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Eigentlich wollte ich schon lange mal die Flusskreuzfahrt von Moskau nach St. Petersburg machen. Als mich im November vorigen Jahres einige Bekannte darauf anredeten, sagte ich natürlich sofort meine Teilnahme zu. Nach einigen Schwierigkeiten bei der Festlegung der Reisezeit - sechs Personen sind halt doch nicht so einfach unter einen Hut zu bringen - einigten wir uns auf den Termin vom 5. bis zum 16. Juli 2007, an dem die Fahrt allerdings in umgekehrter Richtung durchgeführt wird. Bereits bei der ersten Besprechung legten wir fest, dass es unbedingt eine Kabine "in der Nähe der Bar" sein muss; so buchten wir schließlich auf dem Bootsdeck. Soviel zur Vorgeschichte. Endlich ist es soweit und der 5. Juli ist angebrochen. Es ist ausgemacht, dass ich um 15 Uhr abgeholt werde. So sitze ich noch gemütlich vor dem Computer als es eine halbe Stunde zu früh läutet und mein "Privattaxi" mit einem Teil meiner Mitreisenden vor der Tür steht. Da aber alles fertig gepackt ist, brauche ich lediglich wenige Minuten bis ich reisefertig bin. Wir holen noch die restlichen Mitreisenden ab und machen uns auf den Weg zum Flughafen Schwechat. Gegen 16 Uhr treffen wir dort ein und da noch ziemlich viel Zeit bis zum Abflug bleibt - und schließlich auch unser Chauffeur durstig ist - machen wir noch vor dem Einchecken einen kurzen Einkehrschwung. Da es viel zu besprechen gibt, übersehen wir fast wie die Zeit vergeht, so dass wir am Abfertigungsschalter schließlich ziemlich die Letzten sind. Das heißt, dass wir nur noch Einzelplätze, verteilt über das ganze Flugzeug, bekommen. Zum Glück aber zumindest Gangsitze! Der Flieger, eine Boeing 737-800 von Lauda Air hebt ziemlich pünktlich um 19.00 Uhr ab und um 23.30 Ortszeit (MESZ + 2 Stunden) landen wir nach ruhigem Flug in St. Petersburg. Die Einreiseformalitäten ziehen sich etwas in die Länge, sind aber eigentlich problemloser als erwartet. Vom Flughafen erreichen wir in etwa 40 minütiger Fahrt unser Schiff, die MS Nikolai Karamzin, wo schnell die restlichen Formalitäten erledigt und die Kabinen bezogen werden. Wer jetzt aber glaubt, dass wir damit zur Nachtruhe übergehen können, der täuscht sich gewaltig. Da uns schon bei der Busfahrt gesagt wurde, dass die fakultativen Ausflüge für St. Petersburg nur heute Nacht gebucht werden könne, müssen wir trotz der vorgerückten Stunde noch hinauf in die Skybar. Hier besprechen wir noch kurz wer von uns welche Ausflüge mitmachen will, buchen diese und gehen dann zum gemütlichen Teil des Abends über. Ich will nur soviel verraten, dass wir es gleich am ersten Tag schaffen in der Bar Sperrstunde zu machen - und das mit gehörigem Vorsprung! So, bevor ich mit dem Reisebericht weiter mache, hier einmal ein paar Daten zu unserem Schiff: die MS Karamzin wurde 1981 in der DDR gebaut, 2004 renoviert und ist mit einer Länge von 126 m und einer Breite von 16 m, gemeinsam mit einigen baugleichen, das größte Schiff das auf der Strecke St. Petersburg - Moskau eingesetzt werden kann, da manche Schleusen unterwegs nur eine Breite von 17 m haben. Maximal 302 Passagiere werden auf 4 Decks untergebracht und von 92 Mann (Frau) Besatzung betreut. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt (laut Kapitän) 26 km/h. Teilweise ist das Alter des Schiffes zwar nicht ganz zu übersehen, aber es wirkt zumindest alles sehr gepflegt. Über die Größe bzw. eher Kleinheit der Kabinen habe ich mich im Vorfeld der Reise informiert, so dass ich nicht wirklich überrascht bin. Ebenso wenig erschüttert mich der winzige, kombinierte Dusch/Wasch/WC-Raum! Ein riesiges Manko ist, dass es bei Mittag- und Abendessen kein Buffet gibt, während des Aufenthalts in St. Petersburg und Moskau nicht einmal eine Auswahlmöglichkeit zwischen zumindest 2 angebotenen Speisen! Jedenfalls kann das Schiff in keiner Weise mit denen mithalten auf denen ich den Nil und die Yangtse-Schluchten befahren habe. Aber jetzt weiter im Text! Da wir beim Frühstück bei der ersten Gruppe eingeteilt sind - und wir das am ersten Tag noch ernst nehmen - heißt es bereits um 8.15, nach extrem kurzer Nachtruhe, beim Buffet zu erscheinen. Es wird zwar keine besonders große Auswahl geboten, auch ist der Andrang auf das kleine Buffet enorm, aber zumindest schmecken die angebotenen Speisen, speziell Käse und Wurstwaren, ausgezeichnet! Bald nach dem Frühstück starten wir zu einer Stadtrundfahrt durch St. Petersburg. Unsere Reiseleiterin Lena spricht sehr gut Deutsch (allerdings etwas zuviel!), so dass sie uns Geschichte und Werdegang ihrer Stadt sehr gut vermitteln kann. Die Rundfahrt selbst läuft unter dem Motto " bei der Fahrt viel erzählen, bei den Sehenswürdigkeiten 10 Minuten Fotopause". Erster Halt ist beim der Smolny-Kloster. Das blau-weiß gestrichene, von Rastrelli erbaute, Meisterwerk des russischen Barock wurde erst 2003, wie viele Bauwerke hier, anlässlich der 300 Jahr Feier der Stadt restauriert. Leider ist aber der Zugang zum Innenraum gesperrt, so dass nur die Außenbesichtigung möglich ist. Als nächstes folgt, zumindest aus meiner Sicht, der absolute Höhepunkt der Tour: der Besuch der Blut- bzw. Erlöserkirche. Sie wurde Ende des 19. Jh., zu Ehren des an dieser Stelle am 13. 3. 1881 bei einem Bombenattentat getöteten Zar Alexander II. im damals modernen neo-altrussischen Stil erbaut und besticht durch ihre emailgeschmückten Kuppeln, sowie zahlreichen farbenfrohen Keramikmosaiken an der Fassade. Über den Newskij Prospekt, der Haupt- und Einkaufsstraße St. Petersburgs, geht es weiter, vorbei am Schlossplatz, wo an diesen Abend übrigens Elton John, ein Konzert gibt, auf die Wassilij-Insel. Hier gibt es den nächsten Fotostopp mit schöner Aussicht auf Peter-Paul-Festung, Winterpalast und Eremitage. Nach einer kurzen Pause in einem Souvenirshop (mit Erfrischungen, WC und - natürlich auch - Einkaufsmöglichkeit) gibt es noch einen Halt am Isaaksplatz. Der Platz wird geprägt von einem Reiterstandbild Zar Nikolaus I. und umgeben von der Stadtduma (Rathaus), der Isaakskathedrale und dem Hotel Astoria. Dieses besuchen meine Mitreisenden, während ich mich auf die Suche nach Fotomotiven mache, und verprassen dort den Betrag von etwa 70 Euro für 5 kleine Bier und 5, ebenfalls kleine, Wodka! Weiter geht es zu einem letzten Stopp bei der Nikolaus Marine Kathedrale, dann ist die Stadtrundfahrt gegen 14 Uhr auch schon wieder beendet.
