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Jugendlager 2004
29. Mai bis 01. Juni - Liga Völs/Innsbruck

Umrahmt von Bergen …
20. ÖNV -Jugendlager am Gelände der Liga Völs in Tirol
20 Jugendlager wurden schon abgehalten, Hunderte Kinder betreut, Freundschaften fürs Leben geschlossen. Die Jubiläumsveranstaltung 2004 fand zu Pfingsten in Völs statt. Die Kinder erlebten vier abwechslungsreiche Tage, konnten Sport betreiben, spielen und erlebten einen unvergesslichen Tag im Ötzidorf, wo sie auf den Spuren der Jungsteinzeit wandelten.
„So hohe Berge und noch dazu so nah, das zu sehen habe ich mir immer schon gewünscht“, so Mario aus Niederösterreich bei der Fahrt vom Bahnhof Richtung Völs. Er und weitere 29 Kinder und Jugendliche waren der Einladung des ÖNV -Jugendreferates gefolgt und hatten sich zum diesjährigen Jugendlager, das am Gelände der Liga Völs stattfinden konnte, angemeldet.
Für die meisten war die Liga Völs Neuland, das letzte Mal war das Jugendlager vor fünf Jahren hier zu Gast. Als die Straße bei den Schrebergärten zu enden schien, bog der Fahrer in einen dicht verwachsenen Waldweg ein, wo landen wir da bloß, dachten sich die Teilnehmer, die im Auto saßen und ganz still waren. Nach hundert Metern dann ein großes Metalltor mit der Aufschrift „Herzlich willkommen!“. „Das müssen nette Leute sein, die Völser“, dachte sich Jaqueline, die Schwester Marios. So einen herzlichen Empfang hatte sie nicht erwartet. Die Aufschrift hatten die Völser Kinder an den Wochenenden vorm Jugendlager aus Moosgummi unter Anleitung der Bastel-Queen Heidi vorbereitet.
Neugierig eilten die Kids zu den schon aufgestellten Zelten, die den Völser-Heinzelmännchen einiges abverlangt hatten und weiter zum Schwimmbad und zum Spielplatz. Eilig wurden die Rucksäcke und Liegematten in die Zelte geworfen, denn schon wurde zum Essen gerufen. Hungrig von der stundenlangen Reise stürzten sie zu den Bänken und Tischen, die in unmittelbarer Nähe der kleinen Zeltstadt hinter der Geländehütte am Ende des Parkplatzes aufgestellt worden waren.
Spaghetti gab es zum Auftakt, besser hätten es die Völser Wirtsleute Bea und Andreas nicht erwischen können. Da wurde kräftig hingelangt, viele Kinder erfreuten sich auch an der Salatbeilage und vom Saftspender – eine Gratisleistung der Kantine (!) – konnten sie Saft holen, soviel sie wollten.
Leberkäse oder Fleischkäse?
Inzwischen war es auch wieder einigermaßen warm geworden, denn zuletzt hatte es stark geregnet und abgekühlt. Für Pfingsten nicht gerade das ideale Wetter. Doch die Kinder störte das nicht besonders. Die Betreuer räumten ab, putzten die Tische und wuschen die Trinkbecher aus, denn der erste Programmpunkt, die offizielle Begrüßung folgte. Wenig begeistert aber artig, wie es sich eben gehört setzten sich die Teilnehmer und lauschten den Worten Mikes, Obmann-Stellvertreter der Liga Völs. In seiner launigen aber durchaus sympathischen Art hieß er die Kinder willkommen, machte sie mit den Regeln am Gelände vertraut und wünschte allen eine gute und unfallfreie Veranstaltung. Dafür durfte er als Erster das Jugendlager-Shirt und den Butten in Empfang nehmen. Nach wenigen Minuten waren die Kinder wieder frei und begannen die neue Umgebung zu erforschen. Bis zum Abendessen blieb genügend Zeit zum Spielen, Schwimmen und zum gegenseitig Kennen lernen.
