erz_very_british
Very british, indeed !
  
       ein Bericht von Toni (Antoinette) und Walter Braak; "Gugi"
 
Wir mit eigenen Booten kennen meist die französischen, oder wer sein Boot von Holland geholt hat, noch die belgischen, holländischen und deutschen Kanäle. Hier möchte ich nun aber von England berichten, wo wir, bevor wir unsere Gugi kauften, einige Male Ferien machten. Bei den Schweizern am meisten bekannt sind die "Broads", welche auch bei unseren Bootsvermietern bekannt sind. Wir aber haben von einem Engländer die Adresse einer Vermietungsgesellschaft auf den Kanälen bekommen. Das Kanalnetz erstreckt sich über weite Teile Westenglands und ist, wie überall, als Transportweg von den Industriegebieten zu den grossen Metropolen sowie zu den Seehäfen erstellt worden.
Nun bietet England einige Besonderheiten: Die Kanäle sind relativ schmal und die Schleusen haben für unsere Begriffe "Puppenstubenausmasse": Breite: 2,3m Länge: 29m. Der Hauptkanal Grand Union hat eine doppelte Breite. Wir könnten also mit unseren Booten die meisten Kanäle nicht befahren. Dafür ist aber das Kanalnetz so engmaschig, dass man in l bis 2 Wochen Rundtörns machen kann. Die Boote, Narrowboats genannt, haben eine Breite von 2,1m und eine Länge von 10 bis ca. 28 Metern. Sie sind aus Stahl geschweisst und innen mit Holz ausgekleidet, was eine Freundin von mir auf die Idee brachte, die Schiffe "GuggerzytiiBoote" zu taufen. Im Inneren sind sie, besonders diejenigen unserer Vermietungsfirma, sehr komfortabel. Bett und Frottéwäsche, Küchentücher, alles war vorhanden; sogar einige Rollen WCPapier. Ausserdem ist alles "inklusive". Diesel, "Pump out" (was Fäkalientank auspumpen heisst und in England obligatorisch ist) und Gas. Besonders Diesel könnte sonst ins Geld gehen.

Eine Besonderheit haben die Boote noch: Der Fahrer steht immer draussen und als Steuer dient, wie auf einem kleineren Segelboot, eine Pinne. Aber auch für das Wohlergehen bei mieser Witterung ist leidlich gesorgt; pro Boot gibt es ein Ölzeug. Die Schleusen werden, da die Kanäle nicht mehr kommerziell genutzt sind, von den Benutzern selbst bedient. Wir kamen jedes Mal sehr fit zurück, da wir im Schnitt pro Woche so an die 120 Schleusen gemacht hatten. Ich berichte nun in Folge von 3 Ringen welche wir abgefahren haben.

1. Avon Ring 12 Tage
2. Warwickshire Ring  14 Tage
3. Grand Ring 30 Tage

 

1. Der "Avon Ring"  (1014 Tage 128 Schleusen)

Unser damaliges Boot: Hedge Sparrow, Länge 45ft
Mannschaft: Captain Walter, General Dogsbody und Galley Slave Toni

Am 18. August starten wir via Zeebrugge auf die Fähre nach Dover und von Dover nach Birmingham. Alles verläuft gut bis wir auf die Fähre wollten. Meinen Pass, obwohl erst 14 Monate abgelaufen, haben die Engländer nicht als ID akzeptiert, obwohl ich mich noch auf dem Passbüro erkundigt hatte. Nun gut, was macht man am Samstagmorgen in Zeebrugge? Wir erhalten den guten Rat die Schweizer Botschaft aufzusuchen. Versuchen kann man es ja, aber wir erwarten nicht, dass diese geöffnet haben. Sie war es dann auch nicht. Nun bleibt uns nichts übrig, als das beste aus der Sache zu machen und das Wochenende in Brüssel zu verbringen.

Das Wetter hat wenigstens mitgemacht und so lernen wir Brüssel etwas kennen. Besonders eines fällt uns auf; Brüssel ist dreckig und stinkt. Die Abfallsäcke werden, wenn sie voll sind, einfach auf die Strasse gestellt. Dies hat zur Folge, dass es jede Menge streunender Katzen anzieht. Am Montag Morgen Schlag 8 Uhr stehen wir vor der Botschaft. Der Angestellte lacht und meint, das komme jede Woche mindestens einmal vor, dass er einen Pass verlängern müsse, weil Leute in der Schweiz die Auskunft erhielten, dass England einen abgelaufenen Pass noch während 5 Jahren als ID anerkenne. Aber England sei eben eine Insel!!

Gegen 11:00 sind wir wieder in Zeebrugge und erwischen noch die Mittagsfähre. In Dover sind wir gegen 16:30. Wir fahren noch ein Stück weit Richtung London. Bis nach Birmingham schaffen wir es nicht mehr und so übernachteten wir in einem kleinen Nest Namens Alesbourg wo wir "Bed and Breakfast" bei einer typisch englischen Lady finden. Am nächsten Tag erreichen wir unsere Basis Alvechurch und werden hier von unserer "Hedge Sparrow" erwartet. Nach dem obligaten Einkaufstrip im nächsten Supermarkt heisst es gegen halb vier "Leinen los". Da wir schon l Tag verspätet sind, hoffen wir noch bis Kings Norton Junction zu kommen.

Für Walter als Steuermann ist das ganze etwas gewöhnungsbedürftig. Steht er doch nun im Heck auf dem sogenannten "Tiller" und hat anstatt einem "Rad" eine Pinne, wie auf einer Jolle, zum Steuern. Aber nachdem er die 2. Kurve schafft, atmen wir auf. So fiebern wir nun dem Kings Norten West Hill Tunnel entgegen: 2726 yards lang (ca. 2.4km). Wir haben dann auch, wie uns empfohlen wurde, alle Lichter brennen lassen. Walter trägt Ölzeug wegen dem "TropfTropf", und ich sitze vorne auf dem Bug, mit Bootshaken bewaffnet, um eventuelle Kalamitäten mit der Tunnelwand zu verhindern. Doch alles verläuft prima, wir kreuzen sogar 2 Boote. Nach 25 Minuten sehen wir wieder Tageslicht und nun sind es nur noch 2 Miles bis Kings Norton. Wir finden dann sogar ein gutes indisches Restaurant, wo sich dann Walter so richtig schön die Schnauze verbrennt. Aber selber schuld; wenn bei einem Inder steht: "Very hot" ist das nichts mehr für unsere Gaumen. Da die Portionen so gross sind reicht meine für uns beide. Nachher fallen wir todmüde ins Bett.

Am nächsten Morgen, nach einem schnellen Swiss Breakfast, legen wir gegen 9 Uhr ab. Wir hoffen heute bis Kingswood zu kommen. Diese Strecke ist eher langweilig, wenigstens bis Hockley Heath. Der Kanal liegt vertieft und ausserdem fahren wir hier durch die Slums von Birmingham. Entsprechend sehen auch die Ufer aus. Hausmüll, Möbel, Autoteile usw. Walter meint, wenn das so weiter geht, haben wir am Ende unserer Tour ein Auto zusammen. Vielleicht nicht gerade stubenrein nur von einer Marke, aber für ein komplettes Auto reiche es bestimmt. Was nämlich nicht am Ufer liegt, schwimmt oder ist im Kanal.

Nach Hockley Heath wird es dann aber massiv besser. Nach 4 Dreh oder Hebebrücken (alle zum selber bedienen) erreichen wir gegen 16 Uhr die Lapworth Flights. Achtzehn Schleusen in 2 Stufen. Bei der ersten Schleuse steigen wir erst Mal aus um alles zu studieren. Dann schnappt sich jeder eine Kurbel und los geht's. Zum Glück stehen die Schleusen in unsere Richtung, so müssen wir sie nicht erst füllen. Nach der ersten Stufe, es ist mittlerweilen 16:40 kommt ein Kanalarbeiter und fragt uns, ob wir noch nie etwas von "Water Restriction" gehört hätten. Wir verneinen. Nun erklärt er uns dass wegen Wassermangel auf einigen Strecken nur zu bestimmten Zeiten gefahren werden dürfe, hier nun eben nur bis 16 Uhr!

Dieses Schlagwort Water Restriction wird uns auf allen unseren Trips hier in England noch beschäftigen. Nun was bleibt uns anderes übrig als 2 Nägel in den Boden zu hauen und hier zu nächtigen. Ausser einem Bauernhof mit vielen Schafen hat es hier nichts. Während unseres Nachtessens besucht uns ein Hund, wahrscheinlich hat er die Steaks gerochen. Nun ich gebe ihm gerne etwas ab. Vielleicht passt er dann auch auf unser Boot auf. Zum Tagesabschluss werden wir dann noch mit einem traumhaften Sonnenuntergang belohnt, was sich mit einem Glas Wein in der Hand auch besonders gut geniessen lässt.

Am nächsten Morgen legen wir wieder Punkt neun ab. Die Water Restriction kurz "WR" ist ja jetzt bis 16 Uhr vorbei. Wir kommen gut voran, sind doch die Schleusen immer noch in unsere Richtung gestellt. In der Schleusentreppe entwickeln wir ein richtiges Schleusenkonzept. Ich laufe vor; bereite die Schleuse vor; Walter fährt in die Schleuse ein und bedient die Schleuse; ich retour schliesse die alte Schleuse und laufe zur nächsten um sie vorzubereiten. So haben wir schon viele andere Boote mit viel mehr Helfern in Erstaunen versetzt. Um 11:30 sind wir bei der Kreuzung Kingswood Junction. Wir versuchen in die Schleuse des Stradfordcanal South zu gelangen und sitzen fest. Nun kommt der Kanalarbeiter wieder und hilft uns das Boot rückwärts ans das Ufer des Ausgleichsbeckens zu ziehen. Was soll das? Der Mann geht telefonieren, kommt dann zurück und erklärt, wir müssten halt etwas warten bis aus dem oberen Ausgleichsbecken genügend Wasser nachgelaufen sei. Das kann ja heiter werden, ob wir wohl die Tour noch schaffen wenn es so weiter geht?

Nach uns treffen noch 8 Boote ein. Wir liegen in der Zwischenzeit in Päckli zu 3 Booten am Ufer! Nun lernen wir so richtig die britische Mentalität kennen. Alle stehen oder sitzen bei dem schönen Wetter hinten auf dem Tiller. Eine Tasse Tee oder ein Bier in der Hand. Scherze werden gemacht und alle nehmen es gelassen! Man stellt sich das Gezeter auf unseren Kanälen vor!

Um 15 Uhr ist genügend Wasser vorhanden um weiterfahren zu können. Der Kanalangestellte sagt uns dann noch, das heute keine "WR" sei. Nun sind wir wieder erstaunt! Wir waren die Ersten hier und gehen auch als die ersten. Es gibt zwar ein kleineres Durcheinander, da wir ja zuinnerst liegen, aber es funktioniert. Wir schleusen mit unserer Taktik zügig weiter und erreichen gegen halb sieben die Schleuse 41 wo nach dem Führer ein gutes Pub sein soll. Nach einer kühlen Dusche machen wir uns auf ins "Fleur de Lys". Der Führer hat wirklich nicht zu viel versprochen; das Pub ist so richtig englisch. Tiefgezogene Balkendecken, dunkles Interieur, viele Messinggegenstände usw. sogar eine Lilie ist vorhanden. Auch das Essen, in recht grossem Angebot, ist sehr gut. Walter verdrückt ein Chilly und ich bestelle Jacked Potatoes mit Gemüse gratiniert.

Am nächsten Morgen starten wir kurz vor acht Uhr. Wir möchten ja heute bis Stradford on Avon kommen, und das mit "WR". Der Himmel sieht heute ziemlich düster aus und es fängt auch tatsächlich kurz vor Wotten Waven zu regnen an. Zum Glück gibt es hier auf 10 Miles keine Schleusen. Das "Edstone Aquädukt" nehmen wir kaum wahr, so stark regnet es in der Zwischenzeit. In Wilmcote ist Walter trotz Ölzeug so triefend nass, dass wir beschliessen hier festzumachen. Aus unserem Vorrat bastle ich eine Bauernomelette und anschliessend spielen wir eine Partie Rommé. Um 16 Uhr giesst es immer noch in Strömen und so lassen wir sogar den Besuch ins "Mary Arden House" fallen.

Das "Mary Arden House" ist das Geburtshaus von Shakespeares Mutter und soll sehr interessant sein. So hüpfe ich nur schnell ins Post Office direkt neben der Anlegestelle und kaufe einige Postkarten und etwas "englishToast". Ich will versuchen eine Käseschnitte zum z'Nacht zu basteln, vakumierten Raclettekäse habe ich ja noch mit. Wenn man die Toastscheiben mit Wein tränkt wird das ganze sogar essbar. Als Schlummerdrink offeriert der Käp'ten einen Malzwhisky, was sich bei mir als tolles Schlafmittel entpuppt. Tip an den Käp'ten: Hüte die Whiskyflasche!

Am nächsten Morgen ist der Himmel wieder stahlblau und der Regenspuk vorbei. Wir legen wieder kurz vor acht ab. Es sind bloss noch 5 Miles und 12 Schleusen bis "Stradford". Um elf fahren wir dann auch ins Stradford Basin ein und nehmen noch die letzte Anlegestelle in Beschlag. Das "Basin" liegt, einmalig schön, in Stradford mitten in einem Park. Wir machen uns aber erst auf um das Büro des National Trust zu suchen, wo man die "Avon Licence" bekommt. Wir werden fündig, aber es haut uns fast vom Stengel, was hierfür an Gebühren verlangt wird: Für den Upper und den Lower Avon:
£ 25. umgerechnet Fr. 62. !! Und das ganze ist dann noch auf 4 Tage beschränkt. Jeder weitere Tag kostet nochmals £ 5. . Für’s erste Mal nehmen wir mal nur eine Grundlizenz. Man kann sonst scheint's an einigen Schleusen die Lizenz tageweise verlängern. Wir marschieren mit der Lizenz aufs Boot zurück und kleben sie an die Scheibe und dann geht es los, Stradford zu erobern. Wir kriegen aber bald genug. Die ganze Stadt ist voller Leute, man wird geschoben und gestossen.

