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1.
Tag: |
MAILAND Flughafen - Lago Maggiore ARONA (Rundfahrt) |
140 km, 1.200 hm |
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2. Tag: |
164 km, 1.280 hm |
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3. Tag: |
167 km, 1.450 hm |
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4. Tag: |
167 km, 3.150 hm |
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5. Tag: |
153 km, 3.280 hm |
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6. Tag: |
128 km, 1035 km |
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Das Frühstück findet für meinen Geschmack etwas spät statt – Müsli und Joghurt wurde schon am Vortag gekauft, als Ergänzung konsumiere ich in der Bar noch ein Schoko-Hörnchen mit Capuccino und dann geht es noch einmal gepäcklos auf zur nächsten Tagstour, die vor allem landschaftliche Highlights bieten soll. Es versteht sich von selbst, dass auch der Ort Varese anlässlich der gerade stattfindenden Rad-Weltmeisterschaft in die Tour eingebaut wird.
Kurz ein Stück am Ostufer des Lag di Varese geradelt und dann über zwei Serpentinen hinauf in den Ort – die Strecke ist durchgehend von Absperrgittern begrenzt und für Autos schon lange gesperrt, ein paar Wohnmobile stehen auf den Wiesen offenbar schon seit Tagen – die Fans haben es sich mit Campingmöbeln schon richtig gemütlich gemacht. Überall Scharen von Polizisten und Ordnern, auch wenn es momentan hier nicht viel zu tun gibt, ein paar Freizeitradler nutzen die abgesperrte Strecke. Heute Nachmittag steht das Zeitfahren der Damen am Programm steht – genau auf der Strecke durch das Naturschutzgebiet Campa dei Fiori nördlich der Stadt, die ich für meine Weiterfahrt vorgesehen habe. Jetzt am späten Vormittag darf die Strecke noch beradelt werden – am Straßenrand stehen alle 100 m gelb gekleidete Ordner – ihren seltsamen grünen Hüten mit der Feder drauf nach zu schließen (ehemalige) Alpini-Soldaten oder Sympathisanten von Robin Hood, auch Übertragungswägen aller möglichen Fernsehsender sind schon geparkt, auf manchem Balkon hängt ein Transparent – italienische Radbegeisterung eben. Eine landschaftlich wirklich attraktive Strecke und für ein Zeitfahren aufgrund der vielen Kurven und Höhenunterschiede ziemlich selektiv. Noch kommen mir einige Radgruppen entgegen, in Kürze wird die Strecke, die ich mitten im Wald in Richtung Rancio/Luino verlasse, dann wohl gesperrt werden.
Den Radweg neben der Straße qualifiziere ich als nicht rennradtauglich ab – die Hauptstraße nach Lugano führt noch über einen kleinen Hügel – dort werde ich von einem französischen Fahrer (seinem Outfit nach) überholt, das Betreuerauto und eine weitere Gruppe seines Teams folgen in ein paar Meter Abstand. Mit deren Tempo bergauf kann ich eh nicht mithalten, nur kurz nach der Hügelkuppe hole ich die Gruppe wieder ein – offenbar haben sie den Auftrag immer 25 km/h zu fahren, egal ob es bergauf oder eben geht. Jedenfalls biegen sie bald rechts ab während ich links hinunter in das Zentrum des nicht sehr großen, aber schön gelegenen Ortes rolle. An der Uferpromenade ist ziemlich viel los, auch reger Schiffs- und leider auch Autoverkehr – die Autofahrer sind aber ziemlich rücksichtsvoll. Das Ortsbild wirkt nur eine Nuance weniger italienisch als jenseits der Grenze – schlicht und einfach rundum schöne Landschaft, die durch das hervorragende Wetter noch besser zur Geltung kommt. Ich verlasse die Kleinstadt auf der Uferstraße Richtung Süden, nach der Abzweigung zur Autobahn ist gleich viel weniger Verkehr, wunderschöne Ausblicke auf den See lenken von der manchmal recht rauh asphaltierten Straße ab. |
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Ich habe noch viel Zeit und werde noch Castelseprio – auf meiner Karte mit einem „Stern“ (besondere Attraktion) ausgezeichnet – einen Besuch abstatten. Ich habe zwar keine Ahnung, was es dort zu besichtigen gibt, aber der Ort liegt direkt am Heimweg. Zuerst geht es noch ab Beregazzo auf wenig befahrener Straße durch ein bewaldetes Naturschutzgebiet – hier bieten die in Italien schon oft gesehenen dunkelhäutigen Prostituierte ihre Dienste an.
