erz_saverne
Sprit(z) - Tour nach Saverne 
im  Herbst 98
 
   

       ein Reisebericht der Moonlight-Crew; Fredy, Heidi und Katja Engeler, Zufikon, CH
 

5 Wochen Schiffsurlaub im Sommer, während denen wir auf dem „Rhein-Rhone-Kanal“, der „Saône“ und der „Seille“ grob geschätzt 280 Schleusen meisterten, ca. 1000 km. Fahrdistanz zurücklegten, manch harte Entbehrung erleiden mussten (meist war dann kein kühles Bier mehr im Kühlschrank) aber kaum Regenfälle durchmachten, können als Jahresziel nicht ausreichen. Dies dachte sich jedenfalls die demokratisch festgestellte Mehrheit unserer immerhin 3-köpfigen Familie (wobei der Hund diesmal kein, unsere noch minderjährige Tochter nur ein halbes Stimmrecht besass) und so brachen wir am Freitag, den 25.9.98 nochmals zu einigen Tagen Schiffsvergnügen auf.

Natürlich hatten wir als ausgefuchste Routiniers (schwimmen können wir schon lange und seit fast 2 Jahren kommen wir für den Unterhalt eines eigenen schwimmenden Untersatzes auf) den ganzen Törn stundenlang generalstabsmässig geplant und umfassend vorbereitet, als wir um 16.45 Uhr ab unserem im Kanton Aargau gelegenen Wohnort losfahren wollten. Unsere Familie übt als Reisevorbereitung nämlich ein todsicheres Rezept: Schon etwa 2 oder 3 Wochen bevor wir fahren, wird, meist am gleichen Ort, ein Gegenstand, meist ein Tisch im Keller, zum „Depot“ ernannt. Darauf (nicht etwa darunter!) sind dann alle Gegenstände, die unbedingt mitmüssen, hinzulegen. Was zur „Stichzeit“ nicht hier liegt, wird nicht befördert, so will es eine im Familienrat getroffene klare Vereinbarung. Dank dieser Regelung, die natürlich gnadenlos eingehalten wird, war es dem umsichtigen Chauffeur der Familie auch diesmal möglich, richtig einzuschätzen wie unser Lastesel (ein grosser Kombi) optimal beladen werden konnte.  
Wie jedes Mal hatte die ganze Mannschaft auch diesmal, nachdem sie endlich den Weg in die Garage gefunden hatte (wobei wir den Hund, wie immer, suchen mussten, da er nicht gerne Auto fährt) noch viel „Handgepäck“ dabei. 


Dieses setzt sich meistens aus all jenen Sachen zusammen, die eben nicht ins Depot gegeben wurden. Vor der Abfahrt mussten nun noch all diese

„Ohne-sie-geht-es-wirklich-nicht“ 

Gegenstände (deren Platzbedarf nicht etwa zwangsweise klein sein muss!) so verstaut werden, dass dem Hund im Nachhinein nicht recht gegeben werden musste, als er die Mitfahrt strikte ablehnte.  

Als wir also um 17.15 endlich die Garage verliessen, stellte sich, wie jedesmal, schon nach wenigen Metern, bei uns allen das eklige Gefühl ein, etwas „ganz, ganz Wichtiges“ vergessen zu haben. Wobei den Schreiber selber nur die kaum ins Gewicht fallende Ungewissheit plagte, ob die Haustüre wirklich verschlossen wurde. Sicher war bei der Abfahrt also nur, dass wir bereits die offenbar auf irgend einem physikalischen Familiengesetz beruhende, damit gleichwohl berüchtigte „halbe Stunde hinter dem vom Kapitän exakt festgelegten Zeitplan lagen.  

Die „Rückstandszeit“ verlängerte sich dann wegen eines geringen Unfallstaus von wenigen Kilometern Länge noch etwas. Dies weil auf der Autobahn, kurz vor Basel (wo sonst?), auf der Gegenspur einige ungeduldige „Sonntagsfahrer“ an diesem Freitagabend, wo der Witterung nun wirklich nicht schuld gegeben werden konnte; es regnete nur so stark, dass man den Vordermann auf wenige Meter Distanz noch gut sehen konnte, wenn man sich nur etwas anstrengte, Energie und wohl auch viel Geld vernichtet hatten. Kurzum, wir trafen dennoch, weil das Autobahnnetz in und um Basel (wo sonst?) gut funktioniert, wenig später in Kembs (für die nicht ortskundigen Leser: Es liegt ca. 15 Km. ausserhalb Basels im Elsass) ein.  

In des Schreibers Zeitplan war natürlich einberechnet, dass wir vor Törnbeginn, der pünktlich Samstag morgens, Punkt „sehr Früh“, hätte beginnen sollen, noch Diesel bunkern mussten. 

Mit Genugtuung hatten wir an den vergangenen Wochenenden ausgespäht, dass auf dem Platz vor dem „Casino“ Einkaufscenter (eine gute Adresse!) in den letzten Wochen eine auch diese Flüssigkeit verkaufende Tankstelle erbaut wurde. 


Wir fuhren also zum Schiff, deponierten dort die mitgebrachte Ladung, packten die im Motorraum des Schiffes verstauten zwei Dieselbidons ein und fuhren dann zum nahen Supermarkt. Geplant war, die Mutter und Co-Steuerfrau vor dessen Eingang auszusetzen und dann die Tankstelle mehrere Male anzufahren. Wir rechneten (naiverweise), dass zwei Fahrten von der Tankstelle zum Schiff möglich sein sollten, bis die auch als Köchin waltende Vorerwähnte die Regale leer geräumt haben würde. Es kam anders. Mit Hund und Tochter fanden wir zwar die in der beginnenden Dunkelheit nicht mehr von weitem erkennbare, dafür einzige Einfahrmöglichkeit zu den Tanksäulen und dachten uns noch nichts, als wir auf den Säulen keine Möglichkeit erblickten, unser mühsam und im letzten Augenblick gewechseltes Bargeld in französischer Notenform in einen dieser dünnen „Einweg-Schlitze“ zu stecken, schliesslich gelten wir ja als kreditwürdig und sind mit allerlei Plastikkarten bewaffnet, aber dann mussten wir es doch wahrhaben; diese Säulen (die sicher über Unmengen des von uns begehrten Saftes thronen) versorgen nur Leute, die eine „Casino“ Karte besitzen!