So flüchten wir uns ins "Mark & Spencer" wo Walter Turnschuhe zu einem Superpreis findet. Normalpreis £ 70. heruntergesetzt auf £ 30.. Als Walter die Schuhe bezahlen will verlangt die Verkäuferin bloss £ 10.. Walter bezahlt und wir raus aus dem Laden. Draussen stellt er allerdings fest, dass er 2 verschiedene Grössen eingepackt erhielt. Er also wieder rein, schnappt sich eine andere Verkäuferin und tauscht den Schuh um. Auch die merkt nichts. So haben wir wenigstens unsere Lizenz rausgewirtschaftet.

Wir stellen dann noch oft fest, dass Kopfrechnen nicht Sache der Engländer ist ...! In der Zwischenzeit ist es halb zwei. Wir versuchen irgendwo ein Pub zu finden, wo es noch was zu futtern gibt. Am Schluss landen wir in einem Teashop und verdrücken hier ein Sandwich. Nachher gehen wir nochmals zu Mark & Spencer, diesmal in die Lebensmittelabteilung und kaufen uns was fürs Nachtessen. Inzwischen könnte man auf den Köpfen laufen, so gestossen voll ist die Stadt. Wir bemerken dann auch rasch warum: Erstens ist ShakespeareFestival und zweitens ist es das letzte Wochenende im August, was in England "Summer Bank Holiday" bedeutet, d.h. dieser Montag ist ein Feiertag. Wir beschliessen aufs Schiff zurückzugehen und loszufahren. Die Lizenz haben wir ja.

Um 16 Uhr bedienen wir die StradfordSchleuse mit jeder Menge Zuschauer. Nun sind wir auf dem "Avon". Die Schleusen sind hier bedient; wenigstens das kriegt man für sein Geld. Man muss nicht selber stossen und/oder schieben. In der ersten Schleuse haben wir ein lustiges Erlebnis: Vor uns fährt ein ziemlich schäbiges Narrowboat in die Schleuse. Ein Mann hüpft raus, winkt dem Rest zu und weg ist er. Der Rest der Crew guckt ziemlich dumm aus der Wäsche; sie kapieren nicht, dass man in der Schleuse sein Boot festmachen soll. Wir sehen dann auch das es ein Mietboot ist. Walter hüpft also auch raus und hilft. Die "andere" Crew besteht aus einer alten Dame welche ein weisses Hündchen unter den Arm geklemmt hat und einem Pärchen in unserem Alter. Nachdem sie die Schleuse geschafft haben bleiben sie schön hinter uns! Bei der nächsten Schleuse geht es dann wieder gleich. Walter hüpft raus macht unser Boot fest und hilft dann den Anderen. Bei der nächsten Schleuse hat es ein Pub und einen Anlegeplatz. Wir beschliessen hier zu bleiben. Walter deutet nun den anderen, sie könnten an unserer Seite festzumachen. Sind die glücklich ! Sie laden uns nach dem Essen ins Pub auf einen Drink ein. Da erfahren wir dann auch ihre Geschichte: Die jüngeren heissen Jan und Jane und die alte Dame ist Jan' s Mutter. Sie sind nach Stradford gekommen und wollten eigentlich einige Tage hier verbringen. Vor Ort hat aber die Mutter die Boote gesehen, und Jan, spontan wie er ist (das haben wir schnell bemerkt), ist zur nächsten Vermietungsstelle gegangen und hat ein Boot gemietet. Das war wohl für die Vermieter ein Glückstag, ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass jemand sonst für so viel Geld so einen Pott mietet. Wir beschliessen die nächsten paar Tage zusammen zu bleiben. Sie müssen ihr Boot in 6 Tagen wieder in Stradford abgeben, also müssen sie den selben Weg retour. Wir vereinbaren am nächsten Tag um 9 Uhr loszufahren. Hier auf dem Avon gibt es, zum Glück, keine Water Restriction.

Als ich am nächsten Morgen um acht aufwache herrscht dicker Nebel. Doch nach einer Stunde ist es wieder klar und strahlend blau. Wir passieren die schöne Ortschaft "Bidford on Avon" mit seinen weissen, blumengeschmückten Häuser so gegen elf und erreichen dann wiederum eine Stunde später die Schleuse von Billington wo wir im gleichnamigen Pub den Sunday Lunch geniessen wollen. Walter freut sich schon auf ein RoastBeef. Aber Sense; alles "Beef" ist reserviert und so muss er sich mit "Roast Chicken" zufrieden geben.

Gegen fünf Uhr erreichen wir Evesham wo wir eigentlich über Nacht bleiben wollen. Aber alle Plätze sind belegt. So beschliessen wir bis Craycombe Turn zu fahren und es da zu versuchen. Das ist das lästige auf den englischen Flüssen. Die Ufer sind alle in Privatbesitz, was heisst, dass man ausser an den offiziellen Anlegestellen nirgendwo anlegen darf. Doch auch Craycombe Turn ist belegt, klar man feiert ja am nächsten Tag auch noch einen Feiertag. Bei der nächsten Schleuse bekommen wir vom Schleusenwärter den Tip, dass es nach der nächsten Brücke an Backbord ein Bauernhaus habe und einem der Bauer (gegen ein kleines Entgeld) an seinem Ufer übernachten lasse. Wir werden fündig und eine Tafel Schoggi sorgt dann für das Übrige. So belegen wir zwischen Kühen und Rindern unser Boot. Sogar ein Muni ist da, doch dem gehen wir lieber aus dem Weg. Nach einem Schinken Käse Toast gehen wir relativ früh schlafen. Hier hat es kein Pub für Jan. Am nächsten Morgen sind wir auch schon früh auf den Beinen. Es war eine klare Nacht und dementsprechend kalt ist es auch am Morgen. Walter und Jan genehmigen sich vor der Abfahrt einen Whisky. Diesel for the Cäpt'n; heisst das von nun an.

Heute wollen wir unsere Mittagsrast in Pershore verbringen. Da soll nämlich am Montag FeiertagsMarkt sein, weiss Jane. Wir erreichen Pershore kurz nach Zehn. Anlegeplätze finden wir im Moment genug. Die Anlegestelle ist mitten in einem Park. Walter beschliesst zusammen mit der Oma auf dem Schiff zu bleiben. Wir anderen machen uns auf den Weg, wollen den Markt suchen. Was wir finden ist riesig ! Man kriegt alles, von der Unterhose über den Regenmantel bis hin zu Töpfen. Im hinteren Teil hat es dann sogar auch noch Lebensmittel. Ich kaufe Schweinesteak für heute Abend, nachdem mir Jane verraten hat, dass die Oma den Lunch vorbereitet. Ausserdem besorge ich noch Broccoli und Salat. Nach einem Bierchen im Pub erreichen wir gegen Highnoon unsere Anlegestelle wo Walter in der Zwischenzeit die Oma samt ihrem Hündchen vom Boot hievte und die beiden einen Holztisch samt Bänken belegt und den Tisch sogar schon gedeckt haben.

Es gibt selbstgemachte Chickenpie, Schinken, Käse, diverse Salate und Brot. Wir spendieren noch eine Flasche Nederburg Cabernet, einen Südafrikanischen Wein. Dieser löst bei der Mutter die Zunge, stammt sie doch aus Rhodesien, heute Simbabwe, und auch Jan verbrachte seine ersten 35 Jahre da. Nun haben wir viel zu diskutieren, da Walter und ich auch schon in Südafrika gastierten. Nachdem ich dann noch einen "Swiss Coffee" of resp. zelebriere, zaubert schliesslich "Oma" einen Orangencake auf den Tisch und es ist gut drei Uhr als wir dann wieder ablegen. Wir müssen heute bis Tewkesbury kommen, sonst heisst es nachlösen! Wir kommen flott voran, haben wir doch den meisten Verkehr gegen uns. Um 19 Uhr erreichen wir unser Etappenziel. Da niemand hungrig ist, beschliessen wir den Tag mit einer Pubtour zu beschliessen. Die Oma hütet die Boote und wir machen uns auf den Weg. Jan hat ziemlich viel geschäftlich in Tewkesbury zu tun und kennt die Stadt. Nach dem 2. Pub trinken Jane und ich nur noch Apfelsaft, aber die Männer wollen sich gegenseitig beweisen, wie trinkfest sie sind. Zum Glück schliessen die Pubs um 23 Uhr und damit wurde das Schlimmste verhindert.

Am nächsten Morgen können wir etwas ausschlafen. Unsere Schleusenzeit vom Avon auf den River Severn ist auf 10 Uhr reserviert. Heute werden wir Worcester leicht erreichen, hat es doch auf der ganzen Strecke keine Schleuse. Erst in Worcester schleust man dann wieder in den W.BirminghamCanal ein. In Upton on Severn machen wir Mittagsrast. Ich anerbiete mich heute zu kochen. Ich habe ja noch meine Schweinesteaks. Im Supermarket kaufe ich noch Pilze Toast und Rahm. Die Steaks schnetzle ich und mache nun Toast nach Zürcher Art und Salat. Das ganze findet Anklang und mit dem Rahmrest zaubere ich dann noch einen Irish Coffee. Gegen 15 Uhr legen wir wieder ab. Bis Worcester sind es doch noch einige Meilen und wenn ich schon da bin möchte ich auch noch die berühmte Kathedrale besichtigen. Kurz nach vier legen wir an. Die Männer beschliessen eine Siesta, ob das wohl die Folge der gestrigen Pubtour ist?

So machen Jane und ich uns samt Hündchen auf den Weg zur Kathedrale. Zu sehen gibt es aber nicht viel, das ganze ist wegen Renovation innen und aussen gut verpackt, wie bei Christie. So gehen wir halt etwas shoppen. Jane ersteht sich eine dicke Winterhose und ich kann einem schottischen Pulli nicht wiederstehen. Zurück auf dem Boot verkünden unsere Männer sie würden uns zum Essen einladen. Nach Auskunft eines Bootsnachbarn gebe es direkt neben dem Hafen einen guten Chinesen. So hieven wir Oma wieder mal vom Boot, nur Hündchen muss auf Deck bleiben. In England sind nämlich Wauwaus in Restaurants und Pubs nicht gestattet. Wir stellen fest, dass der Tipgeber nicht gelogen hat. Das Essen ist prima, sogar die Sechuan Ente ist scharf. Zum Schluss bezahlt Jan alles und bedankt sich nochmals für unsere Hilfe (Anmerkung: wir stehen immer noch mit den Leuten in Kontakt und haben sie sogar schon besucht). Da wir am Morgen früh wegfahren wollen, verabschieden wir uns noch am Abend und die Oma kriegt eine weitere Tafel "Swiss Chocolate".

Es sind nur noch 2 Tage bis Alvechurch und noch 56 Schleusen vor uns zum Kurbeln. Am nächsten Morgen herrscht wieder Nebel, aber nicht so schlimm dass man nicht fahren kann. Nach den ersten Schleusen wird uns sowieso warm und schon vor Mittag scheint dann auch die Sonne wieder. Wir kommen gut voran, haben wir doch recht viel Gegenverkehr, was heisst dass die Schleusen in unserer Richtung offen stehen. Mittagshalt haben wir in Dunhamstead vorgesehen, wo es laut Führer ein Pub haben soll. Doch leider hat es Mittwochs zu und das PostOffice mit Lebensmitteln hat auch Pause. So bastle ich halt aus dem Broccoli, dem Toast und den restlichen Raclettescheiben einen Toast, was den Cäpt'n veranlasste mir zu drohen "nochmals Toast und ich steige aus". Nun, ich kann ihn trösten, Abends gibt’s zur Abwechslung in Stoke Prior wieder mal Pub Food. Das Pub hat laut Führer am Montag geschlossen. Wir erreichen den Ort gegen 17 Uhr und so kann ich mich noch schnell versichern, ob die "FührerAngaben auch stimmen. Nach Empfehlung soll es aus eigener Zucht da fantastische Forellen geben. Das berühmteste Menue ist "Forelle à Discretion" Die Forellen sind riesig und der Wirt verrät uns dann auch: "Wer mehr als 5 verdrücken kann, erhält einen Gutschein für ein weiteres Forellenmahl". Einzige Bedingung ist, das Essen muss am nächsten Tag stattfinden. Das ganze mutet echt britisch an. Es wurde uns danach auch bestätigt, dass das bisher erst 3 Mal vorgekommen ist. Na ja wir geben nach der l. Forelle auf. Zurück auf dem Boot gibt es noch den letzten Malzwhisky und um 9 sind wir schon in der Heia. Schleusen macht halt müde und wir befürchten, dass sich wie der Muskelkater einstellen wird. Am nächsten Morgen starten wir wieder um acht. Wir haben ja heute noch die Schleusentreppe von Tartebigge vor uns mit 30 Schleusen. Doch mit unserer Taktik kommen wir so gut voran, dass wir schon um eins den Scheitelpunkt erreichen samt dessen Pub. Wir sind beide hungrig und so bestellen wir einen Ploughman's Lunch, was soviel heisst wie ein Essen für einen Fuhrmann.

Das ganze entpuppt sich dann als Schinkenplatte mit Brot (echtem Mutschli) und Essiggemüse. Das einzige was an den Fuhrmann erinnert ist die Fleischmenge. Wir lassen beide etliches stehen. Gegen 17 Uhr erreichen wir dann wieder unsere Basis Alvechurch und vereinbaren unsere Bootsferien mit einem zweiten Nachtessen beim Inder abzuschliessen, doch diesmal wird Walter sicher nicht mehr Vindaloo very hot bestellen .....

