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Antalya Fligth only - 249 Euro ! Bei welchem Radler, dem dieses Angebot eines Reisebüros an einem verregneten Märztag in die Augen sticht, werden da nicht sofort Träume nach Sonne, Wärme und Meer geweckt? Also schnell am (Reise)Rennrad die Laufräder mit den breiteren Felgen und Reifen montiert, dieses nach den Empfehlungen der AUA verpackt (aber das ist eine andere Geschichte) und schon am Vorabend des Fluges nach Schwechat zum "Großgepäckschalter" gebracht, ein paar Broschüren von der Türkischen Fremdenverkehrsinformation (viel gibt's dort nicht, schon gar nicht zum Thema Fahrrad) besorgt und das Gepäck in zwei kleinen Ortlieb-Taschen verstaut und ab in den Süden! |
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1.
Tag:
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WIEN - ANTALYA/Flughafen - KEMER |
61
km, 244 hm
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2. Tag: |
147 km, 1.954 hm |
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3. Tag: |
110 km, 1.000 hm |
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4. Tag: |
137 km, 1.974 hm |
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5. Tag: |
128 km, 1.974 hm |
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6. Tag: |
115 km, 742 hm |
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7. Tag: |
132 km, 642 hm |
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8. Tag: |
69 km, 300 hm |
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| Beschreibung der T a g e s t o u r e n : | ||
| Nach langer Fahrt entlang von Baustellen und neu gebauten Hochhäusern (vor denen friedlich Kühe und Ziegen grasen, ein netter Anblick) biegt die Straße nach Süden - der Nordwind treibt mich an. Jetzt fallen die Berghänge steiler ins Meer und damit habe ich das besiedelbare Gebiet (und den Stadtverkehr !) vorerst hinter mir gelassen. Die vor 15 Jahren noch nicht durchgehend asphaltierte, zeitweise einem Feldweg gleichende Küstenstraße ist mittlerweile gut ausgebaut worden, auf dem breiten Seitenstreifen lässt es sich angenehm fahren. Unangenehm sind nur zwei unbeleuchtete Tunnel, in denen sich die Fahrbahn verengt. |
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![]() Kemer |
Ein weiterer Vorteil touristischer Orte: es gibt gute Frühstücksmöglichkeiten (in Pensionen ist in der Regel kein Frühstück erhältlich, in Hotels schon und dort ist es auch im Zimmerpreis inkludiert). Also die schon am Vorabend entdeckte Konditorei aufgesucht und den Blutzuckerspiegel beträchtlich angehoben - so gestärkt verlasse ich Kemer Richtung Süden auf einem Radweg (sogar mit blauer Tafel ausgeschildert!). Dieser wurde offenbar deshalb angelegt, um die in Kemer urlaubenden Mountainbiker gefahrlos zu den Schotterstraßen zu leiten - die Umgebung des Ortes ist mittlerweile ein Recht bekanntes MTB-Revier, allerdings liegt zu dieser Jahreszeit auf den Bergen überall noch Schnee, sodass die Bike-Möglichkeiten - zumindest was die erreichbaren Höhen betrifft - noch limitiert sein dürften. Die
schneebedeckten Berge, die mediterriane Vegetation und die immer wieder
möglichen Meerblicke lassen mich die ersten ernstzunehmenden Steigungen
vor OLYMPOS rasch erklimmen, eine
kilometerlange Abfahrt nach KUMLUCA
ist der Lohn. Dort angekommen stärke ich mich bei Fladenbrot und
Tee, während mein Rad (insbesondere der Computer) von den Kindern
(es ist Sonntag!) bewundert wird. |
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Die
erwachsene Bevölkerung möchte wahrscheinlich eher nicht mit
mir tauschen, als ich mich wieder in den Sattel schwinge, um auf autobahnähnlich
ausgebauter Straße, reizloses Schwemmland durchquerend, FINIKE
zu erreichen. Kurz nach dem Ort mäandert die Straße, jeder
Bucht folgend, direkt der Küste entlang - kein Verkehr, Traumstrecke!
