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" Wie
die Ticino nach Kembs kam "
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Angefangen hat - wie wohl bei manchen anderen auch - das Ganze mit einigen Chartern, bei uns unter anderem von Lutzelbourg und Montbéliard aus. Nach reiflicher Überlegung reifte der Entschluss zum eigenen Flussboot und die Suche nach erstens dem geeigneten Boot und zweitens dem richtigen Liegeplatz dazu begann im Herbst 1998. Nebst heftigen Internet - Surfanfällen und Besuchen in St. Jean-de-Losne und weiteren "vorbelasteten" Destinationen wurde die Beziehung zu Peter, einem alten Freund der Familie, wieder aktiviert. Peter und sein Bruder hatten schon lange ein Motorboot auf der Aare, und war somit eine gesuchte Auskunftsstelle. Nach einigen Gesprächen erwähnte er, dass er gelegentlich Ausschau nach einem jüngeren Boot halten und sein jetziges verkaufen werde. Bald waren wir uns handelseinig; und die definitive Platzsuche begann. Folgende Kriterien sollten erfüllt sein:
Nach etlichen Rekognoszierungsfahrten von Rheinfelden bis Montbéliard und Colmar stand Kembs als Wunschhafen fest, mit Colmar auf dem zweiten Platz. Nach einem Gespräch mit dem Hafenteam stand ich auf der Warteliste für einen Platz und wir waren dem Traum wieder ein gutes Stück näher. Als nächstes galt es, Überholung und Transport der 15-jährigen TICINO zu organisieren. Von verschiedener Seite, unter anderem von Peter, wurde mir von schlechten Erfahrungen mit der Werft am "alten" Liegeplatz berichtet. Als nächste Alternative erschien mir ein grosser Vertreter von Stahljachten am Neuenburgersee valabel, und so wurde mit diesem auf Winter 98/99 vereinbart, dass die Revision dort zu erfolgen habe. Wichtigster Punkt der Revision waren die undicht gewordenen Fenster, die bereits zu Schäden an der Holz-Innenverkleidung geführt hatten, auch die 800h-Revision der Maschinen stand an, und natürlich die 100 Kleinigkeiten, die immer fällig sind, und meine handwerkliche "Kompetenz" übersteigen.
Am Montag vor der am Wochenende geplanten Überführung zur Werft nochmals zur Sicherheit ein Telefon - und grosse Überraschung: Die Dame des Hauses erklärte uns, jetzt (es war unterdessen Anfangs März) sei man mit den Stammkunden ausgelastet und könne unmöglich vor Juni eine Arbeit annehmen. Nun ja, ich werde also keine machen! Der Familienrat beschloss, die Reihenfolge von Revision und Transport umzukehren. Gleichzeitig hatte ich schon drei Transportbetriebe angeschrieben und um Offerten gebeten für den Transport vom Neuenburgersee nach Birsfelden, und (vorsichtshalber, aber jetzt zu recht) als Variante auch ab Biel. Mit rund Fr. 1500.- (ohne Bewilligungen) am günstigsten (die anderen zwei waren Fr. 700.- und 1000.- teurer) wählte ich die Stiftra, Zürich. Nicht nur wegen des Preises, sondern auch, weil sie die "TICINO" bereits vom Zürichsee zu Peter transportiert hatte. Am Samstag, 20.3. ging es dann los: Zuerst von zu Hause per Auto zum Liegeplatz in Selzach, alles persönliche Material von Vater Werner und mir einräumen; zusätzlich eine Kiste mit Zurrgurten und "was man sonst noch brauchen könnte". Bei schönem, aber noch recht frischem Wetter haben wir Peter verabschiedet und um 12.30 abgelegt. Eigentlich ist die Aare auch ein schönes Revier, schade ist sie nicht ab Basel erreichbar. Um 15.50 sind wir an der bereits erwähnten, einzigen Schleuse, deren Hub