Rad - Reiseberichte Finnland



R e i s e b e s c h r e i b u n g :

KARTE
1. Tag:
HELSINKI (Flughafen) - PORVOO
50 km, 300 hm

2. Tag:

PORVOO - LAPPEENRANTA

206 km, 950 hm

3. Tag:

LAPPEENRANTA - LATHI

214 km, 1.200 hm

4. Tag:

LATHI - ESPOO

158 km, 780 hm

5. Tag:

ESPOO - HELSINKI Zentrum - Flughafen

48 km, 120 hm

Beschreibung der T a g e s t o u r e n :


HELSINIKI (Flughafen) - PORVOO

Der Flug nach Helsinki findet leider in zwei Etappen statt - ein mehrstündiger Zwischenaufenthalt in Berlin-Tegel ist inkludiert. Eine Runde durch das wabenförmige Gebäude ist schnell gedreht - interessant ist nur die Buch- und Zeitschriftenhandlung, hier kann man einige Zeit verbringen. Gut, dass vor dem Eingang in einem alten S-Bahn-Waggon ein Imbissstand etabliert ist, so komme ich in den Genuss einer Berliner Currywurst - nicht die optimale Sporternährung, aber wenn man schon mal da ist...
In Helsinki klappt alles vorzüglich - und nach dem routinierten Zusammenbau des kartonverpackten Rades, das den Flug wieder mal heil überstanden hat, radle ich aus dem Gelände und zu meiner Überraschung ist das Wetter trotz der schlechten Vorhersage so übel gar nicht, nur der Nordwestwind weht ziemlich stark - also wähle ich die östliche Tourvariante Richtung russischer Grenze.

Sofort fallen die luxuriös ausgebauten und gut asphaltierten straßenbegleitenden Radwege auf - in Flughafennähe gibt es noch ein paar Bürogebäude und ein riesiges Einkaufszentrum, auf der Straße Richtung Norden erreicht man aber sofort aufgelockert bebautes Gebiet - und es geht auch gleich bergauf/bergab. Allerdings schneidet Straße und Radweg immer durch die höchste Erhebung des Hügels - für ein paar Meter stehen rechts und links leicht rötlich schimmernde Felsen - das soll in den nächsten Tagen zum gewohnten Bild werden.

Auf dem Radweg ist (wie auch auf der Straße) reger Verkehr, auch nach der Abzweigung Richtung Sipoo ändert sich daran nichts, gehört halt alles noch zum Großraum Helsinki. Bei einem Kindergarten neben dem Radweg kann ich endlich meine Radflasche auffüllen.

Bald fährt man dann schon durch das ländliche Finnland, auch das erste Elch-Warnschild steht am Straßenrand. Hie und da stehen in bunten Farben gestrichenen Holzhäuser, viele von ihnen ohne Gartenzaun - ein ungewohnter Anblick für den geborenen Mitteleuropäer. Obwohl nicht in Schweden, erinnert vieles an die alten Pippi Langstrumpf-Filme - und da ist selbige auch schon - sogar in doppelter Ausführung : ich überhole zwei radelnde Teenager in schwarz-weiß-gestreiften Overknees, diese zusätzlich noch mit dem Piratensymbol versehen - keine Ahnung, zu welcher Jugendbewegung die gehören...

Am Ortsrand vor Sipoo (24 km) fällt sofort eine auf freiem Feld stehende Kirche auf, in kurzer Entfernung an der Straße dann eine weitere aus Stein - scheint eine ziemliche Touristenattraktion zu sein, mehrere Reisebusse halten davor und alle (auch ich) fotografieren eifrig.

Das Ortszentrum besteht eigentlich nur aus ein paar Kreuzungen und hässlichen Betongebäuden, in einem davon ist ein Selbstbedienungs-Cafe untergebracht, das einen ziemlich armselig-billigen Eindruck macht - nur die Getränke sind gar nicht billig, so zahle ich 2,50 für einen Cafe Latte aus dem Automaten. Vor dem Cafe sind einige ältere Männer mit einem beliebten finnischen Volkssport, nämlich dem Trinken aus kleinen Bierflaschen und dem Zigarettenrauchen (alle Lokale scheinen rauchfrei zu sein) beschäftigt und beachten mich weiter nicht.

