Ev. Kirchengemeinde Nohfelden

Drei Jahrhunderte lange Geschichte... Die Kirchengemeinde Nohfelden feierte ihr 300-jähriges Bestehen.
 - In den Kirchenbüchern fand sich manches Interessantes...

Ein Stück Geschichte So sah die Kirche 1905 aus. Sie hatte damals noch einen Dachreiter. Erst 1930 wurde der heutige Turm mit seinen vier Glocken und der Turmuhr angebaut. Kürzlich hat die Kirchengemeinde Nohfelden ihr 300-jähriges Bestehen gefeiert. Zu diesem Zeitpunkt war sie allerdings bereits zwei Jahre älter. 2001 konnte nicht gefeiert werden, da das Presbyterium nach dem Weggang von Pfarrer Ekkehard Lagoda zu sehr mit der Nachfolge beschäftigt war. Foto: privat

Ev. Kirchengemeinde 300 Jahre alt!
Die ev. Kirche zu Nohfelden

  Ullrich Hammer -Ev. Pfarrer Nohfelden

Nohfelden (it). Kürzlich hat die evangelische Kirchengemeinde Nohfelden 300 Jahre ihre Bestehens gefeiert. Zu diesem Zeitpunkt war sie allerdings bereits zwei Jahre älter. 2001 konnte das Jubiläum nicht begangen werden, da das Presbyterium nach dem Weggang von Pfarrer Ekkehard Lagoda im Jahre 1999 zu sehr mit der Nachfolge beschäftigt war. Seit rund eineinhalb Jahren hat nun Pfarrer Ulrich Hammer die Pfarrstelle inne.
Die im Koblenzer Archiv aufbewahrten und im Nohfeldener Pfarrhaus in Kopie vorhandenen Eintragungen in die Kirchenbücher legen den Geburtstag der Gemeinde in das Jahr 1701. In der "Specification der getaufften Kinder" lautet die erste Eintragung durch Pfarrer Schlütter aus Lichtenberg-Kusel: "Maria Elisabetha aus Ellweiler, geb. 25. 9. 1701, Tochter von Scherer, Hans-Matthias, Müller auf der Traun zu Ellweiler, und Anna Maria Welsch, geboren in Berglangenbach, Tochter von Hans Welsch."
Freilich dürfte die Gemeinde bereits ein wenig früher existiert haben. Als der schwedische König Karl XII. (1697-1718) mit seinem Kanzler Graf Gabriel Oxenstierna die Regierung im Zweibrücker Herzogshaus übernahm, besserte sich die

Situation der Lutheraner, die sich in dieser Zeit ständig bekämpften. Die Entstehung der Kirchengemeinde mit ihrer Filiale Achtelsbach-Ellweiler fällt vermutlich in jene Zeit. Sie kamen aber nicht nur aus Nohfelden, sondern auch aus Wolfersweiler, Walhausen, Rohrbach, Leitzweiler, Steinberg-Deckenhardt, Hirstein, Gimbweiler und Gonnesweiler. Die Gottesdienste wurden in der im Jahre 1442 erbauten Kapelle abgehalten, die allerdings in schlechtem Zustand war. Am 12. Februar 1744 teilte das Oberconsistorium mit, dass Herzog Christian IV. auf einer Reparatur bestehe.

.1768 entstand die neue Kirche

Eine Einigung kam erst 1768 zu Gunsten einer neuen Kirche zu Stande. Pfarrer Johann Daniel Caspari ging mit Schwung an die Arbeit. An den Planungen war auch der aus Nohfelden stammende und später berühmt gewordene Baudirektor Ludwig Christian Hautt beteiligt. Am 10. August 1774

wurde der Grundstein gelegt und das Gotteshaus an Christi Himmelfahrt 1776 eingeweiht. Die Reformierten aber wollten nicht, dass Pfarrer Caspari die Einweihung vornähme. In der Chronik steht: "Nun wollte man durch eine Zusammenrottung die Feier unmöglich machen. Doch soweit kam es nicht. Pfarrer Caspari trat in den Hintergrund und die Weihe der lutherischen Nohfeldener Kirche wurde durch den reformierten Wolfersweiler Pfarrer Daniel Theiß vorgenommen." In diese Zeit fiel auch die Errichtung einer kleinen Kirche in Ellweiler. Aus dem Jahre 1781 ist überliefert, dass der Gemeinde 289 Lutheraner angehörten, davon 140 aus Nohfelden.
Nachdem der Ort im Fürstentum Birkenfeld dem Großherzogtum Oldenburg zugeordnet worden war, zählte die Gemeinde Nohfelden-Achtelsbach 520 Mitglieder, davon 166 aus Nohfelden, 90 aus Wolfersweiler, der Rest aus elf weiteren Dörfern. 1842 entstand mit Hilfe des Großherzogs ein Pfarrhaus. Mitte des 19. Jahrhunderts fielen erste Reparaturen an der Kirche an. Kaum zehn Jahre später wurden weitere Mängel sichtbar. Damals gingen auch öfter Kirchenfenster zu Bruch, weil die Dorfbuben mit Steinen nach den Birnen warfen, die an einem Baum vor der Kirche hingen. Das Presbyterium ließ deshalb den Baum kurzerhand fällen. 1858 schaffte die Gemeinde ein Pedal-Harmonium an, das aber oft repariert werden musste. Es wurde 1909 durch eine zweimanualige Pfeifenorgel mit Pedal der Firma Oberlinger ersetzt.
Allmählich war die Kirche zu klein geworden, was sich besonders an Feiertagen bemerkbar machte. An Stelle des Dachreiters wurde ein richtiger Turm angebaut, der vier Glocken aufnahm und eine Kirchenuhr erhielt. Außerdem wurde an der südlichen Seite eine chorartige Apsis zur Aufnahme eines Altars angebaut. Die Einweihung fand am ersten Advent des Jahres 1931 statt.

Es ging sogar vors Amtsgericht

Wegen verschiedener Mängel sahen sich die Beteiligten sogar beim Nohfeldener Amtsgericht wieder. Dach, Turm, Decke, Orgel und Gestühl erlitten im Zweiten Weltkrieg schwere Schäden. Sie wurden ab 1946 nach und nach beseitigt. Materialien aber waren rar und mussten teils mit Lebensmitteln bezahlt werden.
Zurück zu den Kirchenbüchern des 18. Jahrhunderts: In ihnen wurden nicht nur Sterbefälle eingetragen. Die Dahingeschiedenen wurden auch vom Pfarrer beurteilt. Von einem heißt es: "Dieser alte Sündenknecht, an welchem alle Wohltaten und Gunst Gottes, auch meine vielfältig nachdrücklichen Ermahnungen bis in seinen Tod fruchtlos geblieben, verstarb unversehens den 27sten Decembris."
Seit Ulrich Hammer Pfarrer ist, hat sich der Zuschnitt der Gemeinde geändert. Hoppstädten, Weiersbach und Neubrücke kamen mit 700 Gemeindegliedern hinzu und werden von Nohfelden aus mitversorgt. "Die
Gemeinde muss mehr zusammenwachsen und sich ihrer Wurzeln bewusst werden", sagte der Geistliche, der von einem guten ökumenischen Miteinander mit den Katholiken sprach.

Quelle SZ 12.06.03

Quelle SZ 14.06.03