Texte aus dem Paulus-Kalender 2005

Die folgenden Meditationstexte und Gebete stammen aus dem Paulus-Kalender 2005.


Hubert hat die folgende Texte besonders hervorgehoben.

Wenige Tage nach seiner letzten Eintragung ist er gestorben.

 

 

Leg ab den Tag,

was kommen mag, ist noch fern.

Gib  deiner Ewigkeit ein wenig von der Zeit

und Raum für deine Fragen.

Leg ab den Tag,

nimm all die Sorgen, die dich quälen,

und leg sie in die Schale,

die bereit in seinen Händen.

Was heute nicht getan,

das kann sich morgen wenden.

 

Anke Maggauer-Kirsche

 

 

Gott, vor dir ist alle Finsternis Licht,

und tausend Jahre sind dir wie ein Tag.

Du weißt Anfang, Dauer und Ende unseres Lebens

und leitest uns durch die Zeit zur Ewigkeit.

Wir wissen nicht,

was in diesem Jahr mit uns geschehen wird.

Aber wir wissen,

denen, die dich lieben, wird alles zum Guten.

Wenn wir dich lieben,

wird uns alle Arbeit zur Ruhe,

aller Kummer wird Freude,

der Fluch zum Segen,

Tränen werden zu Quellen des Trostes.

So lass mich dieses Jahr mit deiner Liebe anfangen

und alle Stunden dieses Jahres deiner Liebe treu bleiben.

 

Johann Michael Sailer (1751 - 1832)

Es ist gut,

wenn uns die verrinnende Zeit nicht als etwas erscheint,

das uns verbraucht und zerstört wie die Handvoll Sand,

sondern als etwas, das uns vollendet.

Es ist gut,

wenn die Zeit ein Bauwerk ist.

So schreite ich von Fest zu Fest,

von Jahrestag zu Jahrestag,

von Weinlese zu Weinlese.

 

Antoine de Saint-Exupéry (1900 - 1944)

 

 

Man muss sich

durch die kleinen Gedanken,

die einen ärgern,

durchfinden zu großen,

die einen stärken.

 

Dietrich Bonhoeffer

 

 

Gott mit uns im Alltagstrott

 

Ja! Gott mit uns - nicht dort in Himmelszelten,

und nicht in Sturmeswehn, in Feuer nicht und Streit,

und nicht in Fernen unerforschter Welten,

und nicht im Nebel der Vergangenheit.

Nein, hier und jetzt, im eitlen Weltgetriebe

im trüben Lebensfluss, im Alltagstrott

tönt uns die frohe Botschaft von der Liebe,

die Not und Tod besiegt - mit uns ist Gott.

 

Wladimir Solojew (1853 - 1900)

 

 

 

Arm dran wären wir

ohne die Menschen, die Zeit haben,

ohne ihre Zeit für uns.

Denn nur die  Zeit zählt wirklich,

die wir menschlich gebrauchen

oder liebend verschenken,

ohne auf die Uhr zu sehen.

So wird Zeit zur Ewigkeit

und vermehrt sich unendlich,

wird lang genug

für ein Menschenleben.

 

Meditationstext

auf der Verlobungsanzeige von Hubert und Ruth

 

 

Danke für die Zeit

 

Herr meiner Stunden und meiner Jahre,

Du hast mir viel Zeit gegeben.

Sie liegt hinter mir, und sie liegt vor mir.

Sie war mein und wird mein,

und ich habe sie von Dir.

Ich danke Dir für jeden Schlag der Uhr

und für jeden Morgen, den ich sehe.

Ich bitte Dich nicht, mir mehr zu geben.

Ich bitte Dich aber um Gelassenheit,

jede Stunde zu erfüllen . . .

Ich bitte Dich um Sorgfalt,

dass ich meine Zeit nicht töte, nicht vertreibe, nicht verderbe.

Jede Stunde ist ein Streifen Land.

Ich möchte ihn aufreißen mit dem Pflug,

ich möchte Liebe hineinwerfen, Gedanken und Gespräche,

damit Frucht wächst.

Segne du meinen Tag.

 

Jörg Zink

Sich dem Leben stellen

 

Nimm dein Leben in die Hand.

Packe die Gelegenheit.

Lass dich ermutigen durch Menschen,

die selber einen steilen Weg gewagt haben.

Nimm deine Geschichte an.

Was vergangen ist, versuche zu lassen,

damit du augenblicklich dein Leben neu gestalten kannst.

Pack auch das Unangenehme,

Undefinierbare und Unbegreifliche im Leben an,

damit du daran wachsen und reifen kannst.

Weil Gott sich auch

in den Widersprüchlichkeiten des Lebens

neu ereignet.

 

Pierre Stutz

 

 

Neues vollbringen

 

Wer einen Menschen wieder zum Lachen bringt,

der schließt ihm das Himmelreich auf.