Auch wenn das tiefblaue Meer noch so einlädt, zum Baden ist es entschieden
zu kalt, auch der Nordwind ist immer wieder spürbar. Vor DEMRE
(bekannt durch die Felsengräber und als Wirkungsort von
Bischof Nikolaus, jetzt bei uns Nikolo genannt), umrundet die Straße
einen großen - vom Meer durch einen Damm getrennten - See. Sicherlich
ist mir die Schildkröte dankbar, die ich von der Straße gehoben
und in den Straßengraben gesetzt habe! |
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| Nach Demre führt die Straße in weiten Kehren von der Küste weg und steigt langsam, aber stetig an. Ein frisch gepresster Orangensaft vom Straßenrestaurant mit schöner Aussicht auf die Küstenebene stärkt, denn es geht weiter bergauf (bis auf 680 m!). Bei einem Bauernhof mit angeschlossener Viehweide kommen plötzlich drei (kleinere) Hunde kläffend gelaufen, für eine Flucht bin ich auf der bergauf führenden Straße zu langsam. Irgendwie behindern die ums Rad tollenden, geifernden Köter doch meine Fahrt, sodass ich schon mit dem Einsatz des mitgeführten Pfeffersprays liebäugle, greife aber dann doch zum gelinderen Mittel: stehen bleiben und die Köter auf wienerisch anbrüllen - zumindest bei dieser Hundegröße doch wirksam (es sollte meine einzige unangenehme Begegnung mit unseren vierbeinigen Freunden bleiben). Es ist schon später Nachmittag, als ich nach einer rasanten Abfahrt bei KAS wieder die Küste erreiche - hier gefällt es mir schon bedeutend besser als in Kemer. Der Ort konnte sich (wohl auch, weil kein Flughafen in der Nähe ist und die Transferzeit von Antalya oder Dalaman schon zu lange wäre) seine Ursprünglichkeit erhalten. |
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| KAS
- FETHIYE |
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Nach
einem - im Vergleich zum Vortag bescheidenen - Frühstück geht's
noch in der Morgenkühle die Küstenstraße - die jetzt ihrem
Namen wieder völlig gerecht wird - weiter Richtung Westen. Links
bieten sich immer wieder tolle Ausblicke auf die der Küste vorgelagerten
Inselgruppen, rechts halten die hoch aufragenden Berge den Wind ab. Kurz
vor dem nächsten Ort Kalkan ist aber Schluss mit lustig - die Straße
wendet nach Norden und steigt zudem etwas an - die kräftigen Windböen
sind nur ein Vorgeschmack dessen, was mich am Nachmittag erwarten wird.
Die Straße führt hoch über den in einer Bucht gelegenen
Ort KALKAN vorbei und wird nach der
Ortseinfahrt schmäler und schlechter. Der höchste Punkt des
heutigen Tages wird vor dem Dorf YESIKÖY
auf 350 m Höhe erreicht - eine kurvenreiche mit Schlaglöchern
gepflasterte Straße führt in die Ortschaft hinab. |
| Ein kurzes Stück geht es noch einmal dank des Rückenwindes mit ungeahnter Geschwindigkeit Richtung Süden, dann wird wieder eine perfekt ausgebaute breite Straße erreicht, die eine landwirtschaftlich genutzte Ebene durchquert. Trotz Griffhaltung auf der Unterseite des Rennlenkers fällt meine Reisegeschwindigkeit - je nach Intensität der Böen - bis auf 15 km/h ab. Der geplante Abstecher nach Saklikent in den dortigen Nationalpark (Empfehlung von einem Türken, dort sei eine tolle Schlucht zu bewundern) entfällt auch wegen weithin sichtbaren Schauerwolken, die sich über den Bergen entladen. In größerer Höhe scheinen tatsächlich Schneeschauer niederzugehen - in der weiten Ebene, in der ich gegen den Wind ankämpfe, bleibt es Allah sei Dank trocken. |
