
Sport ist keine Sache des Alters...
Bei dem erfolgreichen Spinning-Weltrekordversuch im
St. Wendeler Wendelinuspark machte auch Renate Luther mit. Die St. Wendelerin war zugleich die aelteste Teilnehmerin am spektakulaeren Wettbewerb.


Wirklich alles gegeben... Georg Ulrich hat beim erfolgreichen Weltrekordversuch im Dauerradeln im St. Wendeler Wendalinuspark wirklich alles gegeben. Fuer ihn und die anderen Beteiligten haben sich die Anstrengungen im Sattel also gelohnt.
Startschuss vom Ley-Rad... Kein Geringer als Hans Ley, der erste Mann im (Saar)Lande, gab den Startschuss zum St. Wendeler Dauerradeln. Und der saarlaendische Landtagspraesident trat stundenlang kraeftig mit in die Pedale. Fotos: ATB
St. Wendel (mic). "Die letzte Minute!", rief der Einpeitscher Hardy Garski am Samstagnachmittag ins Mikrofon. Die Leute auf den modernen Trimmraedern im Wendelinuspark St. Wendel schrien auf. Anstrengung, aber auch Freude war in ihren Gesichtern zu lesen.
Der fette Beat aus den Musikboxen und die Anfeuerungsrufe von Garski mobilisierten bei den Radlern noch einmal die letzten Energie-Reserven. Zum Schluss wurden die Sekunden heruntergezaehlt. Schliesslich war es geschafft. Und ohrenbetaeubender Jubel brach los. In St.Wendel wurde ein neuer Weltrekord im 24-Stunden-Spinning aufgestellt.
Am fruehen Samstagmorgen haette der Versuch auch scheitern koennen. "Es war haarscharf", sagte Ralph Schneider, einer der Geschaeftsfuehrer vom Veranstalter Robinson WellFit St. Wendel. Er fuhr mit seinem Wagen durch St. Wendel auf der Suche nach Fahrern. Denn damit der Versuch gelingen konnte, musste immer auf 60 Bikes geradelt werden. Um sechs Uhr wurde Schneider in einem St. Wendeler Stehkaffee fuendig. Vier Jungs, die die Nacht in der Disco verbracht hatten, kamen mit ihm und traten in die Pedale.
Renate Peter aus St. Wendel wurde um 6.40 Uhr von ihrem radelnden Mann aus dem Bett geklingelt. Sie muesse schnell mal in den Wendelinuspark kommen. Denn fuer den stuendlichen Wechsel auf den Raedern blieben immer nur fuenf Minuten. Renate Peter machte sich auf die Socken. Wenig spaeter war sie zum ersten Mal in ihrem Leben beim Spinning dabei. Andere stiegen erst gar nicht ab, unter ihnen der saarlaendische Landtagspraesident Hans Ley. Weil er wusste, dass es in der Nacht knapp werden wuerde, wollte er von drei bis fuenf Uhr in der Fruehe fahren. Da es aber dermassen eng wurde, radelte er bis sieben Uhr durch. "Mir taten zwar die Beine weh, aber man hatte auch Verantwortung fuer alle, die da sassen. Man will das dann schaffen", sagte Ley. Schliesslich sollte der Weltrekordversuch nicht ausgerechnet am ersten Mann des Saarlandes scheitern. Und so trieb die Dynamik der ganzen Gruppe jeden Einzelnen zur persoenlichen Hoechstleistung.
Die letzte Stunde radelte Markus Wagner aus St. Wendel auf der Buehne der einpeitschenden Instruktoren mit. Ganz zum Schluss hatte er ein Weissbier in der Hand. Das hatte er sich redlich verdient. Er war naemlich mit fuenf weiteren Fahrern 24 Stunden durchgeradelt, "Es ist ein erleichterndes Gefuehl", sagte Wagner, nachdem es vorbei war. Dass es schwierige Momente gab, verhehlte er nicht: "So um vier, fuenf, sechs Uhr fragt man sich, warum man so etwas ueberhaupt macht." Ruth Langendoerfer taten nach dem Tag Radfahren vor allem Fuesse, Po, Oberschenkel und Arme weh. "Es war hart, aber es hat Spass gemacht", sagte sie. Dauerfahrer Herbert Nagel aus St. Wendel freute sich nach der Herkules-Leistung auf die Badewanne.
Eine besondere Leistung vollbrachten auch die rund 35 Mitarbeiter von Robinson WellFit, die ebenfalls 24 Stunden im Einsatz waren. Sie versorgten die Sportler mit 2000 Liter Mineralgetraenken, 2400 Power-Riegeln und Tausenden Bananen. Insgesamt waren es rund 700 Fahrer, die zum Gelingen des Weltrekordversuchs beitrugen. Die meisten kamen aus St.Wendel und Umgebung. Andere hatten weite Anreisen hinter
Damit der Weltrekordversuch gelingen konnt, musste immer auf 60 Bikes 24 Stunden lang ununterbrochen geradelt werden. Den vielen teilnehmern, insbesondere den untrainierten, taten danach Po und Beine weh.
sich. So waren Teilnehmer aus Aachen, Frankfurt und den Nachbarlaendern Frankreich und Schweiz ins Nord-Saarland gekommen.
Die Teilnehmer im Alter zwischen zehn und 79 Jahren radelten aber nicht nur fuer den Rekord, sondern auch fuer den guten Zweck. Mit den Antrittsgeldern der Fahrer wird die "Visions for help"-Aktion vom Team Joachim Franz unterstuetzt, das sich im Kampf gegen Aids engagiert. Rund 4000 Euro sind in St. Wendel zusammengekommen, womit ein Projekt in Nepal unterstuetzt werden soll.
Joachim Franz war einer von vier Instruktoren, die die Radler zur Hoechstleitung trieben. Alle zwei Stunden wechselten sie sich ab. Zum Schluss radelten alle Einpeitscher auf der Buehne. Die tempomachende Musik kam nicht immer vom Band. Am Freitagabend, nach der Fun-Sport-Party, hatte der Rock der Varus-Band den Fahrern eingeheizt. Vielleicht sitzt der eine oder andere, der an den beiden Tagen Zuschauer war, das naechste Mal auch auf einem Bike. Denn sollte irgendjemand den St. Wendelern den Guinness-Rekord abjagen, ist fuer Veranstalter Ralph Schneider schon jetzt klar: "Dann machen wir es noch einmal."
Quelle SZ 07.07.03