JAMAIKA (4. 12. - 19. 12. 2008)



Im Jahr 2008 führt mich mein Haupturlaub, den ich wie immer in der Adventzeit antrete, nach Jamaika. Wie in den beiden vergangenen Jahren bin ich in Begleitung von Renate & Robert, sowie von Sonja & Karl. Beim Reiseveranstalter Gulet haben wir eine große Inselrundreise mit anschließendem Badeaufenthalt an der Bloody Bay von Negril, im Hotel RIU Palace Tropical Bay gebucht. Erwähnenswert ist, dass bei Gulet die Buchung ab Österreich im Vergleich zu TUI billiger ist, die Rundreise sowie die Betreuung vor Ort aber rein von TUI durchgeführt wird. Und das ist nicht nur in Jamaika so, dass ist mir auch schon bei einigen Reisen vorher aufgefallen! Aber nun zum Reisebericht:

Da wir, wie schon im Vorjahr, die Möglichkeit des Vorabend-Check-In genützt haben, reicht es, dass Sonja, Karl und ich um 5 Uhr Morgens zum Flughafen Wien-Schwechat aufbrechen. Ohne besondere Vorkommnisse erreichen wir diesen nach einer starken halben Stunde. Dort treffen wir uns mit Renate und Robert und verbringen die Zeit bis zum Start der AUA-Maschine nach Frankfurt bei einem Guten Morgen Kaffee. Der kurze Flug verläuft relativ unruhig, besonders beim Landeanflug rüttelt es uns ordentlich durch. Nach einem kurzen Besuch bei McDonalds, einer Kaffee- und einigen Rauchpausen - der im Vorjahr noch so groß propagierte "rauchfreie" Flughafen Frankfurt existiert übrigens nicht mehr, jetzt findet man wieder überall Raucherboxen - sind wir bereit zur Weiterreise. Allerdings nur wir, leider nicht das Flugzeug! Da dieses von der vorherigen Tour verspätet zurückgelangt ist, verschiebt sich der Abflug um etwa 1,5 Stunden. Dann ist es allerdings doch soweit und die Boeing 767 von Condor hebt ab in Richtung Karibik! Der, über elfstündige, Flug verläuft sehr ruhig, allerdings ist es in der Maschine eisig kalt! Trotzdem schaffe ich es die meiste Zeit zu schlafen, so dass die Zeit - im wahrsten Sinne des Wortes - wie im Flug vergeht. Nach der Landung in Montego Bay erwartet uns eine lange Wanderung kreuz und quer durch das Flughafengelände bis wir die Passkontrolle erreichen. Diese, aber auch die anschließende Zollkontrolle, ist in wenigen Minuten absolviert und selbst das Gepäck erscheint bald am Förderband!

Über Zuweisung der Reiseleitung sammelt sich die gesamte Reisegruppe, bestehend aus 20 Personen, und als wir komplett sind, startet der Bustransfer nach Runaway Bay. Unsere Unterkunft für die ersten beiden Nächte, die Villa Sonate, liegt in den Bergen über dem Ort und macht einen recht netten Eindruck. Nach dem Bezug der Zimmer gibt es noch ein Abendessen sowie ein schnelles Bier an der Bar, bevor wir gegen 23 Uhr Ortszeit (= MEZ - 6 Stunden) todmüde ins Bett fallen.

Robert, Renate, Sonja und Karl am Flughafen Frankfurt Villa Sonate Rundreisebus
Robert, Renate, Sonja und Karl am Flughafen Frankfurt / Villa Sonate / unser Rundreisebus

