5
Wochen Schiffsurlaub im Sommer, während denen wir auf dem
„Rhein-Rhone-Kanal“, der „Saône“ und der „Seille“ grob geschätzt
280 Schleusen meisterten, ca. 1000 km. Fahrdistanz zurücklegten, manch
harte Entbehrung erleiden mussten (meist war dann kein kühles Bier mehr
im Kühlschrank) aber kaum Regenfälle durchmachten, können als
Jahresziel nicht ausreichen. Dies dachte sich jedenfalls die demokratisch
festgestellte Mehrheit unserer immerhin 3-köpfigen Familie (wobei der
Hund diesmal kein, unsere noch minderjährige Tochter nur ein halbes
Stimmrecht besass) und so brachen wir am Freitag, den 25.9.98 nochmals zu
einigen Tagen Schiffsvergnügen auf.
Natürlich
hatten wir als ausgefuchste
Routiniers (schwimmen können wir schon lange und seit fast 2 Jahren
kommen wir für den Unterhalt eines eigenen schwimmenden Untersatzes auf)
den ganzen Törn stundenlang generalstabsmässig geplant und umfassend
vorbereitet, als wir um 16.45 Uhr ab unserem im Kanton Aargau gelegenen
Wohnort losfahren wollten. Unsere Familie übt als Reisevorbereitung nämlich
ein todsicheres Rezept: Schon etwa 2 oder 3 Wochen bevor wir fahren, wird,
meist am gleichen Ort, ein Gegenstand, meist ein Tisch im Keller, zum
„Depot“ ernannt. Darauf (nicht etwa darunter!) sind dann alle Gegenstände,
die unbedingt mitmüssen, hinzulegen. Was zur „Stichzeit“ nicht hier
liegt, wird nicht befördert, so will es eine im Familienrat getroffene
klare Vereinbarung. Dank dieser Regelung, die natürlich gnadenlos
eingehalten wird, war es dem umsichtigen Chauffeur der Familie auch
diesmal möglich, richtig einzuschätzen wie unser Lastesel (ein grosser
Kombi) optimal beladen werden konnte.
| Wie
jedes Mal hatte die ganze Mannschaft auch diesmal, nachdem sie endlich den
Weg in die Garage gefunden hatte (wobei wir den Hund, wie immer, suchen
mussten, da er nicht gerne Auto fährt) noch viel „Handgepäck“ dabei.
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Dieses setzt sich meistens aus all jenen Sachen zusammen, die eben nicht
ins Depot gegeben wurden. Vor der Abfahrt mussten nun noch all diese
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„Ohne-sie-geht-es-wirklich-nicht“
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Gegenstände (deren Platzbedarf nicht etwa zwangsweise klein sein muss!) so verstaut
werden, dass dem Hund im Nachhinein nicht recht gegeben werden musste, als
er die Mitfahrt strikte ablehnte.
Als
wir also um 17.15 endlich die Garage verliessen, stellte sich, wie
jedesmal, schon nach wenigen Metern, bei uns allen das eklige Gefühl ein,
etwas „ganz, ganz Wichtiges“ vergessen zu haben. Wobei den Schreiber
selber nur die kaum ins Gewicht fallende Ungewissheit plagte, ob die Haustüre
wirklich verschlossen wurde. Sicher war bei der Abfahrt also
nur, dass wir
bereits die offenbar auf irgend einem physikalischen Familiengesetz
beruhende, damit gleichwohl berüchtigte „halbe Stunde“ hinter
dem vom
Kapitän exakt festgelegten Zeitplan lagen.
Die
„Rückstandszeit“ verlängerte sich dann wegen eines geringen
Unfallstaus von wenigen Kilometern Länge noch etwas. Dies weil auf der
Autobahn, kurz vor Basel (wo sonst?), auf der Gegenspur einige ungeduldige
„Sonntagsfahrer“ an diesem Freitagabend, wo der Witterung nun wirklich
nicht schuld gegeben werden konnte; es regnete nur so stark, dass man den
Vordermann auf wenige Meter Distanz noch gut sehen konnte, wenn man sich
nur etwas anstrengte, Energie und wohl auch viel Geld vernichtet hatten.
Kurzum, wir trafen dennoch, weil das Autobahnnetz in und um Basel (wo
sonst?) gut funktioniert, wenig später in Kembs (für die nicht
ortskundigen Leser: Es liegt ca. 15 Km. ausserhalb Basels im Elsass) ein.
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In
des Schreibers Zeitplan war natürlich einberechnet, dass wir vor
Törnbeginn,
der pünktlich Samstag morgens, Punkt „sehr Früh“, hätte beginnen
sollen, noch Diesel bunkern mussten.
Mit Genugtuung hatten wir an den
vergangenen Wochenenden ausgespäht, dass auf dem Platz vor dem
„Casino“ Einkaufscenter (eine gute Adresse!) in den letzten Wochen
eine auch diese Flüssigkeit verkaufende Tankstelle erbaut wurde.
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Wir
fuhren also zum Schiff, deponierten dort die mitgebrachte Ladung, packten
die im Motorraum des Schiffes verstauten zwei Dieselbidons ein und fuhren
dann zum nahen Supermarkt. Geplant war, die Mutter und Co-Steuerfrau vor
dessen Eingang auszusetzen und dann die Tankstelle mehrere Male
anzufahren. Wir rechneten (naiverweise), dass zwei Fahrten von der
Tankstelle zum Schiff möglich sein sollten, bis die auch als Köchin
waltende Vorerwähnte die Regale leer geräumt haben würde. Es kam
anders. Mit Hund und Tochter fanden wir zwar die in der beginnenden
Dunkelheit nicht mehr von weitem erkennbare, dafür einzige Einfahrmöglichkeit
zu den Tanksäulen und dachten uns noch nichts, als wir auf den Säulen
keine Möglichkeit erblickten, unser mühsam und im letzten Augenblick
gewechseltes Bargeld in französischer Notenform in einen dieser dünnen
„Einweg-Schlitze“ zu stecken, schliesslich gelten wir ja als kreditwürdig
und sind mit allerlei Plastikkarten bewaffnet, aber dann mussten wir es
doch wahrhaben; diese Säulen (die sicher über Unmengen des von uns
begehrten Saftes thronen) versorgen nur Leute, die eine „Casino“ Karte
besitzen!
