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Dieses Kapitel ist mit freundlicher Mitwirkung von Herrn Dr. Max Pörschmann (+) und Frau Elena Hermens-Tchernychova entstanden. Das reichhaltig zusammengetragene Material kann hier nur auszugsweise widergegeben werden und soll den dramatischen Lebenslauf eines nach Rußland ausgewanderten Facharbeiters, in all seinem persönlichen und tragischen Umfang, anschaulich machen. Der Schicksalsgeschichte des Hans Tittel liegt eine insgesamt 45 seitige, russischsprachige, Archivdokumentation zugrunde, die darüber hinaus durch persönliche und zeitgeschichtliche Zeugnisse ergänzt wird. Das gesamte verfügbare original russische Quellenmaterial ist in deutscher Sprache übersetzt worden und betrachtet den Zeitraum von 1938 bis 1969. Ansonsten sind, außer den wenigen Photos, keine weiteren von Hans Tittel stammenden Hinterlassenschaften erhalten, die ein authentischen Bild von seinen Lebensumständen berichten könnten.
1. Vorbetrachtung
Das ungeklärte Schicksal des mit 20 Jahren als Uhrenmechaniker in die Sowjetunion ausgewanderten Hans Tittel (geb. 1910 Glashütte/Erzgebirge, gest. 1938 Nordost-Lager Kolyma), ein Cousin 2. Grades von mir, war immer von geheimnisvollen Mutmaßungen begleitet und dennoch wurde in der Verwandtschaft über das ausgewanderte Familienmitglied nur mit vorgehaltener Hand gesprochen, und so erfuhr ich ungefähr erst in meinem 20. Lebensjahr, was sich mit Hans Tittel zugetragen hatte. Seit 1938 wurde er vermißt, und man ahnte, welche Umstände dazu beitrugen. Doch war es in der Nazi-Zeit nicht opportun, offen über den Ausgewanderten zu sprechen, der als junger Mensch vom Aufbruch in den Sozialismus begeistert in die Sowjetunion ausgewandert war, um am Aufbau des Arbeiter- und Bauernstaates mitzuarbeiten. Und nach 1945 war es ebenso unangebracht, das Schicksal des Vermißten der aus der Ortschaft Glashütte stammt, daß sich in der damaligen DDR befand, zu erörtern. Die Eltern des Hans Tittel mußten praktisch schweigen und ertrugen auch ein doppeltes Leid, da ihr zweiter Sohn Georg Tittel am Ende des Krieges 1944 in Rußland als Soldat gefallen war, und sie somit ihre beiden einzigen Kinder verloren haben. Es ist bekannt, daß Hans Tittel die sowjetische Staatsbürgerschaft erhielt. Sein weiteres Schicksal jedoch wurde von Beschuldigungen und Anwürfen bestimmt, die für ihn wohl unverständlich waren und zu seiner Verhaftung, Aburteilung und Verschickung nach Fernost führten, wo er bald verstarb. Nachdem seine Eltern noch 1968 ihre "Diamantene Hochzeit", d.h. den 60. Hochzeitstag, haben miteinander feiern dürfen, verstarben sie 1969 und 1970, ohne daß eines ihrer Kinder dabei sein konnte. Zu dieser Zeit ruhte ihr Sohn Hans bereits seit 30 Jahren in Fernosts Erde. Friede seiner Seele! R.I.P.
2. Die Suche
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Mitte Juni 1995
Betr.: Hans TITTEL (1910-1938)
hier: Aufklärung seines Schicksals als Vermißter während der Stalinzeit der 30er Jahre
Das ungeklärte Schicksal des mit 21 Jahren als Uhrenmechaniker in die Sowjetunion ausgewanderten Hans Tittel (geb. 1910, Glashütte/Erzgeb., gest. 1938 Nordost-Lager Kolyma) eines Großneffen aus der umfangreichen und weitläufigen Verwandtschaft meiner aus dem Erzgebirge stammenden Großmutter, Wilhelmine Pörschmann, geb. Tittel (1864-1936), hatte mich seit Beginn meiner Arbeit an der Familienchronik im August 1948, d.h. der Rückkehr meines Vaters aus sowjetischer Haft, beschäftigt. In der Verwandtschaft wurde und konnte über das Verschwinden Hans TITTELs während der Stalin-Exzesse der 30er Jahre nur mit vorgehaltener Hand gesprochen werden: sowohl während der NS-Zeit als auch in der ehem. SBZ bzw. DDR war es politisch nicht opportun, das Schicksal des Vermißten zu erörtern.
Umsomehr reizte es mich, dem Lebensweg Hans TITTELs nachzugehen. So versuchte ich bereits im März 1976, über den Verlag von Andreas Mytze (Berlin-West), der das Doppelheft 14/15 seiner Zeitschrift Europäische Ideen dem Exil in der SU emigrierter Intellektueller widmete, Ansatzpunkte auch für das Schicksal Hans TITTELs zu finden. Doch schien das Interesse auch anderer Verlage und Redaktionen vornehmlich, wenn nicht ausschließlich den verschwundenen und ermordeten kommunistischen und linksliberalen Idealisten, Politikern, Künstlern und Literaten zu gelten.
Die zum Aufbau des 'Arbeiter- und Bauernstaats' in die Sowjetunion ausgewanderten Arbeiter, Handwerker und Techniker blieben eher unbeachtet oder vergessen und wurden erst spät zu einem Forschungsobjekt. Zum Beispiel hat u.a. Reinhard Müller in Hamburg im Zusammenhang mit seinem vom Rowohlt-Verlag 1992 publizierten Buch Georg Lukacs/Johannes R. Becher/Friedrich Wolf u.a.: Die Säuberungen, Moskau 1936 Archive in Moskau eingesehen und mir mitgeteilt, daß er dabei auf die von 1928-1935 erschienene Zeitschrift der KPD-Opposition Gegen den Strom aufmerksam wurde, die gegen Thälmanns stalinistischen Kurs aufbegehrte. Sie verwies früh auch auf die Probleme, denen sich deutsche Bergarbeiter aus dem Ruhrgebiet im Donec-Becken ausgesetzt sahen, wenn z.B. ihre Verbesserungsvorschläge für die Sicherheit unter Tage als 'Sabotage' oder 'Schädlingstätigkeit' ausgelegt oder wenn ihre in Briefen nach Deutschland mitgeteilten Eindrücke vom 'sozialistischen Heimatland' wiederum als 'Spionage' angesehen wurden. Reinhard Müller erwähnte zudem im März 1992, daß ihm bei seinen Recherchen in Moskau ein Hans Tittel aus der KPD-Opposition begegnet ist. Wie ich allerdings feststellte, handelte es sich um einen KP-Funktionär, der in den Jahren 1928-1935 in Jena tätig war und nur den gleichen Namen wie der Gesuchte trug.
Neben dem "Göttinger Arbeitskreis" (Institut für Deutschland - und Osteuropaforschung), dem Kulturrat der Rußlanddeutschen in Stuttgart sowie deren Landsmannschaft, Institutionen, die sich mehr oder weniger auch mit Such- und Vermißtenanzeigen von Deutschen in den GUS-Ländern befassen, wandte ich mich auch an die Pfarrämter in Johnsbach und Glashütte, wo Tittels im Kirchenbuch geführt werden, aber auch an den mir persönlich bekannten und einschlägig erfahrenen Wolfgang Leonhard. Er wußte jedoch nur recht pauschal mir etwas über die Lage der ausgewanderten Arbeiter zu sagen, zu denen Hans Tittel ja 'klassenmäßig' gehörte.
Die teilweise Öffnung auch der KGB-Archive nach 1991 und die Wende im ehemaligen kommunistischen Machtbereich insgesamt ließen auf günstigere Voraussetzungen für intensivere und gezielte Recherchen hoffen. Zudem hatte ich Kontakt zu den Eheleuten Harald und Anni Pietzsch am Geburtsort des Hans Tittel, Glashütte/Erzgeb., bekommen, die seine Eltern (Hans Tittel 1883-1970 und Olga, gestorben 1969) gut kannten, als auch mich mit der Witwe seines Bruders Georg Tittel (1912-1945 gefallen in Rußland), Lieselotte geb. Günther, 1992 zusammenführten. Hier erfuhr ich ein paar, doch kaum entscheidend weiterführende Einzelheiten, wohl aber erhielt ich einige interessante Fotos von Hans Tittel und seiner russischen Ehefrau in Moskau.
