Rad - Reiseberichte MTB-tour


R e i s e b e s c h r e i b u n g :

1. Tag:
RETZ - NOVA BYSTRICE

131 km, 2.076 hm
(höchster Punkt: 700 m (vor Landstein)

2. Tag:

NOVA BYSTRICE - GROSS GERUNGS

140 km, 1.100 hm
(höchster Punkt: 957 m
nach dem Frauenwieserteich vor Langschlag)

3. Tag:

GROSS GERUNGS - PERSENBEUG

85 km, 1.700 hm
(höchster Punkt: 986 m nach Gutenbrunn)


B e s c h r e i b u n g    d e r    T a g e s e t a p p e n :


RETZ - NOVA BYSTRICE

Depressiv oder melancholisch sollte man nicht sein, wenn man um diese Jahreszeit aus dem Fenster des ersten Zuges nach Retz in die nebelverhangene Landschaft des Weinviertels blickt. Mangelnde optische Attraktionen laden so richtig zum Dösen ein - beim Aussteigen aus dem wohlig warmen Zug am Endbahnhof werde ich gleich von unwirtlichen Herbsttemperaturen empfangen. Wenigstens nieselt es nicht aus dem Hochnebel, alles staubtrocken. Also schnell warm gefahren - die ersten Kilometer bis zur Grenze bei Mitterretzbach geht es auf Asphalt, dann in Berücksichtigung des Umstandes, das ich die nächsten Stunden in der Pampa verbringen werde, schnell noch im Restaurant Geld gewechselt und dann verlasse ich nach dem Grenzort Hnanice gleich die Landstraße und biege ins Thayatal ab.

Da ich hier öfter unterwegs bin, handelt es sich noch um ein Heimspiel und ich wähle für die Weiterfahrt nicht den markierten (asphaltierten) offiziellen Radweg über die erste Hängebrücke sondern bleibe auf der blauen Markierung, welche die Thaya - auch auf einer Hängebrücke - einen Kilometer flussaufwärts überquert. Nach dem Fluss bin ich dann endgültig auf Betriebstemperatur - es gilt, ca. 150 Höhenmeter auf einem Karrenweg zu überwinden, auf der Höhe noch zwei Kilometer flach und ich treffe wieder auf den markierten Radweg, der entlang des ehemaligen eisernen Vorhanges die Grenze entlang führt.

Nach einer Taldurchfahrt mit einem kleinen Teich führte der Radweg früher über einen - in Radlerkreisen berüchtigten - mit Betonplatten schlecht ausgelegten megasteilen Anstieg weiter - diese Stelle wurde "entschärft", der Radweg biegt jetzt nach rechts ab. Schöner als auf dem ausgeschilderten Radweg fährt man aber mit dem MTB auf dem rot markierten Wanderweg, der bei der Absperrung der alten Strecke beginnt und nach links in den Wald abzweigt, nach zwei Kilometern trifft man wieder auf die offizielle Strecke.

Nach dem nächsten Dorf Lukov (Pension) hingegen bleibe ich auf dem Radweg, der den alten Grenzweg verlässt (deutlich sichtbare "Stop"-Tafel), durch ein Waldstück erreicht man eine kurze Abfahrt zu einer Holzbrücke und gleich danach einen schön gelegenen Teich mitten im Wald.

Hier verlasse ich den Thayatal-Radweg (dieser zweigt nach Süden Richtung Cizov und zur Grenze bei Hardegg ab) endgültig, radle die Asphaltstraße hundert Meter bis zur nächsten Kurve und treffe dort schon auf eine blaue Markierung. Nach dem Durchqueren einer Furt immer links halten (und nicht die rechts abgehenden Abzweigungen nehmen), hier ist der Weg schlecht markiert.

Es geht jetzt leicht bergauf bis Lesna (26 km, Restaurant, Pension), noch bevor man den Ort sehen kann, kann man ihn wegen der Schweinefarm neben dem Weg riechen - hier verlasse ich den Thayatal-Nationalpark und radle auf der neu asphaltierten Landstraße Richtung Sumna. Auf der Hügelkuppe könnte man schon den Asphaltweg zum Stausee nehmen, schöner ist jedoch die grüne Markierung, die auf dem Feldweg noch vor der Ortseinfahrt beginnt und nach einem netten Singletrack durch den Wald kurz vor dem Talgrund die Straße erreicht.