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Die auf meiner bisherigen Fahrt bemerkte Fahrrad-Infrastruktur lässt mich nicht auf eine allzu rasche Erledigung meines Problems hoffen - aber siehe da, noch vor der Ortseinfahrt - in der für türkische Siedlungen typischen "Gewerbezone", wo Schlossereien und Autowerkstätten konzentriert etabliert sind, stehen vor einer offenen Garage ein paar Mopeds und verwahrloste Räder in bemitleidenswertem Zustand herum. Der Meister - offenbar gerade nicht sonderlich im Stress - ist froh, Kundschaft zu haben - ein halbes Dutzend interessierter Zuschauer jeglicher Altersstufe findet sich schnell ein. Mangels Montageständer wird der Lenker und Sattel meines (abgepackten) Rades auf vorgefertigte Holzstücke, die am Boden aufgelegt werden gestellt und so am umgedrehten Rad gearbeitet. Wie ich vermutet habe, ist die richtige Speichenlänge - da die Türken, wenn überhaupt, vorwiegend 26"-Räder fahren - nicht vorrätig, aber no problem: einer der umstehenden Jungs wird mit einem Bindfaden, der auf die benötigte Speichenlänge abgeschnitten wurde, zwecks Beschaffung einer solchen auf den Weg geschickt. Zwischenzeitlich werden die technischen Features meines Rades bestaunt und auf türkisch kommentiert - insbesondere die Clickpedale stoßen auf großes Interesse. Das Hinterrad ist schon in einem sichtlich selbstgebastelten, aber funktionellen Zentrierständer eingespannt - doch leider ist die gebrachte Speiche zu lang. In einer türkischen Werkstatt kein Problem - sie wird entsprechend abgeschliffen. Erst nach mehreren Arbeitsgängen wird die Speiche vom Meister als nunmehr passend beurteilt und ins Rad eingesetzt. In den Genuss des folgenden, fast 15minütigen Zentriervorganges kommt wahrscheinlich nicht einmal das Hinterrad von Lois Armstrong zwischen zweier Tour-de-France-Etappen. Nach Bezahlung eines Spottgeldes, für das ein heimischer Mechaniker bestenfalls den Schnellspanner öffnet, rolle ich mit einem perfekt zentrierten Hinterrad durch die Vororte von Fethiye. Auf der holprigen Strasse sind im Vergleich zu den anderen Orten bemerkenswert viele Radwerkstätten. Seltsamerweise werden in diesen Räder wirklich nur repariert, neu angeboten werden sie vor allem von Elektrohändlern, vor deren Auslagen neben Kühlschränken und Waschmaschinen auch eine Reihe Räder (vom Kinderrad bis zum Billig-MTB) bunt in der Sonne glitzern. FETHIYE ist ein logisches Etappenziel - beim Hafen findet sich schnell eine etwas heruntergekommene, aber preiswerte Pension und so bleibt für einen Stadtbummel ausreichend Zeit. In den Fischständen am Markt wird frischer Fisch zum Kauf angeboten - in den gleich daneben liegenden Restaurants wird er zubereitet und mit Salat und Brot serviert - ein Angebot, von dem ich gerne Gebrauch mache. Der
Abend wird - wie fast täglich - im Internetcafe beschlossen, wo ich
(preisgünstig, weil Telefonate sind sehr teuer) Kontakt zu meiner
Familie aufnehmen und die neuesten Nachrichten sowie (wichtig !) die Wetterprognose
für die Türkei für die nächsten Tage erfahren kann. |
| FETHIYE
- MUGLA |
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Am nächsten Tag komme ich nicht so richtig in Schwung - erstens gibt's das für 8 Uhr versprochene Frühstück erst um 9 und zweitens fegen stürmische Windböen über die Bucht - die türkische Flagge am Mast gegenüber meines Hotelzimmers flattert nicht sondern steht im Wind. Mein Zeitplan wird noch zusätzlich durch den Umstand durcheinander gebracht, dass ich einem für Autos gesperrten, aber mit dem Fahrradsymbol gekennzeichneten Weg entlang der Bucht folge, der alsbald in einen Feldweg übergeht und später eine Art Villenviertel erreicht - der Weg zurück zur Hauptstraße gestaltet sich wegen zahlreicher Baustellen in diesem Neubaugebiet als etwas mühsam. Auf