Den 'Durchbruch' brachte schließlich die Verbindungsaufnahme zum Deutsch-russischen Forum in Bonn, über das ich die Möglichkeit erhielt, mit einer in unserer Moskauer Botschaft tätigen Russin zunächst schriftlich und dann auch telefonisch Kontakt aufzunehmen. In der Zeit von Dezember 1994 bis Mai 1995 bemühte sie sich, Nachforschungen in russischen Archiven anzustellen, in Akten Einsicht zu nehmen und ggf. Kopien anzufertigen oder anfertigen zu lassen, wie es in der erforderlich gewordenen, von Hans-Wolfgang Tittel in Bochum erteilten und notariell beglaubigten Vollmacht vom 17.1.1995 lautet.
Unter dem 8. Mai 1995 übersandte die Russin mir nun aus Moskau alle Kopien, die gesetzlich zu bekommen waren. Offenbar blieben die Dokumente aus dem KGB-Archiv, die insbesondere nähere Auskunft über das fragwürdige Zustandekommen der Selbstbezichtigung konterrevolutionärer Tätigkeit des beschuldigten Hans Tittel geben, für die Allgemeinheit unzugänglich. Doch auch ohne diese Dokumente spiegeln die von mir übersetzten Aktenauszüge hinlänglich genug das grauenvolle Schicksal eines gutgläubigen, vom Kommunismus begeisterten jungen Menschen wider, der in die an Kafkas Roman "Prozeß" erinnernden Mühlen des stalinistischen Terrorsystems geriet.
Im Zusammenhang mit der Einsicht in sowjetische Akten ruft es immer wieder Erstaunen hervor, mit welcher Akribie und bürokratischem Sinn im kommunistischen System - und vielleicht ist es auch russische Eigenart-, Akten "auf ewig verwahrt" und trotz aller Wirrnisse archiviert worden sind und werden. So ist auch das KGB-Archiv angesichts des Vorrückens der deutschen Truppen auf Moskau Ende des Jahres 1941 samt und sonders mit evakuiert worden, als sich die sowjetische Regierung vorübergehend nach Kuibyshev (Samara) zuruckgezogen hatte.
gez. Max Pörschmann
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3. Hintergründe der Arbeitsaufnahme in Rußland
Der am 11. Februar 1910 in Glashütte/Erzgebirge geborene Hans Tittel erlernte das Uhrmechanikerhandwerk und verließ als 20 jähriger Glashütte, das eine berühmte Uhrenfabrikation besaß, nachdem er einen Arbeitskontrakt von einem sowjetischen Feinmechaniker-Trust erhielt, um in Moskau beim Aufbau der Uhrenindustrie zu helfen. In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts bauten amerikanische Unternehmen, nachdem Verhandlungen mit schweizerischen und deutschen Firmen gescheitert waren, in Rußland im großen Stil Uhrenfabriken auf. Mit dem Aufbau der Uhrenindustrie wurden gleichzeitig in großen Mengen fertige Großuhren, Bahnhofsuhren, Wecker und billigen Taschen- und Armbanduhren geliefert. Damit war der sowjetische Uhrenmarkt für alle anderen Uhrenhersteller verloren. Die Sowjetunion verfügte allerdings nicht über die erforderlichen Spezialisten, um die spätere Übernahme der Produktiosstätten sicherzustellen und bemühte sich daher Fachkräfte aus Deutschland zu gewinnen, zumal es dort Millionen von Arbeitslosen gab.
Obgleich in der deutsche Presse vor einer Auswanderung in die SU gewarnt wurde und die dortigen Verhältnisse in drastischer Form beschrieben wurde, erklärten sich 50 Facharbeiter aus dem Schwarzwald bereit eine ungewisse Reise nach Rußland anzutreten. Auch 12 Facharbeiter aus Glashütte traten am 08. August 1930 die Reise nach Moskau an. Namentlich waren es: Fritz Bernhard, Willy Dittrich, Willy Estler, Ernst Hruschka, Eugen Kulms, Paul Mende, Alfred Moche, Johannes Moche, Alfred Reichel, Hans Tittel, Fritz Walter und Alfred Weichelt. Teilweise waren es Uhrmacher, die Fachkräfte ausbilden sollten, teilweise Werkzeugmacher die für die Instandhaltung und Weiterbildung der Produktionsmittel und der Heranziehung von Facharbeiternachwuchs beauftragt wurden. Alle hatten einen fünfjährigen Arbeitsvertrag der am 07. November 1935 ablief.1
Über die persönlichen Beweggründe, warum Hans Tittel den Schritt in eine für ihn wohl hoffnungsvolle Zukunft tat, darüber kann nur spekuliert werden. Vielleicht wollte er der Arbeitslosigkeit entgehen, wie es bei vielen qualifizierten Arbeitskräften im Westen der Wunsch gewesen sein mag, die auch ihr Glück in dem von der Propaganda gepriesenen Arbeiter- und Bauernland zu versuchen wagten. Bereits einen Tag nach seiner Abreise vermerkt die Müglitztaler Nachrichten: "Dem Rufe nach Sowjetrußland sind zwölf hiesige Mechaniker bzw. Uhrmacher gefolgt. Sie verließen ihren Heimatort gestern Freitag Abend. Die besten Wünsche für Erfüllung aller gehegten Hoffnungen begleiten die Mutigen. Wir hoffen bald von diesen Nachrichten im Heimatland bringen zu können."2
Bereits sechs Tage vor seiner Abreise in Richtung Moskau berichtet die Müglitztaler Nachrichten vom 02.08.1930, unter Lokales und Sächsisches:" Zur Frage der Auswanderung hiesiger Facharbeiter nach Rußland ist uns von dritter Seite folgende Mitteilung zugegangen, die in unserem Blatte zu veröffentlichen wir für unsere Pflicht halten: In den Dresdner Nachrichten und verschiedenen anderen Zeitungen liest man, daß z. Zt. in Glashütte Facharbeiter für dir Uhrenerzeugung für Rußland angeworben werden. Ich halte mich für verpflichtet, dabei auf die Enttäuschung aufmerksam zu machen, die deutsche Facharbeiter in Rußland mit der Bezahlung erlebt haben. Es soll danach notwendig sein, daß man wenigstens die Hälfte des vereinbarten Lohnes der Gehaltes in Valuta, am besten in Dollar, nach seiner Heimat überwiesen bekommt und daß in dem Anstellungs- oder Arbeitsvertrage die russischen Arbeitgeber sich dazu ausdrücklich verpflichten. Selbst bei Vorhandensein dieser Bedingung sollen die Russen, wenn sie glauben, auf die Leute nicht mehr angewiesen zu sein, die Erfüllung der Verpflichtung unterlassen. U. a. traf ich in Rußland einen Herrn aus Hannover, der Rußland den Rücken kehrte. Die Vereinbarung der Geldüberweisung nach Deutschland war einige Jahre richtig eingehalten, dann aber fallen gelassen worden. Nur für russische Rubel zu arbeiten, hatte der Deutsche kein Interesse, denn wenn er diese mit nach Deutschland bringt, haben sie nur einen ganz geringen Wert, und in Rußland kann er die Ersparnisse nicht anlegen."3
Vier Tage nach der Abreise von Hans Tittel erscheint in der Müglitztaler Nachrichten der folgende Bericht: "Zu der Abfahrt der nach Sowjetrußland verpflichtet hiesigen Uhrmacher und Mechaniker hatten sich am Freitag Abend neben den Familienangehörigen der Abreisenden auch eine große Anzahl Kollegen und sonstiger Einwohner am Bahnhof eingefunden. Die Sowjetregierung hat sich bekanntlich verpflichtet Hin- und Rückrese für die Arbeiter, die einen Kontrakt auf zwei Jahre beim Stattlichen Trust für Präzisionsmechanik in Moskau eingegangen sind, zu zahlen, sowie auch den Familienangehörigen, die sämtlich in Deutschland verbleiben, durch Vermittlung der deutschen Behörden einen Teil des Lohnes sicherzustellen und zu überweisen. Die sämtlichen Verträge laufen ab 1. August 1930 und werden bei einer Bank in Berlin hinterlegt. Der Mindestlohn beträgt 450 RM monatlich für den jüngsten Arbeiter. Von amtlicher Seite ist bestätigt worden, daß irgendwelche Klagen über nichteingehaltene Verträge nicht bekannt sind. Die Betreffenden sind über Berlin, wo sie alle nötigen Papiere und Ausweise zum Seewege von Stettin nach Leningrad erhielten, befördert worden. - Gestern Dienstag Vormittag ging beim hiesigen Stadtrate folgendes Telegramm ein: " Leningrad angekommen, alles gesund und munter. Kulms". Hoffentlich werden auch die weiteren Nachrichten von den Ausgewanderten einwandfrei durch die russische Zensur nach hier gelangen, zur Beruhigung der hier zurückgebliebenen Angehörigen."4
Es ist zu vermuten, daß Hans Tittel einen fünfjährigen Arbeitskontrakt besaß, da er bereits 1936 Bürger der UdSSR wurde. Die eher verhaltene, vielleicht auch skeptische, sorgenvolle Berichterstattung dürfte ihm im Vorfeld wohl nicht entgangen sein und man mag darüber rätseln, ob all seine Hoffnungen und Erwartungen erfüllt werden. Die Berichte die nach Glashütte gelangen, scheinen jedenfalls doch vorerst insgesamt positiv zu sein. So berichtet beispielswiese im November 1930 die Müglitztaler Nachrichten: "Dieser Tage ist bereits einer der Mechaniker, die sich nach Rußland anwerben ließen, wieder von Moskau zurückgekehrt. Ihm haben die russischen Verhältnisse nicht zugesagt. - Im Gegensatz zu diesem haben die übrigen Glashütter, die sich seit August d. Js. nun in Moskau befinden, bisher nur Zufriedenstellendes an ihre Angehörigen berichtet. Ganz besonders ist diesen der Arbeitslohn und das zugesagte Drittel, welches nach der Heimat überwiesen werden sollte, voll gewährt worden. Auch über sonstige Arbeits- und persönliche Verhältnisse können die Ausgewanderten nicht klagen. Einer unserer Glashütter Heimatfreunde - dem wir auch die "Müglitztal. Nachrichten" übersenden - versicherte uns, daß es dort in Moskau allen Glashüttern gut geht und alle Zusicherungen des Arbeisvertrages erfüllt worden sind. Selbstverständlich werden die fremdländischen Verhältnisse, sei es dem Arbeits- wie im privaten persönlichen Verkehr eine ziemliche Geduld erfordern, aber dies wird allen so ergehen, die die Heimatscholle verlassen und in fremdem Lande ihr Fortkommen suchen. - Weiter wird uns zur Berichtigung einer Zeitungsnotiz über dorthin gesandten Stollen noch mitgeteilt, daß ein Kilo Gebäck jeglicher Art, wenn es an Personen geschickt wird, die in Rußland arbeiten und diese iher Arbeitsbescheinigung vorzeigen, nur 2 Rubel kostet."5