Die sonst rege touristische Infrastruktur in Seenähe ist jetzt schon im Winterschlaf, die einfachen Gasthäuser, der Lebensmittelladen und die winzigen Miethütten ringsum sind schon vor Wochen dicht gemacht worden. Hier beginnt der gelb markierte Wanderweg, der mich nördlich des Stausees Richtung Bitov führt. Zuerst geht es noch neben einem kleinen Bach im Wald mit ein paar feuchten Stellen am Weg, aber dann lange über weite Felder - mangels Markierungsmöglichkeiten muss man hier gut aufpassen (bei der ersten Asphaltstraße nach rechts, dann über das linke große Feld bis zum Waldrand). Menschliche Wesen bekomme ich nicht zu Gesicht, aber eine rege Tierwelt - ein Reh passiere ich in vielleicht drei Meter Abstand, bemerkenswerterweise kümmert es sich nicht um mich.

Wieder hinab zum Stausee dann noch eine zwar kurze, aber durchaus anspruchsvolle Abfahrt über nasse Wurzeln und Steine, interessanten Felsformationen neben dem Weg.
Diesmal kommt man direkt ans Ufer des Stausees, wieder verlassene Hütten, ein paar Boote liegen auf dem Trockenen. Leider gibt es noch keine Anzeichen dafür, dass der Hochnebel aufreisst - kalt ist mir - bedingt durch den ewigen Wechsel von kurzen Anstiegen mit Abfahrten - jedoch schon lange nicht mehr. Die folgende Auffahrt (weiterhin auf der gelben Markierung) ins nächste Dorf Chvalatice (Restaurant, Pension) hat es aber in sich - selbst bei vollkommen trockenen Wetter wird man hier wegen der losen Steine ein paar Meter schieben müssen.

Die Markierung führt jetzt ein Stück auf der Landstraße bis zur nächsten Weggabelung ("U Obory", 42 km bis dorthin). Bitov (samt schönem sehenswertem Schloss) lasse ich diesmal aus und umfahre den Ort auf blau markiertem Weg (der gar nicht so leicht zu finden ist, er zweigt in der Kurve von der abfallenden Asphaltstraße ab), zuerst ein Singletrack, dann eine schlecht asphaltierte Forststraße. Von der nächsten Kreuzung weg führt eine rote Markierung direkt bis nach Jemnice - nur ein Fluss muss zwei mal überquert werden, das ist auf der Wanderkarte deutlich zu sehen.

In rasanter Fahrt geht es auf Asphaltresten wieder einmal hinab ins Tal, der Wanderweg zweigt ab und endet jäh am Flussufer der Zeletavka. Auf der anderen Seite steht ein (geschlossenes) Gasthaus samt Freizeitareal - ein Weiterkommen auf meinem Flussufer ist nicht möglich, ein Stück weiter stehen steile Felsen.

Ich suche also verzweifelt nach einer Möglichkeit, den ca. 5 Meter breiten Fluss zu passieren. Durchfahren ist unmöglich, dazu ist er zu tief. Im Wasser liegen zwar ein paar Steine, aber immer viel zu weit auseinander, um solcherart eine Passage trockenen Fußes zu ermöglichen.

Schimpft mich Weichei, aber nachdem ich einen Schuh und Socken ausgezogen habe und ich die kalte Herbstluft auf dem nackten Fuß spüren konnte, wird der Plan, den Fluss zu durchwaten, sofort verworfen und ich radle den Hügel wieder hinauf. Über die Landstraße geht es zu der auf der Karte eingezeichneten nächsten Brücke.

So, endlich bin ich auf dem Südufer der Zeletavka - zwei Serpentinen muss ich noch auf Asphalt zurücklegen, dann treffe ich wieder auf die rote Markierung - der Weg fällt sogleich zum Flussufer ab und verengt sich. Nach ein paar hundert Meter komme ich zu einer kleinen Schleuse, dort ist die rote Markierung angebracht.

Da der weiterführende Weg aber sehr einladend aussieht, radle ich dort weiter, bis ich zu einer kleinen Holzbrücke komme - auf dem anderen Ufer ist eine (jetzt verlassene) Hüttensiedlung - Markierung ist aber weit und breit keine zu sehen. Also zurück zur Schleuse und der Tatsache ins Auge geblickt, dass hier offenbar gemeint ist, man solle hier den Fluss überqueren - mit dem Rad ein noch unmöglicheres Unterfangen als an der vorigen Stelle flußabwärts.