Leberkäse – oder wie die Tiroler sagen „Fleischkäse“ – gab es mit Kartoffelsalat, eine weitere Steigerung des Kantinenteams. Die Kinder waren sichtlich begeistert und sie ließen es sich mit strahlenden Augen schmecken.
Der erste Abend sollte gemütlich ausklingen und begann mit einem Kennerlernspiel. Ein Wollknäuel wurde zu einem Kind geworfen und von
diesem aufgefangen. Das Kind nannte seinen Namen und seine Lieblingsspeise, hielt den Wollfaden in der Hand und warf den Knäuel einem anderen Kind zu. Alle Kinder, die geworfen hatten, erhielten ein Jugendlager-T-Shirt und einen Butten mit dem Namen. Am Ende hielten alle Kinder ein Stück des Fadens und ein wunderbares Netz an Fäden war entstanden, Symbol für Zusammengehörigkeit und Miteinander. Wohl wichtiger wie das Kennen lernen war aber das Lagerfeuer. Dazu hatten Dani und Gerold mit Freunden schon im Frühjahr eine Menge Holz gesammelt und geschnitten und direkt bei der Feuerstelle gestapelt. Bald knisterte es und die Flammen begannen zu lodern und die Kinder versammelten sich rund ums Feuer, genossen die wohlige Wärme und das flackernde Licht und alsbald ertönten die ersten Lieder, begleitet von Gitarrenklängen. Auch die Wirtsleute und Hermann, deren Hilfe, liebevoll „Hermine“ genannt, gesellten sich zu uns, denn das Geschäft „lief nicht besonders“. Auf Grund der kühlen Temperaturen kamen nicht viele Gäste aufs Gelände und überhaupt schienen der Verein und seine Mitglieder uns wenig zu beachten.
Allmählich lichtete sich der Kreis ums Feuer und die Kinder suchten nacheinander ihre Zelte auf, die Betreuer folgten bald, denn der erste Tag war für viele sehr lang und anstrengend gewesen.
„Brot und Spiele “
Der Sonntag begann mit eisigen Temperaturen, die uns auch schon in der Nacht zu schaffen gemacht hatten. Mit dicken Jacken und langen Hosen trafen sich die Betreuer zur Tagesbesprechung und zur Vorbereitung des Frühstücks in der Geländehütte. Aus der Küche, in der uns freundlicherweise ein Kühlschrank zur Verfügung gestellt worden war, holten wir Marmeladen, Butter und Nutella, Bea kochte Milch
für den Kakao und Wasser für den Tee. Gerold holte inzwischen frische Semmeln aus einer nahe gelegenen Bäckerei. Bis auf wenige waren die Kinder kurz nach den Betreuern aus den Zelten und warteten, bis es hieß „Frühstück!“. Nachdem alles wieder sauber gemacht und aufgeräumt worden war, ging es ans Vorbereiten der Sportspiele. Dani hatte sich einiges einfallen lassen, sie teilte die Gruppen und Betreuer ein, während Gerold mit Hilfe von Margot, ein interessiertes Völser Mitglied und Kinderfreundin, das Brotbacken vorbereitete. Getreide wurde gemahlen, Gewürze vorbereitet, Mehl gesiebt u.v.m.
Trotz des schönen Wetters verzichteten wir auf „Wasserspiele“ der kühlen Temperaturen wegen. Dafür gab es einen Hindernislauf, Dosenwerfen, Basketball-Zielwerfen, Ziel-Boccia, Dart und „Watschelen“-Weitwurf (Eine Watsch ist eine schwere Metallplatte).
Margot und Gerold erzählten der ersten Gruppe Geschichten übers Brotbacken, erklärten die verschiedenen Getreidesorten und zeigten, wie ein Brotteig gemischt wird und welche Zutaten benötigt werden. Zwei Sorten, ein Vollkornteig und ein Weißbrotteig, wurden zubereitet. Die Kinder formten ihr eigenes Gebäck, aus dem Weißbrotteig entstanden Brezeln, die in Lauge getaucht zu echten Laugenbrezen wurden.