Wieder am Rad beginnt es leicht zu nieseln, aber bevor ich mich entschließe, meine Regenausrüstung ins Gefecht zu werfen, ist der Spuk auch schon wieder vorbei. Schon ein paar Kilometer vor Porvoo - dem heutigen Übernachtungsort - fällt direkt neben der Straße das Motel "On Line" auf - wird mit später noch gute Dienste leisten. Ab hier geht es wieder auf dem Radweg neben der Straße ins Zentrum, das von mir vorerst aber nur schnell durchquert wird, weil ich das örtliche Hostel, in einer netten alten Holzvilla am Stadtrand untergebracht, erreichen möchte.

Zu meiner Überraschung ist das aber schon voll - immerhin wird mir ein Ortsprospekt mit Zimmerverzeichnis ausgehändigt und eine telefonische Nachfrage im Motel ergibt, dass dort noch was frei ist - also vorerst einmal wieder zurück, Gepäck abgeladen und Zimmer bezogen und dann auf gleicher Strecke erneut ins Zentrum. In dem Prospekt wird eine Runde zu Fuß durch die Altstadt empfohlen - ich möchte sie mit dem Rad absolvieren und stoße schon nach der alten Brücke bergauf in Richtung Kirche an die Grenzen - auf dem durch das Nieseln feuchten Kopfsteinplaster schiebe ich lieber und muss das auch weiterhin tun, weil die engen Gassen teilweise aus blankem Fels bestehen, der schon per pedes verdammt rutschig ist.

Auch Rad schiebend lohnt sich der kleine Spaziergang durch die Gassen mit dem bunten Holzhäusern und vor der (wegen der Renovierung nach einem Brand vollständig eingerüsteten Kirche) eröffnet sich eine überraschende Abendessen-Option: aus einer kleinen Nebenkirche ertönt seltsamer Gesang und am Platz davor ist ein Verkaufsstand aufgebaut - mit Zelt überdachte Bänke gibt es auch - also Rad abgestellt und mal geschaut, was es hier so gibt. Für 5 Euro leckere Lachssuppe mit Brot, alkoholfreies Getränk inkludiert, von allem so viel man will.

Während ich einen Teller Suppe nach der anderen löffle und nachher noch zwei Krapfen a 1 Euro vertilge, ist der Gesang schon vorbei und die mitwirkenden jungen Damen und Herren werden mit anhaltendem Applaus bedacht. Angesichts der sonstigen Essensoptionen im Ort (zwei nett aussehende, aber sündteure Restaurants und sonst nur Fastfood-Chunk) bleibt mir die Gewissheit, nicht schlecht gewählt zu haben.

Mittlerweile ist es schon dämmrig und ich nehme für die Fahrt zum Motel mein Rücklicht in Betrieb - da sie aber vollständig auf beleuchteten Radwegen abseits der Straße verläuft, wäre nicht einmal das notwendig gewesen. Der schöne Sonnenuntergang lässt mich für morgen auf gutes Wetter hoffen. Befürchtungen, in meinem straßenseitig gelegenen Zimmer würde ich in der Nacht Verkehrslärm hören, haben sich nicht bewahrheitet.