Also muss eine Alternative her: die Karte zeigt, dass man im Ort Kdousov wieder auf die rote Markierung trifft. Das Erreichen des Freizeitgeländes bei der "Klaskuv Mlyn" über die schiefe und wackelige Holzbrücke ist Abenteuer genug, dafür geht es dann flotter über den Ort Kostniky auf der Landstraße weiter. Gleich in Kdousov sehe ich wieder die Markierung, die auf eine Fahrweg inmitten weiter Felder führt - der Rest der Fahrt bis Jemnice ist relativ einfach, so man auf den weiten Feldern die Markierung nicht verliert. Es ist bei der Orientierung hilfreich, dass die Markierer aus der Situation (freie Felder, nur wenige Bäume) noch das Beste herausgeholt haben und man den größeren Ort schon von weitem erblickt - arg verfahren kann man sich hier nicht (nach der Abzweigung der grünen Markierung Richtung Vratenin bei der darauffolgenden Weggabelung links halten).

Die letzten zwei Kilometer müssen dann wieder auf der Landstraße zurückgelegt werden. Jemnice hat zwar ein altes Schloss mit dazugehörigem Park zu bieten, das gastronomische Angebot ist aber mehr als bescheiden - nach längerem Suchen finde ich dann aber doch noch ein geöffnetes Gasthaus, in dem ich meine osteuropäische Standardmahlzeit (Gebackenen Käse) verzwicken kann. Bis hierher habe ich doch schon 68 km und fast 1200 Höhenmeter zurückgelegt.

Ich bin schon bald wieder auf dem Rad, da es durch die Umstellung auf Winterzeit jetzt schon früher finster wird, muss das Radelprogramm komprimiert durchgezogen werden. Die rote Markierung führt - zuerst auf der gar nicht so schwach befahrenen Landstraße - weiter zum nächsten größeren Ort Dadice. Nach Abzweigung des Weges in den Wald eröffnet sich wieder eine nette Bikestrecke, besonders nach dem Ort Trebetice. Da ein immerhin fast 600 Meter hoher Hügel überquert werden muss, bin ich schon fast oberhalb der Nebelgrenze und erwische ein paar Sonnenstrahlen. War im Thayatal und danach noch der Laubwald vorherrschend, so ähndelt hier die Landschaft immer mehr dem Waldviertel.

In Dadice (Restaurant, Hotel) halte ich mich nicht lange auf und zweige gleich auf die südwärts führende gelbe Markierung ab - hier geht es wieder über Feldwege ohne allzu große Höhenunterschiede und ohne Orientierungsprobleme über die kleinen Ortschaften Urbanec, Cizkrajov, Dolni Bolikov (hier ein Restaurant neben der Straße) bis Vlastkovec, kurz danach taucht man dann in dichten Nadelwald ein.

Die meiste Zeit geht es auf Forststraße flott dahin, teilweise sind auch kurze Trailstücke auf Waldboden dabei. Nach dem vielen Wald erblickt man dann die weithin sichtbare Ruine der Burg Landstejn (110 km), die auf der Karte eingezeichnete Pension sowie das danebenliegende Gasthaus sind aber jetzt geschlossen.

Jetzt geht es auf blau markiertem Weg weiter, nach dem Dorf Landstejn (mit schönem Blick auf die Burg) zieht ein gar nicht so einfach zu fahrender Waldweg steil nach oben, bis man auf eine markante Felsformation und eine Forststraße trifft - hier gibt es auch leider keine neue Markierung (offenbar wegen der Holzschlägearbeiten).

Vermeintliche Rettung in der Not sind aber drei Holzfällerinnen, die mit dreckverschmiertem Gesicht bei dem Felsen soeben ihre Ruhepause einlegen, leider können sie kein Wort Englisch oder Deutsch - geben mir aber zu verstehen, dass ich Richtung Klaster bei der nächsten Kreuzung nach links abbiegen müsse.

