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Einleitung der Redaktion: Therese und
Peter Rippstein aus dem aargauischen Niederwil haben ein gebrauchtes
Motorsegelschiff erworben, umfangreich während rund 3 Jahren aus- und
umgebaut und wollten nun wissen, ob ihr "Schatz" tatsächlich
schwimmt und für die geplanten mehrmonatigen Reisen auch taugt. Das
Bordtagebuch wurde für den "L'ancre de Kembs" teilweise
geöffnet:
Am 23. Juni 2000 wurde unsere PETHY,
unter heftigem Herzklopfen, im Auhafen eingewassert. Überwältigend das
Bild, als sie am 190 to-Hallenkran hängend, hoch über dem Wasser, dem
Vater Rhein übergeben wurde. Hurra! Sie schwimmt und ist zum Glück
wasserdicht (von unten, Wetter war schön)! Für uns nicht
selbstverständlich, da wir sie ja noch nie auf dem Wasser schwimmend
erlebt haben.
Die erste grosse Schleuse Birsfelden
passierten wir am Sonntag darauf zusammen mit dem Passagiersschiff "Lällenkönig".
Stolz fuhren wir bei prächtigstem Wetter durch die Stadt Basel, unter den
beeindruckenden Brücken durch, links und rechts winkende Menschen an den
Ufern. Selbst die Fährimannen erfreuten uns mit einem speziellen Gruss.
Ein Erlebnis, das wir nie mehr vergessen werden! Ein Segelschiff fährt
allem Anschein nach nicht jeden Tag durch die schöne Rheinstadt Basel. Im
Sportboothafen Dreiländereck legten wir an und blieben einige Tage, um
die Heizung einzuregulieren, das Schlauchboot zu reparieren und das Schiff
zusätzlich auszurüsten.
| Am Sonntag darauf, am 2. Juli geht es
bei schönstem Wetter weiter Richt. Port de Plaisance in Kembs. Dazu
passierten wir auch das von Corbusier erbaute Schleusenhaus in Niffer.
Über den Canal Huninque fuhren wir in den schönen und komfortablen Port
ein. Dort überstanden wir auch das kalte und trübe Wetter, dank der nun
gut funktionierenden Heizung. Immer wieder tauchten kleinere technische
Probleme auf, die erst beim Fahren zum Vorschein kamen. So war Peter mit
seinen Werkzeugkästen immer wieder gefordert. |

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Das nicht "rund"
laufen des Motors machte uns am meisten Sorgen, doch durch Empfehlung
eines sehr netten Elsässer-Schiffsnachbarn fuhren wir weiter in eine
Werft in Mulhouse, wo der vermeintliche Schaden behoben werden konnte.
Doch über diese "unglaubliche" Geschichte ein andermal.
Nun sind wir auf den Canal du Rhône au
Rhin. Er verbindet den Rhein mit der Rhone, das heisst die Nordsee mit dem
Mittelmeer. Er ist der grösste, wichtigste und am meist befahrene der
elsässischen Kanäle, ist 236 km lang und hat 114 Schleusen, die einen
Höhenunterschied von 270 m überwinden. Nämlich 110m Aufstieg von Niffer
bis in die Scheitelhaltung Montreux-Chateau, dann 160m Abstieg bis zur
Saône, die dann in Lyon in die Rhone mündet.
Zwischenhalte und Besichtigungen machten
wir im gut ausgebauten Hafen Dannemarie, in Montbéliard und
l' Isle sur le
Doubs. Alles Örtchen zum verlieben! Nun sind wir in Clerval, einem sehr
schönen Städtchen mit sehr guter Anlegemöglichkeit (Platz, Strom und
Wasser für FFr 20.- !) Die Gegend ist sehr schön und abwechslungsreich.
Bei einigen Schleusenwärter-Häuschen ist eine Blumenpracht, die man
nicht genug bestaunen kann. Die Einfahrt vom Kanal in den Fluss Doubs ist
eindrücklich. Die vorangehende Ungewissheit über die bevorstehende
Flusseinfahrt gab Gesprächsstoff genug mit der eigenen und mit anderen
Schiffsbesatzungen. Die Flusslandschaft ist einmalig. Wir kennen Segler,
die Ihr Boot längst in Spanien haben und die noch heute mit Begeisterung
davon erzählen, wie schön der Abschnitt Montbéliard bis Dole in ihren
Erinnerung haften geblieben ist bei der damaligen Schiffsüberführung.
