Schleuse Niffer werde ich per Funk angewiesen, zu wenden. Zum ersten Mal geht unsere Fahrt durch die Corbusier-Schleuse, an der schon seit geraumer Zeit gewerkelt wurde.

Der Rhein empfängt uns mit viel Verkehr und zum Teil hohen Wellen. Nach der Ankunft in Breisach bunkern wir Diesel und machen's uns im nur halb vollen Hafen gemütlich.

Am nächsten Tag legen wir um 10 Uhr ab; Richtung Rhinau. Um den Schleusenwärter auf uns aufmerksam zu machen, brauche ich heute zum ersten Mal das Natel. Im sehr sauberen Wasser des Kanals erreichen wir den Hafen Boofzheim

Die Schleuse 76 hat so ihre Tücken, „My Way“ hat mit beiden Schleusenwänden Kontakt. Der Wind nimmt langsam ab, der Apéro findet im Freien statt und unser Grill kommt das erste Mal zum Einsatz. In der Bäckerei im Dorf versorge ich uns mit Brot bevor wir Richtung Strasbourg ablegen. Beim Koejac kurzer Zwischenhalt. Im Herbst wird das Unterwasserschiff fällig und ich lasse mir eine Offerte anfertigen.

Anschliessend fahren wir in den Marne au Rhin ein. Von jetzt an geht’s bergauf!

In Souffelweyersheim übernachten wir inmitten von stieren Niederländern, nicht einmal ein Hallo kommt über deren Lippen.

Am Aussenplatz gibt’s auch keinen Strom, die Steckdosen sind dünn gesät. 

Wir geniessen den Feierabend auf dem Achterdeck und erleben mit, wie Stromkabel kreuz und quer durch den kleinen Hafen gezogen werden. Das Resultat: Die Sicherungen lösen sich in Rauch auf und der ganze Hafen ist ohne Strom! Aber irgendein TV überträgt das EM-Spiel der Holländer trotzdem.

Am nächsten Tag habe ich eine Etappe bis Waltenheim vorgesehen. Die Anlegestelle gefällt uns aber nicht sonderlich gut und wir fahren durch; 18 Schleusen bis nach Saverne

Ein Liegeplatz mitten vor dem Schloss der Rohans ist auch noch frei. Nach der heiss ersehnten Dusche geht’s ab in die Stadt.

Die Stadtschleuse in Saverne ist bedient und ich melde uns für die folgende Schleusenkette an. 

In Lutzelbourg treffen wir die „Patience“, die ursprünglich am gleichen Steg in Niffer lag. Nach ausgiebiger Begrüssung entschliessen wir uns, die Nacht hier zu verbringen. 

 

Bei schönem und warmem Wetter fahren wir am nächsten Tag Richtung Arzviller und kämpfen mit den seitlichen Strömungen an den Schleuseneinfahrten. 

Am Schiffshebewerk keine Wartezeit und auch die Ampel am Tunnel zeigt grün, was will man mehr?

Im Laufe des Nachmittags erreichen wir Xouaxange und erfahren von der Pöstlerin zufällig, dass das Restaurant wieder offen sei. Daselbige testen wir dann des Abends. 

Früh abgelegt und Morgenessen während der Fahrt. Ich geniesse es, auf dem ruhigen Wasser dahinzugleiten, manchmal verschwindet gerade noch der letzte Morgennebel in der nächsten Kurve. 

Die schöne Scheitelstrecke ist uns bekannt und auch in der hohen Schleuse von Réchicourt schlagen wir uns gut. Am Nachmittag Ankunft in Lagarde. Hier haben wir uns vor Jahren mit dem Kanalvirus angesteckt, unser erstes Mietboot liegt sogar noch im Hafen.

