Rad - Reisebericht von Süd nach Nord


R e i s e b e s c h r e i b u n g :

 
1. Tag:
MAILAND Flughafen - Lago Maggiore ARONA (Rundfahrt)
140 km, 1.200 hm

2. Tag:

Rundfahrt: Start und Ziel ARONA

164 km, 1.280 hm

3. Tag:

ARONA - POGGIRIDENTI

167 km, 1.450 hm

4. Tag:

POGGIRIDENTI - LANA

167 km, 3.150 hm

5. Tag:

LANA - LEUTASCH

153 km, 3.280 hm

6. Tag:

LEUTASCH - KUFSTEIN

128 km, 1035 km

 

B e s c h r e i b u n g   d e r    T a g e s e t a p p e n :


MAILAND Flughafen - Lago Maggiore - ARONA (Rundfahrt)

Hat wieder alles bestens geklappt – in Mailand-Malpensa bekomme ich in Rekordzeit den Karton mit dem Rad ausgehändigt, nur der vordere Reifen ist ohne Luft – also ist zusätzlich zum Zusammenbau noch Schlauchwechsel angesagt – nach vollbrachter Arbeit leistet das Handwaschbecken in der Toilette nebenan gute Dienste.

Zuerst werde ich einmal zwei Tage das Tessin erkunden und habe zu diesem Zweck ein billiges Quartier in Sesto Calenda am Südufer des Lago Maggiore per Telefon vorgebucht. Der Flughafen liegt weit außerhalb der Stadt in nordöstlicher Richtung und nach Sesto Calende sind es nur ein paar km, allerdings auf stark befahrener Straße. Ich bewege mich – obwohl ich verschiedene Ortschaften durchfahre – de facto noch immer im dicht verbauten Gebiet, entsprechend heftig ist der Verkehr.

Einmal fragen und schon finde ich das im Haus eines China-Restaurants befindliche Hotel nebst dem Bahnhof, jetzt am Morgen hat das Restaurant natürlich geschlossen, aber im Hinterhof ist eine Klingel. Es öffnet eine bemerkenswerterweise nur italienisch sprechende Chinesin, die für ein (noch unaufgeräumtes) Zimmer ohne Bad und WC nicht (wie im Internet angegeben) 16, sondern 35 Euro (!) haben möchte – ein unverschämter Preis auch angesichts des Umstandes, dass das Etablissement verdammt nach totem oder gekochtem Huhn stinkt – diesen Geruch kenne ich auch aus heimischen China-Restaurants (keine Ahnung, was die mit den Hühnern machen).

Trotz mittlerweile aufgekommenen leichten Nieselregen verlasse ich das „Hotel Pagode“ schnellstens und radle auf der Hauptstraße zum Westufer des Lago Maggiore, hier wird der Regen langsam immer stärker. Die Straße hat aber größtenteils einen Seitenstreifen, auf dem sich unbehelligt vom starken Verkehr radeln lässt.

Kurz vor Arona (28 km vom Flughafen) dann auf der anderen Straßenseite eine Bar mit der Aufschrift „Albergo“, teuer sieht es nicht aus, also mal rein und fragen. Akzeptables Zimmer zur Seite raus (vorne ist die Hauptstraße, hinten die Eisenbahn) ohne Bad und WC im Zimmer und ohne Frühstück kostet 25 Euro, ist akzeptiert, ich bin der einzige Hotelgast (und werde dies bis zur bald anstehenden Pensionierung der Besitzer höchstwahrscheinlich auch bleiben).
Aber ich kann mich der Packtaschen entledigen, muss aber leider die Regenhose und die Überschuhe anziehen. Nach einem Capuccino bin ich schon eine halbe Stunde später wieder am Rad, um die Gegend zu erkunden. Ab Arona ist spürbar weniger Verkehr, die Landschaft scheint attraktiver zu werden (soweit dies aufgrund der tief hängenden Regenwolken beurteilt werden kann), Baustil und Gegend erinnert an den Gardasee.

In Stresa hat der Regen schon fast aufgehört – im Ort stehen einige sichtlich teure Hotelkästen interessanten Baustils, langsam reißt die Wolkendecke im Westen auf. Nette Gegend hier am Seeufer und trocken radelt es sich gleich viel angenehmer.

 

Bei der Abzweigung Richtung Omegna entledige ich mich endgültig der Regenausrüstung, das kurze Stück bis in den Ort ist landschaftlich weniger aufregend – viel Industrie und dicht verbaut.

In der Altstadt von Omegna (60 km) verspeise ich in einem Cafe zuerst einmal ein Pizzastück und ein Baguette im Wissen, dass es jetzt einige Zeit weniger Verpflegungsmöglichkeiten geben wird. Am Ostufer des Lago d’Orta führt die Straße nicht direkt am See, sondern steigt gleich vom Ort weg an und führt 100-200 Meter über Seeniveau entlang der Bergflanke – deshalb immer wieder schöne Ausblicke.


Hinüber ins Nachbartal, gebildet vom Fluss Sesia, muss ein kleiner, knapp 1000 Meter hoher namenloser Pass überquert werden, trotz dem soften Anstieg entledige ich mich weiterer Kleidungstücke und bin schon kurz-kurz unterwegs, es ist noch ein richtig schöner Tag geworden.