 

2. "Warwickshire Ring" (12 - 14 Tage 135 Schleusen)

Unser Boot "Raven" 48ft.
Mannschaft: Captain Walter, General Dogsbody and Galley Slave Toni
5 Tage Captains Help Trevor, Galley Slave, Help Phyllis

zwei Jahre später hat uns wieder das Englandfieber gepackt und wir haben erneut ein Boot beim Alvechurch Boat Center gemietet. Leider ist die "Hedge Sparrow" zu dieser Zeit vergeben, aber man offerierte uns zu den selben Bedingungen ein etwas grösseres Boot. Nun wir ergriffen die Offerte und luden unsere Freunde ein, einige Tage mit uns zu verbringen. Diesmal fuhren wir via Calais nach Dover und mein Pass mit noch nassem Stempel wurde anstandslos akzeptiert. Dann stellen wir fest dass die Autobahn LondonRing Birmingham auch fertig erstellt ist. So erreichen wir unsere Bootsbasis schon gegen elf. Wir laden einen Teil des Gepäcks aus, gehen dann wie üblich auf eine grosse Shoppingtour und am Schluss reicht die Zeit vor 2 Uhr noch zum ersten Pup Besuch, wo wir auch noch ein Sandwich vertilgen konnten. Punkt zwei Uhr sind wir wieder auf der Basis, wo uns schon die Receptionistin Margrit entgegenkommt und aufgeregt schnattert, dass die anderen Gäste bereits auf dem Boot seien. Wir nichts wie hin. Nach einer stürmischen Begrüssung gibt's erst mal eine Tasse Tee von Phyllis. Very british.

Nachher laden wir mit vereinten Kräften unsere Lebensmittel aus, verstauen sie wieder und wie beim letzten Mal wird der Fernsehschrank zur Bar umfunktioniert. Trevor bringt auch noch eine Kiste Wein mit (in seiner Nähe hat es einen Südafrikaner mit einem "Bottle Store" und so müssen wir sicher nicht verdursten. Nach dem Einräumen und dem Papierkram verlassen wir kurz nach vier die Basis um wie beim ersten Mal noch bis KingsNorton zu fahren.

Diesmal fühlen wir uns sicher und durchfahren den Tunnel wie Profis. Phyllis hat ein etwas mulmiges Gefühl, also bitte ich sie uns Tee zu kochen, das lenkt ab. Wir finden auch unsere Anlegeringe wieder, doch diesmal gehen wir nicht indisch essen, sondern ich mache Raclette. Die englischen Herde haben nämlich ausser einem Backofen noch einen Grill und damit lässt sich gut Raclette machen. Nach dem obligaten Schlummertrunk bauen wir Tisch und Bank zu einem Doppelbett für Phyllis und Trevor um. Am nächsten Morgen behaupten die zwei gut geschlafen zu haben. Wir beschliessen zuerst das Patrick Museum, welches so einladend am Kanal liegt. zu besuchen. Das ganze entpuppt sich als ein leichterer Flop; wer je schon das Schlumpf Museum in Mulhouse oder das Automuseum von Mercedes besuchte, sollte nie ins Patrick Museum gehen. Na ja, nun wir sind um eine Erfahrung reicher. Zurück auf dem Boot mache ich aus den restlichen Kartoffeln eine Rösti mit Käse überbacken und gegen eins legen wir ab um wenigstens noch die langweilige Strecke bis Hockley Heath zu fahren.

Am nächsten Tag machen wir früh Tagwache, liegen doch wieder die Lappworh Flights mit den 18 Schleusen vor uns. Trevor kapiert schnell wie die Schleusen funktionieren, nur Phyllis hat etwas Mühe. Ich glaube sie kapiert das ganze heute noch nicht. Bei der 3. Schleuse drehte sie nämlich den Schieber, den Walter eben schloss, wieder auf. Es dauerte eine Weile bis wir merkten, wieso die Schleuse einfach nicht leer läuft. Dabei war Phyllis noch ziemlich stolz das sie auch ein Padel (Schieber) bedienen kann! Nun ich nahm sie von da weg unter meine Fittiche und sie half mir Tore auf und zu zu stossen. Gegen Mittag erreichen wir Kingswood Junction und so beschliessen wir, hier unseren Lunch einzunehmen. Da das Wetter so herrlich warm ist, können wir den Tisch mit den Holzbänken, welcher beim Ausgleichsbecken aufgestellt ist, für uns in Beschlag nehmen. Ich offeriere den Herrschaften Salade Niçoise samt Aufbackbaguette welchen wir im Supermarkt gefunden haben. Herrlich; fast wie in Südfrankreich. Gegen zwei brechen wir dann auf in die Verbindungsschleuse zum Grand Union Canal. Dieser ist einer der wenigen mit doppelter Schleusenbreite, wo man also auch mit unseren Booten fahren könnte. Schleust man alleine mit den Narrowboats öffnet man eben bloss ein Tor.

Was etwas länger braucht ist das Füllen der grösseren Schleusen. Nun zuerst durchfahren wir den Scheitelpunkt 10M auch durch das Künstlerdorf Turner's Green. Leider ist der einzige Anlegeplatz belegt und so fahren wir halt weiter. Nach dem Shrewly Tunnel (400m) dauert es nur noch kurze Zeit bis wir die Top Lock von den HattonFlights (20 Schleusen) erreichen. Die Aussicht hier oben ist herrlich. Vor uns liegen die 20 Schleusen und im Hintergrund erkennt man sogar das Castle von Warwick. Der Karte entnehmen wir, dass nach Schleuse 4 ein grösserer Absatz ist. Dort befindet sich das Aufsichtsbüro der BW und ein Pub. Wir beschliessen bis dahin zu fahren und da wir momentan die einzigen Gäste hier sind, belegen wir wieder den aufgestellten Tisch samt den Bänken. Phyllis und ich kochen für die hungrige Mannschaft Spaghetti Carbonara dazu Tomatensalat und ein Glas Nederburg Cabernet von Trevor. Ein Angestellter von BW (British Waterways) kommt noch vorbei um uns zu sagen, dass ab zwei Uhr Mittags hier der Teufel los sein werde, da eine ganze Gruppe von alten Transportbooten die Treppe hochkäme; sie wollten an ein OldTimer Treffen. Wir versichern ihm, dass wir dann längst in Warwick sein werden und offerieren ihm ein Glas Wein. Er gibt uns noch einige gute Tipps für die Strecke auf den Weg und verabschiedet sich. Am nächsten Morgen, wir wollten gerade aufbrechen, kam der "BWMann" wieder vorbei um uns mitzuteilen es käme in der ersten Schleuse ein Boot, ob wir warten würden und zusammen schleusen wegen dem Wasserverlust. Na klar. Captain Walter und Trevor füllten die nächsten Schleusen hinter uns und so erreichte uns das andere Boot in einer halben Stunde. Ich mache in der Zwischenzeit meine erste Handwäsche. Das andere Boot ist ein umgebautes Transportboot und mit 3 Mann besetzt. Nun geht das Schleusen flott. 2 laufen vor um die Schleusen vorzubereiten und Phyllis, Trevor und ich machen die "Lumpensammler", schliessen die Schieber und die Schleusentore. Gegen Mittag erreichten wir trotzdem Warwick. Die anderen verabschieden sich. Sie müssen am nächsten Tag auf der Werft von Braunston sein, um etwas reparieren zu lassen. Wir finden einen Platz zwischen Schleuse 24 und 25 vis à vis dem Pub Goode Hope wo ein Südafrikaner wirtet. Wir beschliessen im Pub etwas zu essen und nachher ins Städtchen zu gehen. Während wir im Pub sitzen kommen die ersten alten Transportboote. Also stimmt es was uns der BW Mann sagte. Als wir gegen zwei aufbrechen, kommen immer noch Boote die Schleuse hoch. Wir jedoch, mit Regenklamotten bewaffnet, machen uns auf den Weg Richtung City! Heute sieht das Wetter typisch englisch aus und wir werden auch nach kurzer Zeit vom Regen pitschnass. 10 Minuten später scheint wieder die Sonne, allerdings mit schwarzen Wolken im Hintergrund. Wir wollen heute die Sehenswürdigkeiten der Stadt und erst Morgen früh das Castle besuchen (ein Tipp des BWMannes). Am Morgen um neun öffnen die Tore des Castle, dann gehen, denn ab elf soll der Ansturm gross sein. Nun wir haben genug zu bewundern in der Altstadt, wo noch ganze Strassen mit alten Tudorhäusern intakt sind. Irgendwie kommt man sich ins 17. Jahrhundert versetzt vor, wären da nicht Computerläden etc. unten drin.

Als Leckerbissen halten wir uns das "Lord Leister Hospital" bis zum Schluss auf. Das Ding wurde nicht als Spital benutzt, sondern war eines der ersten und in dieser Zeit am besten geführtesten Waisenhäuser. Trotzdem muss man an Oliver Twist denken. Ein zweiter Flügel wurde als Armenhaus benutzt. Zu der Zeit als Lord Leister dieses Haus errichtete, muss das was sehr fortschrittliches gewesen sein. Im ehemaligen Speisesaal hat man nun ein Kaffe eingerichtet und wir geniessen hier wieder mal eine Tasse Tee. Phyllis und ich essen die berühmten Scones (warme Mürbeteigbrötchen mit Himbeergelee und Schlagrahm). Trevor der Süsse isst ein Stück Schokoladentorte und der Captain träumt von einem Bier. Auf dem Heimweg erstehe ich noch Lammkotelettes für unser Nachtessen und Butterbohnen. Zurück auf dem Boot fängt es gerade wieder an zu regnen.

Da niemand von uns hungrig ist, spielen wir erst eine Partie Rommé. Gegen acht macht sich dann doch etwas Hunger breit und so bereite ich den Bohnensalat vor und schmeisse die marinierten Kotelettes unter den Grill. Nach kurzer Zeit umschwebt uns ein herrlicher Duft. Walter öffnet eine Flasche KWV Shiraz und wir lassen uns Fleisch samt Bohnensalat gut schmecken. Nach dem obligaten Schlaftrunk fallen wir wieder mal hundemüde in die Federn. Morgen muss ich ja die Mannschaft um halb acht aus den Federn kriegen, wenn wir rechtzeitig im Castle sein wollen.

Da am nächsten Morgen die Sonne scheint, bereitet dies aber keine Mühe. Nach Tee and Toast machen wir uns gegen halb neun auf den Weg. Beim Eingang müssen wir noch ca. 5 Min warten, denn es sind schon Etliche vor uns da. Der Tipp stimmte also auch. Das Warwickshire Castle ist eines der schönsten Anlagen die ich je gesehen habe. Da Walter seine Kamera vergessen hat, können wir es umso mehr geniessen. Interessant ist der Ghost Tower, nur soll leider der Geist im Moment auf Urlaub sein, wie man uns sagt. Vom Rundgang entlang der Zinnen hat man eine wunderbare Rundsicht, allerdings ist dafür einige Kondition nötig. Insgesamt sind es 350 Stufen treppauf und  ab. Es leuchtet also ein, das die früher keine Fitnesscenters brauchten. Als gegen Mittag der Andrang immer grösser wird, haben wir alles was uns interessierte, gesehen und wir kehren auf unser Boot zurück. Zum Mittagessen schustere ich Käseschnitten Walliserart mit Tomaten und die Racletteresten zusammen. Um drei legen wir ab. Wir wollen noch die 6M bis nach Royal Leamington Spa fahren. Von da weg gehen dann Phyllis und Trevor per Bahn nach Alvechurch zurück, wo sie ihr Auto stehen liessen. Trevor muss übermorgen wieder seine Rasenmäher und Gartengeräte verkaufen!

Die Strecke ist relativ langweilig viele Fabriken säumen den Kanal, aber man kommt gut vorwärts, hat es doch bloss eine Schleuse auf der Strecke. In Leamington legen wir nicht am offiziellen Anlegeplatz sondern gegenüber des Bahnhofs an, da uns der BWMann wegen Vandalismus vom ersten Platz abriet. Phyllis und Trevor gehen sich nach der Bahnverbindung erkundigen und ich stopfe einen "Gummiadler"mit geklautem Rosmarin und bringe dann das Ding im Backofen unter. Dazu gibt es Pomme risolée und Broccoli. Trevor meint man würde mein Huhn schon auf dem Bahnhof riechen. Nun, es ist ja auch ihre Henkersmahlzeit. Morgen können wir noch die Stadt besichtigen, etwas Kleines essen und um eins fährt der Zug Richtung Birmingham. Die Fahrt dauert knapp eine Stunde und wir haben für diese Strecke 4 Tage gebraucht!

Leamington ist eine sehr schöne Stadt mit vielen Parkanlagen. Im letzten Jahrhundert soll Queen Viktoria ihren Sommerurlaub hier verbracht haben. Da es bald zu regnen anfängt, gehen wir auf Shoppingtour in die HighStreet. Ich finde in einem Küchenladen eine tolle Knoblauchpresse und verschiedenes wie Schnitzer, Sparschäler, Pariserlöffel alles mit einem dicken angenehmen Kunststoffgriff (ich benutze die Dinger noch Heute). Wir finden einen Italiener und essen da unseren Lunch. Die Männer bestellen Lasagne, Phyllis und ich machen uns über Canneloni mit Spinat und Ricottafüllung her, das ganze ist mit einer Pilzbechamelsauce gratiniert. Zum Schluss kriegen wir sogar noch echten Espresso. Zwar sündhaft teuer £ 1.80 aber maximal gut. Walter muss dazu natürlich noch einen Grappa haben und auch Trevor lässt sich überzeugen. Nachdem wir unsere Gäste auf den Zug gebracht haben, machen wir uns auf um doch noch einige Meilen und Schleusen hinter uns zu bringen. Laut BWMann soll es nach dem Huntington Aquädukt einen Park mit Anlegemöglichkeiten geben. Alles verläuft prima bloss bei der Doppelschleuse müssen wir erst etwas "hirnen" wie so was funktioniert. Doch plötzlich steht unser BW Mann wieder da. Ich glaube der verfolgt uns weil es immer ein Glas Wein oder ein Bier gibt. Er hilft uns Schleusen und erzählt gleichzeitig, dass er für die ganze Strecke von Kingswood bis Napton verantwortlich ist.