PORVOO - LAPPEENRANTA
Die Finnen scheinen Frühaufsteher zu sein, denn Frühstück gibt es schon ab 6 Uhr - kommt mir recht entgegen, ich habe heute einiges vor. Zum fünften Mal in den letzten 12 Stunden überquere ich den Fluss Porvoonjoki, dann die Hauptstraße entlang durch das Neubauviertel und nach einem Kilometer bin ich auch schon wieder draußen aus dem Ort. Die parallel führende Autobahn nimmt den meisten Verkehr auf, sodass ich auf der Landstraße unbelästigt radeln kann. Wald und Felder wechseln ständig, nur flach ist es nicht - wirklich eben geht es kaum mal. Stört aber nicht weiter, weil mich der Nordwestwind auch heute wieder vorantreibt.
Diese Straße ist schon seit Jahrhunderten die Verbindung nach St. Petersburg und ist auch als historische Route mit braunen Tafeln mit dem Symbol einer Krone gekennzeichnet. In Lovisa (45 km) geht es für ein paar Meter direkt neben der Ostsee dahin, auf der anderen Straßenseite stehen die Reste einer alten Festung. Leider ist hier auch die Autobahn zu Ende, sodass ich die Straße fortan mit dem (Schwer)verkehr teilen muss - allerdings gibt es einen breiten Seitenstreifen, auf dem ich relativ unbehelligt fahren kann. Viele auf meiner Karte eingezeichneten Ortschaften fallen als solche gar nicht auf, meist scheint es sich um weitreichende Streusiedlungen zu handeln, immer wieder zweigen beschilderte Seitenwege von der Hauptstraße ab.
In Kotka (91km) ist man wieder am Meer und ich radle um die ganze Bucht herum und von Süden ins Zentrum. Wo sich selbiges befindet, ist gar nicht so leicht auszumachen - ich betrachte eine Parkanlage mit ein paar Marktständen davor als solches. Abgesehen von einem älteren Turm auf einem Hügel und je einer Backstein- und Holzkirche ist hier nicht viel Sehenswertes, also weiter.

Starker Verkehr hier auf den Straßen, gut, dass es bis Hamina (119 km), meinem nächsten Ziel, einen durchgehend beschilderten breiten Radweg gibt, der ohne nennenswerte Umwege verläuft. Bei der Stadteinfahrt ankern ein paar Schiffe - einige scheinen schon älter zu sein (zumindest macht es auf mich Landratte diesen Eindruck) und rund ums Zentrum passiert man noch alte Festungsmauern - der Stadtkern ist rondellförmig rund ums Rathaus angelegt. Offenbar sind und waren hier immer schon Soldaten stationiert, eine Marketenderin wurde sogar ein eigenen Denkmal gesetzt - die Garnison scheint mit der Verpflegung sehr zufrieden gewesen zu sein.

Auch ich kümmere mich um meine Verpflegung und ordere im örtlichen China-Restaurant das (günstige) Tagesgericht - eine ziemliche Portion, die mir wieder einige hungerastfreie Kilometer ermöglichen wird.

Noch ein paar Kilometer durch den Ort und dann geht es auf der recht stark befahrenen Hauptstraße Nr. 26 durch dichte Wälder im steten Auf und Ab weiter - die finnischen Auto- und Lastwagenfahrer sind aber ziemlich rücksichtsvoll. Weniger rücksichtsvoll sind die Fahrer der vielen Lastzüge mit russischem Kennzeichen - der breite Seitenstreifen entspannt aber die Situation.

Luumäki an der Kreuzung mit der Straße Nr. 6 soll nach meiner Karte ein größerer Ort sein, aber auch hier müsste man offenbar in das abseits gelegene Zentrum fahren, darauf kann ich verzichten. Es folgen ein paar weniger interessante Kilometer, der in der Straßenkarte nördlich eingezeichnete See kommt wegen dem dichten Wald gar nicht ins Blickfeld.

Kurz vor Lappeenranta wird die Straße dann wieder autobahnbreit und ich habe den kompletten Pannenstreifen zur Verfügung. Bei der Abfahrt in den Ort dann die ersten finnischen PolizistInnen, denen ich ansichtig werde - hab bis dahin gar nicht gewusst, wie die überhaupt ausschauen (blaue Uniformen mit gelben Warnwesten drüber). Hier im Ort treten sie aber so gehäuft auf, dass es einer Erklärung bedarf - und die bekomme ich auch von dem ersten einheimischen Rennradler, den ich treffe - derzeit ist hier EU-Ministertreffen (Finnland hat ja den Ratsvorsitz inne) - deshalb die viele Polizei.

Der Rennradler bringt mich direkt zu meinem gewählten Übernachtungsquartier im Finnhostel "Lappeenranta", zu meiner Überraschung ist aber auch hier alles voll (hängt vielleicht auch mit dem EU-Treffen zusammen). Am angrenzenden Campingplatz werden aber kleine Holzhütten (ohne Dusche und WC) mit (zumindest für Einzelreisende fragwürdigem Preis/Leistungsverhältnis) vermietet - angesichts der fortgeschrittenen Tageszeit und der offenbar hoffnungslosen Suche in anderen örtlichen Hotels schlage ich zu.