In weiten Kurven endet die Abfahrt erst bei einer Kapelle in einem engen Talabschnitt, auf der Hauptstraße geht es ein paar Kilometer bis Quarona, wo ich neben der Straße ein Radgeschäft erblicke. Schnell mal um eine Standpumpe gefragt (nicht auf italienisch, sondern durch Gestik) und der am Flughafen eingezogene und dort nur mit der Handpumpe befüllte Schlauch wird auf 7 Bar aufgepumpt.

Das vorerst bessere Fahrgefühl endet aber mit einem Schlauchplatzer schon einen km später, auf der Abfahrt wäre der sehr unangenehm gewesen. Im defekten Schlauch ist ein ziemliches Loch und das auf der Seite – die Kontrolle des (schon recht alten) Reifens ergibt eine aufgescheuerte Stelle im Mantel, offenbar wurde der Schlauch durch den höheren Druck dort gleich aufgerissen. Also nächsten Ersatzschlauch eingezogen und weiter in die große Ortschaft Borgosesia – so auf den ersten Blick finde ich kein Radgeschäft, aber mit Hilfe eines freundlichen italienischen Pensionisten werde ich zu einem ebenso freundlichen Mechaniker geführt, der in einem Hinterhof eine Werkstatt betreibt.

Der Mantel ist hinüber, die Werkstatt scheint eher auf Alltags- denn auf Rennräder spezialisiert zu sein, aber es gibt immerhin zwei Reifen zur Auswahl – ich entscheide mich für den teureren faltbaren Michelin - mit 20 Euro nicht einmal unerschwinglich – und gratis montiert wird er auch noch.

In Borgomanero noch der obligate nachmittägliche Pasticceria-Besuch und die restlichen Kilometer zurück zum Lago Maggiore über Cressia und Bogogno sind dann landschaftlich wenig aufregend – mit 140 km und 1200 Höhenmeter war es aber trotz des Regens und des Defekts eine angenehme Tour.

Fast neben dem Albergo gäbe es einen Penny-Supermarkt, der wird aber erst in ein paar Tagen eröffnet – so muss ich ein Stück Richtung Arona gehen um die Basics für mein Morgenmüsli einzukaufen. Der Tag wird dann in einer nur ein paar hundert Meter vom Albergo entfernten Pizzeria beschlossen.

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Rundfahrt: Start und Ziel ARONA


Das Frühstück findet für meinen Geschmack etwas spät statt – Müsli und Joghurt wurde schon am Vortag gekauft, als Ergänzung konsumiere ich in der Bar noch ein Schoko-Hörnchen mit Capuccino und dann geht es noch einmal gepäcklos auf zur nächsten Tagstour, die vor allem landschaftliche Highlights bieten soll. Es versteht sich von selbst, dass auch der Ort Varese anlässlich der gerade stattfindenden Rad-Weltmeisterschaft in die Tour eingebaut wird.

Noch im Ortsgebiet von Sesto Calende zweigt eine wenig befahrene Nebenstraße ab, die mich zum Ostufer des kleinen Lago di Commabio führt, ab da geht es über Lomnage in nordöstlicher Richtung zielstrebig weiter nach Varese – kurz vor dem Ort beginnen schon die Markierungen und Absperrungen für die Straßenrennen – heute und morgen steht nur das Zeitfahren auf dem Programm.

Kurz ein Stück am Ostufer des Lag di Varese geradelt und dann über zwei Serpentinen hinauf in den Ort – die Strecke ist durchgehend von Absperrgittern begrenzt und für Autos schon lange gesperrt, ein paar Wohnmobile stehen auf den Wiesen offenbar schon seit Tagen – die Fans haben es sich mit Campingmöbeln schon richtig gemütlich gemacht. Überall Scharen von Polizisten und Ordnern, auch wenn es momentan hier nicht viel zu tun gibt, ein paar Freizeitradler nutzen die abgesperrte Strecke.

Heute Nachmittag steht das Zeitfahren der Damen am Programm steht – genau auf der Strecke durch das Naturschutzgebiet Campa dei Fiori nördlich der Stadt, die ich für meine Weiterfahrt vorgesehen habe. Jetzt am späten Vormittag darf die Strecke noch beradelt werden – am Straßenrand stehen alle 100 m gelb gekleidete Ordner – ihren seltsamen grünen Hüten mit der Feder drauf nach zu schließen (ehemalige) Alpini-Soldaten oder Sympathisanten von Robin Hood, auch Übertragungswägen aller möglichen Fernsehsender sind schon geparkt, auf manchem Balkon hängt ein Transparent – italienische Radbegeisterung eben. Eine landschaftlich wirklich attraktive Strecke und für ein Zeitfahren aufgrund der vielen Kurven und Höhenunterschiede ziemlich selektiv. Noch kommen mir einige Radgruppen entgegen, in Kürze wird die Strecke, die ich mitten im Wald in Richtung Rancio/Luino verlasse, dann wohl gesperrt werden.

In Seenähe treffe ich wieder auf die übliche Ansammlung von Einkaufszentren, Werkstätten, Industriebetrieben, erreiche aber flott das Ufer des Lago Maggiore – wunderschön ist es hier, auch das Radwetter ist bestens. Beim Hafen noch schnell einen (überteuerten) Capuccino und noch ein Hörnchen – sicher hier immer noch günstiger als in der nur ein paar km entfernten Schweiz – dort bin ich schon oft genug abgezockt worden.