![]() Unsere kleine Reisegruppe / Smolni Kloster / Blut- bzw. Erlöserkirche / Nikolaus Marine Kathedrale Da alle Mitreisenden den fakultativen Ausflug nach Puschkin, zur Besichtigung des Katharinenpalastes, gebucht haben, setzen wir unsere Fahrt gleich fort. Als Ersatz fürs Mittagessenhaben wir schon am Morgen ein kleines Lunchpaket bekommen, so dass es nicht nötig ist eine extra Pause zur Nahrungsaufnahme einzulegen. Die Fahrt vom Zentrum in den südlichen Vorort dauert etwa eine Stunde. Namensgeber der Stadt ist übrigens Russlands großer Dichter Alexander Sergejewitsch Puschkin (1799 - 1837), der auch heute noch von den meisten Einwohnern St. Petersburgs geradezu abgöttisch verehrt wird. Der Palast selbst ist zwar ganz ansehnlich, die zu besichtigenden Räume sind prunkvoll und das berühmte Bernsteinzimmer ist einfach großartig, trotzdem stellt sich mir die Frage ob der Preis von 50 Euro, angesichts dessen, dass man quasi im Minutentakt durch den Palast getrieben wird, wirklich gerechtfertigt ist! Aber egal, jedenfalls ist alles ganz schön anzusehen und nach einem kurzen Rundgang durch die idyllischen Gartenanlagen geht es auch schon wieder zurück in die Stadt bzw. zum Schiff. Nach dem Abendessen mache ich nur noch einen kurzen Abstecher in die Bars der MS Karamzin, bevor mich die kurze vorige Nacht zurück in die Kabine treibt.
![]() PUSCHKIN: Statue des Dichters Alexander Puschkin / Katharinenpalast / Zimmer im Katharinenpalast / Achat Pavillon Heute starten wir um 10 Uhr, ausgeruht und gestärkt durch ein ausgiebiges Frühstück zur Besichtigung der Eremitage. Diese ist eines der berühmtesten Museen der Welt, untergebracht im Winterpalast und in den Räumen der Kleinen, Großen und Neuen Eremitage. Der Vormittag vergeht mit einem etwa zweistündigen Durchstreifen der eindrucksvollen Kunstsammlung, sowie der ehemaligen Prunkräume der Zarenfamilie. Von hier geht es anschließend wieder zurück zum Schiff, wo um 14 Uhr das Mittagessen auf dem Programm steht, bevor wir wieder zurück in die Stadt fahren, wo wir den Jussupow-Palast besuchen. Dieser besticht durch seine, reichlich Prunk und Reichtum ausstrahlende, Innenarchitektur. Besonders das hauseigene Theater und das orientalische Zimmer überstrahlen die übrigen Räumlichkeiten noch. Bekannt wurde das Palais aber nicht nur dadurch, sondern auch durch die hier stattgefundene Ermordung Rasputins am 17. 12. 1916. Diese ist im Untergeschoss, in der sonderbar gebauten und eingerichteten Junggesellenwohnung seines Mörders Felix Felixowitsch Jussupow mit Wachsfiguren nachgestellt. Leider müssen wir den Palast etwas frühzeitig verlassen, da hier eine berühmte russische Prima Ballerina heute ihre Hochzeit feiert und das Gebäude deshalb gesperrt wird. Übrigens zum Thema Hochzeit: sowohl gestern als heute sind wir unterwegs auf zahlreiche Brautpaare getroffen! Die meisten davon sind in überlangen Luxuslimousinen unterwegs und besuchen, einer russischen Tradition folgend, die berühmtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt für Fotoaufnahmen. Ob eine derartige Häufung von Hochzeiten mit dem Datum (7. 7. 2007) zusammenhängt oder normal ist, kann ich nicht sagen. Jedenfalls hat es den Anschein als ob an diesem Wochenende jedes heiratsfähige Mädchen St. Petersburgs vor den Traualtar tritt! Aber zurück zum eigentlichen Thema. Wir machen uns wieder auf den Rückweg zum Schiff, wo wir, neben dem Abendessen, noch kurze Zeit zum entspannen haben, bevor es, zum dritten Mal (!) an diesem Tag zurück in die Stadt geht. Wenn man bedenkt, dass eine Fahrt etwa 45 Minuten dauert, bedeutet dass, dass wir heute etwa 4,5 Stunden im Bus verbracht haben. Meiner Meinung nach eine sinnlose Zeitverschwendung! Jedenfalls haben wir für den Abend noch eine Bootsfahrt durch die Kanäle der Stadt, St. Petersburg wird auch das Venedig des Nordens genannt, gebucht. In der Nähe der Isaakskathedrale besteigen wir gegen 22 Uhr ein Boot, das uns etwa eine Stunde durch die Flüsse fährt. Besonders schön ist das Südufer der Newa, wo der Winterpalast und die Eremitage vom Licht der tiefstehenden Sonne schön eingefärbt werden. Vorbei geht es auch an der, erst vor etwa einem Jahr eröffnete, Fontäne vor der Wassilij-Insel und dem Kreuzer Aurora, der in einem Nebenfluss vor Anker liegt und von dessen Bordkanone der Startschuss zum Sturm der Bolschewiken auf den Winterpalast abgegeben wurde. Von hier geht es schön langsam über den Fontanka Kanal wieder zurück zum Ausgangspunkt. Die Runde war zwar schön, aber eigentlich hätte ich mir doch erhofft, dass sie z. B. durch den Kanal an dem die Blutkirche liegt führt, so dass ich doch ein wenig enttäuscht bin! Bei der Rückfahrt zum Schiff gibt der Busfahrer, der bei der Hinfahrt extrem geschlichen ist, doch ein wenig mehr Gas, so dass wir es noch schaffen ein Gute-Nacht-Bier an der Bar zu bekommen.