Die Nachrichten die aus Moskau die heimatlichen Gebiete erreichten, waren weiterhin erfreulich. So berichtete beispielsweise die Glashütter Ortszeitung Ende 1930: "Die abgeschlossenen Vertäge werden voll und ganz eingehalten, die Arbeit ist interessant und angenehm. Überall, auch aus den Kreisen der Bevölkerung erhalten sie volle Unterstützung. Gewiß gibt ea auch Schwierigkeiten, vor allem mit der Sprache und den vollkommen anderen Sitten und Gebräuchen. Dies dürfte aber auch bei Auswanderungen nach anderen Ländern der Fall sein."6
4. Die persönlichen Lebensumstände
Im Rahmen der Recherche sind eine Vielzahl von Photos zusammengetragen worden, die insgesamt eine Rekonstruktion des Lebenslaufes des Hans Tittel schwierig erscheinen lassen, da das vorliegende Bildmaterial überwiegend weder mit Jahreszahlen noch Ortsbezügen oder Hinweise auf die abgebildeten Personen versehen ist. Insofern handelt es sich hier um einem Versuch die Daten chronologisch aufzuarbeiten, um den vermuteten Lebensverhältnisssen gerecht zu werden. Es ist jedoch überliefert, daß Hans Tittel zweimal verheiratet war und es wird angenommen, daß er auch mit seiner ersten Ehefrau ein gemeinsames Kind hatte. Hans Tittel war also in erster Ehe mit "Galja" veheiratet, deren Familienname und auch die weiteren Daten unbekannt sind. Es wird vermutet, daß aus dieser Ehe die gemeinsame Tochter "Ljulja" stammt. Weder bekannt sind die Hintergründe weshalb die Ehe mit Galja beendet wurde noch wann er seine zweite Ehefrau, Larisa Sergeevna Smirnova (*09.07.1914 in Moskau) heiratete, die nach den Angaben des Haftbefehls, Mechanikerin im Elektrobetrieb war. Mit Larisa Sergeevna hatte Hans Tittel den gemeinsamen Sohn Albert (*24.03.1938), der zwei Tage nach der Verhaftung von Hans Tittel geboren wurde. Er solll verhaftet worden sein, als er auf dem Weg zum Krankenhaus war, um seine Frau dort Entbinden zu lassen. Er wird seinen Sohn wohl niemals gesehen haben. Nachdem Larisa Sergeevna durch das Standesamt des Kreises Proletarsk am 10. Juli 1940 erfahren hat, also zwei Jahre nach seinem Tod, daß er am 13. Dezember 1938 verstorben sei, heiratete sie im Jahre 1945 ihren zweiten Ehemann, Israel Kromoshch (*03.11.1903 in Vyazma/Moskau). Jedenfalls wurde Albert Tittel/Kromoshch von seinem Stiefvater adoptiert und hat wohl auch seinen Namen angenommen. Später heiratete Albert, jedoch ist von seiner Ehefrau nur der Vorname "Victoria" bekannt. Aus dieser Ehe entstammt der gemeinsame Sohn Vadim (+1997 in Paris). Victoria lebte mit ihrem Sohn Vadim, als dieser 14 Jahre alt war, in Paris, wo er unter nicht geklärten Umständen verstarb. Albert Kromoshch/Tittel heiratete ein zweites Mal und lebt mit seiner Frau "Anastasia" in Moskau.
Hans Tittel arbeitete seit seinem Eintreffen in Moskau ununterbrochen bis zu seiner Verhaftung im März 1938 im 1. Staatlichen Uhrenwerk "Kirow" und stieg dort zum Brigadier auf. Seine Mutter Olga besuchte die Familie ihres Sohnes ein oder zwei Mal in Moskau. Aus dieser Begegnung sind noch Fotos in Glashütte erhalten geblieben, die nun auch durch Fotos von der Enkelin von Larisa Seergeevna Smirnova, Hans Tittel 2. Ehefrau, ergänzt werden können.7
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| Eltern von Hans und Georg Tittel, Olga und Hans, 1968 Diamentene Hochzeit |
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| Georg Werner Tittel, Bruder von Hans Tittel, +1945 vermißt als Wehrmachtssoldat im Osten |
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| Hans Ernst Tittel (*11.02.1910, +13.12.1938) |
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| Olga, Mutter von Hans Tittel und die 1. Ehefrau Galja (?), in der Moskauer Wohnung |
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Hans Tittel und Galja ?, die Kleidung (Knickerbocker), läßt vermuten, daß die Aufnahme kurz nach der Einreise in Rußland entstand |
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| Olga, Mutter von Hans Tittel, Hans und die 1. Ehefrau Galja |
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| Larisa Seergeevna Smirnova Hans Tittels 2. Ehefrau |
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| Ljulja, Sommer 1937, Tochter von Galja (?) |
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| Sommer 1936, Datscha, im Vordergrund vermutlich Galja mit Tochter Ljulja |
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| Larisa Seergeevna Smirnova, Hans Tittel mit unbek. Kind (Sohn?), vielleicht Sergej |
Sommer 1936, Larisa Sergeevna Smirnova |
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| Larisa Seergeevna Smirnova, Galja (?) mit Kind Ljulja (?) und Hans Tittel, vermutlich in der Tovarishcheski-Pereulok fotografiert |
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| Larisa Sergeevna Smirnova, die 2. Ehefrau von Hans Tittel |
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| Hans Tittel vermutlich in der Mitte der hinteren Reihe, im Kreis von Freunden, Kollegen oder aber auch in Gesellschaft seiner Glashütter Kameraden. Welches Schicksal mögen sie erfahren haben? |
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| Hans Tittel und Larisa Sergeevna Smirnova, seine 2. Ehefrau |
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| Albert Tittel/Kromoshch, Sohn von Hans Tittel mit seiner 2. Ehefrau "Anastasia", ca. 1975 |
Hans Tittel in Arbeitskleidung in seiner Moskauer Dachzimmerwoh-nung |
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Larisa Seergeevna, in 2. Ehe verheiratet mit Israel Kromoshch, ca. 1945-1949 |
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| Larisa Seergeevna Smirnova |
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| Das Haus in der Tovarishcheski-Pereulok 22/24, Wohnung 28, wo Hans Tittel bis zu seiner Verhaftung 1938 wohnte. (Juli 1995) |
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| Im Hintergrund das 1. Staatl. Uhrenwerk "Kirov" in der Maxipol ul. (rotes Ziegelsteingebäude) in dem Hans Tittel beschäftigt war. links davor das erst 1950 erbaute neue Uhrenwerk, das jetzt Privatfirmen beherbergt (Sept. 1997) |
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5. Das berufliche Wirken
Üblicherweise hatten alle größeren sowjetische Betriebe eine eigene Werkszeitung. So wurde auch von dem 1. Uhrenwerk eine Zeitung herausgegeben, die "Mnogotirazhka" hieß, was man mit "Über sowjetische Uhren" übersetzen könnte. Die Arbeiter selbst fungierten als Autoren, die über das betriebliche Geschehen berichteten und Gedichte verfaßten. So lag die Vermutung nahe, daß vielleicht auch unter dem Namen des Hans Tittel ein Beitrag in der Werkszeitung erschien. Eine Recherche in 37 Ausgaben dieser Zeitung hat ergeben, daß es vier relevante Artikel gab, die von deutschen Spezialisten und Arbeitern berichteten. Der erste Artikel berichtete über den produktiven Nutzen von ausländischen Spezialisten. In diesem Zusammenhang sind die bereits erwähnten Glashütter Kameraden Kulms, Estler und Moche genannt worden. Der zweite Artikel ist von Hans Moche geschrieben worden, in der von einer Exkursionsreise in den Kaukasus berichtet wird, an der Hans Tittel mit großer Wahrscheinlichkeit teilgenommen hat. Von dieser Reise sind noch die nachstehenden Bilder erhalten:
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| Handel, Markt in Vladikavkaz |
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Marktszenen |
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| Auf dem Markt in Vladikavkaz |
In Batum auf dem Basar |
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Der dritte Artikel ist unter dem Namen von Hans Tittel geschrieben und in der rechten Spalte abgebildet 8
und wird wie folgt übersetzt:
Wir kennen den Unterschied zwischen Deutschland und der Sowjetunion
Bald sind es 5 Jahre her, seitdem ich in der Sowjetunion lebe. Ich möchte das Leben hier mit dem Leben, welches ich im Ausland führen würde, vergleichen. Viel besser, als die ganze sowjetische Jugend, kennen wir den Unterschied zwischen dem Kapitalismus und der Sowjetunion. Wir spüren ihn.