Next Target also Lugano – dorthin führen zwei parallel laufende Straßen – ich wähle die nördliche, nach der Karte niederrangigere und passiere bald die Grenze zur Schweiz – die Italiener kontrollieren die Einreisenden dienstbeflissen, die Schweizer Grenzstation ist verwaist. Bis Ponte Tresa ist die Strecke nicht sonderlich aufregend, aber dann lande ich gleich direkt am Ufer des Lugano-Sees – das Ufer ist zwar dicht verbaut und auch für Straße und Bahn muss noch Platz sein – aber trotzdem eine nette Gegend, gleich vom Ufer weg ragen steil bewaldete Hügel auf und im Norden hat man Ausblick auf richtige Berge.

Den Radweg neben der Straße qualifiziere ich als nicht rennradtauglich ab – die Hauptstraße nach Lugano führt noch über einen kleinen Hügel – dort werde ich  von einem französischen Fahrer (seinem Outfit nach) überholt, das Betreuerauto und eine weitere Gruppe seines Teams folgen in ein paar Meter Abstand. Mit deren Tempo bergauf kann ich eh nicht mithalten, nur kurz nach der Hügelkuppe hole ich die Gruppe wieder ein – offenbar haben sie den Auftrag immer 25 km/h zu fahren, egal ob es bergauf oder eben geht. Jedenfalls biegen sie bald rechts ab während ich links hinunter in das Zentrum des nicht sehr großen, aber schön gelegenen Ortes rolle.

An der Uferpromenade ist ziemlich viel los, auch reger Schiffs- und leider auch Autoverkehr – die Autofahrer sind aber ziemlich rücksichtsvoll. Das Ortsbild wirkt nur eine Nuance weniger italienisch als jenseits der Grenze – schlicht und einfach rundum schöne Landschaft, die durch das hervorragende Wetter noch besser zur Geltung kommt. Ich verlasse die Kleinstadt auf der Uferstraße Richtung Süden, nach der Abzweigung zur Autobahn ist gleich viel weniger Verkehr, wunderschöne Ausblicke auf den See lenken von der manchmal recht rauh asphaltierten Straße ab.

 

In Melide, nur ein paar Kilometer von Lugano entfernt, findet sich die „Schweiz in Miniatur“ – so eine Art Minimundus mit kleinen Gebäuden, Eisen- und Seilbahnen – und wird der verwinkelte See auf einer Brücke überquert. Am Ostufer geht es noch flott bis nach Mendriso, bald nach dem Ort geht es wieder über die Grenze nach Italien – auch hier für die Autofahrer Kontrollen (was kann man eigentlich in der Schweiz günstiger kaufen als in Italien?)

Ich habe noch viel Zeit und werde noch Castelseprio – auf meiner Karte mit einem „Stern“ (besondere Attraktion) ausgezeichnet – einen Besuch abstatten. Ich habe zwar keine Ahnung, was es dort zu besichtigen gibt, aber der Ort liegt direkt am Heimweg. Zuerst geht es noch ab Beregazzo auf wenig befahrener Straße durch ein bewaldetes Naturschutzgebiet – hier bieten die in Italien schon oft gesehenen dunkelhäutigen Prostituierte ihre Dienste an.

Ich lasse mein Geld lieber in der Pasticceria von Tradate und erreiche über eine Nebenstraße Castelseprio – die Attraktion befindet sich auf einem Hügel 2 km nördlich des Ortes – den Schautafeln nach handelt es sich um die Reste einer Langobardensiedlung, Kloster ist schon verfallen, eine Kirche mit Fresken (die extra für mich aufgesperrt wird) ist noch erhalten, nicht uninteressant.


Nach dem kurzen aber lohnenden Umweg dann noch eine öde Rückfahrt über Somma Lombardo  (hier erreicht man wieder den flächendeckend besiedelten Großraum Mailand, auch wenn die eigentliche Stadt 60 km entfernt ist) und über Sesto Calende zurück in mein Quartier – neuerlich beschließt eine Pizza den angenehmen Radtag (164 km, 1.280 hm).

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ARONA - POGGIRIDENTI


So, heute geht es heimwärts – Müsli aufgegessen, Zimmer bezahlt und Packtaschen eingehängt. Jetzt am Morgen bin ich noch mit Knielingen und Langfinderhandschuhen, Überjacke und Stirnband adjustiert – es wird wieder ein toller Tag werden, aber am Morgen ist es schon ziemlich frisch.

Ein letztes Mal durch Sesto Calende, diesmal wähle ich den direkten Weg über Mornago und Gazzada südlich an Varese vorbei, komme aber auch wieder zu einer Kreuzung, die offenbar Teil des WM-Kurses sein wird – jede Menge Polizei und Ordner stehen auch hier herum. Meine Frage nach dem besten direkten Weg nach Como wird von einem der Ordner zufriedenstellend beantwortet und es ergibt sich gleich ein kleines Gespräch, woher, wohin – jedenfalls werde ich mit Handschlag und den besten Wünschen für die Weiterfahrt verabschiedet.