Das Wetter ist miserabel bis sauschön.
Eiskalt bis hitzeheiss. Gut, dass wir eine Heizung haben die geht! Bei
Hitze ist allerdings nur eine Siesta unter dem Sonnensegel das
angenehmste. Doch solche Tage konnten wir bis jetzt an einer Hand
abzählen. Zum Glück haben wir Zeit genug. Deswegen werden wir oft
beneidet. Übrigens: PETHY ist auch von oben wasserdicht, auch
Waschkübelregen konnte ihr nichts anhaben.
| E-Mailversand am Montag, 21.8.00: |
Wir haben nun den Rhein-Rhone-Kanal
verlassen und fahren auf dem Fluss Saône, der, von den Vogesen kommend,
in Lyon in die Rhone mündet. Bis Lyon sind es noch 213 km mit 5
Schleusen. Mit Peter und Fanny sind wir am 5. August bei strömenden Regen
von Clerval nach Baume-les-Dames gefahren. Auf dem Doubs mussten die
Hinweistafeln und Markierungen genau beachtet und die Fahrrinne mit dem
vorgeschriebenen Abstand zum Ufer eingehalten werden. Schleuseneinfahrten
und Fahrrinnenwechsel sind markiert. Doch manchmal sind die Tafeln von
Gebüsch und Bäumen verdeckt. Der Grund des Flusses ist zumeist weich.
Die Wehre abwärtsfahrend kaum auszumachen, die Ufer oft mit Steinen
befestigt. All das steht im Flussführer, ohne den eine Doubsfahrt nicht
anzuraten ist. Und trotz allem aufpassen haben wir zweimal den Grund
berührt, einmal war es eine Kiesbank, ein andermal aber Steine! Und das
weil wir einer Markierung folgten, die nicht offiziell war. Aber das
merkten wir erst später, als wir die "richtigen"
Schwimmmarkierungen sahen (die einiges grösser waren). Von da an hatten
wir keine Fahrprobleme mehr. Was uns besonders ärgerte und reute war der
Fahnenmast, den wir demolierten, weil wir vergessen haben ihn vor der
ersten Brückendurchfahrt abzunehmen. Die obersten 50 cm wurden vom
Brückenjoch samt Ankerlicht abrasiert. Die Geräusche der
Grundberührungen und das Brechen von Holz, klingen uns immer noch in den
Ohren. Schade, dass unser Besuch so einen schlechten Tag mit uns
verbringen musste. Zum Glück haben die Gäste, wir und das Schiff die
Schrecksekunden überstanden.
Bei der Schleuse Nr.33 wurde uns ein
kleines "Apparätli" für die kommenden automatischen Schleusen
übergeben. Bei Schleuse Nr. 61 wurde es uns wieder abgenommen, und die
Schleusen wurden von da an wieder von Personal bedient. Ranchot, wo wir
übernachteten, ist ein sehr schöner und ruhiger Ort. Dort halten auch
die grossen Hotel-Pénichen (alte Frachtkähne die zu Passagierschiffen
umgebaut wurden) mit wohlbetuchten Amerikanern.
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Besançon erkennt man schon von weitem
am Anblick der Zitadelle, einer gut erhaltenen Vauban-Festung. Die Stadt
liegt in einer Doubsschlaufe gleich einem grossen U. Von der Festung aus
war es ein leichtes, das ganze Tal mit wenigen militärischen Mitteln
dominant und erfolgreich zu sperren. Dem U zu folgen war uns wegen dem
Tiefgang nicht möglich. Wir durchfuhren den für die Schifffahrt in Fels
ausgehauenen, 374 m langen und beleuchteten Tunnel. Man fährt genau unter
der Zitadelle durch zu den Anlegestellen.
Auch hier, wie fast überall,
war uns der Schleusenwärter behilflich. Für die Stadt- Besichtigung haben
wir unsere mitgeführten Velos gesattelt. Die Zitadelle, mit Museen und
Tiergarten, ist ein Meisterwerk aus dem 17. Jahrhundert, erbaut von Vauban
für Ludwig der 14. ist von kultureller Bedeutung. Das im Museum für
Resistance und Deportation (Widerstand und Zwangsverschleppung im letzten
Weltkrieg) gezeigte, hat uns sehr nachdenklich gestimmt. Erfreulich
dagegen sind die schönen alten Patrizierhäuser, Kirchen und Gärten.