Die Auskunft erweist sich leider (wie ich auch instinktiv vermutet habe) als Flop. Die Forststraße dreht zwar wieder in südwestliche Richtung, kommt aber auf die Landstraße kurz vor Stare Mesto - falsche Richtung ! Entweder habe ich die Waldarbeiterinnen (die wasserstoffblondgefärbten Haare einer von ihnen hat mit dem Dreck und Ruß im Gesicht einen bemerkenswerten Kontrast ergeben) nicht gut verstanden oder ich war nicht ihr Typ und wurde absichtlich von ihnen in die falsche Richtung geschickt - egal, man muss das Beste aus der Situation machen, zumal es jetzt auch schon langsam dämmrig wird. Auf der Karte ist zu sehen, dass über Dobrotin eine als Radroute ausgewiesene Straße direkt nach Klaster führt, also los. Es geht kilometerlang auf der zwar asphaltierten, aber für Autos gesperrten Straße schnurgerade durch dichten Wald (hier kann man fast rennradmäßiges Tempo machen) und es ist schon ziemlich dunkel, als ich das große Kloster erkennen kann und damit die Hauptstraße wieder erreicht habe. LED-Front- und Rücklicht eingeschaltet und die restlichen drei Kilometer bis Nova Bystrice sind dann flott abgeradelt. Durch den wieder einfallenden Nebel wird es jetzt draußen auch schon ziemlich unwirtlich, aber es gilt vorab ja noch ein Nachtquartier zu suchen.

Direkt an der Straße ist in einer alten Villa ein vornehm aussehendes Hotel errichtet worden, schaut teuer aus, also zuerst zum Hauptplatz, dort habe ich schon einmal günstig übernachtet. Leider ist dort (im Gebäude des China-Restaurants) noch nicht geöffnet, das Hotel nebenan ist nach der außen angeschlagenen Preisliste auch nicht wirklich günstig und so radle ich einmal ein Stück weiter die Hauptstraße entlang in nördliche Richtung und siehe da, links steht ein neues Gasthaus mit Pension.

Zu einem äußerst angemessenen Preis bekomme ich für mein Rad und mich ein ganzes Appartement mit allen Features - wirklich zu empfehlen. Auch das Abendessen war ganz gut und günstig, ein längerer Abendspaziergang entfällt im Hinblick auf die rasant gefallene Außentemperatur.

NOVA BYSTRICE - GROSS GERUNGS

Wo gibt es eine Wochentags schon ab 5 Uhr Früh (!) geöffnete Konditorei ? Am Hauptplatz in Nova Bystrice - sooo früh war ich zwar noch nicht dort, aber der Frühaufstehwahn der Tschechen (übrigens auch die Slowaken beginnen schon so früh ihr Tagwerk) kommt dem tatendurstigen Radler doch sehr gelegen.

Ich habe zwar kurz in Erwägung gezogen, bis Gmünd gleich in Österreich zu fahren, entscheide mich aber dann doch für das Unbekannte. Novy Voijrov wird noch (fast) ausschließlich auf der Landstraße erreicht und dann geht es auf netter Strecke wieder in den dichten Wald. Die dann bald zu fahrenden breiten Forststraßen sind zwar fahrtechnisch nicht anspruchsvoll, ermöglichen aber ein rasches Vorwärtskommen und so sind die unzähligen künstlich angelegten Fischteiche des Treboner Beckens schnell erreicht. Am Ortsrand von Chlum (23 km, hier in der Gegend überall Gasthäuser und Pensionen) besorge ich mir an einem Kiosk noch eine weitere Wanderkarte der Gegend und wechsle wieder mal die Farbe der Markierung - bis zum Grenzort Ceske Velenice geht es jetzt rot weiter.

Auf den folgenden Kilometern Forstautobahnen erzielt man auch mit dem MTB ziemliche Geschwindigkeiten, großteils ist der Weg auch offizielle Radroute (in CZ gelb markiert), zweisprachige Tafeln am Wegrand weisen von Zeit zu Zeit auf historische oder kulturelle Begebenheiten hin (zB auf verlassene Dörfer mit deutscher Bevölkerung, die nach dem 2. Weltkrieg ausgewiesen wurde). Erst bei der Hauptstraße nahe der Grenzstation Neunagelberg beginnt unvermutet wieder ein Singletrack, der durch dichten Nadelwald in Richtung einer riesigen Schottergrube führt, dann geht es bis zur winzigen Ortschaft Krabonos wieder auf Feldweg dahin. Die restlichen Kilometer bis Cesky Velenvice (Übernachtungsmöglichkeit) (55 km) sind auch flott absolviert, sodass ich mit dem Mittagessen schon um 10.30 starten könnte. Und tatsächlich gibt es im Ort ein China-Restaurant, das schon um diese Zeit geöffnet hat und von zahlreichen Österreichern besucht wird (1. November ist Feiertag).