Er nimmt seine Sache ernst und im nachhinein betrachtet, müssen wir feststellen das die Schleusen auf diesem Abschnitt am besten gewartet sind. Da gibt man ja gerne ein Bier ab. Er rät uns nochmals zu der erwähnten Anlegestelle. Eine Stunde später werden wir fündig und können bestätigen, dass sie wunderschön ist. Der Park hat viele alte Bäume, speziell Eichen, und dazwischen hat es viele Blumenbeete und blühende Büsche. Das ganze soll zum Anwesen der Lords of Leister gehören. Wie wir ja schon in Warwick gesehen haben, tun die recht viel für die Öffentlichkeit. Auch das ein Teil des Parks öffentlich ist, finde ich schön. Da wir beide nicht sehr hungrig sind, mache ich uns bloss eine Chinesische GemüseNudelsuppe "pikant".

Am nächsten Morgen sieht der Himmel ziemlich düster aus, doch das ist heute kein Problem, da wir bloss noch 6 Schleusen bis Napton Junction vor uns haben und es danach dann für einige Tage ruhiger wird. Doch wie wir die 3 "Calcutt Locks" machen scheint wieder die Sonne. Die Strecke von Napton bis Braunston ist schön angelegt. Der Kanal ist etwas höher gelegt und man hat eine herrliche Rundsicht. Die Mühle von Napton, auf einem Hügel gelegen, überragt alles. Walter findet diese Landschaft rufe nach einem Glas Wein, und da es hier, wie schon erwähnt, keine Schleusen hat, genehmigen wir uns ein Gläschen Weisswein. In Braunston machen wir Mittagsrast, oder englisch Lunchtime. Hier befindet sich ein Bootszentrum mit einem grossen Hafen und etlichen Reparaturwerkstätten und Werften. Wir stellen Ähnlichkeit mit St. Jean de Losne fest. Mitten im Getümmel hat es ein Pub und wir beschliessen hier zu essen. Da mein Englisch besser ist wie das vom Captain übernehme ich eigentlich immer das finanzielle. Auch dieses Mal. Bei unserer Herfahrt hat mir Walter in Calais noch einen kleinen Bauchnabelkiosk (Lendentäschli) aus ganz weichem Leder gekauft. Das trage ich meist unter Pulli oder T Shirt und habe da Pass Geld Kreditkarten und all die wichtigen Sachen drin. Auch im Pub bezahle ich, hänge mir den Bauchnabelkiosk wieder um und wie wir so ca. die halbe Strecke nach Rugby abgefahren haben, bemerke ich plötzlich, dass der Bauchnabelkiosk fehlt. Mir wird speiübel. Wenden in dem engen Kanal kann man nicht. Also müssen wir bis Rugby weiterfahren. Der Captain meint bloss typisch Frauen!!!

In Rugby angelegt suchen wir uns erst mal eine Telefonkabine, um das Pub anzurufen. Zum Glück wissen wir den Namen. Der Captain zeigt mir stolz seine "Phonecard" welche er vor einem Jahr als er geschäftlich in England war von seinem Chef bekommen hat. Am Hafen hat es eine Telefonzelle und so sollte unserem Glück nichts im Wege stehen. Die Telefonnummer haben wir auch aus dem Führer, also nichts wie los. Doch das Pech klebte heute tatsächlich an unseren Fersen. Die Phonecard "löst" sich nach einem Jahr auf und das Datum war um 20 Tg. überfällig. Kommentar vom Captain: Wenigstens das funktioniert. Unser Bootsnachbar gab uns dann noch den guten Rat zum Polizeiposten zu gehen, welcher gerade neben dem Supermarkt am Kanal liegt. Eines muss man sagen, die Polizei ist hier wirklich dein Freund und Helfer. Man liess uns telefonieren und man glaubt es kaum, mein Bauchnabelkiosk fand ein Angestellter auf der Bank wo ich gesessen bin. Wir sagten noch das wir das Täschli in ca. 10 Tagen abholen würden, da wir feststellten, dass man auch in Rugby nicht wenden kann. Da die Verbindung durch die Polizei erfolgte, meinte der Bobby noch, wir müssten keine Angst haben das etwas verschwindet, sie hätten ja mitgehört.

Ab jetzt musste also der Captain bezahlen. Als ich dann das Täschchen wieder hatte, stellten wir fest, dass der Verschluss 2 Rasterungen hat. Schliesst man den Gurt nur in der ersten kann er wieder aufspringen. Das ist wahrscheinlich auch geschehen, als ich mich nach dem Bezahlen (was im Pub beim Bestellen geschieht) wieder hingesetzt habe. Danach gehen wir einkaufen und dann retour aufs Boot. Unser Nachbar kommt sich noch erkundigen, ob alles geklappt habe. Er hat übrigens einen lustigen Hund; einen Bordercollie an Bord. Nach dem Essen spielen wir noch lange mit dem Vieh Stöckchen werfen. Mir und Walter tun die Arme mit der Zeit weh aber der Hund hat immer noch nicht genug. Dem macht dann allerdings sein Herrchen ein Ende, als er meint "aufhören", der Hund sei bereits 12 Jahre alt aber der kriege eher einen Herzinfarkt wie er aufhöre. Wir offerieren dem Hundehalter ein Glas Wein, dafür bewacht dann sein Wauwau auch unser Boot.

Am nächsten Morgen bemerke ich nämlich, dass der Hund im Gras an Land, zwischen den Booten geschlafen hat. Ich hole frische Brötchen und für den Captain "Dänisch Plunder" und auf geht's. Von Rugby haben wir nicht viel gesehen, was aber nicht schade sein soll. Ausser dem bekannten College bietet diese Stadt nichts besonderes. Das Kultspiel "Rugby" hat aber tatsächlich seinen Namen von dieser Stadt. Am besagten College soll die hiesige Mannschaft gegen eine Mannschaft aus Coventry einen Soccermatch verloren haben. Ein Spieler von Rugby soll aus Wut den Ball genommen und damit weggerannt sein. . Die Mannschaft von Coventry hinterher um den Ball abzujagen und so soll Rugby entstanden sein. Bei den Engländern ist ja alles möglich.

Wir jedenfalls fahren gemütlich Richtung Hawkesbury Junction, von wo der Stumpenkanal nach Coventry abgeht. In Hawkesbury erspähen wir die kleinste Schleuse unserer gesamten Bootszeit. Hubhöhe ca. 10cm ! Muss aber sein sonst läuft der Kanal von Coventry leer. Dieses Stück Kanal rate ich niemandem zu befahren. Da schwimmt soviel Unrat drin, dass wir so alle paar Hundert Meter anhalten und Plastiksäcke und anderen Kehricht aus der Schraube lösen mussten. Für die 12 M, wo sonst ca. 2 Stunden Fahrt reichen, brauchten wir 4 Stunden. Wir erreichten Coventry erst kurz vor dem Eindunkeln. Die Stadtbesichtigung wird "auf morgen" verschoben. Am nächsten Tag weigert sich der Captain mit mir in die Stadt zu gehen. Er flucht, dass er diese Strecke retour müsse. Also gehe ich halt alleine und halte fest, Coventry lohnt sich. Die neuaufgebaute Kirche hat wunderschöne Glasfenster und was mich am meisten beeindruckte, sie haben die ganze Umgebung gelassen: Man sieht noch die Steinbrocken, welche bei der Bombardierung runtergefallen sind. Gras und Gestrüpp wächst aus den Ruinen und es ist nicht wie z.B. in Berlin alles zubetoniert. Man kriegt hier mehr eine Ahnung was Bomben alles anrichten können. Um halb zehn bin ich wieder auf dem Boot.

Die Retourfahrt war dann doch nicht ganz so schlimm, aber wir brauchen trotzdem über drei Std. bis wir wieder in Hawkesbury sind. An der Kreuzung hat es mehrere Pubs und wir hinterfragen, da es Sonntag ist, ob wir Roastbeef kriegen könnten. Vielleicht ist ja wieder alles reserviert. Wir entscheiden uns (wegen dem lustigen Namen) es im Greyhound zu versuchen. Diesmal ist uns das Glück hold. Wir bekommen Sunday  Roast und ausserdem hat das Pub eine fantastische Weinkarte, speziell Bordeaux  Weine und das zu Preisen wo sogar die Franzosen staunen würden. Das Essen ist super und wir kommen später noch mit dem Besitzer ins Gespräch. Er ist ein Frankreichfan, speziell Weine und als wir zum Nachtisch Käse bestellen, lässt er es sich nicht nehmen die Käseplatte selber zusammenzustellen. Er rät uns, da er keine Schoppenweine hat und wir eine zweite Flasche wegen dem weiterfahren nicht riskieren können, zu einem Port. Am Anfang waren wir skeptisch, mussten dann aber gestehen dass Portwein speziell zu Blauschimmelkäse himmlisch schmeckt. Zum Schluss verrät er uns noch ein Rezept, welches er als Weihnachtsdessert offeriert: Man füllt ein höheres Gefäss, Grösse ja nach Anzahl Gäste, mit "Stilton", "Roquefort" oder "Danish Blue", drückt mit einem Löffel ein Loch rein und füllt dieses mit Portwein. Das Ganze mit Folie decken und im Kühlschrank lagern. So alle paar Tage Portwein nachfüllen. 1014 Tage später kann der Käse zusammen mit Toastscheiben genossen werden. Natürlich gehört dazu ein Gläschen Port. Ich habe das Ganze schon etliche Male offeriert und bei Käseliebhabern immer viel Lob geerntet. Vollgestopft und leicht angesäuselt kehren wir auf unseren "Raven" zurück. Der Captain ist auch wieder friedlich gestimmt und trotzdem würde ich raten: Geht im Greyhound essen und bestellt euch da ein Taxi nach Coventry, man erspart sich so viel Ärger. An diesem Nachmittag fahren wir, da es bereits halb vier ist nur noch nach Nuneanton, wo wir etwas ausserhalb unseren Raven festmachen. Hunger hat nach dem üppigen Essen keiner und so beschliessen wir den Tag mit einer Partie Rommé.

Donnergrollen und aufs Dach prasselnder Regen weckt uns am nächsten Morgen, also drehen wir uns noch einmal und warten ab. Gegen neun klettere ich dann trotzdem aus den Federn. Bis Atherstone hat es ja keine Schleusen und da meine Vorräte so langsam zu Ende gehen soll das unser Ziel sein. Eine halbe Stunde Fahrt später fallen die letzten Tropfen und unser Einkaufstrip verläuft trocken. Gleichzeitig telefonieren wir noch Sonja und Allen. Wir können jetzt abschätzen dass wir heute Abend FazeleyJunction erreichen werden. Vorher haben wir bei der Post wieder eine gültige Phonecard gekauft. Sonja lädt uns spontan zum Nachtessen ein. Wir haben die beiden letztes Jahr in Worcester kennen gelernt. (Von ihnen stammte der Typ vom Chinesenrestaurant). Nachher trafen wir sie nochmals in Alvechurch als wir letztes mal unser Boot abgaben. Sonja ist ursprünglich Deutsche und kurz nach dem Krieg mit ihren englischen Mann nach England gekommen. Natürlich geniesst sie es, wenn sie mal wieder Deutsch sprechen kann. Die beiden haben ein eigenes Narrowboat und das verbindet natürlich auch. Ihr Boot ist 70ft lang (ca. 22 Meter) und mit allem ausgestattet (Waschmaschine, Tiefkühler, Fernseher, Stereoanlage usw.) Die Beiden sind oft wochenlang unterwegs.

Also gibt es heute Mittag nur Dosensuppe und auf los gehts los, wir haben schliesslich noch 13 Schleusen vor uns. Bei Schleuse Nr. 2 versenkt der Captain dann auch noch eine Kurbel, doch wir haben wieder Glück im Unglück. Ein Kanalarbeiter beobachtet uns und kommt grinsend zu uns. Neben der Schleuse hat es ein Werkhäuschen und er holt daraus einen grossen Magneten an einer Schnur und schwupps hatte der Captain seine Kurbel wieder (etwas vom ersten was Walter sich dann für unsere Gugi anschaffte war ebenfalls ein starker Magnet. Wir haben so schon etliches aus dem Wasser geholt, wie Schlüssel usw. (meistens nicht für uns). Sonst verläuft unsere Fahrt bis Fazeley ohne grosse Probleme und gegen vier erreichen wir unser Etappenziel. Wir biegen, wie uns Sonja riet, in den FazeleyCanal ein. Von da weg sollte es bloss noch eine halbe Stunde dauern bis zu ihrem Haus "Otter's Holt". Haus wie Boot haben den gleichen Namen. Verfahren kann man sich ja auf so einem Kanal bekanntlich nicht und so treffen wir kurz vor halb fünf bei ihnen ein. Das ist natürlich schon toll so zu wohnen, das Boot direkt vor der Haustür. Ein Gästezimmer brauchen sie auch nicht, eventuelle Gäste werden auf dem Boot einquartiert. Wir können hinter ihrem Boot festmachen und erst Mal gibt’s ein grosses Hallo. Sonja offeriert uns ein Aperitiv und fragt ganz verlegen ob wir auch einen Schluck Weisswein trinken würden. Wir bejahen und sie meint ganz erleichtert "Gottseidank", es gäbe nämlich Leute die keinen Wein trinken. Wir konnten ihr versichern, dass wir keine solchen Böötler kennen.