etwa einen Meter betrug. Um 16.15 beim Barkenhafen Biel angekommen, haben wir das Boot an einem Liegeplatz direkt beim Kran verholen dürfen, was den Verlad vereinfachte. Peter holte mich ab, um noch das Auto zum Hafen zu holen. Am Sonntag stand Abrüsten auf dem Programm: Angefangen von Geräteträger und Windschutzscheibe, weiter mit Steuerrad und Motorhebel. "Jeder Zentimeter zählt, gut sind 4.30 M., ab 4.50 M. Durchfahrtshöhe wird es heikel", hatte man mir von der Stiftra eingeschärft. Montag, 22.3., 8 Uhr: Letzte Vorbereitungen im Innenraum, Gläser mit Hand- und Geschirrtüchern verkeilen, "Was haben wir vergessen, was könnte sonst noch schief gehen?" fragen wir uns einige Male; schliesslich transportieren wir auch nicht alle Tage 9,5 Tonnen Schiff durch die halbe Schweiz! Natürlich hat das Wetter umgeschlagen, es ist ein Novembertag: grau, kalt, trüb, Regen fällt. Um 9 Uhr erscheinen Josua und Reto von der Stiftra, mit Lastwagen, Tiefladeanhänger und Begleitfahrzeug. Gleichzeitig taucht auch ein Streifenwagen der Bieler Stadtpolizei auf, der uns dann bis zur Gemeindegrenze begleiten sollte. Später sah ich auf der Abrechnung, dass sie für die 150 Meter v. Barkenhafen bis zur Grenze nach Nidau Fr. 150.- verrechneten Gott sei Dank haben die uns nicht bis Birsfelden begleitet - bei einem Meterpreis von einem Franken.
11 Uhr. Der Konvoi rollt: Reto als Vorausfahrzeug, Josua im Lastwagen, ich darf mitfahren und navigieren, Werner spielt Besenwagen. Unterwegs, an einer Kreuzung mit Lichtsignal, macht Josua einen Schwenker auf die Strassenmitte. "4 Meter 30, Unterkante Signal", meint er lapidar auf meinen fragenden Blick, er habe es bei einem Transport vor einigen Jahren "ausgemessen" Es regnet nun durchgehend - fast durchgehend: auf dem Hauenstein schneit's.
Anschliessend Nachtessen im "Solbad", Verabschiedung von der Stiftra-Crew, die übrigens hervorragende Arbeit geleistet hat und ich uneingeschränkt weiter empfehlen kann. Zurück an Bord muss ich sofort mit dem Einbau des Funkgeräts beginnen, denn auf 20 Uhr war Herr Michel vom Bakom angemeldet, der es abnehmen soll (und es auch tut). Auch ich möchte hier wiederholen, was bereits an anderer Stelle vermeldet wurde, nämlich ein Lob auf die unbürokratische Art von Herrn Michel: Welche andere Amtsstelle würde wohl anbieten, um diese Zeit in den Auhafen zu fahren und irgendetwas zu tun? Herzlichen Dank dafür! Die zweite Nacht an Bord - an Schlaf ist kaum zu denken, ich bin zu aufgeregt: Endlich auf dem "eigenen" Schiff, auf dem gefährlichen Rhein - Horrorszenarien werden wach: Bin ich gut genug vertäut, was passiert, wenn ein Frachter jetzt da hin will, was war das für ein komisches Geräusch?
Man lässt mich
dann trotzdem durch, mit der Anweisung, immer den Funk abzuhören und nie
davon wegzugehen oder den Kanal zu wechseln. Na ja, man lernt dazu 12 Uhr:
Zwischenhalt bei der Marina Dreiländereck, einerseits um zur Feier des
Tages ein "Rheinhafen - Cordon bleu" zu vernichten, andererseits
um den Aussenlautsprecher zu improvisieren, für die Zollabklärungen Frage: Wie klariere ich ein Schiff aus, das
16.30: Entweder ich töne schon professioneller, oder der Eclusier von Kembs hat den besseren Tag als der von Birsfelden: Ich darf mit dem Schubverband und einem weiteren Frachter zu Tal.
Der Artikel erschien in der L'ancre de Kembs Ausgabe Sept. 2001 Aufruf:
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