Während der Nacht, und auch noch am Morgen, gibt es immer wieder heftige Tropenschauer, die auf dem Blechdach des Hotels einen Höllenlärm verursachen und uns so öfters aus dem Schlaf reißen. Aber zumindest um 9 Uhr, als wir mit Reiseleiterin Nadja, einer gebürtigen Italienerin und Busfahrer Ramsey, aufbrechen, sieht es ein wenig besser aus und es ist zumindest trocken. Wir verlassen Runaway Bay in Richtung Ocho Rios, von wo aus wir in die Berge im Landesinneren vorstoßen. Einen ersten Halt machen wir bei der Walkerswood Gewürzfabrik und wie es der Teufel will gibt es gerade als wir den Bus verlassen einen heftigen Regenschauer! Der zweite Willkommensgruß ist da schon viel angenehmer: es gibt leckeren Rumpunsch! Nachdem der Regen nachlässt, kommen wir in den Genuss einer Führung durch den Gewürzgarten und die Fabrikationshallen. Unterwegs gibt es eine Kostprobe von gegrillten Hühnchen mit einer hausgemachten scharfen Sauce. Die schmeckt wirklich sensationell gut, so dass ich mich bei der abschließenden Einkaufsmöglichkeit nicht beherrschen kann und ein paar Fläschchen der Walkerswood Jonkanoo Pepper Sauce erstehe. Vor der Weiterfahrt trifft uns noch schnell der letzte Regenguss - zumindest für heute! Unser nächstes Ziel ist ein Touristen- und Einkaufszentrum in Ocho Rios: das Taj Mahal. In besonders hoher Zahl sind hier Juwelierläden vertreten. So ist es kein Wunder, dass wir den Einkaufsgelüsten wiederstehen können und stattdessen die Zeit zur Verkostung von Kaffee und Rum, diesen in den verschiedensten Varianten (z.B. mit Banane, Kakao, Kaffee, etc.), sowie zum Geldwechsel nutzen. Von hier aus fahren wir nur eine kurze Strecke, bevor wir Mittagspause machen. Anschließend steht zum Abschluss - und als Höhepunkt - des heutigen Tages ein Besuch bei den Dunn´s River Falls auf dem Programm. Es besteht hier die Möglichkeit diese auf dem "Wasserweg" zu erklimmen. Diese nützen aber nur Karl und Robert, während ich mich dafür "opfere" auf Renate und Sonja "aufzupassen". Es ist ganz lustig vom Trockenen Ufer aus zu sehen, wie die verschiedensten Touristen - mit mehr oder weniger Hilfe durch die Guides - die Kaskaden besteigen. Aber ich bin mir sicher, dass ich mich auch nicht geschickter als der Ein oder Andere angestellt hätte! Insgesamt ist es ein kurzweiliger Aufenthalt bei diesen schönen Wasserfällen. Damit ist der Tag auch schon wieder gelaufen und es geht retour zur Unterkunft, wo wir, nachdem wir unterwegs noch einen kurzen Fotostopp beim Columbus Denkmal in St. Anns Bay einlegen, gegen 16.30 eintreffen. Bei der Abholung der Zimmerschlüssel lasse ich mir an der Rezeption noch den Trick erklären wie ich die Dusche dazu bringen kann endlich zu funktionieren. Ist ein ganz einfaches Konzept, aber allein hätte ich das wohl nie herausgefunden! Jedenfalls erfreut die Lösung dieses Problems auch Renate und Robert, die es bislang auch noch nicht geschafft hatten die Brause in Schwung zu bringen. Die Zeit bis zum Abendessen verbringe ich an der Bar, denn wenn ich am Zimmer geblieben wäre, hätte mich der Jetleg wohl in die Waagerechte gezwungen.

Walkerswood Farm Dunn´s River Falls Karl, Robert und Teile unserer Reisegruppe beim Besteigen der Fälle Columbus Denkmal in St. Anns Bay
Walkerswood Farm / Dunn´s River Falls / in den Fällen / Columbus Denkmal in St. Anns Bay

