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1.
Tag:
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RETZ - NOVA BYSTRICE |
131
km, 2.076 hm |
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2. Tag: |
140
km, 1.100 hm |
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3. Tag: |
85
km, 1.700 hm |
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B e s c h r e i b u n g d e r T a g e s e t a p p e n : |
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Depressiv oder melancholisch sollte man nicht sein, wenn man um diese Jahreszeit aus dem Fenster des ersten Zuges nach Retz in die nebelverhangene Landschaft des Weinviertels blickt. Mangelnde optische Attraktionen laden so richtig zum Dösen ein - beim Aussteigen aus dem wohlig warmen Zug am Endbahnhof werde ich gleich von unwirtlichen Herbsttemperaturen empfangen. Wenigstens nieselt es nicht aus dem Hochnebel, alles staubtrocken. Also schnell warm gefahren - die ersten Kilometer bis zur Grenze bei Mitterretzbach geht es auf Asphalt, dann in Berücksichtigung des Umstandes, das ich die nächsten Stunden in der Pampa verbringen werde, schnell noch im Restaurant Geld gewechselt und dann verlasse ich nach dem Grenzort Hnanice gleich die Landstraße und biege ins Thayatal ab.
Hier verlasse ich den Thayatal-Radweg (dieser zweigt nach Süden Richtung Cizov und zur Grenze bei Hardegg ab) endgültig, radle die Asphaltstraße hundert Meter bis zur nächsten Kurve und treffe dort schon auf eine blaue Markierung. Nach dem Durchqueren einer Furt immer links halten (und nicht die rechts abgehenden Abzweigungen nehmen), hier ist der Weg schlecht markiert. Es
geht jetzt leicht bergauf bis Lesna
(26 km, Restaurant, Pension), noch bevor man den Ort sehen kann, kann
man ihn wegen der Schweinefarm neben dem Weg riechen - hier verlasse ich
den Thayatal-Nationalpark und radle auf der neu asphaltierten Landstraße
Richtung Sumna. Auf
der Hügelkuppe könnte man schon den Asphaltweg zum Stausee nehmen,
schöner ist jedoch die grüne Markierung, die auf dem Feldweg
noch vor der Ortseinfahrt beginnt und nach einem netten Singletrack durch
den Wald kurz vor dem Talgrund die Straße erreicht. Die sonst rege touristische Infrastruktur in Seenähe ist jetzt schon im Winterschlaf, die einfachen Gasthäuser, der Lebensmittelladen und die winzigen Miethütten ringsum sind schon vor Wochen dicht gemacht worden. Hier beginnt der gelb markierte Wanderweg, der mich nördlich des Stausees Richtung Bitov führt. Zuerst geht es noch neben einem kleinen Bach im Wald mit ein paar feuchten Stellen am Weg, aber dann lange über weite Felder - mangels Markierungsmöglichkeiten muss man hier gut aufpassen (bei der ersten Asphaltstraße nach rechts, dann über das linke große Feld bis zum Waldrand). Menschliche Wesen bekomme ich nicht zu Gesicht, aber eine rege Tierwelt - ein Reh passiere ich in vielleicht drei Meter Abstand, bemerkenswerterweise kümmert es sich nicht um mich. Wieder
hinab zum Stausee dann noch eine zwar kurze, aber durchaus anspruchsvolle
Abfahrt über nasse Wurzeln und Steine, interessanten Felsformationen
neben dem Weg. Die Markierung führt jetzt ein Stück auf der Landstraße bis zur nächsten Weggabelung ("U Obory", 42 km bis dorthin). Bitov (samt schönem sehenswertem Schloss) lasse ich diesmal aus und umfahre den Ort auf blau markiertem Weg (der gar nicht so leicht zu finden ist, er zweigt in der Kurve von der abfallenden Asphaltstraße ab), zuerst ein Singletrack, dann eine schlecht asphaltierte Forststraße. Von der nächsten Kreuzung weg führt eine rote Markierung direkt bis nach Jemnice - nur ein Fluss muss zwei mal überquert werden, das ist auf der Wanderkarte deutlich zu sehen.
Schimpft mich Weichei, aber nachdem ich einen Schuh und Socken ausgezogen habe und ich die kalte Herbstluft auf dem nackten Fuß spüren konnte, wird der Plan, den Fluss zu durchwaten, sofort verworfen und ich radle den Hügel wieder hinauf. Über die Landstraße geht es zu der auf der Karte eingezeichneten nächsten Brücke.