Pizza, Brotbacken, Lagerfeuer und Gesang
Unterbrochen wurde das emsige Treiben durch das Mittagessen. Es gab Pizza und der herrliche Duft überzog das gesamte Gelände. Inzwischen waren die Temperaturen angenehm warm, die Sonne brannte regelrecht vom Himmel und viele suchten Schatten unter Sonnenschirmen oder unter den Bäumen. Lange blieb aber nicht zum Rasten, Gerold rief unerbittlich zum zweiten Teil des Brotbackens. Andreas stellte zum Backen seinen neuen Ofen zur Verfügung und schon machte sich angenehmer Backgeruch breit. Zwar bereitete uns der Umgang mit dem ungewohnten Ofen Probleme doch mit Hilfe von Wirt Andreas konnte das Backen gut zu Ende gebracht werden. Margot war eine große Stütze, denn das Unternehmen „Brotbacken“ war anstrengender und langwieriger als ursprünglich angenommen. Die
Backwaren wurden in großen Körben gesammelt, Margot wischte und putzte und bald danach war alles wieder sauber. Einige Mitglieder fragten nach Rezepten und wollten das Brot verkosten, sie mussten aber noch warten, bis es ausgekühlt war. Zwei besonders schöne und große Brote wurden Mike als Gastgeschenk übergeben. Die Brotbäcker zogen sich mit einem Bier in den Schatten der Hütte zurück und versuchten sich zu entspannen. Dazu blieb nicht allzu viel Zeit, eine Grill-Party war für den Abend geplant. Alle Betreuer langten kräftig zu, Salate wurden vorbereitet, Fleisch gewürzt und Würstel eingeschnitten. Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass der Grillabend eine Einladung des gastgebenden Vereins war. Dani und Gerold hatten sich noch etwas Nettes einfallen lassen, sie luden alle Helfer, die ihnen bei den Vorbereitungsarbeiten zum Jugendlager an die Hand gegangen waren, zum Mitessen ein. Nahtlos war der Übergang zu Lagerfeuer, das trotz eifriger Befeuerung auch die Kinder halfen kräftig mit, die Holzvorräte kaum schwinden ließ, so groß war der Stapel.
Wieder machte Mario aus Baden auf sich aufmerksam. Er zeigte besonderes Interesse an den Liedern, schmetterte lautstark mit und verwunderte, da er viele Texte der Lieder der „Alten“ mitsang, als wären sie für seine Generation geschrieben worden. Cliquen hatten sich gebildet und kleine Gruppen wechselten in die Zelte oder drehten Runden am Gelände. Als erste mussten die Jüngsten ins Bett, Martina und Werner kümmerten sich in gewohnt konsequenter Manier darum. „Problemfälle“ hingegen waren bei Grete aus Klagenfurt gut aufgehoben, der Manfred hilfreich zur Seite stand. Ein „Völser-Virus“ schien sich breit zu machen, der sich durch Durchfall und Brechen bemerkbar machte. Die Ursche dafür konnte bis zum Ende des Lagers nicht ergründet werden.
Auf Ötzis Spuren
Höhepunkt des Jugendlagers war der Ausflug nach Umhausen ins Ötzidorf. Ein Bus brachte uns dort hin, Roswitha, eine Völserin,
begleitete uns. In zwei Gruppen aufgeteilt, wurden wir durch das Ötzidorf geführt. Die speziell auf Kinder abgestimmte Führung fesselte selbst die Kleinsten. Sie erfuhren eine Menge über das Leben in der Jungsteinzeit. Leider war das Wetter nicht mehr so schön und bald fielen die ersten Regentropfen. Noch einmal setzte sich der Sonnenschein durch und beim Feuersteinmesser herstellen war es drückend schwül. Unter Mithilfe aller Betreuer konnte jedes Kind sein eigenes Feuersteinmesser aus einem Stück Eschenholz, Feuerstein einem Feuersteinbohrer, Bast und Birkenteer als Kleber, fertigen. Dann gab es noch eine zünftige Jause und schon hieß es wieder Richtung Bus aufbrechen. Auf der Rückfahrt war es ziemlich ruhig, jung wie alt machte ein Nickerchen und diejenigen, die wach geblieben waren, sahen die Gewitterregen, die wir durchfuhren, ein böses Omen?