Bereits um 7.30 verlassen wir das Hotel und schon bald sucht uns wieder der Regen heim. Waren es gestern nur Schauer, so entwickelt sich heute ein schöner Landregen, der uns bis zur ersten Station, der Sunvalley Plantage, begleitet. Hier wird uns zunächst die Vielzahl der hier wachsenden Früchte vorgestellt. Inzwischen hat sich auch der Regen verflüchtigt und wir starten zu einem Rundgang durch den Schaugarten, in dem uns die wichtigsten Gewächse gezeigt werden, deren Namen ich mir unmöglich merken konnte. Zum Abschluss des Besuches gibt es noch Kostproben der verschiedensten Erzeugnisse, bevor es auch schon wieder an der Zeit ist die Reise fortzusetzen. Ein weiter Weg liegt vor uns, bis wir unser nächstes Ziel, die Somerset Falls, erreichen. Es sind dies kleine Wasserfälle inmitten des jamaikanischen Regenwaldes. Um zum schönsten der Katarakte zu gelangen müssen wir in ein kleines Boot einsteigen und erreichen dieses in wenigen Minuten. Es ist zwar sehenswert, aber, durch die Gischt der Fälle, auch eine sehr feuchte Angelegenheit! Am Fuße der Somerset Falls legen wir auch unsere heutige Mittagspause ein. Das ist allerdings eine recht langwierige Angelegenheit. Wenn nicht Nadja, wie in den meisten anderen Restaurants auch, als Hilfskellnerin eingesprungen wäre, würden wir wohl heute noch dort sitzen und auf Essen und Trinken warten! Von hier geht es weiter nach Port Antonio, der Hafenstadt im Nordosten der Insel. Hier bekommen wir 90 Minuten um die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Da sich die Mädels selbständig machen wollen, mache ich mich mit Karl und Robert auf den Weg. Zunächst durchstreifen wir den Wochenmarkt, um dann einen Abstecher zur Errol Flynn Marina zu machen. Da das aber alles nicht wirklich sehenswert ist, beschließen wir noch irgendwo ein Getränk zu uns zu nehmen. Nach einiger Suche finden wir schließlich ein Dach"cafe", das unseren Ansprüchen zusagt: außer uns nur Einheimische, ein leictter Haschisch Duft liegt in der Luft und die Preise sind um einiges günstiger als in den Touristenlokalen (3 Red Stripes und 1 Cola für 5,10 US-Dollar)! Übrigens muss ich hier mal erwähnen, dass das jamaikanische Bier sehr würzig schmeckt und durchaus trinkbar ist. Bald ist es dann auch schon wieder Zeit das Lokal zu verlassen und zum Bus aufzubrechen. Hier treffen wir zwar pünktlich ein, trotzdem sind wir aber die Letzten und alle warten schon ungeduldig. So können wir, sobald wir eingestiegen sind, die paar Minuten Fahrt in Richtung der etwas außerhalb gelegenen Bayview Villas, unser Quartier für die nächsten beiden Nächte, in Angriff nehmen. Hier beziehen wir die Zimmer und sehen uns danach ein wenig um: die Anlage liegt mitten im Urwald, mit schönem Ausblick auf eine Bucht. Fürs Swimming Pool ist es leider ein wenig zu kühl, so dass wir lieber an der Bar aufs Abendessen warten.

Robert inspiziert fast neuen Traktor auf der Sunvalley Plantage Somerset Falls Somerset Falls Bayview Villas
"moderner" Traktor / 2x Somerset Falls / Bayview Villas

Am Morgen wieder, der wohl schon obligate, Starkregen, der aber zum Glück bereits während des Frühstücks aufhört. Gerade heute wäre der Niederschlag extrem störend, da am Vormittag eine etwa zweistündige Bambusfloßfahrt entlang des Rio Grande auf dem Programm steht. Aber das Wetter wird von Minute zu Minute schöner und als wir beim Startpunkt ankommen gibt es bereits strahlenden Sonnenschein. Die Flussfahrt ist zwar fakultativ, und mit 36 US-Dollar pro Person auch nicht gerade ein Okkasionsangebot, trotzdem machen alle mit. Die Fahrt selbst ist zwar wenig spektakulär und es gibt leider auch nicht sehr viel zu sehen. Lediglich ein paar Aasgeier, die sich uns offensichtlich als Beute auserkoren haben, bleiben unbefriedigt am Ufer zurück und hie und da ist am Ufer ein Reiher zu sehen. Auch die Landschaft ist nicht unbedingt aufregend. Beeindruckend ist lediglich die Ruhe und Stille die hier herrscht. Zusätzlich muss ich, nach anschließenden Gesprächen mit Mitreisenden, feststellen, dass wir anscheinend den unfähigsten "Kapitän" erwischt hatten. Während die anderen Fahrer Extratouren durch Flussengen gemacht haben, den Passagieren Geschichten erzählt und Reggaelieder vorgesungen haben, brachte unserer während der ganzen Tour nicht den Mund auf und blieb auf der einfachsten Route. Das positive war nur dass er seine Leistung offensichtlich selbst richtig einschätzen konnte und sich nicht einmal das obligate Trinkgeld fordern traute! Sei's wies sei! Nachdem die ganze Reisegruppe wohlbehalten an der Flussmündung eingetroffen ist, brechen wir auf nach Boston.