Dieser Umstand erschwert mir aber auch die Suche nach einer geeigneten Übersichtskarte für mein nächstes Vorhaben, die Fahrt auf dem ab Gmünd ausgeschilderten "Granittrail" ins Donautal bis Ybbs. Nach Überqueren des nur für Fußgänger und Radler geöffneten kleinen Grenzüberganges schaue ich zuerst am Bahnhof nach Info-Material, dann am Hauptplatz bei der Touristeninformation (geschlossen) bzw. im Hotel gegenüber - gibt nichts, bleiben mir nur meine schon etwas veralteten Waldviertel-MTB-Karten und die Hoffnung, dass die neue Route gut ausgeschildert ist.

Direkt am Bahnhof kann ich mich in die Route einklicken - die ersten knapp dreißig Kilometer über Weitra bis St. Martin (88 km) führen aber fast ausschließlich über Asphalt - enttäuschend, dafür stehen aber überall gut sichtbar die Wegweiser.

Erst nach Oberlainsitz geht es entlang der Schmalspurbahn auf Waldweg ins Gelände - die folgenden Kilometer entschädigen dann aber doch für die unattraktive Anfahrt, insbesondere der Trail hinauf nach Bruderndorf ist doch recht anspruchsvoll.

Auch die weitere Routenführung des "Granittrails" über den Frauenwieserteich nach Langschlag (110 km) weist ein paar nette Streckenabschnitte auf, auf den fahrtechnisch anspruchslosen Teilen kann man dafür in die schöne Umgebung blicken. Insbesondere im Bereich Groß Gerungs ist die Streckenführung ziemlich verwinkelt, das winzige Dorf Freitzenschlag passiert man gleich zwei mal, nur wenige Meter entfernt sieht man auf der Weiterfahrt, wo man eine halbe Stunde vorher geradelt ist.

Die hereinbrechende Dämmung und die - mangels entsprechendem Material - nicht vorhandenen Informationen über baldige Übernachtungsmöglichkeiten lassen mich dann die Tour abbrechen und ich rolle auf Asphalt nach Groß Gerungs zurück. Die Hoffnung, hier ein breites Unterkunftsangebot zu finden, wird zwar enttäuscht, aber der einzige Gasthof im Ort, der zu dieser Zeit Zimmer vermietet, ist dann doch eine zufrieden stellende Option.

GROSS GERUNGS - PERSENBEUG


Im ausgestorben wirkenden Hauptplatz empfängt mich ein schöner, aber saukalter Spätherbstmorgen - irgendwann in der Nacht hat es kurz geregnet und die Straße ist noch nass. Nahe den vielen Bachläufen hängen noch der Nebel, aber mit dem Erreichen meines gestrigen Umkehrpunktes bin ich wieder etwas höher und kann ein paar Strahlen der gar nicht wärmenden Morgensonne genießen.

Die Trails hat der kurze Regen - bedingt durch die vorherige lange Periode ohne Niederschläge - nicht in Mitleidenschaft gezogen, ich komme auf den (teilweise asphaltierten) Güter- und Feldwegen flott voran. Den Ort Griesbach streift die ausgeschilderte Route nur, ich fahre trotzdem zum "Zentrum" hinab - hier hätte es überraschenderweise auch eine Übernachtungsmöglichkeit gegeben.

Deren viele gibt es dann erst in Arbesbach (15 km), vor dem Ort muss man für zwei Kilometer wieder die Landstraße benutzen. Die weithin sichtbare Burgruine bleibt heute unbeachtet, ein kurzes Orientierungsproblem (fehlender Granittrail-Wegweiser) auf der Straße B 119 kann gelöst werden (beim Erreichen der Asphaltstraße rechts hinab und dann nach 200 m gleich wieder links in den Wald) und nach Altmelon wird es wieder interessant - zuerst liegt die Felsformation der "Luagalucka" neben der Strecke, und dann wird es für ein paar Meter neben einem Bach richtig technisch. Die Freude währt aber nur kurz, es folgen bis Schönbach (15 km) wieder lange Kilometer auf Asphalt - etwas Thrill bringt nur ein laut kläffender Hund größeren Kalibers, dem davongeradelt werden muss.

