Rad - Reisebericht Marokko mit dem MTB


R e i s e b e s c h r e i b u n g :

KARTE Detail / Übersicht
1. Tag:
MARRAKESCH Flughaften - Hotel "Gallia"

2. Tag:

MARRAKESCH - TWAMA

102 km, 1.000 hm

3. Tag:

TWAMA - TADDERT (über ABADOU)

95 km, 1.850 hm

4. Tag:

TADDERT - AIT-BENHADDOU

92 km, 1.340 hm

5. Tag:

AIT-BENHADDOU - OUARZAZATE über TIKIRT

56 km, 400 hm

6. Tag:

QUARZAZATE

 

7. Tag:

QUARZATATE - AGDZ über TIZGUI

96 km, 1.250 hm

8. Tag:

AGDZ - ZAGORA

111 km, 500 hm

9. Tag:

 

10. Tag:

27 km, 625 hm

11. Tag:

110 km, 1.350 hm

12. Tag

127 km, 1.850 hm

13. Tag  
14. Tag 114 km, 2.050 hm
15. Tag 112 km, 300 hm
16. - 18. Tag AGADIR

 

B e s c h r e i b u n g   d e r    T a g e s e t a p p e n :

 


MARRAKESCH Flughafen - Hotel "Gallia"

Der Flughafen Marrakesch ist nicht gerade das moderne Aushängeschild Marokkos – eine neue Halle ist aber in Bau. Während des Fußmarsches über das Rollfeld erheitert uns ein Drogenhund, der das gerade einzuladende Gepäck eines abfliegenden Flugszeuges beschnüffeln soll und einen einzeln stehenden Koffer anpinkelt – willkommen in Afrika.

Ein paar von Michl mitgebrachte Werbegeschenke (Halsbänder mit Clip daran) erbettelt sich schon das Reinigungspersonal am Flughafen während des Radzusammenbaus, als Gegenleistung müssen unsere Radkartons entsorgt werden.

Problemlose Einreise- und Zollkontrolle, Bankomat ist auch gleich in der Abfertigungshalle, bei den ersten Tritten am Flughafenzubringer stellt sich leider heraus, dass Michls Schaltauge verbogen ist – es gelingt mir aber, es so zurückzubiegen, dass er schalten kann und wir nicht auf die metallverarbeitenden Betriebe in Marrakesch hoffen müssen.

Auf dem Seitenstreifen einer vierspurigen Straße geht es Richtung Zentrum – an den Staub und die unvermeidlichen Dieselabgase werden wir uns gewöhnen müssen.

Nach ein paar Kilometern ist die vollständig erhalten gebliebene Stadtmauer erreicht und bei einem Nachmittagskaffee orientieren wir uns mal, um das vorgebuchte Hotel schnellstmöglich zu erreichen. Das gelingt auch recht flott, die Räder werden im Innenhof abgestellt und das komfortable Dreibettzimmer bezogen.

Der Djeema El-Fna, zu Deutsch der Platz der Gehenkten, seinerzeit eine Hinrichtungsstätte, heute die wohl größte Freiluftküche der Welt, ist nur ein paar Schritte von unserem strategisch günstig gelegenen Hotel entfernt und so beginnt bei Kaffee und frisch gepresstem Orangensaft ein sanfter Einstieg in die Welt des Orients. Wie die Haie auf die Robben warten am jetzt noch spärlich besuchten Platz die Schlangenbeschwörer, Wasserverkäufer, Affen-in-die-Hand-Drücker und Akrobaten auf die wenigen Touristen. Leider stürzt ein vor einem Straßenkaffee turnender Künstler auf dem staubigen Pflaster und blutet aus einer Kopfwunde – er verzieht sich mit seinem Partner jedoch gleich in eine Seitengasse. Ob er wohl genug Geld für eine Spitalsbehandlung eingenommen hat?

Der riesige Platz bietet eine gute Auswahl an preiswerten Freiluft-Lokalen, jeder Stand beschäftigt einen oder mehrere Anwerber.

Nach unserer ersten marokkanischen Mahlzeit schlendern wir noch durch die Gassen und müssen bei unserem Rückweg ganze Horden von Kindern abschütteln, die uns den Weg zeigen und damit natürlich Geld verdienen möchten. In den engen Gassen gibt es so ziemlich alles zu kaufen was Marokko zu bieten hat – in einer der zahlreichen Schlossereien hätte man sicher auch das verbogene Schaltauge bearbeiten lassen können.

In der einfachen Absicht, einen Tee trinken zu wollen, werden wir von einem kleinen Jungen in ein finsteres Hinterzimmer voll mit einheimischen Männern verschleppt und kommen so auch noch in den "Genuss", einem Fußballspiel der spanischen Primera Division bewohnen zu dürfen. Betis Sevilla besiegt Barcelona nach einem 0:2-Rückstand noch mit 3:2. ;-)

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MARRAKESCH - TWAMA


Mit dem mir dafür eigenen Gespür habe ich schon beim Abendspaziergang eine Konditorei ausfindig gemacht, die a) für südliche Länder schon zur nachtschlafenden Zeit geöffnet hat und b) eine halbwegs befriedigende Auswahl an Süßspeisen hat. Mit dem sicheren Gefühl, in den nächsten Stunden keine Unterzuckerung zu erleiden, verlassen wir die Konditorei, bepacken die Räder und rollen außerhalb der Stadtmauer um Marrakesch auf der Hauptstraße P 24, die auch von Rennradlern und Läufern benutzt wird, zu verlassen.

Auf der genaueren Karte habe ich eine Offroad-Variante ausfindig gemacht, die nach der Kreuzung mit der Straße P 31 Richtung Ouarzazate auch schnell gefunden wird. Vorerst rumpeln wir noch über schlechten Asphalt, bald aber geht die Nebenstraße in eine Piste über, um dann ein wasserloses großes Flussbett zu queren, unsere erste orientierungsmäßige Herausforderung. Nach Oulad Zbir ein paar Asphaltkilometern und wir stärken uns in einem kleinen Laden neben der jetzt wieder erreichten Hauptstraße P 31 und folgen dieser in Respektabstand auf kleinen Fahrwegen und Singletracks über Sidi ben Hamou – die Orientierung hier in der Ebene ist nicht schwer, unsere Fahrmanöver auf den manchmal ausgewaschenen Trails werden von der einheimischen Landbevölkerung verwundert zur Kenntnis genommen.

Nach 48 km finden wir in der Nähe von Ait Ourir direkt an der Hauptstraße eine Hotelanlage mit angeschlossenem Restaurant, wo wir die klassische marokkanische Mahlzeit – Fleischspieße und Tajine (Eintopfgericht mit Gemüse und etwas Hühner- oder Rindfleisch, für Ausdauersportler nur bedingt geeignet) genießen. Ein kurzes Stück zurück und wir radeln auf unbefahrener Nebenstraße bergauf in das Atlas-Vorgebirge bis Tidili Mesfioua, ab hier geht es wieder offroad weiter. Ein schöner Downhill und wir erreichen den ersten wirklich wasserführenden Fluss kurz vor Timezzlit, dort geht es auf Asphalt bergauf, bis wieder die Hauptstraße erreicht ist. Am Ortsanfang von Twama fällt gleich das Hotel „Dar Oudar“ auf – wir werden es später noch brauchen können.

In der Hoffnung, die Abzweigung der Piste ostwärts Richtung Sidi Rahal bald zu finden, radeln wir die Straße Richtung Tizi-n-Ticka ein gutes Stück bergauf, bis wir feststellen müssen, dass die Abzweigung entgegen unserer Karte direkt im Ort sein muss. Also zurück und bei der einzigen Kreuzung des Dorfes abzweigen, die Straße geht bald in eine Piste über, der wir in der Hoffnung folgen, angesichts des schönen Wetters und des noch verbleibenden Tageslichts Sidi Rahal heute noch erreichen zu können.






Die Piste durchquert einige Siedlungen und führt in die richtige Richtung – allerdings verläuft auf dem gegenüberliegenden nördlichen Hügelzug deutlich sichtbar auch eine Piste – auf der Karte ist nur eine eingezeichnet. Bei der folgenden Abzweigung rollen wir also nach links und schenken dummerweise einem radelnden Bauer, der uns unmissverständlich mitteilt, hier sei Sackgasse, keinen Glauben – nach zwei Kilometern endet der Weg tatsächlich bei ein paar Häusern, recht hoch über einem Flusslauf gelegen, der uns von der anderen Piste trennt. Also zurück – wir haben aber ordentlich Zeit verloren und beschließen, zu dem (nicht so schlecht ausschauenden) Hotel zurückzufahren – morgen ist auch noch ein Tag.

Außer uns ist der einzige Gast im Hotel ein radelnder Niederländer, beim Abendessen erfolgt ein kurzer Erfahrungsaustausch.

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TWAMA - TADDERT (über ABADOU)


 

Neuer Tag, neuer Versuch, offroad nach Westen zu kommen. Bei der gestrigen Abzweigung fahren wir diesmal geradeaus in der Erwartung, dass sich die beiden Pisten vereinen werden, zumal das Tal des breiten Ghadal-Flusses bald zu sehen ist. Aber wieder endet unsere Piste in einen kleinen Dorf ein schönes Stück oberhalb des Tals – unser Versuch, uns direkt durchzuschlagen, endet in einem Feld und dank der stacheligen Feldbegrenzung auch mit je einem Platten bei Tom und bei mir.

 

Ein Dorfbewohner zeigt uns aber einen schön zu fahrenden Singletrack – auf diesem werden wir die Ortschaft auf dem gegenüberliegenden Hügelzug und damit die andere Piste (deren Abzweigung uns allerdings für immer verborgen bleiben wird) erreichen können.

Eine kurze Tragepassage über den Bach – hier sind die Kinder des Dorfes dankbar für die Abwechslung, die wir ihnen bieten. Rauf ins Dorf können nur die letzten Meter gefahren werden, mit dem Erreichen des Fahrwegs, der die Siedlung mit dem Rest der Welt verbindet, können wir die Kinderschar abschütteln und sind jetzt zweifelsfrei auf Kurs.