Am Rio Grande Am Rio Grande Renate und Robert am Rio Grande Blick über den Unterlauf des Rio Grande
Am Rio Grande

Von hier aus soll die jamaikanische Nationalspeise, das Jerk Pork oder Chicken, seinen Siegeszug über die Insel angetreten haben. Bereits seit dem 17. Jh. wurde das Schweine- bzw. Hühnerfleisch mit einer scharfen Pfeffer-Kräuter Mischung gewürzt und in die Blätter des Pimentbaumes eingewickelt. Anschließend kam es in eine mit heißen Steinen und schwellenden Pigmentholz gefüllte Grube, die mit Palmblättern abgedeckt wurde. Es dauerte dann bis zu 36 Stunden bis das Fleisch fertig gekocht war. Doch das war früher! In der heutigen Zeit wird das Jerk meist in aufgeschnittenen Fässern, die mit Wellblech abgedeckt sind, zubereitet. Das soll genauso gut sein, geht aber wesentlich schneller! Jedenfalls soll es noch heute in Boston die besten Jerk Spezialitäten Jamaikas geben. An einem dieser Jerk Center halten wir an und machen Mittagspause. Ich persönlich entscheide mich für das Schweinefleisch und probiere danach noch ein Stück Hühnchen von Renate. Beides hat einen ausgezeichneten Geschmack, ist aber doch relativ scharf, so dass es sicherlich nicht jedermanns Sache ist.

Den Nachmittag verbringen wir mit einem Badeaufenthalt am Frenchman´s Cove. Angeblich eine der schönsten - wenn nicht die schönste - Bucht Jamaikas. Sie ist wirklich sehr schön anzusehen und der Aufenthalt hier ist wirklich erholsam. Lediglich die kalten Strömungen die immer wieder durch die Bucht ziehen stören das Badevergnügen etwas. Trotzdem vergeht die Zeit viel zu schnell und es ist an der Zeit zum Hotel aufzubrechen. Hier bleiben wir aber nicht lange. Lediglich etwas Zeit zum Frischmachen, dann fahren wir auch schon wieder zurück zur Frenchman´s Cove. Hier steht das Abendmahl in Form eines Candlelight Dinners auf dem Programm. Gutes Essen gepaart mit aufgelockerter Stimmung ergeben in Summe einen schönen Tagesausklang!

Jerk Stand Luxusherberge Trident Castle Frenchmen´s Cove
Jerk "Restaurant" / Trident Castle / Frenchmen´s Cove

Nach dem Frühstück brechen wir unsere Zelte in Port Antonio auch schon wieder ab. Entlang der Küstenstraße, gleich nach der Stadt durch eine riesige Baustelle, fahren wir bis Annetto Bay, wo wir in Richtung der Blue Mountains abbiegen. Durch enge und kurvenreiche Straßen geht es in rasanter Fahrt - oder so schnell es diese gerade noch zulassen - bis zum botanischen Garten von Castleton. Es ist dies der älteste seiner Art auf Jamaika und neben Pflanzen aus aller Welt gibt es hier die größte Palmensammlung der Karibik. Angeblich um die 150 Arten! Der alte Peco, einst Gärtner hier im Park, verdient sich ein Zubrot und führt die Besucher durch den Garten, wobei er in einem Kauderwelsch aus Englisch, Deutsch und Patois, eine auf Jamaika gesprochene Kreolensprache, die verschiedensten Gewächse, deren Eigenarten und Herkunft erklärt. Es ist schon schwer seinen Ausführungen zu folgen, ein Ding der Unmöglichkeit ist es freilich sich mehr als nur Bruchteile zu merken! Gegen Ende des Rundganges haben wir sogar noch das Glück ein männliches Exemplar des Doctor Birds, dem leicht an seinem langen, zweigeteilten Schwanz erkennbaren Nationalvogel Jamaikas, zu sehen.