Vor Malnate dann ein kurzer, aber kräftiger Anstieg. Die weitere Fahrt auf der Hauptstraße ist problemlos, aber landschaftlich nicht sonderlich schön, bis ich den Hügel südlich von Como umrundet habe und von Südosten kommend die Stadt (56 km) erreiche. Innerhalb der teilweise noch erhaltenen Stadtmauer ist verkehrsberuhigte Zone und daher kaum Autoverkehr, das historische Straßenpflaster ist leider nicht besonders gut mit Rennradreifen befahrbar. Wie Lugano ist auch Como sehr schön gelegen, am Hafen mache ich noch das obligate Foto und dann geht es gleich weiter.


Noch im Stadtgebiet werde ich von zwei Rennradlern überholt – die übliche Geschichte, ich spreche nur ein paar Brocken italienisch, sie überhaupt keine Fremdsprachen - aber irgendwie gelingt die Kommunikation und sie geben mir zu verstehen, dass ich mich ihnen anschließen soll, sie werden mich bis zur Abzweigung der Straße nach Bellagio führen. Also gut, es geht noch durch bebautes Gebiet auf einer unbefahrenen Nebenstraße zuerst leicht, dann steiler bergauf. Durch mein Paris-Brest-Paris Trikot scheine ich ziemlichen Respekt zu genießen (zumindest erklärt der Schnellere der Italiener dem Langsameren was es mit dieser Veranstaltung auf sich hat) und sie wollen auf der Steigung austesten, was ich so draufhabe – sind ja Italiener, denen radsportlichen Leistungsdenken nicht fremd ist.

Ok - für kurze Zeit nehme ich die Herausforderung an, merke aber bald, dass ich a) im eigenen Saft koche (ich hab mich meines Morgengewandes noch nicht entledigt) und b) der auf dem wesentlich teureren Rad fahrende langsamere Kollege schon ziemlich am Limit ist. Im Schweiß zu baden, nur um irgendwelchen unbekannten Radlern meine vermeintlich bessere Form zu beweisen, muss auch nicht sein, außerdem kann ich doch nicht mit meinem Billig-Alu-Bomber samt Packtaschen einen Cosmic-Carbon-Felgen-Fahrer stehen lassen – ich lasse mich also brav zurückfallen und bewältige die Steigung am Hinterrad des Vordermanns. 

Am Kreisverkehr bei der Abzweigung verabschieden wir uns, ich ziehe die Überbekleidung endlich aus und fahre auf schöner, wenig befahrener Straße über Ponte Lambro nach Asso. Die Strecke steigt nur ganz sanft an und gewinnt dadurch auch nur langsam an Höhe – kurz nach dem Ort steht ein einsames Gasthaus neben der Straße, das ein wohlfeiles Mittagsmenü anbietet, ich bin der einzige Gast, der es im Garten zu sich nimmt.

 

Noch ein paar Kilometer ansteigend und dann ist die nicht mal 1000 m hohe Passhöhe (88km) erreicht – oben die bekannte Kapelle (sehenswert, auch wenn auffällt, dass so mancher der Radfahrer, deren Fotos dort hängen, nicht sehr alt geworden ist – wer weiß welche vermeintlich leistungsstärkende Substanzen in der Nachkriegszeit so konsumiert wurden). An der Decke Trikots und Rennräder, neben der Kapelle das bekannte Denkmal vor dem auch ich mich ablichten lasse. Das Museum soll 10 Euro Eintritt kosten und nicht sehr aufregend sein, das lasse ich aus, der Ausblick hinunter auf den Ostarm des Como-Sees ist geil.
     
Genauso geil ist auch die Abfahrt in vielen Kurven hinunter bis Bellagio (98 km), genau an der Spitze der Landzunge, die den See teilt, gelegen. Der Ort ist autofrei (wäre in den engen, von Touristen bevölkerten Gassen auch kein Platz).

 

Ziemlich viel los ist auch bei den Schiffsanlegestellen – mit dem Rad werde ich auf die Autofähre verwiesen, die in Kürze Richtung Ostufer (kommt mir gelegen) ablegt. 5,50 Euro für mich und das Rad für eine 15minütige Überfahrt ist zwar kein Diskontpreis, aber noch erträglich.


In Varenna habe ich wieder festen Boden unter dem Rad und fahre auf wenig befahrener Straße Richtung Norden – den Verkehr nimmt die parallel laufende Schnellstraße auf. Gut, wenn man zumindest ein Blinkrücklicht dabei hat, es geht durch einige dunkle Tunnels. Je weiter ich Richtung Norden komme, desto bewölkter wird es leider – die Uferstraße ist aber einmal mehr eine absolut empfehlenswerte Radstrecke, wahrscheinlich ist die Straße auf dem Westufer genauso nett.

 

Bei Colico ist das Ende des Sees erreicht und man erkennt sogleich zwei breite Täler, eines nach Norden Richtung Chiavenna und eines nach Osten Richtung Sondrio führend. Eigentlich wollte ich ja ab Morbegno wieder einen Schwenk nach Süden über den Passo di San Marco machen, aber angesichts der wolkenverhangenen Bergamesker Alpen lasse ich das lieber bleiben, auch weil ich trotz zeitaufwendiger Suche in Morbegno kein geöffnetes Internet-Cafe finde, um den Wetterbericht zu checken. Obwohl kaum mehr als 200 Meter hoch, wird es hier im breiten Tal des Flusses Adda schon ziemlich kühl, sodass ich mich wieder anziehe.