Da die Zeit drängte, verloren wir nicht mehr viel Zeit und beschlossen im geschrumpften Familienrat (Tochter und Schreiber) quasi als Notstands-Massnahme, unsere Frau und Mutter temporär auszusetzen und uns nach einer anderen Versorgungsmöglichkeit umzusehen. Der Schreiber erinnerte sich vage, weitere Dieselsäulen in einem anderen Center, glaublich etwas ausserhalb von „Sirence“, gesehen zu haben. Da wir dabei das Dorf Kembs auf der falschen Strasse verliessen (am gegenüberliegenden Ortsausgang, dies kann aber nun wirklich nicht an unserem schon fast sprichwörtlich guten Orientierungssinn, sondern nur an der schon eingebrochenen Dunkelheit gelegen haben), gelangten wir schliesslich nach „Habsheim“. Die Hinfahrt verlängerte sich leider auch noch, weil ausgerechnet heute diese Strasse mit einer „Deviation“ versehen war. Was soll’s?

Wir füllten also in Habsheim unsere 2 Kanister und brausten zurück, leerten sie in unsere Tanks. Inzwischen war es schon zwanzig vor Acht und die Tankstellenwartin in Habsheim hatte informiert, dass ihre Abgabestelle nur bis 20 Uhr besetzt sei und gegen normale Kreditkarten Saft ausliefern würde. Mit den leeren Behältern fuhren wir nun im „Casino“ vorbei, wo wir unsere Lebensmittel- Einkäuferin (nach dem Ladenschluss um 19.30 Uhr) allein auf dem inzwischen leeren, grossen, aber immerhin immer noch beleuchteten Parkplatz vorfanden. Sie war auch kaum sauer, dass wir erst jetzt wieder gekommen waren, sondern liess sich unser Malheur in einem Stück erzählen (Dank Ferienstimmung; Glück gehabt!). Wir schafften dann noch eine zweite Fahrt, diesmal wirklich ins nähere Center ausserhalb Sirence. Die dortige Tankstellenhüterin bedauerte zwar auch nur bis 20 Uhr eine Bedienung anbieten zu können, tröstete aber damit, dass man Samstag morgens schon um 7 Uhr öffnen würde!  

Am Samstag frühmorgens war dann die Welt noch in Ordnung. Das Wetter liess sich gut an, kurz nach 7 Uhr liefen wir noch einmal die Tanksäule des Einkaufszentrums (wer mitzählt: Runde Nr. 3) an. Nach der Rückkehr und dem Umfüllen des Stoffes in die Schiffstanks zeigte unsere Dieselanzeige (die der Autor liebend gerne einmal einem Lügendetektor aussetzen möchte!) voll an. Dem Umweltschutz zuliebe verzichteten wir darauf diese Behauptung mittels weiterem Einfüllen zu verifizieren, sondern machten uns, nachdem der Kapitän verordnet hatte, dass man sich nicht mit weiteren überflüssigen, auf reiner Routine beruhenden Abläufen (wie dem Morgenessen, dem Abwasch etc.) aufhalten solle, auf den Weg nach Strassburg. Ohne Nebel und nur zeitweise begleitet von feinem Sprühregen glitten wir durch den „Canal de Hunigue“ Richtung unseres ersten Hindernisses, der Schleuse Kembs-Niffer. Nachdem wir unser schwimmendes Feriendomizil diesen Frühsommer (als Kompensation für das gestrichene Sackgeld) mit einer, dank Peter Stäubli aus Augst voll funktionsfähig eingebauten Funkanlage ausgerüstet hatten, war es nun aber ein Leichtes unsere Schleusungswünsche auf Kanal 22 am richtigen Ort abzusetzen.

Als wir um 8.15 bei der Schleuse eintrafen, war alles vorbereitet. Kaum eingefahren, senkte man uns „solo“ ab. Auf die Fahrt auf dem Rhein (wir wissen natürlich, dass er eigentlich Grand Canal d’Alsace heisst) hatte sich unsere Crew mit gemischten Gefühlen vorbereitet. 

Wir hofften einfach, dass uns nicht so bald eines dieser grässlich hohe und lange nachwirkende Wellen produzierenden Hotelschiffe überholen oder entgegenkommen möge. 


Unsere Erwartungen wurden nicht enttäuscht, die Fahrt verlief tatsächlich ruhig, bis, ja bis uns dann um ca. 10 Uhr eines dieser „Monster“ entgegenkam. Es half nichts ganz an den rechten Rand auszuweichen und die Fahrt zurückzunehmen, die hohen Wellen der „Britania“ schüttelten uns und unsere „Moonlight“ gehörig durch. Dank dem wir sofort beim Auftauchen dieses Schiffes, alles, was nicht niet- und nagelfest war, auf dem Boden verstauten, ging diesmal wenigstens nichts zu Bruch. Bei mehr oder weniger lang anhaltendem Sonnenschein, immer wieder von einigen Regengüssen durchzogen, passierten wir danach ohne nennenswerte Wartezeiten Schleuse um Schleuse.

Wir hatten wohl Glück, dass wir in einem nicht sehr schnell fahrenden Konvoi von zwei Berufs- Schiffen mithalten konnten. Die kurzen Stops vor den Schleusen wandelten wir in „Exkursions- Ausflüge“ für unseren Golden Retriever um. Die Verpflegung wurde von unserer Starköchin „by the way“ zubereitet und schichtweise verzehrt. Um 18.15, als die Sonne schon hinter dem Horizont verschwunden war, erreichten wir die Südschleuse vor Strassburg. Auf einen Funkruf erhielten wir (immerhin) die knapp gefasste Mitteilung, dass nur bis 18 Uhr geschleust würde, wenn wir weiter wollten, müssten wir zur Nordschleuse hinunter fahren. Nachdem wir nun innert 10 Std rund 105 Km. zurückgelegt hatten, beschlossen wir uns und der Maschine Ruhe zu gönnen.