der keineswegs steigungsfreien Weiterfahrt (es geht über zwei kleine
Pässe) lässt der Wind erstaunlicherweise nach - angenehmes Radfahren
auf landschaftlich schöner Strecke. Zu früh gefreut - nach der
in einer kleinen Bucht gelegenen Ortschaft GÖCEK
zwingen mich heftige Böen auf der keinesfalls heftigen Steigung bergauf
zur Schrittgeschwindigkeit. Nach Überquerung eines weiteren Passes
rolle ich in die Ebene von DALAMAN
und finde gleich bei der großen Kreuzung mit der Abzweigung zum
Flughafen ein wirklich empfehlenswertes Restaurant ("Palmiye Restaurant",
gleich neben der Schule). Im schönen Gastgarten wäre ich gerne
noch länger gesessen, aber mir ist bewusst, dass heute noch einiges
an Radarbeit bevorsteht. Wieder geht es kurz bergauf, dann ist KÖYCEGIZ mit dem gleichnamigen See (der von der Straße aus nur zu erahnen ist) erreicht. Kurz danach in einem Waldstück habe ich meine erste (und einzige) Begegnung mit einer "Natascha" (Prostituierte, die aus irgendwelchen ehemaligen Sowjet-Republiken kommen und die in der Türkei ihr Glück versuchen). Wasserstoffblond und mit grell rosa geschminktem Mund wirbt sie um mich besonders heftig, als sie mitbekommt, dass ich kein Türke bin und ihr daher vielleicht ein besseres Geschäft winkt. Die Arme weiß nur nicht, dass sie in dieser Aufmachung a) nicht ganz dem mitteleuropäischen Schönheitsideal entspricht und hat wohl b) auf diesem Standplatz nicht allzu viel Kontakt zu Radfahrern, deren Lust auf käuflichen Geschlechtsverkehr nach vielen Stunden am Flite-Sattel sitzend begrenzt ist. Da ich steigungsbedingt nur langsam vorankomme, habe ich ihr türkisch-englisches Gezeter noch einige Zeit in den Ohren. Die
Strecke führt jetzt durch relaxt durch Kieferwälder, bis zur
nächsten Abzweigung Richtung MARMARIS.
Links baut sich ein doch ziemlich hoher Berg auf, an dessen Flanke die
nun kommende Herausforderung (750 Höhenmeter !) schon von weitem
sichtbar ist. |
![]() Mugla |
Die gut ausgebaute Straße windet sich in einigen langen Kehren den Hang hinauf. Entsprechend schnell kommt mir in der Gegenrichtung der einzige Radreisende, den ich auf meiner Fahrt gesehen habe, entgegen. Den tollen Ausblick zu genießen bleibt nur wenig Zeit, es ist schon ziemlich spät und als ich die Hochfläche erreiche, geht gerade die Sonne unter. Die in einem weiten Talkessel gelegene Provinzhauptstadt MUGLA - mein heutiges Tagesziel - erreiche ich schon in der Dämmerung. |
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Da ich jetzt nicht lange Quartier suchen möchte, checke ich mich gleich im ersten (und nach Aussage von Passanten) bestem Hotel der Stadt ein. Die Zimmerqualität kann mit der recht pompösen Empfangshalle nicht Schritt halten, aber es gibt immerhin eine (wenn auch wegen abgesplittertem Email nicht unbedingt einladende) Badewanne. Im nächstgelegenen Friseursalon, wo ich mich rasieren lasse, komme ich in den Genuss einer unerwarteten Zusatzleistung: nach der Rasur werden mein Kopf, die Nackenpartie und die Arme einfach so ziemlich professionell massiert. Die von mir erwartete Touristenfalle im Form einer - für türkischen Verhältnisse - gesalzenen Rechnung stellt sich aber gar nicht ein. Schade, dass der gute Geist, der offenbar ahnt, was ein nach einer Tagesetappe doch etwas verspannter Radler braucht, am Friseurstuhl nicht auch meine Beine massieren kann - ein gutes Trinkgeld war ihm gewiss. Beim