Dann erfolgt der erste Crew-Wechsel, mein Vater verlässt mich. Dafür besucht uns meine Frau und bringt Caroline, unsere Jüngste mit. Für die nächsten drei Wochen wird sie auf dem Boot sein. Aber zuerst muss ich aber meine technischen Kenntnisse betreffend WC-Pumpen erweitern. Am Morgen geht vorläufig gar nichts mehr, die Pumpe schöpft nur noch Luft. Wir haben ja Zeit zum Auseinandernehmen und das Malheur ist bald beseitigt. Trotzdem kaufe ich bei der Bootsvermietung vorsichtshalber einen zweiten Dichtungssatz. Man weiss ja nie!

Am 2.7. legen wir ab, auf geht’s Richtung Nancy. Das Abwärtsschleusen mit Caroline funktioniert wunderbar. Wir fahren bis nach Dombasle, für heute reichts. Leider ist mit der im Kanalführer versprochenen Anlegestelle inkl. Wasser und Strom nichts geworden. Wir liegen in einem Industriegebiet in einem ehemaligen Hafen, nur noch einige Poller sind vorhanden.

Gegen Abend öffnen sich die Himmelsschleusen und wir sind froh, dass wir das Schiff nicht mehr verlassen müssen. Am Morgen dann die Überraschung, der Regen hat fast die gesamte Abluft der Zementindustrie herabgewaschen und natürlich alles auf unser Schiff gespült.

Die erste Schleuse kostet uns fast eine Stunde. Zuerst warten wir im Kanal, anschliessend anlegen, telefonieren und warten (dh. Schiff putzen). Endlich erscheint ein Schleusenwärter und öffnet die Schleuse. Ab jetzt läufts rund bis Nancy. Ich kämpfe im Hafen mit dem garstigen Westwind, aber mit Hilfe von Caroline liegt die „My Way“ schliesslich wie gewünscht am Steg. Auch der Hafenmeister kontrolliert und hat nichts auszusetzen. 

 

Bald brechen wir zwei auf um die Stadt zu erkunden. Leider ist der Place Stanislas im Umbau, unter den Gerüsten verschwinden fast die gesamten Bauwerke. Dank des guten Wetters können wir uns in eines der Strassencafes setzen und das Leben geniessen. Anschliessend marschieren wir über einen riesigen Strassenmarkt zurück in den Hafen. Dank an den Hafenmeister, der uns anschliessend die nötigen Tipps betr. Nachtessen gibt. Auch den Schlüssel zur Dusche erhalten wir ohne Depot (!!), einfach am nächsten Tag in den Briefkasten werfen. Am Sonntagmorgen wird direkt im Hafen ein schöner Markt aufgebaut und vor der Abfahrt versorgen wir uns mit dem nötigsten für die nächsten Tage.

Seit neuestem ist das Embranchement de Nancy für Plaisanciers geöffnet und wir ersparen uns den Umweg via Toul. 

Die Schleusen werden mit den gleichen Fernbedienungen wie im Marne au Rhin gesteuert. 13 Schleusen zu Berg, wir sind schon ein eingespieltes Team. Von den drei Schleusen zu Tal wollen deren zwei nicht so recht und der Entpannungsdienst kommt zum Zug.

Eine sehr schöne und wilde Scheitelstrecke, manchmal doch etwas eng, ich bin froh dass uns kein Schiff entgegenkommt.

An das Einsammeln der Schleusenfernbedienungen hat seit der Eröffnung dieser Strecke wohl noch niemand gedacht. Ich behalte sie mal, vielleicht kann man so was ja nochmals brauchen.

An der Einfahrt in den Canal des Vosges (früher Canal de L’Est Branche Sud) biegen wir Richtung Süden ab. 

In Richardménil wollen wir den Feierabend geniessen, der „Halte nautique“ ist aber schon fast voll. Der erste Anlegeversuch wird abgebrochen, da unser Boot den Grund berührt (ohne Schaden). Der Skipper eines schon vertäuten Schiffes gibt uns den Rat, es weiter vorne zu versuchen, und tatsächlich ist dort noch ein Liegeplatz frei. Die Wassertiefe ist ok und wir können uns sogar mit Gratisstrom versorgen.

