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vormalig olieboot bouwjaar 1957, een
varend monument met thuishaven Harlingen .... Ich hatte mich entschieden, im Hinblick auf meine Pension mein Boot (Pedro 950) zu verkaufen und ein grösseres Boot, geeignet für lange Fahrten zu kaufen. Mein Ziel war: Länge 15 m, Breite 4 m. Ich wollte keine Yacht der gängigen Marken von der Stange und sah deshalb grundsätzlich zwei Möglichkeiten:
so hatte es der Vorbesitzer erworben
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Entweder gibt es irgendwo einen
Bootsbesitzer, der sein Boot nach den gleichen Vorstellungen wie ich sie habe,
aus oder umgebaut hat und der es altershalber verkaufen will, oder ich kaufe ein geeignetes
Arbeitsboot und lasse es nach meinen Vorstellungen selber umbauen.
Über allem stand das Motto: ALL I NEED IS A TALL SHIP! Heute bin ich stolzer und glücklicher Besitzer eines umgebauten
ehemaligen Bunkerbootes, habe es drei Monate auf den niederländischen Binnengewässern gefahren und bin rundum zufrieden. |
Vom Entschluss bis zur ersten Reise war ein langer Weg, er dauerte mehr als zwei Jahre vom Kauf des Bootes bis zur ersten Fahrt.
Am 22. März 2001 bin ich wohl vorbereitet mit Unterlagen über das
BootsAngebot aus dem Internet nach Holland geflogen und habe meinen Freund Dieter Hoheisel
getroffen. Wir kennen uns seit mehr als fünfundzwanzig Jahren. Dieter lebt davon, dass er alte schöne Boote aller Grössen kauft,
umbauen und renovieren lässt und wieder verkauft. Der ideale Partner für mein Vorhaben. Auch er hatte Unterlagen vorbereitet, die sich zum Teil mit meinen deckten. Wir sind zwei Tage von einem Hafen zum anderen in ganz Holland gefahren und haben uns Boote angesehen.
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Von der Kategorie ‚altershalber zu verkaufen' entsprach keines meinen Vorstellungen: Stehhöhe nicht in allen Kajüten gewährleistet, zu viele Schlafplätze (bis acht) auf
Kosten des Wohnraumes, keine Dusche (auf einem 15 m Boot!), mit Mobiliar ausgestattet, bzw. so voll gestopft, dass die
Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist, Veränderungen der Silhouette beim Umbau von
Berufsschiffen, so dass die Proportionen nicht mehr stimmen.
Am zweiten Tag sind wir fündig geworden: Lute van Dijk, Schweisser und Bootsbauer in Meppel hat einen Kasko angeboten: Ein ehemaliges Bunkerboot, Baujahr 1957, an dem er selber in der Freizeit drei Jahre
gearbeitet hat. Er hat die Seitenwände entfernt und neue Stahlplatten aufgeschweisst, die vier Dieseltanks im Laderaum entfernt,
einen neuen Dieseltank (1'400 Liter), einen Motor (International, revidiert, 139 PS) und
einen hydraulischen Bugstrahler eingebaut, aus Stahl ein Steuerhaus und einen Aufbau für den Wohnraum aufgebaut. Wir sind uns handelseinig geworden, obwohl der Stil
seiner Umbauarbeiten, höflich ausgedrückt, nicht ganz meinen Vorstellungen
entsprochen hat.
Ich habe den Kaufvertrag mit dem Makler unterzeichnet und zehn Prozent des
Kaufpreises anbezahlt. (Damals noch in holländischen Gulden). Vor meiner nächsten Reise nach Holland ging das Boot nach Meppel auf die Helling. Bei meinem nächsten
Aufenthalt in Holland eine Expertise über den Zustand des Rumpfes erstellt. Es bestehen folgende Usanzen: Wenn die Expertise in Ordnung ist, gilt der Kaufvertrag und die Kosten für die Expertise gehen zulasten des Käufers. Kleine Beanstandungen werden durch den Verkäufer in Ordnung gebracht. Ist die Expertise negativ, wird sie samt den Hellingkosten vom Verkäufer bezahlt und der Käufer kann vom Vertrag zurücktreten.