Im vom Rhein rund 100 Meter zurückversetzten Yachthafen erhielten wir, nachdem man auf unsere Anfrage, ob wir über Nacht bleiben könnten, etwas erstaunt schien, für Ffr. 30.- einen Stegplatz mit Strom-Anschluss (die einzigste Auflage war, wir dürften diesen nicht über 6Ah belasten, also keine Heizung einschalten!), der Möglichkeit einen Gemeinschaftsraum mit Getränkebezugs- Möglichkeit und auch sanitäre Anlagen benutzen zu können. 

Kaum hatten wir, sicher noch vor 19 Uhr, das etwas unaufgeräumt wirkende Hafenareal zwecks Gassi- Gangs mit unserem Hund verlassen, wurden wir vom freundlichen Hafenwart (mit dem Auto) eingeholt. Er orientierte uns, dass das Tor zum Hafengelände in den nächsten Minuten geschlossen werde und wir daher, wenn wir im Schiff übernachten möchten, besser umkehren würden. 

Natürlich folgten wir dem gut gemeinten Rat .......

Gegen 2 Uhr morgens wurden wir schlagartig wach, als wir hörten, wie die Schiffe neben uns gegeneinander und gegen die Stege schlugen. Die Schwimmpontons selber ächzten und krachten und uns war nun sofort klar, weshalb sie sich in dem von uns vorgefundenen recht desolaten Zustand befanden. Die wohl von einem sich schnell auf dem Rhein unterwegs befindlichen Hotelschiff erzeugten Wellen wurden in dem Hafenbecken zigmal hin- und hergelenkt bevor sie endlich einebneten. Da es im Moment nur stockdunkel war und kaum regnete, nutzte der Schreiber die Möglichkeit, sich auf dem gelochten, rauhen Metallsteg die nackten Füsse rund ums Schiff zu vertreten (und dabei die Befestigung unseres Schiffes zu straffen). Morgens um 5 Uhr wurden wir dann ein weiteres Mal geweckt, als ein weiteres Hotelschiff mit einigem Getöse (ausserhalb der ordentlichen Schleusenzeiten) die direkt neben unserm Steg liegende Süd-Schleuse passierte. Alle Crewmitglieder waren sich am nächsten Morgen einig, dass wir in Kembs, im Vergleich zu hier, paradiesisch aufgehoben sind.


Am Sonntag, 27.9. legten wir frisch geduscht und mit einem üppigen Morgenessen gestärkt, gegen 10.55 ab, da wir vom Hafenmeister orientiert wurden, dass die Südschleuse Richtung Strassburg alle halbe Stunde bedient werde. Wir fuhren als einziges Schiff in die geöffnete Schleuse ein, belegten und warteten. Nach rund 10 Minuten montierten wir den Funk und unser Kapitän erlaubte sich die Frage, „ob irgend etwas kaputt sei“. Postwendend kam die etwas gehässige Antwort, dass man unsere Einfahrt durchaus registriert habe, man uns sogar sehen könnte! Der Schleusenwärter ergänzte, dass er im Schleusenhaus hoch über der Schleuse sitze. Wir bemühten uns durch die üppige Blumenpracht vor den Fenstern in den Steuerungsraumes hinein zu sehen, konnten aber trotzdem niemanden erkennen (Meister Proper versagte). Kaum war der Funkspruch zu Ende, wurde das schwere Eisentor aus seiner seitlichen Verankerung mit einer Art Kran auf Rollen vom einen Schleusenrand zum anderen zugezogen und der Niveauausgleich von sagenhaften 10 – 15 cm. eingeleitet. Nach weiteren 5 Minuten bedankten wir uns funkmässig für die gute Arbeit und wurden nun seinerseits sehr freundlich verabschiedet.
 

Das hinter der Schleuse liegende Industriegebiet wurde rasch durchquert und die Stadt danach umrundet. In die Stadt hinein konnten wir leider nicht fahren, da die Brücken viel zu wenig Durchfahrthöhe aufwiesen. Wir steuerten deshalb, nun auf dem Rhein-Marne Kanal, gleich weiter Richtung Saverne. 

Leider mussten wir auch hier bald feststellen, dass alle nun folgenden Brücken (schätzungsweise nur bis max. 3.50 Meter Aufbauhöhe geeignet) für unser Verdeck zu wenig freien Raum liessen.

Da es gerade nicht regnete, legten wir also den Gerätebügel zurück und stellten bald mit Befriedigung fest, dass wir damit offenbar die Sonne noch etwas angefeuert hatten, sie brach nun nämlich durch die Wolken, der Himmel riss mehr und mehr auf und wir genossen für mehrere Stunden wirklich schiffiges Wetter.

Streik! Nach dem Durchfahren der Radarvoranmeldung bei Schleuse 48 verweigerte diese ihre Zusammenarbeit. Das Signal verblieb nach unserer Passage, statt auf Rot/Grün (Schleuse in Vorbereitung) zu wechseln, stur auf „einfach-nur-Rot“. Da wir keinen Gegenverkehr ausmachen konnten, wurde die Steuerfrau und unsere „Moses“ ausgesetzt um die heikle, vielleicht sogar etwas gefährliche Lage „Auge in Auge“ zu inspizieren. Die allerbeste von allen Ehefrauen beschloss nach gründlichem Lokaltermin, dass ein Defekt vorliegen müsse und simulierte dann von der Gegenrichtung eine Schiffseinfahrt, indem sie die Lichtschranke vor dem oberen Schleusentor beeinflusste (dazu musste sie nur über kaum tiefem Wasser vom Ufer weg über einige dünne Holzbalken Richtung Kanalmitte balancieren und sich dann etwas über das Fahrwasser hinaus hängen lassen um damit den Lichtstrahl unterbrechen zu können .....).

Tatsächlich schloss sich dann, nachdem auch noch die blaue Stange in der Schleuse gezogen wurde, das obere Tor, die Wasserkammer entleerte sich und machte den Weg für unser Schiff frei. Nach der anschliessenden problemlosen Einfahrt waren wir zwar nun drin, aber immer noch und diesmal empfindlich, nämlich mathematisch, gefordert: Wie viele Schiffsbewegungen müssen stattfinden, um der dummen Schleuse etwas in der Art vorzumachen, dass sie uns nun aufwärts schleusen würde? Der aufmerksame Leser hat es erraten: deren „Zwei“! Da wir mit unserer Einfahrt nur einmal den Lichtstrahl unterhalb der Schleuse unterbrochen hatten, war die Schleuse erst der Meinung, es hätte eine Ausfahrt stattgefunden. Erst nachdem die Frau des Kapitäns auch auf diesen klugen Gedanken gekommen war und sie danach also auch noch die untere Schranke einmal manuell manipulierte und damit eine Einfahrt simulierte, liess sich mit der blauen Stange die Torschliessung und Schleusung einleiten. Ein nun eintreffender Angestellter der Kanalwartungsfirma bestätigte die kluge Idee, er soll sogar etwas ähnliches gesagt haben, wie „Ja, wenn jeder so weit denken würde .....“.

