Ohne sich viel zu denken, folgte sie den Zwergen in den Berg. Wie erstaunt sie war, als sie die Pracht in den unterirdischen Gängen und Sälen sah! Von allen Wänden glitzerten funkelnde Edelsteine, in den herrlichen Zaubergärten, die sie durchschritten, prangten die zierlichsten Blumen, aus Diamanten, Rubinen und Smaragden zusammengesetzt. Sie konnte sich nicht satt sehen an all diesen Herrlichkeiten, vergaß ganz auf Oberwelt, Großvater und Freundinnen und blieb im Reich der Zwerge.
Der so plötzlich einsam gewordene alte Mann war untröstlich über den Verlust seiner geliebten Enkeltochter. Er war fest überzeugt, daß sie den Lockungen der Zwerge erlegen sei, und ging oft zum dunklen Eingang des Zwergenreiches auf dem Berg, um die Wächter zu bitten, ihm seine Enkelin wieder herauszugeben. Aber diese wollten nichts davon wissen und drohten ihm mit dem Tod, wenn er versuchen sollte, in ihr Reich einzudringen.
Ein Jahr hielt sich die Jungfrau schon im Berg auf. Da geschah es einmal, daß sie bei ihren Wanderungen durch die prächtigen unterirdischen Räume in die Nähe des Höhleneinganges kam, wo mehrere bewaffnete Zwerge Wache hielten. Plötzlich sah sie überrascht ein Stück des blauen Himmels in das Dunkel der Höhle hereinleuchten und wurde von tiefer Sehnsucht ergriffen, den lieben Großvater wiederzusehen und auf Erden unter den Menschen zu leben. Sie wollte ins Freie eilen, aber die Wächter hielten sie mit Gewalt zurück und schleppten sie trotz allen Sträubens in das Innere des Berges hinein. Gerade zu dieser Zeit kam der Großvater zum Zwergenschloß, hörte die Hilferufe und erkannte die Stimme seiner Enkeltochter.
Flehend bat er die Zwerge, sie möchten sein Kind doch wenigstens für einen Tag auf die Oberwelt zurückkehren lassen. Die Tränen rannen dem alten Mann dabei über die Wangen. Aber die Zwerge blieben hart und unerbittlich und wiesen den Alten vom Eingang fort.Da wurde der Alte von bitterem Schmerz und wilden Zorn überwältigt und stieß eine grimmige Verwünschung gegen die Zwerge und ihr prächtiges Reich aus. Und der Himmel erhörte seinen Fluch und ließ ihn sogleich in Erfüllung gehen. Die Erde erbebte, aus dem Schoß des Berges erklang ein furchtbares Brausen, die Säle des unterirdischen Palastes stürzten zusammen und begruben die Kobolde, mit ihnen aber auch das arme gefangene Menschenkind.
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