Winterpalast / Peter-Paul-Festung / Kreuzer Aurora / Südufer der NewaAm Vormittag steht der fakultativ gebuchte Ausflug zum Peterhof auf dem Programm. Eigentlich der Punkt der Besichtigung auf den ich mich am meistens gefreut habe; weniger wegen des Palastes als wegen der schönen Parkanlagen! Es ist aber auch die Führung durch die prunkvollen Räumlichkeiten sehr interessant. Diese dauert etwa eine Stunde und als wir endlich zum Park kommen ist uns auch der Wettergott wohl gesonnen! War es bislang meist doch ziemlich bewölkt, kommt jetzt die Sonne hervor und setzt die zahlreichen Springbrunnen ins richtige Licht. Besonders die, direkt am Palast gelegene, von 40 vergoldeten Statuen umgebene Neptun-Fontäne fasziniert mich und alleine hier hätte ich kein Problem damit stundenlang den Wasserspielen zuzusehen. Aber leider müssen wir schon bald weiter, da der Zeitplan ziemlich eng bemessen ist. Insgesamt durchstreifen wir etwa eine Stunde den Park, der für mich bislang das absolute Highlight der Reise ist, bevor wir uns wieder einmal auf den Rückweg zum Schiff machen müssen. Hier kommen wir ziemlich verspätet an, so dass viel zuwenig Zeit zur Einnahme des Mittagessens bleibt.
![]() PETERHOF: Große Kaskade mit Schloss / Kanal zum Finnischen Meerbusen / 2 x die Große Kaskade So kommen wir ein wenig zu spät zur Abfahrt zur Besichtigung von Isaakskathedrale und Peter-Paul-Festung, was von Unmutsäußerungen mancher Mitreisender begleitet wird. Aber was sollen wir machen, wir können halt nicht zaubern! Der Besuch der Kathedrale ist eigentlich eine einzige Enttäuschung! Diesen hatte ich eigentlich gebucht, da ich die Möglichkeit nutzen wollte zur Säulengalerie aufzusteigen und den Blick über die Stadt zu genießen. Da hier aber lediglich eine halbe Stunde eingeplant ist, geht sich das aber unmöglich aus! In der Kirche selbst, die heute nur noch als Museum oder - besser gesagt - als großer Marktstand genutzt wird, gibt es einige schöne Wandmalereien, das ist aber auch schon alles. So bin ich gar nicht böse dass es bald weitergeht. Auf der Weiterfahrt zur Peter-Paul-Festung ist natürlich noch genügend Zeit um einen "technischen Halt", natürlich bei einem Souvenirshop, einzulegen. Die Festung selbst ist eine Enttäuschung: wir müssen uns durch eine riesige Baustelle kämpfen um zum Herzstück, der Peter-Paul-Kathedrale, vorzudringen. Diese ist allerdings unbedingt einen Besuch wert! Mit schönen Deckengemälden, Kristalllustern und einer herrlich vergoldeten Ikonastase kann sie mich durchaus beeindrucken. Zusätzlich ist sie auch die Grabkirche fast aller Zaren der Romanov Dynastie, so dass im Innenraum zahlreiche Sarkophage zu finden sind. Es folgt noch ein kurzer Rundgang durch die Festung, bevor es zurück zum Schiff geht. Damit ist der Besuch von St. Petersburg auch schon wieder beendet. Um Punkt 20 Uhr heißt es Leinen los und wir verlassen die Stadt auf der Newa, in Richtung Ladogasee. Kurz darauf gibt es noch einen Sektempfang in der Skybar, bei dem der Kapitän sich und die - für uns Touristen - wichtigsten Crewmitglieder vorstellt. Während sich die Bar danach ziemlich schnell leert, bleiben wir natürlich wieder hängen! … und selbst als hier Sperrstunde ist geben wir keine Ruhe sondern nehmen noch einen kleinen Umtrunk in einer der Kabinen!