 

Das Tal wird beidseitig von richtig hohen Bergen gesäumt und die Landschaft wäre eigentlich recht schön – Wermutstropfen ist nur der sehr starke (LKW)Verkehr auf der Straße – hier ist es wirklich zu empfehlen, zumindest ab der Brücke kurz nach Talamona auf dem Südufer zu bleiben und  über die dort liegenden Dörfer nach Sondrio (160 km) zu radeln.

 

Der Ort soll nach meiner Karte über eine sehenswerte Altstadt verfügen (so besonders sehenswert finde ich sie eigentlich nicht) und ich verlasse den Hauptort des Adda-Tales relativ bald wieder mit dem Vorsatz, langsam nach einem Nachquartier Ausschau zu halten.

Und selbiges findet sich schon 7 km weiter im Poggiridenti direkt an der Hauptstraße – ein sehr schönes, ruhiges (weil die Fenster nach hinten raus gehen) Zimmer zu einem angemessenen Preis. Für eine Riesenportion Tagiatelle, Salat, Wasser und Wein werden auch nur 8 Euro in Rechnung gestellt.

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POGGIRIDENTI - LANA


Es gibt nur drei Fluchtmöglichkeiten aus dem Adda-Tal – entweder über den Bernina-Paß ins Engadin, über Bormio zum Stilfser Joch oder über den Passo dell’ Aprica nach Edolo – ich entscheide mich für die letztere, auch um endlich einmal über das Timmelsjoch fahren zu können.

Ab Sondrio ist auf der Hauptstraße deutlich weniger Verkehr, ziemlich frostig ist es in der Früh noch – die Temperatur liegt nur wenig über dem Gefrierpunkt, auf schattigen Wiesen liegt Reif. Die paar km bis zur Abzweigung bei Tresenda sind schnell abgeradelt, ab da geht es stetig aber sanft einen jetzt noch im Schatten liegenden Hang bergauf – sehr schöne Blicke zurück ins Tal und auf die schon zur Schweiz gehörenden hohen Gipfel im Norden.


Der Passo dell’ Aprica (26 km) ist bald nach ziemlich anspruchsloser Bergfahrt erreicht – direkt oben am höchsten Punkt eine recht hässliche, offenbar für den Wintersport errichtete Ortschaft, die jetzt im September eher verlassen wirkt – nur einzelne Geschäfte und Bars sind geöffnet.

 

Nachdem hier nichts wirklich zum Bleiben anregt, fahre ich gleich in die (kurze) Abfahrt Richtung Edolo, dort treffe ich dann auf die von Süden kommende Hauptstraße Richtung Tonale-Pass. Zu meinem Erstaunen ist aber auch hier wenig Verkehr, sodass ich die schöne Landschaft auf guter Straße genießen kann – die Sonne steht jetzt schon hoch genug, um im Tal zu wärmen und ich bin wieder mit Ausziehen beschäftigt. Es geht immer leicht ansteigend bis Ponte die Legno – hier rolle ich durch die Fußgängerzone der Altstadt und benutze nicht die direkte Umfahrungsstraße, die durch hässliche Neubaugebiete führt.

 

Auch der kommende Anstieg ist sehr kommod zu fahren, zum Unterschied zu meiner letzten Beradelung des Tonale im August habe ich die Straße jetzt fast für mich alleine – zuerst ein paar sanfte Kehren im Wald, weiter oben dann durch Almwiesen ist der höchste Punkt bald erreicht.
Schön an der Bergfahrt sind die schnee- und gletscherbedeckten Gipfel der Adamello-Gruppe im Süden, hässlich ist die Siedlung auf der Passhöhe auf 1884 m  – auch hier schon alles geschlossen, einzig eine geöffnete Imbissbude bietet ein Mittagsmenü an, das ich aber – in der Hoffnung, etwas Besseres zu finden – ausschlage (war ein Fehler).


Der nächste Fehler ist, dass ich ohne Überkleidung gleich die lange Abfahrt angehe – schnell bin ich trotz des wolkenlosen Himmels ziemlich ausgefroren – weite Teile der Abfahrt liegen im Schatten.

Ausgekühlt und hungrig falle ich gleich in der ersten Siedlung nach der Passhöhe in ein Restaurant ein – ich bin der einzige Gast und esse zu einem unverschämten Preis eine kleine Portion Tortellini mit Salat – mit Gedeck und Getränk zahle ich 13 Euro – hätte ich doch nur oben am Pass gegessen...

Egal, auch solche Flops kommen vor – wenigstens brauche ich ab hier definitiv keine Jacke, Langhandschuhe etc. mehr, das Tal weitet sich und es geht bis zur Geländekante vor der Abzweigung Richtung Fondo immer nur leicht bergab. Gegenwind wie im August habe ich auch nicht und komme daher ziemlich flott voran. Beidseitig neben der Straße und auf den Hängen überall Apfelplantagen – die Äpfel scheinen schon ziemlich ausgereift und werden wohl bald gepflückt werden.

