Rad - Reiseberichte_3Laender


R e i s e b e s c h r e i b u n g :

1. Tag:

AMSTETTEN - VISSKY BROD

102 km, 1.060 hm

2. Tag:

VISSKY BROD - BRENNES

166 km, 2.490 hm

3. Tag:

BRENNES - MARTINSKY MYLE (3km außerhalb von Trhove Sviny Richtung Novy Hrady

172 km, 2.084 hm

4. Tag:

MARTINSKY MYLE - WIEN

168 km, 1.080 hm

Beschreibung der T a g e s t o u r e n :


AMSTETTEN - VISSKY BROD

Die Tour habe ich in Amstetten gestartet - dank den neu angelegten Radwegen kann man nun vom Bahnhof gegen die Einbahnstraßen das Zentrum Richtung Nordwesten durchqueren. Noch im Siedlungsgebiet wartet die erste (kurze) Steigung - tendenziell geht es aber durch die hügeligen Ausläufer des Mostviertels zur Donau hin bergab. In Ardagger mündet dann von Westen der am Südufer führende Donauradweg ein - ich bleibe aber auf der Hauptstraße (dort ist man mit dem Rennrad einfach flotter). Bis zur Donaubrücke sind noch einige Kilometer Richtung Osten zu fahren, die müssen dann auf dem Nordufer wieder gutgemacht werden.

Zu meiner Überraschung ist auf der B 3 Richtung Linz ziemlich starker LKW-Verkehr - und nach der Umfahrung Perg prangt wie aus heiterem Himmel plötzlich ein Radfahrverbotsschild am Straßenrand. ??? Soll ich mich in Luft auflösen ??? Ich will zwar sowieso Richtung Schwertberg abbiegen, warum ich die 300 Meter bis zur in Sichtweite gelegenen Abzweigung illegal radeln muss, wissen nur die Götter und die Verkehrsplaner...

In Schwertberg tun sich die ersten Troubles auf: die Straße entlang im Flusstal der Aist (die ich fahren will) ist für den Verkehr gesperrt und dieser wird auf die Hauptstraße umgeleitet. Da ich schon einige km auf stark befahrener Straße hinter mir habe, keine verlockende Aussicht - also Erkundigungen einholen.

Zwei Pensionisten versichern mir, dass man mit dem Rad auf der gesperrten Straße fahren kann - also weiter. Noch immer sind Hochwasserschäden aus dem Jahr 2002 zu beseitigen - damals hat das Wasser das Tal (und die Landstraße) ziemlich verwüstet, die Spuren sind noch heute (zwei Jahre später) sichtbar. Wären nicht die vielen Stellen mit Schotterbelag (den mögen die dünnen Rennradreifen so gar nicht), könnte man die Strecke vorbehaltlos empfehlen - im nächsten Jahr wird die Strecke aber wieder baustellenfrei befahrbar sein.

Ursprünglich wollte ich der Aist noch weiter nach Norden folgen und Freistadt über Gutau erreichen - im Hinblick auf die fortgeschrittene Tageszeit muss ich aber die (kürzere und direktere) Strecke über die Hauptstraße fahren - immerhin will ich heute noch die Grenze erreichen.

Zum Unterschied zu der bisher kommoden Steigung im Flusstal geht es kurz vor und nach Pregarten kräftiger bergauf - nach Neumarkt im Mühlkreis werden die Radfahrer auch künftig hochkeuchen müssen - der Tunnel für den Autoverkehr ist kurz vor der Fertigstellung (die Radfahrverbotstafel ist auch schon montiert). Noch vor dem Ortszentrum von Freistadt (nach 70 km erreicht) zweige ich auf die B 38 Richtung Westen ab und lasse damit den (teilweise unangenehmen) Verkehr endlich hinter mir.

In weiten Bögen schwenkt die gut ausgebaute Straße stetig steigend durch die Hügellandschaft, manchmal sind auch längere Waldstücke zu durchqueren, dann wieder kurze Abfahrten - die STI-Hebel sind kräftig am Arbeiten.

Nach Bad Leonfelden noch ein letzter Anstieg und dann ein erster Blick auf die Hügel in Südböhmen. Bis Vyssi Brod geht es nur bergab und das ist gut so, dann es wird langsam dämmrig. Der weithin sichtbare Kirchturm des Klosters bildet einen netten Kontrast zu den Tafeln am Straßenrand, auf denen für diverse Night-Clubs geworben wird - so nah können Himmel und Hölle beinander liegen...

