FC SCHWARZ - WEISS - AUGUSTIN


NEWS

15. Wohnungslosenturnier in der Hopsagasse

15. Wiener Obdachlosenfußballturnier 2010 in der Hopsahalle
Ein Pokal mehr
Wir sind schon froh, wenn wir ein oder zwei Spiele gewinnen. Sagten sich die Spieler von Schwarz-Weiß Augustin vorher. Doch dann fuhren sie, zu ihrer eigenen großen Überraschung, beim 15. Wiener Obdachlosenfußballturnier nichts als Siege ein und machten solcherart den ersten Platz.

Darauf erst einmal eine Zigarette. Thomas hat sich nach draußen begeben, weil in der Hopsahalle Rauchen verboten ist. Genüsslich nimmt er einen tiefen Zug. Die Arbeit liegt hinter ihm. Er, Thomas, wehrte so gut wie alles ab, was auf seinen Kasten geflogen kam. Da seine Mitspieler ihm nicht nachstanden und das taten, was zu tun ist, nämlich Tore schießen, schaute am Ende sogar der Turniersieg heraus. Die Werkself dieser Zeitung, Schwarz-Weiß Augustin, gewann das 15. Wiener Obdachlosenfußballturnier.

Versonnen schaut Thomas dem Rauch nach, den er in den Wiener Abendhimmel bläst. Nicht dass das Gefühl, als Sieger vom Platz zu gehen, für ihn etwa neu wäre. Schließlich ist er schon lange genug im Geschäft. War sogar früher Profi in Deutschland, in der zweiten Bundesliga. Er stand bei Rot-Weiß Essen im Tor, bei jenem Traditionsverein, bei dem auch der legendäre Willi „Ente“ Lippens spielte. Thomas weiß, wie sich das anfühlt, vor Tausenden Zuschauern zu spielen. Bei seinen Auftritten nun im Tor von SW Augustin muss er sich mit kleinerem Publikum zufriedengeben. Doch Fußball ist Fußball, und ein Sieg immer wieder eine feine Sache.


Zufrieden ist auch Strawi. Wie Thomas genauso ein alter Hund, mit seinen 61 Jahren genau genommen der älteste in der SW Augustin-Mannschaft. Ein ganzer Tag auf dem Fußball-Parkett zehrt an den Kräften. Strawi ist müde. Zum fünften Mal errang er nun mit den Augustin-Kickern den Titel des Wiener Obdachlosenfußballturniers, so oft wie kein anderer. Strawi ist seit den Anfängen dieses Turniers 1995 jedes Jahr dabei. Der Sieg heuer freut ihn besonders, weil im Grunde niemand damit gerechnet hatte, schon gar nicht die SW Augustin-Spieler selbst. Zufrieden wären sie schon, sagten sie im Vorfeld, wenn sie ein oder zwei Siege machten. Und dann wurden es nichts als Siege, wobei einmal, im Spiel gegen die Arge-Mannschaft, die Entscheidung im Elfmeterschießen fiel.

Fotos und Text Wenzel Müller


Es gab eine Zeit, Anfang dieses Jahrhunderts, da war die Augustin-Kicker auf den Turniersieg regelrecht abonniert. Viermal hintereinander holten sie den Pokal. Doch dann folgte eine längere Durststrecke. Nun ist der Erfolg zurückgekehrt. Warum?
Liegt es an Strawi, der mit seiner unvergleichlichen Routine alle anderen Mannschaften alt aussehen lässt? Oder an Harry und Emil, die mit ihrer festen Vater-Sohn-Bande der Mannschaft sicheren Rückhalt bieten? Oder daran, dass Kane zu allgemeiner Freude in die Mannschaft zurückgekehrt ist? Wie auch immer – das Augustin-Büro ist in jedem Fall um einen Pokal reicher.

back