![]() Isaakskathedrale mit Reiterstandbild / Kuppel der Isaakskathedrale / Peter-Paul-Kathedrale / Innenraum Peter-Paul-Kathedrale Heute müssen wir für das ausschweifende Gelage in der letzten Nacht büssen! Zum Glück ist das Schiff aber sowieso unterwegs, so dass zunächst keine Besichtigungen anstehen und da auch die angebotenen Bordaktivitäten (Vorträge über russische Traditionen und Volkskunst) nicht unbedingt meinen Geschmack treffen steht nach dem Frühstück weiterschlafen auf dem Programm. Erster Fixpunkt im Programm ist um 12.30 die Rettungsübung; da ist Teilnahme Pflicht! Bis dahin sind wir aber halbwegs regeneriert, so dass wir diese - zumindest teilweise - mit Bravour absolvieren! Inzwischen haben wir den Ladogasee durchquert und fahren über den Fluss Swir. Hier erreichen wir am frühen Nachmittag die Insel Mandrogi, wo der nächste Landgang auf dem Programm steht. Von einem russischen Privatunternehmer wird hier, seit dem Jahr 1996, ein im 2. Weltkrieg vollständig zerstörtes Dorf als Touristenattraktion neu aufgebaut. Wir durchstreifen das Dörfchen, messen unsere Treffsicherheit - allerdings mit mäßigem Erfolg - beim Bogenschießen und nehmen danach das Mittagessen, in Form einer Schaschlik-Open-Air-Party, ein. Damit ist der Landgang auch schon wieder beendet und nach dem Ablegen nimmt das Schiff Kurs in Richtung Onegasee. Für den Nachmittag habe ich mir zwar vorgenommen an diesen Reisebericht zu schreiben, aber bereits bei der zweiten Zeile fallen mir die Augen zu, so dass die Zeit bis zum Abendessen im Schlaf vergeht! Am Abend steht noch ein Folklorekonzert der Bordband "Russische Weite", die angeblich auch in Westeuropa auftreten und schon diverse russische Wettbewerbe gewonnen haben, auf dem Programm. Die Darbietung ist wirklich hörenswert, besonders das bekannte Schlussstück "Kalinka" reißt die meisten Besucher zu Begeisterungsstürmen hin. Bald nach Ende des Konzertes geht es ab zur Nachtruhe. Diese wird allerdings gegen 2.30, irgendwo im Onegasee, durch ein heftiges Unwetter, verbunden mit hohem Wellengang, kurz gestört.
![]() Blitz bei der Rettungsübung / MANDROGI: Lagebesprechung / Haus / Windmühle / Bogenschießen Kurz vor 8 Uhr morgens legen wir an der Museumsinsel Kishi an und starten nur wenig später, bei sehr trüben aber zum Glück wenigstens trockenen Wetter, zu einem Rundgang. Wieder einmal fällt mir auf dass unser örtlicher Führer, wie übrigens bislang überall, ein perfektes, fast akzentloses Deutsch spricht. Den Höhepunkt der Besichtigung erreichen wir gleich zu Beginn: die 37 m hohe, von zweiundzwanzig Kuppeln geschmückte Christi-Verklärungs-Kirche, die ohne einen einzigen Nagel errichtet wurde und seit Anfang der 1990er Jahre auf der UNESCO-Welterbe Liste steht. Zum Komplex gehören auch noch die Maria-Schutz-Kirche und der Glockenturm. In weiterer Folge besuchen wir auch noch alte Bauernhäuser, samt Nebengebäuden (Windmühle, Banjas), die in der Region Karelien abgebaut und hier wiedererrichtet wurden. Insgesamt dauert die Führung etwa zwei Stunden und gibt einen schönen Überblick über Traditionen und Sitten die früher hier in der Region herrschten bzw. darüber wie das Leben hier geführt wurde. Zurück beim Schiff bleibt nur noch Zeit zu einem kurzen Bummel durch die Souvenirstände, bevor wir auch schon wieder ablegen. Inzwischen hat sich der Dunst etwas gehoben, so dass wir nochmals einen schönen Blick auf die Insel mit ihren prachtvollen Bauten werfen können. Der Nachmittag vergeht mit der Rückfahrt über den Onegasee. Zur Beschäftigung der Passagiere an Bord gibt es zunächst eine Führung über die Brücke, bei der uns der Kapitän mit den technischen Daten der MS Karamzin "füttert" und die Funktion der wichtigsten Geräte, zumindest in Kurzform, erklärt. Anschließend gibt es noch die Blini-Party. Jetzt weis ich endlich was Blini sind: nichts anderes als gewöhnliche Palatschinken! Neben Wodka, zu Beginn und am Ende, werden die Blinis mit Kaviar, Lachs, Sauerrahm, Honig und Erdbeermarmelade serviert. Dazu gibt es Volksmusik und natürlich die obligatorischen Tanzspiele unter Einbeziehung des Publikums. Insgesamt dauert die Veranstaltung, wie die meisten anderen an Bord auch, ein knappe Stunde, dann steht bereits die Nächste auf dem Programm: ein klassisches Konzert des Bordpianisten Juri Sachno. Das lasse ich aber lieber aus, da das nicht unbedingt meine musikalische Geschmacksrichtung trifft. Stattdessen besuchen wir lieber wieder einmal die Skybar, wo als "Stammkundenbonus" bereits unser Stammtisch reserviert ist. Alles was ich dazu noch sagen will ist, dass wir es wieder einmal schaffen die letzten Besucher zu sein!