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Beim Halt in Rochefort machten wir
Bekanntschaft mit Kurt aus der Ostschweiz. In einer 15 m - Mini-Péniche
durchquert er zeitlos Frankreich. Mit einem richtigen Klavier an Bord (!)
und einem Hund der alles bewacht. Klavier spielen kann er (der Kurt)
ausgezeichnet, wir haben ihm zugelauscht. Er besuchte uns am nächsten Tag
in Dole (wo es keinen Dôle zu kaufen gibt, der kommt ja aus dem Wallis).
Die Zufahrt nach Dole ist sehr eindrücklich. Nach schöner, unberührter
Naturlandschaft fährt man während 3 km durch eine Allee von Platanen,
deren Kronen über dem Kanal zusammen kommen. Das Anlegen in Dole ist wegen
starker Strömung schwierig. Zwei hilfsbereite Bootsbesitzer mit
Heimathafen "Kembs" haben uns geholfen. Einer davon kennt den
jetzigen Besitzer unseres ehemaligen Bootes am Bielersee. Dieser soll
angeblich damit sehr glücklich sein. So gibt es Zufälle und
Gesprächsstoff.
Das Bild der Stadt Dole wird dominiert von der Basilika,
die jede Stunde ihr Glockenspiel erklingen lässt. Die Stadtbesichtigung
lohnt sich: Schöne alte Häuser in steil ansteigenden Gassen. Markt auf
dem Platz vor der Kirche. Louis Pasteur, der geniale Erfinder wurde hier
geboren.
Abends stiegen wir die 240 Stufen hoch
auf den Kirchturm und genossen eine schöne Rundsicht. Übrigens: An den
SBB-Schaltern werden günstige Zweitagesreisen nach Dole verkauft; ein
empfehlenswerter Weekendausflug.
Unterhalb Dole verlässt der Doubs
endgültig den Canal du Rhône-au-Rhin und mündet bei Verdun sur-le-Doubs
dann in die Saône, wo wir auf unserer Weiterreise Richtung Lyon noch
vorbeikommen werden. |

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Das letzte eindrückliche Stück führt
durch einen unter Naturschutz gestellten Riesenwald bis nach St.Symphorien,
wo wir durch die letzte Doubsschleuse (114) in die Saône einfahren. Bis
St.Jean-de-Losne sind es nun nur noch 4 Kilometer. Da werden die Velos
wiederum bereitgestellt, um die nähere Umgebung auszukundschaften. Ein
Tagesausflug nach Dijon, der Hauptstadt des Burgund, wurde allerdings mit
der Bahn bewältigt. Doch mehr darüber später.
Herzliche Grüsse aus St. Jean de Losne
senden: Therese und Peter Rippstein
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Reisebericht 3:
Von St. Jean de Losne bis Avignon; E-Mailversand am Montag, 11.9.00: |
Dijon, die Hauptstadt des Burgund (wenn
nur der Burgunder nicht so teuer wäre), erreichten wir von St. Jean de
Losne aus mit einer einstündigen Bahnfahrt. Das geschlossene historische
Stadtbild mit seinen Plätzen und Gassen, den vielen Kirchen, den bunten
Dächern, zum Teil mit farbigen Glasziegeln belegt, bewundert man am
besten zu Fuss. Auf dem Weg zurück zum Bahnhof darf man es nicht
unterlassen, den würzigen Dijon-Senf zu kaufen (bereits gegessen.)
Auf der Weiterfahrt nach
Chalon-sur-Saône wird die Saône immer breiter. Ab hier ist die Fahrrinne
auch gut bezeichnet. Chalon hat einen wunderbaren Hafen und eine sehr
schöne Altstadt. Auf dem Platz vor der Kirche war emsiges Markt-Treiben,
etwas, was wir bis jetzt überall angetroffen haben, trotz den grossen
Einkaufszentren am Stadtrand.
Weiter ging's nach Turnus, wo wir am
Ponton vor der Stadt anlegten. Die erste und wohl letzte kostenlose
Anlegestelle mit Strom und Wasser, an der ca. 10 Boote Platz haben. Es
herrschte fröhlicher Chilbibetrieb bis zwei Uhr nachts. Am Sonntagabend
war ein riesiges Feuerwerk. So einen Logenplatz hatten wir noch nie.