Gepäcklos radle ich dann ins Zentrum (das hier sogar seine Bezeichnung verdient) und finde eine Pizzeria mit radspezifischen Angebot: man zahlt einmal 8 (bzw. mit Eis vom Automaten als Nachspeise 9) Euro und kann essen und alkoholfrei trinken, soviel man will - nach einer 200 km-Etappe genau richtig. Zusätzlich zur Pizza gibt es Lasagne, Fleischbällchen, Salat - wahrscheinlich werden die Preise nach meinem Auftritt hier neu kalkuliert werden.

Für die Dusche stehen die Einrichtungen am um diese Jahreszeit schon ziemlich leeren, aber schön gelegenem Campingplatz zur Verfügung. Ich suche mir in der 4-Bett-Hütte ein Stockbett aus und schlafe gut gesättigt gleich ein.

LAPPEENRANTA - LATHI
Ein wunderschöner, windstiller Morgen und ein gutes Frühstücksbuffet sind optimale Voraussetzungen für einen gelungenen Radtag - die Nebenstraße Nr. 408 durch die südlichen Ausläufer des zentralfinnischen Seengebietes erreiche ich mit Hilfe eines einheimischen Radlers, der mir eine Abkürzung mitten durch Militärgelände zeigt.

Besonders geheim scheint es hier nicht zuzugehen, da neben den sich anbrüllen lassen müssenden Rekruten recht reger Fußgänger- und Radverkehr stattfindet.

Mit jeden Kilometer weg von Lappeenranta nimmt der Verkehr ab und bald bin ich auf der gut ausgebauten Straße ziemlich allein, nur alle heiligen Zeiten kommt einmal in Auto. Rechts und links ist sehr viel Wasser mit unzähligen kleinen Inseln - unter dem Strich scheint es hier weit mehr Wasser als Land zu geben - bisher die landschaftlich attraktivste Strecke.

Größere Festlandmasse wird erst wieder kurz vor Savitaipate erreicht - die auf der Karte verzeichnete Abkürzung über Nebenstraße gleich zur Straße Nr. 409 nehme ich aber nicht, da es gleich nach der Abzweigung ohne Asphalt weitergeht.

Noch vor dem Ortskern (so es hier einen solchen überhaupt gibt, nach meinen bisherigen Erfahrungen bin ich skeptisch geworden) wird dann eine Entscheidung hinsichtlich der weiteren Route abverlangt: Straße Nr. 409 oder rote Hauptstraße Nr. 13 ? (beide kommen dann wieder zusammen).

Ich entscheide mich für die niederrangigere Straße, die als landschaftlich besonders schön auf der Karte vermerkt ist. Die Seenlandschaft ist auch weiterhin interessant - nur wird es spürbar hügeliger. Nach einer kurzen Abfahrt zu einem Bach erreicht man die Mauern einer alten Burg direkt am See und ab da geht es - zu meiner Überraschung - unasphaltiert weiter.

Die gewalzte Erdstraße ist auch mit Rennradbereifung gut zu fahren, wären da nicht die vielen Ab- und Auffahrten - ausgerechnet dort liegen oft Steine, die absolut vorsichtiges Fahren notwendig machen - mit dieser Verzögerung habe ich nicht gerechnet. Und es gibt kaum einen ebenen Meter auf dieser Straße - entweder rauf oder runter.

Kurz vor Suomenniemi ist dann der Spuk vorbei, es geht wieder auf Asphalt weiter. Der Ort hat, obwohl auf der Karte nicht größer eingezeichnet als die anderen, die ich heute passiert habe, überraschenderweise sogar so was wie Infrastruktur - Einkaufsmöglichkeit und ein kleines Gasthaus.