Da
die Zeit drängte, verloren wir nicht mehr viel Zeit und beschlossen im
geschrumpften Familienrat (Tochter und Schreiber) quasi als Notstands-Massnahme, unsere Frau und Mutter temporär auszusetzen
und uns nach einer anderen Versorgungsmöglichkeit umzusehen. Der
Schreiber erinnerte sich vage, weitere Dieselsäulen in einem anderen
Center, glaublich etwas ausserhalb von „Sirence“, gesehen zu haben. Da
wir dabei das Dorf Kembs auf der falschen Strasse verliessen (am gegenüberliegenden
Ortsausgang, dies kann aber nun wirklich nicht an unserem schon fast
sprichwörtlich guten Orientierungssinn, sondern nur an der schon
eingebrochenen Dunkelheit gelegen haben), gelangten wir schliesslich nach
„Habsheim“. Die Hinfahrt verlängerte sich leider auch noch, weil
ausgerechnet heute diese Strasse mit einer „Deviation“ versehen war.
Was soll’s?
Wir
füllten also in Habsheim unsere 2 Kanister und brausten zurück, leerten
sie in unsere Tanks. Inzwischen war es schon zwanzig vor Acht und die
Tankstellenwartin in Habsheim hatte informiert, dass ihre Abgabestelle nur
bis 20 Uhr besetzt sei und gegen normale Kreditkarten Saft ausliefern würde.
Mit den leeren Behältern fuhren wir nun im „Casino“ vorbei, wo wir
unsere Lebensmittel- Einkäuferin (nach dem Ladenschluss um 19.30 Uhr)
allein auf dem inzwischen leeren, grossen, aber immerhin immer noch
beleuchteten Parkplatz vorfanden. Sie war auch kaum sauer, dass wir erst
jetzt wieder gekommen waren, sondern liess sich unser Malheur in einem Stück
erzählen (Dank Ferienstimmung; Glück gehabt!). Wir schafften dann
noch eine zweite Fahrt, diesmal wirklich ins nähere Center ausserhalb
Sirence. Die dortige Tankstellenhüterin bedauerte zwar auch nur bis 20
Uhr eine Bedienung anbieten zu können, tröstete aber damit, dass man
Samstag morgens schon um 7 Uhr öffnen würde!
Am
Samstag frühmorgens war dann die Welt noch in Ordnung. Das Wetter liess
sich gut an, kurz nach 7 Uhr liefen wir noch einmal die Tanksäule des
Einkaufszentrums (wer mitzählt: Runde Nr. 3) an. Nach der Rückkehr und
dem Umfüllen des Stoffes in die Schiffstanks zeigte unsere Dieselanzeige
(die der Autor liebend gerne einmal einem Lügendetektor aussetzen möchte!)
voll an. Dem Umweltschutz zuliebe verzichteten wir darauf diese Behauptung
mittels weiterem Einfüllen zu verifizieren, sondern machten uns, nachdem
der Kapitän verordnet hatte, dass man sich nicht mit weiteren überflüssigen,
auf reiner Routine beruhenden Abläufen (wie dem Morgenessen, dem Abwasch
etc.) aufhalten solle, auf den Weg nach Strassburg. Ohne Nebel und nur
zeitweise begleitet von feinem Sprühregen glitten wir durch den „Canal
de Hunigue“ Richtung unseres ersten Hindernisses, der Schleuse
Kembs-Niffer. Nachdem wir unser schwimmendes Feriendomizil diesen Frühsommer
(als Kompensation für das gestrichene Sackgeld) mit einer, dank Peter Stäubli
aus Augst voll funktionsfähig eingebauten Funkanlage ausgerüstet hatten,
war es nun aber ein Leichtes unsere Schleusungswünsche auf Kanal 22 am
richtigen Ort abzusetzen.
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Als
wir um 8.15 bei der Schleuse eintrafen, war alles vorbereitet. Kaum
eingefahren, senkte man uns „solo“ ab. Auf die Fahrt auf dem Rhein
(wir wissen natürlich, dass er eigentlich Grand Canal d’Alsace heisst)
hatte sich unsere Crew mit gemischten Gefühlen vorbereitet.
Wir hofften
einfach, dass uns nicht so bald eines dieser grässlich hohe und lange
nachwirkende Wellen produzierenden Hotelschiffe überholen oder
entgegenkommen möge.
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Unsere Erwartungen wurden nicht enttäuscht, die
Fahrt verlief tatsächlich ruhig, bis, ja bis uns dann um ca. 10 Uhr eines
dieser „Monster“ entgegenkam. Es half nichts ganz an den rechten Rand
auszuweichen und die Fahrt zurückzunehmen, die hohen Wellen der „Britania“
schüttelten uns und unsere „Moonlight“ gehörig durch. Dank dem wir
sofort beim Auftauchen dieses Schiffes, alles, was nicht niet- und
nagelfest war, auf dem Boden verstauten, ging diesmal wenigstens nichts zu
Bruch. Bei mehr oder weniger lang anhaltendem Sonnenschein, immer wieder
von einigen Regengüssen durchzogen, passierten wir danach ohne
nennenswerte Wartezeiten Schleuse um Schleuse.
Wir
hatten wohl Glück, dass wir in einem nicht sehr schnell fahrenden Konvoi
von zwei Berufs- Schiffen mithalten konnten. Die kurzen Stops vor den
Schleusen wandelten wir in „Exkursions- Ausflüge“ für unseren Golden
Retriever um. Die Verpflegung wurde von unserer Starköchin „by the
way“ zubereitet und schichtweise verzehrt. Um 18.15, als die Sonne schon
hinter dem Horizont verschwunden war, erreichten wir die Südschleuse vor
Strassburg. Auf einen Funkruf erhielten wir (immerhin) die knapp gefasste
Mitteilung, dass nur bis 18 Uhr geschleust würde, wenn wir weiter
wollten, müssten wir zur Nordschleuse hinunter fahren. Nachdem wir nun
innert
10 Std rund 105 Km. zurückgelegt hatten, beschlossen wir uns
und der Maschine Ruhe zu gönnen.
Im
vom Rhein rund 100 Meter zurückversetzten Yachthafen erhielten wir,
nachdem man auf unsere Anfrage, ob wir über Nacht bleiben könnten, etwas
erstaunt schien, für Ffr. 30.- einen Stegplatz mit Strom-Anschluss (die
einzigste Auflage war, wir dürften diesen nicht über 6Ah belasten, also
keine Heizung einschalten!), der Möglichkeit einen Gemeinschaftsraum mit
Getränkebezugs- Möglichkeit und auch sanitäre Anlagen benutzen zu können.