 

Die Piste fällt langsam, aber stetig in Richtung Flusstal ab und endet mit dem Erreichen des Ufers – Brücke gibt es keine, drüben geht es sichtbar weiter. Die jetzt folgende Kneipp-Kur tut aber gut, der Fluss ist nicht tief und am anderen Ufer erkennen wir bald die Abzweigung der Piste Richtung Sidi Rahal – diesen Ort hätten wir gestern vor Einbruch der Dunkelheit sicher nicht mehr erreicht, die Umkehr war die richtige Entscheidung.

 


 

Der Paß Tizi-n’Irhi ist immerhin 1.700 Meter hoch, ab hier fällt die Straße in ein Tal ab und die letzten Kilometer bis zur Einmündung auf die Hauptstraße (75 km) radelt man wieder auf Asphalt – allerdings in grandioser Hochgebirgslandschaft, die ein paar gemeine Gegenanstiege vergessen lässt.

Wir hatten eigentlich geplant, heute noch den Tizi-nTicka zu überqueren, angesichts der fortgeschrittenen Tageszeit ist daran nicht einmal zu denken – eher müssen wir uns um ein Nachtquartier umschauen. Nach einer kurzen Stärkung in einem kleinen Laden werden die letzten Kilometer, jetzt auf Asphalt auf der am späten Nachmittag kaum befahrenen Hauptstraße, in Angriff genommen.

Einziger nennenswerter Ort vor der Passhöhe ist Taddert – ein abgefuckt-staubiges Straßendorf, dessen hauptsächliche Funktion als Pausenort für die Linienbusse und als Standort der Schneeräumgeräte für die Passstraße zu sein scheint. Und es gibt ein Gebäude, dass man nur aufgrund der Fassadenaufschrift und unter Zuhilfenahme von Phantasie als Hotel identifizieren könnte – ist jedoch geschlossen, so bleibt uns der Anblick der Zimmer erspart.

Wir werden aber sofort von einer Person angesprochen, die sich als Chef der „Association du Village de Taddert pour Development“ vorstellt und eine von dieser Dorfentwicklungsorganisation bereitgestellte Unterkunft anbietet. Die Entwicklungsorganisation hat in Taddert noch ein reichhaltiges Betätigungsfeld – unser Quartier in einem offenbar renovierten, aber nur roh verputzten Haus ist aber annehmbar – jedenfalls haben wir genügend Platz, Couchen und Decken gibt es jede Menge, Bettzeug nicht, aber dafür haben wir ja die Schlafsäcke mit.

Da der Durchlauferhitzer erst in Gang gebracht werden muss - was einige Zeit kostet und den Besuch zweier Fachkundiger erfordert – ziehe ich die Dusche im örtlichen Hamam – auf der anderen Straßenseite gelegen – vor.

Das macht zwar auch nicht einen besonders einladenden Eindruck, aber mal sehen, was da so kommt. Den Touristenpreis von 10 DH bezahlt und schon wird mir ein großer roter und ein kleiner blauer Plastikkübel ausgehändigt. Eigentlich wäre es gescheit gewesen, neben dem Zivilgewand noch die Badehose mitzunehmen, zurückgehen will ich aber nicht, daher bedecke ich meinen Unterleib mit dem schnelltrocknenden Outdoor-Handtuch, das aber (aus Gewichtsgründen...) für diesen Zweck etwas knapp bemessen ist und öffne die Eisentüre in den nächsten Raum.

Der ist ziemlich groß, hat aber außer zwei Wasserhähnen nichts zu bieten – Duschköpfe gibt es nicht. Im nächsten Raum scheint die Luftfeuchtigkeit noch höher zu sein – in den Wasserdampfschwaden sind zwei Marokkaner zu erkennen, die sich mit dem Inhalt des Kübels abspritzen, die Unterhose haben sie an.

Gut, offenbar sind hier die Sitten etwas strenger als in der finnischen Sauna – ich stehe also ziemlich verloren mit meinen zwei Kübeln und dem Shampoo in der einen und mit dem Handtuch in der anderen Hand im ersten Raum – jetzt muss etwas passieren. Es gibt ja noch die zwei Wasserhähne – der eine liefert Warm-, der andere Kaltwasser. Ich mische mir also im großen Kübel eine erträgliche Mischung und gieße mir den Kübelinhalt über den Kopf – da nackt, immer darauf hoffend, dass die Genossen im anderen Raum noch beschäftigt sind. Die Haare und der Rest des Körpers sind schnell eingeseift, schnell ist noch ein weiterer großer Kübel eingelassen. Mit dem kleinen Kübel schöpfe ich daraus das Wasser zum abspülen, funktioniert ganz gut.

In Rekordzeit bin ich mit dem nur beschränkt saugfähigen Handtuch abgetrocknet und gebe die Utensilien zurück – das war also mein Hamam-Besuch, mangels Mitbadender in meinem Raum sogar kulturell verträglich...

Zwischenzeitlich sind auch Tom und Michl geduscht und wir müssen dringend die verlorenen Kalorien ersetzen; das erstbeste der gleichausschauenden Lokale entlang der Straße soll dies gewährleisten. Die ausgehängten rohen Fleischstücke, nach der Bestellung kleingeschnitten aufgespießt, wurden durch die Abgase der Autos auf der Straße direkt vor dem Lokal schon vorgegrillt – uns egal, wir essen alles.

Während der Mahlzeit erscheint unser Entwicklungschef und verlangt die Pässe, soll er haben. Ein paar Fleischspieße und Getränke später bringt ein anderer die Pässe zurück und präsentiert uns drei Formulare, die auszufüllen sind – mit der Übernachtung von drei Gästen sind so zumindest schon mal zwei Personen beschäftigt.

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TADDERT - AIT-BENHADDOU


Karges Frühstück in karger Gebirgslandschaft – es gibt Tee mit Keksen. Nach ein paar Kilometern entlang der Passstraße taucht Taddert 2 auf – ähnlich einladend wie Taddert 1 gestern.

 

Ist die Straße bisher allen Windungen eines jetzt ausgetrockneten Wasserlaufs gefolgt, steigt sie kurz danach zwar sanft, aber stetig richtig an, von der Optik her mit den französischen Alpenpässen durchaus vergleichbar. Auf den doch über 3000 Meter hohen Bergen sind kaum Schneereste, dürfte ein trockener Winter gewesen sein. Mitten in der ersten Steilstufe ein paar Souvenirläden – die Händler sehen aber ein, dass wir jetzt keinen Tajinetopf oder Gesteinsbrocken den Pass hinauf transportieren werden und lassen uns in Ruhe.

 

Kurz vor dem Erreichen eines Hochtals dann die totale Überraschung: ein durchaus nettes Kaffeehaus direkt neben der Straße (12,5 km), mit einladendem Gastgarten. Jetzt in der Früh ist es noch etwas kühl, daher nehmen wir drinnen Platz und beginnen mit dem eigentlichen Frühstück, die Kalorien der paar Kekse zum Pfefferminztee am Morgen sind schon längst verbraucht. Hurra, es gibt Nudeln, auch jetzt um diese Tageszeit! (Die Konsistenz war allerdings der zum großen Teil zahnlosen Bevölkerung gerecht.)

Frisch gestärkt sind die restlichen Kilometer durch das Hochtal und rauf auf den letzten Felsen vor dem Pass kein Problem, oben das obligate Foto vor der Tafel (mit Übernachtungsmöglichkeiten schaut es hier aber nicht gut aus). Und dann eine anfangs noch zähe, später flotte Asphaltabfahrt bis zur Abzweigung der Straße nach Telouet, auch die asphaltiert, aber verkehrsfrei. Ein Versuch, dem Asphalt durch eine Schotterstraße rechts rauf zu entgehen, ist leider nicht erfolgreich – diese Straße folgt nicht dem Fluss.

Ein paar Kilometer weiter könnte man aber durch die weithin sichtbaren Ortschaften im Tal auf Fußweg bzw. Piste radeln und würde sich so ein paar Höhenmeter sparen – nachher ist man schlauer.

In Telouet (42 km) wird noch einmal eine kurze Pause eingelegt und dann die Ruinen der eindrucksvoll großen Kasbah besichtigt – ein paar Kugelschreiber und Bonbons für die allgegenwärtigen, aber scheinbar aus dem Nichts auftauchenden Kinder ist der Preis dafür.

Wir radeln weiter und beobachten, wie die Asphaltstraße langsam in eine Schotterstraße übergeht – die Landschaft ist deutlich karger als auf der Nordseite des Gebirges, die Felsen leuchten in der Sonne in den tollsten Farben, hinter jeder Kurve offenbart sich ein neues Fotomotiv.

Das Tal des Flusses Ounila ist dichter besiedelt, bietet aber trotzdem eine traumhafte Piste – zuerst auf rechter, dann auf linker Flussseite, hoch über dem Wasserlauf immer wieder tolle Ausblicke auf die kontinuierlich tiefer werdende Schlucht, Siedlungen befinden sich meist auf dem rechten Ufer.

Die den Wasserlauf begrenzenden Felsen wurden oft ausgehöhlt, möglicherweise als Stall, vielleicht auch zu Wohnzwecken. Die Piste ist durchaus anspruchsvoll – hier sind die Mountainbikes absolut richtig am Platz, die Federgabeln müssen bei den kurzen Abfahrten kräftig arbeiten. Wir überholen das öffentliche Nahverkehrsmittel in Form eines Uralt-Ford-Transits – der Fahrer muss im Schritttempo durch die Steine zirkeln und wird für die Strecke wohl doppelt so lange brauchen wie wir. 

Nach 64 km in Ait Oumazir gibt es ein Gite d’etap direkt neben der Piste, wir stärken uns mit Cola, Keksen und den mitgebrachten Riegeln, langsam wäre was Richtiges zum Essen nicht schlecht.