Vor dem Erreichen der Hauptstraße muss noch das Nordende des großen Sees umfahren werden, dann auf der Straße Nr. 13 zwei Kilometer nach Süden (gleich bei der Kreuzung Tankstelle mit Einkaufsmöglichkeit) und schon wieder nach Westen abgezweigt und verkehrsfrei unterwegs (Straße 381). Durch Waldgebiet geht es ein paar Kilometer bis zur nächsten Hauptstraße Nr. 215, hier an der Kreuzung ist wieder eine Tankstelle und ein Gasthaus mit kleinem Laden (87 km).

Um 8 Euro wird heute ein Gericht mit geschnetzeltem Fleisch und Dillkartoffeln angeboten (man kann sich nehmen, soviel man will, Kaffee ist auch inkludiert). Auf den Nebentischen sind ein paar finnische Underdogs aus den tiefen Wäldern ringsum - könnten einen Kaurismäki-Film entsprungen sein - mit ihren kleinen Bierflaschen beschäftigt, ich werde bei meiner Nahrungsaufnahme in Ruhe gelassen. Noch scheint die Sonne, aber ringsum ist es schon ziemlich bewölkt.

Es sind noch einige Kilometer bis zu meinem heutigen Tagesziel in Lahti - im dortigen Hostel habe ich schon in der Früh telefonisch ein Zimmer reserviert, um mir Stress zu ersparen - und beschließe, auf möglichst kurzem Weg unter Benutzung der Hauptstraße dorthin zu reisen.
Außerdem ist jetzt spürbarer Südwind, also lieber gleich beissen und auf der Straße 15 gegen den Wind kämpfen.
Obwohl als Hauptstraße eingezeichnet, ist hier wenig Verkehr - eigentlich könnte ich rundum zufrieden sein - die vielen Waldstücke bieten Windschutz, guter Asphalt, breiter Seitenstreifen, immer leicht auf und ab verlaufend - aber: die Wolken verdichten sich von Minute zu Minute und bald beginnt es auch schon zu tröpfeln. Nach meinen bisherigen Erfahrungen mit den finnischen Schauern gedenke ich in der Hoffnung auf sein baldiges Ende auch diesen zu ignorieren, allerdings gibt sich der nicht leicht geschlagen: schon 1 km später bin ich im Regengewand samt Überschuhen verpackt und nach einem weiteren km beginnt es richtig zu schütten - und der Regen wird weiter stärker. In der de facto unbesiedelten Gegend gibt es natürlich keinerlei Unterstellmöglichkeit, doch taucht plötzlich die rettende Tankstelle samt Rasthaus auf - auch viele Motorrad- und Autofahrer unterbrechen hier ihre Fahrt.

Der Regen steigert sich zu einem richtigen Gewitter mit Blitz und Donner - unter dem Vordach des Rasthauses samt angeschlossenem kleinen Supermarkt unterhalte ich mich einstweilen mit einem jungen Finnen, der in der Nähe das Wochenende verbringt und dessen Freunde gerade im Laden mit dem Ankauf der kleinen Bierflaschen beschäftigt sind.

Überraschend schnell ziehen die Regenwolken weiter und bald scheint sogar wieder die Sonne - allerdings habe ich eine knappe Stunde verloren und werde daher weiter auf der Hauptstraße bleiben - die Fahrbahn scheint rasch aufzutrocknen (Alternative wäre die Nebenstraße Nr. 369 bzw. 363 nach Lathi gewesen, aber was, wenn die nach dem Starkregen nicht durchgehend asphaltiert ist ?).

Kurz vor Kouvola mache ich dann noch den Fehler, auf die mit "Helsinki" beschriftete Autostraße abzuzweigen, die eine Ehrenrunde um den Ort dreht und zu meinem Verdruss in eine autobahnähnlich ausgebaute Schnellstraße mündet - hier ist Radeln sicher verboten.

Auf meinem Seitenstreifen fahrend scheine ich aber niemanden zu stören. Nach der Abzweigung der Straße Nr. 6 geht es - wieder auf legal zu befahrender Landstraße - längere Zeit leicht bergauf - an einem Kiosk auf einem Parkplatz leiste ich mir noch einen Nachmittagskaffee - 1,5 Euro im Kombiangebot mit einem Krapfen - ist doch leistbar.