Kaum hatten wir, sicher noch vor 19 Uhr, das etwas unaufgeräumt wirkende
Hafenareal zwecks Gassi- Gangs mit unserem Hund verlassen, wurden wir vom
freundlichen Hafenwart (mit dem Auto) eingeholt. Er orientierte uns, dass
das Tor zum Hafengelände in den nächsten Minuten geschlossen werde und
wir daher, wenn wir im Schiff übernachten möchten, besser umkehren würden.
Natürlich folgten wir dem gut gemeinten Rat ....... |

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Gegen
2 Uhr morgens wurden wir schlagartig wach, als wir hörten, wie die
Schiffe neben uns gegeneinander und gegen die Stege schlugen. Die
Schwimmpontons selber ächzten und krachten und uns war nun sofort klar,
weshalb sie sich in dem von uns vorgefundenen recht desolaten Zustand
befanden. Die wohl von einem sich schnell auf dem Rhein unterwegs
befindlichen Hotelschiff erzeugten Wellen wurden in dem Hafenbecken zigmal
hin- und hergelenkt bevor sie endlich einebneten. Da es im Moment nur
stockdunkel war und kaum regnete, nutzte der Schreiber die Möglichkeit,
sich auf dem gelochten, rauhen Metallsteg die nackten Füsse rund ums
Schiff zu vertreten (und dabei die Befestigung unseres Schiffes zu
straffen). Morgens um 5 Uhr wurden wir dann ein weiteres Mal geweckt, als
ein weiteres Hotelschiff mit einigem Getöse (ausserhalb der ordentlichen
Schleusenzeiten) die direkt neben unserm Steg liegende Süd-Schleuse
passierte. Alle Crewmitglieder waren sich am nächsten Morgen einig, dass
wir in Kembs, im Vergleich zu
hier, paradiesisch aufgehoben sind.
Am
Sonntag, 27.9. legten wir frisch geduscht und mit einem üppigen
Morgenessen gestärkt, gegen 10.55 ab, da wir vom Hafenmeister orientiert
wurden, dass die Südschleuse Richtung Strassburg alle halbe Stunde
bedient werde. Wir fuhren als einziges Schiff in die geöffnete Schleuse
ein, belegten und warteten. Nach rund 10 Minuten montierten wir den Funk
und unser Kapitän erlaubte sich die Frage, „ob irgend etwas kaputt
sei“. Postwendend kam die etwas gehässige Antwort, dass man unsere
Einfahrt durchaus registriert habe, man uns sogar sehen könnte! Der
Schleusenwärter ergänzte, dass er im Schleusenhaus hoch über der
Schleuse sitze. Wir bemühten uns durch die üppige Blumenpracht vor den
Fenstern in den Steuerungsraumes hinein zu sehen, konnten aber trotzdem
niemanden erkennen (Meister Proper versagte). Kaum war der Funkspruch zu
Ende, wurde das schwere Eisentor aus seiner seitlichen Verankerung mit
einer Art Kran auf Rollen vom einen Schleusenrand zum anderen zugezogen
und der Niveauausgleich von sagenhaften 10 – 15 cm. eingeleitet. Nach
weiteren 5 Minuten bedankten wir uns funkmässig für die gute Arbeit und
wurden nun seinerseits sehr freundlich verabschiedet.
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Das
hinter der Schleuse liegende Industriegebiet wurde rasch durchquert und
die Stadt danach umrundet. In die Stadt hinein konnten wir leider nicht
fahren, da die Brücken viel zu wenig Durchfahrthöhe aufwiesen. Wir
steuerten deshalb, nun auf dem Rhein-Marne
Kanal, gleich weiter Richtung Saverne.
Leider mussten wir auch hier
bald feststellen, dass alle nun folgenden Brücken (schätzungsweise nur
bis max. 3.50 Meter Aufbauhöhe geeignet) für unser Verdeck zu wenig
freien Raum liessen.
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Da es gerade nicht regnete, legten wir also den Gerätebügel
zurück und stellten bald mit Befriedigung fest, dass wir damit offenbar
die Sonne noch etwas angefeuert hatten, sie brach nun nämlich durch die
Wolken, der Himmel riss mehr und mehr auf und wir genossen für mehrere
Stunden wirklich schiffiges Wetter.
Streik!
Nach dem Durchfahren der Radarvoranmeldung bei Schleuse 48 verweigerte
diese ihre Zusammenarbeit. Das Signal verblieb nach unserer Passage, statt
auf Rot/Grün (Schleuse in Vorbereitung) zu wechseln, stur auf „einfach-nur-Rot“.
Da wir keinen Gegenverkehr ausmachen konnten, wurde die Steuerfrau und
unsere „Moses“ ausgesetzt um die heikle, vielleicht sogar etwas gefährliche
Lage „Auge in Auge“ zu inspizieren. Die allerbeste von allen Ehefrauen
beschloss nach gründlichem Lokaltermin, dass ein Defekt vorliegen müsse
und simulierte dann von der Gegenrichtung eine Schiffseinfahrt, indem sie
die Lichtschranke vor dem oberen Schleusentor beeinflusste (dazu musste
sie nur über kaum tiefem Wasser vom Ufer weg über einige dünne
Holzbalken Richtung Kanalmitte balancieren und sich dann etwas über das
Fahrwasser hinaus hängen lassen um damit den Lichtstrahl unterbrechen zu
können .....).
Tatsächlich
schloss sich dann, nachdem auch noch die blaue Stange in der Schleuse
gezogen wurde, das obere Tor, die Wasserkammer entleerte sich und machte
den Weg für unser Schiff frei. Nach der anschliessenden problemlosen
Einfahrt waren wir zwar nun drin, aber immer noch und diesmal empfindlich,
nämlich mathematisch, gefordert: Wie viele Schiffsbewegungen müssen
stattfinden, um der dummen Schleuse etwas in der Art vorzumachen, dass sie
uns nun aufwärts schleusen würde? Der aufmerksame Leser hat es erraten:
deren „Zwei“! Da wir mit unserer Einfahrt nur einmal den Lichtstrahl
unterhalb der Schleuse unterbrochen hatten, war die Schleuse erst der
Meinung, es hätte eine Ausfahrt stattgefunden. Erst nachdem die Frau des
Kapitäns auch auf diesen klugen Gedanken gekommen war und sie danach also
auch noch die untere Schranke einmal manuell manipulierte und damit eine
Einfahrt simulierte, liess sich mit der blauen Stange die Torschliessung
und Schleusung einleiten. Ein nun eintreffender Angestellter der
Kanalwartungsfirma bestätigte die kluge Idee, er soll sogar etwas ähnliches
gesagt haben, wie „Ja, wenn jeder so weit denken würde .....“.
