| Tour
de Surprise - Pumpentour Frühling 2001 |
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Zurückfahren oder uns Zeit lassen? Unser Entscheid fällt 2:1 fürs "gemütliche runterfahren bis St. Vit" aus. Von da werden wir die 7 km zu Fuss zurücklegen um die Schleuse zu begutachten. So wird es halt dieses Mal nichts mit der Saône. Wir fahren nun in kurzen Etappen weiter, verbringen den 1. Mai in Monbéliard und auch die folgenden zwei Tage. Bewundert haben wir bei schönem Wetter den Park "Pres de Rose". Das "Pavillon de Science" sollte man nur mit Kindern unter 12 Jahren besuchen, sonst ist der Eintritt überrissen und die Enttäuschung entsprechend. Die Altstadt ist wunderschön und man findet jede Menge Optikergeschäfte (für vergessene Sonnenbrille des Käptn). Das Schloss haben dann Franziska und ich auch noch besucht, es ist für Liebhaber alter Möbel und Porzellan sicher sehenswert. Der Käptn hat in dieser Zeit die neu montierten Fenster auf der Fly Bridge gestrichen mit "Decks Olje" was eine sehr aufwendige Arbeit ist, da innert kurzer Zeit mindestens 24 Anstriche gemacht werden müssen. Zur Abwechslung gehen wir dann auch noch Mexikanisch essen. Nach drei Tagen verlassen wir Monbéliard. Franziska unser "Bootsjunge" muss mal wieder etwas früher als um Elf aufstehen, was ihr augenscheinlich viel Mühe macht. Das Wetter zeigt sich auch nicht von der besten Seite. Wolken, Wind und sehr kalte Temperaturen. Das Thermometer zeigt den ganzen Tag nie mehr als 13°. Da ist man doppelt glücklich über eine gute Bootsheizung. In Ile sur le Doubs müssen wir erst einmal Einkaufen. Mineralwasser, Bier, Wein, Milch und alle sonstigen lagerfähigen Lebensmittel landen im Wägeli. Am nächsten Tag haben wir uns bei der Schleuse erst auf halb Zwei angemeldet, soll es doch bloss bis Clerval gehen, wo wir in der "Bonne Auberge" Fisch essen wollen. Gegen Mittag fängt ein ekliger Nieselregen an, der den ganzen Tag anhalten wird. Innert kurzer Zeit ist man durch und durch feucht. Zum Glück habe ich als süsse Überraschung "Erdbeer Charlotte" gekauft, und wir geniessen vor der Abfahrt noch einen heissen Kaffe und Kuchen. In Clerval wird das Anlegen zum Alptraum. Erstens zieht der Doubs wie wild und zweitens steht vor der Anlegestelle ein riesiger Ponton, denn die Brücke über den Doubs soll renoviert werden. Drittens giesst es im Moment in Strömen. Beim Anlegen machen wir dann an einem defekten Ausleger noch einen schönen tiefen Kratzer in die Bootslackierung. Die Stimmung des Käptn geht auf Sturm ..... Doch nach dem guten Nachtessen ist auch das Wetter drinnen wie draussen besser. Am nächsten Morgen werden wir kurz nach acht brutal aus dem Schlaf gerissen. Jemand poltert wie wild an unsere Bootswand. Der Käptn schiesst hoch, guckt aus der Tür und draussen steht der Hafenmeister; will seinen Obulus. Wie ich etwas klarer aus den Augen sehen kann, stelle ich fest, dass der Regen aufgehört hat und auch die Bewölkung etwas weniger geworden ist. Vielleicht sehen wir heute noch etwas von der Sonne? Der Barometer jedenfalls zeigt eine solche. Gegen Mittag erreichen wir dann bei "fast Sonnenschein" unser Etappenziel Baume les Dames. Nur das Thermometer zeigt immer noch bloss 12°C, dazu weht ein kalter Wind. Trotzdem wollen wir uns das Städtchen ansehen, was sich auch als lohnenswert erweist. Nach Salade Chevre chaud und Lammfilet mit Flageolet beschäftigt sich der Bootsjunge etwas mit seinen Schulaufgaben, während ich mich Mal in mein mitgebrachtes Buch vertiefe. Der Käptn streicht einmal mehr die Fenster. Am nächsten Tag geht es nun nach Besançon wo wir wieder zwei Tage bleiben wollen. Ein Tag ist für die Zitadelle reserviert, was sich wirklich lohnt. Der nächste Tag ist für Shopping und Stadtbesichtigung gedacht. Der Aufstieg zur Zitadelle ist steil und so sind wir nicht traurig, dass die Sonne nicht scheint. Doch am nächsten Tag ist es zum ersten Mal seit zehn Tagen nicht nur sonnig, sondern auch herrlich warm. Wir können auch zum ersten Mal auf der Fly Bridge tafeln und zwar Spargel mit Rohschinken. Nach früher Tagwache wollen wir nun bis St. Vit und anschliessend zur defekten Schleuse marschieren. Der Käptn und der