|
| KARTE | ||
|
1.
Tag: | HELSINKI (Flughafen) - PORVOO |
50
km, 300 hm |
| 2. Tag: |
206 km, 950 hm | |
| 3. Tag: |
214 km, 1.200 hm | |
| 4. Tag: |
158 km, 780 hm | |
| 5. Tag: |
48 km, 120 hm | |
| Beschreibung der T a g e s t o u r e n : | ||
| | |||
| PORVOO
- LAPPEENRANTA | |||
| Die Finnen scheinen Frühaufsteher zu sein, denn Frühstück gibt es schon ab 6 Uhr - kommt mir recht entgegen, ich habe heute einiges vor. Zum fünften Mal in den letzten 12 Stunden überquere ich den Fluss Porvoonjoki, dann die Hauptstraße entlang durch das Neubauviertel und nach einem Kilometer bin ich auch schon wieder draußen aus dem Ort. Die parallel führende Autobahn nimmt den meisten Verkehr auf, sodass ich auf der Landstraße unbelästigt radeln kann. Wald und Felder wechseln ständig, nur flach ist es nicht - wirklich eben geht es kaum mal. Stört aber nicht weiter, weil mich der Nordwestwind auch heute wieder vorantreibt. | |||
| |||
|
In Kotka (91km) ist man wieder am Meer und ich radle um die ganze Bucht herum
und von Süden ins Zentrum. Wo sich selbiges befindet, ist gar nicht so leicht
auszumachen - ich betrachte eine Parkanlage mit ein paar Marktständen davor
als solches. Abgesehen von einem älteren Turm auf einem Hügel und je
einer Backstein- und Holzkirche ist hier nicht viel Sehenswertes, also weiter.
Starker
Verkehr hier auf den Straßen, gut, dass es bis Hamina (119 km), meinem nächsten
Ziel, einen durchgehend beschilderten breiten Radweg gibt, der ohne nennenswerte
Umwege verläuft. Bei der Stadteinfahrt ankern ein paar Schiffe - einige scheinen
schon älter zu sein (zumindest macht es auf mich Landratte diesen Eindruck)
und rund ums Zentrum passiert man noch alte Festungsmauern - der Stadtkern ist
rondellförmig rund ums Rathaus angelegt. Offenbar sind und waren hier immer
schon Soldaten stationiert, eine Marketenderin wurde sogar ein eigenen Denkmal
gesetzt - die Garnison scheint mit der Verpflegung sehr zufrieden gewesen zu sein.
Auch ich kümmere mich um meine Verpflegung und ordere im örtlichen China-Restaurant das (günstige) Tagesgericht - eine ziemliche Portion, die mir wieder einige hungerastfreie Kilometer ermöglichen wird. Noch ein paar Kilometer durch den Ort und dann geht es auf der recht stark befahrenen Hauptstraße Nr. 26 durch dichte Wälder im steten Auf und Ab weiter - die finnischen Auto- und Lastwagenfahrer sind aber ziemlich rücksichtsvoll. Weniger rücksichtsvoll sind die Fahrer der vielen Lastzüge mit russischem Kennzeichen - der breite Seitenstreifen entspannt aber die Situation. Luumäki an der Kreuzung mit der Straße Nr. 6 soll nach meiner Karte ein größerer Ort sein, aber auch hier müsste man offenbar in das abseits gelegene Zentrum fahren, darauf kann ich verzichten. Es folgen ein paar weniger interessante Kilometer, der in der Straßenkarte nördlich eingezeichnete See kommt wegen dem dichten Wald gar nicht ins Blickfeld. Kurz vor Lappeenranta wird die Straße dann wieder autobahnbreit und ich habe den kompletten Pannenstreifen zur Verfügung. Bei der Abfahrt in den Ort dann die ersten finnischen PolizistInnen, denen ich ansichtig werde - hab bis dahin gar nicht gewusst, wie die überhaupt ausschauen (blaue Uniformen mit gelben Warnwesten drüber). Hier im Ort treten sie aber so gehäuft auf, dass es einer Erklärung bedarf - und die bekomme ich auch von dem ersten einheimischen Rennradler, den ich treffe - derzeit ist hier EU-Ministertreffen (Finnland hat ja den Ratsvorsitz inne) - deshalb die viele Polizei. Der Rennradler bringt mich direkt zu meinem gewählten Übernachtungsquartier im Finnhostel "Lappeenranta", zu meiner Überraschung ist aber auch hier alles voll (hängt vielleicht auch mit dem EU-Treffen zusammen). Am angrenzenden Campingplatz werden aber kleine Holzhütten (ohne Dusche und WC) mit (zumindest für Einzelreisende fragwürdigem Preis/Leistungsverhältnis) vermietet - angesichts der fortgeschrittenen Tageszeit und der offenbar hoffnungslosen Suche in anderen örtlichen Hotels schlage ich zu.