Diesen Tag war natürlich mit der Ideenschöpferin kein vernünftiges Gespräch mehr zu führen!

Kurz vor der Schleuse 41 ist ein Anlegeplatz mit Wasserbunkermöglichkeit in Dorfnähe vorhanden. Wir steuerten diesen an und blieben für die nächste Nacht. Einige erfrischende nächtliche Schauer sorgten für die auch bei den Campern beliebte (jedenfalls wenn das Zelt dicht ist) gemütliche akustische Kulisse. 

Am Montag morgen wurden wir während des Frühstücks von einem Arbeitskahn mit aufgesetztem Bagger überholt. 

Wir sahen diesem nicht sehr schiffig wirkenden Ungetüm noch interessiert nach und dachten dabei nicht im Traum daran, dass wir dieses bald aufholen und dann fast einen halben Tag lang unfreiwillig hinter ihm her fahren würden. Tatsächlich war die Arbeitsplattform aber dank dem Kranausleger so lang, dass sie jeweils nur alleine geschleust werden konnte. Oder sagen wir es so, dies hat die aus zwei Personen bestehende Bedienmannschaft wenigstens behauptet. Wir hatten also die nächsten 8 oder 9 Schleusen immer ein geschlossenes Tor vor uns und sahen, während wir jeweils davor warteten, natürlich auch, dass den „Schiffsführern“ der Plattform offenbar üppig (Arbeits-) Zeit zur Verfügung stehen mussten, denn sie nutzten jede Möglichkeit für einen Schwatz mit den Kanal- und Schleusenangestellten. Da die Schleusen nur zwischen einem halben und max. knapp 4 Kilometer auseinander liegen, war an ein Überholmanöver nicht zu denken.

Gegen 14 Uhr trafen wir schliesslich trotzdem in Saverne ein. Das Wetter meinte es gut mit uns, das Schloss (des früheren Kardinals von Rohan) präsentierte sich in vollem Sonnenschein und vor blauem Himmel. Wir steuerten den Yachthafen, der hier von der Nicols - Bootsvermietung betrieben wird, an und vertäuten unser Schiff. Inkl. Kurtaxe wurde uns für Ffr. 53.- die Absolution oder auch nur die Bewilligung (wir haben nicht das ganze Kleingedruckte gelesen oder es mindestens nicht verstanden) für eine Übernachtung am Steg erteilt.

Auf dem Spaziergang in die Stadt wurden wir in der schön gestalteten Fussgängerzone von einem Einheimischen angesprochen. Er machte uns Komplimente für unseren sehr gepflegten Hund. Ein Wort gab das andere und wir fragten, wo wir hier, und um diese Zeit, noch etwas Gutes und Warmes zu Essen bekämen. 

Er orientierte entrüstet, dass wir sicher nicht hier mitten in der City, speisen dürften, denn hier wäre alles nur für die „Touristenabfütterung“ vorbereitet, es wäre zu teuer und nicht speziell gut. 

Wenn wir fein essen wollten, müssten wir noch etwas laufen und er erklärte uns den Weg zur „Rue du Clef“, ins „Petit Paris“. Wir gingen also noch ein Stück weiter und fanden das Restaurant. Inzwischen war es aber schon Viertel vor Drei. Wir traten ein und fragten den Wirt, ob er um diese Zeit noch koche. Er schüttelte den Kopf, verwies uns auf die gegenüberliegende Strassenseite, dort existiere ein Schnellimbiss. Wir taten optisch kund, dass wir von dieser Auskunft enttäuscht wären, erwähnten den Umstand, dass uns offenbar „ein Freund des Hauses“ her geschickt hätte. Er horchte auf, überlegte nur kurz und bot uns einen Tisch an! Der Einheimische hatte nicht übertrieben, der Koch legte sich tatsächlich ins Zeug, ein so dickes, grosses und tatsächlich nur, wie bestellt, „Medium“ durchgebratenes Rindssteak (mit vielen delikaten Beilagen) hat der Schreiber schon lange nicht mehr auf den Teller bekommen. Nach einem ersten Bier machten wir dann die Bekanntschaft mit der elsässischen Variante des „Sausers“. Dieser schmeckt zwar ähnlich wie unserer, er ist aber nicht von roter Farbe, sondern sieht eher aus wie ein heller Obstsaft. Nach Genuss des Desserts und rund 1 ½ Stunden Aufenthalt verliess unsere Crew, rundum sehr zufrieden und um „nur“ insgesamt rund Ffr. 350.- (inkl. gutem Trinkgeld) geschmälert, das eher unscheinbare Lokal. Während des Essens hatten wir, nachdem wir vom Wetterbericht für die weiteren Tage nicht eben erbaut waren, abgesprochen, dass wir hier zwar noch übernachten, aber am nächsten Tag dann umkehren würden. Es reute uns zwar, nicht wie eigentlich geplant, bis nach Lutzelbourg zu gelangen, aber eine durchgehend verregnete Weiterfahrt schien uns auch nicht besonders verlockenswert.

Apropos nicht verlockenswert: Schade fanden wir auch bei dieser Tour (wir waren nicht zum ersten Mal hier auf dem Rhein-Marne-Kanal) die Begegnung mit den vielen tot im Kanal treibenden Tieren. Wir entdeckten in lockerer Folge aufgedunsene Igel, mehrere Füchse, ein Reh (vor 3 Jahren sogar ein Kalb!) welche offenbar irgendwo über die zwar nur ca. ½ Meter hohe aber für Tiere nicht erklimmbar steile und damit keinen Halt bietende Kanalwand (in den Boden gerammte Larsen) ins Wasser gefallen waren. Unser extrem tierliebende Bord-Teenager beschloss den WWF anzuschreiben und über diese nicht sehr tierfreundliche Einrichtung, die wohl mit wenig finanziellen Mitteln verbessert werden könnte, zu orientieren. Die beim Kanalbau konstruierten Tritte mit Netzen sind (zu) weit auseinander, grösstenteils weggerostet und deshalb nicht mehr brauchbar. Vielleicht schliessen sich noch weitere Leute, die ähnliche Beobachtungen machten, an?