Bezgl. Nachtessen hat der Captain wieder Mal Glück. Sonja hat ein prima RoastBeef mit allem was dazugehört gekocht. Ich habe dann auf dem Raven mit den Espressokrügen noch echten Espresso gemacht und nach viel Gedankenaustausch und guten Tipps von Allen fallen wir kurz vor Zwölf in unsere Federn. Allen hatte uns noch versprochen am nächsten Morgen mit uns zu fahren, um uns die Stelle zu zeigen wo man wenden kann. Am frühen Morgen werde ich von einem komischen Geräusch wach. Irgend etwas pöpperlet ganz schnell an unser Boot. Ich schaue hinten durch die Tür und kann nichts sehen. Da fängt es wieder an. Nun wecke ich den Captain; er solle nachschauen was da so komisch tönt. Er kommt knurrend hoch. Da, es pöpperlet wieder! Walter geht nun raus und was findet er? Enten die mit ihren Schnäbeln das Grünzeug von unserer Wasserlinie fressen. Als wir das Allen erzählen grinst er nur und meint er habe die Enten so dressiert, so blieben die Gäste nie zu lange. Auf der Themse ist uns das dann auch einige Male passiert. Das einzige was Allen macht, er füttert den Enten am Morgen jeweils den Toast vom Vortag.

Um unser Boot zu wenden und zurück nach Fazeley Junction zu fahren müssen wir erst eine halbe Stunde in die falsche Richtung fahren, bis bei einer kleinen Bootswerft eine Wendemöglichkeit besteht. Allen, der uns begleitet meint, man gewöhne sich dran. Bald fahren wir durch einen Kastanienwald, (Edelkastanien versteht sich) und Allen informiert, dass so alle zwei Jahre Kastanien reifen würden und sie dann jeweils Marroni im Cheminée braten würden. Wir laden Allen bei Otters Holt wieder aus und fahren weiter bis Fazeley. Da machen wir Mittagshalt. Beim Anlegesteg hat es einen Fish & Chips Stand. Der Captain will unbedingt das legendäre Fish & Chips probieren. Ich weigere mich und mache mit einen Thonsalat mit Tomaten. Wem nachher speiübel war muss ich wohl nicht verraten. Ich glaube auch der Captain ist nun geheilt von Fish & Chips. Nach einem Schnaps und einer Siesta können wir immerhin gegen drei Uhr weiterfahren.

Nach dem Curdwoth Tunnel suchen wir uns eine Anlegemöglichkeit und werden entlang der Friedhofmauern fündig. Walter meint die täten uns nichts mehr und ruhig sei es hier sicher auch. Na gut als ich den Captain nach seinen Essenswünschen frage, schaut er mich entsetzt an. Er will nichts! Fish & Chips Nachwehen. Nun ich mache mir mit dem restlichen Thon, Eiern, Tomaten und Oliven einen Salat, und dazu öffne ich mir auch eine Flasche Wein. Walter legt sich bereits um acht hin, da muss wohl etwas faul sein. Auch ich lege mich dann aber früh hin, wir haben ja noch 3 Tage vor uns und so beschliessen wir nicht durch Birmingham sondern via Kingswood Junction retour zu fahren.

Um neun sind wir bei der Salford Junction. Von hier weg gibt es zwei Möglichkeiten nach Kingswood zu kommen: 1. via die Garrison Locks in den Grand Union Kanal, oder 2. via Aston Locks und Digbeth Branche in den Grand Union. Wir, faul wie wir sind, wählen die Strecke Garrison Locks, es hat da 8 Schleusen weniger. Nach der Nechell Lock fahren wir für direkt durch ein Fabrikviertel dafür ca. 3 M schleusenfrei. Am Ufer sitzen einige Arbeiter beim "Morning Tea" und rufen uns etwas zu. Wir verstehen sie nicht und fahren weiter. Bei der nächsten Schleuse steigt der Captain aus, klettert auf die Schleuse, schaut in die Kammer, schüttelt den Kopf und fängt gleichzeitig an zu lachen und fluchen. Ich denke schon er dreht durch, da meint er nur "komm hoch, schau dir das an, auf der anderen Seite führt der Kanal kein Wasser". Ich kann das nicht glauben und klettere auch hoch. Tatsächlich nach der Schleuse hat es kein Wasser mehr!

Nun kommt aus dem nahegelegenen Haus eine Frau und fragt ob wir das Schild vor der Nechelle Lock nicht gesehen hätten; dieser Kanalabschnitt sei für 2 Jahre wegen Reparaturen gesperrt. Was tun? Wenden kann man in dem engen Kanal nicht. Und rückwärtsfahren ist bei dieser Bootslänge alles andere als angenehm. Aber es bleibt nichts anderes übrig. Ich werfe Walter die Bug und die Achterleine raus und fahre langsam zurück während Walter mit den Leinen die Fahrtrichtung korrigiert. Wir kommen nur sehr langsam vorwärts. Da erinnert sich der Captain, dass es bei den Fabrikarbeitern eine kleine Ausbuchtung gehabt habe. Und wirklich mit viel vor und rückwärts manövrieren und ziehen vom Ufer aus (wobei uns einer der Arbeiter helfen kam) gelingt es uns das Boot zu wenden.

Mittlerweilen ist es kurz vor Mittag. Das haben wir nun von unserer Bequemlichkeit! Einen Trost kommt dann gleich, das wir bei Nechelle Lock nirgends ein Schild "Canal Closed" entdecken. Walter glaubt, das das Schild bei einem Engländer in der Stube als Souvenir herumsteht. Wir beraten nun, ob wir doch direkt fahren sollen, finden dann aber, dass die Zeit trotzdem reichen sollte, via Digbeth Branche zu fahren. Die 11 Aston Schleusen sind in einem guten Zustand und wir erreichen gegen drei den Scheitelpunkt. Nun ist es für uns klar den Umweg zu machen. Doch zu früh gefreut. Die 6 Schleusen im Digbeth Arm sind so verhockt, das wir unsere liebe Mühe haben. Einige Schieber bringen wir nur sogar nur zu Zweit hoch. So brauchen wir fast drei Stunden für die 2 M mit den 6 Schleusen. Bei der Bordesley Junction kommen wir wieder in den Grand Union Canal. Hier müssen wir nochmals 6 Schleusen schaffen um aus den Suburbs von Birmingham zu kommen. Das ist im Führer vermerkt. Auf dieser Strecke soll man wegen Vandalen bis Acocks Green nicht über Nacht festmachen . Kurz vor acht finden wir dann eine Stelle zum Anlegen. Wir sind beide todmüde und hungrig wie die Wölfe. Ausser einem Sandwich nach unserem Kanalmanöver haben wir noch nichts gegessen. Aus einer Dose Pelati, Knoblauch und Sambal bastle ich eine Sauce zu Spaghetti. Der Captain meint, so gut hätten ihm schon lange keine Spaghetti mehr gemundet. Na ja, Hunger ist eben doch der beste Koch. Nach einer heissen Dusche fallen wir gegen elf todmüde in unsere Kojen. Morgen ist ausschlafen angesagt. Am Morgen sind wir beide steif und ich fühle auch so etwas wie Muskelkater. Doch bis Kingswood sind es bloss 3 Schleusen. Ausserdem haben wieder herrliches Wetter. Also von dem "typisch englischen" Wetter haben wir bis jetzt nicht viel bemerkt. Am Nachmittag müssen wir noch die LapworthFlights hoch aber nach dem gestrigen Tag kann uns kaum noch was erschüttern!

Nach unserem Bootsurlaub bleiben wir noch einige Tage in England und besuchen hier liebgewonnene "alte Bekannte" dem restlichen Thon, Eiern, Tomaten und Oliven einen Salat, und dazu öffne ich mir auch eine Flasche Wein. Walter legt sich bereits um acht hin, da muss wohl etwas faul sein. Auch ich lege mich dann aber früh hin, wir haben ja noch 3 Tage vor uns und so beschliessen wir nicht durch Birmingham sondern via Kingswood Junction retour zu fahren.

 

3. "The Grand Ring" (Alvechurch Gran Union Canal bis Themse. Schleusen: 148)

Unser Boot: Green Woodpecker Länge 53 ft
Mannschaft: Captain Walter General Dogsbody and Galey Slave Toni
Während 5 Tagen Capt. Help Trevor Galey Slave Help Phyllis

Im 1993 konnte Walter wegen Restrukturierung im Geschäft seine Ferien immer nur kurzfristig und maximal wochenweise beziehen. So sammelten sich einige Ferientage an und wir konnten, ausgehungert nach Bootsferien, im Dezember 93 den Woodpecker für 30 Tage buchen und uns so einen schon lange gehegten Traum, den Grand Ring zu machen, ermöglichen. Im Juni hatte Walter dann noch die tolle Idee in England zu heiraten und unsere Bootsferien zum Honeymoon zu machen. Trauzeugen vor Ort hatten wir ja, unsere Freunde Phil und Trevor. Nach etlichen Telefonaten nach England und einem Besuch beim britischen Konsulat in Zürich sollte diesem Ereignis nichts mehr im Wege stehen. Nur trauen lassen konnten wir uns erst nach der Tour, da man einen Monat in England wohnen muss bevor man heiraten kann. Nun ja wir sind in unserem Bekanntenkreis bekannt für etwas verrückte Ideen wieso nicht den Honeymoon vorziehen! Falls es nicht klappt kann man ja die Scheidungskosten sparen!!!

So legten wir am 24. 8. hier in Rotkreuz ab, vollbepackt bis unters Dach um ja am 25. 8. unseren Termin mit dem Zivilstandsbeamten in Weston super Mere nicht zu verpassen. Nach einer fast schlaflosen Nacht in Calais (lärmiges Hotel) kamen wir am folgenden Mittag hundemüde bei unseren Freunden an. Nach einer kühlen Dusche und dem ersten englischen Tee ging's ab zum Zivilstandsamt. Nun kam die grosse Überraschung:

Aus Bristol hat man eine Zivilstandsbeamtin hergeholt, welche während 3 Jahren in Zürich auf dem Konsulat gearbeitet hat und gut deutsch sprach, so wird auch Walter welcher eher wenig englisch spricht unsere Trauung verstehen. Das nennt man Service. Am drauf folgenden Tag fuhren wir mit Phil und Trevor ins "Valley of Wye" wo wir in einem romantischen Hotel unser Nachtessen samt Hochzeitszimmer mit Sprudelbad reservierten. Nun konnten wir uns voll auf unsere Bootsferien konzentrieren. Am 29. 8. fahren wir also einmal mehr nach Alvechurch wo wir nach einer ausgiebigen Einkaufstour unseren "Woodpecker" beziehen. Die ersten 4 Tage machen wir noch den Umweg über Birmingham, Coventry Canal, da wir nochmals im Greyhound essen wollen. Dieses Stück ist im letzten Bericht beschrieben.

Nach 5 Tagen erreichen wir Braunston Junction. Von hier bis zur Themse brauchen wir 8 Tage und machen 148 Schleusen.

Samstag 2.9.: Nach einem guten Mittagessen im Blue Port Pub fahren wir die viereinhalb Meilen samt 6 Schleusen bis Norten Junction. Da holt uns bereits wieder das wohlbekannte Water Restriction ein. Wir kriegen hier sogar die Abfahrtszeit für morgen. Da wir relativ früh sind haben wir Glück und können um halb zehn mit der dritten Partie hoch schleusen . Wir vertreiben uns die Zeit mit einem Spaziergang durchs Dorf und einem anschliessenden Drink im Canalside Pub. Wie wir retour kommen hat sich die Schlange etwa verzehnfacht. Also wenn die nur von  neun bis zwei schleusen bin ich mir nicht so sicher, ob da alle Morgen hochkommen. Nun wir jedenfalls haben unseren Termin und so kann ich mich beruhigt in die Küche stellen, wo es nach kurzer Zeit nach Spaghetti Carbonara riecht. Am nächsten Morgen stehen wir pünktlich an der Schleuse. Da läuft aber nichts, da die erste Gruppe, die hoch schleusen sollte noch nicht da ist. Das ist nun auch typisch englisch, da werden nicht die nächsten zwei Boote hochgeschickt, nein man wartet bis Gruppe eins da ist. Gegen halb elf können wir dann endlich zusammen mit einem anderen Boot die sieben Schleusen bis zum Scheitelpunkt hochfahren. Der Grand Union hat ja wie im letzten Bericht erwähnt Schleusen mit doppelter Breite, so passen jeweils zwei Narrow Boote rein.

Gegen halb eins erreichen wir den Scheitelpunkt. Wir entschliessen uns zu einem Mittagshalt, da wir keine Schleusen mehr vor uns haben bis zum Tagesziel, Gayaton. In Gayaton einer Zweitbasis von Alvechurch, soll unser Boot nochmals überprüft werden für die Themse und wir sollten auch die Unterlagen für die Themse Bewilligung hier bekommen. Der Captain ist froh das Boot nochmals zu überprüfen, findet er doch den Woodpecker eine etwas lahme Ente. Auf der Themse allerdings braucht man schon etwas mehr Pfupf. Sonst müssen wir den Grünspecht (Green Woodpecker) noch in eine Disabled Duck (behinderte Ente) umtaufen. Am nächsten Morgen kommt ein Mechaniker vorbei. Alles wird mal kräftig geschmiert, der Fäkalientank ausgepumpt und dann geht's auf zur Probefahrt. Das Boot ist immer noch lahm, doch der Mechaniker findet "alles sei in Ordnung, das Boot sei halt schon einige Jahre alt". Und dies müssen wir ihm halt glauben. Ich gehe nachher an die Reception um mir die Themse Papiere (da der Fluss in königlichem Besitz ist, braucht es eine spezielle Lizenz) zu holen. Um elf wären wir bereit zur Abfahrt, müssen aber noch auf unsere Trauzeugen Phyl und Trevor warten. Kurze Zeit später trudeln auch sie ein. Ich schustere noch einen Salade Niçoise zusammen, gegen eins legen wir ab. Vor uns liegt der längste Tunnel Englands. Der Blisworthtunnel. Länge: 3057 yds; knappe drei Kilometer.