Eigentlich wollte ich noch bis zu einem mir bekannten Quartier in Prednj-Vyton (noch 13 km) weiterfahren, aber es ist schlicht schon zu dunkel. Das große Hotel an der Straßenkreuzung ist zu meiner Überraschung voll belegt, ein nettes, wenn auch nicht billiges Zimmer (872 Kronen mit Frühstück) findet sich aber in der Pension U Candru auf der Ostseite des Hauptplatzes, Rad kommt (fast wie immer) mit ins Zimmer.

Bedingt durch die Grenznähe gibt es die üblichen Bordelle und eine Menge vietnamesische Händler, die alle die gleichen gefälschten Markenartikel offerieren. Außerdem hätten fast alle Häuser des kleinen Ortes eine Renovierung dringend nötig - der Abendspaziergang fällt daher mangels Attraktionen und wegen der Abendkälte nur kurz aus.

VISSKY BROD - BRENNES

Schon am Weg ins Nachbargebäude, wo das (sehr üppige) Frühstück einzunehmen ist, fällt auf, dass es jetzt am Morgen Mitte September schon schweinekalt ist - also wird in Goretex-Jacke und mit Beinlingen losgeradelt. Schon ein paar Kilometer nach dem Ort ein kurzer Stop bei der "Teufelsmauer" - der Story nach wollte der Teufel mit den großen herumliegenden Granitbrocken die Moldau aufstauen um das Kloster zu überfluten, war aber nicht schnell genug und musste beim ersten Hahnenschrei aufgeben - zurück blieb die sichtbare Gesteinshalde.

 


Dann noch ein paar Kilometer den Moldaustausee entlang und nach Prednj-Vyton geht es kräftig bergauf wieder südwärts zum Kamm des Böhmerwaldes und zur Grenze nach Österreich (der weitere Weg entlang des Stausees auf dessen Südufer soll nach den vorliegenden Informationen mit dem Rennrad nicht gut zu fahren sein, zwar autofrei aber kein oder nur sehr schlechter Asphalt). Die Jacke und die Beinlinge sind schon längst wieder im Rucksack verstaut - die folgenden Kilometer radelt man wie auf einem riesigen Balkon mit Blick nach Süden (bei schönen Wetter ist sogar der Dachsteingletscher zu erkennen).

 

Die folgenden Kilometer durch Haslach, Aigen, Ulrichsberg bis zum letzten Ort in Österreich radelt man immer südlich des Böhmerwald-Hauptkammes, der nach Nordwesten hin stetig ansteigt. Bis Schwarzenberg hat man so auf 58 Kilometer 850 Höhenmeter erklommen.

Nach dem verwaisten ehemaligen Grenzposten zu Bayern geht es auf ein paar Kilometern recht gemütlich dahin - erst nach Neureichenau bleibt man besser auf dem kleinen Kettenblatt vorne. Und ringsherum überall dichter Nadelwald - die vielen Felder und freien Flächen, die mich den ganzen Vormittag begleitet haben und stets für schöne Ausblicke garantiert haben, werden immer seltener. Haidmühle war ein ehemaliger Grenzbahnhof zu Tschechien, die Bahngleise sind jedoch schon längst demontiert und die Trasse dient heute als Radweg (hier gibt es auch für Fußgänger und Radler einen Grenzübergang).

Ich bleibe in Bayern und die Straße steigt weiter bergan bis zur Kreuzung mit der Hauptstraße Passau-Prag bei Philippsreut - weiter geht es immer hart an der Grenze entlang bis Mitterfirmiansreut, wo überraschenderweise ein paar Schilifte am schattseitig gelegenen Hang auftauchen. Einer längeren Abfahrt folgt der obligatorisch längere Anstieg und dort treffe ich auch den ersten Tourenradler heute - Mountainbike, Lowrider, Dreifach-Gepäckträgertasche und drauf noch das Zelt gepackt. Nein, der Typ will nicht auswandern, gibt aber zu, etwas zu viel Gepäck mitgenommen zu haben. Während er im kleinsten Gang weiter die Steigung hinaufkriecht, tu ich mir nur mit dem Rucksack schon leichter.

Jetzt bin ich schon mitten im Naturschutzgebiet bayrischer Wald (dort ist das Biken auch nur auf ausgewiesenen Wegen erlaubt) - bei dem großen Parkplatz mit Informationsstand und Imbissbude leiste ich mir einen Eiskaffee zu sehr moderatem Preis.

Bei diesem "Nationalpark-Infozentrum" ist ein ziemlicher Rummel, sodass ich bald wieder aufbreche und über Spiegelau und Frauenau nach 145 Kilometer Zwiesel erreiche.