 


Noch stehen einige Kilometer auf der holprigen Piste an, dann ein markanter Felsabbruch – ausgerechnet hier in er fast menschenleeren Gegend wieder ein Souvenirhändler, dem eine Standortberatung durch die örtliche Wirtschaftskammer nicht schaden würde.

Der folgende Downhill hinab ins Tal hat durchaus Gardasee-Schwierigkeiten und ist mit Gepäck gerade noch bewältigbar – hier überholen wir ein weiteres Auto. Unten im Tal parkt ein Dacia-Logan-Mietwagen, das deutsche Pärchen erkundigt sich nach der weiteren Befahrbarkeit der Piste und sieht nach unseren Schilderungen sofort ein, mit dem PKW fehl am Platz zu sein – bergauf wäre sie auch mit dem MTB nur schwer zu schaffen.


Wir radeln noch einige weitere Kilometer auf der jetzt besseren Schotterstraße, durchradeln den Fluss (kein Problem) und ich zahle in einem Dorf noch den Wucherpreis von 10 Dirham für eine Wasserflasche – da nutzt der Typ seine Monopolstellung schamlos aus. Die letzten paar Asphaltkilometer nach Aid-Benhaddou (der Ort bietet eine Menge Hotels) beschließen einen wunderschönen Radtag, wir sind noch alle ganz high von den Endorphinen.

Tom hat allerdings festgestellt, dass sich jede zweite Speiche an seinem Hinterrad gelockert hat und in Anbetracht seiner sehr bescheidenen Mechanikerfähigkeiten ein beänstigendes Gefühl! ;-)

Die Speichen nachgezogen und das Laufrad halbwegs zentriert, konnte er seine Tour aber ohne Probleme und ohne die Dienste des örtlichen Mechanikers in Anspruch nehmen zu müssen, am nächsten Tag fortsetzen.

Ein sehr schönes Hotel wird ausgewählt und ich vertrete mir noch rasch etwas die Beine, was für ein toller Tag...

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AIT-BENHADDOU - OUARZAZATE über TIKIRT


Ouarzazate soll offroad erreicht werden, weit ist es nicht. Wir genießen in der Morgensonne das übliche marokkanische Frühstück (Weißbrot mit Marmelade, Oliven und eine Schale Öl (keine Ahnung, was man mit der tun sollte, hätten wir nicht Toms teures Superöl dabei, vielleicht die Ketten schmieren...), diesmal noch ergänzt mit Palatschinken.

Ein letzter Blick auf die Burg von Aid-Benhaddou und dann zweigen wir im Ort schräg nach rechts ab – die vielen Wege vereinigen sich bald zu einer einzigen Piste, die offenbar einmal zu einer Straße ausgebaut werden soll, ein paar einsam in der Landschaft stehende Betonröhren über Bachquerungen werden vielleicht einmal zu Brücken...

In der weitläufigen Steinwünstenlandschaft fällt die Orientierung bei den Abzweigungen nicht schwer und bald sieht man schon eine Siedlung – dort müsste die Hauptstraße nach Ouarzazate verlaufen. Die ganz gut befahrbare Piste endet bei den ersten Häusern, unser Interesse erweckt aber das Treiben am Ortsende – es ist Markttag, eine gute Gelegenheit, ein paar Vitamine aufzunehmen.

Wir lehnen also die Räder neben dem letzten Verkäufer an eine lange Steinmauer, werden aber sogleich freundlich hingewiesen, dass die primäre Funktion der Mauer Parkplatz für die zahlreichen Eseln ist – unsere Räder müssen weiter hinten abgestellt werden.

Reger Betrieb hier, von allen erdenklichen Haushaltsgeräten bis zu Gewürzen gibt es alles zu kaufen – auch Schlangenhäute und sonstige Mittelchen, deren Wirksamkeit ein betagter Händler durch allerlei zirkusreife Verrenkungen demonstriert – der Typ ist aber wirklich gut, bringt locker sein Bein hinter den Kopf und steht mit dem anderen auf... er dürfte aber auch kein Radler sein und hat daher weniger unter verkürzten Muskeln zu leiden.

Wir erstehen ein paar Bananen, die gleich an Ort und Stelle verzehrt werden – die auf der Mauer liegende Banane schnappt sich ein Esel – die meisten schauen aber eh so aus, als ob sie einen Vitaminstoss nötig hätten.

Wir fahren einen knappen Kilometer auf neu aufgetragenem carbonlaufradtauglichen Asphalt und wechseln dann wieder auf Schotter – am anderen Ufer (des ausgetrockneten Flusses)  ist der Ort Tikirt zu erkennen, eine Piste von dort aus wird uns zu unserem Tagesziel führen.

Von den zahlreichen Wegen, die in die Steinhügel abzweigen, erwischen wir den richtigen – es geht stetig bergauf bis zu einen kleinen Pass – von dort aus hat man schönen Blick auf die weitläufige Steinlandschaft, ein paar Felsberge dazwischen.

Leider verliere ich auf der folgenden Rüttelabfahrt hinab in ein grünes Flusstal mit kleiner Oase die in der Rückentasche des Trikots eingesteckte Wanderkarte – nach Ouarzazate werden wir auch so finden, aber für die nächste Etappe doch ein schmerzlicher Verlust. Wir überlegen kurz, zurückzufahren – wegen dem stetigen Wind, der die Karte wahrscheinlich schon verweht hat, wird diese Option wieder verworfen.

Wir bleiben bei den zahlreichen Abzweigungen auf dem, was wir als Hauptpiste definieren und liegen dabei richtig – als uns ein Plattfuss an Michls Vorderrad stoppt, registrieren Tom und ich erstmal so richtig die absolute Stille, die uns hier in der Steinlandschaft umgibt – kein Auto, kein Flugzeug, einfach gar nichts (nicht mal das Summen oder Brummen eines Insekts) – auch eine neue Erfahrung.

 


Noch über einen Hügelzug und dann ist am Horizont schon wieder so etwas wie eine Ortschaft zu erkennen – wir dürften richtig liegen. Und plötzlich mitten in der Wüste auf einer kleinen Anhöhe eine Burganlage, die Türmchen schimmern in der Sonne. Meine Mitradler sind so beeindruckt, dass ich sie desillusionieren muss – es handelt sich mitnichten um ein antikes Bauwerk, sondern um eine gigantische Filmkulisse für historische Filme. Besichtigung und Fotos sind verboten (wie uns von den Arbeitern erklärt wird, in Kürze beginnen wieder Dreharbeiten für einen Bibelfilm: "Triple Dream"), Asterix & Cleopatra in Ägypten wurde hier schon abgedreht.

Wir erreichen wieder Hauptstraße und Fluss beim Ort Oued Tifoultoute (41 km). Es gibt ein nettes Restaurant, wir machen es uns auf der Dachterrasse gemütlich. Angenehm, dass wir heute nicht im Stress sind, das Essen ist zwar ganz gut (auch wenn es wieder einmal Tajine und Spieße gibt, wahrscheinlich auch für Gerard Depardieu, der nach einem Foto (mit Obelix-Kostüm) hier logiert hat), aber die Bedienung ist unendlich langsam und kriegt unsere gar nicht so komplizierten Bestellungen einfach nicht auf die Reihe – zwischen Küche und Dachterrasse sind aber auch zwei Stockwerke zu überwinden. Es verwundert nicht, dass unserem Kellner als Mittelfeldspieler bei der Mannschaft von Ouarzazate (wo er laut eigener Aussage gewirkt hat) keine große Karriere beschieden war – wenn er da eine ähnliche Power wie in seine Kellnertätigkeit gelegt hat, hätten er sogar gegen mich keinen Ball gesehen...

Wir drehen wider Willen (Versuche, das breite Flussbett zu queren, schlagen fehl) noch eine Ehrenrunde um das auf dem anderen Ufer gelegene Ouarzazate, erreichen den Ort dann letztendlich von Süden über eine lange Brücke. Der schöne warme Tag veranlasst einige Kinder, in dem nicht ausgesprochen einladenden Gewässer zu planschen.

Ein gutes Hotel mit sehr freundlicher Rezeptionistin ist dank dem Reiseführer bald gefunden, und wir beschließen, hier gleich zwei Tage zu bleiben.

Die Wäscherei ist gleich nebenan, unweit des Hotels bietet ein Friseur das Kombiangebot Haareschneiden und Rasieren um 45 DH an, die gelöcherten Schläuche werden in der Werkstatt um die Ecke geflickt.
Und in einer bescheiden bestückten Buchhandlung finden wir sogar eine etwas genauere Karte der Gegend, ein Ersatz für die verlorene genaue Karte ist sie aber nicht.

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OUARZAZATE

 

Heute ist ein Ruhe- und Kalorienaufnahmetag angesagt – schon kurz nach dem Frühstück wird die örtliche Konditorei aufgesucht, der Geschmack der vielfärbigen Mehlspeisen korrespondiert nicht ganz mit ihrem leckeren Aussehen, aber im Vergleich zu der bisher erhaltenen Kost ein wahrer gastronomischer Fortschritt. Da neue Schuhbänder für meine Radschuhe einzeln nirgendwo erhältlich sind, wird das Problem marokkanisch gelöst – passende Bänder werden einfach aus einem Paar neuer Sportschuhe ausgefädelt und mir verkauft.

Am Nachmittag zieht es mich dann doch wieder aufs Rad – gestern ist mir auf der Straße südlich von Ouarzazate eine beschilderte Abzweigung auf eine Piste aufgefallen, könnte interessant sein.

Daher wieder über die Brücke aber dann gleich auf Singletracks durch die palmengesäumten Gärten zu den an der Hauptstraße stehenden Häusern, ein paar Rechts-Links-Kombinationen in der Ortschaft und ich stehe fast direkt bei der Abzweigung in die Oase Finnt – ein breiter Schotterweg, auf dem auch hie und da Autos fahren, führt Richtung Süden. Praktischerweise gibt es so was wie einen Radstreifen – in der Steinwüste ist natürlich auch die Piste steinig und parallel laufend wurde ein etwa halber Meter breiter steinloser Streifen von Mopeds und Radler ausgefahren – sehr praktisch. Obwohl sehr karg hat die Landschaft durchaus ihre Reize, das Rad ist ohne Gepäck auch angenehmer zu fahren.