Was könnte ich sein, wenn ich jetzt in Deutschland wäre? Entweder wäre ich chronisch arbeitslos oder ich würde im besten Fall eine Arbeit in irgendeiner Militärfabrik finden. Die Arbeitszeit beträgt dort mindestens 8 Stunden pro Tag, wobei man nur an jedem siebten Tag frei hat. Ich hatte keine Möglichkeit, nach der Arbeit, etwas für meine Weiterbildung zu tun, und würde im besten Falle ein Arbeiter mit niedriger Qualifikation bleiben.
Gabz anders lebe ich hier in der UdSSR. Fast vom ersten Tag an fühlte ich die Sorge um mich, um die Entwicklung des Menschen. Bald wurde in der Fabrik ein Russischsprachkurs und Kurse für politische Bildung eingerichtet. Leider wurden die Möglichkeiten von uns nicht maximal genutzt. Am Anfang des letzten Jahres wurde am Sverdlov-Radfak* eine deutsche Abteilung eröffnet, damit die deutschen Arbeiter eine Möglichkeit bekommen, ihr kulturelles Niveau zu steigern. Ich wurde in der Radfak aufgenommen und habe ihn dieses Jahr absolviert. Jetzt möchte ich studieren.
Was in Deutschland unmöglich wäre, ist hier in der Sowjetunion, leicht zu bekommen. Dafür braucht man nur einen Willen zum Lernen und einen Willen zur Arbeit. Ich will und werde lernen, um am Bau des Kommunismus zu helfen.
* Rabotschij Fakultät/Arbeitsfakutät (Radfak), in den Jahren von 1919-1940 eine allgemeinbildende Ausbildungseinrichtung an den Hochschulen in der UdSSR, zur Vorbereitung von Jugendlichen, welche keine Allgemeinausbildung für ein Hochschulstudium hatten.
In der Betriebszeitung "Sowjetuhren" ist in der Rubrik der "Deutschen Seite der Betriebszeitung der I. Uhrenfabrik" die nachstehende Seite herausgegeben worden, auf der die Glashütter Auswanderer, namentlich: Walter, Moche, Reichel und Tittel, in Verbindung mit Berichten aus dem Werk und politischen Themen erwähnt werden.9
Der besseren Lesbarkeit halber ist der in der rechte Spalte verfaßte Artikel, der unter Namen von Hans Tittel erscheint, noch einmal angegeben:
Arbeitsstudium drüben und hier
Als der Kapitalismus noch seine Scheinblüte hatte, traten viele Proletarierkinder nach Beendigung der Volksschule in die Lehre, um irgendeinen Beruf zu erlernen.
Wie sieht es heute, und besonders in Deutschland mit der Schule der Arbeiter aus? Die Krise warf Millionen von Arbeitern und auch zahlreiche Ingenieure und Techniker auf die Straße. Viele Hunderttausende von Proletarierjungen und -mädels können nach der Schulzeit kein Handwerk mehr erlernen. Der Vater ist arbeitslos und der Junge muß gleich Geld verdienen und viel Schulentlassene finden erst nach Jahren eine Lehrstelle. Wer aber doch noch das Glück hat, eine Lehre durchzumachen, hat alle Aussicht, sofort nach Beendigung der Lehrzeit auf die Straße zu fliegen. Für den Jungen beginnt also jetzt ein aussichtsloser Kampf ums tägliche Brot und an eine Erweiterung seiner technischen Kenntnisse und Fähigkeiten ist nicht mehr zu denken. Mehr noch als früher können also heute in Deutschland nur die Angehörigen der besitzenden Klasse etwas lernen.
Anders ist es hier bei uns in der Sowjetunion. Überall sehen wir nach Arbeitsschluß junge wie alte Arbeiter in den Rabfaks, Instituten und Techniken studieren. In jeder Fabrik werden Kurse abgehalten. Aber nicht nur für die russisch sprechenden Genossen, auch für die ausländischen Genossen sind in ihrer Muttersprache spezielle Kurse eingerichtet worden.
Vier von den deutschen Genossen der 1. Uhrenfabrik besuchen derzeit Kurse für Rationalisierung und Erfindungswesen. Zwei Genossen besuchen eine deutsche Rabfak. Das Studium ist unentgeldlich. Es ist nur der Lerneifer der einzelnen Schüler erforderlich. So ist es überall und die Worte Lenins: "Lernen, lernen, und nochmals lernen !" sind Wirklichkeit geworden. Das Land der Arbeiter und Bauern entwickelt sich somit zu einem Land der besten Wissenschaft und Technik.
Joh. Tittel
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| Die ausländischen Spezialisten, Genossen Estler und Tittel - die Arbeiter in der Prüfwerkstatt. 10 |
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6. Die Arbeitsverhältnisse in der russischen Uhrenindustrie
Müglitztaler Nachrichten: "Nun ist der vorletzte jener im Jahre 1929 nach Moskau verpflichteten hiesigen Arbeitskameraden, die die deutsche Staatsangehörigkeit nicht aufgegeben haben, zurückgekehrt und die Maßnahme der Verweigerung einer erneuten Aufenthaltsbewilligung für den am Mittwochabend zurückgekehrten Facharbeiter Johannes Moche seitens der russischen Behörden kommt gewissermaßen unserer nationalen Wirtschaft zugute, deren gegenwärtiger Facharbeitermangel dadurch in bescheidenem Maße behoben wird. In ganz kurzer Zeit schon wird unser Arbeitskamerad Moche entsprechend seiner Leistung Beschäftigung gefunden haben und wir nahmen mit Genugtuung davon Kenntnis, daß auch seinem gegenwärtig noch in Haft befindlichen Bruder Alfred Moche diese Aussichten bevorstehen. Soweit wir informiert sind, haben die übrigen Glashütter Facharbeiter, wohl sechs oder sieben meist junge und unverheiratete - sie waren es wenigstens im Jahre 1929, als sie nach Rußland gingen - bereits vor einiger Zeit die russische Staatsangehörigkeit erworben und sind nun auch zum Teil mit russischen Staatsangehörigen verheiratet."11
Ein undatierter Zeitungsbericht, vermutlich 1937/1938 von der Müglitztaler Nachrichten herausgegeben, berichtet unter der Überschrift "Uhrenfabrikation im Sowjet-'Paradies', ein Glashütter Arbeitskamerad erzählt":
"Als einer der Glashütter Facharbeiter, die im August 1930 infolge der großen Erwerbslosigkeit dem Rufe einer Anwerbung nach Sowjetrußland folgten, gibt Johannes Moche in nachstehenden Ausführungen einen interessanten Einblick in die Gründe, die die sowjetische Uhrenfabrikation nicht zum Ziele gelangen ließen.