Besuch im Internet-Cafe nachher prophezeien drei Wetternets gutes, und
nur eine Webseite schlechtes Wetter für die nächsten Tage -
scheint alles o.k. Die Prognosen rechnen zwar weiterhin mit starkem Nordwind,
aber dieser wird für mich immer unbedeutender werden - geht es doch
morgen nach Westen ins Landesinnere. |
| MUGLA
- SERINHISAR |
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Der morgendliche Blick aus den Hotelfenster: wolkenloser Himmel. Nach dem Frühstück (das - müslilose ! - Frühstücksbuffet in Hotels, welches nur Schafskäse, Wurst, Oliven, Tomaten und Weißbrot offeriert, wird immer durch ein paar am Vorabend in der Konditorei gekauften Sweeties aufgepeppt) verlasse ich schon in morgendlicher Frische - es hat wohl kaum mehr als 5 Grad - die dunstige Talmulde von Mugla Richtung Osten. Wie schon gewohnt, weht stürmischer Wind - jedoch aus unterschiedlichen Richtungen. Sowohl nach der in Wien organisierten Karte des türkischen Fremdenverkehrsverbandes als auch nach einer in der Türkei gekaufte Straßenkarte befindet sich die nächste größere Ortschaft erst in knapp 80 Kilometern und tatsächlich säumen nur ein paar Bauernhäuser und Picknickplätze die Strasse, die langsam, aber stetig ansteigt. Tolle Landschaft (Nadelwälder vor schneebedeckten Bergen) und de facto verkehrsfreie Straße! Weil
mir bei der Abfahrt vom ersten, doch schon über 1000 Metern gelegenen
Pass etwas kalt ist, möchte ich mich in einem neben der Straße
gelegenen einfachen Rasthaus etwas aufwärmen - am Parkplatz steht
ein großer Transit-Bus der "Jandarma". Von früheren
Türkei-Reisen weiß ich zwar, was jetzt kommt, aber die Aussicht
auf einen heißen Tee ist doch zu verlockend. In der zwar verrauchten,
aber warmen Holzbude, die auch prima in einem Western passen würde,
trinken die Ordnungskräfte, alle in Tarnanzügen und das Sturmgewehr
zwischen den Beinen festgeklemmt, soeben ihren Tee. Ihr martialisches
Outfit wirkt auf mich so, als ob diese Einheit den Befehl hat, in den
Nordirak einzufallen. Der Ranghöchste verscheucht sogleich einen
neben ihn sitzenden Rangniedereren, um mir den Sitzplatz neben ihm anbieten
zu können (wär doch nicht nötig gewesen !). Der Arme muss
sich zu zwei weiteren Kollegen in den kalten Bus zurückziehen - wird
sich wohl noch 10 oder 20 Jahre hochdienen müssen, um einen gesicherten
Platz in der Hütte zu haben). Nun gut, ich lege Helm, Brille und Handschuhe ab und sogleich deutet der Commandante neben mir einem anderen, intellektueller Aussehenden, sich in unsere Nähe zu setzen. Letzterer eröffnet mir auf Englisch, dass sich sein Chef nun mit mir unterhalten möchte (das habe ich schon erwartet !) und er übersetzen wird. Nach dem üblichen Woher ? Wohin ? Warum ? sind wir gleich beim Thema Nr. 1, dem Irak-Krieg. Commandante will von mir wissen, wie die Österreicher im allgemeinen und ich im speziellen darüber denken. Da trifft es sich gut, dass ich gestern in online-Standard von 50.000 Teilnehmern an einer Friedensdemo in Wien gelesen habe. Ich runde auf 80.000 auf und dies, sowie meine persönliche (nicht einmal gelogene) Meinung in Ergänzung dazu, ruft sein höchstes Wohlwollen hervor. Als ich dann noch einfließen lasse, dass ich schon zum fünften Mal in der Türkei bin und das es mir immer gut gefallen hat (auch nicht gelogen) bedankt sich Commandante für meine Meinungsäußerungen und spendiert sogleich noch eine große Tasse Tee. Langsam
