Therapierichtlinien zur Sprachförderung
von Wachkomapatienten
· Sprechen Sie mit möglichst kurzen "Wörtern". ( das sind z.B. auch
Ausrufe und stimulierende Laute). Vollständige Sätze sind zu komplex .
· Wiederholen Sie die Laute möglichst mehrfach
Regel: lieber ein Wort 5 Mal als 5 Wörter 1 Mal
· Lassen sie nach jedem "Wort" einige Sekunden Einwirkzeit
· Verändern Sie den Tonfall des zu wiederholenden Worts immer mal wieder, aber
nehmen Sie auch gleichklingende Wiederholungen.
· Beziehen Sie alle näheren und interessierten Bezugspersonen in die Therapie mit ein.
(Legen Sie die Arbeitsmappe griffbereit hin - beschriften Sie
mit: so
können Sie [Name] beim Sprechen lernen helfen.... Am besten demonstrieren Sie einmal persönlich). Fügen Sie ein
Informationsschreiben bei,
wer davon Gebrauch machen soll und bitten Sie die geeigneten Gäste
darum.
· Legen Sie eine Materialkiste zur Sprachförderung an, damit die
Übungsgelegenheiten nicht an Materialmangel scheitern. Beschriften Sie sie
ebenfalls in
der Art der Übungsmappe. (z.B. Glocke mit angenehmem Klang. Weicher
Ball.... Fahrzeug/Tier mit Geräuschen und Bewegungen)
· Benutzen Sie interessante sprachliche Reize (beim Essen, z.B. "mhhhhhh)
· Benutzen Sie möglichst vielfältige Reizmöglichkeiten , z.B. fühlen und hören
und sehen eines "Wortes"
· Verbinden Sie Reizmöglichkeiten, z.B. beim Berühren der Hand sagen Sie
"Hand" mit Blickkontakt. ( Wort sehen, fühlen, hören). Berühren Sie nicht zu
zaghaft
und kleinflächig; der Reiz soll gut fühlbar sein (Reaktionen
beobachten)
· Schaffen Sie eine gute Atmosphäre , lächelndes Gesicht, froher,
freundlicher angenehmer Stimmklang, Berührung mit warmen Händen.
· Schaffen Sie Nähe- nahe Reize sind intensiver wahrzunehmen, als Sprache aus der Ferne.
· Sprechen Sie zum Patienten, am besten in Gesichtshöhe.
· Nutzen Sie individuelle Vorlieben bei der Sprachauswahl, z.B. Haare kraulen
mit dem Wort "Haar"
· Nutzen Sie die wachen und aufnahmefähigen Zeiträume oder bauen Sie sie vorher auf (Lieblingsplatte vorher anspielen).
Regel: Stimulieren Sie lieber 5 Mal 5 Minuten als 1 Mal 25 Minuten
· Verwenden Sie Sprache der frühen Lebensjahre, wie Teile von gut bekannten Kinderversen und Kinderliedern. ( kindisch soll es nicht sein), z.B. die
erste Zeile
von "alle meine Entchen" " Hopp, hopp, hopp, Pferdchen lauf
Galopp". Diese sprachlichen Erinnerungen sind meist sehr stabil gespeichert. Die Eltern
erinnern
sich vielleicht an geeignete Texte und Lieder. Schreiben Sie sie in das Arbeitsheft.
· Machen Sie sich gegenseitig Mut, diese Übungsmöglichkeit nutzen zu lernen.
(Ist anfangs für viele gewöhnungsbedürftig).
· Bitten Sie den Logopäden / Sprachtherapeuten, hospitieren zu dürfen, um zu lernen, wie man die Therapie am besten unterstützen kann.
· Notieren Sie die derzeit gebrauchten "Wörter" und die Art der
geeigneten Stimulierung.
· Notieren Sie die evt. Reaktionen und vergleichen Sie Eindrücke, am
besten schriftlich. (Evtl. auch Videoaufzeichnung zu Beginn und immer wieder)
· Fördern Sie Sprachverständnis und aktive Sprache. Zeigen Sie dem Patienten, wie Ihr Mund einfache Bewegungen macht und beschreiben Sie das evtl.
sogar
( z.B. "Ah"- "Schau: Mund auf..."- dazu langsam und
gut sichtbar Mund öffnen)
· Nutzen Sie nach und nach die verschiedenen Handlungen des Alltags zur Sprachförderung (z.B. Zähne putzen: "Mund auf", "Zähne
putzen"
· Haben Sie Geduld! Steter Tropfen höhlt den Stein!
· Verringern Sie die Belastung der Einförmigkeit und nötigen Ausdauer
durch das Verteilen auf mehrere Personen ( vor allem auch durch Fachtherapeuten).
· Spielen Sie mit Geräuschen (z.B. "brrrrrr", "Ssssssss"
· Erweitern Sie diese Liste nach Ihren eigenen Beobachtungen - jeder Therapieverlauf ist anders
und braucht eigene Wege und Idee -
tauschen
Sie
sich deshalb intensiv aus und sammeln Sie Ideen die
individuell geeignet
sind und planen Sie die Umsetzung mit Ihrem Therapeuten. Jeder sieht andere
Situationen und hat deswegen eigenes, zusätzliches verwertbares
Wissen
über die Situation des Patienten.
· Ohne die Unterstützung der Therapie durch die Angehörigen ist die Therapie sehr viel weniger
Erfolg versprechend.
| Quelle: | Helene Becker, Logopädin, Atem-,
Sprech- und Stimmlehrerin, Saarlouiser Str. 11, D-66822 Lebach, Tel.
0049/6881/91055, e-mail: hbecker [at] logopaedie-lebach.de Homepage |
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