Da wir schon Tunnelspezialisten sind, stellt er für uns kein grosses Hindernis dar. Kurz nach drei erreichen wir unser Tagesziel Stoke Bruerne. Dieses typisch englische Kanaldorf ist speziell bekannt wegen seines Kanalmuseums. Dieses zeigt vor allem die traditionellen Handelsboote mit denen Ware von und nach den grossen Städten gebracht wurden. Die Boote wurden entweder von Hand oder mit Pferden gezogen.

Für die Familie war im Heck des Schiffes ein Raum von ca. 8 Quadratmetern vorhanden! Oft hatten diese Familien bis zu zehn Kinder. Die grösseren wurden dann zum Arbeiten an andere Schiffer abgegeben. Zur Schule kamen diese Kinder nur sporadisch, nur gerade dann nämlich, wenn keine Arbeit vorhanden war. Dies alles lief noch so bis nach dem zweiten Weltkrieg.

Durch die Tunnels wurden die Boote gecloged. Das heisst, die Männer legten sich auf dem Rücken auf das Dach und stiessen das Boot mit den Schuhen vorwärts. Da die meisten Holzschuhe (clogs) trugen nannte man dieses Vorwärtskommen eben "clogen". Im Museum zeigen sie einem Film darüber. Nach dem Museumsbesuch muss Phil natürlich ihren Afternoon Tea haben. Wir Frauen bestellen wieder die bekannten Scones, Trevor bestellt Black Forest Cake und sogar der Captain lässt sich zu einem Tunafish Sandwich überreden, allerdings mit Bier. Nun marschieren Trevor und ich nochmals retour auf den Blisworth Hill, wo früher die Kinder der Bootsleute die Pferde geführt haben. Die Aussicht von hier oben ist herrlich, man kann bis nach Milton Keynes sehen. Retour koche ich ein Risotto con Funghi mit viel Salat. Dann müssen wir um ein Nachtlager für Phyl und Trevor zu erhalten, den Salon "umbauen".

Anderntags wollen wir gegen neun ablegen, da die Bootsschlange wiederum eine beachtliche Länge angenommen hat. Am nächsten Morgen sieht das Wetter nicht sehr vertrauenserweckend aus. Es nieselt leise aus dem Nebel. Na ja, heute haben wir nur am Anfang 5 Schleusen, nachher für längere Zeit nichts mehr. Gegen zehn ist der Nebel verflogen, aber richtig sonnig ist es trotzdem nicht. Wir tuckern gemütlich durch typisch englische Kanallandschaft. Rundbrücken wechseln mir kleinen Kanaldörfchen ab. In Coscrove machen wir Mittagshalt im Navigation Pub. Was ist schon England ohne Pub und hier steht nun ein besonders schönes Exemplar. Innen ausgebaut wie ein Schiff. Alles dunkles Holz und jede Menge Messingsachen wie Kompass, Wetterstation usw. Auch das Essen schmeckt vorzüglich.

Nachher durchfahren wir das Städtchen Wolwerton mir seiner lustigen Bahnhofsmauer. Ausserdem gibt es hier einen Supermarkt mit eigenem Anlegesteg. Anschliessend besuchen wir die schöne Ortschaft Milton Keynes. Diese Ortschaft besteht eigentlich aus zehn kleinen Dörfchen. Alles mit schmucken Einfamilienhäusern und schönen Gärten. Eigentlich ist Milton Keynes schon ein weitläufiger Vorort von London. (Ca. 100 km Entfernung.) Im Örtchen Fenny Stradford finden wir unter alten Bäumen einen wunderschönen Anlegeplatz für die Nacht. Phyl und Trevor gehen sich entlang dem Kanal noch etwas die Beine vertreten während ich einen Gummiadler mit Rosmarin fülle und in den Ofen schmeisse. Schon nach kurzer Zeit riecht es herrlich. Trevor meint beim retour kommen "Euer Boot findet ein Blinder am Geruch". Nun muss ich bloss noch Blumenkohl und Broccoli blanchieren und schon können wir uns gegen acht hinsetzen. Als Begleitung gibt es mal wieder einen südafrikanischen Shiraz, gespendet von Trevor. Als Schlummertrunk kreiere ich noch einen Swiss Coffie (Kaffe mit Kirsch und einer Schlagrahmhaube). Auf dieser Tour wird das noch ein begehrtes Getränk werden.

Am nächsten Morgen wache ich wieder von einem Pöpperlen auf. Das Geräusch kommt mir bekannt vor. Also gibt es auch hier "Enten mit einem Tic". Gegen halb zehn legen wir am nächsten Morgen ab. Fahren weiter durch die so typische Landschaft. Bloss hier hat es nun so alle Kilometer mal eine Schleuse. Trevor hilft wieder wacker mit und Phil will zwar helfen, steht mir aber mehr auf den Füssen rum. Kurz nach Mittag queren wir das Dorf Leighton Buzzard wo Trevor vor etwas mehr als siebzig Jahren zur Welt kam. Walter meint "das verlangt nach etwas Flüssigem". Ich habe schon vorher einige Thuna und Ei Sandwiches vorbereitet und so brauche ich bloss noch die Flasche KWV Cabernet zu öffnen um diese Durchfahrt entsprechend zu würdigen. Kurz nach vier erreichen wir Aylesbury Junction, nun sind es nur noch sieben Schleusen bis zum Scheitelpunkt, wo wir einen Anlegeplatz suchen und auch finden.

Etwas später macht hinter uns noch ein Boot fest mit einem lustigen Jack Russel Terrier namens "Hemel" wie man uns verrät. Während ich in der Küche Ratatouille und Risotto zum gratinieren zubereite, unterhalten sich Phil und Trevor mit der Frau vom anderen Boot. Walter streichelt natürlich mal wieder den Hund. Da plötzlich höre ich von draussen einen Schrei. Die Frau von nebenan hat scheint's die typisch englischen Würstchen aufgesetzt und die haben während des quasselns Feuer gefangen … . Na ja meine Mannschaft kriegt keinen angebrannten Gratin. Wie ich dann auch rausging hatten sich alle beruhigt, im Nebenboot waren aber alle Fenster aufgerissen und es roch etwas schmürzelig. Aber die Frau meinte "never mind I have some more in the fridge". Also ist das typisch englische Nachtessen gerettet. Sie erzählt uns dann aber auch noch dass im nächsten Dorf wieder ein Supermarkt mit eigenem Anlegesteg sei. Hier wollen wir auch mal wieder zuschlagen. Meine Vorräte aus Rugby gehen langsam zur Neige. Am nächsten Morgen finden wir prompt den Supermarkt und da es erst halb zehn ist sind wir auch die ersten am Steg. Wir füllen zwei Wägelchen mit Esswaren und Getränken. Phil kriegt, wie sie die Rechnung sieht, fast einen Herzanfall. Ich kann sie aber beruhigen, das Hochzeitsessen liege trotzdem noch drin. Im dazugehörigen Kaffe gehen wir noch etwas trinken und treffen wieder auf unsere Nachbarn von gestern. Ob die ihren Würstchen Vorrat wieder aufgefüllt hat?

Trevor fragt die Beiden, dieses Mal ist der Haus- besser Bootsherr auch dabei, ob sie wüssten von wo man am besten eine Bahnverbindung nach Gayaton bei Norhampton habe. Die beiden scheinen sich auszukennen. Sie raten zu Rickmansworth einem Vorortbahnhof von London mit etlichen Verbindungen Nordwärts. Sie bieten sich an mit uns zu fahren. Walter ist erst skeptisch, wie immer, merkt dann aber rasch, dass die Zwei sich uns nicht anhängen wollen, sondern das es einfach englische Hilfsbereitschaft ist. Das aus dieser Begegnung eine jahrelange Freundschaft wurde steht auf einem anderen Blatt. Wir beschliessen bis zur Schleuse vorzufahren, und sie vorzubereiten.

Kurz vor der Schleuse sticht Walter auf eine Mauer bei einer Fabrik zu, hüpft runter und sagt zu mir "fahr langsam zur Schleuse, ich gehe sie mal öffnen. Weit kommt er aber nicht. Den Maschendrahtzaun mit Haken hat er glatt übersehen. Nun soll ich in dem engen Kanal mit dem langen Schiff retour fahren und am Steg anlegen. Mir läuft der Schweiss den Rücken hinunter. Da kommt Hilfe von unseren Begleitern. Sie haben uns inzwischen eingeholt und Dennis gibt mir Weisungen wie ich Walter an der verzwickten Stelle wieder aufladen kann. Alles geht ganz ruhig und nach einer viertel Stunde ist auch Walter wieder an Bord. Für Spott muss er allerdings nicht sorgen; Trevor bietet ihm seine Brille an bevor er das nächste Mal einfach so von Bord springe.

Die fünf Schleusen bis Hunton Bridge machen wir im Nu und erreichen auch gegen vier unser Tagesziel. Unsere "Mitschleuser" scheinen auch den Kanal wie die eigene Hosentasche zu kennen und zeigen einige schöne Anlegeplätze. Sie fragen, ob wir auch ins Pub zum Essen kämen. Wir beschliessen zu einem Schlummerdrink nachzukommen. Ich habe nämlich Seezungenfilet gekauft und werde diese heute Abend nach Zugerart ( an einer Kräuter-Weissweinsauce) servieren. Dazu gibt es Trockenreis. Der Käpten offeriert eine Flasche Sauvignon Blanc von Nederburg und so ist unser Festessen gesichert. Gegen neun machen wir uns auf ins Pub. Dennis und Maggie haben einen grossen Tisch reserviert und so wird es richtig gemütlich. Wir erfahren, dass die beiden praktisch auf dem Boot leben, ihr Haus wird von der Familie einer Tochter bewohnt. Dennis stammt aus einer der traditionellen Bootsfamilie, ist auf einem Arbeitsboot zur Welt gekommen. Er hat uns verraten dass sein Vater mitgeholfen habe das Stoke Bruerne Kanalmuseum zu errichten und das er einer der "cloger" im Film war. So findet man interessante Bekannte.

Kurz vor elf machen wir uns auf den Heimweg, etwas besäuselt von Guinessbeer oder Maltwhisky. Am nächsten Morgen schaffen wir die acht Schleusen bis Richmonds im Nu und so bleibt mir noch genügend Zeit um unseren beiden Gäste einen Teigwarenauflauf als Henkersmahlzeit zu machen. Gegen eins brechen die Beiden auf um den Zug zu kriegen. Dennis und Maggie sind schon voraus gefahren um im Fisher's Inn einen Tisch zu kriegen. Heute ist ja Freitag und das ist auch bei den Engländern ein beliebter Tag um Auswärts essen zu gehen. Die Fische, besonders die Forellen schmecken wirklich gut, stammen sie doch aus eigener Zucht. Dennis verspricht Walter auch, ihn morgen zu einer Werft zu bringen welche "Pumpout" macht. Unser Tank ist nämlich recht voll und man riecht es auch wenn man aufs Klo geht.

Nach dem "Pump-out" legen wir bei der Brücke 186 der Dolphine Bridge an. Bis zum Center von Uxbridge ist es ein Katzensprung und so gehen wir Einkaufen. Dennis bleibt an Bord. Maggie meint trocken" Dennis verlässt das Boot nur um ins Pub, in eine Werft oder zum Doktor zu gehen". Aber er verspricht Maggie gerne um zwölf in den Dolphine, das Pub bei der Brücke, zu kommen, wo sie einen Freund erwarten würden. Nach unseren Einkäufen gehen auch wir ins Pub wo uns schon ein Bier sowie das verrückteste Wochenende unserer Tour erwartet; der von den Kollegen erwartete Freund, Stewart, entpuppte sich als echter Komiker mir englischen Humor. Wir krümmen uns vor lachen, wenn er seine Storys zum besten gibt. Wie ich ihn dann noch mit Dave Allen vergleiche bricht ein Begeisterungssturm los. Das ein Schweizer Dave Allen kennt, grenzt hier schon fast an ein Wunder, dabei kennen die Engländer unseren "Emil" ja auch.

Gegen vier brechen wir auf um nach Cowley Peache zu fahren, wo Steward seinen festen Liegeplatz hat. Er wohnt seit der Scheidung auf seinem Boot "Dolphine". Übrigens dem schönsten Narrow Boat welches mir je begegnet ist. Ausserdem hat er alle Technik an Bord wie Computer, Faxgerät usw. damit er als technischer Leiter des Royal Airports u. des Militärflugplatzes Bigen Hill, auch im Boot erreichbar ist. Unterwegs haben wir noch ein lustiges Erlebnis. Direkt vor uns fährt noch ein Narrow Boat. So meint Dennis er fahre zuerst durch die Schleuse mit dem anderen und beim 2. Schleusengang dann Stewart und wir. Logisch dass Maggie und ich raus gehen zum Schleusen. Doch wie Steward in die Schleuse fährt und Walter nachziehen will kommt von hinten einer angebraust, drückt Walter weg und belegt mit Stewart die Schleuse. Maggie und ich setzen uns daraufhin auf den Schleusentorbaum und beschliessen mal zuzusehen. Da schnauzt uns doch der freche Kerl noch an, wir sollten uns gefälligst bewegen und die Tore schliessen. Da bemerkt Dennis, dass irgend etwas nicht stimmt. Er legt am Ufer an, steigt vom Boot, geht die paar Meter retour und sieht was passiert ist. Mit einigen kurzen präzisen Worten macht er dem anderen klar was Fairness auf dem Wasser ist und schwups fährt der Andere retour aus der Schleuse und wir rein.

Dennis geht brummend auf sein Boot zurück während Maggie und ich nun gerne die Schleuse bedienen. Was mich erstaunt hat, ist die Autorität, die Dennis ausstrahlt. Er wurde nicht Mal besonders laut, geschweige denn unhöflich. Einfach durch seine Art hat er dem anderen mitgeteilt was englische Fairness bedeutet.