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So, heute geht es heimwärts – Müsli aufgegessen, Zimmer bezahlt und Packtaschen eingehängt. Jetzt am Morgen bin ich noch mit Knielingen und Langfinderhandschuhen, Überjacke und Stirnband adjustiert – es wird wieder ein toller Tag werden, aber am Morgen ist es schon ziemlich frisch. Ein letztes Mal durch Sesto Calende, diesmal wähle ich den direkten Weg über Mornago und Gazzada südlich an Varese vorbei, komme aber auch wieder zu einer Kreuzung, die offenbar Teil des WM-Kurses sein wird – jede Menge Polizei und Ordner stehen auch hier herum. Meine Frage nach dem besten direkten Weg nach Como wird von einem der Ordner zufriedenstellend beantwortet und es ergibt sich gleich ein kleines Gespräch, woher, wohin – jedenfalls werde ich mit Handschlag und den besten Wünschen für die Weiterfahrt verabschiedet.
Ok - für kurze Zeit nehme ich die Herausforderung an, merke aber bald, dass ich a) im eigenen Saft koche (ich hab mich meines Morgengewandes noch nicht entledigt) und b) der auf dem wesentlich teureren Rad fahrende langsamere Kollege schon ziemlich am Limit ist. Im Schweiß zu baden, nur um irgendwelchen unbekannten Radlern meine vermeintlich bessere Form zu beweisen, muss auch nicht sein, außerdem kann ich doch nicht mit meinem Billig-Alu-Bomber samt Packtaschen einen Cosmic-Carbon-Felgen-Fahrer stehen lassen – ich lasse mich also brav zurückfallen und bewältige die Steigung am Hinterrad des Vordermanns.
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Der Ort soll nach meiner Karte über eine sehenswerte Altstadt verfügen (so besonders sehenswert finde ich sie eigentlich nicht) und ich verlasse den Hauptort des Adda-Tales relativ bald wieder mit dem Vorsatz, langsam nach einem Nachquartier Ausschau zu halten. Und selbiges findet sich schon 7 km weiter im Poggiridenti direkt an der Hauptstraße – ein sehr schönes, ruhiges (weil die Fenster nach hinten raus gehen) Zimmer zu einem angemessenen Preis. Für eine Riesenportion Tagiatelle, Salat, Wasser und Wein werden auch nur 8 Euro in Rechnung gestellt. |
Es gibt nur drei Fluchtmöglichkeiten aus dem Adda-Tal – entweder über den Bernina-Paß ins Engadin, über Bormio zum Stilfser Joch oder über den Passo dell’ Aprica nach Edolo – ich entscheide mich für die letztere, auch um endlich einmal über das Timmelsjoch fahren zu können.
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Ausgekühlt und hungrig falle ich gleich in der ersten Siedlung nach der Passhöhe in ein Restaurant ein – ich bin der einzige Gast und esse zu einem unverschämten Preis eine kleine Portion Tortellini mit Salat – mit Gedeck und Getränk zahle ich 13 Euro – hätte ich doch nur oben am Pass gegessen... Egal, auch solche Flops kommen vor – wenigstens brauche ich ab hier definitiv keine Jacke, Langhandschuhe etc. mehr, das Tal weitet sich und es geht bis zur Geländekante vor der Abzweigung Richtung Fondo immer nur leicht bergab. Gegenwind wie im August habe ich auch nicht und komme daher ziemlich flott voran. Beidseitig neben der Straße und auf den Hängen überall Apfelplantagen – die Äpfel scheinen schon ziemlich ausgereift und werden wohl bald gepflückt werden. Bis nach Fondo geht es dann wieder kilometerlang leicht bergauf, nur auf zwei kurzen Abfahrten verliert man einige Höhenmeter. Äpfel überall – ich erfreche mich auch einen zu kosten – schmeckt gut, wenn auch nicht so gut wie manch nicht so schön anzusehender Apfel von den unbetreuten (und unbespritzten) Apfelbaum-Alleen entlang der tschechischen Landstraßen...
