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Die Band

Minne Graw (u.mi., 7.9.1952)

Olaf Casalich (u. re., 3.10.1947)

Wolfgang von Henko (u. li., 12.12.1949)

Jürgen Isenbart (o. mi., 24.4.1943)

Frank Wulff (o. re., 28.6.1952),

Stefan Wulff (o. li., 3.8.1954)

Foto in der Originalbesetzung 1973-1985,
Quelle: Lexikon "Rock in Deutschland"
 

Es war Ende der sechziger Jahre, da setzten sich ein paar Hamburger Musiker - sehr jung noch, aber schon alte Hasen - zusammen; denn sie waren es leid, immer nur die Stücke der englischen und amerikanischen Rock-Musiker nachzuspielen, sich immer noch einmal ins Getümmel der lautstarken Dezibel-Schlachten zu stürzen. Unergiebig fanden sie das. Nach einer Alternative suchten sie; erst zu zweit. Gleichgesinnte Leisespieler gesellten sich dazu. Ein Hauch von "Fairport Convention" umgab diese Klänge mit viel Flöte und unverstärkter Gitarre. "Hobby-Musik" nannten sie das, weil sie es nicht für den Markt, sondern für sich machten. Kernsatz der sechs: "Unabhängigkeit macht Mut".

Dann kam, so will es die Ge-schichte, fast schon die Legende - Olaf mit dem Buch. Olaf Casalich (links) hatte einen Deutschlehrer gehabt, der nach der Art seiner Zunftgenossen großen Wert auf das Nationale und also auch auf die mittelhochdeutsche Lyrik legte. Kein Wunder, daß Olaf da eines Tages ein alter Wälzer mit dem Titel "Das deutsche Mittelalter" in die Hände fiel. Etwas erstaunlicher schon, daß er sofort Feuer fing und mit dem Buch zu den Jungs auf die Probe ging. Ein Gedicht hatte es ihm besonders angetan, und siehe da: Es gefiel auch den anderen. Es paßte zu einer Melodie, die man schon hatte, und es passte auch zum Klang der Gruppe.

"Zuerst haben wir das ganz naiv gemacht" erinnern sie sich heute, "dann sind wir immer bewußter auf die Suche gegangen". Inzwischen sind sie längst Experten geworden, beherschen nicht nur das Mittelhochdeutsche, haben auch das Althochdeutsche in ihrem Repertoire: Rätselhaft Klangschönes aus heidnischer Zeit; allerlei Pferdesegen und die Merseburger Zaubersprüche ... Voodoo aus dem 9. Jahrhundert. Neben den Troubadouren tummelt sich nun auch weniger nobles Volk, Vaganten und Gaukler mit Liedern aus jener süddeutschen Handschriften-Sammlung, die man ja "Carmina-Burana" nennt und aus der schon Carl Orff nahrhaften Honig sog.

Altertümliche, doch keineswegs altbackene Tänze laden zum Mitmachen ein. Aber die Hauptlast des Unternehmens tragen wohl doch immer noch die Minnesänger mit ihren blumigen oder unverblümten, vor lauter Natur seligen und vor lauter Liebe verzweifelten Liedern. Walther von der Vogelweide ist, wie es sich gehört, die alles beherrschende Gestalt. Aber auch die etwas kleineren haben hier das Mit-Sing-Recht: Burkhart von Hohenfels, Dietmar von Eist, Gottfried von Neiffern und jener Neidhart von Reuenthal, der damals die Initial-Zündung herbeigeführt hatte.

Das betreffende Gedicht hieß übrigens "Ougenweide". Seit 1971 heißt auch die Gruppe so. Kein englisches Pseudonym sollte Eindruck schinden. Der Star gilt weniger in der Gemeinschaft.