Es geht einige Kilometer auf meinem Fahrstreifen dahin, hie und da wird die Piste gekreuzt und dann windet sich die Straße in zwei Kurven in die Oase hinab – die sie begrenzenden Felsen leuchten in der Nachmittagssonne – ein gutes Fotomotiv.

Hier in dem middle of nowhere steht ein Typ, der auf etwas zu warten scheint – wir machen ein bisschen small-talk auf Französisch (soweit meine beschränkten Kenntnisse das zulassen). Dann bitte ich ihn noch mich zu fotografieren (bin ja alleine unterwegs) und rolle in die Senke hinab – ausgesprochen nett hier.

Um in den für mich interessanten Teil des Dorfes zu kommen, muss ich den Fluss queren – hier ist heute offenbar Waschtag. Eine stattliche Anzahl Frauen in bunten Gewändern ist mit Wäschewaschen beschäftigt, scheint ausschließlich in die feminine Zuständigkeit zu fallen.
Im Dorf gibt es ein großes Haus mit Terrasse, Cafe- und Übernachtungsmöglichkeit (schon von weitem angeschrieben), ich werde willkommen geheißen und trinke einen Milchkaffee – zum Pfefferminztee werde ich von einer marokkanischen Familie eingeladen. Die mir gezeigten Zimmer sind recht nett – wenn man auf die Annehmlichkeiten eines großen Ortes verzichten will, eine gute Übernachtungsmöglichkeit.

Bevor ich wieder die zwei Serpentinen in Angriff nehmen, teste ich noch den abzweigenden Fahrweg weiter nach Süden, der endet in einem Dorf, wo ich gleich von der Kinderschar empfangen werde. Zu meiner Überraschung interessieren die sich weniger für Stylos, Dirhams oder Bonbons, sondern für mein Fahrrad und mich – besonders die Federgabel hat es ihnen angetan und ich werde unmissverständlich aufgefordert, ihre Wirkung zu demonstrieren. Also reiße ich den Lenker ein paar Mal in die Höhe und lasse die Gabel einfedern, als Draufgabe demonstriere ich noch einen Bunny-Hop, für den ich richtigen Applaus kassiere. Damit sind aber meine technischen Fähigkeiten schon ausgeschöpft und ich fahre wieder zurück.

Mitten auf der Steigung bittet mich ein Jugendlicher um meine Pumpe – hoffnungsloser Fall, der Schlauch ist kaputt. Ich opfere also meinen frisch geflickten Ersatzschlauch – lange wird auch der nicht halten, der Reifen ist bis auf das Gewerbe abgefahren. Um die nächste Panne hinauszuzögern, lege ich den defekten Schlauch zwischen Reifen und neuen Schlauch, weise aber meinen Freund darauf hin, dass er sich dringend einen neuen Reifen besorgen sollte. Radeln scheint nicht seine Stärke zu sein – obwohl im Besitz eines (für marokkanische Verhältnisse) annehmbaren vollgefederten Rades mit halbwegs funktionierender Schaltung fährt er nur auf dem mittleren Kettenblatt und schickt sich an, die (wirklich nicht steile) Straße hinaufzuschieben – ich kann nicht zusehen, tausche Rad und demonstriere ihm, wie man auch mit seinem Gerät das kurze Stück fahrend bewältigen kann.

Ahja – oben erwartet mich der Typ von vorhin, der offenbar noch immer auf etwas wartet oder dem einfach nur fad ist – wir grüssen uns freundlich. Wenn er auch nichts konkretes tut, so scheint er mit sich und der Welt zufrieden zu sein – das stundenlange Betrachten der Steinwüste wäre für den aktivitätsgewohnten Mitteleuropäer eine Herausforderung.

Bei der Rückfahrt teste ich noch die eine oder andere Abzweigung – Pisten und Fußwege führen kreuz und quer durch die Steinhügel, hier könnte man sich mit dem Bike tagelang beschäftigen.

Nach insgesamt 40 km bin ich zurück in Ouarzazate und fahre zuerst einmal zur Tankstelle um das Rad endlich abzuspritzen – um nur ein paar Dirhams mehr wurden die Räder von Michl und Tom bei einer anderen Tankstelle sogar händisch eingeseift und getrocknet.

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OUARZAZATE - AGDZ über TIZGUI


Mit den frisch gereinigten Rädern verlassen wir das angenehme Städtchen auf wenig befahrener Asphaltstraße Richtung Südosten – nach den letzten Häusern des Siedlungsgebietes glitzert auf ein paar Hundert Meter der Müll idyllisch in der Sonne, dann geht es kilometerlang durch unbesiedeltes Gebiet und wir passieren die durch ein Tor markierte Provinzgrenze.

Der Fluss Draa verläuft ein gutes Stück abseits der Straße, die zu einen kleinen Pass ansteigt, davor zweigt eine mit Steinmännchen markierte Piste ab, die zu unserem nächsten Ziel, den Wasserfall von Tizgui, führen könnte – so ganz vertrauenserweckend wirkt sie aber nicht, sodass wir auf der Asphaltstraße bleiben. Die auf unserer neuen Karte eingezeichnete Abzweigung in Ait Saoun (40 km) finden wir auch nicht (dafür jede Menge lästiger Kinder). Wir radeln daher weiter auf Asphalt in einer weithin sichtbaren Schleife einen Felsen hoch, die Ausblicke und die Landschaft verdienen das Prädikat außergewöhnlich attraktiv. Bei der folgenden Abfahrt durch unbewachsene, von tiefen Schluchten durchzogene Steinlandschaft gibt es soviel zum Schauen und Fotografieren, dass wir immer wieder stehenbleiben und den Flow unterbrechen. Wie aus dem Nichts taucht wieder einmal ein Junge auf, der einen Euro gewechselt haben möchte – wir tun ihm den Gefallen.


Kurz bevor die Straße wieder Talgrund erreicht dann die unübersehbare Markierung zum Wasserfall (72 km) – auch diese Piste ist sehr schön zu fahren, kurze Gegensteigungen stören nicht.

Unten im Tal erkennt man dann zuerst einen Fußballplatz (Torwart möchte ich hier wegen der herumliegenden Steine am natürlich rasenlosen Spielfeld nicht unbedingt sein) und kurz danach soll der Wasserfall auftauchen – er ist nur mangels Wasser geschlossen, die im Reiseführer versprochene Imbissmöglichkeit gibt es natürlich auch nicht – außer uns ist eigentlich überhaut niemand zu sehen.


Das Dorf Tisguit wirkt relativ wenig bewohnt, auch die übliche Kinderschar zur Begrüßung fehlt – wir folgen der Piste am rechten Ufer der Draa, die kurz nach dem Ort im Fluss verschwindet.

Fußgänger müssen sich über eine kurze klettersteigähnliche Passage mühen – der Felsen fällt hier direkt zum Fluss ab, es ist kaum Platz. Und just während wir die Räder über die Steilstufe hieven, tauchen drei ältere Frauen aus der Gegenrichtung auf – nur mit Badeschlapfen an den Füssen – für Felspassagen nicht ganz das geeignete Schuhwerk.

Ungeschickter als wir stellen sie sich aber auch nicht an, wir kommen irgendwie aneinander vorbei und schnell wird das Tal breiter und die Piste ist wieder zu erkennen. Ein paar entgegenkommende Motorradfahrer stören durch das Motorengeräusch die idyllische Stille hier im Tal. Die Piste folgt nicht direkt dem gewundenen Flusslauf sondern erklimmt einen kleinen Sattel – diese Passage ist fahrtechnisch bergauf durchaus anspruchsvoll – mit Mühe muss ich nicht absteigen.

Weiter geht es auf groben Schotter wieder bergab ins grüne Oasental, wir passieren ein paar Ortschaften und erreichen endlich einen kleinen Laden, wo es zumindest marokkanische Softdrinks gibt – viel billiger als die importierten, aber auch viel grauslicher schmeckend, ungekühlt natürlich noch schlimmer.

Wir trinken trotzdem jeder einen halben Liter von lauwarmen süßen Zeugs undefinierbarer Geschmacksrichtung (meines hätte Apfel sein sollen) und trösten uns mit der schönen Landschaft – ein schmales Band satten Grüns entlang des Flusses, rechts und links von hohen Felsen begrenzt, die Farbe der Häuser in den Siedlungen passt perfekt zu den Hügeln, nur die Türme der Moscheen leuchten meistens in strahlendem Weiß.

 


Wir durchradeln noch ein paar kleinere Siedlungen mit zum Teil schon verfallenen Kasbahs und erreichen dann die größere Ortschaft Agdz, als Etappenziel auserkoren. Der Hauptplatz ist zwar das gesellschaftliche Zentrum aber nicht gerade eine städtebauliche Offenbarung – wirklich einladend wirkt nur das große Hotel „Kassan“ am Ortsanfang von Ouarzazate kommend, hier bleiben wir auch. Zum Abendessen am Hauptplatz gibt es wieder mal Tajine und Brochette...

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AGDZ - ZAGORA

 

Die Tafel auf unserem Lokal am Hauptplatz verspricht auch „Patisserie“ – das spielt es leider nicht, wir müssen uns mit dem gewohnten Frühstück, bestehend aus Weißbrot und Marmelade, bescheiden. Ein kurzes Stück auf der Asphaltstraße und schon sieht man die auf einem Hügel am anderen Flussufer erbaute Kasbah Tammougalte. Nach ein paar Fotos flüchten wir vor den den Hügel runterstürmenden Führern, die in uns potentielle Kundschaft vermuten.

 

Weiter geht es auf schöner Piste durch viele kleine Dörfer mit gut erhaltenen oder verfallenen Kasbahs – im Palmenhain neben der Draa herrscht reger Betrieb, die ihren Eltern bei der Feldarbeit helfenden Kinder winken oder wollen zumindest abgeklatscht werden – Stylo, Dirham oder Bonbon wäre natürlich noch willkommener.