KISHI: Komplex der Christ-Verklärungs-Kirche / Kuppeln der Kirche / Bauernhof / Bäuerliche Handarbeit / Kapelle Bis auf einen kurzen Besuch beim Frühstück verbringen wir den Vormittag in unseren Kabinen. Wir nützen das schlechte Wetter - es ist stark bewölkt - um die in der Nacht versäumte Ruhezeit nachzuholen. In der Zwischenzeit haben wir die (den?) Kowsha hinter uns gebracht und den Weißsee durchquert. Gegen 13 Uhr legen wir in Goritsy an und gerade als der Ausflug nach Kirillo, zum Beloserski-Kloster, beginnt öffnet der Himmel seine Schleusen. Es sind nur wenige Kilometer Fahrt, die schnell absolviert sind. Das Kloster, eines der größten Russlands, hat zwar sicher seinen Reiz, jedoch sind im Moment umfangreiche Renovierungsarbeiten im Gange und auch der heftige Niederschlag trägt das Seine dazu bei dass wir nur eine Besichtigung im Schnelldurchgang machen. Zurück in Goritsy bleibt zwar noch genug Zeit, die ich eigentlich mit einem Besuch des Goritsy-Klosters, in Gehweite zur Anlegestelle, verbringen wollte, doch hier macht mir ebenfalls der Regen einen Strich durch die Rechnung. So bleibt uns nichts anderes übrig als an Schiff zu gehen. Da die Skybar am Nachmittag geschlossen hat begeben wir uns in die Panorama und bleiben da bis zum Abendessen. Erst danach wechseln wir hinauf zu Alexej in die Skybar, wo wir es - Überraschung! - wieder einmal schaffen die letzten Gäste zu sein. Während wir es uns gut gehen lassen passieren wir die Scheksna und überwinden zahlreiche Schleusen bis hinauf zum Rybinsker Stausee.
Besuch auf der Brücke / Trio "Russische Weite" / Kirillo-Beloserski-Kloster / Blick auf Goritsy Heute haben wir beim Frühstück eine 50%ige Ausfallsquote. Das ist aber nicht weiter schlimm, da wir am Vormittag den Rybinsker Stausee queren und es damit sowieso kein Ausflugsprogramm gibt. Einzig die Buchung der fakultativen Ausflüge für Moskau steht auf dem Programm. Da wir schon besprochen haben wer was mitmachen will übernimmt das Pucki und wir anderen brauchen uns nicht weiter damit befassen. Übrigens ist heute der erste richtig schöne Tag: die Sonne steht seit dem Morgen am Himmel und gegen Mittag verziehen sich auch die letzten Wölkchen. So verbringe ich die meiste Zeit an Deck und genieße die Fahrt über die, inzwischen erreichte, Wolga und den Ausblick. Apropos Ausblick: während zu Beginn der Reise die Flüsse fast durchwegs von dichtem Wald umrahmt wurden, merkt man inzwischen dass man sich der Hauptstadt nähert. Immer öfters sehen wir an den Ufern kleinere und größere Ansiedlungen. Gegen 15 Uhr legen wir in Jaroslawl an. Mit bereits bereitstehenden Bussen werden wir ins, nicht sehr weit entfernte Zentrum gebracht. Überall sind umfangreiche Bau- und Renovierungsarbeiten für die 2010 anstehende 1000 Jahr Feier der Stadt im Gange. Wir beginnen unsere Besichtigung mit Prophet Elias Kirche, kämpfen uns weiter bis zur Fußgängerzone, wo uns ein wenig Zeit bleibt diese zu durchstreifen. Bald heißt es wieder in den Bus einsteigen und wir fahren zum Erlöserkloster. Das ist übrigens total unnötig: zu Fuß hätten wir für die Strecke sicher nicht länger gebraucht als allein für das ein- und aussteigen! Die Anlage ist zwar sehenswert, allerdings sind derzeit umfangreiche Renovierungsarbeiten im Gange und einige Gebäude total eingerüstet. Nächste Ziele sind die Christi-Erscheinungs-Kirche und eine Schule für Ikonenmalerei. Übrigens immer wieder mit dem Bus, obwohl nur wenige Meter dazwischen liegen. Zum Abschluss machen wir noch einen kurzen Spaziergang durch eine Parkanlage an der Wolga bevor es zurück zum Schiff geht. Kurz nachdem wir an Bord gegangen sind legen wir um 20 Uhr auch schon wieder ab. Zunächst führt uns unser Weg retour in Richtung Rybinsk. Unterwegs kann man übrigens immer wieder schöne Badestrände am Ufer der Wolga entdecken, die, angesichts des schönen und warmen Wetters, auch jetzt am Abend noch reichlich frequentiert sind. Zum Tagesausklang besuchen wir noch ein klassisches Konzert der Bordband, bevor ich mich mal früher zu Bett begebe.
Sonnenuntergang über der Scheksna / JAROSLAWL: Prophet Elias Kirche / kleine Kirche / Christi Erscheinungs Kirche / Parkanlage Bereits früh heißt es heute raus aus den Federn! Um 8.30 legen wir in Uglitsch an und starten gleich darauf zum Landgang. Traurige Berühmtheit erlangte die Stadt am 15. 5. 1591, als hier der neunjährige russische Thronfolger Dimitri (Demetrios), wahrscheinlich im Auftrag Boris Gudunows, ermordet wurde. An der Stelle an der er starb wurde die Dimitri-Blut-Kirche errichtet, welche wir ebenso besuchen wie die daneben liegende Christi-Verklärungs-Kirche. Übrigens unternehmen wir die Besichtigung heute zu Fuß, da der Uglitscher Kreml, in dessen Komplex sich die Kirchen befinden, nur wenige Gehminuten vom Schiff entfernt ist. Den Rückweg treten wir dann auf eigene Faust an, der richtige Weg ist aber nicht zu verfehlen, da er fast auf der gesamten Länge von Souvenirständen gesäumt ist. Lediglich ein kleiner Getränkestand, mit Sitzmöglichkeit, fehlt, so dass wir uns nach der Rückkehr gleich wieder aufs Schiff begeben, obwohl eigentlich noch etwas Zeit bis zum Ablegen gewesen wäre. Um 12 Uhr heißt es dann Leinen los und auf zur letzten Etappe nach Moskau. Am Nachmittag komme ich dann, während meine Mitreisenden Augenpflege machen, endlich dazu meinen Reisebericht auf den aktuellen Stand zu bringen. Für den Abend sind zunächst ein Abschiedscocktail, unter Anwesenheit unseres Kapitäns, Alexander Seljunin, und anschließend eine Große Galashow in der Skybar angesetzt. Passagiere aus Österreich, Spanien und England haben während der Reise russische und nationale Volkslieder einstudiert und geben diese, in einer beachtlichen Qualität, zum Besten. Ebenso wurde ein internationales Ballett "gegründet" das verschiedene Tänze vorführt. Zum Abschluss gibt es noch ein kleines Rollenspiel, das sich als sehr lustig herausstellt und zu dem aus unserer Gruppe Pucki und Falke, der übrigens eine tragende Rolle spielt, zwangsverpflichtet werden. Damit ist dann der offizielle Teil auch schon vorbei, was aber nicht heißt, das der Tag damit zu Ende ist. Für uns geht es mal wieder bis zum frühen Morgen weiter. Aber nicht nur wir verstehen zu feiern, auch Reiseleiter, Borddolmetcher und - allen voran - die Sängerin der Band "Russische Weite" hauen gehörig auf den Putz!