Wahrlich schlechte Vorzeichen, niemand glaubte mehr daran, dass der Abend trocken bleiben würde. Und bald setzte heftiger Regen ein. Der ganze Plan wurde durcheinander gebracht. Das Abendessen musste in die Geländehütte verlegt werden, wo gleichzeitig die Vorbereitungen für den Abschluss-Disco-Abend getroffen wurden. Martina zog sich in die Laube zurück, sortierte CD's und plante Spiele. Die anderen halfen dem Küchenteam. Es gab Wienerschnitzel mit Friten und als Nachspeise Pudding.
Durchmachen war angesagt …
Dann kam Martinas großer Auftritt. Es war schon erstaunlich wie sie in der kurzen Zeit alle möglichen Spiele zusammengestellt hatte. Der Renner war der Sesseltanz. Immer und immer wieder wurde er verlangt. Quiz-Games folgten und andere mehr. Absoluter Höhepunkt des Abends aber waren die Vorführungen der beiden musisch begabten Geschwister Jaqueline und Mario. Jaqueline legte einen Bauchtanz hin, der Wüstenscheichs in Erstaunen versetzt hätte. Und Mario toppte die Leistung seiner Schwester mit einem Lied aus dem Musical
„Elisabeth“, das er mit ganzer Hingabe und schauspielerischem Talent umsetzte.
Abschied nehmen heißt aber auch Danke sagen. Unser Dank galt im Besonderen dem Küchenteam mit Bea, Andreas und „Hermine“. Wir haben schon auf vielen Jugendlagern eine vorzügliche Bewirtung genossen aber was uns in Völs widerfahren ist, war einfach sensationell. Man kann dem Verein nur gratulieren und hoffen, dass ihm diese Pächter noch lange erhalten bleiben. Unser Dank fand seinen Ausdruck in der Übergabe von Betreuer-T-Shirts und dem tosenden Applaus der Teilnehmer. Auch die Völser Kinder hatten sich etwas einfallen lasse. Eine Erinnerungstafel war still und heimlich gebastelt worden, sie soll an die Jubiläumsveranstaltung erinnern und wurde Bea und Andreas mit der Bitte übergeben, ihr einen Ehrenplatz zuzuweisen. Lange nachdem die Wirtsleute heimgefahren waren, ging es in der Geländehütte noch rund, doch nach und nach zog es alle ins Bett, selbst jene, die zuvor „geschworen“ hatten, durchmachen zu wollen. Die kühlen Temperaturen machten die Schwüre bald vergessen.
Trocken abgebaut – das war Glück!
Der Tag des Abschiednehmens war gekommen. Es regnete nicht mehr, der Himmel war aber bedeckt. Hektisch wurde begonnen die Zelte
zu räumen, zu putzen und die Rucksäcke zu packen. Die ersten Gruppen wurden zum Bahnhof gebracht, während andere das „Schönwetterloch“ nutzten und mit dem Abbau der Zelte begannen. Wider Erwarten gelang es uns tatsächlich, trocken abzubauen, zu reinigen und die Zelte für den Abtransport durch die Spedition zu verpacken.
Am späten Nachmittag war alles fertig und die letzten Spuren des Jugendlagers waren verwischt … und es begann wieder zu regnen.
Es war insgesamt eine gelungene Veranstaltung, kleine Unstimmigkeiten wurden rechtzeitig erkannt und bereinigt, für die Kinder war es ein tolles Erlebnis. Schade nur, dass das „offizielle Völs“, Vorstand wie Mitglieder, das Jugendlager nur am Rande oder gar nicht miterlebten, eine für uns eigentlich völlig neue Erfahrung, denn die Gastfreundschaft und das Interesse der Vereine auf den letzten Lagern war beeindruckend. Nichts desto trotz freuen sich alle aufs nächste Jahr. Wohin wird es uns dieses Mal verschlagen?
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