muss ich aber an die Weiterfahrt denken - der Anstieg zum nächsten
Pass scheint gleich bei der nächsten Kurve zu beginnen. Ich verabschiede
mich also von meinen neu gewonnenen Freunden und arbeite mich wieder die
Steigung hoch. |
| Nach der nächsten Passhöhe beginnt eine lange, fast zu lange Abfahrt in ein Flusstal, bei der ich ordentlich an Höhe verliere. Bis zur ersten größeren Ortschaft heute, dem am Rand eines Hochplateaus gelegenen KALE (hier gäbe es auch ein Hotel), geht es folglich auch andauernd bergauf. Auf den folgenden vollkommen flachen 24 km nach Tavas, am nördlichen Ende des Plateaus gelegen und gemeinerweise schon von weitem zu sehen, kann sich der Nordwind ungehindert austoben. Wenn wenigstens hie und da ein LKW oder Bus überholen würde, in dessen Windschatten ich ein paar leichtere Tritte hätte! Leider ist die Straße weiterhin völlig verkehrsfrei und Tavas will trotz heftiger Tretarbeit kaum näherkommen - bei manchen Böen muss ich alle Steuerungskunst aufbieten, um nicht von der Fahrbahn geweht zu werden! |
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Dass
dieser Ort nicht einer der wärmsten der Türkei ist, lässt
sich sogleich riechen. Alle die in der kälteren Jahreszeit schon
in den ehemaligen Oststaaten unterwegs waren, kennen diesen Geruch, der
durch das Heizen (womit ?) entsteht und der die Orte in eine an klaren
Tagen auch deutlich sichtbare Dunstglocke legt. Das laut eingeholter Auskunft
einzige Hotel am Platz befindet sich in einem Gebäude, dass auf den
ersten Blick an eine Industrie- oder Lagerhalle erinnert. Ich trage mein
bepacktes Rad durch ein finsteres, offenes Treppenhaus Stock für
Stock nach oben. In jeden Stockwerk ist ein Tee- bzw. Kaffeehaus etabliert,
auch Büros von politischen Parteien und ein "Advocat" befinden
sich hier. Im obersten Stockwerk angelangt, ist der "Portier"
über einen Gast - noch dazu aus dem Ausland - sichtlich überrascht,
zeigt mir aber sogleich dienstbeflissen ein Zimmer. Die riesigen Fenster
lassen auf den Hauptplatz und die dahinterliegenden Häuser, die sich
dem oben schneebedeckten Berghang hinaufziehen, blicken, Heizung ist da,
Bad und WC sogar neu renoviert ! Also o.k., außerdem ist es das
billigste Hotelzimmer, in dem ich je gewohnt habe. Bis
zum Abendessen ist noch etwas Zeit, eigentlich könnte ich ja mein
verschwitztes Radgewand waschen lassen! Mit kräftiger Mithilfe der
Mitarbeiterinnen der nebenan gelegenen Bankfiliale versuche ich den Betreiber
der örtlichen Putzerei klarzumachen, dass er mein Sportgewand bei
nur 30 Grad waschen und nicht bügeln soll, was letztendlich gelingt,
am nächsten Morgen bekomme ich es fein säuberlich in Zeitungspapier
eingepackt freudenstrahlend ausgehändigt. Freudenstrahlend deshalb,
weil der Dummkopf (wohl noch in der Erinnerung des lachhaft billigen Hotelzimmers)
am Vorabend vergessen hat, nach dem Preis zu fragen, und so kann man wohl
ein bisschen was verdienen und dem Dummkopf auch noch zwei Cays spendieren,
ist bei dem Preis (8 Euro, für mich durchaus angemessen, nur für
örtliche Verhältnisse sicher zu teuer !) schon noch drinnen.