UGLITSCH: Christi Verklärungs Kirche / Dimitri Blut Kirche vom Schiff und von Land aus / Kirche von Kaljasin Als wir - zumindest teilweise - beim Frühstück erscheinen, macht das Gerücht die Runde, dass in der Nacht ein Mann von Bord gegangen sei. Überall hört man die verschiedensten Versionen, bis per Bordfunk die offizielle Version bekannt gegeben wird: beim Passieren der Wolga Schleuse von Dubna, gegen 4 Uhr Morgens, ist ein Mitreisender von der Reling auf die Staumauer gesprungen und in der Tiefe der Nacht verschwunden! Gegen Mittag kommt dann die Nachricht, dass der Flüchtling unversehrt von der Miliz aufgegriffen wurde. Soviel zu diesem Thema, das an Bord natürlich für sehr viel Aufregung gesorgt hat! Wir befinden uns inzwischen auf dem Wolga-Moskwa Kanal und legen die letzten Kilometer nach Moskau zurück, wo wir gegen 13 Uhr am nördlichen Flusshafen anlegen. Helga, Falke und Pucki verlassen sofort das Schiff und fahren mit einem bestellten Taxi zum Stadion von Dynamo Moskau, da sie Karten für das um 14 Uhr beginnende Stadtderby gegen ZSKA (Endstand 1:0 nach nicht gerade berauschendem Spiel) haben. Gerli, Blitz und ich haben noch etwas Zeit bevor wir mit dem Bus zu einer ersten Stadtrundfahrt aufbrechen. Da Wochenende (Samstag) ist, herrscht wenig Verkehr und wir schaffen den Weg ins Zentrum in wenigen Minuten. Ein erster Halt ist bei der Christi-Erlöser-Kathedrale. Das Original wurde 1931 über Auftrag Stalins gesprengt. Erst seit 1997 steht hier wieder ein originalgetreuer Nachbau und dominiert mit seinen goldenen Kuppeln das Zentrum der Stadt. Schon von draußen ein imponierender Anblick, ist der Innenraum, in meinen Augen, die schönste russisch-orthodoxe Kirche die ich bislang gesehen habe. Durch große Lichteinlässe, aber auch durch hellere Decken- und Wandfresken, wirkt sie viel freundlicher als die anderen, meist recht dunklen und düsteren, Kirchen. Aber auch die Größe ist beeindruckend. Immerhin sollen hier bis zu 10000 Menschen Platz finden! Leider, oder Gott sei Dank, herrscht im Inneren absolutes Fotoverbot, so dass man sich total auf die Pracht von Malereien und Ikonastase konzentrieren kann. Von hier aus geht es weiter zum Jungfrauenkloster. Allerdings nur zu einem kurzen Fotostopp, da ja der Veranstalter für die Besichtigung noch einen fakultativen Ausflug anbietet und damit schließlich auch etwas verdienen will! So fahren wir bald weiter in Richtung der Sperlingsberge. Hier gibt es, vor dem Hintergrund der, im Zuckerbäckerstil errichteten Moskauer Lomonossow Universität, einen schönen Aussichtspunkt über die Stadt und insbesondere auf das, direkt davor liegende Olympiagelände von 1980 mit dem Luschniki-Stadion. Außerdem bin ich sehr überrascht hier eine Sprungschanze (!) vorzufinden! … und übrigens: da inzwischen wieder Wochenende ist, trifft man auch hier überall auf Brautpaare, mit ihren überlangen Prachtkarossen, die in Moskau der gleichen Tradition folgen wie in St. Petersburg und sich vor den bekanntesten Bauwerken der Stadt zum Fototermin treffen!
Hafenverwaltung / Christi Erlöser Kathedrale / Jungfrauenkloster / Lomonossow Universität Als letzter Punkt steht noch der Besuch des Roten Platzes auf dem Programm. Von der Moskwa kommend erreichen wir zunächst die, an der Südseite gelegene, Basilius Kathedrale. Mit ihren farbigen Zwiebeltürmen ist sie die herausragende Erscheinung, die entscheidend zum schönen Gesamteindruck des 60000 m² großen Platzes beiträgt. Auf der westlichen Seite sehen wir die Kremlmauer mit ihren schönen Türmen und dem, aus rotem Marmor erbauten, Lenin-Mausoleum und am nördlichen Ende das Historische Museum. Alles in schönem rot bis rotbraun gehalten. Aber nicht daher hat der Platz seinen Namen. Der kommt von der russischen Bezeichnung "krasnaja", die im Altrussisch nicht nur die Bedeutung "rot" sondern auch "schön" hatte. Die vierte Seite ist schließlich auf der gesamten Länge vom Kaufhaus "GUM" begrenzt. Einst das "Staatliche Russische Kaufhaus" verfügen hier heute die meisten Nobelmarken über einen Shop, aber es gibt auch noch einige ursprüngliche Geschäfte und für das Wohl der Besucher sorgen Restaurants und Imbissstuben. Insgesamt erinnert der Bau, zumindest vom inneren Aufbau her, sehr an die Galleria Vittorio Emanuele II. in Mailand. Jedenfalls nutzen wir eine der Kneipen zu einer kurzen Pause, bevor wir uns auf den Rückweg zum Bus, und in weiterer Folge zum Schiff, machen. Hier treffen wir fast gleichzeitig mit unseren Freunden, die aus dem Stadion zurückkommen, ein, was wir natürlich dazu nutzen um, bei einem Bier in der Panorama Bar, die Geschehnisse des bisherigen Tages zu diskutieren.