Diesen
Tag war natürlich mit der Ideenschöpferin kein vernünftiges Gespräch
mehr zu führen!
Kurz
vor der Schleuse 41 ist ein Anlegeplatz mit Wasserbunkermöglichkeit in
Dorfnähe vorhanden. Wir steuerten diesen an und blieben für die nächste
Nacht. Einige erfrischende nächtliche Schauer sorgten für die auch bei
den Campern beliebte (jedenfalls wenn das Zelt dicht ist) gemütliche
akustische Kulisse.
Am Montag morgen wurden wir während des Frühstücks
von einem Arbeitskahn mit aufgesetztem Bagger überholt. |

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Wir sahen diesem
nicht sehr schiffig wirkenden Ungetüm noch interessiert nach und dachten
dabei nicht im Traum daran, dass wir dieses bald aufholen und dann fast
einen halben Tag lang unfreiwillig hinter ihm her fahren würden. Tatsächlich
war die Arbeitsplattform aber dank dem Kranausleger so lang, dass sie
jeweils nur alleine geschleust werden konnte. Oder sagen wir es so, dies
hat die aus zwei Personen bestehende Bedienmannschaft wenigstens
behauptet. Wir hatten also die nächsten 8 oder 9 Schleusen immer ein
geschlossenes Tor vor uns und sahen, während wir jeweils davor warteten,
natürlich auch, dass den „Schiffsführern“ der Plattform offenbar üppig
(Arbeits-) Zeit zur Verfügung stehen mussten, denn sie nutzten jede Möglichkeit
für einen Schwatz mit den Kanal- und Schleusenangestellten. Da die
Schleusen nur zwischen einem halben und max. knapp 4 Kilometer auseinander
liegen, war an ein Überholmanöver nicht zu denken.
Gegen
14 Uhr trafen wir schliesslich trotzdem in Saverne
ein. Das Wetter meinte es gut mit uns, das Schloss (des früheren
Kardinals von Rohan) präsentierte sich in vollem Sonnenschein und vor
blauem Himmel. Wir steuerten den Yachthafen, der hier von der Nicols -
Bootsvermietung betrieben wird, an und vertäuten unser Schiff. Inkl.
Kurtaxe wurde uns für Ffr. 53.- die Absolution oder auch nur die
Bewilligung (wir haben nicht das ganze Kleingedruckte gelesen oder es
mindestens nicht verstanden) für eine Übernachtung am Steg erteilt.
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Auf
dem Spaziergang in die Stadt wurden wir in der schön gestalteten Fussgängerzone
von einem Einheimischen angesprochen. Er machte uns Komplimente für
unseren „sehr gepflegten Hund“. Ein Wort gab das andere und wir
fragten, wo wir hier, und um diese Zeit, noch etwas Gutes und Warmes zu
Essen bekämen.
Er orientierte entrüstet, dass wir sicher nicht hier
mitten in der City, speisen dürften, denn hier wäre alles nur für die
„Touristenabfütterung“ vorbereitet, es wäre zu teuer und nicht
speziell gut.
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Wenn wir fein essen wollten, müssten wir noch etwas laufen
und er erklärte uns den Weg zur „Rue du Clef“, ins „Petit
Paris“. Wir gingen also noch ein Stück weiter und fanden das
Restaurant. Inzwischen
war es aber schon Viertel vor Drei. Wir traten ein und fragten den Wirt, ob er
um diese Zeit noch koche. Er schüttelte den Kopf, verwies uns auf die
gegenüberliegende Strassenseite, dort existiere ein Schnellimbiss. Wir
taten optisch kund, dass wir von
dieser Auskunft enttäuscht wären, erwähnten den Umstand, dass uns
offenbar „ein Freund des Hauses“ her geschickt hätte. Er horchte auf,
überlegte nur kurz und bot uns einen Tisch an! Der Einheimische hatte
nicht übertrieben, der Koch legte sich tatsächlich ins Zeug, ein so
dickes, grosses und tatsächlich nur, wie bestellt, „Medium“
durchgebratenes Rindssteak (mit vielen delikaten Beilagen) hat der
Schreiber schon lange nicht mehr auf den Teller bekommen. Nach einem
ersten Bier machten wir dann die Bekanntschaft mit der elsässischen
Variante des „Sausers“. Dieser schmeckt zwar ähnlich wie unserer, er
ist aber nicht von roter Farbe, sondern sieht eher aus wie ein heller
Obstsaft. Nach Genuss des Desserts und rund 1 ½ Stunden Aufenthalt
verliess unsere Crew, rundum sehr zufrieden und um „nur“ insgesamt
rund Ffr. 350.- (inkl. gutem Trinkgeld) geschmälert, das eher
unscheinbare Lokal. Während des Essens hatten wir, nachdem wir vom
Wetterbericht für die weiteren Tage nicht eben erbaut waren,
abgesprochen, dass wir hier zwar noch übernachten, aber am nächsten Tag
dann umkehren würden. Es reute uns zwar, nicht wie eigentlich geplant,
bis nach Lutzelbourg zu gelangen, aber eine durchgehend verregnete
Weiterfahrt schien uns auch nicht besonders verlockenswert.
