Es war einmal...
...Ein
Mini erzählt
Es war Liebe auf den ersten Blick, als er mich im Juli 1999 in der Auslage bei
dem Autohändler stehen sah und weil er schon immer einen Mini wollte, zwar
einen tahitiblauen, ich war in meinem grün aber auch nicht zu verachten, überlegte
er nicht lange und bald wurde er mein Lenker.
Mit mir kam Leben in die Bude, denn es dauerte nicht lange und wir
schlossen uns einem Miniclub, den Pielachtaler Minifreunden an.
Bei Ausfahrten und Treffen ging es manchmal hoch her und bald hatten wir die
ganze Miniszene in Österreich intus. Freundschaften fürs Leben entstanden, wir
hatten Spass und Abwechslung, erlebten viel lustiges und so manches traurige.
Bei einem dieser Treffen, bot ein Händler einen schönen Verbau an, mein Fahrer
meinte, der könnte mir gut passen, gesagt getan, nach einigen Wochen Arbeit
stand ich schöner und breiter da als vorher, jetzt hatte ich auch einen
speziellen Namen, Zeemax hieß ich in Zukunft, das gefiel mir aber auch.
Daß ich etwas zu tief geraten war hatte den Nachteil, dass mein Fahrer so
manche Diskussion mit den Gesetzeshütern hatte, aber auch einen Riesen Vorteil
für mich, ab jetzt stand ich nicht mehr alleine vor dem Haus,ein roter Mini
leistete mir Gesellschaft und zu zweit machte auch alles doppelt Spass.
Auch schmeichelte es mir, von allen bewundert zu werden, ich stellte mich immer
sehr vorteilhaft in Position.
Eines Tages kam mein Fahrer auf die Idee, Slalom mit mir zu fahren, erst kannte
ich mich mit den Hüten nicht recht aus, beim ersten Lauf dachte ich noch, je
mehr Hüte ich umlege, desto besser, aber bald ging mir ein Licht auf und
gleich beim ersten Rennen in der Arena Nova in Wr. Neustadt brachte ich stolz
einen Pokal für den zweiten Platz mit nach Hause.
Von jetzt an hieß mein Fahrer Pilot und ich kann nicht leugnen, dass mir die
Pylonenwedelei mächtig Spaß machte, fast jedes Wochenende verbrachten wir von
nun an auf dem Slalomplatz, lächelte die Konkurrenz erst über mich Zwerg,
wuchs von Rennen zu Rennen der Respekt.
Mein Motor wurde verstärkt, der Spruch hörte sich ganz schön rassig an.
Und auch die anderen Minifahrer hörten von unseren Erfolgen und siehe da, mit
der Zeit kamen sie aus allen Teilen des Landes um mit Begeisterung auch ihre
Kurven zu drehen, heute ist der Mini im Slalomrennsport gar nicht mehr
wegzudenken.
Am Muttertag, im Mai 2003 war es mit meiner Karriere erst einmal vorbei, nasse
Strecke, die falschen Schuhe, was weiß ich, vielleicht auch der Übermut meines
Piloten, auf jeden Fall landete ich unsanft in einer Betonmauer, mein Pilot kam
mit einer Brustkorbprellung ja gerade noch glimpflich davon, aber mich hättet
ihr sehen sollen.
Serienbrüche vom linken Scheinwerfer, über das Dach und die Seite bis hinter
die Fahrertür, Mamamia war mir schlecht und die Schmerzen waren höllisch.
Jetzt wollte ich erst einmal Ruhe haben, versteckte mich monatelang unter einer
Decke und hatte vom Rennsport erst einmal genug.
Ich wechselte den Besitzer und wer den Präsidenten der Pielachtaler Minifreunde
kennt, der weiß, dass ich in sehr guten Händen war.
Der hatte nämlich die verrückte Vision, mich wieder gerade zu biegen .
Einen langen Winter dachte er nach, beriet sich mit meinem Chirurgen, manchmal
wurde die Decke, unter der ich mich verkrochen hatte gelüftet, ich sah so
manches kopfschütteln der Spezialisten, aber mein Präsident, seines Zeichens
ein sturer Hund gab nicht nach und eines Tages war es soweit.
Ich wurde in eine helle freundliche Garage geschoben und meine Auferstehung
konnte beginnen, in vielen Stunden wurde geschnitten, gebohrt, geschraubt,
geschweißt, verkittet und lackiert, bald konnte man den Fortschritt sehen und
ich hatte die größte Freude daran, dass ich auch meinen geliebten Zeemaxverbau
wiederbekam, ich wollte ja auch wieder bewundert und bestaunt werden.
Im Mai 2006 waren die groben Arbeiten endlich abgeschlossen und mein Präsident
konnte mich gebührend ausstatten.
Ich bekam eine neue Seele im Motorraum und eine schicke graue Innenausstattung,
zum Schluß wurde ich noch auf Hochglanz poliert und ich genoß die erste
Ausfahrt, endlich wieder Miniluft schnuppern und die anderen wieder sehen,
mittlerweile war ich auch schon beim IMM in Polen, es hat Spaß gemacht und ich
freue mich wieder meines Lebens.
Meine Rennkarriere habe ich an den Nagel gehängt, schön brav in der Kolonne
bei einer Ausfahrt macht auch Spaß, aber wer weiß, sag niemals nie.
Thank You
Meinem Piloten Robert, der mich nicht gleich verschrottet hat
Meinem Präsidenten Franz, der an mich geglaubt hat
Und ganz besonders meinem Chirurgen Sepp.
Gabriele Bosch
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann…
Der 2.Juli 2006, wird wohl für meinen Präsidenten und mich als schwarzer Tag
in die Minigeschichte eingehen.
Seine Hausstrecke, den Morigraben, der das Traisental mit dem Pielachtal
verbindet, kennt er ja eigentlich wie seine Westentasche ,aber mit dem
Gegenverkehr auf unserer Seite konnte wirklich niemand rechnen, ein kurzer
Moment mit Feindberührung und ab durch Stock und Stein in das Bachbett.
Jetzt bin ich zwar etwas höher, aber dafür um einiges schmäler, rechts links,
vorne, alles zerstört, wir hörten beide schon die Engel singen, mein Präsident
wurde im Krankenhaus ja wieder einigermaßen geradegebogen und steht wieder auf
beiden Beinen.
Mich könnt ihr jetzt endgültig vergessen, Recycling nennt man das wohl 1 x 1 m
im Quadrat aber die Teile, die noch zu gebrauchen sind werden sicher auf andere
Minis aufgeteilt und so werde ich mich doch nicht ganz aus der Miniwelt
verabschieden.
Es war einmal ein Mini, und es war schööööön!
Gabriele Bosch