Am nächsten Morgen schleusen wir zusammen mit der „Shift Away“, einem grossen Holländer, der in der Breite knapp in die Schleusen passt. Nachdem es uns vorne in der Schleuse arg durchschüttelt und die Gläser in der Kombüse ihren Halt verlieren, lassen wir das Holländer-Ehepaar nach vorne und jetzt läuft die Schleuserei wie geschmiert.

Nach insgesamt 15 Schleusen legen wir um 16 Uhr in Charmes an. Im Wasser viele Boote und an Land mindestens ebenso viele Wohnmobile, die sich die Infrastruktur teilen. Ich hatte schon Duschmarken gekauft, als mir ein Nachbar erklärt, dass wohl das Warmwasser für heute gestrichen ist. Ich entschliesse mich also für eine Dusche an Bord, die Marken kommen mir bekannt vor, die kann ich schon noch woanders (z.Bsp. in Dole) brauchen.

Der grosse Holländer legt schon um 8 Uhr ab, obwohl die Schleuse schon hinter der nächsten Kurve liegt. Im Kanalführer steht, dass die Schleusen erst ab 9 Uhr in Betrieb sind, der will wohl der Erste sein. Wir machen uns kurz vor Neun auf den Weg und da liegt das holländische Boot auch mitten im Kanal und wartet. Wir schleusen gemeinsam bergauf. Bei der Einfahrt in eine Schleuse (ich glaube, es war die Ecluse de Nomexy) scheint mir plötzlich die Brücke ziemlich tief zu sein und kurz darauf gibt es einen leichten Knall und der (gelegte) Mast des Holländers wackelt mitsamt der teueren Satelitenantenne ganz gewaltig. 

In der Schleuse sehe ich mir den Schaden an, da sind Bleche verbogen und ich bezweifle ob die Hydraulik noch funktioniert. Die Frau des Besitzers flucht und wettert gegen die Kanalgesellschaft, in den Führern sei doch eine Durchfahrtshöhe von 3,5 m angegeben. Ich frage nach der Höhe ihres Bootes. Na ja, wenn man mit 3.48m das Gefühl hat, ohne Probleme durchzukommen, kann man halt enttäuscht werden.

Bald darauf ist es dann soweit, die „Shift Away“ bleibt tatsächlich unter einer Brücke stecken und erst nach mehreren Versuchen mit Vollgas vor- und rückwärts bewegt sich das grosse Schiff wieder. Jetzt ist Umkehr angesagt. Wir schleusen alleine weiter. Obwohl unser Verdeck nur 3,3m hoch ist, streifen auch wir unter einer Brücke leicht. Das mit den 3,5 Metern muss also wirklich mit Vorsicht genossen werden.

 

In Epinal misslingt das erste Anlegemanöver gründlich. Die Strömung erkenne ich erst später, und meine Steuerführung lässt wohl heute auch zu wünschen übrig. Ich habe also noch viel Raum für Verbesserungen. Schlussendlich liegen wir sicher an der Mauer vis-a-vis des Restaurants, mit Stromanschluss. Auch die Liegegebühren sind sehr moderat und wir planen schliesslich, ein paar Tage hier zu bleiben. Meine Frau soll hier für den Rest der Ferien an Bord kommen. Caroline und ich geniessen in Epinal drei freie Tage, eingeschlossen die Ankunft von Astrid, die unsere Crew von jetzt an verstärken wird.  

Am 10.7. legen wir in Epinal ab und erklimmen in 2,5 Stunden die Schleusentreppe von Golbey (insgesamt 15 Schleusen, 47 m Höhendifferenz).  

Während wir auf der Scheitelstrecke unterwegs sind, regnet es Bindfäden. 