Da der weiterführende Weg aber sehr einladend aussieht, radle ich dort weiter, bis ich zu einer kleinen Holzbrücke komme - auf dem anderen Ufer ist eine (jetzt verlassene) Hüttensiedlung - Markierung ist aber weit und breit keine zu sehen. Also zurück zur Schleuse und der Tatsache ins Auge geblickt, dass hier offenbar gemeint ist, man solle hier den Fluss überqueren - mit dem Rad ein noch unmöglicheres Unterfangen als an der vorigen Stelle flußabwärts. Also muss eine Alternative her: die Karte zeigt, dass man im Ort Kdousov wieder auf die rote Markierung trifft. Das Erreichen des Freizeitgeländes bei der "Klaskuv Mlyn" über die schiefe und wackelige Holzbrücke ist Abenteuer genug, dafür geht es dann flotter über den Ort Kostniky auf der Landstraße weiter. Gleich in Kdousov sehe ich wieder die Markierung, die auf eine Fahrweg inmitten weiter Felder führt - der Rest der Fahrt bis Jemnice ist relativ einfach, so man auf den weiten Feldern die Markierung nicht verliert. Es ist bei der Orientierung hilfreich, dass die Markierer aus der Situation (freie Felder, nur wenige Bäume) noch das Beste herausgeholt haben und man den größeren Ort schon von weitem erblickt - arg verfahren kann man sich hier nicht (nach der Abzweigung der grünen Markierung Richtung Vratenin bei der darauffolgenden Weggabelung links halten).
Die meiste Zeit geht es auf Forststraße flott dahin, teilweise sind auch kurze Trailstücke auf Waldboden dabei. Nach dem vielen Wald erblickt man dann die weithin sichtbare Ruine der Burg Landstejn (110 km), die auf der Karte eingezeichnete Pension sowie das danebenliegende Gasthaus sind aber jetzt geschlossen.
Vermeintliche Rettung in der Not sind aber drei Holzfällerinnen, die mit dreckverschmiertem Gesicht bei dem Felsen soeben ihre Ruhepause einlegen, leider können sie kein Wort Englisch oder Deutsch - geben mir aber zu verstehen, dass ich Richtung Klaster bei der nächsten Kreuzung nach links abbiegen müsse. Die
Auskunft erweist sich leider (wie ich auch instinktiv vermutet habe) als
Flop. Die Forststraße dreht zwar wieder in südwestliche Richtung,
kommt aber auf die Landstraße kurz vor Stare
Mesto - falsche Richtung ! Entweder habe ich die Waldarbeiterinnen
(die wasserstoffblondgefärbten Haare einer von ihnen hat mit dem
Dreck und Ruß im Gesicht einen bemerkenswerten Kontrast ergeben)
nicht gut verstanden oder ich war nicht ihr Typ und wurde absichtlich
von ihnen in die falsche Richtung geschickt - egal, man muss das Beste
aus der Situation machen, zumal es jetzt auch schon langsam dämmrig
wird. Auf der Karte ist zu sehen, dass über Dobrotin
eine als Radroute ausgewiesene Straße direkt nach Klaster führt,
also los. Es geht kilometerlang auf der zwar asphaltierten, aber für
Autos gesperrten Straße schnurgerade durch dichten Wald (hier kann
man fast rennradmäßiges Tempo machen) und es ist schon ziemlich
dunkel, als ich das große Kloster erkennen kann und damit die Hauptstraße
wieder erreicht habe. LED-Front- und Rücklicht eingeschaltet und
die restlichen drei Kilometer bis Nova
Bystrice sind dann flott abgeradelt. Durch den wieder einfallenden
Nebel wird es jetzt draußen auch schon ziemlich unwirtlich, aber
es gilt vorab ja noch ein Nachtquartier zu suchen. Direkt an der Straße ist in einer alten Villa ein vornehm aussehendes Hotel errichtet worden, schaut teuer aus, also zuerst zum Hauptplatz, dort habe ich schon einmal günstig übernachtet. Leider ist dort (im Gebäude des China-Restaurants) noch nicht geöffnet, das Hotel nebenan ist nach der außen angeschlagenen Preisliste auch nicht wirklich günstig und so radle ich einmal ein Stück weiter die Hauptstraße entlang in nördliche Richtung und siehe da, links steht ein neues Gasthaus mit Pension. Zu
einem äußerst angemessenen Preis bekomme ich für mein
Rad und mich ein ganzes Appartement mit allen Features - wirklich zu empfehlen.