Auf dem Schiff entdeckten wir dann bei einem Routine-Check, dass die Tankanzeige nach rund 20 Stunden Fahrt (!) nur noch einen Inhalt von einem mageren Viertel vorgaukeln wollte (im Bauch unseres Schiffes sind Tanks für rund 450 Liter eingebaut). Wir glaubten der Anzeige zwar selbstredend nicht, waren aber dennoch nicht (mehr) recht ruhig, dass vom Instrument infiszierte Vertrauen war ins Wanken geraten. 

Nach wüsten Prognosen (vor allem von Seiten der besten Co-Steuerfrau von allen) „was wäre wenn .....“ besuchten wir also das Touristikbüro und erhielten dort prompt und (gratis!) einen Stadtplan. Darin zeichnete die freundliche Angestellte zwei Kreuze und erwähnte „hier hat es Tankstellen“. Es war fast allen klar, dass nur eine der Stationen wirklich in Frage kam, diejenige natürlich, die sich wenigstens (fast) in Sichtweite des Kanals befand. Da sich das diese Station bezeichnende Kreuz im oberen Stadtteil, also oberhalb der „City-Schleuse“ befand, schleusten wir nun hinauf und legten gleich 100 oder 150 Meter (noch vor der ersten Brücke!) später am eisernen Handlauf zwischen Trottoir und Kanal an und belegten. Die Tankstelle war ganz einfach zu finden: Über eine Treppe hinauf (grob geschätzt vielleicht etwa 60 – 70 Treppenstufen), dann ca. 100 Meter leicht abfallend, der Strasse entlang Richtung der Rosenausstellung (nicht über die Brücke, in die entgegengesetzte Richtung) und schon stand unser für schwere Tragarbeiten (dasselbe welches auch Geschichten schreibt) auserkorene Crew-Mitglied vor einer funktionierenden Dieseltanksäule. Da jedesmal nur 2 (je 20 Liter fassende) Bidons mitgenommen werden konnten, ergab sich ein netter Kontakt zur jungen, attraktiven Tankstellenkassierin. Bei jedem Zahlvorgang lernte man sich besser kennen. Wir wissen nun, dass sie mind. ein Kind hat, einen jungen Hund aufzieht, der Sohn diesen gerne und immer wieder etwas hänselt, etc. etc. Nach 5 Fitness-Touren à je 40 Litern rückte unsere Tankanzeige auf „Fuel“ (wir wussten doch, das die Anzeige lügt!) und der Kontakt zur Fina-Station brach so schnell wieder ab wie er zustande gekommen war. Trauriges aber sich jeden Tag ereignendes Schifferschicksal!

Am nächsten Morgen (wir schrieben den 29.9. ins Logbuch) besuchten wir noch einmal die Stadt, bummelten herum, ergänzten unseren Proviant. Den Liebhabern von Süssigkeiten empfehlen wir unbedingt sich auch in den Patisserie-Geschäften nicht nur umzusehen sondern sich üppig einzudecken. Gegen 13 Uhr und abwechselnd Sonnen- und Regenschauern legten wir ab. Wir wollten bis zum Einnachten unbedingt Souffelweihersheim erreichen und dort unser vor ca. 3 Jahren erstmals gemachtes Flammenkuchen-Erlebnis (eine wirklich „starke“ elsässische Spezialität) auffrischen. Auf halber Strecke, vor einer mittelstark gekrümmten Rechtskurve, nahmen wir auf unserer Kanalseite einen Fischer mit mehreren Angelruten wahr. Als wir gerade zum Ausweichen ausholen wollten (wir mögen die Kanalfische nicht sehr), sahen wir ausgangs der Kurve, also in vielleicht noch 150 Metern Distanz, eine mit zügiger Fahrt in Kanalmitte entgegenkommende dunkelbraun bemalte Péniche. Wir nahmen sofort Fahrt zurück und beschlossen nicht nur zu beten, sondern unserem Entsetzen auch mittels der Hupe Ausdruck zu verleihen. 

Damit hofften wir sogar zweierlei zu erreichen: 

Das 1. der Fischer seine bis fast zur Kanalmitte geworfenen Leinen einholen sollte; 

2. die Péniche ihrerseits die Fahrt zurücknehmen und sich mindestens etwas rechts der Kanalmitte halten möge. Beides geschah aber nicht! 


Den Angler (der wegen viel Gebüsch die Péniche wohl noch gar nicht gesehen hatte) schien weder unser Nahen noch unser Hupen zu stören und der Pénichenfahrer war wohl vom „absoluten Recht des Stärkeren“ beflügelt. Wir hupten also noch mehrere Male, worauf dann wenigstens der Angler beschloss, seine Leinen zu retten. Nun betrug der Abstand zum Lastschiff höchstens noch 20 oder 30 Meter und wir schätzten den uns verbleibenden Raum am rechten Kanalufer auf vielleicht etwa 12 – 13 Meter Breite. Es war uns  klar, dass dies, da die Geschwindigkeit des tief beladenen (rund 38 Meter langen, knapp 5 Meter breiten) Berufsschiffes noch immer nicht reduziert wurde, es mit grosser Bugwelle entgegenkam, sehr knapp werden würde. Ebenso klar war unserem Steuermann, dass wir nicht weiter bremsen resp. nurmehr mit Standgas weiterfahren durften. Eher das Gegenteil schien angezeigt, wollten wir mit unserem Schiffchen nicht den Bug der Péniche unschicklich verzieren. Also griffen nun auch wir (also es war eigentlich nur Einer; der im Moment Beherzteste von uns), ganz kurz bevor wir von der Bugwelle erfasst wurden, zum Gashebel und gaben „Stoff“ und dies nun wirklich pur und offenbar keine Sekunde zu früh. Wir merkten noch, wie uns der Sog der Bugwelle des Lastschiff anziehen wollte und dann, praktisch im gleichen Moment, aber auch die Motorkraft unseres starken Diesels, der uns nun sicher durch die schmale Passage brachte. Volvo sei Dank; dies war knapp!! In der Eile des Gefechtes kamen wir leider nicht einmal dazu den Namen des Pénichen-Rowdy‘s zu notieren, wir hätten ihn uns sonst sicher gemerkt und Euch natürlich genannt.