In Cowley Peach müssen wir dann an Stewards Anlegeplatz ein Päckli machen, es ist nämlich sonst nichts mehr frei. Dafür kommen nun die Männer auf ihre Rechnung. Da liegt ein ganz altes Boot, welches sich zu einer kleinen Fahrt bereit macht. Es handelt sich um einen Einzylinder und die Besitzer sind gerade dabei den Motor mit einem Gasbrenner vorzuglühen. Wie er dann anspringt hören wir es alle. Walter kommt ganz fasziniert retour wie das Boot ablegt. So was hat er noch nie gesehen, bloss davon gehört. Eine Stunde später kommt das Boot retour und dann haben sie auch Zeit sich alles anzusehen. Dass ich meinen fast Göttergatten bis zum Nachtessen nicht mehr zu Gesicht bekam, ist wohl logisch. Wir wollen heute Abend noch in ein Pub mit Live Music. Leider hat die Band abgesagt und ein Disc Jockey liess Platten laufen in einer Lautstärke, dass einem nach einer Stunde der Kopf dröhnte. Walter meinte die Live Music heisst hier eher Laut Music. Wir Zwei samt Maggie waren nach einer guten Stunde wieder auf dem Boot. 

Am nächsten Morgen guckt eine Hundeschnauze durch unser Kojenfenster. Hemel kommt uns wecken. Maggie und Dennis wollen uns bis zur Brendford Schleuse begleiten. Diese Schleuse ist nur 2x täglich bei tiefem Tidenstand für ca. 2 Stunden geöffnet. Wie wir ablegen, guckt ein ziemlich verkaterter Steward aus seiner Hintertür. Maggie hat sich ja uns angeschlossen beim Heimgehen und Dennis hat versprochen Stewart heil heim zu kriegen. Na ja heim hat er ihn ja bekommen, aber wie!!! Kurz nach zwölf sind wir an der Brendford Schleuse und sehen nun, dass die Schleuse um fünf geöffnet wird. Dennis erklärt uns, dass wir mit unseren Themse Papieren erst hoch müssten um die Lizenz zu lösen und anschliessend schleusen könnten. Dann haben wir vor dem ansteigenden Wasser 2 Std. Zeit die erste Themseschleuse zu erreichen .

Da wir viel Zeit haben laden wir unsere Helfer auf einen Sunday Roast ein. Walter hat mal wieder Pech das Beef ist schon weg oder reserviert und so muss er sich halt mit einem, wenigstens grossen Chicken begnügen. Um drei verabschieden sich unsere neuen Freunde. Maggie drückt mir noch ein Päckli in die Hand als Wedding Present. Es entpuppt sich später als Tea Towel mit Narrowboat Motiven. Pünktlich um fünf stehen wir oben bei der Themse Verwaltung. Da unsere Papiere als in Ordnung erkannt werden, müssen wir nur die Lizenz lösen. Wir kaufen uns eine für zehn Tage, in dieser Zeit müssen wir Oxford erreichen. Bei der zweiten Schleusung sind wir dabei und nun sind wir tatsächlich auf der Themse!!!!

Um viertel vor sechs tuckern wir gemütlich die Themse hoch, vorbei an den Villenviertel von Kensington. Die Tide hat noch nicht ihren Höchststand erreicht und wir werden so etwas geschoben. Doch auf der Höhe von den Kiew Gardens sind uns alle Mitschleuser davon gefahren, also tatsächlich disabled Duck. Ich beruhige den Käpitän wir würden es bis zur Schleuse von Teddington schon schaffen. Wir tuckern gemächlich an den schönen Häusern von Richmond vorbei. Als Abschied zeigt sich dann auch noch etwas Sonne und wir werden Zeugen eines traumhaften Sonnenuntergang, begleitet vom Überflug einer Concorde! Kurz vor dem Einnachten erreichen wir Teddington Lock zusammen mit einigen Schiffen die sicher zwei Schleusen nach uns in die Themse gelangt sind. Nach der Schleuse hat es Anlegemöglichkeiten, was wir natürlich nutzen. Da keiner von uns so recht hungrig ist mache ich uns eine chinesische Nudelsuppe hot, dann fallen wir dann todmüde in die Koje.

Am nächsten Morgen legen wir kurz vor neun ab. Unsere Mitschleuser scheinen alle noch zu schlafen. Na ja, die werden uns sicher wieder einholen. Wir tuckern weiter entlang von schönen Villen und erreichen kurz vor Mittag die Schlaufe von Hampton Court. Es nieselt wieder leicht und da Walter nicht Schlossfan ist, fahren wir weiter. Ich war während meinen längeren England-Aufenthalten schon etliche Male da. Nun werden die Villen seltener, dafür grösser, oft kleine Schlösser, zwischendurch schöne Inselgruppen und man muss sich schon konzentrieren, wo man fährt, denn die Führer sind nicht so ausführlich wie die Navicarte von Frankreich. Wir bringen die Schleusen von “old Windsor” hinter uns und erreichen die letzte Schleuse von Windsor kurz nach vier. Nach der Schleuse beim Pub Crazy Horse ist der kleine Steg schon besetzt, so bleibt uns nichts anderes übrig als am gegenüber liegenden ausgewaschenen Ufer von Eton festzumachen. Von Bord müssen wir über die auf dem Bootsdach liegende Leiter. Nun wissen wir wenigstens, wieso wir so ein Ding mithaben. Als Frechheit empfanden wir dann allerdings den Umstand, dass jetzt noch ein Uniformierter vorbeikam und uns für diese miese Anlegestelle £ 5.00 abknöpfte. Na ja das hat man davon, wenn man einmal königlich übernachten will! Wir beschliessen bloss eine Nacht zu bleiben, denn nur ca. 10M flussaufwärts soll es ein wunderschönes Hotel haben mit guten Liegemöglichkeiten, das hat mir Maggie noch gezeigt. Da es wieder mal giesst beschliessen wir uns die Stadt erst morgen anzusehen. Ich stelle meine Vorräte auf den Kopf und kann Spaghetti amatriciana anbieten. Beim Käpt´n sind ja Spaghetti nie falsch. Heute legen wir uns um halb zehn schlafen, wollen wir doch morgen relativ früh nach Windsor rüber um dann nach dem Mittag wieder abzulegen.


Wie wir am nächsten Morgen um neun über die Brücke gehen, sehen wir schon ganze “Horden” Richtung Schloss ziehen. Also beschliessen wir uns das auch sehenswerte Städtchen genauer anzusehen. Natürlich wimmelt es auch hier von Touristen. Trotzdem finden wir hier in einer kleinen Seitengasse in einem Musikladen endlich zwei CDs von unserem geliebten Lonny Donegan. Der Besitzer ein älterer Herr strahlt, dass es noch Leute gibt welche Lonny kennen. Er erzählt uns, dass er während seines Studiums in London oft im “Oxford 99” war und Chris Barber mit seiner Band live erlebte. Er staunte nicht schlecht als ich ihm noch sagte, dass auch ich da Lonny zum ersten Mal mit seiner Skiffle Band gehört hätte. Als kleine Beigabe finde ich dann noch die neueste CD von Cecilia Bartoli. So hat sich unser Windsor-Ausflug wenigstens doch noch gelohnt.

In einer Küchenboutique finden wir dann noch eine tolle Knoblauch Presse sowie verschiedene Schnitzer und andere Utensilien mit einem dicken weichen Kunststoffgriff. Gegen Mittag meldet sich dann auch der Hunger und ich kann mich erinnern, dass kurz nach der Brücke ein Chinarestaurant noch einigermassen anständige Preise ausgeschrieben hatte. Also nichts wie hin. Wir sind die ersten Gäste und bekommen einen schönen Tisch in einem Erker. Doch noch während wir bei der Vorspeise sind, ändert sich alles schlagartig: Plötzlich stürmen etwa vierzig Chinesen die Bude. Vorneweg die Reiseleiterin mit einem grünen Schirm. Wir sagen dem Kellner, dass wir es nicht eilig hätten und er bedankt sich mit der Bemerkung, dass diese Leute in fourty minutes im Schloss sein müssen. Nun wir amüsieren uns köstlich ob dem Geschlürfe und Geschmatze Da war nichts von “elegantem-Stäbchen-essen” zu sehen. Nachdem nun auch noch eine 2. Ladung selbiger Staatsangehöriger auftaucht ist das Chaos komplet. Als sie uns dann den Fahrer der zweiten Gruppe an unseren Tisch setzen, staunen wir. Der Mann erzählt uns nämlich, die Chinesen seien auf einem fünftägigen Europa Tripp. Er würde sie am Morgen um halb elf am Flughafen abholen, dann auf nach Windsor. Essen, Castle-Besichtigung, um drei Uhr weiter nach London, Stadtrundfahrt, Abendessen und am nächsten Tag Weiterflug nach Rom. In fünf Tagen würden sie Wien, Genf, Paris, London und Rom besuchen. Ob die überhaupt noch wissen, wo sie sind? Um halb zwei kriegen dann auch wir unseren Hauptgang. Für unsere Geduld offerieren sie uns die Getränke! Na ja wir haben ja Ferien und sind nicht auf der Flucht.

Wir legen gegen drei ab um noch unsere 10 M nach Cockham Bridge zu machen. Gegen sieben erreichen wir unser Ziel und beschliessen im Hotelpub “etwas Kleines” zu essen. Walter isst dann ein Steak, während ich mich mit einem Gemüsegratin begnüge. Dazu trinken wir von der erstaunlich gut bestückten Weinkarte je ein Glas Volnay. Am nächsten Tag heisst unser Ziel Henley on Themse das berühmte Ruderparadies. Da im Moment keine Regatten abgehalten werden, finden wir leicht einen Anlegeplatz. Ausserdem ist es kurz vor Mittag und da ist auch der letzte Langschläfer auf Tour. Da zur Abwechslung wieder Mal die Sonne scheint, gibt es unseren Thon-Tomatensalat auf dem Tiller. Nachher machen wir uns auf das Städtchen zu besichtigen. Überall finden wir königliche Preise, also beschliessen wir uns an Bord zu verpflegen. Ich erstehe Pouletschenkel und rote Linsen, will ein indisches Gericht kochen. Das Kochbuch dafür erstand ich in einer Buchhandlung. Um vier sind wir zurück und setzen uns wieder auf den Tiller; ich zum Karten schreiben und Walter um Heiratskarten zu falten. Abends geniessen wir unser Curry; es schmeckt fantastisch und Walter meint (trocken) “deine Küche ist ja mein Heiratsgrund”.

Am nächsten Morgen erwartet uns wieder “typisch englisches Wetter”, trüb und regnerisch. Heute wollen wir bis Reading gelangen, wo wir mit Alice und ihrem Mann abgemacht haben. Alice ist die Schwester von unserem Kollegen Kevin; Ihr Lieblingsgetränk ist Kafi Lutz. Kurz vor der Schleuse von Reading finden wir noch eine Marina die Pump out macht. Obschon unser Klo sicher noch nicht voll sein kann, stinkt es schon wieder. Wahrscheinlich war das billige Pump out in Uxbridge doch nicht das wahre ... . Wie wir in die Schleuse fahren, fängt es gerade wieder an zu giessen und wir legen in Reading bei strömendem Regen an. Wir bleiben an Bord und verzichten auf einen Stadtgang. Gegen halb neun kommen dann auch Alice und Pit und unser Träsch Vorrat schwindet schnell. Pit nimmt zwar bloss zwei, dafür schlägt Alice doppelt zu. Na ja das Kopfweh morgen hat sie dann auch selber. Am nächsten Morgen, wir können es kaum glauben, scheint die Sonne. Wir beschliessen wir bis Wellingford zu fahren. Pit hat uns erzählt es gäbe da ein gutes kleines Restaurant; das Bernie’s. Wir werden fündig, und was noch besser ist; unmittelbar bei der Anlegestelle hat es einen Waschsalon. So langsam geht uns die Unterwäsche aus. Sonst ist Wellingford eher ein verträumtes Landstädtchen allerdings mit einer schönen alten Brücke über die Themse. Das Nachtessen lohnt sich dann tatsächlich. Das Restaurant ist klitzeklein, bloss acht Tische und gekocht wird von den Frauen, während die Männer servieren. Ein richtiger Familienbetrieb. Aber das Essen ist “Sterne mässig”. Besonders für Dessertliebhaber ist der Dessertwagen ein Traum. Anmerkung: Wie wir zwei Jahre später wieder da Essen gingen, erkannte man uns wieder, ‘the Swiss People’

Am nächsten Tag wollen wir ausschlafen und bloss bis Abington fahren. Unsere Themsekarte ist ja immer noch vier Tage gültig. Nach dem Einkaufen legen wir nach elf ab und bei der ersten Schleuse treffen wir auf eines der längsten Narrowboote die möglich sind. Die Mannschaft besteht aus geistig Behinderten mit zwei Leitern. Alle tragen eine Kapitänsmütze und einer der Leiter meint trocken: „We have all Captains on Board“ Wir bleiben zusammen bis Abbington durch die schöne Schleuse von Goring samt seinem Wehr. In Abbington spendieren wir den acht Captains 4 Tafeln Schokolade, was sofort mit einem Lied honoriert wird. Das ist uns sehr oft aufgefallen in England: Es wird viel unternommen mit ihren Behinderten, auch Pub Besuche und ähnliches und niemanden stört es. Super!

Meine Küche bietet wieder mal grilliertes Hähnchen mit Rosmarin. Direkt an der Anlegestelle wächst ein riesiger Rosmarinstrauch, und es wird niemand merken, wenn da morgen ein paar Ästchen fehlen. Am nächsten Morgen schlafen unsere ‘Captains’ noch wie wir uns aufbrechen. Heute Sonntag wollen wir bis Oxford kommen um dann morgen die Stadt unsicher zu machen. Das nahen dieser Stadt bemerkt man schon lange im voraus. Kommen einem doch Ruderboote entgegen und noch näher an der Stadt kommen auch noch ‘Stechboote’ dazu. Walter hat sich mal in Cambridge damit versucht und ist fast ins Wasser gefallen. Da wir relativ früh in Oxford sind, finden wir nahe der Science Bridge einen Anlegeplatz. Abends liegen dann die Boote fast bis zu Schleuse. Wir machen einen kleinen Bummel entlang der Themse, da es im Moment nicht regnet scheinen alle den gleichen Gedanken zu haben. Ein Betrieb wie an der Bahnhofstrasse in Zürich! Wir drehen schnell bei und verschieben das Sightseeing auf einen gewöhnlichen Werktag. Zum Nachtessen offeriere ich mal wieder Schweizerküche: “Rösti mit Geschnetzeltem”. Nachher schreibe ich meine restlichen Ansichts- und Walter faltet weiter Hochzeits-Karten.