Apropos
nicht verlockenswert: Schade
fanden wir auch bei dieser Tour (wir waren nicht zum ersten Mal hier auf
dem Rhein-Marne-Kanal) die Begegnung mit den vielen tot im Kanal
treibenden Tieren. Wir entdeckten in lockerer Folge aufgedunsene Igel,
mehrere Füchse, ein Reh (vor 3 Jahren sogar ein Kalb!) welche offenbar
irgendwo über die zwar nur ca. ½ Meter hohe aber für Tiere nicht
erklimmbar steile und damit keinen Halt bietende Kanalwand (in den Boden
gerammte Larsen) ins Wasser gefallen waren. Unser extrem tierliebende
Bord-Teenager beschloss den WWF anzuschreiben und über diese nicht sehr
tierfreundliche Einrichtung, die wohl mit wenig finanziellen Mitteln
verbessert werden könnte, zu orientieren. Die beim Kanalbau konstruierten
Tritte mit Netzen sind (zu) weit auseinander, grösstenteils weggerostet
und deshalb nicht mehr brauchbar. Vielleicht schliessen sich noch weitere
Leute, die ähnliche Beobachtungen machten, an?
| Auf
dem Schiff entdeckten wir dann bei einem Routine-Check, dass die
Tankanzeige nach rund 20 Stunden Fahrt (!) nur noch einen Inhalt von einem
mageren Viertel vorgaukeln wollte (im Bauch unseres Schiffes sind Tanks für
rund 450 Liter eingebaut). Wir glaubten der Anzeige zwar selbstredend
nicht, waren aber dennoch nicht (mehr) recht ruhig, dass vom Instrument
infiszierte Vertrauen war ins Wanken geraten. |

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Nach wüsten Prognosen (vor allem von
Seiten der besten Co-Steuerfrau
von allen) „was wäre wenn .....“ besuchten wir also das Touristikbüro
und erhielten dort prompt und (gratis!) einen Stadtplan. Darin zeichnete
die freundliche Angestellte zwei Kreuze und erwähnte „hier hat es
Tankstellen“. Es war fast allen klar, dass nur eine der Stationen
wirklich in Frage kam, diejenige natürlich, die sich wenigstens (fast) in
Sichtweite des Kanals befand. Da sich das diese Station bezeichnende Kreuz
im oberen Stadtteil, also oberhalb der „City-Schleuse“ befand,
schleusten wir nun hinauf und legten gleich 100 oder 150 Meter (noch vor
der ersten Brücke!) später am eisernen Handlauf zwischen Trottoir und
Kanal an und belegten. Die Tankstelle war ganz einfach zu finden: Über
eine Treppe hinauf (grob geschätzt vielleicht etwa 60 – 70
Treppenstufen), dann ca. 100 Meter leicht abfallend, der Strasse entlang
Richtung der Rosenausstellung (nicht über die Brücke, in die
entgegengesetzte Richtung) und schon stand unser für schwere Tragarbeiten
(dasselbe welches auch Geschichten schreibt) auserkorene Crew-Mitglied vor
einer funktionierenden Dieseltanksäule. Da jedesmal nur 2 (je 20 Liter
fassende) Bidons mitgenommen werden konnten, ergab sich ein netter Kontakt
zur jungen, attraktiven Tankstellenkassierin. Bei jedem Zahlvorgang lernte
man sich besser kennen. Wir wissen nun, dass sie mind. ein Kind hat, einen
jungen Hund aufzieht, der Sohn diesen gerne und immer wieder etwas hänselt,
etc. etc. Nach 5 Fitness-Touren à je 40 Litern rückte unsere Tankanzeige
auf „Fuel“ (wir wussten doch, das die Anzeige lügt!) und der Kontakt
zur Fina-Station brach so schnell wieder ab wie er zustande gekommen war.
Trauriges aber sich jeden Tag ereignendes Schifferschicksal!
Am
nächsten Morgen (wir schrieben den 29.9. ins Logbuch) besuchten wir noch
einmal die Stadt, bummelten herum, ergänzten unseren Proviant. Den
Liebhabern von Süssigkeiten empfehlen wir unbedingt sich auch in den
Patisserie-Geschäften nicht nur umzusehen sondern sich üppig
einzudecken. Gegen 13 Uhr und abwechselnd Sonnen- und Regenschauern legten
wir ab. Wir wollten bis zum Einnachten unbedingt Souffelweihersheim
erreichen und dort unser vor ca. 3 Jahren erstmals gemachtes
Flammenkuchen-Erlebnis (eine wirklich „starke“ elsässische Spezialität)
auffrischen. Auf halber Strecke, vor einer mittelstark gekrümmten
Rechtskurve, nahmen wir auf unserer Kanalseite einen Fischer mit mehreren
Angelruten wahr. Als wir gerade zum Ausweichen ausholen wollten (wir mögen
die Kanalfische nicht sehr), sahen wir ausgangs der Kurve, also in
vielleicht noch 150 Metern Distanz, eine mit zügiger Fahrt in Kanalmitte entgegenkommende dunkelbraun bemalte Péniche.
Wir nahmen sofort Fahrt zurück
und beschlossen nicht nur zu beten, sondern unserem Entsetzen auch mittels
der Hupe Ausdruck zu verleihen.
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Damit hofften wir sogar zweierlei zu
erreichen:
Das 1. der Fischer seine bis fast zur Kanalmitte geworfenen
Leinen einholen sollte;
2. die Péniche ihrerseits die Fahrt zurücknehmen
und sich mindestens etwas rechts der Kanalmitte halten möge. Beides
geschah aber nicht! |
Den Angler (der wegen viel Gebüsch die Péniche wohl
noch gar nicht gesehen hatte) schien weder unser Nahen noch unser Hupen zu
stören und der Pénichenfahrer war wohl vom „absoluten Recht des Stärkeren“
beflügelt. Wir hupten also noch mehrere Male, worauf dann wenigstens der
Angler beschloss, seine Leinen zu retten. Nun betrug der Abstand zum
Lastschiff höchstens noch 20 oder 30 Meter und wir schätzten den uns
verbleibenden Raum am rechten Kanalufer auf vielleicht etwa 12 – 13
Meter Breite. Es war uns klar,
dass dies, da die Geschwindigkeit des tief beladenen (rund 38 Meter
langen, knapp 5 Meter breiten) Berufsschiffes noch immer nicht reduziert
wurde, es mit grosser Bugwelle entgegenkam, sehr
knapp werden würde. Ebenso klar war unserem Steuermann, dass wir
nicht weiter bremsen resp. nurmehr mit Standgas weiterfahren durften. Eher
das Gegenteil schien angezeigt, wollten wir mit unserem Schiffchen nicht
den Bug der Péniche unschicklich verzieren. Also griffen nun auch wir
(also es war eigentlich nur Einer; der im Moment Beherzteste von uns),
ganz kurz bevor wir von der Bugwelle erfasst wurden, zum Gashebel und
gaben „Stoff“ und dies nun wirklich pur und offenbar keine Sekunde zu
früh. Wir merkten noch, wie uns der Sog der Bugwelle des Lastschiff
anziehen wollte und dann, praktisch im gleichen Moment, aber auch die
Motorkraft unseres starken Diesels, der uns nun sicher durch die schmale
Passage brachte. Volvo sei Dank;
dies war knapp!! In der Eile des Gefechtes kamen wir leider nicht einmal
dazu den Namen des Pénichen-Rowdy‘s zu notieren, wir hätten ihn uns
sonst sicher gemerkt und Euch natürlich genannt.