Nach etwa einer Stunde setzen wir unsere Reise fort in Richtung der Hauptstadt Kingston. Über die Stony Hills fahren wir in die Stadt und machen einen Stopp beim Devon House Park. Nach etwa 30 Minuten müssen diejenigen, welche das Bob Marley Museum besuchen wollen auch schon wieder weiter. Wir nutzen diese Zeit um einen Snack zu uns zu nehmen, dann verlassen uns die Mädels in Richtung Museum, während wir Männer den Park durchstreifen und das angrenzende Herrenhaus in Augenschein nehmen. Wie ein kleiner, Ende des 19. Jh. im klassizistischen Stil erbauter, Palast steht es vor uns. Der erste dunkelhäutige Millionär Jamaikas, Georg Stiebel, stellte es nach seinem Tod der Bevölkerung zur Verfügung und nach wie vor ist auch eine Innenbesichtigung möglich. Auf die verzichten wir aber. Vor der Weiterfahrt bleibt noch genügend Zeit um das angeblich beste Eis der Insel zu probieren. Dieses ist wirklich gut, erwähnenswert ist jedoch der Name der Eisdiele: I Scream! Wirklich ein schönes und witziges Wortspiel! Bald darauf starten auch wir in Richtung des Marley Museums um die Mädels, und natürlich auch die restlichen Mitreisenden, abzuholen. Es verbleibt ein wenig Zeit um den Hof mit dem Eingangsbereich zu durchstreifen. Was dabei besonders auffällt ist der Unterschied bei den Eintrittspreisen: Touristen bezahlen 20 US $, Einheimische 500 Jamaika $ (knapp 7 US $)!

Doctors Bird Devon House Weihnachtskrippe im Devon House Park Bob Marley Statue im Museumspark
Doctors Bird / Devon House / Weihnachtskrippe / Bob Marley Statue

Dann verlassen wir Kingston in Richtung der vorgelagerten Landzunge auf der sich früher die Stadt Port Royal befand. Einst Hauptquartier zahlreicher Piraten, darunter auch Henry Morgan, der berühmteste jamaikanische Freibeuter, wurde sie von 6 Forts beschützt und konnte allen Angriffen trotzen. Gegen die Naturgewalten half aber auch das nichts! Bei einem Erdbeben am 7. Juni 1692, mit nachfolgendem Tsunami, wurde sie fast völlig zerstört, so dass heute nur noch Überreste von einer der Wehranlagen, Fort Charles, Zeugnis der damaligen Zeit geben können. Diese besichtigen wir ausgiebig. Höhepunkt ist das ehemalige Munitionslager, Giddy House, das bei einem großen Erdbeben 1907 teilweise versunken ist und noch heute total windschief in der Gegend herumsteht. Man kann es auch betreten und versuchen in gerader Linie durch den einstigen Lagerraum zu gehen, das ist aber fast unmöglich, da man durch die extreme Schräglage immer wieder von der Schwerkraft in Richtung der unteren Wand gezogen wird!

Schnell ist es dann wieder an der Zeit nach Kingston zurückzufahren. Einen kurzen Fotostopp gibt es noch bei den Denk- und gleichzeitig auch Grabmälern für die sieben Nationalhelden Jamaikas. Die Träger dieses Titels, die höchste Auszeichnung Jamaikas, erhalten den Orden des Nationalhelden und den Titel "The Right Excellent". Etwas erstaunt bin ich darüber dass die, von Soldaten in Galauniform bewachten, Bauwerke sehr modern gestaltet sind und bei unserem Besuch neben der Flagge Jamaikas auch jene Brasiliens aufgezogen ist. Für zweiteres erhalte ich auch auf Nachfrage bei der Reiseleiterin keine Erklärung außer dass das normal nicht der Fall ist. Nach diesem Halt kämpfen wir uns durch den von Minute zu Minute stärker werdenden Feierabendverkehr in Richtung unseres Hotels für die heutige Nacht: das Four Seasons Kingston. Das ist zwar ein sehr schönes Quartier, hat aber mit der gleichnamigen Luxushotelkette nur den Namen gemeinsam! Hier bleibt gerade noch Zeit für einen kurzen Besuch an der Bar, bevor auch schon wieder das Abendessen auf dem Programm steht. Anschließend ziehen wir uns bald auf unsere Zimmer zurück.