Ganz knapp vor halb acht Uhr legten wir am Quai in Souffelweihersheim an und versuchten mit Hilfe der Mannschaft eines anderen Schiffes unser Boot anzubinden. Während sich beim Bug keine Probleme ergaben, wollte sich das Heck partout nicht parallel zum Quairand ziehen lassen. Wir vermuteten eine Untiefe in Form einer Sandbank. Da die Schiffsführer vor uns (kontaktfreudige, jassende Mietbootfahrer, die mittels Plakataushang an den vorderen Kabinenfenstern „eine naive Blonde, mit den Massen 90-60-90, für allerlei Arbeiten an Bord“ anheuern wollten, offerierten noch etwas weiter vor zu ziehen, rutschten wir nach und dann klappte es. Kaum fertig vertäut machten wir die Bekanntschaft mit einem sehr freundlichen Hafenwart, der noch seine abendliche Kassierfahrt unternahm. Er anerbot, auf die Steggebühr zu verzichten, wenn wir ihm dafür unseren „Goldie“ überliessen. Da wir niemanden übervorteilen möchten (so ein Hund macht viel Arbeit), lehnten wir dankend ab, berappten dafür für den Platz Ffr. 25.- (inkl. Stromanschluss). Kurz vor Einbruch der Dunkelheit machten wir uns dann auf den Weg ins direkt neben der Schleuse gelegene Restaurant (den Namen haben wir leider vergessen), wo wir fürstlich Elsässer Spezialitäten verspiesen. 

Auch hier erregte ungewohnterweise unser (immerhin schon über 7 jährige) Hund wieder Aufsehen, ein junger Kellner flippte fast aus, brachte ihm von sich aus Wasser (!), sprach mit ihm, streichelte ihn immer wieder.

Nach kurzer Nachtruhe vernahmen wir kurz nach 6 Uhr am Mittwoch Morgen, dass eine erste Péniche bergwärts schleuste, wenig später hörten wir sporadisch ein hässliches Knirschen aus Richtung unseres Schiffsbodens (an der tiefsten Stelle max. 1.25 unter der Wasserlinie). Wir konstatierten es zwar höchst ungern, mussten dann aber eingestehen, dass sich durch die Schleusung wohl der Wasserstand ganz gering, aber eben doch etwas abgesenkt hatte und wir nun immer mal wieder Grund- resp. Schlickberührungen spürten. Da wir das Geräusch, dass sich bei jeder kleinen Welle wiederholte, nicht länger mit anhören konnten, stiegen wir, mind. zwei Stunden vor der Planung, in unsere klammen Kleider, starteten den Motor, so leise wie irgend möglich (ein Witz in sich!), es waren ja noch mind. 3 andere schlafende Besatzungen auf den Nachbarschiffen verteilt und wollten ohne Benützung des Steinbrechers (sprich Bugstrahlers) an einen noch freien Platz am Steg in Kanalmitte (der aber keine Stromanschlüsse besitzt) umlegen. Wir kamen jedoch nicht weit, sondern mussten bald feststellen, dass das Hafenbecken in Richtung der Slipstelle noch flacher wurde und der Rumpf bald im Schlick fest zu stecken schien. Also setzten wir wieder zurück und belegten dann unser Schiff an der Aussenseite des Steges, kurz vor der Einfahrt in die Schleuse. Als wir unser Manöver endlich beendet hatten, waren alle im näheren Umkreis wach. Nur des „Gwunders“ wegen stakten wir dann mit dem Bootshacken der Quaimauer, wo wir zuerst angelegt hatten, entlang und stellten dabei fest, dass der Wasserstand bis ca. einen halben Meter vom Ufer entfernt, höchstens einen Meter betrug. In ca. einem Meter Wassertiefe befand sich etwas Hartes, durchgehendes, eine alte Mauer? Also Suffelweihersheim-Besucher mit Tiefgang: Achtung beim Belegen an der dorfnahen Mauer!

Bald setzte dann der Regen, welcher uns nun den ganzen Tag begleitete, ein und es wurde spürbar kühler. Wir beschlossen trotzdem einen Strasbourg-Stadtbummel zu unternehmen und suchten die nächste Bushaltestelle. Der Bus kam bald und wir stiegen ein. Der Chauffeur, an dem wir, da nur die vorderen Türen aufgingen, einfach vorbei mussten, zeigte entsetzt auf unseren Hund und meinte, er dürfte diesen nicht befördern. Nachdem darauf aber nun mind. 4 verständnislose Augenpaare (3 unter nassen, tropfenden Pelerinen, 1 auf vier Beinen) ebenfalls entsetzt zurücksahen, verzichtete er darauf die Aussage zu wiederholen. Er zuckte also die Schultern und verkaufte uns entsprechende Fahrkarten. In gut 20 Minuten Fahrt erreichten wir mit seinem Bus das Zentrum von Strasbourg. Unser Hund unterhielt in dieser Zeit einige Fahrgäste, mind. sie bedauerten dann, dass wir ausstiegen. Am Ziel überlegten wir, ob wir den Buschauffeur bitten sollten, uns in zwei Stunden wieder abzuholen, liessen es dann aber doch sein; man soll den Bogen ja nicht überspannen. Wir liefen solange durch die nasse, kalte Stadt, bis wir in unseren Turnschuhen Goldfische hätten züchten können und waren dann auf alles gefasst, als wir schliesslich wieder einen Bus für die „Heimfahrt“ bestiegen. Doch nichts passierte, diesem Chauffeur war es offensichtlich egal, mit wem wir und wer mit uns die Freizeit verbrachte. Kurz nach Mittag waren wir wieder zurück, erinnerten uns an die gute Verpflegung am vergangenen Abend. Also steuerten wir geradeaus wieder auf das direkt neben dem Hafen gelegene Restaurant (dessen Name uns noch immer nicht wieder einfiel) und wollten für den ersten Hunger einige Portionen „Pommes“ holen. Doch oha lätz, wir kamen kaum zwei Meter in Richtung der Tische, als sich eine gestrenge Dame vor uns „aufbaute“, uns sehr strafend ansah und auf das (wirklich) ganz kleine Schild an der Türe verwies. Wir sahen natürlich sofort in die gezeigte Richtung und entdeckten darauf einen jener langgestreckten Dackel die ein Kreuz auf dem Rücken tragen. Es half nichts, dass sich der Schreiber die vom Regen und dem Temperaturwechsel total angelaufene Brille abnahm und hilflos irgend etwas für deren Reinigung suchte. Auch der Hinweis, dass man uns gestern abend mit Hund sehr willkommen geheissen hätte, fiel nicht auf fruchtbaren Boden, unser Hund musste raus. Eine Ausnahme wäre ein Präjudiz ......, meinte sie.