Ein gut durchgebildeter und an praktischer Erfahrung reicher Arbeiterstamm, ein moderner Maschinenpark mit entsprechenden Einrichtungen in Verbindung mit einer einwandfrei funktionierenden Vertrieborganisation, die Hand in Hand arbeiten müssen, sind von unserem Standpunkt aus Grundbedingungen. Aber was mußten wir erleben! Nachdem wir uns einige Tage Leningrad und Moskau angesehen hatten, wurde ich zusammen mit einigen anderen Arbeitskameraden der 1. Staatl. Uhrenfabrik zugeteilt, in welcher die Fabrikation von Taschen- und Armbanduhren erfolgen sollte. Die Herstellung der Einzelteile war im Entstehen begriffen, und wir mußten bald feststellen, daß mit den aus USA gekauften Maschinen und Einrichtungen (die übrigens nach Gewicht gekauft worden waren und dort schon 40 Jahre geruht hatten), eine neuzeitliche und rentable Fabrikation niemals eingerichtet werden konnte. 14 amerikanische Fachleute unter Führung eines Direktors und wir wenigen Deutschen waren zur Ausbildung eines Arbeiterstammes herangezogen worden. Die Belegschaft stieg bald auf annähernd 4000 Mann an, aber als wir die Leute näher kennenlernten, wurde uns klar, daß die notdürftig ausgebildeten Arbeiter, die sich größtenteils aus Landbevölkerung zusammensetzten, nicht fähig sein würden, die gestellten Aufgaben in Bezug auf Qualität annähernd zu erfüllen. Nach sehr kurzfristigen Umschulzeiten, in denen größtenteils die Kenntnis der Maschinen und Einrichtungen kaum erfaßt und noch weniger deren richtige Bedienung und Behandlung erlernt wurde, sind von der Betriebsleitung Anforderungen in Bezug auf Herstellungsmenge gestellt worden, die die Qualität logischerweise stark in den Hintergrund drängten.
Ehrliche Arbeiter und Arbeiterrinnen wurden der Sabotage verdächtigt, wenn der vorgeschriebene Plan an Stückzahl und Güte nicht erreicht worden war. Das sogenannte "Schwarze Brett" am Eingang der Abteilung sorgte dann für die Veröffentlichung der Namen, und eine empfindliche Einbuße am Lohntag war meistens damit verbunden. Derartige Ungereimtheiten führten häufig zu Mißstimmungen und lösten Arbeitsunlust aus, die mitunter eine ganze Abteilung aus dem Gleis brachte.
Die Abteilungsleiter waren nicht etwa Fachleute. Sie waren lediglich politisch gut ausgebildet und verfügten meist über eine ausgezeichnete Rednergabe. Infolge ihrer sachlichen Unwissenheit ordneten sie mitunter derartigen Unsinn an, daß es sogar Arbeitern auffiel.
Wurde der Plan einer Abteilung erfüllt, oder gar übertroffen (was sich lediglich auf die erreichte Herstellungsmenge bezog), so zahlte der Staat gute Prämien, wovon der Abteilungsleiter seinen besonderen Vorteil hatte. Dadurch war Anlaß zu gegenseitigen "Wettbewerben" gegeben. Unsere Hinweise, daß man doch erst bestrebt sein müsse, eine gute und vor allem maßgerechte, saubere Arbeit, die einer Uhr würdig sein muß, herauszubringen wurden als dem Plan entgegengesetzt bezeichnet und sogar mitunter angeprangert.
Verantwortungsgefühl und Ehrlichkeit machten es oft nötig, höhere Verwaltungsstellen von den Mißständen zu unterrichten; dann folgten meistens eine Reihe von Versetzungen, die vom Direktor bis zu den verschiedenen Abteilungsleitern übergriffen. Oft mußten wir aber mit Verwunderung feststellen, daß die verabschiedeten Leute irgendwo anders auftauchten und einen höheren Platz einnahmen, wir aber dafür einige noch weniger befähigte als Ersatz erhielten!
Unsere Fabrik, die im Laufe der Zeit die volle Herstellung sämtlicher Uhrteile übernahm, obwohl sie eigentlich als Lehrbetrieb anzusprechen war und entschieden als solcher weiterbestehen mußte, erhielt Produktionspläne von den Regierungsstellen vorgeschrieben, die ins Phantastische gingen. Die Ursache hierzu waren falsche Angaben von Produktionsziffern, bei denen man außerdem vergessen hatte, den Ausschuß abzurechnen, der unter den bereits angeführten Arbeitsverhältnissen sehr beträchtlich war.
Zur Materialprüfung zwecks Beschaffung der richtigen Qualitäten hatten wir dort ein neuzeitlich eingerichtetes metallurgisches Laboratorium, das aber durch unzureichend ausgebildete und in der Praxis wenig erfahrene Kräfte stark an Wert verlor.
Der parallel zu unserer Fabrik errichtetet Uhrmacherschulbetrieb, von dem man glaubte, daß Kräfte ausgebildet wurden, die der Fabrik von größerem Nutzen als die in der Fabrik vorgebildeten Arbeiter sein könnten, schlug vollständig fehl. Der Prozentsatz der Schüler, die mit volem Ernst währen der kurzen Lehrzeit etwas Brauchbares in sich aufgenommen hatten, war sehr gering, und nicht selten fielen noch einige ab, sobald sie in den Fabrikbetrieb eingesetzt wurden und neben Arbeitern ihren Platz erhielten, die auf Genauigkeit und saubere Arbeit weniger Wert legten. ... Meine kurzen Ausführungen über den Betrieb der 1. Staatl. Uhrenfabrik dürften wohl ein Bild über Art und Wert der sowjetrussischen Industrie vermitteln. Auch die Anschaffung einer größeren Anzahl Schweizer Automaten und sonstiger Maschinen, die Anfang 1937 in Betrieb genommen wurden, trug kaum dazu bei, die Fabrikation zu fördern oder etwa die Qualität zu heben.
Ein sowjetrussisches technisches Fachbuch über Uhrenfabrikation trägt als Leitwort den prahlerischen Ausspruch Stalins. "Wir sind hundert Jahre hinter den kapitalistischen Ländern zurückgeblieben. Wir müsssen den Abstand in höchstens zehn Jahren durchlaufen." Diese Forderung ist allerdings leicht aufzustellen; aber verwirklichen läßt sie sich in einer wirtschaftlich und moralisch zerstörten Industrie nicht."12
Die Arbeitsverhältnisse waren offensichtlich alles andere als zufriedenstellend und als Brigadier, der wohl dem Vorarbeiter vergleichbar ist, hatte Hans Tittel mit unzureichenden Verhältnissen zu kämpfen, auf die er aber selbst keinen Einfluß hatte. Der von ihm im Jahre 1935 gestellte Einbürgerungsantrag, und die daraus im Jahre 1936 resultierende Staatsbürgerschaft, war sicherlich mit der Erwartung verbunden, sich in der neuen Heimat, aus bescheidenen Verhältnissen heraus, eine berufliche Existenz aufzubauen und eine Familie zu gründen.
7. Der Spionagevorwurf
In der von 31. März 1938 datierten Anklageschrift14 heißt es wörtlich:
"In der Untersuchung wurde ermittelt, daß der Beschuldigte TITTEL J.J. ein deutscher Spion ist, der im September 1934 für Spionagearbeit in der UdSSR von dem Mitarbeiter der deutschen Botschaft, Müller, angeworben worden war, dem er Erkenntnisse über die politische Stimmung im Betrieb und über Sonderaufträge des Betriebes für die Luftfahrtindustrie mitteilte.
Der Beschuldigte TITTEL übte im Auftrag der deutschen Aufklärung Schädlingstätigkeit (Sabotage) im Betrieb aus, indem er Ausschußproduktion zuließ und damit den Mangel an Werkstücken vergrößerte.
Der zur Sache vernommene Beschuldigte TITTEL, J.J. bekannte sich für voll schuldig. Aufgrund des Dargelegten wird
TITTEL Johann Johanovich, geb. 1910 in Deutschland, Deutscher, Bürger der UdSSR, parteilos, verheiratet, bis zum Zeitpunkt seiner Verhaftung Werkzeugbrigadier im 1. Staatlichen Uhrenwerk, whh. Tovarishcheski-Gasse 22/24, Wohnung 28.
beschuldigt, deutscher Spion zu sein, d h. des Verbrechens nach §58, Abs. 6StGB der RSFSR. Die Untersuchungssache Nr. 4929 zur Beschuldigung des TITTEL, J.J. nach §58, Abs. 6 des StGB der RSFSR ist zur Behandlung an die Gerichtsinstanzen zu leiten.
Hinweis: Tittel wurde am 22. März 1938 verhaftet und sitzt im Taganka-Gefängnis ein."