Da der Experte Mitarbeiter einer niederländischen Versicherungsgesellschaft war und ich mit dieser meine Versicherungen (Kasko und Haftpflicht) abgeschlossen habe, war die Expertise gratis. Die
Bootsversicherungen mit niederländischen Gesellschaften sind wesentlich billiger als mit
schweizerischen. Grund: Bootsversicherungen sind in den Niederlanden alltägliches Geschäft, in der Schweiz Ausnahmen.
Da der Experte Mitarbeiter einer niederländischen Versicherungsgesellschaft war und ich mit dieser meine Versicherungen (Kasko und Haftpflicht) abgeschlossen habe, war die Expertise gratis. Die
Bootsversicherungen mit niederländischen Gesellschaften sind wesentlich billiger als mit
schweizerischen. Grund: Bootsversicherungen sind in den Niederlanden alltägliches Geschäft, in der Schweiz Ausnahmen. |

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Nun ging es los. Lute van Dijk liess mit sich über den Verkaufspreis nicht diskutieren, aber er hat sich bereit erklärt, zu einem günstigen Stundenlohn in seiner Freizeit Schweissarbeiten am Boot auszuführen und hat folgende Aufträge erhalten: Absenken des klobigen Aufbaus im vorderen Drittel Abschneiden des Steuerhauses am unteren Fenstersturz und neu aufbauen, damit es den Proportionen entspricht, Schneiden der Öffnungen für Fenster und Bullaugen nach meinen wohl überlegten, mehrmals überdachten Anweisungen, anbringen der Handläufe, versetzen des Steuerstandes in die Mitte des Steuerhauses, statt backbord, anbringen der Niedergänge. Ich
habe mittlerweile das ganze Boot innen vermessen um die Pläne für den
Innenausbau zu zeichnen. Diese Pläne habe ich etliche Male über den Haufen geworfen und abgeändert, meine
Nichte, die Architektin ist, hat parallel dazu auch Ideen entwickelt (sie hat sich Mühe gegeben, weil ich ihr Götti bin). Wir haben die Varianten diskutiert und vernünftige Lösungen gefunden.
Die wesentlichen Rahmenbedingungen für den Innenausbau waren mir klar: Grosszügige
Raumaufteilung (frei stehender Tisch mit Stühlen, statt Dinette mit Sitzbänken), Kajüten mit bequemen Betten und
genügend Stauraum und Bewegungsfreiheit, je zwei Schlafplätze in der Gästekajüte (zwei Einzelbetten) und in der Eignerkajüte (ein Doppelbett), zusätzlich lässt sich die
Sitzbank im Steuerhaus in ein Einzelbett umbauen, gute Isolation (5 cm Steinwolle unter dem Täfer und doppelverglaste Fenster),
absolute Autonomie: eigene Stromversorgung mit Dieselgenerator, Waschmaschine, genügend
Trinkwasser und Dieselkapazität (1'500 und 1'400 Liter), Küche, Dusche und WC wie zuhause. Nur zwei Ebenen.
Unten: Wohn und Schlafraum im ehemaligen Laderaum; oben: Steuerhaus,
Achterdeck, Gangborde und Vordeck auf einer Ebene, mit nur 30 cm Niveauunterschied (Achterdeck Gangbord Vordeck). Als
Verbindung der beiden Ebenen eine Treppe (keine Leiter) die ich auch im Alter siebzig Jahren mit zwei vollen Einkaufstaschen in den Händen noch bewältigen kann. Lute van Dijk hat alle Arbeiten zu meiner Zufriedenheit erledigt, aber es hat einige Zeit gedauert und ich war immer wieder vor Ort um die Arbeiten zu überwachen und meine Pläne anzupassen und die
entsprechenden Aufträge zu erteilen. Dann wurde es ernst:
so habe ich es übernommen .... |
Am 26. Dezember 2001 bin ich mit meinem Freund Joggi Zumbrunn nach Friesland gefahren. Am 27. Dezember
haben wir alle Öffnungen des Bootes, ausser dem mittleren Fenster des Steuerhauses mit Bauplastik verschlossen und mit Holz und Draht gesichert.
