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Jugendlager 2007
26. bis 29. Mai - Naturistenpark Lobau

UNSER TEAMGEIST
Ob am „Bummerang“, im Naturistenpark, während der Anreise oder beim Dschungelabenteuer
mit „Tragorauker“ im Nationalpark Donauauen, beim Jugendlager 07 des ÖNV stand
immer die Gemeinschaft im Mittelpunkt.
„Wann waren wir das letzte Mal beim Naturistenpark in Wien auf Jugendlager“, denke ich, während meiner ersten Vorbereitungen zum diesjährigen Jugendlager. Es war 2000, im August und es war schrecklich heiß – von wegen Klimawandel, auch vor sieben Jahren stöhnten wir unter der Hitze. Ich war damals noch Lehrbub unter meinen Meistern Alfred und Alois. Und jetzt bin ich selbst „Meister“, zumindest versuche ich einer zu sein. Sieben Jahre sind vergangen und in dieser Zeit hat sich einiges getan …

Kurz vor der Absage
Im Jahr 2000 hatten wir noch an die 50 Teilnehmer, die Vereine aus Tulln, Salzburg Klagenfurt und Wien sind mittlerweile weggebrochen. Mangelhafte Jugendarbeit oder die allgemein schlechte Entwicklung in den Vereinen, was mag der Grund dafür sein? Das ist jedenfalls nicht so leicht zu beantworten und ich war kurz davor, das Jugendlager abzusagen, als ich mich doch durchrang, es auch für 15 Teilnehmer zu organisieren. Was hätte eine Absage gebracht? Nichts. Die Erinnerung an tolle Zeiten derjenigen, die noch dabei sind, wäre möglicherweise auch in Vergessenheit geraten.
Und nun erst recht dachten Dani und ich und hatten es zuwege gebracht, dass die Völser mit sieben Kindern einmal mehr stärkster Verein waren. Wir mussten dieses Mal geteilt anreisen. Vier Kinder fuhren mit uns im Auto und dem Anhänger, die restlichen drei mit Niki im Zug. Zu ihnen gesellte sich noch Stefan aus Salzburg, der wahrlich im letzten Augenblick auf den Zug aufgesprungen war.

Pizza für alle
Nach einer „idyllischen“ Rast mitten unter LKWs bei Salzburg ging's weiter, ein Tankstopp bei Linz und ein Halt zum Einkaufen unterbrachen die „Hitzeschlacht“, bis wir gegen 19:30 Uhr beim Naturistenpark ankamen. Herzlich war der Empfang, man hatte uns bereits erwartet und viele Mitglieder und Tagesgäste interessierten sich für die Ankömmlinge und deren Vorhaben. Rasch war das Matratzenlager im Vereinshaus bezogen und schon ging's ans Erkunden des Geländes. Wir Betreuer genehmigten uns ein Getränk in der Kantine und klärten alles hinsichtlich der Verpflegung ab.
Kurz war die Erholungsphase, denn schon hieß es wieder weiter nach Kagran, die Bahnreisenden abzuholen. Nachdem es schon spät war, hatten wir beschlossen, auf Empfehlung von Peter, dem Kantinenbetreiber, eine Pizzeria zu besuchen und der Tipp war wahrlich Goldes wert. Typisch italienisch – sehr kinderfreundlich eben und gut!! Bald darauf wollten alle nur mehr ins Bett. Auch wenn die aufgestaute Wärme im Lager das Schlafen etwas erschwerte. So zogen auch die „Großen“ aus dem Lager aus, legten sich am Kinderspielplatz auf das Karussell und nächtigten im Freien.

Herzlich willkommen
Bis gegen Mittag waren am Samstag schlussendlich alle Jugendlagerteilnehmer eingelangt, Claudia von den Mostviertlern – die ihre Teilnahme ursprünglich verweigert hatte - reiste mit Verspätung nach, als sie erfahren hatte, dass die tollen Jungs wieder alle mit dabei waren.
Zum ersten Mal konnte die Kantine zeigen, was sie drauf hatte und das war mehr als OK. Die Kids waren begeistert. Weniger interessiert zeigten sie sich über den kurzen offiziellen Begrüßungsakt, bei dem wir von Obmann Bobby und seinem Vize Karl willkommen geheißen wurden. Aber als sie die großzügigen Geschenke, die T-Shirts und die heiß geliebten Buttons bekamen, sah die Welt schon wieder ganz anders aus. Unser enges Programm machte es notwendig, den restlichen Nachmittag für die Gestaltung des Gastgeschenks zu verwenden. Emsig wechselten sich die Mitarbeiter ab; begonnen haben die Kleinsten, dann folgten die anderen und kurz vor dem Abendessen konnten wir zufrieden auf das fertige Werkstück blicken.
Ans Schlafengehen wurde zuletzt gedacht. Pascal hatte seine PC-Disco in Betrieb genommen im großen Saal, einem ehemaligen Glashaus. Und auch der Spielplatz hatte es in sich und er ließ die Kinder nicht mehr los. Die Betreuer tauschten ihre Erfahrungen und Erlebnisse mit interessierten Mitgliedern im Kantinenbereich aus und Helga und Peter, die Wirtsleute, hatten wir gleich ins Herz geschlossen. Schließlich war es schon sehr spät und jung wie alt verzog sich ins Lager, bis auf einige wenige, die noch so viel zu erzählen hatten ….