Dem Auszug aus dem Protoll des Sonderkollegiums beim Volkskommisariat des Inneren der UdSSR vom 26. Mai 1938 ist zu entnehmen: "TITTEL, Johann Johanovich wird wegen konterrevolutionärer Tätigkeit zu ZEHN Jahren Besserungs- und Arbeitslager verurteilt. Der Vorgang ist ins Archiv aufzunehmen."15
Bereits vom 15. Juni 1938 datiert die Transportbescheinigung eine Überstellung in das Nordostlager (russ. Akürzung SEVVOSTLAG) des NKWD mit dem Ziel Kolyma.12
Fünf Wochen nach Ausstellung der Transportbescheinigung erreichte Hans Tittel das Sevvostlag-Kolyma. Aus dieser Zeit liegt die Personalakten Nr. 85404 und Nr. 177/23 und eine dazugehörige "Karte der Anrechnung von Werktagen" vor. Der Personalakte ist zu entnehmen, daß die Kategorie der Erwerbsfähigkeit mit "Knochenarbeit" angegeben wurde. Festgestellt wurden weiter flächendeckende Hämatome (Blutergüsse) auf dem Rücken, die auf Folterung schließen lassen. Der Personalakte 177/23 ist zu entnehmen, daß er als Kohlenhauer gezwungen wurde, obgleich sich an anderer Stelle ein Hinweis befindet, der mit einem Entwässerungsgerät der Goldgewinnung zu tun hat. Dem Protokoll ist weiterhin zu entnehmen, in welchem Maße der Grad der vorgegebenen Arbeitsnorm erfüllt wurde:
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| Monat |
Tage |
% |
Durchschnitt |
| Juli 1938 |
-
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-
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49 %
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| August 1938 |
19
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41
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| September 1938 |
30
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58
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Zynischerweise wird, acht Wochen vor seinem Tod, als Grund für die versäumten Arbeitstage angegeben: "Neuankömmling. Hat gearbeitet bis zum 1. Oktober 1938".
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| Personalakte 85404, Vorderseite Lager Kolyma 17 |
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Personalakte 85404, Rückseite Lager Kolyma 18 |
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| Personalakte 177/23, Vorderseite Lager Kolyma 19 |
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Personalakte 177/23, Rückseite Lager Kolyma 20 |
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| Karte der Anrechnung von Werktagen zu 177/23, Vorderseite Lager Kolyma 21 |
Karte der Anrechnung von Werktagen zu 177/23, Rückseite Lager Kolyma 22 |
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Hans Tittel befand sich, was aus diesen Aufzeichungen nicht hervorgeht, am Ort Orotukan. Er arbeitete dort unter mörderischen Bedingungen in der Grube "Zhurba" und verstarb dort fünf Monate nach seiner Ankunft. Wo Hans Tittel begraben wurde ist zur Zeit unbekannt. Orotukan ist Teil des riesigen Lagers von Kolyma und befindet sich ca. 300 km nördlich von Magadan. Die folgenden Karten geben einen Hinweis auf den gigantischen Umfang der GULAG in der gesamten UdSSR 23 und im Bereich RSFSR - Nordosten 24 (Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik). Die genaue Position von Orotukan befindet sich ca. 300 km nördlich von Magadan auf N 62° 15' 46" und E 151° 41' 48".
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| Karte: GULAG in der UdSSR 23 |
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| Karte: GULAG im Bereich RSFSR - Nordosten 24 |
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| Karte: Orotukan/Zhurba 30 |
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9. Die Rehabilitierung
Am 14. März 1969, dreißig Jahre nach dem Tod von Hans Tittel, reichte seine Witwe, Larisa Sergeevna Kromoshch einen Antrag auf Rehabilitation an das Präsidium des Obersten Sowjet der UdSSR ein25, den sie damit begründet, daß sie davon überzeugt sei, daß ihr erster Mann, Hans Tittel, wegen eines Fehlers verhaftet worden sei. Am 20. Juni 1969 wurde ein Gutachten über die archivalische Strafsache Nr. 26416 angefertigt26, dem auszugsweise folgendes zu entnehmen ist: "Bei seiner Vernehmung während der insgesamt einen Tag dauernden Untersuchung am 23. März 1938 sagte TITTEL aus, daß er 1930 aus Deutschland in die Sowjetunion aufgrund eines Kontraktes mit einem Feinmechaniker-Trust gekommen ist und bis zum Tage seiner Verhaftung im 1. Stattlichen Uhrenwerk "Kirov" als Brigadier einer Werkzeugbrigade gearbeitet hat. 1936 nahm er die sowjetische Staatsbürgerschaft an.
In dieser Vernehmung bekannte sich TITTEL für schuldig, Spionage für Deutschland und Betriebssabotage getrieben zu haben. Er sagte dabei aus, daß ihn beim Besuch der deutschen Botschaft zwecks Verlängerung seines Passes im September 1934 unter Androhung der Verhaftung seiner in Deutschland lebenden Eltern der Mitarbeiter MÜLLER angeworben hat, dem er die Unterschrift zur Mitarbeit gab, und er die Decknummer "33/20" bekam.
Zunächst meldete er, TITTEL, im Auftrage MÜLLERs 1934/35 zwei Mal über die politische Stimmung unter den Arbeitern des Betriebs und übergab ihm zudem einen Bericht über die Anzahl der vom Betrieb aufgrund eines Sonderauftrages für Flugzeuge hergestellten Uhren.
Darüber hinaus habe er sich mit Sabotage befaßt, "....indem er mangelhafte Instrumente einsetzte, so daß dies das Defizit an Werkstücken vergrößerte, was sich wiederum auf die Anzahl der Qualität der gelieferten Produktion ausgewirkt hat" und "....indem er sich daran machte, die besseren Werkzeugmacher zu benachteiligen, um unter ihnen künstlich Unzufriedenheit zu erzeugen."
Seit Oktober 1935 übergab er keine weiteren Meldungen, weil sich niemand bei ihm gemäß der vereinbarten Parole gemeldet hat und er selbst die Botschaft nicht mehr aufsuchte.
Beim Vorgang befinden sich eine Beurteilung des TITTEL, die vom Betriebsleiter IVANOV erstellt worden ist und in der auf eine Reihe von Mängeln in der Arbeit des Werkzeugmacher-Brigadiers, sowie eine Mitteilung des operativen Bevollmächtigten der NKWD-Verwaltung für den Bezirk Moskau darüber, daß MÜLLER Mitarbeiter der deutschen Botschaft ist.
Aufgrund dieser Materialien ist TITTEL auf Beschluß des Sonderkollegiums beim NKWD der UdSSR vom 26. März 1938 zu 10 Jahren Besserungs- und Arbeitslager verurteilt worden, wo er während des Strafvollzuges vom 13. Dezember 1938 verstarb.
Auf Weisung des Militäranwalts des Wehrbezirks Moskau wurde nunmehr in der Sache eine Nachprüfung durchgeführt, während der keinerlei belastendes Material gegen TITTEL sowohl im Staatlichen Sonderarchiv als auch in den KGB- und MWD-Archiven gefunden worden ist. Aus dem Material des Vorgangs ist demnach keine Grundlage für die Verhaftung und eine strafrechtliche Verantwortung des TITTEL ersichtlich.
Bei der zur Verhandlung führenden Ermittlung vom 17. März 1938 und der Festsetzung vorbeugender Maßnahmen wird darauf verwiesen, daß TITTEL "konterrevolutionärer Tätigkeit nachgeht" (§59-10 StGB der RSFSR 1926); in der Anklage wird zudem darauf verwiesen, daß TITTEL der Spionage beschuldigt wird (§58-6 StGB der RSFSR 1926).
Dennoch gibt es in der Sache keine Beweise für ein dem TITTEL zur Last legendes Verbrechen; er wurde ins Besserungs- und Arbeitslager lediglich aufgrund seiner eigenen Geständnisse eingewiesen, die unkonkret, oberflächlich sind und auch Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit aufkommen lassen.
TITTEL sagte aus, daß er Müller über ... die Anzahl der für Flugzeuge gelieferten Uhren gemeldet hat ... und der Betriebsleiter IVANOV schreibt in seiner Beurteilung TITTELs, daß ... er über die Anzahl der gelieferten Details habe Angaben machen können, daß er jedoch nicht den Umfang der gelieferten Verteidigungsproduktion habe bestimmen können ... Ebenso weist IVANOV darauf hin, daß ... er darauf aus war, bei den Stachanov-Arbeitern der Brigade durch niedriger angesetzte Normsätze oder durch unvorteilhafte Arbeit den Lohn zu senken und die Arbeitsproduktivität zu verringern; er tat es als eifriger Verfechter der Tarifdisziplin.