Die Überführung von Meppel nach Harlingen zusammen mit Dieter Hoheisel hat zwei Tage gedauert und gehört zu den Geschichten, die erst im Nachhinein lustig oder interessant sind. |
Am ersten Tag war es extrem kalt und die Stürme waren so stark, das auf der Nordsee Bootsbesatzungen mit Helikoptern von Bord abgeborgen wurden. Wir konnten nur auf den Flüssen und Kanälen fahren, die Meere waren mit ihrem Wellengang zu
gefährlich für die Überführung eines Kaskos mit offenen Fenstern und Bullaugen. Am Abend des ersten Tages mussten wir noch zurück nach Meppel fahren, um unser Auto zu holen. Lute und Christa van Dijk haben uns erwartet. Mein Eindruck war, dass Lute über alle meine Änderungswünsche an
seinem ehemaligen Boot nicht immer glücklich war. An diesem Abend hat er sich mit Christa endgültig von seinem Boot
verabschiedet und hat mit einiges spontan überreicht; die Werftplakette, zwei
OriginalBullaugen des ehemaligen Bunkerbootes, die Ankerwinde und Fotos seiner
Umbauarbeiten; ich glaube er hat sich mit meinen Änderungswünschen versöhnt.
Am zweiten Tag war das Wasser spiegelglatt und die Sonne schien, bis um 14 Uhr, dann begann es in einem Ausmass zu schneien, dass die Sicht noch kaum fünfzig Meter betrug. Den Brückenwärter in
Franeker mussten wir per Natel bitten, die Brücke zu öffnen, er konnte uns nicht sehen. Nach dem Anlegen in Harlingen hatten wir
zwanzig Zentimeter Schnee auf Gangborden und Deck. Rückblickend ist es für alle
Beteiligten ein tolles Abenteuer. We had a hell of a time afterwards in the Pubs and Bars of Harlingen!
In Harlingen ist das Boot innen gründlich gereinigt, entrostet und für den Innenausbau vorbereitet worden. Dann wurde es im
August 2002 nach Sneek zum Sandstrahlen überführt. Vorher ist im Kollisionsschott eine wasserdichte Tür als Verbindung zur Gästekajüte eingebaut worden. Von
Harlingen ging es nach Franeker in die Scheepswerf Nieko zum Innenausbau, das war Ende September 2002. Dort begann der aufwändige Innenausbau: Seitenwände, Decke und Boden wurden mit Steinwolle isoliert. Auf den Spanten wurden Setzhölzer montiert, damit später darauf das Täfer befestigt
werden konnte, der Wassertank und der Abwassertank wurden eingebaut, Platz für die
Gasflaschen wurde geschaffen (im Steuerhaus, lediglich mit einer Öffnung nach aussen), ein Boden wurde gelegt, auf dem später das Parkett verlegt werden konnte, die
Gas und Wasserleitungen wurden installiert. Wände, Türen und Schränke wurden eingebaut.
Während dieser Zeit war ich mehrere Male in Franeker um die Arbeiten zu überwachen und die Ausbaupläne wieder
anzupassen. Für die Dusche haben wir eine einfache, aber effiziente Lösung gefunden. Im
ganzen Boot gibt es eine absolute Stehhöhe (wenn die Gäste nicht deutlich über zwei Meter gross sind). Beim Einbau einer Dusche verliert man Stehhöhe, weil die Wanne unter der Dusche Platz braucht. Also haben wir darüber einen falschen
Niedergang angebaut, der von aussen wie ein zweiter Eingang ins Boot aussieht, aber nur den Zweck hat, die Stehhöhe unter der
Dusche zu gewährleisten.
Nach langen Überlegungen habe ich mich für die Ausführung der Fenster entschieden. Ich habe sie durch einen Schreiner
herstellen lassen. Alle Fenster sind doppelverglast und sitzen in Mahagonirahmen. Im
Wohnraum kann man sie gegen innen schräg stellen, oder zum Lüften ganz herausnehmen.
In den Niederlanden gibt es die Möglichkeit, sein Boot mit einer Schiffshypothek zu finanzieren, zu relativ günstigen
Konditionen, weil Schiffe dort ebenso zahlreich sind wie Häuser. Dies gilt auch für alle
Mitglieder der EU. Als Schweizer, die nicht zu Europa gehören, ist das sehr schwierig. Ich
habe es nach Bemühungen, die mehr als ein halbes Jahr gedauert haben geschafft, über meinen Freund Dieter Hoheisel, der nach seinen Aussagen Untertan der niederländischen Königin ist, mit einer notariellen
Beglaubigung eine Hypothek in Form eines Baukredits zu günstigen Bedingungen zu erhalten.
