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Endlich
haben wir einen standesgemässen Liegeplatz gefunden
in
Sanremo! |
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Ferienbericht vom Freitag 6. Juli 2001: Gefunden im Hafen von Sanremo, am Quai A wie "Auserwählte" oder wie "Angeber"? Vis-à-vis der Capitanerie, mit Sicht auf die schöne, am Hügel klebende, mit der Wallfahrtskirche Madonna Della Costa als krönendem Abschluss über allem, wo Therese bei der Besichtigung ein Tuch über die Schultern gelegt und unsere Beine von der weltlichen Begutachterin mit einer zweifelhaften, wortlosen Handbewegung als gerade noch eintrittswürdig bewertet wurden. Nach der Einfahrt vom weiten, weiten Meer her kommend, kam der Capitano im kleinen wendigen Hafenboot angefahren. Dies um uns zu begrüssen und uns an den Liegeplatz zu geleiten. Er stieg dann sogar aus und half uns bei der Anbinderei. Nun nur keine falschen Gedanken; wir haben uns versichert, sie helfen allen einfahrenden Booten, ob gross oder klein! Nach seiner Verabschiedung, die dank unserem Zustupf besonders freundlich ausfiel, kam wie angekündigt eine halbe Stunde später der Elektriker mit seinem Motorroller angefahren und brachte eine Reduktion für den Elektroanschluss. Denn an jedem Festbindeplatz befindet sich eine Steckdose, doch der Stecker, der da reinpasst, hat 10cm im Durchmesser und ist 18cm lang. Unser Euro-Stecker ist jedoch nur 4cm dick und 5cm lang. Darum die Reduktion. Gleichzeitig ein Beweis mehr dafür, dass wir bei den Grossen sind, am richtigen Steg angelegt haben. Obschon wir den Preis zu dieser Zeit noch nicht kannten. Am Steg A sind wir nun also, Steg A, der den
stolzen Namen des bekannten Kapitäns namens Giacomo Sartorio trägt, der
von 1773 bis 1866 die damalige Zeit mitgeprägt haben soll. So steht es in
italienischer Sprache auf einem Schild beim Übergang vom Land auf den
Steg geschrieben. Entschuldigung, mir ist der Name dieses Capitano leider
nicht mehr geläufig, habe in der Schule nicht aufgepasst oder es sind
dies die ersten Anzeichen eines sich abzeichnenden Alterungsprozesses.
Also: Steg ist eigentlich das falsche Wort. Es ist eigentlich ein 1 Meter
50 über dem Meeresspiegel sich erhebende Betonbrücke, besser
Promenade,
die 6 M. breit und 200 M. lang ist. Total finden daran 80 Schiffe Platz,
links, auf der Seite wo wir sind, 35, auf der anderen Seite etwas mehr,
nämlich 45. Wir liegen nun wohlbehütet im Hafen von Sanremo mit dem wohlklingenden Namen "Portosole" und haben Zeit. Zum Nachdenken, zum Schauen, zum Staunen. Hinter der Capitaneria ist die 80 Meter breite Einfahrt und weiter hinten der Porto Alto zu sehen, der Hafen, der schon da war, als ich erstmals im Jahre 1954 in Sanremo mein Campingzelt aufschlug. Damals mit dem Zug kommend, der FSI, der Ferrovie dello Stato. Die fährt, wie anno dazumal immer noch eingleisig zwischen Stadt und Strand, zwischen Badenden und Palmen, zwischen englischen Villen und grandiosen Parkanlagen mehr oder weniger dem Meere entlang, jeden halben Kilometer einen Bahnübergang, die mit runden, immerhin elektrisch betätigten, einstmals weiss-rot gestrichenen Röhren gesichert sind. Menschen, Autos und unzählige Motorroller warten bei gesenkter Schranke geduldig auf die Durchfahrt des Zuges, der