Fort Charles Giddy House Ich in Fort Charles Wache an den Denkmälern für die Nationalhelden Monument für The Right Excellent Norman Manley
Fort Charles / Giddy House / Ich in Fort Charles / Wache bei den Denkmälern / Monument für Norman Manley

Das war es dann auch schon wieder mit dem Besuch in Kingston. Wir verlassen die Stadt in westlicher Richtung, wobei wir die einzigen 33 km Autobahn der Insel benutzen. Abgesehen von einer kurzen Toilettenpause gibt es den ersten interessanten Halt in Mandeville bei der Kaffeerösterei Baronhall Estate. Ein Rundgang durch die Produktionsstätten sowie die Verkostung des ausgezeichneten Blue Mountain Kaffees stehen auf dem Programm. Zum Abschluss gibt es natürlich auch noch die Möglichkeit diesen käuflich zu erwerben - die Betreiber wollen ja schließlich auch ein Geschäft machen!

Weiter geht es über enge und kurvige Straßen zur größten Rumdestillerie Jamaikas: das Appleton Estate. Begrüßt werden mir mit einem guten Rumpunsch, der sicher - natürlich im heißen Zustand - auch auf unseren Weihnachtsmärkten bestehen könnte. Nach einer Besichtigung der Brennerei, des Rumlagers und natürlich einiger alten Geräte, die museumsartig im Garten aufgebaut sind, gibt es noch die Möglichkeit zu einer ausgiebigen Verkostung der hauseigenen Produkte und natürlich ist auch ein Shop dabei. Aber ich habe den Eindruck, dass der Andrang auf die Proben stärker ist als der an den Kassen.

Appleton Rumfabrik historische Zuckerrohrpresse Rumlager Sonja, Renate, Robert, Ich und Karl Karl und Sonja nach der Rumverkostung
APPLETON ESTATE: Rumfabrik / historische Zuckerrohrpresse / Rumlager / Wir 5 / Karl und Sonja

Nächstes Ziel ist Black River wo wir zunächst eine kurze Mittagspause einlegen bevor wir am gleichnamigen Fluss zu einer Krokodil (eigentlich Alligator)-Safari aufbrechen. Natürlich ist uns das Glück hold und wir bekommen einige Exemplare dieser Gattung zusehen. Was ich erst daheim beim betrachten der Bilder bemerke ist, dass sich unsere Reiseleiterin Nadja von einem der Alligatoren, und nicht unbedingt von einem kleinen, "Pfote" geben lässt bzw. diese unaufgefordert ergreift! Ansonsten sehen wir noch jede Menge Reiher und etwas entfernt einen der - lediglich - vier Königsadler die in dieser Region angesiedelt sind. Dazu kommen noch, aber die sind sowieso immer da, umfangreiche Mangrovensümpfe mit ihrem ausgedehnten Wurzelwerk. Die Rundfahrt mit dem Motorboot dauert etwa eine Stunde, dann brechen wir auf zu unserem heutigen Etappenziel: Treasure Beach. Hier treffen wir gegen 17 Uhr ein und nachdem es den ganzen Tag über sonnig war begrüßen uns leichte Regenschauer. Das Quartier, die Sunset Resort Villas, ist eine sehr schöne Bungalowanlage, wobei aber der Küstenabschnitt davor nicht gerade einladend wirkt. Grund dafür sind etliche Felsen und eine überaus starke Brandung. Aber da das Wetter sowieso nicht dazu einlädt den Rest des Tages am Wasser zu verbringen - und es morgen früh ja wieder weiter geht - kann uns das egal sein. So machen wir einen Kurzbesuch an der Bar, nehmen ein ausgiebiges Abendessen zu uns und nach einem abschließenden Bier ziehen wir uns zur Nachtruhe zurück.