Hinter uns die Stadt mit dem Chilbibetrieb, am Ufer tausende (?) von
Zuschauern, vor uns der breite Fluss Saône, wo am gegenüberliegenden
Ufer der Zauber in die Luft geschossen wurde. Tournus bietet aber noch
mehr: Die Abbaye Saint Philibert ist eine der schönsten im romanischen
Stil erbaute Kirche im Burgund. Bei Orgelmusik konnten wir die Schönheit
und Ruhe geniessen. Auch dieses schöne Fischerstädtchen ist wiederum mit
vielen Blumen geschmückt und hat bereits mit Rundziegeln bedeckte
Dächer. Der Süden fängt hier an!
Der nächste Halt war in der Weinstadt
Mâcon. Die alte, mit 12 Brückenbogen versehene Steinbrücke St. Laurent
ist eine der wenigen, die im letzten Weltkrieg nicht zerstört wurde.
Wegen ihr, d.h. um sie nicht abreissen zu müssen, weil die Bögen zu
niedrig sind, wurde für die Grosschifffahrt sogar ein 4 Kilometer langer
Umfahrungskanal gebaut. Hier haben wir für ein paar Tage unser Schiff im
sicheren Hafen zurückgelassen, um zu einem Familienfest in die Schweiz zu
fahren. Mit dem Zug sind wir fast die gleiche Strecke zurückgefahren, die
wir mit dem Boot bereits gemacht hatten.
Vom Zug aus haben wir sogar die "Grundberührungsstelle"
und die Brücke gesehen, wo wir unseren Flaggenmast herunter holten.
Übrigens: Die Fahrt Mâcon-Basel-Baden kostete pro Person umgerechnet nur
sFr 75.- retour, die gleiche Fahrt über Genf sFr 130.- Grund:
TGV-Zuschlag Mâcon-Genf und die teure SBB! Die Fahrzeit über Genf ist
nur eine Stunde kürzer.
Wieder zurück an Bord, ging's weiter
Richtung Lyon, doch nur ungern haben wir das schöne Burgund verlassen.
Mit anderen Booten zusammen haben wir am Stadtquai, der zweitgrössten
Stadt von Frankreich, angelegt. Lyon mit seinen grossen Plätzen, den
vielen schönen Brunnen, den Kirchen und Museen, dem lebhaften Treiben,
ist sehenswert! Les Traboules (was hindurchgehen heisst) nennen sich die
ungewöhnlich schmalen Durchgänge im Innern der Altstadtgebäude. Sie
ermöglichen den Durchgang von einer Strasse zur nächsten "durch die
Häuser hindurch". Die Architekten Jean Nouvel (Opernhaus) und Renzo
Piano (Museum) haben auch hier ihre eindrücklichen Spuren hinterlassen.
Abends erstrahlen sämtliche Plätze, Baudenkmäler, Brücken und Brunnen
in einem riesigen Lichtermeer. Lyon ist eine Grosstadt zum Verweilen, die
wir - einmal mehr - nur ungern verlassen haben.
Gleich unterhalb von Lyon ist der
Zusammenfluss der Saône und der Rhône, die wir ehrfürchtig begrüssten.
Die Farbe des Wassers ist fast so wie die im Genfersee, gletscherfarben,
oder etwas dunkler, die Saône eher braun, so wie bei uns die kleinen
Moorseen sind. Hier beginnt für die Schifffahrt der Kilometer 1. An
grossen Tafeln am Ufer werden die Distanzen von nun an jeden Kilometer
angezeigt. Wenn wir dann eine 310 sehen, sind wir am Mittelmeer. Bis dahin
werden noch 12 Schleusen zu bewältigen sein. Die meisten sind 195 m lang
und 12 m breit. In einer geht es ganze 23 Meter runter, sonst immer
zwischen 10 und 15 Meter. Da kommt man sich schon sehr klein vor.
Handelsschiffe haben beim Schleusen natürlich auch hier immer Vortritt,
was manchmal zu grossen Wartezeiten führen kann. Da selten Anlegestellen
für die Kleinschifffahrt vorhanden sind, wartet man unter Motor im
Schleusenvorhafen. Unangenehm vor allem, wenn seitliche Winde uns an das
Ufer blasen wollen, ohne ständige Korrekturmanöver geht es dann sind.