Wir radeln einige Kilometer nicht immer steigungsfrei auf den linken Ufer der Draa bis Timiderte, in der Hoffnung, dort eine Einkehrmöglichkeit für das Mittagessen zu finden – negativ. Bei der Ortsausfahrt wählen wir die falsche Piste, sie führt nur in einem weiten Bogen zum Fluss und dann wieder zurück – dafür erblicken wir eine ganze Herde von hier weidenden Kamelen.

Wir fahren in der Hoffnung auf ein Lokal ein Stück auf der Hauptstraße am rechten Ufer und tatsächlich, an der Kreuzung mit der Straße 6959 kurz vor Tansikht (36 km) ein Gasthaus mit nettem Garten (das Essen war nicht aufregend und auch nicht gerade preiswert, selbst für den WC-Besuch musste in Dirham gelöhnt werden).

Wieder überqueren wir den Fluss und biegen nach kurzem Stück auf der Asphaltstraße in die Piste entlang des linken Draa-Ufers ein. Leider hat sich der Himmel etwas überzogen und kurzzeitig schaut es sogar nach Regen aus, der dann aber doch nicht kommt. Fast jede Siedlung hat eine Kasbah, es gibt wieder einiges zum Fotografieren, auch immer wieder auftauchende Gegensteigungen verlangsamen unser Vorwärtskommen. In einer Siedlung begehrt dann die Kinderschar die auf meinem Gepäckträger befestigte halbleere Wasserflasche – entweder ist hier das Trinkwasser echt ein Problem oder die Kids wollen unbedingt eine Pet-Flasche von einem Touristen als eine Art Trophäe – jedenfalls raufen sie sich regelrecht um die Flasche. Wir schauen, dass wir schnell weiterkommen, bevor weitere Begehrlichkeiten entwickelt werden...

Vor allem auf Tom hat die am anderen Ufer verlaufende, sicher kommoder zu fahrende Asphaltstraße eine gewisse Anziehungskraft und so folgen wir einer hier auf der staubigen Schotterstraße vollkommen deplaziert wirkenden schneeweißen Mercedes-Limousine in der Hoffnung, dass auch dieser Fahrer lieber auf befestigter Straße unterwegs ist – und tatsächlich, nach dem Palmenhain wird eine Brücke erreicht.

Tom hat wieder einen platten Hinterreifen (Schleicher). Bei näherer Betrachtung wird deutlich, dass da ein Monster-Nagel im Reifen steckte ...

Es weht ziemlich stürmischer Rückenwind, sodass wir die ersten Häuser von Zagora rasch erreichen, nur eine Reifenpanne verzögert das Vorwärtskommen. Vom Ortsanfang bis ins eigentliche Zentrum ist es in Zagora noch ein schönes Stück – wir folgen einer Empfehlung des Reiseführers und mieten uns in der Pension „Chez Ali“ ein – die größte Attraktion ist ein im Garten freilaufender Pfau - der eines Tages wohl auch in einer Tajine – enden wird, selbige erhalten wir natürlich auch wieder zum Abendessen.

Und es werden schon Pläne für die Weiterfahrt geschmiedet – zur Debatte steht Radeln nach Tata, um den Antiatlas von Süden aufzurollen. Das wären halt viele Kilometer auf Wüstenpisten – dafür sind wir nur beschränkt ausgerüstet, die Wetterprognose verheißt starken Wind => Sandsturm. Die Alternative wäre ein Transfer per (Gelände)Auto, mal sehen, wie viel so etwas kosten würde („normale“ Busse oder Grand Taxis fahren diese Strecke nicht).

Und so entdecken wir während des Abendspazierganges unweit unserer Quartiers in einer Autowerkstätte  einen japanischen Pick-Up-Geländewagen mit zwei Sitzreihen vorne – genau so etwas bräuchten wir. Ich frage einfach einmal, ob dieses Ding zu mieten sei – ist er natürlich nicht, aber in Marokko wird niemand weggeschickt. Der Chef der (gut eingerichteten und sehr sauberen) Werkstätte zeigt uns zuerst die Fotos von der letzten Paris-Dakar-Rally (seine Werkstätte diente offenbar zur Überholung der Autos) und klemmt sich dann ans Telefon.

Zwischenzeitlich bekommen wir Tee serviert und nehmen auf Hockern in der Werkstätte Platz, nach und nach trudeln ein paar Leute ein, darunter auch ein Souvenirverkäufer – offenbar der Kontaktmann zu dem Fahrer, der mit einem ebensogroßen Geländeauto vorfährt und die Runde verkomplettiert. Der blau gekleidete Souvenirhändler, der mit seinem Outfit den Wüstensohn gibt (sämtliche Klischees werden von den Marokkanern gekonnt bedient - auch wenn er nur aus irgendeinem Dreckskaff um die Ecke stammt, hat sein Stamm sicher schon mit Lawrence von Arabien gekämpft...).

Wüstensohn führt aber eine von uns durchaus begehrte Ware in einem Plastiksack mit – nämlich kleine Bierdosen (von einer Brauerei in Casablanca) – zuerst will er sie uns verkaufen, dann werden wir eingeladen – auch für den Rest der Runde sind genug Dosen da. Während wir den lang entbehrten Gerstensaft schlürfen, beginnen die Verhandlungen – selbst der bald auf 2500 Dirham runtergehandelte Preis ist uns viel zu teuer – da müssen sich andere Möglichkeiten eröffnen.

Trotz unserer Ablehnung scheiden wir von unseren Gastgebern als Freunde und wir verziehen uns ins Hotel.

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ZAGORA - TAZENAKHT


Während des Frühstückes müssen wir feststellen, dass sehr starker Wind weht, eigentlich stürmt es schon. Und wenn es in dieser sandigen Gegend stürmt, ist das Ergebnis vorhersehbar.

Bei diesen Bedingungen ist eine Wüstenfahrt per Rad undenkbar und wir beschließen, auf der Asphaltstraße nach Agdz zurückzufahren und uns von dort weiter nach Westen durchzuschlagen. Als wir die letzten etwas schützenden Häuser von Zagora hinter uns gelassen haben sind wir voll dem Gegenwind und dem Sand ausgesetzt – kein besonderes Vergnügen.

Es muss also umdisponiert werden – mal sehen, wie viel eine Autofahrt auf befestigter Straße nach Agdz kostet. Wir radeln also zurück und finden ein Areal mit dutzenden mehr oder minder schrottreifen Peugeot-Kombis, alle in passendem Wüstenbeige lackiert. Mittlerweile habe ich die Verhandlungstaktik weiter verbessert und wir einigen uns mit dem Chef des Platzes – trotz der sommerlichen Temperaturen mit Schnürlsamtjacke, Pullover und Flanellhemd bekleidet - auf 300 Dirham samt den Rädern (natürlich immer noch ein Touristenpreis).

Schnürlsamtjacke checkt herum und nach ein paar Minuten werden wir zu einem Wagen gewiesen – nur ein Rad kommt (entgegen der Vorschläge) auf die Dachgalerie, die anderen beiden werden (zum Erstaunen der zahlreichen Beobachter, die wohl keinen Schnellspanner kennen) mit ausgebauten Vorderrädern und umgeklappter 3. Sitzbank im Wageninneren verstaut – diese Aktion lässt Toms Puls auch ohne körperliche Anstrengung den Grundlagenbereich verlassen...

Das Innere des Autos (geschätztes Baujahr so in den Siebzigern) ist ähnlich verfallen wie sein Äußeres und der Fahrer nach meinem Geschmack etwas sehr jung – aber es ist gar nicht unser Fahrer – seine Aufgabe besteht nur darin, den Retourgang einzulegen (allein dafür braucht er schon mal eine gute Minute) und dann die Fuhre 10 Meter bis zum Ausfahrtstor vorzufahren – dort steigt er aus und Schnürlsamtjacke ein.

Der Fahrer fährt aber – entgegen meinen Befürchtungen - ziemlich diszipliniert und hat die Reste des Dings, das mal ein Auto gewesen ist, gut im Griff – vor allem die Seitenwind-Böen sind manchmal echt heftig. Irgendwo in der Mitte der Strecke wird der Fahrer gewechselt und unsere Dirhams wandern in eine andere Hand.

In Agzd kehren wir wieder in unser Stammlokal ein und warten einen Regenguss, der den Hauptplatz kurz unter Wasser setzt, ab – es sollte der einzige Regen auf unserer Reise sein. Da der Wind nicht nachgelassen hat, werden wir auch die Straße nach Tazenakht mit dem Auto fahren, wir sind auf den Geschmack gekommen.

Und es war die richtige Entscheidung: nach der üblichen Verhandlungs- (diesmal 270 Dirham) und der nervenkostenden Einladeprozedur fahren wir über eine einsame Landstraße ohne jeglichen Windschutz und ohne Versorgungsmöglichkeiten (bis auf ein Bergwerk keine Ortschaft, kein Cafe, einfach nichts) durch die Steinwüste – hier hätten wir auf dem Rad Zeit- und Wasserprobleme bekommen – Originalzitat Tom: „die bestangelegtesten 10 Euro seines Lebens“.

Tazenakht erreichen wir so schon mitten am Nachmittag – es gibt zwei Hotels, nach Besichtigung wird das mit den etwas weniger schlechten Zimmern genommen. Sonst hat der Ort nicht viel zu bieten, aber es gibt ein Internetcafe, einen Bankomaten und so etwas ähnliches wie eine Wäscherei – unser Radgewand hätte eine Reinigung notwendig.