Bis nach Fondo geht es dann wieder kilometerlang leicht bergauf, nur auf zwei kurzen Abfahrten verliert man einige Höhenmeter. Äpfel überall – ich erfreche mich auch einen zu kosten – schmeckt gut, wenn auch nicht so gut wie manch nicht so schön anzusehender Apfel von den unbetreuten (und unbespritzten) Apfelbaum-Alleen entlang der tschechischen Landstraßen...

Die Straße führt in Kurven durch die Apfelplantagen, anspruchsvolle Bergfahrt ist es nicht, auch jetzt am Nachmittag kaum Verkehr. Das Zentrum von Fondo (131 km) muss nicht durchquert werden, die Hauptstraße führt um den Ort herum und teilt sich erst oberhalb Richtung Mendelpass/Kaltern und Gampenpass/Meran.
Ich fahre weiter Richtung Norden und prolongiere die sehr angenehme Bergfahrt – zuerst geht es lange durch Wald, dann durch ein paar Dörfer, so richtig steil wird es nie. N och vor der Passhöhe wird die Sprachgrenze und damit Südtirol erreicht – oben am Pass (1512 Meter, 144 km bis dorthin) nur ein kleines Wirtshaus und ein paar Motorradfahrer.

Es ist mittlerweile ziemlich frisch geworden, vor allem im Schatten – also wieder das volle Programm angezogen und ab in die Abfahrt, die bis auf zwei Serpentinen im oberen Bereich kehrenlos bis ins Etschtal führt.

Vorsicht ist nur in den Tunnels angebracht – weniger, weil sie nicht beleuchtet sind, sondern weil hier Kopfsteinpflaster liegt – volles Tempo möchte ich da meiner Carbongabel nicht zumuten. Ausblicke wie von einem Balkon – im Süden bis Bozen, im Norden leuchten noch die Berge der Texelgruppe und der Sarntaler Alpen im Abendlicht.


Die Sonne ist im Tal weg, kühl ist es auch hier – Zeit für die Suche nach einem Quartier. Im ziemlich belebten Lana radle ich zuerst zur Touristeninfo – die hat natürlich schon geschlossen, aber es gibt einen „Automaten“, der die freien Zimmer anzeigen soll. Etwas entfernt liegt der Gasthof, den ich für die Übernachtung auserkoren habe – aber er hat doch kein freies Zimmer – da dürfte etwas in der Kommunikation nicht klappen. Ich werde aber gleich auf die Pension gegenüber verwiesen und komme hier auch gleich unter. Im noch geöffneten Supermarkt eine kleine Flasche Wein aus der Gegend und aus der fast gegenüberliegenden Pizzeria eine Pizza besorgt und schon ist das Abendessen gesichert.

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LANA - LEUTASCH

Strahlend schönes Wetter ist für eine Fahrt auf 2500 Meter Höhe (Timmelsjoch) sehr angenehm. Nach dem guten Frühstücksbuffet bin ich schon um 8.30 am Rad und radle (nach einem Tip meiner Unterkunftsgeberin) auf der entlang der Schattseite verlaufenden Staatstraße Richtung Norden – so erspare ich mir die Ortsdurchfahrt von Meran. Die Staatsstraße ist trotz der Schnellstraße daneben auch am Samstag Vormittag recht stark befahren, kalt es hier im Schatten auch noch.


Bald wird mir jedoch wärmer, weil am Ostrand von Meran ein erster Hügel zu überwinden ist – leider verliert man auch im Ortsgebiet wieder einige Höhenmeter, muss sich aber nicht mit Ampeln, Einbahnen, Fußgängerzonen etc. herumschlagen.

Leider ist auf der Hauptstraße durch das Passeier-Tal weiterhin reger Verkehr, hauptsächlich deutsche Pensionisten sind per Auto unterwegs. Parallel scheint ein Radweg zu verlaufen, der aber nicht (durchgehend) asphaltiert ist – für autoallergische Radler aber vielleicht trotzdem eine Alternative.

Landschaftlich schön ist die Strecke jedenfalls und kurz vor St. Leonhard fahre ich wieder einmal am Geburtshaus von Andreas Hofer vorbei, der trotz seiner zweifelhaften politischen Einstellung (er war ja so etwas wie ein christlicher Taliban und seine Naivität wurde vom Wiener Hof kräftig ausgenützt) in Tirol einige Verehrung genießt. Noch vor der Ortschaft gabelt sich die Straße, ich fahre aber trotzdem durch den kleinen Ort.

 

Mit dem gemütlichen Vor-sich-hin-Radeln ist es bald vorbei, das Tal verengt sich und bis zur letzten Ortschaft, Moos, macht man schon mal die ersten 300 Hm. Hier im Cafe noch einmal die Wasserflasche vollgefüllt und dann beginnt die Passstraße ernsthaft – die ersten Kehren schon nach den letzten Häusern. Ich überhole ein Radlerpärchen auf Mountainbikes und genieße den angenehm dünnen Verkehr. Nach einer markanten Linkskurve im Talschluß kann man sich sogar kurz ausrasten, bevor die langen, weithin sichtbaren Serpentinen hinauf zum Tunnel gefahren werden müssen. Mit zunehmender Höhe habe ich an diesem wunderschönen Herbsttag tollen Blick auf die hohen Gipfel ringsum, immer kühler wird es halt. Meinen Respekt für alle Helden des Ötztaler Radmarathons – die Veranstaltung ist gerade mal vier Wochen her -  die diese Kehren als letzten größeren Anstieg im individuellen Höchsttempo gefahren sind, und das mit schon drei Pässen in den Beinen.