sich schrill pfeifend bemerkbar macht und mit einem 50-er durchdonnert. Jedes Mal, jeden Tag, jede Nacht! Zum Glück pfeifen die Lokführer nur am Tag. Doch in 3 Monaten wird das anders sein! Ein neues Bahnzeitalter beginnt hier, dann nämlich wird der Zug durch den Berg fahren. Eine neue Linie mit einem neuen grossen Bahnhof wird eröffnet, ganz in den Berg hinein gebaut, genau so wie in Monaco. Den neuen Bahnhof haben wir, von aussen, gesehen; gewaltig! Im Rohbau sieht er allerdings mehr einem Parkhaus ähnlich, mit grossem Vorplatz, vier Fussballfelder gross. Ob der Termin aber eingehalten werden kann? Zur Zeit schaukeln wir an unserer Promenade. Heute am Donnerstag 5.7.01 pfeift der Wind durch die Wanten. Mit 40 Knoten oder 8 Beaufort oder 75 km/h, gemessen ganz oben auf unserem 12m hohen Mast, bei schönstem Wetter. Die Wellen im Hafen sind erträglich klein, nur etwa 30cm hoch, tragen kleine, weisse Schaumkronen. Die Temperatur ist markant gesunken. Jetzt um 11 Uhr sind es dennoch angenehme 26.6 Grad. Wir sitzen im Cockpit und schauen zur Hafeneinfahrt, zur Südmole hinüber, die den alten Hafen schützt. Wellen spritzen hoch, die vom Meer her kommend da auflaufen. Die Spritzer gehen fast bis ganz oben auf die Mole, dorthin wo gestern Abend von der Firma Müller aus der Schweiz ein riesengrosses Feuerwerk arrangiert wurde. Es war sagenhaft; einiges besser als das vom Montagabend, welches die Chinesen in die Luft geschossen haben. 2 Wochen lang ist hier jeden zweiten Abend, immer von einem anderen Land gesponsert, ein Feuerwerk zu sehen. RAI Radio und Fernsehen berichten stets live darüber. Dank unserem gutgelegenen Liegeplatz sitzen wir an vorderster Front, sozusagen in der Loge, nur 100 M. von der VIP-Tribüne entfernt. Sagenhaft das Gestrige! Das Schlussbouquet alleine dauerte ununterbrochen über eine Viertelstunde. Unten angefangen, himmelhoch oben und mit Donnergetöse beendet. Es begann mit vielen Raketen, die zwischen unserem Liegeplatz, dem Sitzplatz der VIPs und der Südmole im Bogen ins Wasser geschossen wurden. An jeder Aufschlagstelle gab es einen Blitz und einen Knall, daraus entfaltete sich ein silbrig zischender Vulkan und, nicht genug, eine kleine Rakete stieg daraus gen Himmel. Dahinter, in halber Höhe, fliessend in ein anderes Bild übergehend, Raketen, die in allen Farben unterschiedlich geometrische Muster in den Nachthimmel zeichneten. Dann ganz oben die Krönung, ein von Raketen in luftige Höhen getragener, wunderbarer Palmenhimmel, mit daraus langsam sinkenden, glitzernden und knatternden Blumengirlanden. Doch nicht genug, da staunt man wirklich, wurde noch weiter oben, nun genau über unseren Köpfen, ein leuchtend bunter Schirm in allen Farben und in allen Variationen geöffnet, der so riesengross war, dass man wirklich das Gefühl hatte, unter einem bunten Sonnendach zu sitzen. Daraus 3 Böllerschüsse, so donnernd wie noch nie gehört, das war der Abschluss. Dann der Applaus der vielen, vielen Zuschauer, das Gehupe der vielen, vielen Schiffshörner, in allen Tonlagen, dauerte weitere 10 Minuten. Beim Radiozelt versuchte ein RAI-Reporter mit hochgehaltenem Mikrophon dieses einmalige Szenario einzufangen. Der ganze Hafen ist eine einzige lebendige Arena. Einfach überwältigend, gewaltig, majestätisch, unvergesslich! Schlussendlich