Basilius Kathedrale (2x) / Kreml Mauer mit Lenin Mausoleum / Hauptportal Kaufhaus "GUM" Nach dem Abendessen unternehmen wir noch einen fakultativen Ausflug in die Stadt. Zunächst fahren wir mit dem Bus zur Metro- Station "Belorusskaya", von wo aus wir einige der schönsten Stationen besuchen. Welche kann ich nicht mehr mit Sicherheit sagen, aber wir bekommen jedenfalls einen Eindruck davon, warum die Stationen auch den Beinamen "Paläste für das Volk" tragen! Besonders beeindruckend die Stationen Barrikadnaya, mit ihren vielen riesigen Reliefs an Revolutionsmotiven, und - wahrscheinlich - Nowoslobodskaya, mit den riesigen bunten Glasfenstern. Sicher ist lediglich, dass wir beim Roten Platz wieder an die Oberfläche zurückkehren - und das ohne auch nur einen einzigen Mitreisenden im Gewirr der Menschenmassen verloren zu haben! Inzwischen ist schon die Dämmerung eingebrochen, so dass wir die schön beleuchteten Gebäude bewundern können. Allen voran das Kaufhaus "GUM", an dem tausende Lichter erstrahlen, und natürlich die Basilius-Kathedrale. Hier steigen wir wieder auf den Bus um und fahren entlang der Moskwa hinauf zu den Sperlingsbergen. Sowohl die wunderbar beleuchtete Moskauer Universität, als auch der Ausblick über die Stadt sind jetzt noch ein wenig beeindruckender als tagsüber. Auch merkt man, jetzt fast noch stärker als beim nachmittäglichen Besuch, dass sich hier nicht nur ein Aussichtspunkt befindet, sondern dass es auch ein beliebter Treffpunkt der Einheimischen ist. Zwischen den zahlreichen Souvenirständen herrscht ein reges Treiben an Jugendlichen, Touristen und - natürlich auch jetzt noch (es geht schon fast auf Mitternacht zu) - Brautpaaren! Auf dem Rückweg zum Schiff passieren wir noch den, in das Licht zahlreicher Neonreklamen getauchten, Arbat, sowie das Weiße Haus und den Kreml. Am Schiff falle ich todmüde ins Bett, während sich meine Freunde noch einen Gute-Nacht-Drink an der Bar genehmigen.
Blick zum Roten Platz / Kaufhaus GUM / Basilius Kathedrale / Lomonossow Universität Am Vormittag steht der Besuch des Kremls auf dem Programm. Da wir zusätzlich auch noch die Schatzkammer gebucht haben brechen wir bereits um 8.45 auf. Wieder ist wenig Verkehr, so dass wir beim Einlass, der ab 9.30 erfolgt, bei den ersten Gruppen sind. Insgesamt verbringen wir etwa zwei Stunden im Museum. Mir persönlich gefallen besonders die prunkvollen, reichlich verzierten Kutschen aus der Zarenzeit, sowie die zur Schau gestellten prachtvollen Geschenke die aus ganz Europa stammen, für die aber leider etwas zuwenig Zeit bleibt. Die haben wir zu Beginn in der Ausstellung mit den alten Bekleidungsstücken, die mich weniger interessiert hat, vergeudet. Aber was soll's das ist halt der Nachteil einer geführten Tour! Die nächsten beiden Stunden verbringen wir mit der Besichtigung des Kremls. Obwohl es sich um den aktuellen russischen Regierungssitz handelt, können wir uns eigentlich uneingeschränkt bewegen. Lediglich bei Überqueren der Strassen muss man peinlichst darauf achten die vorhandenen Zebrastreifen zu benützen. Versucht man es einmal etwas abseits, wird man unweigerlich von einem Wachorgan durch pfeifen, begleitet durch eindeutige Gesten, wieder darauf zurückgewiesen. Auch in Hinsicht auf Fotografie bzw. Video gibt es keinerlei Einschränkungen. Vorbei am Großen Kreml Palast gehen wir hinauf zum Sobornaya Platz, rund um den sich die Kirchen des Kremls platzieren. Dank des herrlichen Sonnenscheins können die, meist vergoldeten Kuppeln, ihre ganze Pracht entfalten. Besonders der Glockenturm Ivan der Große ist beeindruckend. Imposant auch die Zaren-Glocke, die nie geläutet wurde, da sie noch vor Inbetriebnahme durch Löschwasser bei einem Brand zerstört wurde, und die Zaren-Kanone, aus der nie ein Schuss abgefeuert wurde. Aber auch die Regierungsgebäude sind durchaus sehenswert. Da es so viel zu sehen gibt, vergeht die Zeit wie im Fluge und natürlich viel zu schnell. Viel zu früh sitzen wir wieder im Bus und es geht retour zur MS Karamzin, wo wir pünktlich zum Mittagessen um 13.45 eintreffen. Den Nachmittag nutzen wir um uns auszuruhen, da der Ausflug in den Kreml doch ein wenig anstrengend war; weniger die Außenbesichtigung als die Schatzkammer! Nach dem Abendessen steht noch ein kurzer Abschiedsbesuch bei Alexej an der Bar auf dem Programm. Ich für mich habe beschlossen es bei einem Bier zu belassen, aber …