Ich gehe es um einiges gemütlicher an – mit dem Erreichen des Tunnelportals ist die Hauptarbeit schon vorbei – der Tunnel selbst ist, weil recht lang und stellenweise feucht (bei schlechteren Bedingungen Glatteisgefahr, darauf weist auch ein Schild hin), nicht besonders angenehm zu fahren – aber er ist schnurgerade und man kann sich am Ausgang gut orientieren. Noch ein kurzes Stück durch karge Hochgebirgsfelsen bis zur eigentlichen Passhöhe (2474 m, 61 km ab Meran), die zugleich die Landesgrenze bildet. Auf österreichischer Seite ist auch eine bewirtschaftete Hütte und hier sind recht viele (Auto)Ausflügler unterwegs, (Renn)Radler habe ich nur deren drei gesehen.



Ich wechsle das verschwitzte Unterleibchen und adjustiere mich für die Abfahrt – trotz strahlendem Wetter sind Stirnband, Überjacke und Langfingerhandschuhe notwendig, um unverkühlt ins Tal zu kommen. Der Flow der Abfahrt wird bald durch einen unangenehmen Gegenanstieg unterbrochen – der muss beim Ötztaler-Marathon ziemlich schmerzen – erst ab den verwaisten Hotels von Hochgurgel geht es nur mehr bergab.

In Angern lacht mich ein in der Sonne liegender Garten eines Gasthauses an und ich belohne mich für die Passbezwingung mit einer Portion Käsespätzle. Nach Sölden wird das Ötztal breiter, die Straße fast flach und die Landschaft weniger attraktiv – auf der guten Straße kann man aber richtig Kilometer machen. Ohne weitere Geländestufe läuft das Tal ins Inntal aus und ich befinde mich auf der Hauptstraße Richtung Innsbruck – auch hier zu fahren ist nicht sehr aufregend, aber es ist wenig Verkehr, nur der leichte Gegenwind aus Ost stört etwas. Und gerade, als ich mich an zwei Rennradlern herangekämpft habe, biegen die ab – Pech.


Jetzt am späten Samstagabend ist Telfs (140 km) ziemlich menschenleer – hier beginnt aber eine schöne Auffahrt durch Kieferwald auf das Hochplateau der Leutasch – mit nur zwei langen Kehren wird beträchtlicher Höhenunterschied bewältigt und während im Inntal noch der Schatten liegt, kann ich noch die Abendsonne genießen. Eine kleine Anhöhe mit kurzer Abfahrt und ich treffe wieder auf  bewohntes Gebiet – die Sonne ist hinter dem Berg Hohe Munde verschwunden, es ist kühl und wird wohl bald dunkel – Zeit zur Quartiersuche.

 

Gut, das sich gleich direkt neben der Straße eine Pension anbietet – Abendessen gibt es im gegenüberliegenden feudalen Hotel – das dort konsumierte „Tiroler Gröstl“ war hinsichtlich der Menge auf mein absolviertes Tageskilo- und Höhenmeterprogramm abgestimmt.

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LEUTASCH - KUFSTEIN


Kurz nach 16 Uhr geht mein Zug von Kufstein (ich muss ihn wegen der Reservierung der Fahrradmitnahme telefonisch vorbuchen) – ein paar landschaftliche Highlights im Karwendelgebirge gehen sich aber noch aus.

 

Gut, dass es schon um 7 Uhr Frühstück gibt, so bin ich knapp nach 8 schon am Rad – mit allen Radkleidungsstücken, die ich mitführe – es hat in dem jetzt im Schatten liegenden Tal nur knapp über 0 Grad, auch hier die Wiesen von Reif überzogen, noch eine Nummer kälter als in den Südalpen.


Richtung Deutschland geht es leicht bergab und in Mittenwald münde ich in die von Innsbruck kommende Hauptstraße – gleich nach dem Ort beginnt einer der von mir gefürchteten (weil nach deutschem Recht benützungspflichtigen) straßenbegleitenden Radwege. Da am Sonntag Morgen kaum Verkehr ist und der Radweg immer wieder mal im Wald verschwindet um dann wieder zur Straße zu verlaufen, ignoriere ich die Rechtslage und radle einfach auf der Hauptstraße weiter – nach ein paar Kilometern teilt sich diese und bis Wallgau (27 km) treffe ich kaum auf Autos.

