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Jugendlager 2005
14. bis 17. Mai - Haldenmühle/Kempten/Allgäu



Kommt doch wieder!

Das 21. ÖNV-Jugendlager sollte etwas ganz Besonderes werden und wurde es schlussendlich auch. Bayerische Freunde hatten uns zu Pfingsten auf das Gelände des FSG-Allgäu nach Dietmannsried nahe Kempten eingeladen. Neue Freundschaften und tolle Erlebnisse, v. a. aber die ungeheure Gastfreundschaft prägten das Jugendlager 2005.

 

Andreas, ein Freund aus Mallnitz, der bei den ÖBB in Klagenfurt arbeitet, war unser Logistik-Meister. Schon seit Wochen tüftelten wir an den Reiseplänen, mit dem Resultat, dass jeder teilnehmende Verein einen auf sich zugeschnittenen Fahrplan erhielt und die Fahrkarten für die Gruppe nur mehr am Schalter abzuholen brauchte, denn die Odyssee zur Haldenmühle war nicht ohne. Ab Salzburg ging es dann gemeinsam über München und Kempten bis Dietmannsried.

 

Freundlicher Empfang bei der Einfahrt

Die Innsbrucker reisten mit zwei Autos bereits am Vortag an, denn es waren noch einige Einkäufe zu tätigen. Und das obwohl der Anhänger schon bis oben hin mit Lebensmitteln und Getränken gefüllt war. Ab Dietmannsried sind es nur noch wenige Kilometer zum eigentlichen Ziel, der Haldenmühle. Sie liegt an der Iller und war – wie schon der Name sagt – früher eine Mühle. Vor Jahren hat sie der FSG Allgäu erworben und heute ist sie Mittelpunkt des Vereinsgeländes. Nach Reichholzried geht es steil bergab, die Straße windet sich durch einen Wald, der sich plötzlich öffnet und nach wenigen Metern versperrt ein Schranken die Weiterfahrt. Das Ziel ist erreicht. Vom Wald kommt uns Walter, der Präsident des bayerischen Verbandes und „Vater“ der Jugendlager-Idee, freudestrahlend entgegen. „Ihr seid schon da? Eigentlich hatten wir euch erst morgen erwartet“, war seine herzliche Begrüßung. Weitere Vereinsmitglieder, die wir schon von unserem Erkundungsausflug im letzten Jahr kannten, begegneten uns mit derselben Freundlichkeit. Rasch bezogen wir das Lager, leerten den Anhänger und machten uns auf zum Einkauf nach Dietmannsried. Aldi, Lidl und Penny wurden abgeklappert, doch wurde uns klar, dass wir am Samstag noch einmal ausrücken werden müssen, denn am Freitagabend waren die Märkte ausverkauft.

 

Erlaubt ist, was gefällt!

Karl-Heinz der Vereinsobmann, Tina die Jugendwartin und andere Vorstandsmitglieder sowie Vereinsangehörige versüßten uns mit ihrer Gesellschaft den Abend, der doch etwas länger als geplant dauerte, wollte doch Dani ihren Geburtstag pünktlich feiern. Aber nach einem Gläschen Prosecco ging's ins Bett, warteten doch noch drei anstrengende Tage auf uns und die Betreuer.

Am Samstag um die Mittagszeit traf dann die Masse der Teilnehmer samt Begleitern in Dietmannsried am Bahnhof ein, von wo wir sie mit Unterstützung der bayerischen Freunde abholten und zur Haldenmühle brachten.

Das Wetter war nicht besonders schön, es regnete nicht, es war aber auch nicht besonders warm. Natürlich stand zu allererst das Mittagessen auf dem Programm, nach einer so langen Anreise nur zu verständlich. Dann wurden die Gruppen eingeteilt und das Matratzenlager bezogen, das sich als wahrer Segen erwies. Karl-Heinz, Walter und Tina ließen es sich nicht nehmen, uns alle vor dem Restaurant und vor zahlreichen Schaulustigen persönlich willkommen zu heißen. „Karl-Heinz“, fragte ich, „was dürfen wir alles nicht tun?“ „Soll ich euch die Geländeordnung in die Hand drücken? Natürlich könnt ihr tun und lassen was ihr wollt, lediglich vor der Iller möchte ich euch warnen, sie kann sehr gefährlich sein“, antwortete er. „Wir sind so froh, dass wieder einmal so viele Jugendliche bei uns sind und den Verein beleben!“

 

Die Haldenmühle – Paradies an der Iller

Das ließen sich die Kinder nicht zweimal sagen und begannen das Gelände zu erkunden. Mit einer Größe von 12 ha bietet es genügend Platz für Mitglieder und Gäste. Die Mitglieder leben in ihren Wohnwagen auf zwei Terrassen verteilt, die Autos bleiben im Eingangsbereich. Der ehemalige Mühlteich wurde zum Schwimmbad umfunktioniert, es gibt ein Sprungbrett aber auch einen Nichtschwimmerbereich. Für den Vereinsnachwuchs wurde eine eigene Jugendhütte eingerichtet, zusätzlich haben die Kids die Möglichkeit, den Fernsehraum zu nützen sowie am PC im Internet zu surfen. Der Verein verfügt über einen tollen Maschinenpark, eine Schlosserei, eine Tischlerei und natürlich über eine Sauna. Die Attraktion aber ist die mit Holz beheizte Dusche im Freien.