Es ist mittlerweile ziemlich frisch geworden, vor allem im Schatten – also wieder das volle Programm angezogen und ab in die Abfahrt, die bis auf zwei Serpentinen im oberen Bereich kehrenlos bis ins Etschtal führt.
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Leider ist auf der Hauptstraße durch das Passeier-Tal weiterhin reger Verkehr, hauptsächlich deutsche Pensionisten sind per Auto unterwegs. Parallel scheint ein Radweg zu verlaufen, der aber nicht (durchgehend) asphaltiert ist – für autoallergische Radler aber vielleicht trotzdem eine Alternative.
Mit dem gemütlichen Vor-sich-hin-Radeln ist es bald vorbei, das Tal verengt sich und bis zur letzten Ortschaft, Moos, macht man schon mal die ersten 300 Hm. Hier im Cafe noch einmal die Wasserflasche vollgefüllt und dann beginnt die Passstraße ernsthaft – die ersten Kehren schon nach den letzten Häusern. Ich überhole ein Radlerpärchen auf Mountainbikes und genieße den angenehm dünnen Verkehr. Nach einer markanten Linkskurve im Talschluß kann man sich sogar kurz ausrasten, bevor die langen, weithin sichtbaren Serpentinen hinauf zum Tunnel gefahren werden müssen. Mit zunehmender Höhe habe ich an diesem wunderschönen Herbsttag tollen Blick auf die hohen Gipfel ringsum, immer kühler wird es halt. Meinen Respekt für alle Helden des Ötztaler Radmarathons – die Veranstaltung ist gerade mal vier Wochen her - die diese Kehren als letzten größeren Anstieg im individuellen Höchsttempo gefahren sind, und das mit schon drei Pässen in den Beinen. |
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Gut, das sich gleich direkt neben der Straße eine Pension anbietet – Abendessen gibt es im gegenüberliegenden feudalen Hotel – das dort konsumierte „Tiroler Gröstl“ war hinsichtlich der Menge auf mein absolviertes Tageskilo- und Höhenmeterprogramm abgestimmt. |
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Ich liege hervorragend in der Zeit und kann daher auch etwas experimentieren – auf meiner Karte ist eine Mautstraße durch das Valepp-Tal und eine für Autos gesperrte Verlängerung in Richtung Ursprungtal eingezeichnet – ob die wohl mit dem Rennrad befahrbar ist?
Nach 92 km ist das Gasthaus erreicht und ich habe zwei Alternativen – entweder auf Asphalt Richtung Norden und dann über Bayrischzell nach Kufstein oder ich probiere die direkt führende Forststraße, die gleich nach Valepp beginnt (und bald recht ruppigen, großsteinigen Untergrund bietet). Endlich treffe ich auf einem wirklich ortskundigen Biker, der mir dringend wegen schlechter Fahrbahn abrät, mit dem Rennrad die direkte Straße zu nehmen – ich soll ihm einfach nachfahren, das sei mit meinem Rad machbar. Also schnell geistig die Alternative gecheckt – umkehren und wieder zurück nach Valepp oder die Forststraße weiter bergauf – ich entscheide mich für letztere Variante.
Mein Kollege verabschiedet sich, ich kann den Weg eh nicht verfehlen, außerdem sind Horden von Mountainbikern unterwegs – aber alle mit dem für diese Strecke passenden Gerät. Gut, das habe ich nicht – die Abfahrt ist natürlich noch um einiges mühsamer als die Auffahrt, die dünnen Reifen finden im losen Schotter kaum Halt – mit dem Mountainbike würden mir diese Passagen gar nicht auffallen, das rollt einfach drüber.
Das telefonisch vorreservierte Ticket wird mir am Schalter ausgedruckt und dann folgt eine angenehme Heimfahrt ganz in Leder (ich habe noch einen Gutschein für eine Fahrt in der 1. Klasse, den ich bei dieser Gelegenheit einlöse) – so habe ich jede Menge Platz im komfortablen Abteil, räkle mich im Ledersitz, kann in Ruhe die Tageszeitungen lesen und Musik hören. |