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| SERINHISAR
- BURDUR |
![]() Salzsee Salda Göl |
Am nächsten Tag ist wieder strahlend schönes Wetter, der Wind scheint nachgelassen zu haben. Nach ein paar Kilometern auf dem breiten Seitenstreifen der in der Früh noch kaum befahrenen Hauptstraße führt die abzweigende Verbindungsstrasse nach Burdur schnurgerade nach Westen, steigt in schöner Berglandschaft einen Pass (1188 m) hoch und bietet danach schöne Blicke auf einen großen Salzsee, dem Salda Göl, an dessen Rändern auch die weißen Salzkrusten zu sehen sind. An den Seeufern sind zur Saison Hotels, Campings und Restaurants geöffnet - jetzt fast alles noch geschlossen. |
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In der einzigen größeren Ortschaft der heutigen Strecke, YELISOVA, ist Markttag und entsprechend geschäftiges Treiben. Da ich kein halbwegs einladendes Restaurant finde, verzwicke ich gleich am Markt zwei Döner und lasse das Marktleben ein bißchen auf mich wirken. Kurz
nach Yelisova noch eine kleine Ortschaft und dann - nur Gegend! Kilometerweit
sieht man das dünne Band der Straße, das die Hochfläche
durchschneidet. |
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Für uns Mitteleuropäer ziemlich ungewohnt, dass viele Kilometer "nichts" ist - kein Gehöft, keine Weide, keine Siedlung, auf dieser Nebenstraße nicht einmal eine Tankstelle, nur hie und da zweigen Fahrwege zu irgendwelchen hinter den Hügeln gelegenen Ortschaften ab. Erst kurz vor dem nächsten See Obstkulturen und eine kleine Ortschaft, danach noch ein Marmorsteinbruch und dann wieder - Gegend ! Kilometerlang der schon gewohnte Anblick : Hochland, ev. See, dahinter aufragende Bergketten mit schneebedeckten Gipfeln. |
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Das örtliche Museum hat leider wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, so wird der Tag bis zum Abendessen eben im Internetcafe verbracht. |
| BURDUR
- ANTALYA |
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Vor dem sich über mehrere Morgen Landes erstreckenden Militärgelände im Norden der Stadt sind schon in der früh hunderte Menschen in langen Schlangen angestellt, Militärpolizisten organisieren und regeln den Verkehr auf der danebenführenden Hauptstraße Richtung Antalya. Die Frauen und Männer - vorwiegend reiferen Alters, mit Taschen und Bündeln bepackt, wundern sich sichtlich über den Radfahrer, der langsam die bergaufführende Umfahrungsstraße hochkurbelt, und dieser fragt sich, ob er irgendeine Entwicklung versäumt hat - Generalmobilmachung? Stehen die Iraker schon vor Ankara? Später klärt mich ein Teppichhändler auf: alle Rekruten erhalten eine dreimonatige Ausbildung in ihrer "Heimatkaserne" und werden dann in andere Landesteile versetzt - vor ihrer Abreise werden sie noch offiziell von Eltern und Verwandtschaft verabschiedet. |
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Kurz vor DAG ladet eine Tankstelle mit angeschlossener Raststation ein - also setze ich mich in den Garten und schlage mir einmal den Bauch voll. Suppe,
zwei Hauptgerichte und zwei Puddings liefern die notwendige Energie für
den letzten Anstieg des heutigen Tages auf eine Passhöhe - danach
fällt das anatolische Hochland steil Richtung Küste ab. Kurz
davor sehe ich ein braunes Schild (diese markieren immer Sehenswürdigkeiten)
mit "Assensos, |
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Es ist weniger Verkehr als befürchtet, und so erreiche ich flott die von einer eingleisigen (!) Straßenbahn (angeblich von der Stadt Nürnberg geschenkt) begleitete Meerpromenade, die - abgesehen von der Straßenbahn - etwas an die promenade d´anglais in Nizza erinnert. Ich brauche den Lenker nur in Richtung der auf einem großen Felskap gelegenen Altstadt drehen, schon werde ich von einem Schlepper zu einer Pension geleitet, ok., viele schauen gleich aus und durch den Konkurrenzdruck (und den fehlenden Touristen) ist auch der Preis angemessen. Den Rest des Tages verbringe ich damit, in Begleitung eines türkischen "Freundes" gefälschtes Markengewand für meine Tochter zu kaufen (ohne ihn hätte ich den Laden nie gefunden, klarerweise hat er sich für seine "Hilfe" den Rest des Abends von mir aushalten lassen - besonders die Altstadt von Antalya ist ein Touristenort, da gibt's nichts umsonst!). Wichtig ist nur gleich klarzustellen, dass keine Teppiche oder sonstige Mitbringsel gekauft werden, dann sind die Fronten geklärt und in Begleitung eines Türken wird man automatisch von allen anderen Personen, die auf das Geld der Touristen Jagd machen (Restaurantbesitzer, Zimmervermieter, alle möglichen Shopinhaber bzw. deren Schlepper) in Ruhe gelassen. Abends ruft mich noch meine besorgte Tochter an, ob ich ihr auch schon die gewünschten "DKNY", "Esprit" und "Hilfiger" Textilien besorgt hätte.... |