Mittlerweile hatten sich auch meine Bemühungen, holländisch zu lernen, ausbezahlt. Ich kann mich heute einigermassen
verständlich machen; mir den Weg erklären lassen, beim Hafenmeister nach einem
Liegeplatz fragen, in den Läden einkaufen, sagen, woher ich komme und dass ich
englisch, französisch und deutsch spreche.Nach dem dritten Bier kann ich mich in der
Kneipe mit Leuten, die gleich viel Bier getrunken haben im Rahmen der einfachen
Konversation unterhalten.
Von einem Freund, der Elektriker ist, habe ich mich zuhause beraten lassen und mich zu folgender Installation entschlossen: Ich will zwei elektrische Kreisläufe: 220 Volt (gespiesen durch den Generator oder durch Landstrom) für die Deckwaschpumpe, Waschmaschine und alle Steckdosen an Bord (für Staubsauger und alle anderen elektrischen Geräte), 24 Volt für alle
anderen Geräte (Kühlschrank, Funk, Starter Motor und Generator, Innenbeleuchtung, Navigationslichter, Suchscheinwerfer). Es gibt zwei Batteriesätze: Starterbatterien und Verbraucherbatterien für das Bordnetz.
Diese werden zweifach gespiesen; durch den Alternator, solange der Motor läuft und durch ein Ladegerät, sobald das Boot am Landstrom angeschlossen ist. Die
Verbraucherbatterien werden zusätzlich durch Solarzellen aufgeladen.

Für den Innenausbau habe ich folgendes Material ausgewählt: Boden; Parkett aus
Pitchpine, ein hartes, schweres Holz, das leicht ins orange spielt. Decke; Ahorn, ein helles, warmes Holz. Seitenwände:
Hartholzplatten, weiss gestrichen. Fensterrahmen, Backs kisten und Türe zum Steuerhaus; Mahagoni. Bullaugen: Messing.
Dann war noch die Küche einzurichten. Der Platz dafür ist beschränkt. Ich habe
lange darüber nachgedacht, wievielmal ich zuhause mehr als zwei Kochplatten zum
Kochen benutzt habe. Dann stand mein Entschluss fest: Zwei Kochstellen mit Gas und ein Backofen reichen aus, damit wird Platz gespart. Ich habe eine schöne Einrichtung gewählt, die nicht billig war und für die Oberfläche der Kücheneinrichtung habe ich eine Terrazzoplatte giessen lassen (Herstellungszeit fünf Wochen), die auch nicht billig war, aber es hat sich gelohnt.
Während der zwei Jahre Umbauzeit bin ich ein Dutzend Mal nach Friesland auf meine Baustelle gefahren, um Arbeiten zu überwachen und Entscheide zu fällen. Alles dauerte länger und wurde teurer als geplant. U.a. mussten mehr als zwei Tonnen Blei als Ballast auf das Boot gebracht und am
richtigen Ort platziert werden. Ende März
2003 war mein letzter Arbeitstag und der Beginn des so genannten Ruhestandes. Am 6. April bin ich nach
Friesland gefahren, um auf meinem Boot bei den Abschluss arbeiten zu helfen. Ich habe
sechs Wochen als Werftarbeiter an Bord verbracht und gute Freunde aus der Schweiz
haben mich dabei unterstützt. Wir hatten eine harte, aber gute, lehrreiche Zeit mit dem friesischen Zimmerleuten, Schreinern,
Elektrikern, Mechanikern und Schweissern. Wir haben hunderte von Löchern, in denen die Schrauben des angebrachten Täfers sassen, gespachtelt, geschliffen und wieder
gespachtelt und dann den ganzen Innenraum grundiert, geschliffen, gemalt, wieder
geschliffen und abermals gemalt .....
Auf der ganzen Aussenseite des Schiffes wurden alle Schweissnähte geschliffen, grundiert, wieder geschliffen und die
ganzen Aufbauten geschliffen und mit Waschbenzin gereinigt, damit der Maler alles mit Zweikomponentenfarbe streichen konnte.
Das ganze Holzwerk, Boden, Decke, Fensterrahmen, Türe zum Steuerhaus,
Backskisten haben wir lackiert, geschliffen und wieder lackiert und später die Decks und Gangborde mit gekochtem Leinöl
behandelt. Ich konnte alle Arbeiten an Bord verfolgen und beeinflussen und mich auch von den Handwerkern (alles absolut kompetente Fachleute) beraten lassen. Das alles hat den Finish des Bootes positiv beeinflusst und ich habe mein Boot in allen Details kennen gelernt.