Die Verständigung mit dem Schleusenpersonal erfolgt jeweils über den
Funk.
In Les Roches-de Condrieu (km 40)
genossen wir wieder den Komfort eines schon sehr anmutigenden südlichen
Hafens. Sogar Waschmaschine und Tumbler waren da und weil es ein so
schönes Städtchen ist, so gemütlich und sonnig, blieben wir einige
Tage. Nebst Velotouren in die nahen Weinberge (Cote du Rhône-Gebiet
beginnt hier), reparierte Peter den an einer Brücke im Doubs abgefegten
Flaggenmast. Eine Fidibusarbeit mit Pinzette, Schraubzwingen, Holzleim u.
Schnell-Araldit. Das elektrische im Mast musste auch neu eingezogen
werden. Die Birnen waren ebenfalls defekt und das Glas der Ankerlaterne
liegt noch immer im Doubs. Der ganze Mast wurde dann innerhalb zweier Tage
mehrmals neu lackiert und wieder montiert. Wer es nicht weiss, sieht ihm
die durchgemachten Abenteuer nicht an. Einzig ganz oben schützt ein
umgestülpter Plastikbecher die Ankerlampe, so, als wäre der Becher schon
immer da gewesen.
Die Rhône wird nun breiter und breiter
und hat jetzt auch eine gut erkennbare Strömung. Es hat nun auch fast
keine Anlegestellen mehr, oder wenn vorhanden, sind diese für die
Pénichen und die "riesengrossen" Passagierschiffe reserviert.
Die vielen kleinen und alten Orte am Ufer kann man so leider nicht
besuchen. Und ist dann doch mal ein Anlegesteg vorhanden, so ist dieser
meistens von Sportbooten bereits besetzt. Es bleibt nicht anderes übrig
als im offenen Wasser (bei Strömungsgeschwindigkeiten von 10 - 15 km/h)
zu ankern, bei Schleusen Ein- und Ausfahrten anzulegen oder bei den schon
angelegten Sportbooten zu fragen, ob man an längsseits "im Päckli"
festmachen darf. Es fällt nun auch auf, dass die meisten Sportboote
Segler sind. Heimwärtsfahrende Dänen, Schweden und Deutsche,
südwärtsfahrende Engländer, Australier und Amerikaner, die an den
Gestaden des Meeres überwintern wollen.
Der nächste grosse Halt ist
Avignon (km
240), mit der bekannten Brücke (sur le pont d'Avignon) und dem grossen
Papstpalast. Seit zwei Tagen sind wir hier im Sportboothafen, mit Sicht
auf die berühmte Brücke. Die Stadt mit ihrer Ausstrahlung ist wiederum
einmalig. Und das Wetter! Tagsüber noch 30 Grad und abends sitzen wir in
den Shorts auf dem Schiff und bewundern den farbigen Sonnenuntergang bei
der Pont St-Bénézet. Wir geniessen das Ferienwetter zusammen mit den
vielen Touristen, die hier anzutreffen sind. Also, bis bald.
Liebe Grüsse senden: Therese und Peter
Rippstein aus Avignon
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Standort heute, am Sonntag 10.9.00:
Sportboothafen Avignon |
mit Sicht auf die bekannte Brücke Le
Pont-Saint-Béné zet. Wetter sonnig, Temp. 25 Grad jetzt um half elf Uhr
morgens. Es soll wieder 30 Grad werden. Pinienduft liegt in der Luft!
Neuer Bericht: Sing-Propeller, bitte
sing nicht mehr!
Schon einmal haben wir von unserem
singenden Propeller berichtet. Der Propeller treibt bekanntermassen
Flugzeuge an, sorgt für Frischluft im Ventilator und schiebt Schiffe
voran. Bei uns aber singt der Letztgenannte; der unter dem Wasser stetig
seine Runden dreht. Das ist merkwürdig, oder? Aber es ist eine wahre
Geschichte!