Ganz
knapp vor halb acht Uhr legten wir am Quai in Souffelweihersheim an und
versuchten mit Hilfe der Mannschaft eines anderen Schiffes unser Boot
anzubinden. Während sich beim Bug keine Probleme ergaben, wollte sich das
Heck partout nicht parallel zum Quairand ziehen lassen. Wir vermuteten
eine Untiefe in Form einer Sandbank. Da die Schiffsführer vor uns (kontaktfreudige, jassende Mietbootfahrer, die mittels Plakataushang an
den vorderen Kabinenfenstern „eine naive Blonde, mit den Massen
90-60-90, für allerlei Arbeiten an Bord“ anheuern wollten, offerierten
noch etwas weiter vor zu ziehen, rutschten wir nach und dann klappte es.
Kaum fertig vertäut machten wir die Bekanntschaft mit einem sehr
freundlichen Hafenwart, der noch seine abendliche Kassierfahrt unternahm.
Er anerbot, auf die Steggebühr zu verzichten, wenn wir ihm dafür unseren
„Goldie“ überliessen. Da wir niemanden übervorteilen möchten (so
ein Hund macht viel Arbeit), lehnten wir dankend ab, berappten dafür für
den Platz Ffr. 25.- (inkl. Stromanschluss). Kurz vor Einbruch der
Dunkelheit machten wir uns dann auf den Weg ins direkt neben der Schleuse
gelegene Restaurant (den Namen haben wir leider vergessen), wo wir fürstlich
Elsässer Spezialitäten verspiesen.
| Auch hier erregte
ungewohnterweise unser (immerhin
schon über 7 jährige) Hund wieder Aufsehen, ein junger Kellner flippte
fast aus, brachte ihm von sich aus Wasser (!), sprach mit ihm, streichelte
ihn immer wieder. |

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Nach
kurzer Nachtruhe vernahmen wir kurz
nach 6 Uhr am Mittwoch Morgen, dass eine erste Péniche
bergwärts schleuste, wenig später hörten wir sporadisch ein hässliches
Knirschen aus Richtung unseres Schiffsbodens (an der tiefsten
Stelle max. 1.25 unter der Wasserlinie). Wir konstatierten es zwar höchst
ungern, mussten dann aber eingestehen, dass sich durch die Schleusung wohl
der Wasserstand ganz gering, aber eben doch etwas abgesenkt hatte und wir
nun immer mal wieder Grund- resp. Schlickberührungen spürten. Da wir das Geräusch, dass
sich bei jeder kleinen Welle wiederholte, nicht länger mit anhören
konnten, stiegen wir, mind. zwei Stunden vor der Planung, in unsere
klammen Kleider, starteten den Motor, so leise wie irgend möglich (ein
Witz in sich!), es waren ja noch mind. 3 andere schlafende Besatzungen auf
den Nachbarschiffen verteilt und wollten ohne Benützung des Steinbrechers
(sprich Bugstrahlers) an einen noch freien Platz am Steg in Kanalmitte
(der aber keine Stromanschlüsse besitzt) umlegen. Wir kamen jedoch nicht
weit, sondern mussten bald feststellen, dass das Hafenbecken in Richtung
der Slipstelle noch flacher wurde und der Rumpf bald im Schlick fest zu
stecken schien. Also setzten wir wieder zurück und belegten dann unser
Schiff an der Aussenseite des Steges, kurz vor der Einfahrt in die
Schleuse. Als wir unser Manöver endlich beendet hatten, waren alle im näheren
Umkreis wach. Nur des „Gwunders“ wegen stakten wir dann mit dem
Bootshacken der Quaimauer, wo wir zuerst angelegt hatten, entlang und
stellten dabei fest, dass der Wasserstand bis ca. einen halben Meter vom
Ufer entfernt, höchstens einen Meter betrug. In ca. einem Meter
Wassertiefe befand sich etwas Hartes, durchgehendes, eine alte Mauer? Also
Suffelweihersheim-Besucher mit Tiefgang: Achtung
beim Belegen an der dorfnahen Mauer!
Bald
setzte dann der Regen, welcher uns nun den ganzen Tag begleitete, ein und
es wurde spürbar kühler. Wir beschlossen trotzdem einen
Strasbourg-Stadtbummel zu unternehmen und suchten die nächste
Bushaltestelle. Der Bus kam bald und wir stiegen ein. Der Chauffeur, an
dem wir, da nur die vorderen Türen aufgingen, einfach vorbei mussten,
zeigte entsetzt auf unseren Hund und meinte, er dürfte diesen nicht
befördern.
Nachdem darauf aber nun mind. 4 verständnislose Augenpaare (3 unter
nassen, tropfenden Pelerinen, 1 auf vier Beinen) ebenfalls entsetzt zurücksahen,
verzichtete er darauf die Aussage zu wiederholen. Er zuckte also die
Schultern und verkaufte uns entsprechende Fahrkarten. In gut 20 Minuten
Fahrt erreichten wir mit seinem Bus das Zentrum von Strasbourg. Unser Hund
unterhielt in dieser Zeit einige Fahrgäste, mind. sie bedauerten dann,
dass wir ausstiegen. Am Ziel überlegten wir, ob wir den Buschauffeur
bitten sollten, uns in zwei Stunden wieder abzuholen, liessen es dann aber
doch sein; man soll den Bogen ja nicht überspannen. Wir liefen solange
durch die nasse, kalte Stadt, bis wir in unseren Turnschuhen Goldfische hätten
züchten können und waren dann auf alles gefasst, als wir schliesslich
wieder einen Bus für die „Heimfahrt“ bestiegen. Doch nichts
passierte, diesem Chauffeur war es offensichtlich egal, mit wem wir und
wer mit uns die Freizeit verbrachte. Kurz nach Mittag waren wir wieder zurück,
erinnerten uns an die gute Verpflegung am vergangenen Abend. Also
steuerten wir geradeaus wieder auf das direkt neben dem Hafen gelegene
Restaurant (dessen Name uns noch immer nicht wieder einfiel) und wollten für
den ersten Hunger einige Portionen „Pommes“ holen. Doch oha lätz, wir
kamen kaum zwei Meter in Richtung der Tische, als sich eine gestrenge Dame
vor uns „aufbaute“, uns sehr strafend ansah und auf das (wirklich)
ganz kleine Schild an der Türe verwies. Wir sahen natürlich sofort in
die gezeigte Richtung und entdeckten darauf einen jener langgestreckten
Dackel die ein Kreuz auf dem Rücken tragen. Es half nichts, dass sich der
Schreiber die vom Regen und dem Temperaturwechsel total angelaufene Brille
abnahm und hilflos irgend etwas für deren Reinigung suchte. Auch der
Hinweis, dass man uns gestern abend mit Hund sehr willkommen geheissen hätte,
fiel nicht auf fruchtbaren Boden, unser Hund musste raus. Eine Ausnahme wäre
ein Präjudiz ......, meinte sie.