 

Zwischendurch gibt es auf Waldlichtungen öfter einen schönen Ausblick auf den "Großen Rachel", immerhin fast 1500 Meter hoch. Auffallend ist nur der Umstand, dass die Bewaldung in den höheren Regionen immer leicht bräunlich (gar nicht so grün wie der Nadelwald tiefer) aussieht - so viele kranke Bäume ?

Nach Zwiesel Richtung Grenze kann man zuerst den parallel zur Hauptstraße führenden Radweg nehmen. Der schon weithin sichtbare Berggipfel "Großer Arber" bzw. der unterhalb gelegene See muss aber jetzt zuerst noch erkämpft werden - die Steigung wird mit 39/25 relativ gemütlich gefahren.

Nach dem See erreicht man zuerst ein Langlaufzentrum, dann die (jetzt im Spätsommer einsam in der Landschaft stehende) Schistation Großer Arber und einen Kilometer weiter eine Häusergruppe mit großem Hotel, vollständig mit Holzschindeln bedeckt und einem Schild "Biker welcome". Aus Kostengründen wollte ich eigentlich wieder in Tschechien übernachten, aber ich bin ja "Biker" (wenn auch heute mit dem Rennrad unterwegs) und Fragen kostet nichts...

Ein sehr schönes Zimmer mit gutem Abendessen und ein heißer Whirlpool zu einem moderatem Preis (38 Euro Halbpension) lassen mich heute eben die bayrische Gastronomie sponsern - das "Sporthotel Brennes" ist aber wirklich ein guter Tip für müde Radler!

BRENNES - MARTINSKY MYLE

Nach dem opulenten Frühstücksbuffet braucht es nur ein paar Pedaltritte und dann müssen die nächsten 5 km nach Bayrisch Eisenstein nur die Bremshebel betätigt werden. Hier und in dem schon in Tschechien gelegenen Ortsteil Markt Eisenstein, jetzt Zelenza Ruda, findet sich die übliche touristische Infrastruktur - ich bin aber nicht unglücklich, auf der Höhe übernachtet zu haben, war einfach relaxter dort.

Gleich nach dem Ortsende steigt die Straße auf 5 km stetig an und so werden die Muskeln endgültig wieder auf Betriebstemperatur gebracht. Genau am Scheitelpunkt des Höhenzuges zweigt dann die Nebenstraße Nr. 190 rechts ab und führt zunächst schnurgerade durch den dichten Wald.


Erwartungsgemäß kann die Qualität des Straßenbelages mit den Vorgaben aus Bayern nicht wirklich mithalten - es gibt zwar keine Schlaglöcher, aber stellenweise ist so ein richtiges Patchwork-Muster auf der Straße. Ganze Karawanen von Radlern, viele mit Tourengepäck, kommen mir entgegen oder werden überholt. Auf den dann wieder häufiger auftretenden Waldlichtungen stehen kleine Siedlungen oder einzelne Gehöfte. Wie schon gewohnt, geht es entweder bergauf und bergab, nur selten eben, und als ich zum ersten Mal heute zur Trinkflasche greifen möchte, greife ich ins Leere... Tja, die steht halt noch im Bad meines Zimmers im Sporthotel "Brennes". Damit ergibt sich ein kleines logistisches Problem: ich hätte gerne eine neue Trinkflasche, aber es ist Samstag Vormittag und den nächsten größeren Ort werde ich wohl erst am frühen Nachmittag erreichen...

Bei einer Straßenkreuzung plötzlich eine Menschen(vor allem auch Radler)ansammlung rund um eine Verpflegungsstation für einen Radmarathon. Trinkflaschen gibt es zwar keine zu verkaufen, aber in Erwartung der ersten Radler sind schon jede Menge Becher mit isotonischem Getränk - heute ganz in rot - vorbereitet und so kann ich auch meinen ersten Durst stillen.

Die Weiterfahrt auf noch kleineren Nebenstraßen habe ich auch aufgrund von Empfehlungen in einem vor Jahren in der Zeitschrift "Tour" erschienenen Artikel über Rennradfahren im Böhmerwald (Heft Nr. 10/98) geplant und bin daher auf die folgenden Kopfsteinpflasterabschnitte eingestellt.

Genau auf einem solchen kommt mir auch die Spitzengruppe des Marathons entgegen - die Carbongabeln und Systemlaufräder werden gnadenlos über das unebene Pflaster geprügelt.

 

Mit 25er Reifen und Stahlgabel und dazu nicht im Rennstress kann ich das Ganze entspannter angehen, am Rand kann man sogar zufriedenstellend herumrumpeln.