Letzteres ist in den Materialien nicht widerlegt. IVANOV aufzufinden und hiernach zu befragen, stellte sich als nicht durchführbar heraus.
Offizielle Dokumente über einen Aufenthalt des MÜLLER in der UdSSR und seiner Arbeit in der Botschaft Deutschlands befinden sich im Vorgang nicht.
Darüber hinaus wurde die Untersuchung des Vorgangs unter Verletzung der Prozeßordnung durchgeführt: TITTEL ist nämlich am 22. März 1938 verhaftet worden, der Beschluß jedoch über die Anwendung vorbeugender Maßnahmen und die Anklageerhebung sind ihm erst am 13. Mai jenes Jahres eröffnet worden: die Materialien des Vorgangs sind im Gerichtsverfahren nicht überprüft worden."
Dem Widerruf des Militätstaatsanwalt des Wehrbezirks Moskau27, vom 17. Juli 1969, ist zusammenfassend zu entnehmen:
"In der zusätzlichen Untersuchung des Vorgangs ist festgestellt worden, daß die Aussagen TITTELs bezüglich seiner Spionage- und Sabotagetätigkeit der Wirklichkeit nicht entsprechen und sie objektiv durch nichts erhärtet sind.
Offizielle Daten über den Aufenthalt eines Müller in der UdSSR und seine Tätigkeit in der deutschen Botschaft in Moskau gibt es im Vorgang nicht und wurden auch nicht während der Überprüfung gefunden. In den KGB-Archiven bei Ministerrat der UdSSR sind belastende Materialien gegeb TITTEL J.J. nicht entdeckt worden.
Die ehemaligen Arbeiter des Uhrenwerks, in dem TITTEL gearbeitet hatte, PAVLICHUK B.F., CEKHETNER K.K., GRUC V.S., ICKEVICH S.Ya. und andere, die 1938 verhaftet und wegen Spionage und Sabotage verurteilt waren, wurden in den vorangegangenen Jahren bereits rehabilitiert."
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| Sterbebescheinigung "Geheim" undatiert 28 |
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Rehabilitierungsschreiben vom 22.11.1969 13 |
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Diese Rehabiltierung mag nur eine kleine Genugtuung für Larisa Sergeevna Kromoshch gewesen sein. Zu groß ist die Gewißheit, das großes Leid und Ungerechtigkeit geschehen sind. Es kann nur festgestellt werden, daß Hans Tittel, als er am 23. März 1938 im Taganka-Gefängnis verhört wurde, systematisch unter schwerer Folter zu leiden hatte und er gezwungen wurde, sich für eine Sache schuldig zu bekennen, die er nicht verstand. Wie mag es den vorgenannten Arbeitern des Uhrenwerks oder seinen in Moskau verbliebenen Arbeitskollegen aus Glashütte ergangen sein, die wohl auch allesamt wegen Spionage und Sabotage verurteilt wurden? Es ist anzunehmen, daß keiner der Hölle von SEVVOSTLAG/Kolyman entkommen ist. Bereits ein halbes Jahr nach seiner Einlieferung war Hans Tittel tot.
10. Die biographischen Daten
| Name (deutsch): |
Tittel, Hans (Johannes) |
| Name (in russ. Dokum.): |
Tittel, Johann Johanovich (Tittel J.J.) |
| Geboren am: |
11. Februar 1910 |
| Geburtsort: |
Glashütte/Erzgebirge |
| Beruf: |
Uhrenmechaniker |
| verließ Glashütte am: |
08. August 1930 |
| Beruf ausgeübt in: |
1. Staatliches Uhrenwerk "Kirov" |
| verheiratet mit: |
Tittel, Larisa Sergeevna (möglw. 2. Ehefrau, später verh. Kromoshch) |
| verheiratet am: |
im Jahr 1932 |
| Kinder: |
einen Sohn/Tochter (möglicherweise aus 1. Ehe), Sohn aus 2. Ehe |
| Fortbildung: |
besuchte von 1934 - 1935 die deutsche Abteilung des Sverliov-Radfaks |
| Einbürgerung: |
stellte 1935 einen Einbürgerungsantrag |
| Staatsbürgerschaft: |
wurde 1936 sowjetischer Staatsbürger |
| Studium: |
wurde im Herbst 1936 in das Bubnov-Abendinstitut aufgenommen |
| Berufswunsch: |
Ingenieur |
| Tätigkeit vor Verhaftung: |
Buchhalter/Brigadier (laut Eintrag der Personalakte 177123 und 85404) |
| verhaftet worden am: |
22. März 1938 |
| verurteilt worden am: |
26. Mai 1938 |
| Verurteilungsgrund: |
Konterrevolutionäre Tätigkeit zu 10 Jahren (Spionage und Sabotage) |
| verschleppt worden am: |
15. Juni 1938 |
| verschleppt nach: |
Nordostlager (Sevvostlag-Kolyma) |
| Ankunft im Lager am: |
20. Juli 1938 (ca. 5 Wochen ab Verschleppung) |
| Art der Zwangsarbeit : |
Knochenarbeit, "Harte Arbeit" |
| verstorben am: |
13. Dezember 1938 |
| Sterbeort: |
Nordostlager (Sevvostlag-Kolyma), Bezirk Magadan |
| Beerdigungsort: |
unbekannt |
| Rehabilitiert am: |
17. Juli 1969 |
| Rehabilitiert durch: |
Militärstaatsanwalt des Wehrbezirks Moskau |
Als J.J. TITTTEL 1930, seinerzeit mit 20 Jahren, kurz vor der Volljährigkeit, mit einer in der Uhrenstadt Glashütte erworbenen, gründlichen Fachausbildung als Uhrenmechaniker in der Tasche, seinen Arbeitskontrakt mit einem sowjetischen Feinmechaniker-Trust abschloß und in die Sowjetunion auswanderte, hatte Stalin die Fäden der Macht nach Ausschaltung seines Hauptgegners Trotzki (Ausweisung aus der Sowjetunion im Januar 1929 auf Politbüro-Beschluß) bereits in den Händen. Und nach der Ermordung des populären und pragmatischen Leningrader Parteisekretärs, Kirov, im Dezember 1934, den Stalin als Konkurrenten fürchtete, ging er nunmehr daran, der Reihe nach durch gegenseitige Ausspielung und Kompromitierung die linke und rechte, jeweils als gegen ihn gerichtete Opposition zu zerschlagen und ihre Vertreter in den berüchtigten Schauprozessen der Jahre 1936-1938 schließlich auch physisch zu vernichten.
Einer der Hintergründe für die mit Zynismus und Hinterhältigkeit von Stalin geführte Politik lag in der Frage nach der Art und Weise der Industrialisierung des riesigen agrarischen Landes, eines der Hauptziele der bolschewistischen Revolution. 1927/28 beendete Stalin die noch von Lenin 1921 initiierte Neue ökonomische Politik (NEP), die dem Industrialisierungstempo entgegenstand, ihn zumindest hemmte. NEP mit ihren markt- und privatwirtschaftlichen Elementen sollte die durch die Verwüstungen des Bürgerkriegs, die rigorosen Verstaatlichungsmaßnahmen der jungen Sowjetregierung und nicht zuletzt durch die von der Ideologie bestimmte proletarische" Naturalwirtschaft die über das Land hereingebrochenen Versorgungsnöte, und um sich greifende Massenunzufriedenheit, bannen. Nun wurde mit dem l. Fünfjahresplan (1928-32) eine forcierte Industrialisierung in Gang gesetzt, begann der eigentliche sozialistische Aufbau, in dessen Schatten die bereits auf dem XV. Parteitag der KPdSU (b) im Dezember 1928 beschlossene Zwangskollektivierung der Landwirtschaft mit ihren verheerenden Hungerkatastrophen anlief.
J. J. TITTEL mag von diesen Vorgänge vielleicht gar nichts oder nur gerüchteweise etwas gehört haben, gewiß aber erlebte er die propagandistisch aufgeheizte Aufbruchsstimmung mit, die den Bau der Moskauer U-Bahn mit ihren unterirdischen Palästen und die Erfüllung eines historischen Traums, der Errichtung des Moskau-Kanals, begleitete, der Wolga und den Moskva-Fluß miteinander verbindet.