Unterwegs eine nigelnagelneue Anlegestelle für zwei Boote. Gut geplant die Lage am westlichen Ufer, genau gegenüber des Dorfes mit Bäckerei. Weit und breit keine Brücke (dafür ein Tunnel!, Anm. Webmaster). Zusätzlich ist die Liegezeit auf 8 Stunden beschränkt. Da hat sich der VNF selbst übertroffen.

Vor der ersten Schleuse zu Tal liegt ein Holländer am Ufer, ein schlechtes Zeichen auch die roten Lichter der Schleuse. Wir legen hinter dem anderen Schiff an und erfahren, dass seit ein paar Stunden nichts geht, der VNF aber avisiert sei. Wie durch ein Wunder kommt bald darauf ein Mechaniker und bringt die Automatik wieder in Gang. Wir erhalten auch einen guten Tipp zwecks Liegemöglichkeit, da wir nicht schon in Girancourt übernachten wollen.

Wie versprochen finden wir nach der Schleuse 8 einen wunderschönen Anleger mitten im Grünen. Wir geniessen die Ruhe, selbst das Natel ist mangels Empfang ausser Betrieb gesetzt.  

Bei der Abfahrt am nächsten Morgen sieht das Wetter noch gut aus, bald lässt die Sonne aber nach, den ganzen Tag viel Regen und nur einige wenige Sonnenstrahlen. Die ersten zehn Schleusen durchfahren wir in knapp zwei Stunden, dann geht’s etwas gemütlicher weiter. 

Um 16 Uhr kommen wir im vollbesetzten Hafen von Fontenoy an. Es bleibt nichts anderes übrig, als das (sehr freundliche) neuseeländische Paar der „MS Johanna Grietje“ zu fragen, ob wir längsseits kommen dürfen. Wir revanchieren uns mit einem Verteilstecker und somit haben alle bewohnten Boote Strom für die Nacht.

Ein kurzer Dorfrundgang zeigt mir, wo ich am nächsten Morgen Brot erhalte, sonst nicht viel Interessantes. Nach einem kleinen Apéro in einer Brasserie geht’s im Regen zurück Richtung Hafen.  

Bei richtigem Aprilwetter legen wir eine Schleusenladung hinter den Neuseeländern ab mit Ziel Corre. 

Scheint auch kein Problem zu sein bis zur Schleuse 45. Diese zeigt mir ein rotes Licht und von weitem sehe ich ein kleines weisses Boot unten einfahren. Bald klettert ein bärtiger Mann die Leiter herauf und inspiziert die Schleuse, verschwindet aber wieder nach unten. Dann fährt der weisse Fleck wieder aus um kurz darauf wieder in die Schleusenkammer einzulaufen. „same Procedure“ auf der Leiter nach oben klettern, aber dann sehe ich wie sich der Mann der roten Stange behändigt und uns zwei rote Lichter an der Schleusenampel beschert. Da ich nirgends anlegen kann, muss ich im Kanal hin und herfahren, dank Seitenwind. Nur einfach im Wasser zu warten geht nicht.

Wenigstens ist jetzt automatisch der VNF informiert, denn ich habe nicht einmal eine Telefonnummer. Nach fast einer Stunde Wartezeit erscheint endlich das weisse Auto und dessen Lenker setzt die Schleuse wieder in Gang. Nachdem sich die Tore öffnen, kommt uns eine kleine Nussschale aus Tschechien entgegen. Beim Kreuzen erklärt mir ihr Skipper seine Taktik
rote Lampe = rote Stange“ !!!  

Wie der Mann von Tschechien so weit gekommen ist, bleibt mir ein Rätsel. (Wie ich im Ancre de Kembs gelesen habe, ist dieses Boot auch anderen Wasserwanderern aufgefallen).

Endlich kommen wir in Corre an. Wir bleiben im Stadthafen und geniessen dort die Dusche. Auch der Supermarkt ist nicht weit und wir können unsere Vorräte ergänzen.  