Also, das war so: Start auf dem Rhein am
23. Juni 2000. Motor an: Brumm, brumm und so weiter. Ein gemütlicher
Blubberton, wie man das so von einem Schiff gewohnt ist. Schubhebel nach
vorne drücken, die Drehzahl nimmt zu, 800, 1000, 2000, bis 3000
Umdrehungen in der Minute, nach Instrument, was der Motor wirklich dreht,
ist ja nicht feststellbar. Bei 1500 ein Singen, kein Zittern, kein
Vibrieren, ein hoher, gleichmässiger Ton. Bei höherer Drehzahl, nimmt er
ab, bei 2500 kommt er wieder zu einem unangenehmen Höhepunkt, nimmt
wieder ab, bei 2800 Touren plötzlich nichts mehr. Ein gleichmässiger
Maschinenton treibt dann das Schiff "unsingend" vorwärts. Beim
Gas zurücknehmen wiederholt sich dies in umgekehrter Reihenfolge.
Unglaublich. Was mag das wohl sein????
Fragen über Fragen. Dazu die nagende Ungewissheit; ist es der Motor, die
Welle, der Propeller? All die Bücherratschläge in Fach- und anderen
Zeitungen gehen einem durch den Kopf. Weiterfahren? Ja, klar. Im Prinzip
einfach weiterfahren. Es könnten ja Einfahrgeräusche sein, die nach
einiger Zeit verschwinden. Also: bei 2100, 2400 und über 2800 ist es
gemütlich, ein dahintuckern unter Maschine, wie man sich das immer
vorstellte. Aber eben, was könnte es sein?????
Teure Nateltelefon ab Frankreich mit der
Werft in Köln, die das Schiff damals im Auftrag des Voreigners umgebaut
haben. Antwort: Motor zur Welle ausrichten (Welle ist neu, Motor war
damals draussen). Es folgte eine genaue telefonische Anweisung, wie dies
mit der Distanzlehre zu machen sei, natürlich mit der Frage, ob ich so
eine an Bord habe. Habe ich!
Fragen dann in Kembs auch die
Nachbarlieger. Klar, der und der hatte damals etwas ähnliches. Also die
gefragt. Einer, mit einer holländischen Motorjacht, hatte das Problem
seinerzeit tatsächlich auch. Die Werft schlug mit einem Hammer auf eines
der Schraubenblätter und weg war der Ton! Ein Witz? Weiterfragen.
Wir gehen wegen "nicht ins Internet kommens"
zurück ins Heimatland nach Basel (hatten da noch unser Auto dabei). Im
Baslerhafen gehen wir zu einem Spezialisten, dem wir unser singendes
Problem vorstellen. Antwort: Habt ihr einen Infanger- Propeller? Haben
wir. Ja dann ist alles klar, der arbeitet einfach zu genau (der Infanger,
nicht der Propeller)! Staunen auf unserer Seite! Der Fachmann erklärt
uns, warum es das geben kann. Nach dem Swisscombesuch zurück nach Kembs
in Frankreich. Nun Nateltelefonat mit dem Propellerbauer Ifanger in
Ennetbürgen am Vierwaldstättersee, der unseren Propeller seinerzeit
ausgewuchtet und auf die neue Antriebswelle angepasst hat. Die
erstaunliche Antwort: Ja, Propeller können singen, wenn sie zu genau
ausgewuchtet, die Steigung zu regelmässig, die Oberflächenbeschaffenheit
zu gleichmässig und die Strömungsabrisskante zu scharfkantig ist.
Retourfrage: Warum dann eine so genaue Arbeit? Manchmal geht's, manchmal
eben nicht, war die Antwort. Ja, was sollen wir nun machen? Propeller
vorbeibringen. Geht nicht, wir sind in Frankreich und das Schiff schwimmt
im Wasser.
Nach einer Denkpause die Antwort: Es gäbe noch eine
Lösung, die aber nicht so elegant sei. Ja was dann? Mit dem Hammer auf
eines der Blätter schlagen. Voilà, die dritte Bestätigung nach einem
Schiffer in Kembs, dem Spezialisten im Baslerhafen und nun noch direkt vom
Hersteller! Was sollen wir davon halten? Wieder eigene Umfragen. Es
scheint wirklich dieses Problem zu sein. Wieder Nateltelefon nach Köln.
Die hatten noch nie so ein Problem (anscheinend arbeiten die Deutschen
nicht so genau oder haben das Problem längstens erkannt!). Nochmals ein
Nateltelefon mit Ennetbürgen. Wollte genauere Instruktionen, wo und wie
stark ich auf den Propeller schlagen soll. "Nur auf ein Blatt,
höchsten einen Zentimeter in der Breite und höchstens 3 Grad Neigung
soll ich in eine Blattaussenkante in Richtung Vorschiff bringen". Das
bewirke dann eine Verwirbelung des Wassers um den Propeller und bringe
eine Beruhigung ins Schiff (u. die Mannschaft?).