(Quelle: Beilage zur CD "Liederbuch", 1988)

 

1970 Im Frühjahr wird die Gruppe in Hamburg gegründet.

1971 Erster öffentlicher Auftritt auf einer Schulfete.

1973 Ougenweide nehmen ihre erste Langspielplatte "Ougenweide" auf (damals noch mit den beiden Sängerinnen Renée Kollmorgen und Brigitte Blunck).
Die übrigen Musiker sind:
Stefan Wulff - Baß, Tasteninstrumente
Frank Wulff - Seiten- und Blasinstrumente
Jürgen Isenbart - Percussion
Wolfgang v. Henko: Gitarre, Mandoline
Olaf Casalich - Percussion, Gesang
Im September tritt Minne Graw als Sängerin und Pianistin in die Gruppe ein.

1974 Veröffentlichung der zweiten LP "All die Weil ich mag"

1975 Erfolgreicher Auftritt mit der englischen Folk-Rock-Formation "Fairport Convention". Weitere Konzerte mit bekannten Musikern und Gruppen wie "Steeleyer Span", "Planxty", "Amazing Blondel", Kate und Anna Mc Garrigle, Alan Stivel und Konstantin Wecker. - Veröffentlichg. der LP "Ohrenschmaus".

1976 Zusammenarbeit mit dem Dichter und Schriftsteller Peter Rümkorf und dem Regisseur Gerd Zenkel für einen Fernsehfilm über das Leben Walther von der Vogelweides. - Veröffentlichg. der LP "Eulenspiegel".

1977 Musikalische Betreuung und Teilnahme an 6 Folgen der 13-teiligen Fernsehserie "Dokumente Deutschen Daseins". Regie: Gerd Zenkel - Außerdem Mitwirkung an 2 Folgen über "Die Stauffer", einem Film von Peter von Zahn. Zahlreiche Auftritte in Fernseh-Musiksendungen wie "Phonzeit", "Liedercircus", "Kultur- und Nordschau-Magazin" sowie "Sesamstraße". - Im gleichen Jahr sendet der Saarländische Rundfunk ein 45-Minuten-Portrait der Gruppe von einem Live-Auftritt in der Mit 3000 begeisterten Zuschauern ausverkauften Saarbrücker Saarlandhalle. Veröffentlichung der LP "Ungezwungen".

1978 Ausverkaufte und bejubelte Konzerte in der Philharmonie in Berlin sowie im Zirkus-Krone-Bau in München. Erfolgreiche Auftritte in Holland, der Schweiz, Österreich, Polen, dem Elsaß und England (14. Cambridge Festival). Veröffentlichung der LP "Fryheit".

1979 Inzwischen geben sie 60 bis 70 Konzerte im Jahr. Sie treten nicht nur in großen Städten auf, sondern auch in kleinen Orten, die leider von manchen anderen Gruppen ausgelassen werden. - Veröffentlichung der LP's "Ousflug" und "Liederbuch".

1980 Veröffentlichung der LP "Ja-Markt". Große Deutschlandtournee.

1981 Veröffentlichung der LP "Noch aber ist April"

1985 Nach dem Split machten von Henko, Casalich und die Gebrüder Wulff ihr eigenes Projekt beim Theater weiter, etwa in "Black Rider" (Musik: Tom Waits) und "Time Rocker" (Musik: Lou Reed), komponierten für "Werner Beinhart" sowie "Asphaltflimmern".
<----- mehr siehe links

1996 Reunion zum Album "SOL" - W. v. Henko, O. Casalich, Frank- und Stefan Wulff, mit dem neuen Schlagzeuger Stefan Rager, dem Tessera Streichquartett und der Vokalgruppe "Time Of Roses", jedoch ohne Minne Graw und Jürgen Isenbart.

1997 Auftritte u.a. auf dem Bardentreffen in Nürnberg, 1998 in Hamburg, ...


Ougenweide und doch nicht Ougenweide:

David Klingenberger hat eine sehr interessante Zusammenstellung von "Seitenprojekten" einzelner Bandmitglieder auf seiner Homepage veröffentlicht, die die ich freundlicherweise in die Ougenweide-Fanpage übernehmen durfte.

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