Safariboot am Black River Alligator Alligator gibt Pfote Sonnenaufgang am Treasure Beach
Safariboot am Black River / Alligator / Alligator gibt "Pfote" / Sonnenaufgang am Treasure Beach

Damit ist auch schon wieder der letzte Tag der Rundreise angebrochen. Nach dem Frühstück verlassen wir Treasure Beach in Richtung der YS-Wasserfälle. Unterwegs ein kurzer Halt in der Bambusallee. Diese, einige Kilometer lange, Straße wurde einst von den Engländern angelegt und ist - wie der Name schon sagt - beiderseits von riesigen Bambussträuchern begrenzt. Diese bilden einen regelrechten Tunnel so dass es hier schön schattig und kühl ist. Bald darauf erreichen wir die YS-Fälle, oder besser gesagt das Besucherzentrum. Hier steigen wir auf umgebaute Traktoranhänger um und werden zu den eigentlichen Fällen gebracht. Langsam steigen wir neben den Katarakten hoch und genießen den Ausblick auf Fluss und Regenwald. Plötzlich sehen wir Wolf, einen Mitreisenden aus unserer Gruppe - der übrigens genauso wie ich heute Geburtstag hat, auf einer Guerilla-Rutsche, die über dem Wasser angebracht ist, Richtung Tal gleiten. Das bringt Sonja und Robert auf die Idee selbiges zu machen und sie machen sich auf den Weg um sich anzumelden. Besonders bei Sonja wundert mich das sehr, da sie eigentlich unter Höhenangst leidet. So halte ich das Ganze für einen Scherz bis die beiden in voller Ausrüstung und in Begleitung von zwei Rangern wieder den Berg hochkommen. Nachdem die beiden wieder im Tal sind und festen Boden unter den Füssen haben frage ich Sonja wie sie auf diese Idee gekommen ist. Ihre lapidare Antwort: Ich wollte endlich einmal etwas machen das sich der Karl nicht traut! Das ist natürlich ein Grund! Übereinstimmend sagen beide, dass es sehr viel Spaß gemacht hat und bei der herrlichen Aussicht gar kein Gedanke an Angst aufgekommen ist. Noch ein paar Worte zur Anlage: diese macht einen sehr gepflegten Eindruck, so dass man sie eher irgendwo in Europa als hier in der Karibik vermuten würde!

Auf der Weiterfahrt bleiben wir kurz bei einer der Straßenverkäuferinnen stehen, da ich die Pepper-Shrimps, die diese anbieten, kosten will. Laut Nadja sollen diese sehr scharf sein, was mein Interesse erst geweckt hat, aber ich finde dass sie zwar eher salzig, aber trotzdem sehr gut, schmecken. Als letzter Punkt steht noch der Besuch einer Orchideenfarm auf dem Programm. Der ist allerdings schnell absolviert, so dass der Weiterreise nach Negril nichts mehr im Wege steht. Hier kommen wir gegen 14 Uhr an und besuchen zunächst noch den Leuchtturm am Westend. Schnell wird noch ein "Mannschaftsfoto" von der gesamten Reisegruppe gemacht, dann beginnt das Aufteilen auf die gebuchten Strandhotels. Dabei haben wir Glück dass das von uns gebuchte RIU Palace Tropical Bay das Erste ist das angefahren wird. So können wir schon lange zum gemütlichen Teil übergehen, während unsere Mitreisenden teilweise noch stundenlang im Bus sitzen müssen. Schnell verabschieden wir uns und machen uns ans einchecken.

Bambusallee YS-Wasserfälle YS-Wasserfälle Sonja auf der Guerilla-Rutsche
Bambusallee / 2x YS-Wasserfälle / Sonja auf der Guerillarutsche