Mache den 15jährigen Tauchanzug klar, der Elsässer
Nachbarlieger offeriert mir sein Tauchgerät, ich bin bereit, ins kalte,
unklare Hafenwasser zu steigen. Bewaffnet mit einem Fäustel, einem Hammer
und einem Hämmerchen. Eine Tauchbrille hatten wir im Schiff, das wussten
wir, gefunden haben wir sie aber erst nach einer zweistündigen Sucherei.
Das nasskalte Wetter von Mitte Juli rettete mich vor dem Einsatz. Übung
abgebrochen!
Dafür Wellenlager geschmiert, Wellenschraubenlager
kontrolliert, Wellendichtungen gelockert, fast herausgenommen, geschmiert
und allen Teilen immer und immer wieder gut zugeredet. Dazwischen
Probefahrten, schneller, langsamer und so. Effekt: Singen hat abgenommen,
ist erträglicher geworden. Wir fahren nun so, dass es uns nicht mehr
stört. Bis ans warme Meer, wo ich dann, ohne Tauchanzug, im sauberen,
klaren Wasser mit dem Hammer auf die Schraube schlagen kann. c'est la vie.
Man kann auch mit Problemen leben, Hauptsache man kennt sie!
Herzliche Schiffersgrüsse Peter u. Therese
Reisebericht 4: Von Avignon
bis Port St-Louis an der Rhônemündung;
| E-Mailversand am 1.10.00 aus
Port-Saint Louis an der Rhônemündung, im Golfe de Fos. |
Nach ausführlicher Besichtigung der schönen und
sauberen Stadt Avignon, wo im 14. Jahrhundert 7 Päpste lebten und einen
eindrücklichen, riesigen Palast und zahlreiche andere sehenswerte
Bauwerke hinterliessen, fuhren wir weiter nach Arles. Kurz nach Avignon
donnerte ein TGV auf einer neu erstellten, 12 pfeilerigen Brücke über
unsere Köpfe hinweg. Wieder fuhren wir an kleineren Dörfern vorbei, aber
auch an Atomkraftwerken oder Chemiefabriken, eine entliess stinkige Luft
und schäumendes Abwasser. Schrecklich! Dabei sind gerade hier die
Rhôneufer noch so, wie sie früher waren, hier hat es keine Staustufe von
einem Kraftwerk mehr, es sind hier noch die natürlich gewachsenen Ufer.
In Arles lagen wir mit Schweizern und Dänen am gleichen
Ponton. Die Stadt Arles war überflutet mit Engländern, Amerikanern und
Japanern. Wir hatten uns auf diese Stadt sehr gefreut, weil wir sie
bereits zu kennen glaubten, aber waren enttäuscht, weil alles so "überloffen
und schmutzig" war. Wir fuhren dann auch früher südwärts als
geplant. Bei der Weiterfahrt mussten wir in einem Abschnitt von 6
Kilometern genau die betonnten Markierungen beachten. Die Rhône ist zum
Teil über 300 m breit, aber die Fahrrinne nur 2x40m, wobei die
Talfahrtrinne eine Tiefe von 4 Metern, diejenige für die Bergfahrer aber
nur 3 Meter hat. Über Funk muss man sich anmelden.
Bergwärtsfahrende Schiffe, die einen Tiefgang von mehr
als 2.5 Meter haben, fahren dann auf der "falschen" Seite.
Eindrücklich, der breite Fluss, das Land links und rechts flach, aber nur
eine sooo schmale "Durchfahrt". Dann drei Stunden links und
rechts nur niedriger Wald und Gebüsch, das in den Fluss hinausragt, sonst
nichts. Von der Camargue selber sieht man nicht so viel, sie beginnt erst
"dahinter". Wirklich, eine eindrückliche Flusslandschaft! Der
ganzen Strecke entlang sind wieder die Kilometer angegeben. Nach Nr. 323
erreichten wir die letzte Schleuse. Eine Klappbrücke gab uns das Tor zum
Mittelmeer frei. Wir haben also unser diesjähriges Ziel erreicht, das
Meer!