Am Abend schaue ich zu, wie eine Péniche rückwärts heraufgeschleust wird und anschliessend die ganze Strecke bis zu uns Heck voran fährt. Auch eine Péniche kann nicht geradeaus rückwärts fahren, sieht aber imposant aus. Vor dem Einnachten lassen wir uns von einem deutschen Seglerpärchen ein tolles Elektrovelo vorführen. Das wär doch was für mich, leider haben die beiden das Teil in Mallorca gekauft. Liegt nicht an unserer Strecke.

Mit einem deutschen Boot aus Emmerich fahren wir auf der Saône bis nach Port s. Saône, eigentlich unser Etappenziel für heute. Leider führt der ANPEI seine Vereinsausfahrt durch und hat sich dieses Städtchen zum Ziel gemacht. Nicht nur der Hafen ist voll, auch am Kanalufer liegen die Boote eng hintereinander und immer noch kommen weitere Schiffe die Schleuse herauf.  

Wir fahren also weiter bis nach Scey s. Saône, den Hafen kennen wir von einer Bootsmiete gut. Hier liegen wir ruhig und geniessen den Abend. Der 14. Juli beginnt neblig, ich muss unsere Abfahrt verschieben denn man sieht keine 50 Meter weit.   

Nachdem das Wetter aufgeklart hat, durchfahren wir den Tunnel von St. Albin und geniessen die Fahrt auf der immer breiter werdenden Saône. Kurz nach dem Mittag kommen wir im Hafen von Seveux an. Hier hat's um diese Zeit genügend freie Plätze. Während wir es uns gemütlich machen, kommt „Kapitän Haddock“ an, Freunde seit langer Zeit. Nach ausgiebiger Begrüssung üben wir schon einmal (ausgiebig) das Feiern für den heutigen Abend.

Zusammen mit der Dorfbevölkerung gedenken wir der Erstürmung der Bastille. Gegessen wird in einem ehemaligen Kuhstall, neben uns sitzt der Maire mit seiner Familie und erklärt uns, was für lokale Spezialitäten im Einheitsmenu enthalten sind. Anschliessend wird getanzt bis wir müde sind und den Marsch zurück zum Hafen unter die Füsse nehmen.

Abschied vom „Haddock“, Judith und Urs lassen ihn für einige Wochen in Seveux und fahren mit dem Zug nach Hause.  

Bei der Durchfahrt von Gray erspähen wir weitere Bekannte, wir legen für eine Pause längs der „Tramondana“  an und geniessen einige gekühlte Getränke.  

 

Im Laufe des Nachmittags finden wir unter den Weiden in Mantoche einen Liegeplatz beim „Cesar III (einer wunderschönen Valkvlet).  

Achtung: Anlegen für uns nur im oberen Teil (aus Richtung Corre kommend), der Tiefgang weiter unten lässt zu wünschen übrig, was die Besatzung zweier Mietboote noch feststellen muss.  

Mit dem Skipper von „Cesar“ haben wir eine lange und tolle Unterhaltung, abends werde ich noch zur Schiffsbesichtigung eingeladen. Anschliessend wollen wir beide noch ein Feierabendbier geniessen, werden aber bald unsanft aus der Brasserie herausbefördert.

Ich versorge beide Schiffe mit Brot und bald geht’s los. Wir fahren hintereinander die Saône herunter bis nach Pontailler, wo „Cesar“ zum Mittagessen bleibt. Wir fahren weiter bis nach St. Jean de Losne, unterwegs kosten uns einige Mietboote ein paar Nerven, aber was solls, wir haben ja Ferien. In St. Jean fülle ich unseren Dieseltank, danach legen wir beim H2O an. Nachtessen im Admiral, rustikal und gut wie gewohnt.  

