Schwarzwild im Nohfelder Revier

Eine Geschichte aus der Kinderstube des Waldes...

SAUGUDD!
Je nach Alter bringen Wildschweine bis zu sechs Junge zur Welt. Rund 18 Tage halten sich die Frischlinge in ihrem Kessel auf, wo sie von der Bache, so heißen in der Jaegersprache die weiblichen Wildschweine, gesaeugt werden. Auch wenn die jungen ihren Kessel verlassen und sich mit anderen Müttern und ihren Jungen zu einer Rotte zusammenschlies-

sen, bleibt die enge Mutter.Kind-Bindung erhalten. Erst nach 3 Monaten verliert sich diese enge Beziehung. Fotos: Funk

Der Bau von Strassen und Siedlungen engt den Lebensraum vieler Tierarten immer mehr ein. Ihr Bestand ist gefaehrdet. Wildschweine passen sich an, draengen in die Siedlungen und vermehren sich stark.

Reines Vergnuegen... Suhlen gehoert zu den schoensten Vergnuegungen eines Wildschweines und gehoert zu dessen Koerperpflege. Dieser Keiler hat das dazu notwendige Wasserloch gefunden. Zurzeit sind diese Wasserloescher aber sehr selten.

Einzelgaenger... Im Alter von 15-18 Monaten werden die maennlichen Tiere, die Keiler, von den Bachen aus der Rotte vertrieben. Sie finden sich mit anderen zu kleinen Gruppen zusammen. Ab zwei Jahren gehen sie dann ihre eigenen Wege.

Kreis St. Wendel. Keine andere Wildart hat eine hoehere Reproduktionsrate wie die Wildschweine, nicht einmal die Kaninchen koennen da mithalten. Wuerde eine Rotte von 100 Tieren, 50 maennliche und 50 weibliche Sauen fuenf Jahre lang nicht bejagt, wuerde die Population auf sage und schreibe 8000 Stueck anwachsen. Im Durchschnitt bekommt eine Bache vier Frischlinge je Wurf.

Frischlinge koennen bereits in ihrem ersten Lebensjahr rauschig (brunftig) und beschlagen werden, Jaeger sprechen dann von Frischlingsbachen, die selbst etwa im Schnitt 2,2 Frischlinge zur Welt bringen. Ueberlaeuferbachen (ab dem 1. April des Folgejahres einjaehrige Bachen) bringen 4,3 und aeltere Bachen 5,5 Frischlinge zur Welt. Selbst wenn 15 bis 20 Prozent der Frischlinge in den ersten Tagen und Wochen verenden, liegt die Reproduktionsrate immer noch bei ueber 200 Prozent. Dass das Schwarzwild voll im Aufwind ist belegt die Statistik der Abschuesse. Bundesweit wurden im Jagdjahr 1957/58 insgesamt 26665 Stueck Schwarzwild erlegt. Im Jagdjahr 2001/02 waren es bundesweit 531887 Stueck.

Sauen sind liebevolle Muetter

Das Sozialverhalten der Sauen ist ebenfalls einmalig. Die Hauptrauschzeit (Paarungszeit) liegt im Oktober, November und Dezember. Dann muessen die Bachen gut genaehrt sein. Das sind sie in dieser Zeit auch, denn in den vergangenen Jahren gab es sehr gute Mast. Buchen und Eichen hatten viele Fruechte. In der Landwirtschaft kommen die grossen Maisschlaege dem Schwarzwild ebenfalls sehr entgegen. Geradezu wie im Schlaraffenland leben sie dort, bis sie im Herbst wieder in den Wald wechseln.
Die Bachen bringen gewoehnlich im Maerz und April ihre Frischlinge in einem mehr oder weniger sorgsam gebauten Kessel zur Welt. Manche bauen daran mehrere Tage, andere .

geben sich weniger Muehe. Bachen sind liebevolle Muetter. In den ersten Tagen nach der Geburt halten Muetter und Frischlinge einen richtigen Gesang miteinander ab. Kein Quieken oder Grunzen, nein ein richtiges Schlaflied wird hier gesungen. Nach insgesamt 18 Tagen verlassen die Frischlinge den Kessel und die einzelnen Bachen schliessen sich mit der Leitbache und allen Frischlingen zusammen.
Verlieren Frischlingsbachen ihren Nachwuchs "rauschen" sie nach und bringen nach rund vier Monaten weitere Frischlinge zur Welt. Da sich mehrere Bachen zu einer Rotte zusammenschliessen (nur weibliche Stuecke), kann es innerhalb einer Rotte Frischlinge verschiedenen Alters und Groesse geben. Maennliche UEberlaeufer werden in der Rotte nicht geduldet. Die Keiler sind ausserhalb der Rauschzeit reine Einzelgaenger.
Die Frischlinge einer Rotte werden von allen Bachen geduldet und verendet eine Mutter, saeugen andere die Waisen mit. Erst nach drei Monaten verliert sich die enge Bindung. Dann lassen die Bachen den Frischlingen auch nicht mehr den Vortritt am Futterplatz. Wie bei den meisten Wildarten wird die Rotte von einem weiblichen Stueck, hier der so genannten Leitbache angefuehrt. Alter, Erfahrung, Koerpermasse und Groesse sind dabei von entscheidender Bedeutung. 15 bis 18 Monate alte Keiler werden von der Rotte ausgestossen. Dadurch wird Inzucht vermieden. So genannte UEberlaeuferrotten von Bruedern entstehen, es handelt sich um drei bis vier Stueck die bis zum Alter von zwei Jahren zusammen bleiben. Ab dann sind sie Einzelgaenger.

Bis zu 30 Tieren bilden eine Rotte

Die Rottengroesse (Bachen mit Frischlingen und Ueberlaeuferbachen) kann bis auf rund 30 Stueck ansteigen. Dann gruendet die Bache, die den zweiten Platz in der Hierarchie einnimmt als Leitbache eine eigene Rotte. Die Rotten vermeiden den Kontakt zueinander. Auf festen Wechseln leben sie in einem bestimmten Streifgebiet. Kommt die Leitbache zu Tode, faellt die Rotte auseinander

Quelle: SZ-v. 14.08.03