Auch das Abendessen war ganz gut und günstig, ein längerer Abendspaziergang
entfällt im Hinblick auf die rasant gefallene Außentemperatur. |
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Wo gibt es eine Wochentags schon ab 5 Uhr Früh (!) geöffnete Konditorei ? Am Hauptplatz in Nova Bystrice - sooo früh war ich zwar noch nicht dort, aber der Frühaufstehwahn der Tschechen (übrigens auch die Slowaken beginnen schon so früh ihr Tagwerk) kommt dem tatendurstigen Radler doch sehr gelegen.
Dieser Umstand erschwert mir aber auch die Suche nach einer geeigneten Übersichtskarte für mein nächstes Vorhaben, die Fahrt auf dem ab Gmünd ausgeschilderten "Granittrail" ins Donautal bis Ybbs. Nach Überqueren des nur für Fußgänger und Radler geöffneten kleinen Grenzüberganges schaue ich zuerst am Bahnhof nach Info-Material, dann am Hauptplatz bei der Touristeninformation (geschlossen) bzw. im Hotel gegenüber - gibt nichts, bleiben mir nur meine schon etwas veralteten Waldviertel-MTB-Karten und die Hoffnung, dass die neue Route gut ausgeschildert ist.
Erst nach Oberlainsitz geht es entlang der Schmalspurbahn auf Waldweg ins Gelände - die folgenden Kilometer entschädigen dann aber doch für die unattraktive Anfahrt, insbesondere der Trail hinauf nach Bruderndorf ist doch recht anspruchsvoll.
Die hereinbrechende Dämmung und die - mangels entsprechendem Material - nicht vorhandenen Informationen über baldige Übernachtungsmöglichkeiten lassen mich dann die Tour abbrechen und ich rolle auf Asphalt nach Groß Gerungs zurück. Die Hoffnung, hier ein breites Unterkunftsangebot zu finden, wird zwar enttäuscht, aber der einzige Gasthof im Ort, der zu dieser Zeit Zimmer vermietet, ist dann doch eine zufrieden stellende Option. |
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Die Außentemperatur lädt nicht zum langen Verweilen ein - am westlichen Ortrand von Gutenbrunn zweigt der Granittrail auf eine Forststraße ab - noch geht es fast eben dahin - bis man vor dem Steilabbruch hinunter in das Yspertal steht. Die schöne Aussicht kann nur kurz genossen werden, weil es auf einem Karrenweg wirklich steil bergab geht - in umgekehrter Richtung ist dieser Streckenabschnitt eine echte Herausforderung.
Im Donautal scheint sich der Nebel den ganzen Tag gehalten zu haben und so tauche ich allmählich in den feuchten nasskalten Nebel ein. Das allerletzte Stück kurz vor Priel (die Nachbargemeinde von Persenbeug) ist dann noch etwas steiler - steil genug, um einen Ventilabriss am Vorderrad zu verursachen und ich sehe schon meinen komfortablen Zeitvorsprung betreffend den Direktzug nach Wien zurück schwinden. Und der Ersatzschlauch verliert auch Luft - Trost bietet da nur das Gemeindeamt, das hoffentlich über eine Toilette verfügt - Flickzeug führe ich mit. Jetzt beginnt ein seltsames Spiel: unter den erstaunten Blicken der auf dem in gleichen Gebäude befindlichen Kinderarzt wartenden Mütter gehe ich mit dem Ersatzschlauch (der ursprüngliche ist wegen des Ventilabrisses irreperabel) aufs WC, lasse im Waschbecken Wasser ein, suche das Loch, klebe einen Flicken drauf und - fahre nicht weiter, sondern stelle verärgert fest, dass der Ersatzschlauch wieder nicht die Luft hält. Das Spiel wiederholt sich viermal, dann sind meine Flicken verbraucht und ich resigniere. Scheint tatsächlich so zu sein, dass der über viele Monate in der Satteltasche mitgeführte (neue) Ersatzschlauch auf vielen Stellen aufgescheuert wurde - was lernen wir daraus? Der unrühmliche Ausklang einer durchaus gelungenen Tour ist dann der Fußmarsch hinunter nach Persenbeug, dann über die Donaubrücke, dann quer durch Ybbs bis zu dem einzigen Radgeschäft, das natürlich genau heute Nachmittag geschlossen hat. So bleibt mir der Fußweg zum Bahnhof auch nicht erspart...
Fazit: Auch im Spätherbst kann - trockenes Wetter vorausgesetzt - eine mehrtägige MTB-Tour Spaß machen. Die Wege hat man für sich allein, lange Pausen sind halt im Hinblick auf die kürzere Tageslichtzeit nicht drinnen. Das Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten ist in CZ gut, in A ausreichend (zumindest zu dieser Jahreszeit) - deshalb habe ich alle wahrgenommenen Möglichkeiten im Text angeführt.
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