Schweren Herzens verlassen wir am 18.7. St. Jean Richtung Heimat. An der Einfahrtsschleuse des Rhein-Rhone-Kanals erhalten wir eine neue Fernsteuerung für die Schleusen. Ich frage den Eclusier, ob er meine andere Telecommande in Empfang nehmen wolle. Scheinbar sind wir nicht die Einzigen mit diesem Anliegen. Er nimmt die Steuerung entgegen und erzählt etwas von einer Sammlung, die er im Herbst nach Nancy senden will.

Nach 8 Schleusen kommen wir in Dole an. Die Schleusenwärterin schleust uns um halb eins noch durch, was mich doch sehr erstaunt. Die Studentin wurde wohl von den Profis zuwenig darauf hingewiesen, dass die Mittagspause heilig ist.

Leider müssen wir feststellen, dass dafür am Sonntagabend die Stadt wie ausgestorben ist. Zu vernünftiger Zeit finden wir kein Restaurant, das geöffnet hat. Der Regen bringt uns dann dazu, das Abendessen aufs Schiff zu verlegen. Die Spaghetti haben geschmeckt.  

In Dole zum letzten Mal Besatzungswechsel. Caroline verlässt uns, dafür bringt mein Schwiegervater Nicole, unsere ältere Tochter, als Ersatz.

Die zweite Schleuse am nächsten Tag will nicht wie wir, oder ist’s nur die Fernsteuerung?

Nach der üblichen Wartezeit hilft uns der VNF weiter und wir kommen nach Rochefort. Schon lange wollte ich hier übernachten, aber jedes Mal war der Anleger besetzt. Heute hat es ein freies Plätzchen für uns! Wir legen an und können endlich auf den berühmten Felsen die Aussicht geniessen. Am Nachmittag Siesta im Schatten und ein kühles Bad im Doubs.  

Bevor wir zum Einkaufen abmarschieren, fährt eine Péniche Richtung Dole an uns vorbei. 

Im Dorf hören wir diese immer noch motoren und sehen mit Schrecken, dass die Péniche mitten in der Kurve auf Grund gelaufen ist. Der Skipper meint, bei Bauarbeiten seien die Abfälle nur in den Kanal geworfen worden und deshalb sei an dieser Stelle die Wassertiefe ungenügend.  

Ich kann zwei Plaisanciers gerade noch vor der Einfahrt in die Engstelle stoppen. Sie wenden und legen vor uns an. Auf der „Lady Irene“ lernen wir einen der Hafenmeister von Mulhouse kennen. Das Restaurant im Dorf ist zu empfehlen, wir holen das Nachtessen von Dole hier nach.  

Da für den nächsten Morgen eine bergfahrende Péniche angesagt ist, legen wir schon um 8 Uhr ab. Die Automatikschleusen funktionieren bis fast zum Abend gut. Unser Liegeplatz an der Mauer bei Osselle ist mit drei Schiffen leider schon besetzt. Wir fahren zur Schleuse von Thoraise, müssen aber feststellen, dass diese streikt. Ich setze Nicole ab, was aber auch nichts bringt, die Talfahrer oben wissen nicht wer wie was warum.

Ich muss ein weiteres Mal das Handy zücken und siehe da, ganz erstaunt nimmt man mein Anliegen zur Kenntnis und verspricht baldige Besserung. Wirklich setzt sich bald darauf die Schleuse in Gang. Nachdem wir oben ankommen, macht uns ein Mietbootfahrer Platz am kurzen Anleger vor dem Tunnel. Hier verbringen wir die Nacht zusammen mit Leuten aus Florida. Ich muss feststellen, dass das Ami-Paar aus Vero Beach kommt, einem Kaff zwischen Orlando und Miami. Dort habe ich vor vielen Jahren einen Teil meiner fliegerischen Ausbildung genossen. Wie klein die Welt doch ist!