Ich habe zwei harte Tage unter Deck verbracht, um die Bilge und den ganzen
Maschinenraum zu reinigen. Mein Esstisch ist ein abgebrochenes Seitenschwert
eines kleinen Segelbootes (es hat mich zwei Flaschen Wein
gekostet) und ich habe es mit drei Füssen versehen lassen und selber mehrere Male lackiert. Wenn ich den Tisch von der Wand weg rücke und frei stelle, haben fünf bis sechs Personen Platz zum Sitzen.
Der Mast stammt ebenfalls von einem kleinen Segelboot. Er ist gebrochen, aber der intakte Teil war noch lange genug für meine Ansprüche. Nieko, der Werftbesitzer hat dafür ganze fünf Euro verlangt. André, der Schweisser, hat aus einem Stück Stahlrohr die Saling erstellt, zwei Augen angebracht und das ganze montiert.
| Am 26. April 2003 war zwar noch nicht
alles fertig, aber ich habe alle Handwerker und ein Dutzend Freunde aus der Schweiz zur Bootstaufe eingeladen.
Meine Nichte hat als Gotte (schliesslich bin ich ihr Götti) mein Boot getauft,
Edith Habraken, die beste Trommlerin in ganz Basel (sie stammt aus Holland) hat auf dem Vordeck ihre Eigenkomposition
‚Odyssee' getrommelt und wir hatten ein fröhliches,
gelungenes Fest.
Zusammen mit Dieter habe ich eine ganze Trosse Tauwerk aus Polypropylen gekauft, jeder von uns hat eine Hälfte für sich genommen und ich habe an einem
sonnigen Vormittag meine Taue mit dem Hotknife auf die richtige Länge geschnitten, die Augen gespleisst und die Enden mit genähten Taklingen versehen.
Auf dem Flohmarkt in Hindeloopen habe ich vier Fender, einen alten Barhocker (als Steuerstuhl) und einen Schürhaken gekauft, alles zusammen für fünfzig Euro. Den
Haken brauche ich für meinen herzigen, kleinen Kachelofen, der aus dem Entlebuch stammt. Dieter hatte ihn für sein Schiff
gekauft, hat aber dann einen geschenkt bekommen.
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Auf der ganzen Werft habe ich tagsüber nie eine einzige Flasche Bier
gesehen, ausser am Freitag nach fünf Uhr, wenn alle, die dort gearbeitet haben in der grossen Halle zusammen ein paar Feierabendbiere zur Brust genommen haben. Das war jedes Mal eine fröhliche Runde, die ich nicht missen möchte. Pünktlich um neun Uhr morgens und drei Uhr nachmittags war Kaffeepause.
Beim Endspurt haben mich die Fachleute auf der Werft vortrefflich beraten. Viele kleine Details haben wir noch geändert und angepasst: Stauraum mit Beleuchtung hinter der Küchenkombination, Platz neben der Waschmaschine und der Dusche für
Waschmittel und Toilettenartikel, Platz für den Mistkübel in den richtigen Abmessungen für holländische Mistkübelsäcke, Stauraum unter der Treppe, geeignete
Innenbeleuchtung, Anschluss zum Aufladen des Natel, Einbau eines Radios um den Wetterbericht zu hören etc.
Während meiner Arbeitszeit an Bord habe ich nach getaner Arbeit bei Dieter
Fahrstunden genommen und bin Dutzende von An- und Ablegemanövern gefahren. Ein Boot mit 25 Tonnen und einer Länge von 18 m ist anders zu fahren, als eine Pedro 950. Es hat später noch einige Zeit gedauert, bis ich mein Boot wirklich im Griff hatte. Ende Mai bin ich auf die erste Fahrt durch
Friesland gegangen und nach zwei Wochen in die Werft zurück gekehrt, mit einer kleinen Mängelliste, um die Kinderkrankheiten zu beseitigen. Anschliessend war ich drei
Monate unterwegs und habe die niederländischen Binnenschifffahrtsstrassen und mein Boot kennen und lieben gelernt.