Nicht zu vergessen ist Brunos Restaurant, das er mit seiner thailändischen Gattin Nom ganzjährig bewirtschaftet. Während der Saison lebt er von Gästen und Mitgliedern sowie diversen Veranstaltungen und im Winter kommen die örtlichen Vereine sowie Besucher aus den umliegenden Ortschaften gerne zu Bruno.

Obwohl das Mittagessen erst am frühen Nachmittag ausgegeben worden war, hatten die Kinder schon bald wieder Hunger. Es gab Brathuhn mit Pommes, von denen Bruno noch einige Portionen nachliefern musste.

Danach nahm er uns die gesamte Arbeit ab, das Geschirr sowie das Besteck wurde von ihm gewaschen und wir konnten uns auf die Vorbereitung des Abendprogramms konzentrieren, mit dem wir den Bayern einen Einblick in die ÖNV-Jugendarbeit geben wollten. Außerdem zeigten wir einiges aus dem Vereinsleben der österreichischen Clubs. Präsentiert wurde eine Multimedia-Show vom Laptop via Beamer, die nicht nur die Jugendlager-Teilnehmer verzauberte sondern auch die bayerischen Freunde zu Begeisterungsstürmen hinriss.

Danach verschwanden die Kinder, eigentlich völlig unerwartet, in ihre Kojen und bald schliefen die meisten von ihnen. Der Tag war einfach zu anstrengend gewesen. Betreuer sowie die Vorstandsmitglieder trafen sich noch bei Bruno, und Dani und Corinna ließen es alle wissen, dass sie beide Geburtstag hatten.

 

Fragensuche & Geisterstunde

Nach einem ausgiebigen Frühstück gab es dieses Mal etwas Neues. Statt dem Sporttag mussten Fragen gesucht werden. Wie geht das, werdet ihr euch fragen: Auf einer Spielwiese galt es, in Mannschaften aufgeteilt zu würfeln. Die Zahl, auf der man zu stehen kam, kennzeichnete die zu suchende Frage. Die Fragen waren auf dem gesamten Gelände verteilt und die Mannschaften kamen bei ihrer Suche ganz schön ins Schwitzen. War die Frage beantwortet, durfte man weiterwürfeln. Nach mehr als zwei Stunden würfelte sich die Siegermannschaft ins Ziel. Danach folgte eine Abkühlung im „Pool“ und wir nutzten die Zeit zur Auswertung. Das Ergebnis wurde noch vor dem Mittagessen bekannt gegeben.

Am Nachmittag begann es zu regnen, was uns aber nichts ausmachte, arbeiteten wir doch in Gruppen am Gastgeschenk, einer Tafel, die an unser Lager auf der Haldenmühle erinnern sollte.

Der Tages-Höhepunkt, die Gruselwanderung, folgte dem Grillabend sobald die Dämmerung eingesetzt hatte. Über die Zufahrtsstraße und Wirtschaftswege umwanderten wir unter Tinas Leitung die Haldenmühle im Wissen, dass irgendwann etwas Unvorhergesehenes passieren würde. Die Kinder waren unsicher, andere prahlten, sich nicht zu fürchten, aber ganz wohl war niemandem. Kurz vor dem Ziel tauchten die Geister dann im dunklen Wald auf und bei einigen saß der Schreck ganz schön tief. Ein Geist hätte seinen Auftritt auf Grund der langen Wartezeit allerdings beinahe verschlafen – auch geistern ist menschlich.

 

Das Freundschaftstreffen

Die Kinder waren auch heute wieder hundemüde. Fragensuche und Nachtwanderung hatten ihre Spuren hinterlassen. So blieb uns noch Zeit, in der gemütlichen Vereinsküche das morgige Programm zu besprechen. Allerdings blieben wir nicht lange alleine. Bald gesellte sich Tina mit Jojo, ihrem Mann, und Freunden zu uns. Ans Schlafengehen war nicht mehr zu denken. Später kam dann noch Bruno und brachte Getränke-Nachschub.