15 km vor Lathi wird die Straße neuerlich zur Schnellstraße - ich bin ja wirklich gewillt, diese vorschriftsgemäß mit dem Rad zu verlassen (entsprechende Tafel steht auch dort), nur bin ich mir nicht sicher, ob die parallel verlaufende alte Straße auch tatsächlich nach Lathi führt - wie so oft in Finnland sind auch hier nur auf der Hauptstraße weiter entfernte Ziele angeschrieben, die anderen Straßen dienen nur dem Lokalverkehr und auf den Wegweisern sind nur die nächstgelegenen kleinen Ortschaften (die auf meiner Karte gar nicht eingezeichnet sind) bezeichnet.

Nachdem ich also wieder auf die Schnellstraße aufgefahren bin habe ich dann festgestellt, dass in diesem Fall tatsächlich die alte Straße die bessere Wahl gewesen wäre, die führt wirklich bis Lathi. Nach Überqueren der Autobahn Helsinki-Lathi-Heinola bin ich aber wieder legal unterwegs und die schon von weitem sichtbaren Sprungschanzen kündigen das Erreichen des Stadtgebietes an.

Mein Hostel ist auf Anhieb gefunden - das Einbettzimmer hat nur den Nachteil, dass ein Lüften de facto unmöglich ist - das Hauptfenster lässt sich nicht öffnen und der kleine Spalt daneben ist mit einem Stück zugeschnittener Tellwolle verdeckt. Hat es schon beim Eintreten im Zimmer nicht gut gerochen, riecht es mit der im Regen nass gewordenen und verschwitzten Radwäsche zum Trocknen aufgehängt drinnen noch schlechter, sodass ich froh bin, nach der Dusche in Richtung örtliche Pizzeria flüchten zu können.


LATHI - ESPOO


Im Hostel gibt es (sonntags) Frühstück erst ab 8.30 - das ist mir zu spät, deshalb habe ich mir im Lebensmittelladen gleich daneben schon gestern ein Frühstück zusammengekauft - nur auf das warme Getränk muss ich halt verzichten - kann man ja nachholen.

Einzige mir aufgefallene Attraktion in Lathi ist das (nicht-nur-Schi)Stadion, in das der Auslauf der drei verschieden großen Sprungschanzen mündet. Das ganze Areal scheint dem Sport gewidmet - Langlaufloipen führen in die Umgebung, Fitness-Studios, ein Schi-Museum und Denkmäler für Langläufer und Schispringer findet man rund ums Stadion. Und die Nordic-Walker brechen schon zu ihrer Sonntags-Vormittags-Tour auf.

Für heute Abend habe ich in Espoo nahe Helsinki im dortigen Hostel ein Zimmer reserviert und beabsichtige, die Stadt von Westen zu erreichen - die Hauptstadt ist dann morgen dran.

Die auf meiner Karte als rot eingezeichnete Hauptstraße Nr. 54 habe ich heute fast alleine, allerdings fahre ich gegen den Wind, der heute noch etwas stärker als am Vortag bläst und prompt wieder einen kurzen Schauer bringt - den kann ich aber ohne ausgepackten Regengewand überstehen.

Kurz vor Rihimäki biete sich dann eine Abkürzung über die Straße Nr. 290 gleich nach Hyvinkää an - die Straße führt bis in den Ort fast durchwegs im dichten Wald und damit ist auch der Gegenwind kein wirkliches Problem.

In Hyvinkää (70 km) werde ich des ersten Fahrradfachgeschäftes in Finnland ansichtig und gönne mir in einer Konditorei ein paar Becher Kaffee - bezahlt wird wieder per Pauschalbetrag (1,50, auch wenn man literweise trinkt). Hätte ich einen Blick in meinen Reiseführer geworfen, dann wäre mir das in diesem Ort etablierte Eisenbahnmuseum sicher einen Abstecher wert gewesen, andere Sehenswürdigkeiten sind mir hier nicht aufgefallen.

