ADAC-Rallye 2003-6

Aufstrebender Star und Frauenschwarm..

- Von Walter Koster -

St. Wendel. Als sich der junge Sébastien Loeb bei der Sieger-Zeremonie der Rallye Monte Carlo den Sekt aus den Mundwinkeln wischte, war die Saison 2003 mit einer UEberraschung gestartet. Nicht etwa die favorisierten Peugeot 206 mit dem amtierenden Weltmeister Marcus Groenholm oder Richard Burns hatten sich zum Saisonauftakt in Szene gesetzt. Nein, alle drei Werks-Citroen befanden sich auf den ersten drei Plaetzen - und ganz vorne eben Sébastien Loeb. Der sympathische Franzose haette bereits im Jahr zuvor fast die "Mutter aller Rallyes" gewonnen. Es waere sein erster Sieg bei einer WM-Rallye gewesen, waere .

WM-Lauf muss bleiben...

BRAVO, IHR FANS!

er nicht durch einen dummen Fehler seiner Citroen-Truppe annulliert worden.
Spaetestens seit diesem Husarenstueck ist der junge Elsaesser die grosse Hoffnung der Franzosen im Rallye-Sport. 1999 bestritt Sébastien Loeb drei Laeufe fuer Citroen zur Rallye-WM, erzielte dabei zwei Klassensiege (1600-Klasse). Ein Jahr spaeter war er Zweiliter-Champion in der franzoesischen Schotter-Meisterschaft, fuhr in der franzoesischen Rallye-Meisterschaft (jeweils fuer die Peugeot-Konzernschwester Citroen) und sammelte WM-Erfahrung bei vier weiteren WM-Einsaetzen fuer Toyota und Citroen. Schliesslich gibt der junge Mann ja Rallye-Fahrer als erlernter Beruf an. Sébastien wollte sich aber nicht als Durchschnitts-Rallyepilot begnuegen., schaffte es 2001 zum franzoesischen Rallye-Meister und stieg 2002 zum Rallye-WM-Werkspiloten auf. Am Ende der Saison belegte er den zehnten Platz im Gesamtklassement.
In nur kurzer Zeit hat sich Frauenschwarm Loeb in die Herzen der Zuschauer gefahren - nicht nur in seiner Heimat Frankreich. Die Rallye Monte Carlo und die Deutschland nennt er heute als seine Lieblings-Veranstaltungen - nach seinen beiden Siegen auch kein Wunder. Freund wie Gegner bezeichnen den aufstrebenden Rallye-Star als ruhig, gelassen, selbstsicher und talentiert. Trifft auch zu 100 Prozent zu

Erst einmal tief durchatmen. Diese ADAC Rallye Deutschland anno 2003 geht in die Annalen ein - sportlich, organisatorisch und von der Vernunft der Zuschauer. Die in den Anfaengen von ihren Gegnern verspottete und verdammte "Feld-Wald-Wiesen-Veranstaltung" hat sich nicht nur zu einem Weltmeisterschafts-Lauf gemausert. Nach ihrer organisatorisch etwas misslungenen WM-Premiere 2002 wegen unvernuenftiger Fans muss dieser zweite deutsche WM-Lauf seit Sonntag seinen festen Platz im WM-Kalender sicher haben.

Walter Koster

Sébastian Loeb

-Von Walter Koster -

.Warum? Veranstalter, Organisation, kurz, alle Beteiligten haben aus ihren Fehlern gelernt. Diesmal perfektes Verhalten der Zuschauer. Bravo! Fuer die Fahrer sind die Pruefungen sportlich reizvoll, und die Veranstaltung fuer die Fans aeusserst attraktiv. "Ich sehe nichts, was auch im kommenden Jahr gegen einen WM-Lauf sprechen sollte", stellte Rallye-Leiter Armin Kohl mehr als zufrieden fest. Vor allem aber duerften sich die beiden Beobachter des internationalen Automobilverbandes Fia schwer tun, schwerwiegende Maengel in ihrem Rapport aufzufuehren. Waehrend in San Remo (Italien) geradezu das totale Chaos von den Suedlaendern erwartet wird, haben die Fia-Observer mit Argusaugen nur auf einen Ausrutscher beim deutschen WM-Lauf gewartet. Schliesslich muessen ja Laender gekippt werden, denn das Unternehmen Rallye-WM expandiert - ebenso wie die Formel 1 - nach China. Mit dem Ziel, den neuen Markt zu erschliessen.

Fantastische Veranstaltung

“Ich geniesse diese Rallye und komme gerne wieder. Das ist eine ganz fantastische Veranstaltung. Diese Deutschland-Rallye muss ein WM-Lauf bleiben.” Was kann fuer den Veranstalter schoener sein, als das Kompliment des suedafrikanischen Motorsport-Journalisten Dieter Rencken. Im Vergleich zur WM-Premiere 2002 ist der Suedafrikaner vor allem von der diesjaerigen Organisation begeistert. Optimal findet Renecken zum Beispiel, dass der Servicepark an allen drei Tagen seinen “festen Platz” am Bostalsee hat und dass das neue Zuschauerlenk- und Leitsystem hervorragend funktioniert hat. Nur die Streckenposten sollten “alle auf gleichen Niveau sein und einheitlich reagieren”, bemaengelt der Suedafrikaner gegenueber der “SZ”. Den Fachjournalisten Peter Bohne freut es , dass diesmal das grosse Zuschauerkaos ausgeblieben ist. “Die Entzerrung der Zuschauerstroeme bedingt durch das gemischte Pruefungsprogramm ist das Positive.” Fuer den Sachse kam auch die Polizei im Gegensatz zum Vorjahr “ ihren Regulierungs-Aufgaben” voll und ganz nach: “Diesmal ist die deutsche Gruendlichkeit durchgeschlagen.”  kos

Quelle SZ 28.07.03