Großer Kreml Palast / Glockenturm Ivan der Große / Zarenkanone / Mariä-Entschlafungs-Kathedrale Damit ist auch schon der letzte Tag angebrochen. Für den Vormittag habe ich, während sich meine Reisebegleiter noch ausschlafen können, einen Ausflug nach Sagorsk, oder wie es jetzt heißt Sergijew Possad, gebucht. Etwa 70 km nordöstlich gelegen dauert die Anfahrt etwa 1 ½ Stunden, die ich aber, angesichts vorhandener Restmüdigkeit, größtenteils verschlafe. Hier steht die Besichtigung des Dreifaltigkeits- oder Troiza-Sergius-Kloster, eines der bedeutendsten religiösen Zentren Russlands, auf dem Programm. Bevor es aber soweit ist machen wir noch einen Fotostopp auf einer gegenüberliegenden Anhöhe, von der aus sich ein schöner Überblick über die Anlage bietet. Zu Fuß legen wir die letzten Meter bis zur Anlage zurück. Von außen gleicht das Kloster eher einer Festung, da es von einer riesigen Mauer, mit 8 Wehrtürmen, umgeben wird. Kurz nach dem Betreten der Anlage, durch den Hauptturm, bekommt man allerdings einen ersten Einblick auf den Prunk der einen erwartet. Neben schönen, gepflegten Gartenanlagen gibt es auch noch jede Menge Kirchen. Besonders sticht der schöne Glockenturm ins Auge, aber auch die umliegenden Bauten, wie die Dreifaltigkeitskathedrale und die Maria Himmelfahrt Kathedrale sind schön anzusehen. Eine Besonderheit im Klosterhof ist noch der "Heilige Brunnen", dessen Wasser heilende Wirkung zugesagt wird. Daneben gibt es eine Verkaufsstelle in der man das abgefüllte Heilwasser kaufen kann; hier stehen die Menschen, egal ob Einheimische oder Touristen, Schlange. Insgesamt verbringen wir etwa zwei Stunden im Kloster, bevor wir zurück nach Moskau fahren. Auf der MS Karamzin steht noch das Mittagessen auf dem Programm, bevor wir um 15 Uhr zum Flughafen Moskau-Domodedovo aufbrechen. Die Fahrt dauert, obwohl sehr wenig Verkehr ist, fast zwei Stunden und auch das einchecken geht nicht sehr viel schneller vonstatten. Jedenfalls bleibt gerade noch Zeit zu einem Abschiedsbier bevor auch schon das Boarding beginnt. Der Flug selbst, an Bord eines Airbus A 321 von Austrian Airlines verläuft ruhig und gegen 20.30 MESZ landen wir wohlbehalten am Flughafen in Wien-Schwechat. Hier holt uns Helgas Bruder ab und bringt uns, nach einer weiteren Bierpause, wohlbehalten nach Hause.
Blick auf die Klosteranlage / Kuppeln des Klosters / Hauptportal / Heiliger Brunnen mit Kathedralen Zusammenfassend noch ein paar Worte zur Kreuzfahrt bzw. zu St. Petersburg und Moskau: Die Kreuzfahrt selbst ist sehr schön und sicherlich auch sehr erholsam, da es unterwegs kein allzu dichtes Programm gibt und pro Tag nur ein kurzer - mehr oder weniger interessanter - Landausflug geplant ist. Dass Kabinen und Sanitärraum an Bord der MS Karamzin, und den vielen anderen baugleichen Schiffen, sehr klein sind ist nicht so störend, da man sich da meist sowieso nur zum Schlafen aufhält. Das Essen an Bord war zwar gut, allerdings wenig abwechslungsreich. Leider wird das Essen, mit Ausnahme des Frühstücks, auch nicht in Buffetform angeboten. Während der Kreuzfahrt konnte man wenigstens zwischen 2-3 Speisen auswählen, aber während der Liegezeiten in St. Petersburg und Moskau besteht nicht einmal diese Möglichkeit. Noch kurz zum Trinkgeld: es wird empfohlen pro Person und Tag 5 Euro in eine Sammelbox zu werfen. Aber wie alle Empfehlungen ist dieser Betrag natürlich auch viel zu hoch angesetzt. Wir haben uns an Bord mit einigen Mitreisenden darüber unterhalten und sind zum Schluss gekommen, dass die Hälfte auch mehr als genug ist. Was St. Petersburg betrifft ist das sicher eine Stadt die man einmal gesehen haben sollte, aber bei den angebotenen Ausflügen hat mich das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht gerade überzeugt. Im Gegenteil: die Ausflüge sind meiner Meinung nach total überteuert und es wird relativ wenig dafür geboten. Ein Grund dafür ist sicherlich auch dass das Schiff relativ weit vom Zentrum entfernt vor Anker liegt und deshalb lange Anreisezeiten gegeben sind. Diese fehlt dann bei den Besichtigungen und es muss alles im Schnelldurchlauf erledigt werden. Trotzdem würde ich die Ausflüge zum Peterhof und zum Jussupow-Palast wieder buchen, obwohl ich auch hier der Meinung bin dass sie viel zu teuer waren. Aber alles andere sicher nicht mehr. In Moskau sieht das alles ein bisschen anders aus. Abgesehen davon, dass mir die Stadt auch besser gefallen hat, waren die fakultativen Ausflüge billiger und boten im Verhältnis zum Preis auch sehr viel mehr. Das betrifft zumindest die drei (Moskau bei Nacht, Schatzkammer und Sagorsk) welche ich gebucht habe. Diese kann ich durchwegs empfehlen und würde ich auch wieder machen. HINWEIS: Diese und weitere Fotos aus Russland kann man unter dem link pervan.de in größerer Auflösung betrachten. Weiters besteht dort die Möglichkeit diese als Grußkarten zu versenden. Zurück zur Startseite |