wieder überstrahlt vom silbrig leuchtenden Vollmond. Am Steg A sind wir, an "Pontile A", wie die vielen, in roten Hemden und schwarzen Kniehosen gekleideten Capitanos sagen. Wir sind auch kein Schiff mehr, wir sind nun eine "Barca"! Eine blumige Sprache, dieses Italienisch, wohlklingend, temperamentvoll, doch leider unvollendet, denn die Italianos brauchen zur besseren Verständigung untereinander stets noch ihre Hände.... Wohlklingend sind auch die Namen der Yachten, die mit uns an unserem Steg liegen: Jamaica, Hobby One, Calypso Bay, Wild Time, Joker, Pethy, um nur einige zu nennen. Sie kommen aus Monaco, London, Jersey, oder Bâle. Eine 20 Meter Yacht mit dem Namen SO WHAT hat als Heimathafen Basel angeschrieben. Vom Schiff an Land geht man über eine Gangway, mit Geländer. Meistens fernbedient. Wie wir Zuhause mit einem kleinen Kästchen den Fernseher dirigieren, bedienen die grossen Yachtis ihre Gangways. Einfach am Steg stehen, den richtigen Knopf drücken und schon kommt diese Brücke hydraulisch aus dem Schiffsrumpf heraus, verlängert sich, dreht sich und stellt ihre Räder auf die Promenade ab. Wir haben natürlich auch eine Gangway! Eine Aluleiter aus dem COOP-Hobbycenter Villmergen, für günstige 90 Franken. Damit man nicht durch die Sprossen fällt, ist einseitig ein mehrfach lackiertes, sauber und rechtwinklig zugeschnittenes Holzbrett mit genügend rostfreien Schrauben montiert. Bedient wird unsere Brücke mittels Seilen. Zieht man am Seil, geht sie hoch, lässt man zu rasch los, fällt sie runter. Und zwei Räder hat sie auch, unsere Brücke! Einfach genial! Übrigens: wenn wir von unserer Pethy an Land gehen, dann steigen wir über unsere Gangway obsi. Schifferleute von Yachten über 20 Meter gehen dann schon abwärts. Vom Land aufs Schiff ist es logischerweise umgekehrt. Wiederum ein kleiner aber bemerkenswerter Unterschied an Steg A. Solche Stege oder Pontile gibt es im ganzen 9 Stück hier, fein säuberlich von A bis I durchbuchstabiert. Gegenüber, an der nördlichen Aussenmole sind die Liegeplätze für Schiffe über 40 Meter Länge. Und nicht zu vergessen, der Fischerhafen, wo auch noch viele kleinere Boote liegen. Das ganze Hafenbecken von Sanremo ist fast 2 Kilometer lang und 300m breit. Und hier haben wir problemlos einen Liegeplatz gefunden, ohne jeden Tag nachfragen zu müssen, ob wir noch einen weiteren Tag bleiben dürfen. Hier haben wir das Gefühl, willkommen zu sein. Da haben wir Platz, links und rechts mindestens 2 Meter freie Wasserfläche bis zum Nachbarlieger. Wir fühlen uns zwischen den chromglänzenden Motoryachten und messingverzierten Grossseglern wohl, verhalten uns standesgemäss. Und das zu einem Preis von einundachzigtausenddreihundertundachtundsechzig
Lire Das sind 67 Fränkli und 24 Räppli pro Tag. Für Vollmond, Sonne, Wind, zweierlei Wasser, Strom, Barca PETHY und 2 Personen. Und heute Abend gehen wir in ein Konzert, gegeben vom Orchestra Sinfonica Citta di Sanremo. Eine Musica Classica bei der Villa Ormond, im schönsten Park von Sanremo, unter freiem Himmel und Palmen.
Grazie mille, danke Sanremo! Herzliche Grüsse senden damit Peter + Therese Rippstein
Der
Artikel erschien in der L'ancre de Kembs Ausgabe Sept. 2001
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