Wer einem Menschen Geduld schenkt,

der infiziert ihn mit Hoffnung.

Wer einen Menschen aufnimmt,

so wie er selber von Christus aufgenommen ist,

der löst ihm die Zunge zum Loben.

 

Lasst uns ausziehen aus unseren Gewohnheiten,

um an der Bibel das Hoffen zu erlernen.

Lasst uns ausziehen und über die Grenze gehen,

um das Leben mit Hoffnung zu infizieren.

Lasst uns keine Grenze mehr achten,

sondern nur den, der die Grenze öffnet.

 

Jürgen Moltmann

Menschen, die feiern können

 

Als Kinder Gottes müssen wir uns nicht unentwegt

um unser Glück plagen. Wir müssen uns nicht vom Leistungsdruck bestimmen lassen.

Wenn wir ungeduldig werden, wenn wir unzufrieden sind,

wenn wir manchmal über die ganze Welt verzweifeln möchten,

können wir uns an Gott wenden, denn wir glauben:

Alles liegt in seiner Hand.

Das lässt uns unsere Nervosität vergessen,

das macht uns fähig zu danken.

Deshalb können wir auch gelassen Feste feiern,

nicht um die Welt zu vergessen,

sondern mit andern zusammen das Leben erst zu nehmen.

 

Eleonore Beck

 

 

Aschermittwoch

 

Es wird immer, auch hier und heute, von großem Segen sein,

zu Zeiten um Gottes und der Menschen willen bewusst auf

bestimmte Genüsse zu verzichten, was allerdings keineswegs

bedeutet, deshalb in Trübseligkeit zu verfallen. Es ist uns nämlich

vom Herrn selbst gesagt, beim Fasten kein finsteres Gesicht

zu machen. Aber die vor Menschen verborgene Buße vermag uns

den Lohn Gottes einzubringen. Auch das sagt uns das Wort der Bibel.

 

F. Ehrlich

Ich bin oft aufgebracht und unruhig.

Ich habe keine Ruhe und kann keine Ruhe geben.

Ich kann mich selber nicht in Ruhe lassen.

Herr, du bist meine Ruhe.

Gib mir Ruhe, damit ich Ruhe geben kann.

Mach mich ruhig und gelassen,

damit ich meine Aufgaben erfüllen

und mich selber finden kann.

 

Elmar Gruber

 

 

Fasten

 

Fasten heißt:

lernen, mit einfachen Dingen glücklich zu sein.

Fasten heißt:

sich freimachen von den tausend Fesseln der tausend toten Dinge,

die man dir angepriesen und aufgedrängt hat,

als seien sie unerlässlich für das Leben.

Fasten heißt:

die einfachen, kleinen Freuden in Dankbarkeit genießen.

 

Phil Bosmans

 

 

Das Nein in mir

verwandelst du Tag um Tag

in ein Ja.

Du willst von mir

nicht nur ein paar Bruchstücke,

sondern mein ganzes Dasein.

 

 

Frére Roger Schutz, Taizé

 

 

Ich glaube,

dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will,

wie wir brauchen.

Aber er gibt sie uns nicht im Voraus,

damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.

 

Dietrich Bonhoeffer

 

 

Befiehl du deine Wege

und was dein Herze kränkt,

der allertreusten Pflege

des, der den Himmel lenkt;

der Wolken Luft und Winden

gibt Wege, Lauf und Bahn,

der wird auch Wege finden,

da dein Fuß gehen kann.

 

Paul Gerhardt

 

 

Eine große segnende Kraft

 

Komme, was mag, Gott ist mächtig.

Wenn unsre Tage verdunkelt sind

und unsere Nächte finsterer als tausend Mitternächte,

so wollen wir daran denken,

dass es in der Welt eine große, segnende Kraft gibt,

die Gott heißt.

Gott kann Wege aus der Ausweglosigkeit weisen.

Er will das dunkle Gestern

in ein helles Morgen verwandeln -

zuletzt in den leuchtenden Morgen der Ewigkeit.

 

Martin Luther King

 

 

Ich überlasse alles dir

 

Gott, in Dir bin ich sicher.

Wenn Du mich hältst, habe ich nichts zu fürchten.

Ich weiß wenig von der Zukunft,

aber ich vertraue auf Dich.

Gib, was gut ist für mich.

Nimm, was mir schaden kann.

Ich bitte Dich weder um Reichtum noch um Armut.

Ich überlasse alles Dir.

Wenn Sorgen und Leid kommen,

hilf mir, sie recht zu tragen.

Bewahre mich vor Selbstsucht und Angst.

In Gesundheit und Erfolg will ich dankbar sein

und Dich nicht vergessen.

Lass mich Dich erkennen,

an Dich glauben und Dir dienen.

 

Nach John Henry Newman (1801-1890)