Kurz
nach Entfernung des nun auch aus unserer Sicht schrecklichen Tieres (wir
hatten Hunger!) erhielten wir dann „über die Gasse“ (sagen die
Franzosen „au-dessus la rue“?) doch eine satte Portion Fritten. Nach
deren Verzehr legten wir ab. Wir bestätigten uns in den folgenden Stunden
gegenseitig (immer wieder), dass sich zwischen den vielen tiefen Brücken
eine Montage unseres Cabrioverdeckes gar nicht lohnen würde und übten
die Position „Im Regenkombi ganz aufrecht im Regen“ solange,
bis wir
garantiert eine tragende Rolle in der Fisherman- Werbung erhalten hätten,
wäre hier zufällig gedreht worden. Unterhalb Strasbourgs wechselten wir
dann in den Anfang (oder das Ende, je nach Standpunkt) des Rhein- Rhone-
Kanals und kamen, da ganz allein unterwegs (wer geht bei
diesem Wetter schon freiwillig ins Freie?) gut voran.
Vor Booftsheim
trafen wir, viel hätte wirklich nicht gefehlt, fast auf entgegenkommende
Mietbootfahrer von der Sorte „wir mähen alles nieder“, resp. „hängen
wir doch die Sau raus, es ist ja nicht unser Boot“. Zu dritt
nebeneinander steuernd machten sie wohl ein Mutprobe à la „denn sie
wissen nicht was sie tun“, wer sich von den kaum 20 jährigen „Steuermännern“
am längsten getraute geradeaus, auf klarem Kollisionskurs, zu fahren.
Dass diese Truppe die Schleusen vor uns bereits hinter sich gelassen
hatten, merkten wir auch den Stangen an, die man zur Einleitung der
Schleusenvorgänge in diesem Kanalabschnitt zu ziehen hatte: Sie waren
allesamt mehrfach um das Tragseil herum geschleudert worden, konnten vor mühsamer
Entwirrung gar nicht mehr betätigt werden. Zweimal mussten wir auf diesem
Abschnitt über das an den sehr schönen Schleusenhäusern (jedes Jahr
werde eines davon von der Kanalgesellschaft aufwendig komplett renoviert
und den eigenen Angestellten zur Verfügung gestellt) montierte Telephon
einen Kanalangestellten kommen lassen, weil hier zur Schleusenbewältigung
nicht einmal mehr die Tricks der Gattin des Schreibers halfen.
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Und
wenn es auch den ganzen Mittwoch über geregnet hatte, wurden wir an
diesem Abend Zeugen einer der schönsten Sonnenuntergänge: Kurz bevor die
Dämmerung einsetzte, hörte es auf zu schütten, die Wolken lösten sich
auf und eine dunkelrote Kugel verschwand hinter den Waldbäumen am
Horizont!
Mit dem letzten Licht erreichten wir den von einer
Bootsvermietung unterhaltenen Hafen von Booftsheim. Zwei Crewmitglieder
von anderen Schiffen nahmen im Dunkeln unsere Leinen entgegen und belegten
diese an der Quaimauer.
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Kurz nach unserem Anlegemanöver und kaum hatten
wir das Cabrio montiert, begann es wieder zu schütten. Dank gutem und
ausreichend dimensioniertem Stromanschluss heizten wir die Feuchtigkeit
aus Schiff und Kleidern.
Am
Donnerstag, 1.10. legten wir gegen den Mittag, nachdem wir zuvor noch das
hübsche Dorf mit reichlich Fachwerkhäusern besichtigt hatten, ab und
wurden wenig später vom nächsten Schleusenwärter, kurz bevor der Kanal
bei Rhinau in den Rhein mündet, darauf aufmerksam gemacht, dass ab heute
die Schleusen abends nur noch bis 18 Uhr, nicht mehr bis 19.30 bedient würden.
Wir fuhren dann ca. 40 km. den Rhein hinauf, realisierten, dass es bergwärts
tatsächlich ein gutes Stück länger dauert, resp. glaubten zeitweise
kaum mehr vom Fleck zu kommen. Die Sonne wechselte mit Regenschauern rege
ab, kämpfte offensichtlich um Platzvorteile.
Um
ca. 17.30 erreichten wir Neuf Brisach und wollten dort in den „Colmar-Kanal“ einbiegen. Natürlich sahen wir vor der Schleuse das
Schild, welches aufmerksam machte, dass jede Schleusung vorgängig
anzumelden sei. Wir liessen uns davon aber nicht ins Bockshorn jagen,
sondern griffen zum Funk und warteten auf Antwort. Tatsächlich ging es
nicht lange und wir wurden nach unserem Begehr gefragt. Nachdem wir eher
flehend als trotzig unseren Schleusungswunsch nannten, wurden wir knapp
gefragt „wann?“ und als wir „lieber heute als morgen“ antworteten,
liess man uns wissen, dass schon jemand unterwegs sei (!!). Der Schleusenwärter
erschien innert Minuten und orientierte, dass wir wohl nicht mehr weit kämen,
riet uns am schönen Steg, kurz vor der 2. Schleuse, anzulegen. Leider wäre
niemand mehr hier, um den Strom einzuschalten, ob es auch so ginge? Den
Batterien sei Dank, es ging gut auch ohne Netzanschluss. Als wir belegt
hatten, schien wieder die Sonne. Unser Teenie schnappte sich einen Beutel
und den Hund (oder umgekehrt) und kam nach einer halben Stunde mit einem
halbvoll gefüllten Sack voller Baumnüsse wieder zurück.