In der Wäscherei haben zwei Islamisten im Osama bin Laden-Outfit das Sagen – sie können vielleicht irgendwelche Suren, aber kein Französisch. Wie immer ist unsere Kontaktaufnahme willkommene Abwechslung für alle Passanten, und so sind wir schon nach kurzer Zeit von Neugierigen umringt. Endlich taucht ein beschränkt Englischsprechender auf und unsere größte Sorge ist der Umstand, dass die Osamas kapieren, dass die Sportbekleidung nur mit 30 Grad gewaschen und nicht geschleudert werden soll. Obwohl wir mehrmals auf die Etiketten hinweisen, sind wir nicht sicher, ob unsere Fundis das Richtige tun werden, verlassen den Laden mit gemischten Gefühlen und hoffen auf Allahs Hilfe.

Natürlich gibt es Tajine zum Abendessen – als wir wieder die Wäscherei aufsuchen, bemerken wir, dass unsere Kleidung triefend nass ganz oben auf Kleiderbügeln zum Trocknen aufgehängt wurde. Da wir den Ort morgen Früh aber gerne vor der Öffnung der Wäscherei verlassen wollen, nehmen wir die nasse Kleidung mit und hängen sie in den Zimmern auf – erstaunlicherweise war sie morgens vollständig trocken, auch das Sitzpolster der Radhosen.

Im Licht der vor meinem Fenster im Wind schaukelnden Straßenlaterne sind die vielen Sandkörner in der Luft so richtig gut zu sehen – ich hoffe auf bessere Bedingungen am nächsten Tag.

 

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TAZENAKHT - KOURKOUDA - TALIOUINE


So, jetzt endlich wieder ein bisschen Radfahren und das in frischer Wäsche – wir verlassen Tazenakht auf schnurgerader, leicht ansteigender Asphaltstraße und werden gleich von einem Gegensturm bisher kaum erlebten Ausmaßes konfrontiert – mehr als 13,14 km/h sind einfach nicht möglich – Windschutz gibt es nirgendwo und tendenziell wird der Wind eher stärker als schwächer.

Wir halten noch kurz bei der einzigen Tankstelle weit und breit an, da der Himmel im Westen schon verdächtig hellbraun vom aufgewirbelten Sand ist und kurbeln dann noch ein Stück bis zur Ortschaft Kourkouda (die erst von der Nähe als solche erkennbar ist, die Farbe der Häuser entspricht exakt derer der umliegenden Felsen). Ein paar hundert Meter weiter erreichen wir ein Hochplateau – hier hat der Wind noch bessere Angriffsmöglichkeiten und es kommen im 5-Minuten-Takt unangenehme Sandböen – wir haben den Sand längst in allen Körperöffnungen.

So hat Radeln keinen Sinn – wir suchen Schutz hinter einer Friedhofsmauer, warten ein paar Sandböen ab und flüchten uns dann in das Lokal eines netten Souvenirhändlers, dessen Warenangebot (Steine und irgendwelches vergammeltes Metallzeugs) eher einem Altwarenhändler entspricht.

Wir bekommen sogar gratis einen Pfefferminztee serviert und erkundigen uns nach einer Möglichkeit, per Auto weiterzukommen.

Schnell werden wir mit dem Fahrer eines weiteren Uralt-Transits handelseins, er hat nur noch etwas in der Gegenrichtung zu erledigen und so müssen wir noch eine Weile bei unserem Gastgeber ausharren – draußen tobt weiter der Sandsturm. Schneller als angekündigt (offenbar will er sich das Geschäft nicht entgehen lassen) kommt unser Fahrer, wir verstauen die Räder und jetzt wird per Motorkraft gegen den Westwind gekämpft – der Kleinbus bietet natürlich auch eine ideale Windangriffsfläche, sodass wir kaum über 60 km/h hinauskommen.

Da die Türen nicht nur nicht dicht schließen, sondern auf beiden Seiten zentimeterbreite Spalte zur Karosserie offenlassen, ist auch in unserem schrottreifen Gefährt entsprechender Sandgehalt in der Luft – aber alles besser, als hier weiter fahren zu müssen.

20, 30 km später geht die Sand- wieder in eine Steinwüste über, der Sturm beruhigt sich etwas und die Landschaft wird wieder richtig schön – die kilometerlange geile Abfahrt hinab in das Tal vom Taliouine wird halt leider im Auto zurückgelegt.

Wir haben ausreichend Zeit zur Hotelsuche und finden am östlichen Ortsrand eine schöne Unterkunft – nach dem Essen schwinge ich mich noch auf das jetzt gepäcklose Rad und erkunde die sehr nette Umgebung des Ortes auf den zahllosen Fahr- und Fußwegen.

Besonders die örtliche Kasbah, leider schon ziemlich verfallen, ist eine Umrundung per Rad wert, nachher radle ich noch einen (auch wegen der zahlreichen Dornenbüsche am Wegesrand) durchaus anspruchsvollen Singletrack in nördliche Richtung und überhole ein paar verdutzte Eselsreiter.

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TALIOUINE - IGHERM


So, heute wird wieder ernsthaft geradelt (aber das haben wir gestern auch schon gedacht...). Sand ist kaum mehr, dafür überall Fels, der in der Morgensonne leuchtet.
Wir folgen der wenig befahrenen Hauptstraße noch bis Iouzioua und zweigen dann auf die mittlerweile leider asphaltierte, vollkommen unbefahrene Nebenstraße Richtung Igherm ab (hier auch ein Fehler in der Michelin-Karte, die Straße beginnt nicht direkt in Taliouine).

Rechts und links auf den Hügeln ist es ziemlich kahl, aber auf den ersten Kilometern wird neben der Straße noch eifrig Landwirtschaft betrieben, erst als sich die Straße nach Westen wendet, wird es wieder etwas karger und unbesiedelter. Wir haben Gegenwind, kommen aber trotzdem gut voran – mangels ernstzunehmender Ortschaften gibt es aber auch keine Einkaufsmöglichkeiten. Der in der Karte verzeichnete Ort Azarhar besteht nur aus ein paar (offenbar verlassenen) Häusern und wir müssen weiter hoffen und uns einstweilen an die Power-Bar-Riegeln halten. Die Straße senkt sich in ein landschaftlich wunderschönes Tal und nach 70 km finden wir endlich einen ganz gut sortierten Laden im Dorf Ouzourn – leider ist der Getränkekühlschrank wieder einmal stromlos, aber es gibt Wasser und Kekse.

So gestärkt beginnt jetzt die lange Auffahrt auf einen Pass – vom (vorläufig) höchsten Punkt hat man tolle Ausblicke in das nördlich gelegene Atlas-Gebirge. Die jetzt beginnende Hochebene, über welche die Straße in weiten Schleifen führt, ist von grünem Gras bewachsen – lange nicht gesehen.

Es folgt eine kurze Abfahrt in weiterhin sehr schöner Felslandschaft bis in die 1500 Meter hoch gelegene örtliche Metropole Igherm, wo es viele Schulen und Einkaufsmöglichkeiten gibt. Trotz einiger Lokale hinkt das Essensangebot hinterher, von den Übernachtungsmöglichkeiten gar nicht zu reden. Das im Reiseführer erwähnte Hotel „Atlas“ (als „fürchterliches Loch“) beschrieben, hat seine Pforten schon geschlossen – gleichwertigen Ersatz finden wir schräg gegenüber im Hotel „Rendez-vous“ (da muss einen der/die PartnerIn schon abgöttisch lieben, damit die Beziehung in diesem Hotel überlebt).

Zwischen der Nachmittags- und der Abendtajine besuchen wir den Wellnessbereich des Hotels, das offenbar bestes Haus am Platz ist (ein weiteres „Hotel“ oberhalb eines Restaurants auf der Hauptstraße scheint noch schlimmer zu sein) – immerhin gibt es warmes Wasser. Die Betten benutzen wir alle drei nur mit den mitgeführten Schlafsäcken und die Nachtruhe wird durch seltsame Geräusche gestört – wir sind leider doch nicht ganz die einzigen Gäste, das Türenknallen dauert fast die ganze Nacht an – offenbar dient unsere Herberge auch als örtliches Bordell.

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IGHERM - TAFRAOUTE

 

Nach dem kargen Frühstück verlassen wir möglichst schnell das Hotel und kämpfen uns auf schmaler Asphaltstraße hügelauf, hügelab weiter gegen den nach wie vor starken Gegenwind – wir bewegen uns oberhalb von 1500 Meter Höhe – entsprechend schön sind die Ausblicke vor allem gen Norden Richtung Hoher Atlas. Hie und da durchzieht eine Schotterstraße die Hügel – da würde ich lieber fahren als auf dem öden Asphalt, landschaftlich ist die Strecke besonders nach der Abzweigung Timzit kaum zu toppen.

Aber ich sollte noch auf meine Kosten kommen: nach 50 km legen wir in Tiguermine in der Hoffnung auf ein kühles Getränk eine kleine Pause ein – der Dorfladen existiert auf einer Grundfläche von 2 Quadratmetern und hat natürlich keinen Kühlschrank.


Während wir uns die auch gekühlt bescheiden und lauwarm noch öder schmeckenden marokkanischen Limonaden hineinschütten, sind wir von der – diesmal vor allem weiblichen - Dorfjugend umringt, die unentwegt kichern. Es dauert eine Zeit bis Tom und ich die Quelle der Heiterkeit entdeckt haben – Michl fummelt irgendwas an seinem Rad herum und streckt den Girls seinen Radhosen-Lycra-umspannten Hintern entgegen.

Während Tom keine Extrakilometer machen möchte und direkt auf der Straße weiterfährt, planen Michl und ich einen Abstecher zu der im Reiseführer erwähnten Burg „Agadir Tasguent“ und engagieren zu diesem Zwecke den am intelligentesten aussehenden herumstehenden Jugendlichen, der sich sogleich beeilt, sein eigenes Rad zu holen – 50 Dirham für ein paar Stunden am Nachmittag ist ja auch ein fürstliches Gehalt.

Das Rad unseres Führers hatte einmal eine Gangschaltung – er bemüht sich nach Kräften, auf der leicht ansteigenden Schotterstraße mit uns mitzuhalten (wahrscheinlich befürchtet er insgeheim, wir fahren ihm davon und er fällt um sein Honorar um) – als die Straße steiler wird, greift er beherzt in die Kette und legt sie per Hand auf ein größeres Ritzel.