Das ewige Auf und Ab findet in Schönbach (30 km) seine Fortsetzung - "Granitbeisser"-Teilnehmern wird sowohl der steile Straßenanstieg im Ort als auch der restliche Weg nach Bärnkopf bekannt vorkommen. Ab da folgt der Granittrail der Langlaufloipe neben der Straße, natürlich wird der Umweg über Saggraben nicht ausgelassen und ich erreiche Gutenbrunn (58,5 km, 1180 HM bis dahin) gerade noch vor Geschäftschluss und kann mir in der Bäckerei ein Mittagessen kaufen.

Die Außentemperatur lädt nicht zum langen Verweilen ein - am westlichen Ortrand von Gutenbrunn zweigt der Granittrail auf eine Forststraße ab - noch geht es fast eben dahin - bis man vor dem Steilabbruch hinunter in das Yspertal steht. Die schöne Aussicht kann nur kurz genossen werden, weil es auf einem Karrenweg wirklich steil bergab geht - in umgekehrter Richtung ist dieser Streckenabschnitt eine echte Herausforderung.

Bis Altenmarkt (73 km) geht es dann immer am westlich gelegenen Hang bergauf und bergab - leider größtenteils auf Asphalt - dahin, aber dann wird es wieder interessant. Im Sommer (bei trockenem Wetter) müsste ich auf der Steilauffahrt zum Ostrong wohl nicht so oft absteigen - die feuchten Wurzeln und Steine unter dem Laub bieten dem Hinterradreifen keinen wirklich guten Grip. Und im oberen Teil führt der Weg durch ein Aufforstgebiet und es liegt jede Menge Knüppelholz herum, hier sind die Antriebskomponenten extrem gefährdet (wäre nicht das erste Mal, das mir ein Holzstück das Schaltwerk demoliert).

Teil schiebend, teils fahrend, erreicht man so eine Schafweide (hier ist die Markierung nicht wirklich gut, der Weg beginnt wieder bei der Hütte) - und dann noch ein kurzes Stück Singletrack bis zur Forstraßenkreuzung bei Neuwaldhäusel - der Rest ist dann flottes Bergabfahren auf der Forstautobahn.

Im Donautal scheint sich der Nebel den ganzen Tag gehalten zu haben und so tauche ich allmählich in den feuchten nasskalten Nebel ein. Das allerletzte Stück kurz vor Priel (die Nachbargemeinde von Persenbeug) ist dann noch etwas steiler - steil genug, um einen Ventilabriss am Vorderrad zu verursachen und ich sehe schon meinen komfortablen Zeitvorsprung betreffend den Direktzug nach Wien zurück schwinden.

Und der Ersatzschlauch verliert auch Luft - Trost bietet da nur das Gemeindeamt, das hoffentlich über eine Toilette verfügt - Flickzeug führe ich mit. Jetzt beginnt ein seltsames Spiel: unter den erstaunten Blicken der auf dem in gleichen Gebäude befindlichen Kinderarzt wartenden Mütter gehe ich mit dem Ersatzschlauch (der ursprüngliche ist wegen des Ventilabrisses irreperabel) aufs WC, lasse im Waschbecken Wasser ein, suche das Loch, klebe einen Flicken drauf und - fahre nicht weiter, sondern stelle verärgert fest, dass der Ersatzschlauch wieder nicht die Luft hält. Das Spiel wiederholt sich viermal, dann sind meine Flicken verbraucht und ich resigniere. Scheint tatsächlich so zu sein, dass der über viele Monate in der Satteltasche mitgeführte (neue) Ersatzschlauch auf vielen Stellen aufgescheuert wurde - was lernen wir daraus?

Der unrühmliche Ausklang einer durchaus gelungenen Tour ist dann der Fußmarsch hinunter nach Persenbeug, dann über die Donaubrücke, dann quer durch Ybbs bis zu dem einzigen Radgeschäft, das natürlich genau heute Nachmittag geschlossen hat. So bleibt mir der Fußweg zum Bahnhof auch nicht erspart...

 

Fazit: Auch im Spätherbst kann - trockenes Wetter vorausgesetzt - eine mehrtägige MTB-Tour Spaß machen. Die Wege hat man für sich allein, lange Pausen sind halt im Hinblick auf die kürzere Tageslichtzeit nicht drinnen. Das Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten ist in CZ gut, in A ausreichend (zumindest zu dieser Jahreszeit) - deshalb habe ich alle wahrgenommenen Möglichkeiten im Text angeführt.