Kurz nach Entfernung des nun auch aus unserer Sicht schrecklichen Tieres (wir hatten Hunger!) erhielten wir dann „über die Gasse“ (sagen die Franzosen „au-dessus la rue“?) doch eine satte Portion Fritten. Nach deren Verzehr legten wir ab. Wir bestätigten uns in den folgenden Stunden gegenseitig (immer wieder), dass sich zwischen den vielen tiefen Brücken eine Montage unseres Cabrioverdeckes gar nicht lohnen würde und übten die Position „Im Regenkombi ganz aufrecht im Regen“ solange, bis wir garantiert eine tragende Rolle in der Fisherman- Werbung erhalten hätten, wäre hier zufällig gedreht worden. Unterhalb Strasbourgs wechselten wir dann in den Anfang (oder das Ende, je nach Standpunkt) des Rhein- Rhone- Kanals und kamen, da ganz allein unterwegs (wer geht bei diesem Wetter schon freiwillig ins Freie?) gut voran. 

Vor Booftsheim trafen wir, viel hätte wirklich nicht gefehlt, fast auf entgegenkommende Mietbootfahrer von der Sorte „wir mähen alles nieder“, resp. „hängen wir doch die Sau raus, es ist ja nicht unser Boot“. Zu dritt nebeneinander steuernd machten sie wohl ein Mutprobe à la „denn sie wissen nicht was sie tun“, wer sich von den kaum 20 jährigen „Steuermännern“ am längsten getraute geradeaus, auf klarem Kollisionskurs, zu fahren. Dass diese Truppe die Schleusen vor uns bereits hinter sich gelassen hatten, merkten wir auch den Stangen an, die man zur Einleitung der Schleusenvorgänge in diesem Kanalabschnitt zu ziehen hatte: Sie waren allesamt mehrfach um das Tragseil herum geschleudert worden, konnten vor mühsamer Entwirrung gar nicht mehr betätigt werden. Zweimal mussten wir auf diesem Abschnitt über das an den sehr schönen Schleusenhäusern (jedes Jahr werde eines davon von der Kanalgesellschaft aufwendig komplett renoviert und den eigenen Angestellten zur Verfügung gestellt) montierte Telephon einen Kanalangestellten kommen lassen, weil hier zur Schleusenbewältigung nicht einmal mehr die Tricks der Gattin des Schreibers halfen.

Und wenn es auch den ganzen Mittwoch über geregnet hatte, wurden wir an diesem Abend Zeugen einer der schönsten Sonnenuntergänge: Kurz bevor die Dämmerung einsetzte, hörte es auf zu schütten, die Wolken lösten sich auf und eine dunkelrote Kugel verschwand hinter den Waldbäumen am Horizont! 

Mit dem letzten Licht erreichten wir den von einer Bootsvermietung unterhaltenen Hafen von Booftsheim. Zwei Crewmitglieder von anderen Schiffen nahmen im Dunkeln unsere Leinen entgegen und belegten diese an der Quaimauer. 

Kurz nach unserem Anlegemanöver und kaum hatten wir das Cabrio montiert, begann es wieder zu schütten. Dank gutem und ausreichend dimensioniertem Stromanschluss heizten wir die Feuchtigkeit aus Schiff und Kleidern.

Am Donnerstag, 1.10. legten wir gegen den Mittag, nachdem wir zuvor noch das hübsche Dorf mit reichlich Fachwerkhäusern besichtigt hatten, ab und wurden wenig später vom nächsten Schleusenwärter, kurz bevor der Kanal bei Rhinau in den Rhein mündet, darauf aufmerksam gemacht, dass ab heute die Schleusen abends nur noch bis 18 Uhr, nicht mehr bis 19.30 bedient würden. Wir fuhren dann ca. 40 km. den Rhein hinauf, realisierten, dass es bergwärts tatsächlich ein gutes Stück länger dauert, resp. glaubten zeitweise kaum mehr vom Fleck zu kommen. Die Sonne wechselte mit Regenschauern rege ab, kämpfte offensichtlich um Platzvorteile.

Um ca. 17.30 erreichten wir Neuf Brisach und wollten dort in den „Colmar-Kanal“ einbiegen. Natürlich sahen wir vor der Schleuse das Schild, welches aufmerksam machte, dass jede Schleusung vorgängig anzumelden sei. Wir liessen uns davon aber nicht ins Bockshorn jagen, sondern griffen zum Funk und warteten auf Antwort. Tatsächlich ging es nicht lange und wir wurden nach unserem Begehr gefragt. Nachdem wir eher flehend als trotzig unseren Schleusungswunsch nannten, wurden wir knapp gefragt „wann?“ und als wir „lieber heute als morgen“ antworteten, liess man uns wissen, dass schon jemand unterwegs sei (!!). Der Schleusenwärter erschien innert Minuten und orientierte, dass wir wohl nicht mehr weit kämen, riet uns am schönen Steg, kurz vor der 2. Schleuse, anzulegen. Leider wäre niemand mehr hier, um den Strom einzuschalten, ob es auch so ginge? Den Batterien sei Dank, es ging gut auch ohne Netzanschluss. Als wir belegt hatten, schien wieder die Sonne. Unser Teenie schnappte sich einen Beutel und den Hund (oder umgekehrt) und kam nach einer halben Stunde mit einem halbvoll gefüllten Sack voller Baumnüsse wieder zurück.