Die jetzt folgende Straße Nr. 25 ist letztendlich eine Sackgasse, endet sie doch im Ort Hanko direkt an der Ostsee. Sie ist gut ausgebaut (breiter Seitenstreifen) und führt wieder durch jede Menge kleiner Hügel - beidseitig der Straße sind immer wieder Steinbrüche und Schottergruben, die Landschaft ist hier nicht mehr so attraktiv und kurz vor Nummela (120 km) liebäugle ich dann mit einem Mittagessen. Überraschenderweise steht an der Kreuzung mit der Straße Nr. 2 nicht die von mir fix eingeplante Tankstelle mit Gasthaus, dafür gibt es rechter Hand einen riesigen Chinesenmarkt, mit chinesischem Restaurant - heute aber geschlossen.

Entschädigt werde ich mit einer wirklich guten Pizzeria im Ort, die um 6 Euro + Getränk und Kaffee gratis die Pizza des Tages offeriert, in der Sonne lässt es sich hier angenehm im Vorgarten sitzen.

Wieder am Rad fahre ich ein paar Kilometer die Straße Nr. 2 Richtung Helsinki, bis diese in die Autobahn mündet und ich auf die gelb eingezeichnete Straße Nr. 110 geleitet werde, auf dieser ich friedlich vor mich hin radeln kann. Zwei Rennradler überholen mich, aber bei der nächsten Steigung bin ich ohne besondere Anstrengung wieder vor ihnen. Überhaupt ist auf dieser Straße ziemlich starker Radverkehr und je näher ich dem Großraum Helsinki komme, desto wichtiger wird die Frage, in welche Richtung jetzt weiterfahren (laut Prospekt ist mein Hostel 12 km westlich des Stadtzentrums von Espoo).

Diese Angabe soll sich als falsch herausstellen - tatsächlich liegt es direkt am Meer in südlicher Richtung. Espoo besteht aus mehreren Siedlungskernen, dazwischen fährt man immer wieder durch Felder und Waldgebiete - auf richtigem Kurs bin ich erst, als mir ein einheimischer Radler an Hand eines neben dem Radweg stehenden Stadtplanes die ungefähre Lage erklärt.

Immerhin kann man ab Stadtgrenze den ganzen Großraum verkehrsfrei am Radweg durchqueren - Probleme gibt es nur dann, wenn Kreuzungen oder Autobahnen über- oder unterquert werden müssen, da ist der Ortsunkundige schwer im Nachteil.

Bei manchen Radwegkreuzungen stehen aber blaue Schilder mit Kilometerangaben zu den einzelnen Stadtteilen und irgendwann habe ich dann auch - mit noch ein paar Mal fragen - mein Quartier gefunden.

Das "Budget Hotel Matinlahti" ist aber gar nicht so budget - entgegen der telefonischen Preisauskunft kostet das Einzelzimmer 61 Euro - einen Schlafsaal gibt es für 20 Euro aber auch. Da noch gut gesättigt werde ich den Mehrpreis beim Essen einsparen und ziehe mich mit einem Sandwich (mehr bietet das Hotel nicht) in mein - für finnische Begriffe - recht luxuriöses Zimmer zurück und betrachte im TV wieder einmal das offenbar allabendlich stattfindende Eishockeymatch.


ESPOO - Flughafen über HELSINKI Zentrum

Das üppige Frühstücksbuffet würde für mehr Kilometer reichen, als ich für heute geplant habe - viel gibt es nicht zu radeln - am frühem Nachmittag sollte ich am Flughafen sein, vorher steht noch die Stadtbesichtigung von Helsinki an.