Am nächsten Tag widmen wir uns voll Oxford, besichtigen das Maddeleine College, das älteste College Oxfords, die restlichen lassen wir liegen zugunsten der schönen Parkanlagen. Nachmittags ersteht Walter noch ein paar wasserfeste Handschuhe, bei dem hiesigen Wetter kein Luxus! Zum Abschied von der Themse werde ich noch zu einem fantastischen ‘indisch Essen’ eingeladen.

Auf direktem Weg in den Oxfordkanal, bis zur Dukeschleuse, ist der Kanal total verschlammt und wir verlieren wieder rund 2 Stunden, da Walter mehrere Male Dreck in Form von Plastiksäcken aus der Schraube fischen muss. Das Wetter ist kalt und es windet ziemlich stark. Walter ist froh um seine Handschuhe. Bei der Roundlock wird der Wind weniger, dafür fängt es an zu regnen. Bei Thrupp giesst es so stark dass wir beschliessen im kleinen Hafen zu bleiben, obschon es erst drei ist. Ich stöbere in meinen Vorräten und beschliesse ein Riz Casimir zu machen. Nach dem Essen spielen wir noch eine Partie Rommé; ich verliere haushoch .. Am nächsten Morgen trommelt der Regen immer noch wie wild auf unser Dach und wir kriechen erst um neun aus den Federn. Mit Regenschirm bewaffnet gehe ich eine Bäckerei suchen und finde einen Markt. Nebst Brot wird noch etwas Gemüse erstanden; bei dem Huddelwetter steht heute Abend ein Rüeblieintopf auf der Menükarte. Gegen elf lässt der Regen nach und wir beschliessen zu versuchen, ob wir es bis Banbury schaffen. Bei Lower Herford begegnet uns die erste für den Oxfordkanal so typische Liftbridge

An einem langen hohen Balken hängt eine Kette und nun muss man an dieser Kette die Holzbrücke hochziehen. Ich muss mich mit meinem ganzen Gewicht an diese Kette hängen. Es soll nun noch 36 Stück von diesen Brücken geben... Beruhigt stellen wir dann aber fest, dass die meisten offen und fixiert sind. Nach Heyford fängt es wieder an zu giessen, Walter läuft nach kurzer Zeit das Wasser oben bei der Kapuze rein und unten wieder raus. Ich mache laufend heisse Soupdrinks oder Tee mit Rum. Wir beschliessen bei der nächstbesten Stelle anzulegen und werden unterhalb der Aynhobrücke fündig. Es liegen schon drei Boote da. Vor uns unser Nachbar aus Thrupp. Er kommt trotz misslichem Wetter aus seinem Boot und hilft beim Anlegen mit der Bemerkung ‘zu Dritt ist man schneller’. Walter quält sich aus den nassen Klamotten und geht flugs unter die Dusche, während ich seine nassen Sachen in den Heizschrank hänge (eine fantastische Einrichtung auf den Alvechurch Booten; alle haben einen Schrank mit heizbarer Umluft). Bei solchem Scheisswetter eine herrliche Sache.

Um halb fünf setze ich unseren Rüeblitopf auf und Walter findet später beim Essen es gäbe bei dieser Kälte und Nässe nichts besseres als einen Eintopf. Nachher laden wir unsere Nachbarn auf einen Swiss Coffie ein. Der Träsch war ja alle aber ‘Kirsch’ hatte ich noch. Doch Helene und Dave sind höflich und drinken bloss zwei. Die Flasche ist noch dreiviertel voll und so gibt es bei diesem Sauwetter sicher noch etliche Swiss-coffie (Kaffe mit Kirsch und Schlagrahmhaube). Wir schlafen jedenfalls wie Murmeli und staunen nicht schlecht, als am nächsten Morgen schon wieder die Sonne scheint. Also legen wir bald ab.

Nach vier Schleusen treffen wir um zehn in Banbury ein. Wir finden einen schönen Anlegeplatz mitten im Zentrum und wollen hier mal wieder zu 2. die Stadt unsicher machen Banbury war ein bekannter Warenumschlagplatz für Narrowboote und hier gab es auch einige der wenigen Schulen für die Kinder der Transportboote-Eigner. Die meisten lagen ja hier zum Umladen für einige Tage fest und da konnte man die Kinder gut zur Schule schicken, sie standen einem dann schon nicht im Weg rum. Im Mark & Spenser finden wir dann auch noch einen tollen Merionwolle-Rollkragenpuli für Walter. Als wir auf unser Boot zurückkommen liegen hinter uns wieder unsere Nachbarn von Aynho. Sie erzählen uns, dass sie noch bis Cropedy weiterfahren, dort gäbe es ein bekanntes und gutes Pub. Wir sind ja einem Pub-Besuch nie abgeneigt und beschliessen die vier Schleusen bis Cropedy auch noch in Angriff zu nehmen.

Die Omega von Dave fährt vorneweg, wir sind die Nutzniesser; macht er doch für uns immer wieder die Schieber auf. Der Oxfordkanal hat wieder die ‘Einfach Schleusen’. Gegen sechs erreichen wir Cropedy und Dave sagt uns er hätte reserviert. Wir stellen fest, dass viele der Privatboote ein Handy an Bord haben, was uns nochmals zugute kommen soll). Das Essen im Butchers Arm ist fantastisch, ebenso die Weine die sie anbieten. Walter macht sich zusammen mit Dave über ein T Bone Steak her, während Helene und ich uns mit einem Fisherman´s Pot begnügen. Dazu trinken die Männer einen Shiraz aus Südafrika, wir Frauen finden einen fantastischen Chablis. Die Zwei erzählen nun das fünf Ehepaare sich die Omega teilen. Zwei Familien haben Kinder und können das Schiff während den Schulferien je drei Wochen benutzen, während die anderen drei Partien je einen Monat zugute hätten, allerdings eben nicht in der Hochsaison. Gegen elf brechen wir auf. Die Zwei wollen morgen früh losfahren, müssen sie doch das Boot in drei Tagen in Rugby den nächsten Miteignern übergeben.


Auch wir brechen am folgenden Morgen bei Nebelschwaden früh auf. Es sind neun Schleusen bis zum Scheitelpunkt. Dave hat uns noch gesagt, dass wir vor halb vier an der ‘Napton top lock’ sein müssten wegen der Water Restriction. Sonst müsse man bis am folgenden Morgen um elf warten. Wir kommen gut hoch und nach der vierten Schleuse haben wir immer Gegenverkehr, also müssen wir die Schleuse von Dave nicht erst leeren. Gegen elf Uhr erreichen wir den Scheitelpunkt. Die Strecke nach der Napton top lock ist eher eintönig, mit vielen engen Kurven. Bei Wind kann da echt tricky werden, besonders mit langen Booten. Um zwei erreichen wir Marston Doles mit der Toplock. Von hier hat man eine wunderbare Aussicht auf Napton on the Hill mit seiner bekannten Windmühle auf einem Hügel. Wir machen wieder Mal Bestzeit mit dem Schleusen und erreichen Napton nach sieben Schleusen nach vier. Wir gehen noch etwas spazieren dann mache ich mich in der Küche nützlich: Heute gibt es Spaghetti Carbonara mit Tomatensalat. In unserem Weinlager findet der Käpt'n sogar noch eine Flasche Chianti. Den Weg von Napton Junction zurück ist anders rum in dem Bericht vom Warwickshire Ring beschrieben. Wir machten bloss noch einen kleinen Abstecher nach Stradford on Avon um die Stadt einmal ohne Augustfeiertag zu erleben. Wir besuch-ten diesmal kurz vor Stradford das Mary Arden House mit seiner fantastischen Falken-Vorführung.

In Stradford entdeckten wir ausser den bekannten Sheakespeare Sehenswürdigkeiten ganz in der Nähe des Bassins, wo wir liegen, das Schmetterlingsmuseum. Man fühlt sich in eine andere Welt versetzt! In einem angrenzenden Raum lebt ein Volk von Blattschneider-Ameisen. Die Lieblingsblätter befinden sich an der gegenüberliegenden Wand des Ameisenstaates und zwischen den beiden Wänden sind Taue gespannt. Das ganze gleicht der A1: Auf der einen Tauseite laufen die Ameisen Richtung Blätter und auf der anderen Tauseite kommen sie wieder retour mit einem Stück Blatt. Das ganze funktioniert ohne Zusammenstösse, also könnten wir direkt noch etwas lernen. Am Abend lädt mich dann Walter zum Nachtessen ein. Wir entdecken in einem alten Tudorhaus ein fantastisches Restaurant das Marlowe's. An der Bar, wo man den Aperitif kredenzt bekommt, wurde ein Stück Mauer aufgebrochen und mit Glas abgedeckt um zu zeigen wie die Häuser aufgebaut sind. Also erst mal kommen die Holzbalken, die man dann auch von aussen als Riegel sieht, als Gerüst. Dazwischen werden dicke Strohmatten gehängt. Nun wird das ganze mit Steinen und Stroh aufgefüllt und anschliessend zwischen das Holzgerüst Mörtel gestrichen. Die haben schon früher etwas von Isolation verstanden! Die strengen Auflagen wegen Feuer sind uns nun klar, ist doch das alte Zentrum von Stradford so gebaut.

Das Essen ist fantastisch, das Ambiente auch und die Preise befinden sich etwa auf CH -Niveau, sind also für England sicher hoch. Wir haben uns noch lange mit dem sehr gut Deutsch sprechenden Besitzer unterhalten. Er wollte mich dann gleich anstellen, machte eine Bemerkung, er fände schwer Personal mit den für Stradford sehr wichtigen Fremdsprachenkenntnissen. Ausserdem erfuhren wir, dass Stradford die niedrigste Arbeitslosenrate von England habe und die Gehälter denen von London gleichen würden. Na ja, ein paar Jahre jünger und frei, dann hätte ich mir das sicher überlegt. Am nächsten Tag heisst es Abschied nehmen von Stradford. Wir müssen ja in vier Tagen unser Boot abgeben.

Kurz vor vier, wir wollten eigentlich noch bis zum Pub Fleur de Lys, riss das Gaskabel. Wir mitten im nirgendwo, ca. 200 Meter vor einer Schleuse und bei strömendem Regen. Was tun? Da sehen wir, dass sich bei der Schleuse was tut. Also Regenklamotten an und hochlaufen. Vielleicht haben die ja ein Handy... . Wie ich zur Schleuse komme wer steckt drin? Die Omega mit neuer Crew! Die haben ein Handy! Sie sind sehr hilfsbereit, geben mir das Telefon hoch und ich kann die Basis anrufen. Die Omega macht dann sogar bei uns fest, mit der Bemerkung falls niemand käme, hätten wir wenigstens ein Handy zum nachhaken. Nach einer Std. klopft Herr Alvechurch an die Tür. Walter zeigt ihm den Schaden und sein Kommentar! „I must go back to the car to fetch the throttelcable”. Dabei habe ich ihm gesagt was fehlt. Na ja, wenn der gerne im Regen rumstolpert ..... . Nach ca. 40 Min. kommt der Monteur zurück. Das Auswechseln des Gaskabels dauert dann bloss noch 30 Minuten. Der Monteur verabschiedet sich und wir fahren noch die zwei Schleusen hoch bis zum Pub Fleur de Lys. Die Moral von der Story? Mit dem neuen Gaskabel lässt sich der Gashebel weiter runter drücken und die Disabled Duck verwandelt sich wieder in einen echten Woodpecker. Ich muss wohl nicht erwähnen, wie Walter geflucht hat. Retour in der Basis reklamieren wir auch entsprechend. Alle haben uns abgespiesen das Boot sei halt nicht mehr das neueste und würde aus diesem Grund nicht gut ziehen, dabei lag es an einem einfachen Gaskabel. Na ja, da mein Englisch zum Glück Lower Cambridge Stufe hat, konnte ich so argumentieren, dass sie uns £ 200 zurückerstatteten und wir in einem Schreiben 20% Mieterlass für die nächste Buchung zugesprochen bekamen. Damit konnten wir leben! 2 Jahre später haben wir dann unseren Check eingelöst und tatsächlich 20% und ausserdem die anderen Vergütungen bekommen, was für uns hiess drei Wochen mieten und nur Zwei bezahlen.


Nach der Bootsabgabe heisst es nun retour zu Phil und Trevor. Schliesslich steht für uns noch viel auf dem Spiel. Wir wollen ja in drei Tagen noch heiraten. Das Fest selbst hat für uns dann komplett gestimmt. Die Trauung, wie es so ist auf einem Zivilstandsamt, trocken; bloss als die Beamtin dann am Schluss meinte „The groom can now kiss the bride“ lachen Phil und Walter laut los. Das Brautmahl im Valley of Wey sowie die Hochzeitsnacht im Himmelbett bleiben für uns unvergesslich.

Das Kartenmaterial für unsere Touren auf den englischen Kanälen:
- Pearson's Avon Ring
- Pearson's Warwickshire Ring
- Nicholson's Guide to the Waterways South
- Nicholson's Guide River Thamse

 
Falls jemand Lust bekommen sollte eine Tour zu buchen, stehen wir gerne mit weiteren Tipps zur Verfügung!

 

Der Artikel erschien in den L’ancre de Kembs Ausgaben Dez. 2000, März, Sept. u. Dez. 2001

 


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