Es war ein herrliches Erlebnis. Alle schwärmten von unseren Kindern, wie brav und ruhig sie sind und, dass man sie kaum wahr nimmt. Doch auch wir sparten nicht mit Komplimenten und dankten Tina, die uns mit sehr viel Engagement im Vorfeld und auch während dem Lager unterstützt hat. Auch Bruno erntete sehr viel Lob, sein Einsatz - auch derer seiner Mitarbeiter - und sein Verständnis für uns waren überwältigend.

Kurz vor Morgengrauen durften wir dann endlich ins Bett, wohl wissend, dass die Nacht sehr kurz sein würde. Aber einen echten ÖNV-Jugendwart kann nichts aus der Bahn werfen. Auch wenn es noch so hart war, beim Frühstückmachen standen alle wieder parat.

 

Zurück zu den Wurzeln – die Buschenbergalm

Nachdem die Lunchpakete zusammengestellt waren, fuhren die Autos vor. Am letzten Tag stand ein Ausflug auf die vereinseigene Berghütte, die Buschenbergalm, am Programm. Das Wetter verhieß nichts Gutes. Es begann zu regnen und der Regen dauerte an, bis wir nach 80 km den Parkplatz am Ausgang der Wanderung erreichten. Mit Regenschutz bekleidet machten wir uns auf den Weg. Nach fünf Minuten hörte es auf zu regnen. Dafür wurde der Weg ungemein steil und die Gruppe weit auseinander gerissen. Lisa tat sich besonders schwer, schaffte es aber dann doch bis zur Hütte. Von der Buschenbergalm, sie war der erste Vereinsbesitz vor 50 Jahren, hat man einen wunderschönen Ausblick über das Allgäu, von Sonthofen bis nach Oberstdorf zur Sprungschanze. Die Jause im Freien schmeckte besonders gut, aber auf den Abstieg durch den Wald, der noch bevor stand, freute sich niemand. Wir wählten die Straße für den Rückweg und bereuten diesen Entschluss sehr bald. Die Straße war noch steiler als der Waldweg und wir fragten uns, wie man im Winter mit Autos auf den Berg kommt. Mit schmerzenden Knien erreichten wir wieder den Ausgangspunkt und fuhren zurück. Viele nutzten die Fahrt für ein Nickerchen.

Wieder auf der Haldenmühle durften alle in die Sauna, wobei kein Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen gemacht wurde. Nach mehreren Saunagängen begannen die Vorbereitungen für den Abschlussabend. Martina unsere Disco- und Spiele-Queen stellte am Laptop ihre Wiedergabelisten zusammen und über eine Soundanlage beschallten wir den Disco-Raum. Hunderte Luftballons wurden aufgeblasen, Stühle für den Sesseltanz aufgebaut und Salzgebäck in Schüsseln verteilt. Die Spannung war riesig, die Kinder zeigten kaum Verständnis für die offizielle Verabschiedung, bei der das Gastgeschenk übergeben wurde, sie wollten nur mehr Action.

Wenig später ging's dann endlich los. Bis zum Restaurant dröhnte der Sound und die Kinder hatten ihren Spaß. Gelegentlich verirrte sich auch ein Erwachsener in den Disco-Keller, verschwand aber meistens wenig später wieder. Das verkündete „open-end“ der Veranstaltung erübrigte sich, die Kinder waren zu müde, um Durchzumachen und das Abschlussfest dauerte nicht so lange wie gewöhnlich.

 

Kommt doch wieder!

Am Dienstag hieß es früh aufstehen. Der Zug in die Heimat ging um 10 Uhr. Alles musste gepackt, das Lager gereinigt und die Küche ausgeräumt werden. Mit Wehmut hieß es Abschiednehmen. Eigentlich wollten die meisten lieber bleiben. Dann durchbrach Karl-Heinz die bedrückte Stimmung: „Ihr ward eine tolle Truppe, so angenehme Kinder hatten wir noch nie auf unserem Gelände. Kommt doch in ein paar Jahren wieder!“ Diese Einladung nahmen wir gerne mit und werden sie nicht vergessen, genauso wenig wie die Gastfreundschaft, die gute Verpflegung und die Wertschätzung der Jugend gegenüber.

Erst als der Zug den Bahnhof verließ, realisierten wir, dass jetzt endgültig Schluss war. Auch die Innsbrucker packten ihren Hänger und verließen als Letzte mit einem Hupkonzert und winkenden Mitgliedern im Rückspiegel die Haldenmühle und setzten sich Richtung Völs in Bewegung. Bei einer abschließenden Jause und einem Eis wurden die letzten Kinder den Eltern übergeben.

Auch wenn es anstrengend war, bleibt die positive Erinnerung. Und leuchtende Kinderaugen als Dankeschön, sagen mehr, als mit Worten ausgedrückt werden kann.




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