Geschichte(n)
HabsburgerInnen und Co:
Maximilian
I ., der Begründer der habsburgischen Heiratspolitik meinte:
„Bella gerant alii, tu felix Austria nube “
„Mögen andere Länder Kriege führen,
du glückliches Österreich heirate.“
Maximilian,„der letzte Ritter“, heiratete 1477 Maria von Burgund,
die Erbin des reichen Herzogtums Burgund mit den Niederlanden.
Sein Sohn Philipp „der Schöne “ heiratete Johanna „die
Wahnsinnige“, Erbin von Kastilien und Aragon, womit auch Spanien mit
seinen Kolonien in Südamerika zum Habsburgerreich gehörte.
Sein Enkel Ferdinand ehelichte schließlich Anna von Ungarn, Erbin
der Königreiche Böhmen und Ungarn.
So entstand in drei Generationen durch geschickte Heiratspolitik das Weltreich
der Habsburger,„in dem die Sonne nie untergeht “.
Schreiben über die Ehe
Die Ehe als wirkungsmächtige Institution ist ein viel besprochener Gegenstand in den Selbstzeugnissen der Sammlung Frauennachlässe. In den Quellen werden konkrete Erfahrungen mit dem Verheiratet- oder auch Nichtverheiratetsein ebenso festgehalten wie Vorstellungen und Konzepte von Ehe. In der Textsammlung zum Thema "Schreiben über die Ehe" auf der Website der Sammlung Frauennachlässe werden unterschiedliche Beispiele davon vorgestellt.Link zur Textsammlung "Schreiben über die Ehe"
Historische Schein-/Schutzehen:
Rosa Luxemburg engagiert sich als junge Frau in illegalen linken Zirkeln und muss 1889 aus Polen fliehen. Sie geht in die Schweiz und dann nach Deutschland, wo sie mit dem deutschen Sozialdemokraten Gustav Lübeck 1898 eine Scheinehe eingeht und damit deutsche Staatsbürgerin wird.
Sofja Kovalevskaja, russische Mathematikerin mit Dichterseele war die erste Studentin der Uni Heidelberg. Dieser Traum vom Studium im Ausland war nur zu verwirklichen durch eine "fiktive Ehe": Der junge Vladimir Kovalevskij erklärt sich 1868 zu einer Scheinehe mit Sofja bereit.
Alma Rosé, die jüdische Violinistin und Dirigentin, 1906 in Wien geboren, geht mit Konstant August van Leeuwen eine Scheinehe ein - sie wähnt sich mit einem „arischen“ Namen ungefährdeter .. Alma Rosé leitete von August 1943 bis zu ihrem Tode 1944 das Frauenorchester in Auschwitz-Birkenau.
Erika Mann, die älteste Tochter Thomas Manns war politische Kabarettistin. In der Emigration in Zürich etablierte sie 1933 die Kompanie Pfeffermühle wieder und verbuchte große Erfolge, die sie in den USA fortzusetzen gedachte. Nachdem ihr die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt worden war, heiratete sie kurzentschlossen den englischen Schriftsteller Wystan H. Auden. Diese Scheinehe half ihr bei der Einwanderung in die USA, wo sie als Vortragsreisende über Nazi-Deutschland aufklärte.
Therese Giehse, Schauspielerin und Kabarettistin in der Pfeffermühle, die 1933 zuerst in der Schweiz vorerst Zuflucht fand, aber auch dort nicht mehr sicher war. Eine Heirat mit J. Hampson-Simpson brachte Therese Giehse den britischen Paß.
Luise Rinsers eindrucksvolles "Gefängnistagebuch",
das nach Kriegsende veröffentlicht wurde, trug ihr den Ruf einer Widerstandskämpferin
im Dritten Reich ein. Kurz bevor Luise Rinser verhaftet worden war, hatte
sie ihren Freund Klaus Herrmann, der als Homosexueller,
Kommunist und Pazifist im Hitler-Reich doppelt und dreifach gefährdet
war, mit einer Scheinehe vor dem Konzentrationslager zu retten versucht.
Anna Siemsen, sozialistische Pädagogin, reiste im
März 1933 in die Schweiz ein. 1934 heiratete sie Walter Vollenweider,
den Sekretär der Schweizer Arbeiterjugendbewegung. Damit erhielt sie
nicht nur die Schweizer Staatsangehörigkeit, sondern auch eine Arbeitserlaubnis.
Auch in ihrem Exil setzte sie sich neben der dortigen Friedensbewegung für
die Belange der Arbeiterbewegung ein und versuchte eine Öffentlichkeit
zu schaffen gegen den Nationalsozialismus.
Hilde Zaloscer, Kunsthistorikerin, lebte von 1903-1999,
studierte Kunstgeschichte und fand nach der Promotion als Jüdin nur
Arbeit als freie Kunstjournalistin. Der zunehmende Antisemitismus veranlasste
sie, 1936 eine Stelle als Housekeeper bei einer ägyptischen Familie
in Alexandrien
anzunehmen, wo sie fünf Monate lang arbeitete. Um nach Ausbruch des
2. Weltkriegs nicht als "enemy alien" in ein ägyptisches
Lager zu kommen, ging sie eine Scheinehe mit einem Ägypter
ein. Da ihr nach Beendigung
des 2. Weltkriegs eine wissenschaftliche Karriere in Wien weiterhin versagt
blieb, begann sie ab 1946 an der Universität von Alexandrien zu lehren.
Im
Alter von 72 Jahren kehrte sie nach Wien zurück. Jetzt erfolgte die
volle wissenschaftliche Anerkennung in Österreich. Sie war eine der
internationalen ExpertInnen für Koptologie, über die sie Standardwerke
verfasste.