Wir beziehen unsere gebuchten Junior Suiten, welche, wie auch das was wir bislang vom Hotel gesehen haben, einen sehr schönen Eindruck hinterlassen. Allerdings wirkt alles ein bisschen leer, da kaum Gäste zu sehen sind. Wenig später an der Poolbar erfahren wir dann dass wir uns da nicht getäuscht haben. Nach fünfmonatiger Sperre wegen umfangreicher Renovierungsarbeiten wurde erst heute wiedereröffnet, so dass es sich erst in den nächsten Tagen schön langsam füllen wird. Wir genießen ein paar - sehr gute - Cocktails, bevor wir zurück auf die Zimmer gehen. Hier erwartet mich eine schöne Überraschung: Sonja und Renate haben es geschafft in mein Zimmer zu kommen; anscheinend wurde ihnen vom Personal Einlass gewährt. Jedenfalls haben sie, anlässlich meines Geburtstages das Zimmer mit etwa 30 Luftballons "verschönert". Die sind überall angeklebt, so dass es mir später einige Arbeit bereitet meine Suite wieder in den Urzustand zu versetzen. Aber das ist gar nicht das Schlimmste! Zu allem Überfluss haben sie noch den Inhalt meiner Minibar entführt! Den bringen sie mir dann - wenn auch erst nach eindringlichem Bitten - aber doch wieder zurück.

Blick zum Haupthaus Blick zum Haupthaus Poolbar Blick zu Speisesaal und Poolbar
RIU Palace Tropical Bay

Ansonsten verbringen wir eine schöne Woche mit relaxen an der Bloody Bay von Negril. Das Wetter ist, bis auf einen Regentag, in Ordnung, lediglich wenn sich Wolken am Himmel zeigen und eine steife Brise bläst wird es doch etwas kühl. Schön ist auch, dass durch die geringe Belegung, am Strand sehr wenig los ist, so dass man genügend Platz hat und nicht liegt wie die Ölsardinen. Das Meer ist angenehm warm - wärmer als die Swimmingpools - und am Ufer ziemlich flach abfallend. Im Laufe der Woche werden immer wieder Seesterne angeschwemmt, was ich in dieser Form eigentlich noch nirgends gesehen habe.

Seestern
Strand der Bloody Bay

Zum Hotel ist noch anzumerken dass man in den ersten Tagen schon gemerkt hat dass länger geschlossen war und sich die Abläufe erst wieder einspielen bzw. automatisieren müssen. Dazu kommt, dass an den ersten beiden Abenden das Hauptrestaurant, wegen der wenigen Gäste, geschlossen hatte ohne dass man uns darüber informierte. So mussten wir erst mal suchen wo wir überhaupt ein Abendessen bekommen. Vom Standard der Shows war ich bis auf eine Ausnahme ebenfalls enttäuscht, da bin ich anderes gewohnt. … und auch die Aufmerksamkeit und Freundlichkeit des Personals lies teilweise zum Wünschen übrig. Bei einem Vergleich mit dem RIU Tequila an der Playacar in Mexiko, das einzige RIU Hotel das ich sonst kenne, hat das Palace in Negril jedenfalls in fast allen Belangen Nachholbedarf!

RIU Palace Tropical Bay Sonnenuntergang Wir vor der untergehenden Sonne
Nachtaufnahmen und Sonnenuntergang

Trotzdem vergeht die Woche viel zu schnell und der Tag der Abreise bricht an. Da der Transfer zum Flughafen erst abends ist können wir, nach Diskussionen am Frontdesk, wenigstens ein Zimmer bis dahin behalten, so dass wir noch den ganzen Tag über Zeit haben Abschied von Sonne, Strand und Meer zu nehmen. Die Heimreise vergeht ohne Komplikationen, sogar im Condor-Flieger ist die Temperatur diesmal angenehm, und am Abend des 19. 12. 2008 treffen wir wohlbehalten in Wien-Schwechat ein!

Der Reisebericht ist damit zu Ende, hier aber noch ein kurzes Fazit der Rundreise aus meiner Sicht: abgesehen von den schönen Wasserfällen nicht unbedingt aufregend, da die Insel kulturell halt nicht sehr viel zu bieten hat, was mir aber schon im voraus klar war, so dass ich mich darüber nicht beschweren kann. Die Besuche auf den verschiedenen Farmen und in den verschiedenen Fabriken waren teilweise interessant, aber vieles davon habe ich halt schon in anderen Ländern, in größerer oder schönerer Form, gesehen. Wenn ich etwas zu bekritteln habe, dann dass es fast nicht möglich war Kontakt mit der Bevölkerung - außer den Bediensteten in der Gastronomie - herzustellen da die Unterkünfte auf der Rundreise alle sehr abgelegen waren.



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