| ANTALYA-City
- mit Abstechern zum Flughafen |
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Der nächste Tag soll noch sinnvoll verbracht werden - mein Flugzeug geht erst am Abend. Durch den gestrigen Einkauf sind die Transportkapazitäten meines Rades entgültig erschöpft (die südwestlich führende Ausfallsstraße kenne ich schon, der Norden scheint nicht sonderlich attraktiv) und ich beschließe, die Küstenstraße in östlicher Richtung abzufahren. Schon bald geht diese durch Villenvororte und zwar neuerbauten, aber hässlichen Hochhausanlagen. Zwischen den Gebäuden ungepflegtes Brachland, dafür auf der anderen Seite Richtung Meer Parkanlagen und Gaststätten. |
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Kurz danach leitet ein Wegweiser zum "Lara-Strand". Soll sein, wenn ich schon mal hier bin, schaue ich mich um. Eine schlechte Straße führt durch kieferbewachsenes sandiges Schwemmland - der Strand selbst ist durch Erholungsheime und den üblichen Hotelburgen weitgehend verbaut. |
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Eine sehr schlechte Straße führt durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet am Rande des riesigen Flughafengeländes - zuerst auf der Nebenfahrbahn, an der Flughafeneinfahrt auf dem Seitenstreifen der Hauptstraße sind die Ruinen schnell erreicht. Leider ist das monumentale Theater derzeit wegen Renovierungsarbeiten geschlossen - von der schmalen Landstraße hat man aber einen schönen Blick auf die Ausgrabungsstätte. Da es erst Mittag ist, geht sich noch ein Abstecher zu den Kursunlu-Wasserfällen fünf Kilometer nördlich der Hauptstraße aus. Diese liegen aber in einem großen eingezäunten Gelände - auf dem Parkplatz davor wieder mehrere Touristenbusse. Irgendwie habe ich keine Lust, mich in den Trubel zu stürzen und so radle ich lieber die Straße weiter Richtung Norden durch dichten Wald, in der Hoffung, bald eine Ortschaft zu erreichen. In leichtem Auf und Ab führt der Weg kilometerlang durch Waldgebiet - landschaftlich attraktiv und durch die Topografie auch ein gutes Intervalltraining, ich habe aber schon Hunger! Essen gibt's erst nachdem ich umgekehrt bin in einem der zahlreichen Lokale, die "Gökleme" (hoffe, ich hab mir den Ausdruck richtig gemerkt!) anbieten. Es handelt sich dabei um eine Art Palatschinkenteig, der entweder nur mit Öl bestrichen oder mit kleingehackten Kartoffeln oder einer Schafkäse/Kräutermischung gefüllt wird. Wer mehr als zwei Portionen dieses überaus preisgünstigen Gerichtes (knappe 50 Cent) schafft, muss wohl schon einige Kilometer geradelt sein... Mittlerweile ist es nachmittag geworden und ich muss langsam daran denken, mein Rad und das Gepäck für den Rückflug vorzubereiten. Die paar Kilometer bis zum Flughafen sind rasch zurückgelegt und ich verziehe mich vorerst in ein ruhiges Eck, um ungestört loswerken zu können. Aus einer zerschnittenen Wasserflasche entsteht Umwerfer- und Schaltungsschutz, die Bike-Schuhe schützen die STI-Hebel und der Helm den Sattel. Letzterer und der quergestellte Lenker werden mit den schon bekannten AUA-Plastik-Säcken bedeckt und alles mit Klebeband fixiert. Beim Nachmittagskaffee in dem Restaurant östlich des Flughafengebäudes (VORSICHT: Wucherpreise, die nur noch durch die Gastbetriebe im Inneren des Flughafengebäudes übertroffen werden !!!) betrachte ich zufrieden mein Werk. Auch das lange Warten bis zum Einchecken hat einmal ein Ende und das (verpackte) Rad wird von einer Mitarbeiterin des Flughafens persönlich am Gepäckschalter übernommen - wieder muss ich die Luft aus den Reifen lassen, obwohl im Internet alle flugerfahrenen Traveller beteuern, dass die modernen Maschinen auch im Laderaum über Druckausgleich verfügen. Und irgendwann am Abend hebt sich die "Bob Marley" der Lauda-Air in den dunklen Nachthimmel - güle güle Türkei, ich komme sicher wieder, hier gibt's noch genug interessante Strecken zu radeln!
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