In Port Saint-Louis, da wo die Rhône in das Meer
mündet, erreichten und spürten wir die Atmosphäre eines Meerhafens. Hier
hat es auch viele Sportbootfahrer auf der Durchfahrt von Süden nach
Norden, oder wie wir vom Norden her kommend. Meistens sind es Segler aus
England oder Skandinavien. Die angrenzende Camargue, das unermessliche
Rhône-Delta, erforschten wir zwischendurch mit dem Velo. Sind auch schon
an den 10 Kilometer langen Sandstrand gefahren und haben dort bis zu den
Knien gebadet. In den Salzseen bewundern wir Flamingos, Seidenreiher,
Möwen und anders Vogelgetier. Sahen auch Einheimische, die in
knöcheltiefem Meerwasser nach Muscheln suchten. Sahen riesige
Muschelzuchtbänke, gleich vielen Stangenbohnengerüste, an denen die im
Wasser schwebenden Körbe mit darin enthaltenden Muscheln aufgehängt
sind.
Am Dienstag und Mittwoch (20./21. September) hatten wir
Sturm. Zum Glück lagen wir sicher im Hafen. Am Dienstag war schönstes
Wetter, leichter Wind. Gegen Mittag nahm der Wind zu und am Nachmittag
blies er mit 8 Beaufort stetig aus Südost. Das sind 35 Knoten oder ca. 65
km/h.
Nachmittags kam dann noch etwas Regen dazu. Abends war
alles vorbei,
kein Lüftchen mehr, die ganze Nacht. Nach Wetterbericht der Capitanerie
sollte es am Mittwoch weniger blasen, doch es kam anders. Gegen Mittag kam
eine grauschwarze Wolkenfront von Westen daher, mit Blitz
und Donner. Dann
eine Wasserwand, die mit unheimlicher Geschwindigkeit die im Hafen
liegenden Schiffe erreichte. In
der nächsten Sekunde war die Sicht, da
voller Wassertröpfchen, gleich null, aber taghell, der Lärm
ohrenbetäubend. |

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Die Schiffe legten sich zur Seite und zerrten an den
Leinen. Dann hämmerte es plötzlich, Hagelkörner so gross wie
Haselnüsse kamen fast waagrecht daher, durchschlugen unsere
Plastikfenster im Cockpitpersenning. Nach einer halben Stunde war alles
vorbei. Wind und Regen stellten ab. Alle SchifferInnen kamen an Deck,
machten Fotos, von den mit Hagelkörnern bedeckten Schiffen. Ein
ungewohnter Anblick, vor allem hier im Süden. Ausser den Plastikfenstern
hat es uns und unserer Pethy nichts gemacht. Dem Nachbarn schlug es bei 53
Knoten einen Flügel des Windmessers ab. Im Nachbarhafen wurden 54 Knoten
gemessen. Das sind 10 Bft oder 100 km Wind und das 10 Meter über unseren
Köpfen (die Windmesser sind so hoch oben) gemessen.
Den Mast konnten wir darum erst später als vorgesehen
stellen. Letzte Woche haben wir die Segel aufgezogen und das Schiff nach
Vorschriften seeklar gemacht. Die Probefahrt auf dem Golfe de Fos machten
wir am letzten Mittwoch, am 27.9.00. Weil ein Wirbel in der
Segelaufhängung sich nicht mehr drehte, mussten wir das Vorsegel
einziehen. Nach einer Intensivbehandlung dreht sich jetzt dieser dämliche
Wirbel aber wieder. Wir wollen nun noch weitere Kurzfahrten, machen, immer
sofern sich das Wetter von der freundlicheren Seite zeigt. Sicher ist: Wir
bleiben hier in Port Saint-Louis. Unsere Pethy wird in der nahegelegenen
Werft, "hoch und trocken" an Land gestellt, je nach Wetter; es
sollte schön und trocken sein, damit wir das Unterwasser noch reinigen,
Farbschäden ausbessern und alles trocken versorgen können. Werden
spätestens Ende Oktober zuhause sein.
Herzliche Grüsse senden Therese + Peter Rippstein
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Der
Artikel erschien in den L'ancre de Kembs Ausgaben März und Juni 2001 |
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Aufruf:
Wenn Ihr eure Reisen und Erlebnisse rund ums Schifffahren
auch zusammenfasst, schickt uns doch eine
Kostprobe !
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