Bootsjunge machen sich nach einem griechischen Salat auf die Socken, während ich mich wegen aufkommender Migräne etwas lang lege. Nach knapp drei Stunden kommen zwei Verschwitzte retour und verlangen "Dusche und Tranksame", da das Hotel de la Marine in Ronchamps scheints zu hatte. Nun dafür gibt es dann zum Nachtessen auch die geliebten Spaghettis. Am folgenden Tag retour nach Besançon und da wir ja nicht mit dem Boot nach Dole fahren können, reisen wir halt per Bahn hin. Heute wollen nämlich Carla und Beda die Eltern des Bootsjungen ihre Tochter abholen. Geplant war eine Übernachtung für die Eltern im Pourcheresse und ein gemeinsames Nachtessen für alle im Bec-Fin. Der neue Plan heisst nun: Wir übernachten alle im Hotel. Das Essen ist wie immer fantastisch, also hat sich der Ausflug nach Dole auch per Bahn gelohnt. Am Morgen geht’s, da es Samstag ist, noch auf den Markt. Anschliessend fahren wir mit Beda bis Besançon und nehmen auf der Fly Bridge noch einen Imbiss zu uns, bevor die anderen abfahren. Jetzt sind der Käptn und ich also wieder alleine und es fängt auch gleich faustdick an. Wie sich Walter nämlich auf einen unserer Teakstühle setzen will, kracht dieser jämmerlich zusammen. Als nächstes stellt der Käptn fest, dass die Wasserpumpe vom Trinkwasser immer wieder zu laufen beginnt, obschon niemand Wasser laufen lässt. Also Bodenklappe auf und da sehen wir die Bescherung: das halbe Schott steht schon unter Wasser; ein Schlauch von der Pumpe ist durchgescheuert. Erst mal also die Pumpe abstellen, um weiteren Wassereinfall zu verhindern. Dann baut der Käptn den Schlauch aus, was sich allerdings als sehr "tricky" erweist. Der Schlauch ist an der Pumpe nämlich mittels einer Ringschneide (Messingdichtung mit einem Röhrchen) befestigt und das Zeug ist natürlich total verhockt. Aber mit Gasbrenner, Haarföhn und viel Geduld gelingt es uns schliesslich doch noch, die Dichtung heil auseinander zu kriegen. Mittlerweile ist es Samstag Abend halb Acht Uhr geworden. Nun kommt der zweite Streich: Das kaputte Stück heraus schneiden und die Ringschneide wieder neu montieren. Doch auch diesmal hilft der Föhn und auch meine Handcreme wird benötigt. Anschliessend wäre noch das Schott auszupumpen. Mangels einer geeigneten Pumpe geschieht dies am Anfang mit Pütz, dann mit dem Litermass. So wandern insgesamt ca. 250 Liter Wasser in den Hafen. Dann verhelfen wir dem Wasservorrats-Behältnis zu neuem Inhalt und wünschten uns (natürlich nur jetzt) einen 200 statt des 800 Liter Tanks. Eins ist klar, unsere nächste Anschaffung wird eine kleine Handpumpe sein. Um halb Elf fallen wir dann todmüde in unsere Kojen. Der folgende Tag verläuft ohne grosse Ereignisse. Das Wetter ist herrlich, dank der kaputten Schleuse herrscht praktisch kein Verkehr, nur ein Segler kommt uns bei der Doppelschleuse entgegen. So erreichen wir Baume-les-Dames in vier Stunden. Der Käptn legt sich etwas hin und ich nehme mal wieder mein Buch etwas unter die Lupe. Als es gegen halb Acht abkühlt, grillieren wir Pferdefilet mit Knoblauchbutter und dazu gibt es Brot und frische Erbsen. Es bleibt schön. Am nächsten Morgen brechen wir bei strahlend blauem Himmel um viertel nach Neun auf, nachdem ich vorher im Super U noch frische Baguettes und etwas Fleisch und Gemüse erstanden habe. Kurz vor Schleuse 37 stelle ich fest, dass kein Wasser mehr aus dem Schlauch der Wasserkühlung für den Auspuff fliesst. Wir schleichen uns mit kleiner Tourenzahl in die Schleuse. Dort stellt der Käptn dann erst mal fest, dass der Keilriemen noch intakt ist, also wohl der Impeller den Geist aufgegeben haben. Zum Glück haben wir Ersatz an Bord. Nun setze ich mich als Aufpasser auf die Fly Bridge, um zu verhindern, dass jemand an der Stange zieht und wir uns auch noch aufhängen. Nach einer halben Stunde kommt ein Vertreter der VNF und fragt was los ist. Nach meiner Erklärung beruhigt er uns; es komme kein Boot entgegen und für den Fall, dass wir Probleme hätten, gibt er mir seine Natel-Nummer. Es ist uns sowieso aufgefallen, diesmal werden wir von sehr freundlichen VNF-Angestellten bedient. Entweder haben sie über den Winter einen Kurs in "wie behandle ich