FC SCHWARZ - WEISS - AUGUSTIN




WIR ÜBER UNS

Obdachlose spielen Fußball?
Ja.
Obdachlose spielen Fußball!
Erfolgreich noch dazu. Wer das nicht glauben kann, ist herzlich eingeladen, einmal einem Training oder einem Spiel von Schwarz-Weiß Augustin beizuwohnen.
„Augustin“? Habt ihr vielleicht schon einmal gehört. Das ist in Wien die Zeitung, die von obdachlosen Menschen geschrieben und auch verkauft wird.
Jeden Montagabend betreten einige Zeitungsverkäufer vom Augustin den Fußballplatz des Slovan-HAC in Wien 14, um mit Hilfe des Sports Abstand von ihrer Arbeit und auch von ihren Sorgen zu gewinnen.
Ich bin seit bald drei Jahren ihr Trainer. Und sage es gleich vorweg: Für mich ist die Arbeit mit Menschen, die es im Leben nicht leicht haben, keine lästige Pflicht, sondern eine ehrenvolle Herausforderung.
Wir haben in unserer Mannschaft neben den Österreichern auch einige Afrikaner. Und wenn ihr einen hört, der erklärt, dass Österreicher und Afrikaner nicht zusammenleben können, dann schickt ihn bitte zu uns.
Bei uns kann er sich dann gerne davon überzeugen, dass Schwarz und Weiß ein starkes Team bilden können – Schwarz-Weiß Augustin zum Beispiel.
Gewiss muss man sich ein bisserl mehr Mühe geben, um den Anderen zu verstehen. Zumeist liegt das an der anderen Sprache, die der Andere als Kind gelernt hat. Doch wenn es darum geht, einen Fußball in das Tor der anderen Mannschaft zu schießen, dann spielt die Hautfarbe keine große Rolle mehr.
Noch ein Wort zur Augustin-Zeitung: Die Verkäufer können ein Exemplar um einen Euro kaufen und um zwei Euro verkaufen. Ein Euro wandert somit in ihre Tasche, der andere Euro wird benötigt, um die nächste Ausgabe zu drucken. Für viele Verkäufer ist der Augustin die einzige Möglichkeit, um Geld zu verdienen. Weil niemand ihnen eine andere Arbeit anbietet.
Grundsätzlich gilt: Jeder, der beim Augustin anklopft, kann sofort anfangen. Weil die Armut bekanntlich keine Grenzen kennt, werden auch schwarzafrikanische Asylwerber aufgenommen. Sie haben ein besonders schweres Los: Jahrelang warten sie oft darauf, bis die österreichischen Behörden endlich darüber entscheiden, ob sie hier bleiben können oder zurück in ihre Heimat müssen. In dieser Zeit dürfen sie keine geregelte Arbeit annehmen. Der Augustin ist für sie somit ein kleiner Strohhalm der Hoffnung.
Auch die Fußballmannschaft steht allen Verkäufern offen: Jeden Montag können sie hier kostenlos und unter fachkundiger Anleitung trainieren. Darüber hinaus steht mindestens ein Mal pro Monat ein Spiel oder die Teilnahme an einem Turnier auf dem Programm.
Die bisherige Bilanz von Schwarz-Weiß Augustin kann sich durchaus sehen lassen. Gestärkt durch das regelmäßige Training, gehen die Zeitungsverkäufer nach einer anfänglichen Durststrecke heute auffallend oft als Sieger vom Platz. Zuschauer wie Gegner loben immer wieder den eleganten und vor allem fairen Spielstil der Augustiner.
Siege im Sport stärken auch das eigene Selbstbewusstsein. Und so haben alle Teilnehmer an diesem Fußball-Sozial-Projekt zuletzt deutliche Fortschritte erkennen lassen. Nicht nur im sportlichen Bereich, sondern auch bei der Gestaltung ihres Lebens.
Neben dem Trainer achtet auch ein ausgebildeter Sozialarbeiter darauf, dass die Freude am Fußball nicht verloren geht. Seit wenigen Wochen steht uns auch ein zweiter Trainer zur Verfügung. Einen wichtigen Rückhalt bilden auch die älteren Spieler wie zum Beispiel der „Papa“ der Mannschaft, Sir Strawinsky.
Aus zahlreichen Gesprächen wissen wir: Schneller als man denkt, kann man heute in Österreich unter die Armutsgrenze rutschen. Alkohol und Arbeitslosigkeit reichen aus, um den zuvor sicher geglaubten Boden unter den Füßen zu verlieren. Binnen weniger Monate zieht der Strudel an plötzlich auftretenden Ungereimtheiten selbst jene in die Tiefe, die zuvor ein solides Leben geführt haben. Neben der Arbeit, dem Partner, der Familie, den Freunden und der Wohnung geht auch das eigene Selbstwertgefühl schnell verloren. Der Kampf gegen den Abstieg ist nicht nur für Fußballmannschaften, die eine Niederlage nach der anderen kassieren, schwierig.
Schön zu sehen, wie uns der Sport auf andere Gedanken bringt. Bei unserem Training steht das Spiel mit dem Ball immer im Vordergrund. Manche Augustiner können sich in dieses Spiel derart vertiefen, dass sie am Ende in der Umkleidekabine sitzen und rätseln, warum ihre Beine plötzlich so schwer sind.
Apropos Laufen: Auch das haben einige im Laufe der Zeit verlernt. Das Augustin-Training hilft ihnen allmählich wieder auf die Sprünge. Schritt für Schritt tauchen wieder die alten, in der Kindheit gelernten Bewegungsmuster auf.
Inzwischen hat unser Team drei Mal in Folge das Obdachlosen-Fußballturnier der Stadt Wien gewonnen – und bei anderen Turnieren eine ganze Reihe von Pokalen gesammelt. Das ist schön. Das Schönste ist aber: Dass vor jedem Training und vor jedem Spiel die Tür zur Umkleidekabine auffliegt und sich die Augustiner mit viel Hallo begrüßen. Als Freunde wohlgemerkt. Elf Freunde.
Uwe Mauch


Kontakt:
Mag. Uwe Mauch - www.uwemauch.webs.com
Andreas Hennefeld - Tel. 01/54 55 133
E-mail: andreas@augustin.or.at


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