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Palästina Lied
[All die weil ich mag] [Druckversion

Traditionell:

Allerst lebe ich mir werde
sit min sündic ouge siht
daz reine lant und ouch die erde
den man so vil eren gibt
mirst geschehen des ich ie bat
ich bin komen an die stat
da got mennischlichen trat

Schoenu lant rich unde here
swaz ich der noch han gesehen,
so bist duz ir aller ere:
waz ist wunders hie geschehen!
daz ein maget ein kint gebar
here ueber aller engel schar
was daz nicht ein wunder gar?

Hie liez er sich reine toufen
daz der mensche reine si.
do liez er sich herre verkoufen
daz wir eigen wurden fri
anders waeren wir verlorn:
wol dir, sper, kriuz unde dorn!
we dir, heiden! deist dir zorn.


In diz lant hat er gesprochen
einen angeslichen tac.
da diu witwe wirt gerochen
und der weise klagen mac
und der arme den gewalt
der da wirt an ime gestalt.
wol im dort, der hie vergalt!

Kristen juden unde heiden
jehent daz diz ir erbe si;
got müez ez ze rehte scheiden
durch di sine namen dri.
al diu werlt diu stritet her;
wir sin an der rehten ger
reht ist daz er uns gewer.

 

Übersetzung:

Nun erst hat das Leben für mich Wert,
seitdem mein sündig Auge das reine Land
und auch den Boden schaut,
den man so sehr rühmt und preist.
Mir ist geschehen um was ich immer bat.
Ich bin an die Stätte gekommen,
wo Gott in Menschengestalt wandelte..

Viele schöne, reiche
und herrliche Länder habe ich gesehen,
doch dir gebührt Ehre über allen.
Welches Wunder ist hier geschehen.
Daß eine Jungfrau ein Kind gebar,
Herr über aller Engelschar,
war das nicht ein reines Wunder?

Hier ließ er ganz rein sich taufen,
daß der Mensch rein werde von Sünden.
Dann gab er sich selbst hin,
damit wir Unfreien frei würden.
Sonst wären wir verloren.
Heil dir Speer, Kreuz und Dornenkrone.
Weh dir Heidenvolk, unser Zorn
sei darum gegen dich gewandt.

In dieses Land hat er den Gerichtstag angesagt,
an dem die Witwe gerächt wird und die Weisen.
Und die Armen klagen dürfen,
gegen die Gewalt die man ihnen antat.
Wohl dem, der schon hier auf Erden
seine Schuld beglichen hat.


Christen, Juden und Heiden behaupten,
daß dieses Land ihr Erbe sei.
Gott möge kraft seiner Dreieinigkeit entscheiden,
dem Recht gemäß. Alle Welt streitet darum,
doch uns gebührt das Recht. Es ist gerecht
daß er unseren Anspruch erfüllt.

 

Text und Melodie: Walther von der Vogelweide um 1220
Bearbeitung: Olaf Casalich
Frank Wulff-Raven / Wolfgang von Henko