Kunden" genommen, oder sie sind froh, überhaupt jemanden zu sehen. Nach einer halben Stunde hat der Käptn den Impeller rausgepullt und ebenso lange dauert es, bis der Neue wieder drin ist. Die Remontage gelingt allerdings nur mit viel Gefluche des Käptn. Ich halte mich wohlweislich raus, bleibe noch etwas auf der Fly Bridge. Nach einer guten Stunde kommt der Käptn rauf, startet den Motor und siehe da, das Schläuchlein auf der Steuerbordseite fördert wieder Wasser raus. Ich meine zwar noch "vorher war der Druck höher", werde aber beruhigt: "das ist, weil wir nicht fahren." Nun gut, ich glaube fachmännische Erklärungen ja gerne. Nach weiteren drei Schleusen macht der Käptn den Motorraum auf und stellt fest, dass die Pumpe nun hinten leckt, das Wasser also nicht nicht beim Impeller rausdrückt, sondern dahinter. Der Käptn meint, "da hinten sei eine Dichtung kaputt", dies werde sich später schon richten lassen. So fahren wir also erst Mal vom Doubs runter. Alle paar Schleusen pumpen wir die Bilge leer, zum Glück ist es ja bloss Kanalwasser. In Ile sur le Doubs sind wir froh vom Fluss runter zu sein, da nun auch dicke Wolken einen Wetterumschlag verheissen. Da der Getränkevorrat zur Neige geht, besuche ich wieder Mal den Super U. Wie ich retour komme, verkündet der Käptn, dass nun auch noch die Bilgenpumpe den Geist aufgegeben habe. Deren Dichtungen seien futsch, aber die hätten wir nicht als Ersatz dabei. Irgendwie gelingt es ihm aber doch, die alten wieder besser einzusetzen: Die Pumpe zieht zwischendurch wieder, also werden wir morgen bis Montbéliard zu Guy schleichen. Dort angekommen rät dieser dann, die Pumpe abzuhängen, um an die Typennummer zu gelangen. Nach dem Ausbau folgt die grosse Überraschung: Die Pumpe hat keine Typenbezeichnung, also stammt mindestens der Deckel gar nicht von Jabsco. Daher wird nun das ganze Aggregat auseinander genommen und Guy telefoniert einem Ersatzteilhändler. Wir organisieren einen Mietwagen und werden morgen die 350 km (pro Weg!) mit den Pumpenteilen nach Chitry les Mines fahren in der Hoffnung dass die Dichtungen bei ihm erhältlich sein werden. Die Bilgenpumpe macht weniger Probleme, hier steht die Typenbezeichnung drauf. Trotzdem nehmen wir auch deren kaputte Teile mit auf die Reise. Morgens um Sechs fahren wir dann los und sind kurz nach Neun da und dann ...., ja dann fängt die Sucherei an. Jabsco fabriziert ca. hundert Pumpen ähnlicher Bauart. Am Schluss werden die Männer auf Grund der Impeller-Nummer und der Dichtungen fündig und "Bingo", die Teile sind sogar am Lager. Die Pumpe wird noch vor Ort zusammengesetzt und gegen zwölf verlassen wir Chitry. In Avallon essen wir zu Mittag und um vier bringen wir unseren Mietwagen zurück. Wieder "Zuhause" baut der Käptn die Wasserpumpe ein und ersetzt die Dichtungen der Bilgenpumpe. Und beides funktioniert.. . So können wir getrost Morgen bis Dannemarie fahren. Auf dem Weg nach Dannemarie giesst es in Strömen. Trotzdem höre ich wie, wie die Trinkwasserpumpe immer und immer wieder anspringt und mir schwant deshalb Schlimmes. Ich übernehme das Steuer und der Käptn guckt nach; Wasser tritt keines aus, das ist wenigstens was. Wir stellen nun die Pumpe ab und lassen sie nur noch bei Bedarf laufen. So gibt es aber nun auch in Dannemarie keinen Ruhetag. Der Käptn diagnostiziert, dass der Druckregler wahrscheinlich wegen dem Bilgen-Hochwasser am letzten Samstag den Geist aufgegeben habe. Das könnte also wieder ein "Chitry – Fall" werden, aber eine neue Fahrt dürfte nicht notwendig werden, denn wir haben ja diesmal die Pumpennummer und Herr Johnson hat uns auch versprochen, bestellte Teile zu verschicken. Da es hier in Dannemarie eine Dusche hat, geniessen wir diese und fahren mit einer defekten Trinkwasserpumpe nach Mulhouse zurück. Die Relaxtour mauserte sich in der letzten Woche eher zum Horrorpumpen – Trip !
Nachsatz der Redaktorin: Die genaue Adresse von Ersatzteilhändler Johnson geben wir bei Bedarf gerne weiter, es ist wirklich erstaunlich, was bei ihm an Lager liegt; Verhältnisse fast wie in Holland !
Der Artikel erschien im L'ancre de Kembs Ausgabe Juni 2001 Aufruf:
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