 

In diesem Ort beim „Zipflwirt“ war im Frühjahr dieses Jahres Kontrollstation beim 400er Brevet, gestartet von Unterwössen aus. Damals ist mir eine sehr schöne Radstrecke entlang der Isar aufgefallen – genau die werde ich wieder – nur diesmal in der Gegenrichtung – befahren. Da Mautstraße ist auf dem schmalen Asphaltband kaum Verkehr, langsam kommt die Sonne in das breite Tal, es ist windstill und ich komme gut voran, hie und da zwingen ein paar kurze Steigungen zum Schalten. Die Strecke ist Richtung Osten genauso schön zu fahren wie umgekehrt – wirklich eine Empfehlung. Vorderriß besteht nur aus ein paar Häusern, hier wechselt die Straße auf das andere Isar-Ufer, wird breiter und es ist auch deutlich mehr Ausflügler-Verkehr.
Der Fluss wird aufgestaut, sodass ein kleiner länglicher See entstanden ist, dessen Staumauer zugleich die Brücke bildet. Noch ein paar Kilometer harmlos bergauf bis zur Hauptstraße über den nicht sehr ausgeprägten Achenpaß (er ist auch nur 940 m hoch) und dann geht es lange sanft fallend die „Deutsche Alpenstraße“ entlang bis zum Ufer des Tegernsees.

Ich liege hervorragend in der Zeit und kann daher auch etwas experimentieren – auf meiner Karte ist eine Mautstraße durch das Valepp-Tal und eine für Autos gesperrte Verlängerung in Richtung Ursprungtal eingezeichnet – ob die wohl mit dem Rennrad befahrbar ist?

Meine Erkundigungen in Rottach-Egern helfen nicht wirklich weiter – bis zum Gasthaus Valepp sei die Straße aber sicher asphaltiert. Wenig Auto-aber reger Radverkehr auf der Mautstraße – schöne Gegend und nette Radstrecke. Ich frage einen Mountainbiker nach der Fahrbahnqualität der Strecke ab Valepp und erhalte die Auskunft, dass dort, obwohl Forststraße, viele Rennradler fahren – beruhigt doch irgendwie.

Nach 92 km ist das Gasthaus erreicht und ich habe zwei Alternativen – entweder auf Asphalt Richtung Norden und dann über Bayrischzell nach Kufstein oder ich probiere die direkt führende Forststraße, die gleich nach Valepp beginnt (und bald recht ruppigen, großsteinigen Untergrund bietet). Endlich treffe ich auf einem wirklich ortskundigen Biker, der mir dringend wegen schlechter Fahrbahn abrät, mit dem Rennrad die direkte Straße zu nehmen – ich soll ihm einfach nachfahren, das sei mit meinem Rad machbar. Also schnell geistig die Alternative gecheckt – umkehren und wieder zurück nach Valepp oder die Forststraße weiter bergauf – ich entscheide mich für letztere Variante.

Mit dem Bike wäre die Auffahrt auf der breiten Forststraße öde, mit den dünnen Rennradreifen offenbart sie so manche Schwierigkeit – mit dem Einsatz des dritten Kettenblattes vorne komme ich aber irgendwie rauf zu einer Almhütte auf einem kleinen Sattel, ab da fällt die Straße wieder ab.

 

Mein Kollege verabschiedet sich, ich kann den Weg eh nicht verfehlen, außerdem sind Horden von Mountainbikern unterwegs – aber alle mit dem für diese Strecke passenden Gerät.

Gut, das habe ich nicht – die Abfahrt ist natürlich noch um einiges mühsamer als die Auffahrt, die dünnen Reifen finden im losen Schotter kaum Halt – mit dem Mountainbike würden mir diese Passagen gar nicht auffallen, das rollt einfach drüber.

Für ein paar Meter wird die Strecke so steil, dass ich vorsichtshalber ausklicke – entgegenkommende Radler sind darob des Anblicks eines Rennrades mit Packtaschen auf dieser Strecke sichtlich verwundert. Auf die Bachdurchquerung per Rad verzichte ich und trage das Rad zu Fuß über den Bach – aber ab hier wird die Forststraße zunehmend besser, der grobe Schotter und auch die Schlaglöcher verschwinden und ich kann wieder recht flott fahren.
Ein paar Bauernhäuser kündigen schon den endlich nahenden Asphalt an und ich erreiche nach meinem Offroad-Abenteuer wieder den zu meinem Rad passenden Fahrbahnbelag – ich bin kurz vor der österreichischen Grenze direkt am Ursprungpaß (nur 836 m hoch). Der im Keller befindliche Tagesschnitt wird auf der flotten Fahrt zum Thiersee noch etwas aufgebessert – direkt neben der Straße lockt ein Restaurant samt Konditorei samt Wintergarten – ich habe bis auf das Frühstück noch nichts gegessen und mache es mir in der Sonne gemütlich.

 

Noch ein kurzer Gegenanstieg und dann ein paar Serpentinen hinab ins Inntal, die alles dominierende Festung Kufstein immer schon in Blick.

 

Für die lange Bahnfahrt erstehe ich noch ein Getränk und ein paar Sweeties bei einer Tankstelle eingekauft und dann ab Richtung Bahnhof - im historischen Zentrum von Kufstein ist einiges los, sogar manches Geschäft hat heute am Sonntag geöffnet, ich bummle noch durch die Altstadt.

 

Das telefonisch vorreservierte Ticket wird mir am Schalter ausgedruckt und dann folgt eine angenehme Heimfahrt ganz in Leder (ich habe noch einen Gutschein für eine Fahrt in der 1. Klasse, den ich bei dieser Gelegenheit einlöse) – so habe ich jede Menge Platz im komfortablen Abteil, räkle mich im Ledersitz, kann in Ruhe die Tageszeitungen lesen und Musik hören.

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