|
|
|
| LAPPEENRANTA
- LATHI |
Besonders geheim scheint es hier nicht zuzugehen, da neben den sich anbrüllen lassen müssenden Rekruten recht reger Fußgänger- und Radverkehr stattfindet. Mit jeden Kilometer weg von Lappeenranta nimmt der Verkehr ab und bald bin ich auf der gut ausgebauten Straße ziemlich allein, nur alle heiligen Zeiten kommt einmal in Auto. Rechts und links ist sehr viel Wasser mit unzähligen kleinen Inseln - unter dem Strich scheint es hier weit mehr Wasser als Land zu geben - bisher die landschaftlich attraktivste Strecke.
Noch vor dem Ortskern (so es hier einen solchen überhaupt gibt, nach meinen bisherigen Erfahrungen bin ich skeptisch geworden) wird dann eine Entscheidung hinsichtlich der weiteren Route abverlangt: Straße Nr. 409 oder rote Hauptstraße Nr. 13 ? (beide kommen dann wieder zusammen). Ich entscheide mich für die niederrangigere Straße, die als landschaftlich besonders schön auf der Karte vermerkt ist. Die Seenlandschaft ist auch weiterhin interessant - nur wird es spürbar hügeliger. Nach einer kurzen Abfahrt zu einem Bach erreicht man die Mauern einer alten Burg direkt am See und ab da geht es - zu meiner Überraschung - unasphaltiert weiter.
Kurz vor Suomenniemi ist dann der Spuk vorbei, es geht wieder auf Asphalt weiter. Der Ort hat, obwohl auf der Karte nicht größer eingezeichnet als die anderen, die ich heute passiert habe, überraschenderweise sogar so was wie Infrastruktur - Einkaufsmöglichkeit und ein kleines Gasthaus.
|
|
Um 8 Euro wird heute ein Gericht mit geschnetzeltem Fleisch und Dillkartoffeln angeboten (man kann sich nehmen, soviel man will, Kaffee ist auch inkludiert). Auf den Nebentischen sind ein paar finnische Underdogs aus den tiefen Wäldern ringsum - könnten einen Kaurismäki-Film entsprungen sein - mit ihren kleinen Bierflaschen beschäftigt, ich werde bei meiner Nahrungsaufnahme in Ruhe gelassen. Noch scheint die Sonne, aber ringsum ist es schon ziemlich bewölkt.
Der Regen steigert sich zu einem richtigen Gewitter mit Blitz und Donner - unter dem Vordach des Rasthauses samt angeschlossenem kleinen Supermarkt unterhalte ich mich einstweilen mit einem jungen Finnen, der in der Nähe das Wochenende verbringt und dessen Freunde gerade im Laden mit dem Ankauf der kleinen Bierflaschen beschäftigt sind.
Auf meinem Seitenstreifen fahrend scheine ich aber niemanden zu stören. Nach der Abzweigung der Straße Nr. 6 geht es - wieder auf legal zu befahrender Landstraße - längere Zeit leicht bergauf - an einem Kiosk auf einem Parkplatz leiste ich mir noch einen Nachmittagskaffee - 1,5 Euro im Kombiangebot mit einem Krapfen - ist doch leistbar. 15
km vor Lathi wird die Straße neuerlich zur Schnellstraße - ich bin
ja wirklich gewillt, diese vorschriftsgemäß mit dem Rad zu verlassen
(entsprechende Tafel steht auch dort), nur bin ich mir nicht sicher, ob die parallel
verlaufende alte Straße auch tatsächlich nach Lathi führt - wie
so oft in Finnland sind auch hier nur auf der Hauptstraße weiter entfernte
Ziele angeschrieben, die anderen Straßen dienen nur dem Lokalverkehr und
auf den Wegweisern sind nur die nächstgelegenen kleinen Ortschaften (die
auf meiner Karte gar nicht eingezeichnet sind) bezeichnet.
|
| LATHI - ESPOO |
|
Für heute Abend habe ich in Espoo nahe Helsinki im dortigen Hostel ein Zimmer reserviert und beabsichtige, die Stadt von Westen zu erreichen - die Hauptstadt ist dann morgen dran.