Das Dschungelabenteuer
Am Sonntag stand ein Besuch des Nationalparks Donauauen am Programm. In Großenzersdorf wurden wir von Barbara, unserem Nationalpark-Guide, in Empfang genommen und in die Geheimnisse des Nationalparks eingeweiht. Gruppenpädagogische und spielerische Elemente prägten diesen Vormittag, der aber auch sehr viel Lehrreiches beinhaltete und unseren Gemeinschaftssinn schärfen sollte.
Nach einer Einführung in die Anwendung des Kompasses ging es ans Verstecken eines „Schatzes“. Die Gruppen wurden getauscht und sie mussten anhand einer selbst gezeichneten Schatzkarte die Schätze der anderen wieder finden. Das war gar nicht so leicht, wie sich bald herausstellte und eigentlich ist es nur Raphael zu verdanken, dass wir den letzten Schatz nicht immer noch suchen müssen.
Unter dem Nationalpark Donauauen hatten wir uns eigentlich mehr Wasser vorgestellt. Das Dschungelabenteuer spielte sich aber vorrangig am Trockenen ab. Doch Barbara machte uns Hoffnung. „Wir kommen bald zu einem herrlichen Wasser, in dem ihr baden könnt“, sagte sie. „Aber wir haben ja keine Schwimmsachen dabei“, antworteten die Kinder. „Ich dachte, ihr seid Naturisten“, lachte Barbara. Und uns war es egal, weniger den anderen Besuchern des Augewässers, die sich sichtlich verstohlen abwandten und tuschelten. Für uns war die Abkühlung die Belohnung für ein tolles Abenteuer, das damit endete, dass wir einen Stein in einem Ring an langen Leinen in einen Kreis legen mussten – alle schafften die Abschlussprüfung – sie hatten einmal mehr Teamgeist gezeigt und das Gemeinschaftssymbol bekam den Namen „Tragorauker“.



Magische Momente
Zurück im Naturistenpark wollten alle nur noch ins Wasser. Für die Betreuer gab es nur eine kurze Erholungsphase, bald schon hieß es für den Grillabend die Vorbereitungen zu treffen. Unmittelbar danach folgte eine Zauberveranstaltung, die Bobby für uns organisiert hatte und die nicht nur die Kinder in ihren Bann zog. Viele Erwachsene staunten ebenso über die verblüffenden Tricks. Einige Kinder, insbesondere Lena aus Wien, machten besonders eifrig mit und brachten mit ihren Einlagen sogar den ernsten Magier zum Schmunzeln.
Im Anschluss an die Vorstellung sollte es das so sehnsüchtig erwartete Lagerfeuer geben, doch der starke Wind und die Trockenheit machten ein Feuerbrennen unmöglich. Die Kinder waren zwar etwas traurig, wussten aber dennoch, sich die Zeit bis zum Schlafengehen zu vertreiben.

