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Der Richtermord an Georg Bieber
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| Der Ortsrichter Georg Bieber (* vor 1530, + 10.07.1563) war der Schwiegervater des ebenfalls aus Clausnitz stammenden Tittel-Spitenahns Urban Dietel (+ nach 1581), der mit seiner Tochter Ursula Bieber (+ vor 1552) verheiratet war.
Dem Kirchenbuch1 des Kirchspiels Clausnitz ist im Jahre 1563, vom Pfarrer Nicolaus Heinrich, dem Amtsnachfolger Uhles, der nachfolgende Eintrag zu entnehmen: "Im 1563 Jare, den 10 July, welcher war der Sonabent nach Kiliani, ist der Richter zur Clausnitz George Bieber von dem Pfarrer daselbst, Herr Wolff Ulen genant, mit einem spitzigen husserischem Hammer, welcher des Richters gewesen, erschlagen worden, unten im Dorff bey der Schmelzhütten". Über den Totschlag an den Lehnsrichter Georg Bieber sind bereits vielfache Berichte und Überlieferungen veröffentlicht worden, die sich sowohl mit der Tat selbst und, im Nachgang, mit der phantatisch anmutenden Geschichte des Täters Wolfgang Uhle (+1594), auseinandersetzen. Die Schriftstellerin Gertrud Busch hat diese historischen Gegebenheiten zum Anlaß genommen und aus diesem Stoff 1939 einen Roman "Der Pestpfarrer von Annaberg"2 veröffentlicht, der dem Leser glaubhaft versichern soll, daß es sich hierbei um eine Art Autobiographie des Wolfgang Uhles handelt. Viel interessanter, da auf historischen Tatsachen und Zeugnissen basierend, sind jedoch die durch Herrn Hans-Peter Wessel durchgeführten Recherchen, die unter dem Titel "Der Clausnitzer Richter Georg Bieber"3 zusammengfaßt und veröffentlicht wurden. Dem spektakulärem Lebenslauf des Pfarrers Wolfgang Uhle ist es sicherlich zu verdanken, daß in diesem Zusammenhang auch der Person des Georg Bieber verstärkte Aufmerksamkeit geschenkt wird. Es kann sicherlich davon ausgegangen werden, hätte sich der Täter der Verantwortung nicht durch Flucht entzogen, daß der Nachwelt in Ermangelung sensationellen Stoffes, wenig an diese Tat erinnert hätte, obgleich die Konstellation, daß ein Lehn-Richter durch einen Pfarrer erschlagen wird, ja selbst genug Dramatik beinhaltet. In Ergänzung zu den von Hans-Peter Wessel zahlreich erwähnten Quellen, soll selbst auf die Tat und die Umstände des Tatvorganges nicht mehr eingegangen werden. Vielmehr wird bei dieser Gelegenheit nur festgestellt, daß es sich bei diesem Vorgang um einen sehr frühen dokumentierten Kriminalfall handelt, der durch den direkten verwandtschaftlichen Bezug, eine gewisse Bedeutung hat. Der Leser, der sich etwas ausführlicher für diese Geschichte interessiert, sei auf die zahlreichen Literaturhinweise verwiesen. Dennoch sei hier ein kurze Schilderung widergegeben, die der "Sachsens Kirchen-Galerie"4 entnommen wurde. So ist hier unter der Schönburgschen Receßherrschaften als dreizehnte und letzte Abteilung unter Clauswitz auszugsweise folgendes zu entnehmen: "...Wolfgang Uhle, von Elterlein, wurde 1558 hier Pfarrer. Am 10. Juli 1563 erschlug er im wild auflodernden Jähzorne den Ortsrichter, Georg Biber, mit einem Hammer. Fünf Jahre irrte er nach dieser That als Geächteter in den böhmischen Waldungen umher. Bei dem Ausbruche der Pest in Annaberg im Jahre 1568 ließ er dem Rathe daselbst sagen, daß er sein Leben dem Troste der Pestkranken opfern wolle, wenn er begnadigt würde. Der Churfürst August begnadigte ihn auch wirklich unter der Bedingung, daß er seines Berufs als Pestprediger treu warte, und der Geächtete kehrte frei in das Vaterland zurück, begab sich stündlich in Gefahr des Todes, denn 2228 Personen starben in Annaberg, aber unberührt blieb er von der Pest. Später wurde er Pfarrer zu Breitenbrunn, wo er bis zum Jahre 1594 lebte und hier am Altare von einem Schlagflusse getroffen, plötzlich todt niedersank..." Noch heute befindet sich am nördlichen Dorfausgang von Clausnitz, bei Haus Nr. 39, zwischen Dorfstraße und Bach ein Kreuz- oder auch Blutstein5 der daran erinnert, daß der Pfarrer Wolfgang Uhle den Dorfrichter Georg Bieber im Jähzorn erschlug. ![]()
Links unten ist ein Hammer, rechts unten ein Totenkopf eingeritzt.
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