Die jetzt folgende Straße Nr. 25 ist letztendlich eine Sackgasse, endet sie doch im Ort Hanko direkt an der Ostsee. Sie ist gut ausgebaut (breiter Seitenstreifen) und führt wieder durch jede Menge kleiner Hügel - beidseitig der Straße sind immer wieder Steinbrüche und Schottergruben, die Landschaft ist hier nicht mehr so attraktiv und kurz vor Nummela (120 km) liebäugle ich dann mit einem Mittagessen. Überraschenderweise steht an der Kreuzung mit der Straße Nr. 2 nicht die von mir fix eingeplante Tankstelle mit Gasthaus, dafür gibt es rechter Hand einen riesigen Chinesenmarkt, mit chinesischem Restaurant - heute aber geschlossen. Entschädigt werde ich mit einer wirklich guten Pizzeria im Ort, die um 6 Euro + Getränk und Kaffee gratis die Pizza des Tages offeriert, in der Sonne lässt es sich hier angenehm im Vorgarten sitzen. Wieder
am Rad fahre ich ein paar Kilometer die Straße Nr. 2 Richtung Helsinki,
bis diese in die Autobahn mündet und ich auf die gelb eingezeichnete Straße
Nr. 110 geleitet werde, auf dieser ich friedlich vor mich hin radeln kann. Zwei
Rennradler überholen mich, aber bei der nächsten Steigung bin ich ohne
besondere Anstrengung wieder vor ihnen. Überhaupt ist auf dieser Straße
ziemlich starker Radverkehr und je näher ich dem Großraum Helsinki
komme, desto wichtiger wird die Frage, in welche Richtung jetzt weiterfahren (laut
Prospekt ist mein Hostel 12 km westlich des Stadtzentrums von Espoo).
Bei manchen Radwegkreuzungen stehen aber blaue Schilder mit Kilometerangaben zu den einzelnen Stadtteilen und irgendwann habe ich dann auch - mit noch ein paar Mal fragen - mein Quartier gefunden. Das "Budget Hotel Matinlahti" ist aber gar nicht so budget - entgegen der telefonischen Preisauskunft kostet das Einzelzimmer 61 Euro - einen Schlafsaal gibt es für 20 Euro aber auch. Da noch gut gesättigt werde ich den Mehrpreis beim Essen einsparen und ziehe mich mit einem Sandwich (mehr bietet das Hotel nicht) in mein - für finnische Begriffe - recht luxuriöses Zimmer zurück und betrachte im TV wieder einmal das offenbar allabendlich stattfindende Eishockeymatch. |
|
|
| ESPOO
- Flughafen über HELSINKI Zentrum |
| Das üppige Frühstücksbuffet würde für mehr Kilometer reichen, als ich für heute geplant habe - viel gibt es nicht zu radeln - am frühem Nachmittag sollte ich am Flughafen sein, vorher steht noch die Stadtbesichtigung von Helsinki an. Dieser (wie immer) nur locker verbaute Stadtteil von Espoo besteht aus Einfamilien- und Reihenhäusern, grenzt direkt ans Meer und ist mit einem Netz von (teilweise nur gewalzten) Radwegen durchzogen - hier muss man sich einmal zurecht finden. Ich schließe mich einfach einem Lehrer an, der mit seinem Stadtrad auf dem Weg zur Schule ist und der mich kreuz und quer durch das Siedlungsgebiet zu dem Radweg entlang der Autobahn leitet - ab da ist die Orientierung nicht mehr schwer. Die Bucht zwischen Espoo und Helsinki wird auf einer Brücke überquert, dann geht es durch einen auf einer Insel gelegenen Stadtteil - hier an der Hauptstraße habe ich das einzige ernstzunehmende Radgeschäft bisher (mit auch höherwertigem Angebot) entdeckt, dann noch über eine Brücke und schon empfängt einen die Innenstadt mit großen Backsteingebäuden, scheint sich um das Fernheizwerk, eine alte Kabelfabrik (die heute als Kulturzentrum dient) und Hafengebäude zu handeln. Ich halte mich immer auf dem Radweg am Meer entlang - manchmal regnet es kurz und auch der Wind ist recht kräftig, aber es gibt viel zum Schauen (12 km ab Espoo bis ins Zentrum).
Mein großzügiger Zeitpolster erlaubt mir noch, mich in der Umgebung des Abfertigungsgebäudes nach Verpackungszutaten für mein Rad umzusehen - bei einem Autoreparaturbetrieb bekomme ich dann ein paar Bahnen Karton geschenkt. Für einen Rückflug ungewohnt professionell verpackt übergebe ich dann mein Rad der Obhut des Bodenpersonals - es ist wieder einmal unbeschadet angekommen. |
| |