Bald ist der Spuk vorbei und im winzigen Ort Prasily (der aber mit einer großen Konditorei und mehreren Übernachtungsmöglichkeiten aufwarten kann) gibt es tatsächlich einen kleinen Laden, der sogar eine Radfalsche vorrätig hat! Während der folgenden langen Kilometer zuerst bergauf, dann wieder bergab, bieten die entgegenkommenden Marathonfahrer willkommene Abwechslung. Der Start muss ziemlich früh gewesen sein, wenn das Feld schon so langgezogen ist. Je weiter ich fahre, desto entspannter geht es bei den Marathonistis zu, viele grüßen oder winken.

Auch Srni (41 km) bietet touristische Basics, der Straßenbelag ist zwar nach wie vor verbesserungswürdig, aber die Landschaft mit den weiten grasbewachsenen Flächen und Hochmooren zwischen den dichten Wäldern entschädigt für alles. Immer wieder stehen Zuschauer (und leider auch Begleitautos) am Straßenrand. Bis Kvilda geht es so (natürlich nie eben) dahin - dann einmal rechts und zwei Kilometer später links abgebogen. Auf den folgenden knapp 20 Kilometern bis Vimperk gibt es überhaupt keine nennenswerte Besiedelung mehr - nur dichten Wald. Auch überraschend ist der Umstand, dass bei der Einfahrt zu den (wenigen) Forststraßen ein Radfahrverbotsschild prangt (Entwicklungshilfe aus Österreich oder was?)

Bis Vimperk geht es viele Kilometer, immer rasanter mit immer weniger werdenden Kurven bergab, zwischendurch wird das Waldgebiet verlassen. Der Ort, von einer früheren Radreise bekannt, ist zwar hübsch in einem Tal gelegen, aber nach wie vor (sieht man von ein paar verfallenden Häusern im Zentrum ab) von ausgesuchter Hässlichkeit, die Industrieruinen und abgefuckten Wohnblocks sowie die den Ort zusätzlich verschandelnde, auf einer Brücke geführte Umfahrungsstraße haben wohl noch die Kommunisten zu verantworten.

Die Hauptstraße Richtung Prachatice bietet guten Fahrbahnbelag und das übliche up und down, aber auch bei optimistischer Betrachtungsweise kann ich den Umstand nicht verleugnen, dass es (entgegen aller Prognosen) zu regnen beginnt. Jeder Radler kennt das: wie ein Ausschlag zuerst ein paar dunkle Punkte am Asphalt, nach ein paar Minuten beginnt dann so eine richtig schöne Regenfahrt, mit Lacken und den Fontänen am Vorder- und Hinterrad. Also Jacke an, Regenhülle über den Rucksack und auf den Umstand hoffen, dass es sich nur um einen Schauer handelt.

In Husinec kann man über eine Nebenstraße (die klarerweise über einen Hügel führt) ein Stück abkürzen und so ist nach 98 km endlich Prachatice erreicht. Die Stadt liegt an einem Uralten Handelsweg, ist daher im Mittelalter zu Wohlstand gelangt und die historischen Gebäude sind in den letzten Jahren nach und nach restauriert worden. Ich flüchte mich vor dem Regen in ein Restaurant und schlage mir mal den Bauch voll.

Manchmal scheint Essen gegen den Regen zu helfen - als ich wieder das Rad besteige, ist es zwar nicht strahlend schön, aber trocken.

Die Gunst der Stunde nützend trete ich wie immer nach größeren Ortschaften in dieser Gegend durch ein Tal bergauf - es gilt, die Hügeln vor dem Moldautal zu überwinden.

Im winzigen Ort Smedec, am Scheitelpunkt gelegen, gibt es eine Gasthaus (mit Unterkunft) extra auch für Radfahrer beschildert. Letztere machen sich aber momentan rar, hat wohl der Regen vertrieben...

Die Hauptstraße führt direkt in das mir schon bekannte Cesky Krumlov, ich fahre aber über verwinkelte Nebenstraßen zu dem kleinen Dorf Holasovice, auf meiner Karte mit zwei Sternen markiert. In diesem Ort stehen bunt angestrichene historische Bauernhäuser rund um einen rechteckigen großen Platz, ist ganz nett anzusehen und scheint auch ein beliebtes Ausflugsziel zu sein, interessanterweise diesmal wieder ohne jegliche touristische Infrastruktur, sieht man von einem besseren Buffet ab.