Wir durchqueren zwei ungewohnt menschenleere Dörfer und nach einer 180-Grad-Kurve erblickt man schon die Burg, hoch oben auf einem Felsen. Nur kurz ist der Weg noch fahrbar – wir lassen die Räder an der Steinmauer stehen und gehen zu Fuß weiter. Sehr diebstahlsgefährdet sind sie in dieser Gegend sicher nicht – ein Dieb würde auf Michls oder meinem Rad ähnlich auffallen, wie wenn ich mit der Mona Lisa unter dem Arm über die Champs d’Elysee spazieren würde.

Das Burgtor macht einen verschlossenen Eindruck, wird aber sofort geöffnet, als unser Führer heftig klopft. Wir einigen uns mit dem Burgwächter auf einen vernünftigen Besichtungspreis (25 Dirham/Person), Tee natürlich inklusive. Die ganze Burg ist aus Schiefersteinen errichtet und war so eine Art früher Tresorraum – über 200 mit Holztüren verschlossene Kammern konnten gemietet werden und dienten zur Aufbewahrung von Wertgegenständen.

Außerdem soll es hier noch Holztafeln geben, auf welchen die Rechte der Berber geregelt sind (und die von Nichtberbern nicht besichtigt werden dürfen). Das alles erzählt mir der Führer auf Französisch und ist darob unseres Interesses ganz angetan. Vom Dach der Burg zeigt er mir noch weitere verfallene gleichartige Speicherburgen auf den Hügeln der Umgebung. Von hier oben fällt mir auch sofort die weiterführende Schotterstraße auf, die könnte so rein richtungs- und gefühlsmäßig doch wieder auf die Hauptstraße zurückführen und eine Abkürzung sein.

Unser jugendlicher Führer musste aus mir unerfindlichen Gründen draußen warten und der Burgführer beauftragt ihn, uns den Rückweg zu zeigen. Also hinab zu den Rädern und weiter bis zu einem Abbruch in ein Tal, hier fällt der Weg ziemlich steil in zwei Serpentinen ab.

Während wir die Wirkung unserer Scheibenbremsen genießen, hat unser Guide die nächste Überraschung parat – sein Rad hat keine Bremsen (mehr). Also bremst er, indem er seinen Fuß zwischen Vorderreifen und Gabel verkeilt und ist nicht viel langsamer unten als wir. Leider löst sich einer meiner Gummiriemen, der den Packsack am Träger hält und verkeilt sich in den Speichen – eine Speiche bricht, Weiterfahrt jedoch möglich.

Und dann steigt der Weg durch ein Tal wieder an und unser Führer ist weiter gefordert, mit unserem Tempo halbwegs Schritt zu halten – sein Geld hat er immer noch nicht bekommen.
Erst als die Straße wirklich steil wird, kapituliert er, steigt ab und schiebt – ich gebe ihm die 50 Dirham, soviel Bewegung an einem Nachmittag hat er in letzter Zeit sicher nicht gemacht.

Den jetzt entlohnten Guide zurücklassend sind es noch einige Kilometer bis uns die Schotterstraße genau wieder nach Tiguermine zurückführt – Abkürzung war das keine, aber eine schöne Strecke in weiten Schleifen über die Hügelketten – und meine Reifen hatten wieder mal etwas Schotter unter sich...

In Aid Abdallah (89 km) gibt es immerhin guten Kaffee und schöne Aussichten auf die Felsen in der Umgebung – vom Ammelntal und damit unserem heutigen Ziel Tafraoute trennt uns nur noch ein weithin sichtbarer Pass. Von dem hat man eine tolle Aussicht und dann beginnt eine episch lange Abfahrt (leider auf Asphalt), die nur durch Fotostops unterbrochen wird – bis zur Abzweigung nach Tafraoute muss man nur einmal bei einer kurzen Gegensteigung in die Pedale treten.

Bei der Ortseinfahrt Tafraoute wartet Tom schon lange, ein sehr schönes Quartier ist schnell gefunden. Wir beschließen, morgen wieder einen Service-, Besichtigungs- und Ruhetag einzulegen und widmen uns der Abend-Tajine.

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TAFRAOUTE

Nach dem oppulentem Frühstück in der örtlichen, gut sortierten Konditorei lasse ich in einer der zahlreichen Werkstätten eine neue Speiche in mein Hinterrad einziehen (gut, dass ich nach den Erfahrungen der letzten Reisen immer die Shimano-Kassetten-Nuss dabei habe, die gibt’s in den Radwerkstätten nicht) und lasse mich wieder gründlich rasieren.


Geldabheben beim Bankomat dauert auch etwas – die Behebung der (lt. Auskunft der Bankangestellten) „Störung der Bankomaten in der ganzen Region“ warten wir im Internet-Cafe ab.

Für den Nachmittag mieten wir uns um akzeptables Geld (200 Dirham) einen komfortablen Geländewagen mit Fahrer und lassen uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der wunderschönen Umgebung zeigen – beginnend mit dem „Napoleonshut“ (die Ähnlichkeit des Felsens damit  blieb uns aber verborgen) über die von einem belgischen Maler gefärbten Felsen „painted rocks“ (recht originell) bis zu einer Gazellen-Felsgravur. Eigentlich ist die Gegend ja auch für das Befahren mit dem MTB hervorragend geeignet, aber unser im Hotel zum Waschen abgegebenes Radgewand ist erst Abends fertig.


Zum Abendessen gelingt es uns, in einem anderen Lokal ein paar Bierdosen zu kaufen – den spanischen Enduro-Fahrern am Nebentisch essen wir noch die letzten Pommes, die das Restaurant im Hotel zu bieten hat, vor der Nase weg – die Tajine wird mit einem Spieß ergänzt.


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TAFRAOUTE - AIT BAHA

 

Gut ausgeruht besuchen wir noch einmal die Konditorei und fahren dann mit den frisch gewaschenen, kettengeölten Rädern die drei Kilometer ins Ammelntal zurück und die Nebenstraße weiter nach Westen. Gut, dass Tom die (beschilderte) Abzweigung nach Tanalt entdeckt, ich wäre vorbeigefahren und der Irrtum hätte einige Zeit gekostet.

Vor nicht allzu langer Zeit wohl noch Piste, steigt die jetzt asphaltierte Straße kräftig an und erklimmt mit ein paar Serpentinen die das Ammelntal nördlich begrenzenden Berge. Dort geht es in weiten Schliefen mal bergauf, mal bergab (es werden kräftig Höhenmeter gesammelt) durch kleine Dörfer (die aber eher wenig bewohnt wirken, vielleicht wurden die Häuser aufgekauft und werden jetzt als Sommerresidenzen benutzt) auf unbefahrener Straße bis nach Tanalt (45 km) – so ziemlich die einzige Versorgungsmöglichkeit in der Gegend.

Immerhin gibt es neben ein paar Läden eine Gaststätte, die als einziges Gericht – erraten – Tajine anbietet. Während wir uns dem zweifelhaften Genuss der x-ten Tajine auf dieser Reise hingeben, werden wir vom Bürgermeister und vom örtlichen Polizeichef persönlich begrüßt – nach dem Austausch von ein paar Floskeln verschwinden die aber in der Garage unterhalb der Terrasse – der niederrangigere Fahrer des Polizeiautos muss einstweilen in diesem warten – erinnert etwas an Pulp Fiction das Ganze – wenn der Chef fertig ist, holt Harry dann den Wagen...

Es folgt eine lange Abfahrt in ein Flusstal und eine ebenso lange Auffahrt auf der anderen Seite wieder hoch – trotz dem Asphalt ist das sicher eine der schönsten (aber auch anstrengendsten Straßen in Marokko). Nach dem Anstieg gibt es dann zwei Alternativen, wir entscheiden uns für die (zumindest auf der Karte) kürzere Variante – und haben noch zwei weitere tiefe Täler mit Gegenanstiegen zu bewältigen. Die Bezeichnung „Achterbahn“ verdient die Straße völlig zu recht – für das Höhenmetersammeln sind aber immer wieder weite Ausblick in den von Tälern zerfurchten Anti-Atlas der Lohn.

In einem namenlosen Dorf kaufen wir Wasserflaschen, füllen den Inhalt in die Trinkflaschen ein und wollen die leeren Plastikflaschen zurückgeben – für diese Aktion ernten wir aber nur absolutes Unverständnis – mit einer Handbewegung wird uns gedeutet, wir sollen die leeren Flaschen einfach neben die Straße werfen – in Sichtweite des Hauses mit dem Laden. In Punkto Umweltbewusstsein gibt es hier noch reichlich zu tun...

Langsam werden die Hügel dann immer flacher  – kurz vor unseren heutigen Tagesziel vereinen sich die beiden Straßen von Tanalt kommend wieder und die letzten paar Kilometer geht es durch unattraktive, flache Landschaft bis nach Ait Baha, wo sich das schöne Hotel auf der Hauptstraße als Übernachtungsquartier anbietet.

Weniger schön ist die Auswahl an Essenslokalen – gegenüber gibt es das „Voyager“, auf das unsere Wahl fällt – die Abendtajine ist aber von äußerst bescheidener Qualität und im einzigen Waschbecken in der Küche wäscht der Kellner seine Füße. Also gibt es noch ein zweites Abendessen im Hotel-Kaffeehaus – diesmal zähes Rindfleisch mit Pommes...

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AIT BAHA - AGADIR

 

Wir sind uns bewusst, das heute keine besonderen landschaftlichen Schönheiten mehr warten – die ersten Kilometer bis kurz vor Biougra (32 km) sind noch recht nett, es geht auf guter Asphaltstraße bergab in die Küstenebene. Noch einen zweiten Morgenkaffee und dann verspricht die Michelin-Karte eine Piste in Richtung Küste – nur ist diese mittlerweile zu einer Hauptstraße aufgestiegen und auf dieser ist auch noch ungewohnt viel Verkehr. Sie führt durch ödes Landwirtschaftsgebiet, erst nach der Kreuzung mit der Hauptstraße P 30 wird es landschaftlich interessanter – in Richtung Atlantik treffen wir auf Dünenlandschaft.