Nach nächtlichen Gewittern wird es heute wohl sehr warm werden (max 37°). Wir lassen Besançon für einmal links liegen und fahren durch den Tunnel Richtung Deluze. Dort soll ein neuer Halte Nautique eingerichtet sein. Bei unserer Ankunft dort ist aber nur noch ein Platz am talwärtigen Ende frei und wie nicht das erste Mal missling das Anlegen mangels Wassertiefe. Am Steg in Laissey lassen wir den Tag dann ausklingen.

Am nächsten Tag liege ich krank in der Koje, mein Bauch schmerzt gewaltig. Astrid fährt die ganze Strecke bis nach Clerval, Nicole entlockt den Schleusen das gewünschte grüne Licht. So kommen wir am frühen Nachmittag in Clerval an und können uns einen Liegeplatz aussuchen. Gegen Abend werden die Stege dann voll. Neben uns liegt ein 8m-Boot, an Bord eine vierköpfige Familie aus Rheinfelden. Was die wohl von mir denken, ich liege immer noch die meiste Zeit in der Koje?

Am 25.7 machen wir nur einen Kurztrip (um mich noch zu schonen) und legen in Isle sur le Doubs an. Die Schleusen haben es heute Sonntag gut mit uns gemeint. Wir lernen Mireille und Jean-Pierre aus Mulhouse kennen und gegen Abend tauchen auch Dora und Peter mit ihren Söhnen wieder auf. Sie hatten heute Grundberührung auf dem Doubs und verloren das Ruder. Ein Paddel als Notruder geriggt hilft Peter weiter, bis er am gleichen Tag noch ein Pontonierruder aus der Schweiz geliefert erhält. Gemeinsam lassen wir uns das Nachtessen im Schatten am Kanalufer schmecken.   

Am Morgen zeigt das Barometer sinkenden Druck, es wird kühler und von Zeit zu Zeit verirren sich auch einige Regentropfen auf unser Boot. Ab heute Vormittag ist fertig mit Fernsteuern der Schleusen, es wird wieder von Hand gearbeitet. Um 14 Uhr legen wir in Montbéliard an. Gegen Abend treffen auch Peter und Dora sowie die Mireille ein. Peter hat sich entschlossen, sein Boot hier reparieren zu lassen, d.h. Heimreise mit dem Zug.

Auch auf der Mireille ist eine Reparatur angesagt, der Bugstrahler macht keinen Wank mehr. Wir setzen also morgen die Heimreise alleine fort. Zuvor führt uns am Abend Jean Pierre noch in die Kunst des Amère-Trinkens ein (für meine Frau dank ihrer elsässischen Herkunft nichts Neues).

Heute Morgen müssen wir schon in der zweiten Schleuse warten. Ein Aargauer ist wohl nicht aus den Federn gekommen und lässt uns fast eine Stunde in der Schleuse dümpeln.  

Letztes Jahr sind wir von Montbéliard bis Dannemarie durchgefahren. Heute reicht mir die Strecke bis Montreux Chateau, wo wir einen freien Anlegeplatz finden und den Nachmittag geniessen. Von Montreux Chateau nach Dannemarie ereignet sich nichts Besonderes. 

Schon fast zur Gewohnheit geworden ist der herzliche Empfang durch Anne Meyer, eine der besten uns bekannten Hafenmeisterinnen in Frankreich.  

Morgen können wir erst um 10:30 Uhr mit Schleusen beginnen. Deshalb wird der letzte Tag auch einer der längeren, Ankunft in Niffer um 18:15 Uhr. Damit endet unsere Ferienfahrt für dieses Jahr. Wir freuen uns aufs Zuhause. Trotzdem weiss ich, dass es nicht lange gehen wird, bis ich wieder die Leinen lösen möchte.

Statistik:

153 Motorstunden  
830 km  
309 Schleusen

kein Schaden!

 


zurück

Aufruf:  Wenn Ihr eure Erlebnisse rund um das Thema Schiff auch 
zusammenfasst, schickt uns doch eine Kostprobe