Für den raschen Aufbau neuer Betriebe und Industrien benötigte die Sowjetunion Fachkräfte auch aus dem Ausland. Ihr kam hierbei ironischerweise die Weltwirtschaftskrise im kapitalistischen Westen entgegen. Der Arbeitslosigkeit zu entgehen, mag bei vielen qualifizierten Arbeitskräften der Wunsch gewesen sein, das Glück auch in dem von der Propaganda herausgestrichenen Arbeiterparadies zu versuchen. Und so traf auch J.J. TITTEL zu dieser Zeit in Moskau ein. Er dürfte wohl bald mit einer durch Sozialistischen Wettbewerb, durch Planerfüllung und Stoßarbeitertum bestimmten Arbeitswelt in Berührung gekommen sein. Wie die Dokumente berichten, war er seit seinem Eintreffen in Moskau ununterbrochen im 1. Staatlichen Uhrenwerk "Kirov" (benannt nachdem ermordeten Leningrader Parteichef) tätig und stieg dort auch zum Brigadier, dem Führer einer "Arbeiterbrigade", auf. Wie auch immer seine jugendlichen, idealistischen Vorstellungen von einer gerechten und besseren Welt im Kommunismus gewesen sein mögen, er dürfte wohl bald nicht ohne Abstriche von seinen Idealen die herbe Wirklichkeit in seinem Betrieb und darüber hinaus gesehen haben, auf die sich Stalins ständige Forderungen nach Steigerung des Industrialisierungstempos auswirkten. Die rüden Arbeitsbestimmungen wurden ständig verschärft. Vergehen und Unregelmäßigkeiten bald als Sabotage und Schädlingswesen ausgelegt und brutal verfolgt. Die anzustrebende Erfüllung und gar Übererfüllung der Normen führten denn auch zu solchen perversen Erscheinungen wie der Stachanov-Bewegung, mit der J.J. TITTEL selbst konfrontiert worden zu sein scheint, als er die "Tarifdisziplin" eifrig einzuhalten verlangte.
Die Kehrseite von Sozialistischem Wettbewerb und fragwürdiger Stachanov-Begeisterung waren unter den Arbeitern aber auch gegenseitige Bespitzelung und Denunziation, deren sich der Staatssicheiheitsdienst bediente. Willkürliche Maßnahmen, Pseudojustiz und Terrorurteile charakterisieren die Scheinprozesse, deren Vorläufer im industriellen Bereich der Schachty-Prozeß im Juli 1928 gewesen war, bei dem Ingenieure und Techniker aus dem Kohlerevier des Donbass mit dem Tode bestraft worden waren und denen um 1937/38 nun auch weite Kreise der Arbeiterschaft ausgeliefert waren.
Ein anderer Gesichtspunkt kommt noch hinzu. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Ende 1991 kamen im Prozeß gegen die KPdSU vor dem russischen Verfassungsgericht auch bislang unbekannte Dokumente zutage, darunter eine Weisung des Politbüros an NKWD-Chef Jezhov vom 20. Juli 1937, wonach alle Deutschen (und andere Ausländer) in den Rüstungsbetrieben zu verhaften seien. Zunächst wurde noch individuell mit dem Spionagevorwurf vorgegangen, später jedoch sind der Weisung zufolge "Kollektivmaßnahmen" ergriffen worden, ohne daß es überhaupt noch eines konkreten Schuldnachweises gegen den Beschuldigten bedurfte. Angesichts des seinerzeit bedrohlicher werdenden Verhältnisses zu Hitler-Deutschland sah Stalin in den "Ausländern" per se potentielle Feinde, derer er sich auf seine Art entledigte.
Das Ergebnis war: Millionen Menschen, darunter Hundertausende von Fachleuten, die in mühsamer Arbeit herangebildet worden waren, befanden sich nun in den Lagern Sibiriens, Kasachstans oder des Fernen Osten, wie eben auch J.J. TITTEL. Es bedarf keiner ausgeprägten Phantasie, um zu erahnen, wie die letzten Monate seines gerade 28-jährigen Lebens aussahen, die ihn von Moskau über die Transsibirische Eisenbahn nach Wladiwostok und von dort mit Schiff, Wagen und zu Fuß ins NORDOSTLAGER an der Kolyma gebracht haben, das A. Solschenizyn ins seinem "Archipel Gulag" die größte und berühmteste Insel, ein Grausamkeitspol in diesem sonderbaren Land GULAG nennt, im Bezirk Magadan am Ochotskischen Meer. In unwirtlicher Umgebung gewiß bei eisiger Kälte ist J.J. TITTEL dort bei Ordukan-Zhurba umgekommen. Friede seiner Seele - R.I.P.!
Es gibt keine Hinterlassenschaften, Briefe, Notizen, die J.J. TITTELs eigene Erlebnisse und Erfahrungen belegen. Was seine Mutter bei ihren wohl zweimaligen Besuchen m Rußland gesehen und gehört hat, ist verloren. Die erhalten geblichenen Fotos zeigen einen ernsten J.J. TITTEL in seiner Dachwohnung, mit seiner Frau, seinem Sohn und seiner Mutter in städtischer Umgebung oder vor einer hölzernen Datscha inmitten einer Gesellschaft vor der Stadt. Und wie mag er sich auch als sowjetischer Bürger gefühlt haben? Für den aus dem provinziellen Glashütte stammenden Handwerker und Facharbeiter dürfte das großstädtische Ambiente seiner Moskauer Wohngegend in der Nähe des Oberen Taganka-Platzes und des renommierten Theater an der Taganka fürs erste fasziniert haben. Die Häuser des Tovarishcheski pereulok, einer staßenbreiten Gasse, die ich bei meinem Aufenthalt in Moskau Anfang Juli 1995 durchlief, zeugen trotz heutiger Vernachlässigung von ehemaliger Gediegenheit.
Was schließlich der Rehabilitierungsantrag der Witwe und seine Bearbeitung zutage gefördert hat, übersteigt jeden Justizzynismus, auch wenn die mit Chruschtschow einsetzende Aufarbeitung der Stalinzeit die Aufklärung des Schicksals zu Unrecht verurteilter Opfer möglich gemacht hat und von den Hinterbliebenen als eine Art "Fortschritt" angesehen werden mag.
Möge auch diese kleine Monographie im Sinne Solschenizyn verstanden sein, der seinem Roman die Worte voranstellt: All jenen gewidmet, die nicht genug Leben hatten, um dies zu erzählen...
gez. Max Pörschmann
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12. Quellennachweis
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1
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Uhren und Schmuck, Berlin 22 (1985) 4 |
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2
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Müglitztal-Nachrichten vom 13. August 1930 |
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3
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Müglitztal-Nachrichten vom 02. August 1930 |
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4
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Müglitztal-Nachrichten vom 12. November 1930 |
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5
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Müglitztal-Nachrichten 1930, Nr 62, 64, 91 |
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6
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Müglitztal-Nachrichten vom 09. August 1930 |
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7
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Photos von Dr. Max Pörschmann und Elena Hermens-Tschernyschova |
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8
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Erschienen in der Mnogotirazhka in einer der Ausgaben von Juli 1935 - September 1935 |
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9
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Erschienen auf der deutschen Seite der Betriebszeitung "Sowjetuhren", 08.02.1934 |
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10
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Vermutlich Aufnahme aus der Betriebszeitung, datiert vom 02.12.1932 |
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11
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Müglitztal-Nachrichten vom 23. August 1937, 51/1937 |
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12
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Vermtl. Müglitztal-Nachrichten, undatiert (etwa 1937/1938), Uhrenfabrikation im Sowjet-"Paradies" |
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13
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Haftbefehl Nr. 8643, ohneTagesdatum |
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14
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Anklageschrift vom 31. März 1938 |
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15
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Protokollauszug des Sonderkollegiums vom 26. Mai 1938 |
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16
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Transportbescheinigung vom 15.06.1938 |
| 17 |
Personalakte 85404, Vorderseite Lager Kolyma |
| 18 |
Personalakte 85404, Rückseite Lager Kolyma |
| 19 |
Personalakte 177/23, Vorderseite Lager Kolyma |
| 20 |
Personalakte 177/23, Rückseite Lager Kolyma |
| 21 |
Karte der Anrechnung von Werktagen zu 177/23, Vorderseite Lager Kolyma |
| 22 |
Karte der Anrechnung von Werktagen zu 177/23, Rückseite Lager Kolyma |
| 23 |
Karte: GULAG in der UdSSR, von MEMORIAL Deutschland e. V. Haus der Demokratie und Menschenrechte, Berlin |
| 24 |
Karte: GULAG im Bereich RSFSR - Nordosten, wie 23 |
| 25 |
Handschriftlicher Rehabilitierungsantrag vom 14.03.1969 |
| 26 |
Gutachten vom 20.06.1969 |
| 27 |
Widerruf der Militärstaatsanwalt des Wehrbezirks Moskau vom 17. Juli 1969 |
| 28 |
Sterbebescheinigung "Geheim" undatiert |
| 29 |
Rehabilitierungsschreiben vom 22.11.1969 |
| 30 |
Karte: Orotukan/Zhurba, von www.infomine.com |
13. Literatur- und Internetquellen
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