Wien und der Prater
Was gehört zu einem Wienbesuch? Na ja, viel Kultur und etwas Unterhaltung. Das Viel an Kultur wollten wir im Sinne der Kinder nur streifen und ihnen dafür mehr Zeit fürs Vergnügen geben. Aber ein bisschen Kultur tut nicht weh und bildet sehr, das dachte sich auch Claudia, Mutter von Tamara und Viktoria, die gerade ihre Ausbildung zur Fremdenführerin absolviert und sich anbot, uns eine kurze Stadtführung zu geben.
Mit dem Bus ging's nach Kagran zur U-Bahn und weiter bis in den ersten Bezirk. Am Schwedenplatz erwartete uns Claudia, erzählte vom lieben Augustin und führte uns durch enge Gassen bis zum Stephansdom. Mit dem Lift fuhren wir in luftige Höhen um den „Bummerang“, wie Lea aus Völs ihrer Mutter erzählte, hautnah zu sehen. Anna aus Kapfenberg behagte der Tiefblick weniger und nach einem Schreikrampf wurde sie wieder in den Lift verfrachtet und nach unten gebracht. Aber nicht nur die berühmte Glocke sondern auch der herrliche Blick über die Stadt waren etwas Besonderes. Und noch dazu wurde uns Naturisten etwas geboten, was wahrscheinlich bisher kaum ein Wienbesucher zu sehen bekommen hat: Naturismus im ersten Bezirk. In einer noblen Dachwohnung tummelte sich eine nackte Dame – was uns nicht verborgen blieb!
Köstlich schmeckte auch die Jause in hundert Meter Höhe, bevor es wieder mit dem Lift nach unten ging. Ein Stopp in einer Eisdiele war notwendig, erst danach konnte die Gruppe bewegt werden, weiter zur Straßenbahn zur gehen. Mit der Tram umfuhren wir den Ring, vorbei an den vielen berühmten Bauwerken. „Was ist das für ein Haus“, fragte Lea. Ich sagte ihr, das sei das Rathaus, worauf sie antwortete: „ Das in Völs ist aber nur halb so groß“. Wie recht sie wohl hat.



Ab ins Vergnügen
Vorbei am Mozartdenkmal ging es in den Burggarten, wo wir noch einmal eine Pause machten. Weiter schlenderten wir über den Heldenplatz zur Hofburg, wo die vielen Fiaker mehr Interesse erweckten, als der historische Boden. Selbst die Tatsache, dass früher 16 Wäscherinnen mehr als 60.000 Wäschestücke zu betreuen hatten, ließ die meisten kalt. Nur die Statue Maria Theresias wurde aufmerksam betrachtet und die Folgen der Einführung der allgemeinen Schulpflicht mit mehr oder weniger Begeisterung diskutiert.
Endlich hieß es Schluss mit Kultur und ab in den Prater. Nur noch wenige U-Bahnstationen trennten uns vom Höhepunkt des diesjährigen Jugendlagers. Dort angekommen, teilten wir in Gruppen ein und schickten sie los. Zwei Stunden blieben, das Taschengeld in Geisterbahnen, Achterbahnen oder beim Autodrom auszugeben.
Raphael hatte sich so auf die Achterbahn gefreut und ich setzte mich mit Todesverachtung mit in die erste Reihe. Hinter uns saßen Julia und Niki. Julia hatte sich zwar überwunden, konnte ihre Angst aber nur durch Schreien verdrängen. Es blieb ihr aber der Sieg über sich selbst …
Raphael zog es weiter zu den verrücktesten Fahrzeugen und Bahnen, er konnte gar nicht genug kriegen und nach einigen Runden beim Autodrom ließ er sich doch überreden, ins Schweizerhaus zu gehen, um etwas zu trinken. Abschließend mussten wir noch einmal in die Achterbahn.
Glücklich aber todmüde schafften wir es mit den Öffis wieder aufs Gelände.


Schwerer Abschied
Kulinarischer Höhepunkt an diesem so ereignisreichen Tag waren aber Helgas Wienerschnitzel. Die gehören wohl auch zu jedem Wienbesuch wie sonst die Oper oder Schönbrunn.
Und auch wenn es noch so viele kulturelle Highlights gibt, die wir nicht gesehen hatten, war uns bewusst, dass der letzte Abend angebrochen war. So baten wir Bobby zu uns, um ihm, stellvertretend für alle, die sich so rührig um uns bemüht haben, zu danken. Wir sind nicht nur herzlich begrüßt worden in der Lobau, wir konnten vielmehr Tage der Gastfreundschaft genießen und als Zeichen unseres Dankes überreichten die Kinder ihre selbst gebastelte Erinnerungstafel. Wir hoffen, dass sie einen ehrenvollen Platz bekommen wird.
Besonderer Dank gilt aber auch Helga und Peter. Wir haben es ihnen nicht immer leicht gemacht und dennoch hatten sie immer eine Lösung parat. Ihr Einsatz fürs Gelingen des Jugendlagers war vorbildlich. Nicht nur, dass wir hervorragend verpflegt worden sind, es wurde uns auch Geschirr und Besteck zur Verfügung gestellt und dieses auch immer abgewaschen.
Nachdem unsere Kaffemaschine den Geist aufgegeben hat, wurden wir unentgeltlich mit Frühstückskaffee versorgt. Ein Dankeschön an Oma und Opa von Viktoria und Tamara und natürlich auch an Claudia, deren Mutter, für die tolle Stadtführung und natürlich an alle anderen, die interessiert Anteil am Jugendlager des ÖNV genommen haben.

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