Dieser (wie immer) nur locker verbaute Stadtteil von Espoo besteht aus Einfamilien- und Reihenhäusern, grenzt direkt ans Meer und ist mit einem Netz von (teilweise nur gewalzten) Radwegen durchzogen - hier muss man sich einmal zurecht finden. Ich schließe mich einfach einem Lehrer an, der mit seinem Stadtrad auf dem Weg zur Schule ist und der mich kreuz und quer durch das Siedlungsgebiet zu dem Radweg entlang der Autobahn leitet - ab da ist die Orientierung nicht mehr schwer. Die Bucht zwischen Espoo und Helsinki wird auf einer Brücke überquert, dann geht es durch einen auf einer Insel gelegenen Stadtteil - hier an der Hauptstraße habe ich das einzige ernstzunehmende Radgeschäft bisher (mit auch höherwertigem Angebot) entdeckt, dann noch über eine Brücke und schon empfängt einen die Innenstadt mit großen Backsteingebäuden, scheint sich um das Fernheizwerk, eine alte Kabelfabrik (die heute als Kulturzentrum dient) und Hafengebäude zu handeln. Ich halte mich immer auf dem Radweg am Meer entlang - manchmal regnet es kurz und auch der Wind ist recht kräftig, aber es gibt viel zum Schauen (12 km ab Espoo bis ins Zentrum).

Schnell ist das südliche Ende der Stadt mit dem Yachthafen erreicht, auf den vielen kleinen Inseln davor stehen auch Gebäude, man umrundet eine große Parkanlage und kommt dann direkt in den Südhafen, von dem aus auch die Fährschiffe ins Baltikum auslaufen. Die Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt konzentrieren sich alle auf einem Quadratkilometer:
Direkt am Hafen die alten Markthalle, der Markt, rechts eine orthodoxe Kathedrale und hinter der Hauptstraße dann der Touristenauflauf um den Dom, die Universität und das Regierungsgebäude, alles im klassizistischem Baustil.

Nach der Ehrenrunde (teils auf Kopfsteinplaster) um die Gebäude gibt es im Nordhafen ein paar alte Segelschiffe zu betrachten, finde ich fast interessanter, als die Bauwerke.
Über eine Brücke erreiche ich einen weiteren großen Marktplatz, da ich ausreichend Zeit habe, greife ich wieder auf ein Kaffee+Krapfen-Angebot zurück.

Nördlich des Botanischen Gartens geht es dann durch einen Park über eine Eisenbahnbrücke, am Wasser stehen alte aus Holz gebaute Villen.

Ab hier ist es mit der Großstadt schon wieder ziemlich vorbei, nördlich vom Olympiastadion radelt man bald im dichten Wald und muss sich den Weg nur mit ein paar Radlern und Joggern teilen. Helsinki ist wirklich eine besondere Hauptstadt - wo sonst ist man 3 km vom Zentrum mitten in der Wildnis? Ich halte mich einfach Richtung Norden, kann nicht sehr falsch sein. Hie und da zweigen vom Hauptweg beschilderte Wege zu Siedlungen ab, dann wird der Autobahnring unterquert und bald erreicht man einen kleinen Hügel, der offenbar im Winter als Schi- und Snowboardarena dient und einen Golfplatz. Auf dem Parkplatz steigen gerade zwei Frauen, die sich zu ihrer Nordic-Walking-Tour bereitmachen (könnten eigentlich gleich von zu Hause wegwalken, viel ist hier nicht los), aus ihren Autos und ich erkundige mich nach dem Weg zum Flughafen und nehme beruhigt zur Kenntnis, dass ich ziemlich richtig liege.

Ein paar Kilometer weiter wurde ein neue Siedlung mit mehrstöckigen Häusern hochgezogen und ein Mega-Einkaufszentrum ist auch gleich daneben. Da ich noch viel Zeit habe, böte sich noch ein Imbiss an, mit dem Rad möchte ich aber nicht in den Shopping-Tempel rein.
Gut, dass da an der Ecke ein Fastfood-Lokal mit zwar nicht idyllischer, aber doch vorhandener Terrasse.

Der Flughafen ist in der Nähe und ab hier beschildert - ich erreiche ihn über das Luftfahrtmuseum, auf dessen Parkplatz eine alte MIG und ein verrosteter Radarschirm stehen.

Mein großzügiger Zeitpolster erlaubt mir noch, mich in der Umgebung des Abfertigungsgebäudes nach Verpackungszutaten für mein Rad umzusehen - bei einem Autoreparaturbetrieb bekomme ich dann ein paar Bahnen Karton geschenkt.

Für einen Rückflug ungewohnt professionell verpackt übergebe ich dann mein Rad der Obhut des Bodenpersonals - es ist wieder einmal unbeschadet angekommen.