Auch an dieser Anlegestelle liess sich, wie bei der letzten Übernachtung, bis zum anderen Morgen kein Steuer- oder Kurtaxeneintreiber blicken.

Als wir am Freitag morgen erwachten, bemerkten wir erstmals (auf einem Schiff) wie wenig man sieht, wenn sich rundherum Nebel breit gemacht hat. Die Abfahrt in dieser Suppe war u.E. nicht möglich und wir beschlossen darum zu warten bis es aufklart. Nach 10 Uhr kam der freundliche Schleusenwart (von gestern abend) vorbei, erkundigte sich, ob wir eine Panne hätten? Dann erklärte er uns nochmals das Prozedere der selbst zu bedienenden zweiten Schleuse. Wir beruhigten ihn, dass wir dies sicher schaffen würden und staunten dann aber tatsächlich, warum ausgerechnet die Voranmeldung bei dieser Schleuse nicht durch einfaches Ziehen oder Drehen an der über dem Kanal hängenden Stange (wie bei den meisten anderen) funktionierte und warum in der Schleusenkammer angekommen, eine (immerhin) blaue Stange nach unten gezogen und nicht, wie sonst üblich, angehoben werden musste.

Dann folgten viele Brücken, die wohl nur etwas zu wenig hoch waren, um das Verdeck stehen zu lassen. Da es aber nicht regnete, liessen wir es unten, genossen die herrliche Fahrt durch diesen sehr schönen Kanal. Zur Auffrischung unseres Vitamin-Haushaltes gelang es uns erstmals direkt ab dem Schiffsdeck über den Kanalrand hinaus hängende Äste von Baumnussbäumen zu erleichtern. Gegen 13 Uhr wurden wir per Funk vom freundlichen Schleusenwärter ein weiteres Mal kontaktiert, er fragte nach, ob wir die Schleuse 2 gut gemeistert hätten? Die Schleuse Nr. 3, kurz vor der Stadt war dann dafür aber nicht besetzt und wir mussten eine Weile, ohne richtige Anlegemöglichkeit, warten. Nach Ankunft der Personals und erfolgreicher Schleusung wurden wir gefragt, wann wir wieder zurückfahren wollten. Mutig nannten wir eine Zahl: Um 9 Uhr! Die Fahrt nach der Schleuse auf brackigen Wasser bis zum Hafen war dann nicht mehr besonders, rund 15 Minuten lang konnte (nur) ein Industriegebiet besichtigt werden.

Im sehr schönen, absolut super gepflegten Hafen (mit Kinderspielplatz, Blumenbeeten, Tischen und Bänken sowie Grillstellen) von Colmar wurden wir auf einmaliges kurzes Hupen sofort begrüsst. Eine sehr freundliche und kompetente Frau wies uns den Weg an einen Steg. Wir machten dem N.C. Kembs alle Ehre und parkierten trotz nicht üppiger Platzverhältnisse fehlerfrei und in einem Anlauf rückwärts zwischen Quaimauer und Schwimmponton ein. Auf dem Büro erhielten wir dann gegen Erstattung der Übernachtungsgebühr von gut Ffr. 80.- (Strom und Wasser inklusive) einen Badge um das Gelände verlassen und, was uns noch wichtiger schien, auch wieder betreten zu können. Da es (noch immer) nicht regnete, machten wir einen Stadtbummel, die ersten Meter begeisterten dabei nicht, die Innenstadt dafür aber umso mehr!

Wieder auf dem Schiff zurück und mit der auf den Wetterbericht abgestützten Gewissheit, dass es morgen Samstag heftig regnen würde, griff der Autor zum Schraubenzieher und entfernte mit einem Arbeitsaufwand von nur wenigen Minuten die üppig Höhe verlangenden Positions- und Ankerlichter und den ebenfalls auf dem Gerätebügel montierten Scheinwerfer.

Mit diesem gestutzten Outfit schafften wir es dann am letzten Reisetag tatsächlich das Verdeck geschlossen zu halten und die recht zahlreichen Brücken auf dem Rückweg (übrigens gleich viele wie am Vortag) ohne Schäden zu unterfahren (wir erwähnen dies nur speziell, weil es uns bisher nicht immer gelang; wir erinnern uns noch klar an eine garstig tiefe Eisenbahnbrücke in Holland wo wir unsere Beleuchtung vor 2 Jahren noch schneller, dafür aber gewaltsam entfernten.......).

Kurz vor 9 Uhr legten wir also am Samstag Morgen bei feinem Nebel in Colmar ab. Leider realisierten wir erst jetzt, dass direkt neben dem Hafengebäude eine Tanksäule stand. Da wir eine Schleusenzeit vorangekündigt hatten, entschlossen wir, nicht entspannt und mühelos (wenigstens einmal hätte man sich diesen Luxus ja wirklich leisten können) zu bunkern, sondern fuhren weiter. Nicht zu früh, nur dank der unbeirrten Weiterfahrt schafften wir es nämlich noch kurz vor Mittag eine Schleusung in den Rhein zu „erhalten“.

In den grossen Rheinschleusen „Vogelgrün“ und „Fessenheim“ wurde die „Moonlight“ in der kleinen Schleusenkammer exklusiv und in „Ottmarsheim“ sogar solo in der grossen Schleusenkammer (185 x 22,8 Meter) angehoben. Die solo-Schleusung in Kembs-Niffer genossen wir quasi noch als Dessert und waren schliesslich froh, um 18.15 wieder in Kembs unseren Steg vorzufinden.

Das Bordbuch verriet nach seiner Bereinigung, dass unsere Maschine in der vergangenen Woche 49,1 Std. lief und wir in dieser Zeit 115 SM (=213 km) zurückgelegt hatten. Der Dieselverbrauch unseres knapp 200 PS leistenden 6 Zylinder-Turbo-Diesels ist dank der lügenden Anzeige nicht genau zu eruieren, er wird aber auf Grund des Lochs in unserer Bordkasse auf gegen 400 Lt. geschätzt.

Der Artikel erschien in den L'ancre de Kembs Ausgaben Nr. 3 - 5 im Jahre 1999

Ó F. Engeler, Zufikon, 25.10.1998

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