 

Wir können das nahe Meer schon riechen, als wir noch kurz bergauf treten und dann die Räder bis zum Ende der Asphaltstraße im winzigen Fischerdorf Titnite (62 km) rollen lassen – hier gibt es nur mehr Sand – meine Hoffnung, einen Verbindungsweg entlang der Küste zu finden, erfüllt sich nicht.

Wieder den Dünenkamm erreicht, gibt es auch dort keinen einladenden Offroad-Weg Richtung Norden – ein großes Militärgelände blockiert zusätzlich mein Vorhaben und so folgt die schlimmste Strecke der Tour: Wir müssen auf der stark befahrenen Hauptverbindungsstraße den Großraum Agadir erreichen.

In Imizgane kann man wenigstens die Umfahrungsstraße abkürzen und direkt durch den (unattraktiven) Ort fahren, ist weniger Verkehr.

Auf vierspuriger, stark befahrener Straße geht es dann noch bis ins Touristenviertel von Agadir (112 km), wo wir gegenüber der Hotelanlagen eine zwar überteuerte Pizza essen und ein noch überteuerteres Bier trinken (aber das war uns nach so vielen gastronomischen Entbehrungen wirklich egal).

Es gibt zwar eine Riesenauswahl an Unterkünften in der Stadt, nach langem Suchen haben wir dann auch eine sehr befriedigende und vom Preis/Leistungsverhältnis gute Unterkunft gefunden.

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AGADIR

Michl und Tom machen Pause bzw. wollen den Strand besuchen – nicht mein Programm. Ich flüchte aus dem unattraktiven Agadir auf der Hauptstraße P 8 vorbei an der Burg und dem großen Fischereihafen in der Absicht, mein Bike wieder auf dem längst fälligen bestimmungsmäßigen Untergrund zu bewegen. Da ich alle Zeit der Welt habe, nehme ich (zum Erstaunen der Autofahrer) den ein paar Meter neben der Asphaltstraße führenden Eselspfad und kürze im nächsten Dorf gleich durch die geschotterten Gassen ab. Die ehemalige Piste nach Oulma ist mittlerweile auch asphaltiert, aber ich radle weiter auf den Verbindungswegen durch das Siedlungsgebiet, immer parallel zur Straße haltend.

Nach ein paar Kilometern verengt sich das Tal, aber von der Asphaltstraße zweigt ein Fahrweg ab, der in die Hügelkette Richtung Süden führt – ausprobieren. Wie aus dem Nichts taucht mitten auf der Steigung ein junger Hirte auf und bittet um Wasser – ich lasse ihn aus der zweiten Flasche trinken. Oben verzweigt sich der Weg, sogar so etwas wie eine Markierung ist zu entdecken. Ich probiere ein paar Möglichkeiten aus und fahre dann am Hügelkamm weiter – ein ziemlich fordernder Trail mit großen Steinen am Weg und Dornenbüschen an der Seite. In einer weiten Schleife erreicht er dann ein paar Häuser und über eine Schotterstraße geht es dann nach Oulma hinunter – dort stärke ich mich mit ein paar Keksen und fülle die Flasche wieder auf.

Von Oulma gibt es eine neue Asphaltstraße über den Hügel nach Agadir zurück – die verlasse ich aber bei erstbester Gelegenheit und radle im Tal weiter. Nach einer namenlosen Siedlung steigt der Fahrweg an und führt noch in ein kleines Dorf – ab da wird der Weg immer schmäler. Mit viel Phantasie ist ein weiterführender Pfad zu erkennen, mit Fahren ist es aber aus, der Weg ist viel zu verblockt.

Am Gegenhang zeichnet sich aber eine interessante Möglichkeit ab und so schiebe ich das Rad ein paar Hundert Meter durch die niedrigen (Dornen)Büsche. Und tatsächlich, die Mühe lohnt sich – der Pfad ist (wenn auch mit Schwerarbeit verbunden) vollständig fahrbar, gewinnt rasch an Höhe und erreicht einen breiten Schotterweg, der ziemlich am Kamm entlang führt – sehr gut, da will ich hin.

Auch der Schotterweg ist rot/weiß markiert (ohne dass sich mir der Sinn dieser Markierungen erschlossen hätte). Nach einem kleinen Sattel fällt er ab, um oberhalb eines kleinen Dorfes wieder anzusteigen – ich schiebe das Rad ein paar Meter zu dem Dorfweg hinunter und störe kurz die Frauen beim Wäschewaschen im Bach.

Mit ein paar Serpentinen fällt mein Weg dann in Richtung einer weithin sichtbaren (und auf meiner Karte nicht eingezeichneten) Asphaltstraße ab, die in Richtung Agadir zurückführt. Ich probiere noch ein paar Fahrwege links dieser Straße, aber die enden bald bzw. führen mir zu weit nach Osten.

Bei der Brücke über den Fluss macht die Straße eine Kehre und ein unasphaltierter Schotterweg führt in Richtung Küste. Oben auf dem Hügel erkennt man schon die ersten bzw. letzten Häuser vom Siedlungsgebiet Agadir, der Hang hinunter und das Tal, das ich jetzt durchradle, dient als Müllhalde mit entsprechender Geruchsentwicklung. Ich zirkle mein Rad zwischen den schwarzen Plastiksäcken, Tierkadavern und sonstigen Unrat vorbei und bin froh, das Neubaugebiet nordöstlich von der Stadt zu erreichen, auch wenn die zahlreichen Baumaschinen entsprechende Staubbelastung produzieren.

Was das verdiente Abendessen betrifft – die Tajine-Zeit ist endgültig vorbei!

Auch am letzten Tag hält mich nichts in der Stadt – rauf aufs Rad und wieder in Richtung der Siedlung mit der Müllhalde. Die Asphaltstraße führt durch ein Bergbaugebiet und erreicht bald die Stelle, wo ich gestern abgezweigt bin – diesmal bleibe ich auf der anderen Talseite und radle wieder mal die Verbindungswege durch die Häusergruppen ab – ein kurzes Stück ist sogar ziemlich heavy, der bergabführende Trail hat gardasee-ähnlichen Schwierigkeitsgrad.

Dann finde ich aber einen gut zu fahrenden Weg, der in weiten Kehren durch einen Olivenhain bergauf führt – ein Stück weiter nördlich erkenne ich den Hügel, auf dessen Kamm ich gestern geradelt bin. Leider endet mein Fahrweg in einem Dorf unterhalb und ich muss das Rad ein paar Hundert Meter auf steinigem Weg bergauf schieben – als mir ein Bauer mit seinem voll mit Kräutern bepackten Esel entgegenkommt, gibt es auf dem schmalen Pfad kurzfristig Platzprobleme.

Wie erwartet erreiche ich oben die markierte Schotterstraße, die ich heute im umgekehrter Richtung fahre, sie endet an der Asphaltstraße Oulma-Agadir.

Es gäbe von dieser Straße schon ein paar lohnende Abzweigungen, aber ich brauche Wasser – so fahre ich bis in die nördlichen Vororte von Agadir zurück und entdecke auch prompt einen richtigen Supermarkt. Windeln und Katzenfutter brauche ich nicht, aber gekühltes (auch das ist in Marokko nicht selbstverständlich...) Trinkjoghurt und französische Müslikekse brauche ich schon. Ich bin hier im besseren Viertel von Agadir gelandet, die schön asphaltierten Straßen sind sauber, zahlreiche ziemlich protzige Villen mit entsprechenden Autos davor lassen auf gewissen Wohlstand der Bewohner schließen.

Ein würdiger Abschluss meines Agadir-Aufenthaltes soll noch die Befahrung des Burgberges mit der Kasbah obendrauf sein – ich hoffe, ihn von Norden offroad erreichen zu können. Also bei der internationalen Schule rauf, den Hügel auf der anderen Seite auf Ziegenpfad wieder runter (hier liegt schon der gewohnte Abfall) und dann entlang eines Baches in Richtung Burgberg weiter – ich lande aber auf einer breiten Schotterstraße, die durch verfallenes Bergbaugebiet unterhalb vorbei führt und an der Hauptstraße endet. Seltsam schaut es hier aus – die Grundmauern nach dürften früher hier einmal Häuser gestanden haben, die Stämme der Palmen sind bis auf halber Höhe verkohlt, stinken tut es auch. Wenigstens komme ich direkt bei der Abzweigung des Fahr- und des Fußweges rauf zum Burgberg raus.

Ich wähle den einladend wirkenden Fußweg, der mit zunehmender Höhe aber immer wilder wird – zuerst hört das Pflaster auf, dann wird er verdammt schmal und zu guter letzt bin ich kräfteaufreibend damit beschäftigt, das Rad um die zahlreichen Dornenbüsche zu lenken.

Am Plateau der Hügels endlich angekommen, ist es weiter anstrengend, aber wenigstens haben die Reifen auf dem nackten Fels guten Grip. Die Kasbah ist fast vollständig verfallen aber von dem Hügel hat man einen schönen Blick auf Agadir – von oben schaut der Ort nach meinem Geschmack besser aus als er tatsächlich ist.

Die Abfahrt auf gleichem Weg ist ein würdiger Abschluss der Marokko-offorad-Tour.

Letzter Tag - Heimflug

Da gibt es wenig zu berichten – der Flughafen liegt 30 km vom Zentrum entfernt und wir hatten Gegenwind. Immerhin gab es entlang der Hauptstraße auf den ersten Kilometern einen richtigen Radweg.

Direkt bei der Abzweigung zum Flughafen gibt es eine Tankstelle, wo wir die Räder gereinigt und Kartons als Verpackungsmaterial besorgt haben (natürlich gegen eine kleine Spende...).

Alle drei Räder sind unbeschädigt in Wien angekommen.