Auch
an dieser Anlegestelle liess sich, wie bei der letzten Übernachtung, bis
zum anderen Morgen kein Steuer- oder Kurtaxeneintreiber blicken.
Als
wir am Freitag morgen erwachten, bemerkten wir erstmals (auf einem Schiff)
wie wenig man sieht, wenn sich rundherum Nebel breit gemacht hat. Die
Abfahrt in dieser Suppe war u.E. nicht möglich und wir beschlossen darum
zu warten bis es aufklart. Nach 10 Uhr kam der freundliche Schleusenwart
(von gestern abend) vorbei, erkundigte sich, ob wir eine Panne hätten?
Dann erklärte er uns nochmals das Prozedere der selbst zu bedienenden
zweiten Schleuse. Wir beruhigten ihn, dass wir dies sicher schaffen würden
und staunten dann aber tatsächlich, warum ausgerechnet die Voranmeldung
bei dieser Schleuse nicht durch einfaches Ziehen oder Drehen an der über
dem Kanal hängenden Stange (wie bei den meisten anderen) funktionierte
und warum in der Schleusenkammer angekommen, eine (immerhin) blaue Stange
nach unten gezogen und nicht, wie sonst üblich, angehoben werden musste.
Dann
folgten viele Brücken, die wohl nur etwas zu wenig hoch waren, um das
Verdeck stehen zu lassen. Da es aber nicht regnete, liessen wir es unten,
genossen die herrliche Fahrt durch diesen sehr schönen Kanal. Zur
Auffrischung unseres Vitamin-Haushaltes gelang es uns erstmals direkt ab
dem Schiffsdeck über den Kanalrand hinaus hängende Äste von Baumnussbäumen
zu erleichtern. Gegen 13 Uhr wurden wir per Funk vom freundlichen
Schleusenwärter ein weiteres Mal kontaktiert, er fragte nach, ob wir die
Schleuse 2 gut gemeistert hätten? Die Schleuse Nr. 3, kurz vor der Stadt
war dann dafür aber nicht besetzt und wir mussten eine Weile, ohne
richtige Anlegemöglichkeit, warten. Nach Ankunft der Personals und
erfolgreicher Schleusung wurden wir gefragt, wann wir wieder zurückfahren
wollten. Mutig nannten wir eine Zahl: Um 9 Uhr! Die Fahrt nach der
Schleuse auf brackigen Wasser bis zum Hafen war dann nicht mehr besonders,
rund 15 Minuten lang konnte (nur) ein Industriegebiet besichtigt werden.
Im
sehr schönen, absolut super gepflegten Hafen (mit Kinderspielplatz,
Blumenbeeten, Tischen und Bänken sowie Grillstellen) von Colmar wurden
wir auf einmaliges kurzes Hupen sofort begrüsst. Eine sehr freundliche
und kompetente Frau wies uns den Weg an einen Steg. Wir machten dem N.C.
Kembs alle Ehre und parkierten trotz nicht üppiger Platzverhältnisse
fehlerfrei und in einem Anlauf rückwärts zwischen Quaimauer und
Schwimmponton ein. Auf dem Büro erhielten wir dann gegen Erstattung der
Übernachtungsgebühr von gut Ffr. 80.- (Strom und Wasser inklusive) einen
Badge um das Gelände verlassen und, was uns noch wichtiger schien, auch
wieder betreten zu können. Da es (noch immer) nicht regnete, machten wir
einen Stadtbummel, die ersten Meter begeisterten dabei nicht, die
Innenstadt dafür aber umso mehr!
Wieder
auf dem Schiff zurück und mit der auf den Wetterbericht abgestützten
Gewissheit, dass es morgen Samstag heftig regnen würde, griff der Autor
zum Schraubenzieher und entfernte mit einem Arbeitsaufwand von nur wenigen
Minuten die üppig Höhe verlangenden Positions- und Ankerlichter und den
ebenfalls auf dem Gerätebügel montierten Scheinwerfer.
Mit
diesem gestutzten Outfit schafften wir es dann am letzten Reisetag tatsächlich
das Verdeck geschlossen zu halten und die recht zahlreichen Brücken auf
dem Rückweg (übrigens gleich viele wie am Vortag) ohne
Schäden zu unterfahren (wir erwähnen dies nur speziell, weil es uns
bisher nicht immer gelang; wir erinnern uns noch klar an eine garstig
tiefe Eisenbahnbrücke in Holland wo wir unsere Beleuchtung vor 2 Jahren
noch schneller, dafür aber gewaltsam entfernten.......).
Kurz
vor 9 Uhr legten wir also am Samstag Morgen bei feinem Nebel in Colmar ab.
Leider realisierten wir erst jetzt, dass direkt neben dem Hafengebäude
eine Tanksäule stand. Da wir eine Schleusenzeit vorangekündigt hatten,
entschlossen wir, nicht entspannt und mühelos (wenigstens einmal hätte
man sich diesen Luxus ja wirklich leisten können) zu bunkern, sondern
fuhren weiter. Nicht zu früh, nur dank der unbeirrten Weiterfahrt
schafften wir es nämlich noch kurz vor Mittag eine Schleusung in den
Rhein zu „erhalten“.
In
den grossen Rheinschleusen „Vogelgrün“ und „Fessenheim“ wurde die
„Moonlight“ in der kleinen Schleusenkammer exklusiv und in
„Ottmarsheim“ sogar solo in der grossen Schleusenkammer (185 x 22,8
Meter) angehoben. Die solo-Schleusung in Kembs-Niffer genossen wir quasi
noch als Dessert und waren schliesslich froh, um 18.15 wieder in Kembs
unseren Steg vorzufinden.
Das
Bordbuch verriet nach seiner Bereinigung, dass unsere Maschine in der
vergangenen Woche 49,1 Std. lief und wir in dieser Zeit 115 SM (=213 km)
zurückgelegt hatten. Der Dieselverbrauch unseres knapp 200 PS leistenden
6 Zylinder-Turbo-Diesels ist dank der lügenden Anzeige nicht genau zu
eruieren, er wird aber auf Grund des Lochs in unserer Bordkasse auf gegen
400 Lt. geschätzt.
Der
Artikel erschien in den L'ancre de Kembs Ausgaben Nr. 3 - 5 im Jahre 1999
Ó
F. Engeler, Zufikon, 25.10.1998
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