Rede von Gemeinderat Bezirksobmann

Rede von Gemeinderat und Badener Bezirksobmann Peter Obermeier am Landesparteitag 6.7.2003

Hoher Landesparteitag, liebe Kameradinnen und Kameraden!

Ich nehme heute die Gelegenheit wahr, mich mit meiner Wortmeldung zwar in einer allgemeinen Sache, aber durchaus mit einer persönlich motivierten Angelegenheit an Euch zu richten.

Ich hoffe, dass einige von Euch die von mir aufgelegten Informationsblätter bereits durchgelesen haben und somit mit meinem Anliegen schon ein wenig vertraut sind.

Die medizinische Versorgung in Österreich, bzw. in Niederösterreich kann man durchaus als ausreichend bis gut bezeichnen. Jedoch gibt es in wichtigen – sogenannten neuen Krankheitsbildern – Nachholbedarf.

Patienten nach Herzstillständen, Schlaganfällen und Verkehrsunfällen, die früher zum Tode verurteilt waren, werden heute aufgrund der medizinischen Hochleistungen in Intensivstationen, technischen Ausrüstungen, Ausbildung von Notärzten und nicht zuletzt aufgrund der schnellen Verständigung im Handyzeitalter am Leben erhalten.  Die Regierung und diverse Autofahrerorganisationen rühmen sich, die Zahl der Verkehrstoten durch ihre Initiativen zu verringern – aber zu welchem Preis?

Als Stiefvater eines nach einem Verkehrsunfall vor 3,5 Jahren ins Koma und anschließend ins Wachkoma gefallenen Sohnes ist es mir im Besonderen ein Anliegen, auf dieses Problem hinzuweisen. Unser Sohn war zum Unfallzeitpunkt 22 Jahre alt. Der Schnitt der Wachkomapatienten ist unter 40 Jahren alt.

Aufgrund der oben beschriebenen Situation sind viele Leute vor dem Tod gerettet, in Intensivstationen bestens behandelt worden und nach der Diagnose Wachkoma in ein Pflegeheim abgeschoben worden. Viele dieser Patienten sind aufgrund ihres Aufenthaltes in häuslicher Pflege von keiner Statistik erfasst und die Angehörigen haben lediglich die Möglichkeit zu wählen zwischen dieser intensiven häuslichen Pflege mit hohem und persönlichem Aufwand oder - wenn dies wegen ihrer familiären oder beruflichen Situation nicht möglich ist - auf einen Pflegeplatz zu hoffen.

Pflege im herkömmlichen Sinn, die wir von der Altenversorgung her kennen, und wegen den heutigen Strukturen der Familien leider sehr oft nicht mehr zu Hause im familiären Bereich möglich ist, kann für Wachkomapatienten nicht ausreichen. Eine für unsere alten Mitbürger ausgerichtete Pflege, die nur auf Schmerzlinderung und so hart es auch klingt, auf eine Vorbereitung auf den Tod ausgerichtet ist, ist für Wachkomapatienten nicht angebracht.

Wachkoma-Patienten brauchen intensive persönliche Betreuung, um aus ihrem Zustand - schlussendlich mit welcher Behinderung nachher auch immer -  herauszukommen.

Offiziell geschätzte Zahlen solcher Patienten in Österreich werden mit ca. 400 pro Jahr angegeben. Aufgrund meiner langjährigen Befassung mit dem Thema weiß ich aber, dass es in Österreich mindestens doppelt so viele Patienten gibt, die mit diesem Schicksal leben müssen.

Auch unsere Familie hat es brutal und unvermittelt am 22.12.99 getroffen. Nach einem Anruf durch die Freundin meines Sohnes mussten wir erfahren, dass Jochen nach einem Verkehrsunfall in Leoben auf der Intensivstation liegt. Da er augenscheinlich keine Verletzungen hatte und laut Ärzten ins künstliche Koma versetzt werden musste, waren wir anfangs davon überzeugt, dass er binnen kurzer Zeit wieder voll rehabilitiert sein wird. Wie sich jedoch herausstellte, sind Wochen vergangen, bis er das erste Mal – nach Absetzen der Medikamente – wieder die Augen öffnete, aber ansonsten keinerlei Reaktionen zeigte.

Die Behandlung in einem Rehabilitationszentrum wurde dann auch nach einigen Monaten eingestellt, als es den behandelnden Ärzten klar wurde, dass er nicht mehr so rasch in einen Arbeitsprozess eingegliedert werden kann. Die Abschiebung in ein Pflegeheim war die Folge. Man richtete zwar in einem Geriatriezentrum in Wien zu dieser Zeit gerade eine „Wachkomastation“ ein, die jedoch bis jetzt ihrem Namen nicht gerecht wird.  Die behandelnden Ärzte und das Pflegepersonal sind zwar durchaus engagiert, aber sicherlich nicht voll ausgebildet auf dem Gebiet mit Patienten im „Apallischen Syndrom“. Dazu wird noch viel Ausbildungsarbeit nötig sein. Vor allem fehlt es an den nötigen Therapien. Laut erhaltener Auskunft von Thomas Bolzer, einem sehr engagierten Diplomkrankenpfleger solcher Patienten in einem Wiener Krankenhaus, gibt es in Österreich lediglich 2 Stationen, die auf die Rehabilitation solcher Patienten spezialisiert sind.

Dieser Mann setzt sich seit über einem Jahr, trotz Gefährdung seines Arbeitsplatzes bei der Gemeinde Wien, für die patientengerechte Unterbringung in einem – neu zu schaffenden - Wachkomahaus mit Langzeitrehabilitation ein.

Die Versorgung dieser Patienten kann nämlich nicht nach Intensivmedizin und Kurzzeitrehabilitation in einem Pflegeheim enden.

Da Gesundheitsangelegenheiten in erster Linie Ländersache sind, und die Verwirklichung dieses Projektes momentan noch an Geldmangel scheitert - obwohl es eine Zusage von einer Kostenbeteiligung durch das Land Niederösterreich gibt - werden noch potentielle Investoren gesucht, welche sich auch dann durchaus das Mäntelchen der Menschlichkeit umhängen können.

Die Umsetzung eines solchen Projektes, würde  – wenn es durch das Land oder durch den Bund finanziert werden sollte – ewig dauern.

Da es jeden einzelnen von Euch auch jederzeit wie der Blitz aus heiterem Himmel treffen kann – wir haben damals auch nicht damit gerechnet - bitte ich Euch, alle die ihr hier seid,  insbesondere unsere Abgeordneten im Nationalrat, unsere Landtagsabgeordneten, und speziell, Dich liebe Barbara Rosenkranz, sich für diese Sache einzusetzen - nicht nur auf der politischen Ebene, sondern vielleicht auch auf der wirtschaftlichen und privaten.