Und hier ist auch der Böhmerwald zu Ende, es öffnet sich das weiten Becken von Trebon mit seinen tausenden großen und kleinen Teichen. Die folgenden Kilometer bis Budweis (145 km) sind wenig spektakulär, nur vor einem Regenschauer flüchte ich in Dubne in eine winzige Konditorei in einem Privathaus. Budweis selbst kenne ich auch von früheren Besuchen, ansonsten wäre insbesondere der große Hauptplatz mit seinen Gebäuden einen Stop wert. Der erneut einsetzende Regen treibt mich aber auf die großen Umfahrungsstraßen und diese leiten mich gut beschildert und flott auf die Straße Nr. 156 Richtung Novy Hrady.

Wieder ein ewiges Auf und Ab, wenn auch die Hügel nicht mehr so hoch sind wie im Böhmerwald. Mal regnet es, kurz darauf hört es auf (und ich beginne unter der Jacke zu schwitzen). Fasse ich den Entschluss, anzuhalten, und mich ihrer zu entledigen, beginnt erneut der Regen and so on.

In Trhove Sviny laden zwar mehrere Hotels und Pensionen ein, die Etappe zu beschließen (ich bin auch schon ziemlich durchnässt) will mich aber noch bis Nove Hrady durchbeissen.

Aber als ein paar Kilometer nach dem Ortsende ein Schild zur "Martinsky Myle" (heisst auf deutsch wahrscheinlich Martinsmühle) weist, beschließe ich, ihr doch eine Chance zu geben. Nach einem kleinen Ort kommt man zu einer restaurierten Mühle, die ein nettes und ganz gutes Restaurant und weniger nette, dafür preiswerte (mit Frühstück 380 Kronen) Zimmer hat.

Die ästhetischen Ansprüche nasser Radfahrer sind meistens minimal, und nach einer heißen Dusche und einem guten Abendessen stört auch das völlig schmucklose Ambiente (sieht man vom Fernseher ab) in dem ansonsten sauberen und natürlich völlig ruhig gelegenen Zimmer nicht mehr.

MARTINSKY MYLE - WIEN

Schon beim Gang zum Frühstück durch den Innenhof der Mühle werfe ich besorgte Blicke gen Himmel - scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis es wieder zu regnen beginnt. Ich habe die Situation richtig eingeschätzt, schon nach ein paar Kilometern das geübte Ritual: Regenjacke an, Regenhülle auszippen und diese um den Rucksack...

Den recht kräftigen Schauer hätte ich gerne in einer Gaststätte in Novy Hrady abgewartet, nur hat jetzt am 8.30 am Sonntagmorgen einfach keine geöffnet - also weiter. Nach dem Grenzübergang Phyrabruck ist zwar die Fahrbahn noch nass, aber das Wetter bessert sich (vorläufig). Bis Weitra geht es zwar meistens bergauf, dafür scheint im Ort schon die Sonne. Alles bestens, wären da nicht die dunklen Wolken im Westen, die mich zur Weiterfahrt treiben.

Es folgt das übliche Waldviertler Genuß-Rennradeln: bestens ausgebaute Straßen durch verschlafene Dörfer, kaum Verkehr, ganz nette Landschaft und bedingt durch die Topographie ein dauerndes Intervall-Training - so wird nach 50 km Zwettl erreicht.

Die dunklen Wolken aus Westen mahnen zur raschen Weiterfahrt - ich will nicht schon wieder nass werden! Auf der (für Waldviertler Verhältnisse) stark befahrenen Hauptstraße nach Krems geht es (noch dazu mit Rückenwind) flott dahin - leider verpasse ich auf die Abzweigung von der neu trassierten und entsprechend ausgebauten Straße in Richtung Kremstal (die Strecke Lichtenau-Senftenberg-Krems ist für Radfahrer bei weitem attraktiver!). Als ich meinen Irrtum bemerke, will ich aber nicht mehr umkehren, zumal mich die dunklen Regenwolken im Süden schon bald überholt haben werden....

Bis Gföhl ist noch ein sehr und ein weniger fieser Anstieg zu meistern, dann geht es flott bergab, bis mich ein Radfahrverbotsschild auf der Hauptstraße auf eine Abzweigung direkt nach Langenlois vertreibt (die ich aber sowieso nehmen wollte). Die letzten Nadelbäume weichen den Weinbergen und ich befinde mich bald wieder in oftmals beradeltem Revier.

Die weitere Strecke über Hadersdorf-Fels-Kirchberg-Stetteldorf ist nach der Abzweigung von der Straße Nr. 34 wieder verkehrsfrei und für Radler, die schnell Richtung Wien fahren wollen, sicher eine Empfehlung. Kurz vor Stockerau dann doch der schon den ganzen Tag lang herbeigefürchtete neuerliche Regenschauer - aber die restlichen Kilometer nach Wien lege ich wieder im Trockenen zurück.