

Hereinspaziert! Angelika Pixberg bittet in ihr Tippie, das auch Wigwam genannt wird. Beim Indianerfest am Bostalsee durften die Besucher einen Blick in dieses kegelfoermige, reich verzierte, huebsch eingerichtete typische Indianerzelt werfen.
Schmuck! Die grossen und kleinen Besucher des Indianerfestes am Bostalsee durften nach alten Vorlagen selber Indianerschmuck herstellen. Hier werden mit sehr viel Geduld und ebenso viel Geschick ueberaus kunstvolle Ketten gebastelt.
Trommele und tanze mit mir! Die Kultur-, Tanz- und Trommelgruppe "Living Culture" zeigte beim Indianerfest, das der Landkreis St. Wendel am vergangenen Wochenende am Bostalsee erstmals organisiert hatte, einen temperamentvollen Indianertanz, bei dem das Publikum begeistert mitmachte. So wurde altes Brauchtum den vielen Gaesten erlebbar gemacht. Fotos: ATB
Bosen (be). In der Geschichte verliefen ihre Begegnungen anders: Angehoerige der US-Armee treffen auf Indianer. Wer sieht da nicht vor seinem geistigen Auge einen der Westernfilme ablaufen, mit aufeinander zustuermenden Reiterscharen: blau uniformierte, mit Gewehren bewaffnete US-Kavallerie auf der einen, Tomahawk schwingende Indianer im Lendenschurz auf der anderen Seite?
Nicht so am Wochenende am Bostalsee: Verschwitzte und ziemlich erschoepfte Angehoerige der US-Army, allesamt Teilnehmer an einem Leistungsmarsch, in tarn-oliv-farbenen Felduniformen und bepackt mit schweren Rucksaecken naeherten sich zu Fuss einem Indianerlager mit seinen weithin sichtbaren, Tipis genannten Rundzelten. In voellig friedlicher Absicht, denn die Army-Angehoerigen beiderlei Geschlechts richteten ihren Blick zunaechst einmal nicht auf die hier vertretenen Indianerstaemme, sondern auf die ueber gluehender Holzkohle brutzelnden Schwenk-Steaks vom Schwein. Frueher diente wohl das Fleisch des Bueffels als Marschverpflegung. Frueher gehoerten aber auch keine Frauen der US-Army an und sicher keine Menschen indianianischer Abstammung. Und frueher kamen die Indianer auch nicht aus dem Saarland, der Pfalz und Hessen.
Am Wochenende waren aber nicht nur die Hauptakteure aus eben diesen Gegenden dabei, sondern auch die vielen Besucher des ersten Indianerfestes, das vom Landkreis am See veranstaltet wurde. Versprochen wurde ein "Powwow" (sprich: Pauwau) der Indianer, die darunter eine Zeit des Feierns, Singens von indianischen Liedern, Tanzens und Geniessens indianischen Essens verstanden.
Das ist keine Kostuemierung
Dass diese Praesentation indianischen Lebens sich ausdruecklich nicht als "Kostuemierung" versteht, erklaerte Eddy Stotz vom Alzeyer Indianerclub "Living Culture". Es gehe darum, einer gesamten Kultur beim UEberleben zu helfen. Die Powwows verkoerperten daher eine jahrhundertelange indianische Tradition, die sich nach den ersten gemeinsamen Treffen der Indianerstaemme nach der Winterzeit und zum Beginn der gemeinsamen Bueffeljagd herausgebildet habe.
Im Mittelpunkt des Interesses am Bostalsee standen die Taenze der Indianer, begleitet von eindrucksvollen Trommelklaengen. Das zog die Zuschauer an. Zugleich aber war das Bastelzelt, wo Kinder selbst eine Trommel fertigten (Hoehepunkt war hier der sonntaegliche Trommelworkshop mit dem selbst gebastelten Instrument) oder einen Indianer-Kopfschmuck herstellten, immer voll besetzt.
Wer selbst nicht aktiv ins Geschehen eingreifen wollte, konnte aber auch als passiver Besucher jede Menge erleben. Einen Ausschnitt aus der Greifvogel-Schau
des Naturwildparks Hermbachtal Freisen zum Beispiel, mit Jagdfalken und Uhus, die Falkner Joerg Broszeit praesentierte. Oder Malen, Bogenschiessen, Schminken und Schmuckherstellung.
Den Vogel in der Zuschauergunst schoss aber eindeutig der meisterhafte Zauberer Martin Mathias ab mit seinem preisgekroenten Stueck "Indianergeheimnisse", bei dem er das munter mitmachende kleine und grosse Publikum vor und auf der Seebuehne einbezog.
Natuerlich gehoerten zum Indianerfest auch Pferde, auf denen die Kinder selbst reiten durften. Und dafuer, dass man sich auch sonst noch indianischer Verkehrsmittel bedienen konnte bei der Fortbewegung, zeigte die Initiative "Wir im Verein mit Dir". Zehn zweisitzige Kanadierboote lagen am Seeufer und luden - unter fachkundiger Betreuung - ein zur Ausfahrt auf den See. Einer Betaetigung, die bei hochsommerlichen Temperaturen auch kaum Abkuehlung brachte. Im Gegenteil. Den meisten Teilnehmern der Bootsfahrt erging es wie dem Indianer aus der Alzyer Trommeltruppe nach den ersten Tanzdarbietungen. "I have a baddschnass Hemmd" stellte er nach der Darbietung fest. Und er blickte dabei herunter auf eine blossen Oberkoerper, den lediglich ein Amulett zierte.
Quelle SZ 30.06.03