Fazit: Ich habe meine Freunde, die mir geholfen haben noch besser kennen gelernt, viele nette und kompetente Fachleute
kennen und schätzen gelernt und wertvolle Erfahrungen gemacht und mein Ziel erreicht:
OWNER OF A BEAUTIFUL TALL SHIP
Lehren aus dem zweijährigen Umbau meines Schiffes
1. Es ist wichtig und absolut unerlässlich, klare Vorstellungen für den Kauf des Bootes zu definieren. Du wirst keines finden das ihnen zu hundert Prozent
entspricht. Mit neunzig Prozent kannst Du Dich zufrieden geben.
2. Denke daran wie alt Du bist, bis in welchem Alter Du Dein Boot noch nutzen willst und richte es entsprechend ein.
3. Lege die maximale Durchfahrtshöhe Deines Bootes von Anfang an fest, um unliebsame Überraschungen auf Deinen bevorzugten Wasserwegen
auszuschliessen.
4. Die Länge von 15 Meter ist eine Schallgrenze für Liegeplätze. Dies musst Du bei Deinen Plänen berücksichtigen.
5. Wenn du ein Gesamtbudget erstellst, rechne recht viel Reserve ein. Viel
Unvorhergesehenes wird wesentlich teurer. Wenn Du nicht über genügend
finanzielle Reserven verfügst, wirst Du Probleme haben.
6. Wenn Du die Silhouette des Bootes veränderst, denke an die Proportionen und an den Charakter des ehemaligen
Berufsschiffes und behalte ihn bei, auch bei der Farbgebung.
7. Ohne einen zuverlässigen und vertrauenswürdigen Gewährsmann vor Ort, der die notwendigen Kompetenzen für
Entscheide hat, ist es schwierig ein Boot fast 1'000 km von Deinem Wohnort umbauen zu lassen.
8. Vor dem definitiven Unterzeichnen des Kaufvertrages ist eine Expertise unerlässlich.
9. Die Pläne für den Innenausbau musst Du kritisch immer wieder überarbeiten, bevor Du Dich definitiv festlegst. Du musst ganz präzise Vorstellungen über die Nutzung des Bootes und den daraus resultierenden Ansprüchen haben. Eine zweite Meinung und die Ratschläge von Fachleuten sind nützlich und unerlässlich. Nachträgliche Änderungen an der Infrastruktur sind schwierig und
kostspielig.
10. Gehe davon aus, dass der Umbau Deines Bootes wesentlich länger dauert, als es Deinem Wunschdenken entspricht.
11. Niederländische Schiffshypotheken sind für Schweizerbürger kaum zu
bekommen.
12. Nutze die Zeit und Deine Beziehungen und kaufe möglichst viel Zubehör und technische Installationen in Form von gut erhaltenen Occasionen, sie sind nicht viel schlechter, aber wesentlich billiger.
13. Spare nicht an der Kücheneinrichtung. Gemessen an Gesamtkosten des Bootes ist es wenig und Du wirst Dich
nachträglich nicht ärgern.
14. Denke daran, dass es noch allerlei Zubehör braucht: Fender, Taue,
Schwimmwesten, Notflagge, Nationale, Gastlandflaggen, Steuerstuhl, Funkgerät mit dem notwendigen Ausweis, Flusskarten, Werkzeug, Ersatzteile, Gläser, Geschirr, Besteck, und vieles andere mehr.
15. Sorge dafür, dass Du von allen technischen Installationen an Bord wenn möglich eine Betriebsanleitung hast, oder mindestens die Spezifikationen und
bewahre diese in einem Ordner wohl geordnet auf.
16. Bootsversicherungen sind in den Niederlanden wesentlich günstiger als in der Schweiz.
17. Es lohnt sich, soviel Niederländisch zu lernen, dass man in der Sprache der
Einheimischen sagen kann, woher man kommt, nämlich aus der Schweiz. Die Deutschen sind, auch nach vielen
Jahren, immer noch nicht beliebt.
18. Gehe nicht sofort auf grosse Fahrt, sondern bleibe in der Nähe der Werft, um mit der Mängelliste zurückzukehren,
damit die Kinderkrankheiten in Ordnung gebracht werden können.
19. Vor dem Start auf die erste grosse Reise ist eine gründliche Fahrschule in
Zusammenarbeit mit allen involvierten Besatzungsmitgliedern absolut notwendig und sinnvoll.
Peter Rudolf von Rohr
Der
Artikel erschien in der L'ancre de Kembs Ausgabe Dezember 2003
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